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Anwalt für die Menschenwürde auch in der digitalen Zeit

12. April 2017

Anwalt für die Menschenwürde auch in der digitalen Zeit

DIVSI trauert um seinen Schirmherrn Prof. Dr. Roman Herzog.

Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), eine von der Deutsche Post AG im Jahre 2011 gegründete Gesellschaft, trauert um seinen Schirmherrn, Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Roman Herzog, der im Alter von 82 Jahren verstorben ist. Roman Herzog hatte die Aufgabe des Schirmherrn im Jahre 2012 übernommen.

„Wir trauern mit seinen Angehörigen und verneigen uns vor einem großen Staatsmann und seinem Lebenswerk“, erklärt Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Deutsche Post DHL Group. „Wir sind dankbar für das, was unser inspirierender Mentor Roman Herzog dem DIVSI gegeben hat.“

In den Jahren seiner sehr aktiv gestalteten Schirmherrschaft hat Roman Herzog die grundlegende Ausrichtung des DIVSI wesentlich geprägt. Ausschlaggebend dafür waren sein profunder Wissensschatz, seine enorme Lebenserfahrung, sein ganz besonderer Humor und vor allem sein großes Interesse an einer menschenwürdigen Entwicklung der digitalen Welt.

Übernahme der DIVSI-Schirmherrschaft durch Roman Herzog

Übernahme der Schirmherrschaft in Hamburg: Roman Herzog, eingerahmt von seiner Gattin Alexandra von Berlichingen, Bürgermeister Olaf Scholz und DIVSI Direktor Matthias Kammer. (Foto: DIVSI)

Dabei hat er sich als ehemaliger Wissenschaftler und Verfassungsrechtler mit Leidenschaft der Erarbeitung eines digitalen Kodexes verschrieben, den er für das gesellschaftliche Miteinander im digitalen Zeitalter für herausragend wichtig hielt. DIVSI-Direktor Matthias Kammer: „Roman Herzog hat unsere tägliche Arbeit bereichert und befruchtet. Und wir stellen dankbar fest: Diese Inspiration hat Wirkung über den Tag hinaus.“

Jürgen Gerdes, auf dessen Anregung die Gründung des DIVSI zurückging, fasst das Wirken des verstorbenen Schirmherrn so zusammen: „Sein Ziel war es, Leitplanken zu finden, um auch in den Medien des begonnenen 21. Jahrhunderts der Menschenwürde Geltung zu verschaffen.“

Zwei Gedanken lagen Roman Herzog bereits bei seiner Amtsübernahme am 5. November 2012 besonders am Herzen. Es lohnt, sich diese noch einmal in das Gedächtnis zu rufen. Roman Herzog:

  1. Die Geheimheit der Privatsphäre des Menschen, die in unserem Kulturkreis seit Jahrhunderten ein wesentlicher Bestandteil seiner Personalität ist, ist neuen Gefährdungen ausgesetzt, die zum Anlass ganz neuer Überlegungen gemacht werden müssen, und da hilft es auch wenig, dass manche von diesen Risiken in Ansätzen auch schon bisher bestanden haben. Schon die veränderten Gefährdungszahlen könnten ja den Eingriff in eine ganz neue Epoche bedeuten.
  2. In jedem Fall ist die Einstellung der Menschheit zur Information dabei, sich schlicht und einfach umzudrehen – und das nun wirklich zum ersten Mal in der Geschichte. Bisher hatte der Mensch bei allem, womit er sich beschäftigte, unter einer deprimierenden Informationsknappheit zu leiden. Das Zeitalter, in das wir hineingehen, wird demgegenüber durch ein deprimierendes Überangebot an Informationen charakterisiert sein. Salopp ausgedrückt: Bisher hatte die Menschheit richtige Informationen zu suchen, in Zukunft wird sie eher falsche, ungeeignete Informationen auszusondern haben.

Wir werden sehen, wie das gehen wird. Aber jedenfalls wird es genug zu tun geben!

Roman Herzog, ein großer Deutscher

Roman Herzog (* 5. April 1934 in Landshut; † 10. Januar 2017 in Bad Mergentheim) war von 1994 bis 1999 der siebte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Zuvor war er von 1978 bis 1980 Kultus-, von 1980 bis 1983 Innenminister des Landes Baden-Württemberg und von 1983 bis 1994 Richter am Bundesverfassungsgericht, ab 1987 als dessen Präsident tätig.

Als Bundespräsident ist Herzog unter anderem für seine Berliner Rede 1997 bekannt, in der er für einen „Ruck durch Deutschland“ und mehr Reformbereitschaft in Gesellschaft und Politik warb.

Herzog damals: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von lieb gewordenen Besitzständen, vor allen Dingen von den geistigen, von den Schubläden und Kästchen, in die wir gleich alles legen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen:

  • die Arbeitgeber, indem sie Kosten nicht nur durch Entlassungen senken,
  • die Arbeitnehmer, indem sie Arbeitszeit und -löhne mit der Lage ihrer Betriebe in Einklang bringen,
  • die Gewerkschaften, indem sie betriebsnahe Tarifabschlüsse und flexiblere Arbeitsbeziehungen ermöglichen,
  • Bundestag und Bundesrat, indem sie die großen Reformprojekte jetzt rasch voranbringen,
    die Interessengruppen in unserem Land, indem sie nicht zu Lasten des Gemeininteresses wirken.“

Im Jahr 1996 führte er den 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein. Zudem prägte er im Jahr 2008 den Begriff „Rentnerdemokratie“.

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