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Internet – Mehr als ein Info-Medium

30. Dezember 2014

Internet – Mehr als ein Info-Medium

Bild: zeljkodan – Shutterstock

Öffentliche DIVSI-Vorlesung in der Universität Hamburg auf Basis der U25-Studie.

Von Jürgen Selonke

Hamburg – Vor voll besetzten Reihen referierten Joanna Schmölz, wissenschaftliche Leiterin von DIVSI, und Projektleiterin Meike Demattio im Rahmen einer öffentlichen Vorlesung in der Hamburger Universität. Bei dieser Veranstaltung im Rahmen des Allgemeinen Vorlesungswesens ging es um die DIVSI U25-Studie im Allgemeinen sowie um „Perspektiven auf pädagogische und didaktische Potenziale privater, mobiler Endgeräte in der Schule“ im Speziellen.

Mobbing-Sorge

Drei Punkte fanden bei der intensiven Diskussionsrunde besonderes Interesse. Dabei ging es zum einen um das Thema Mobbing. Meike Demattio hatte berichtet, dass dies laut Studienergebnis ein wichtiges Thema für die junge Generation ist: „Bei den Befragungen gab es keine Gruppe, die nichts dazu sagen konnte.“

Dabei würden mit diesem Begriff eine Reihe von Phänomenen verbunden. Die Negativ-Palette reicht von Bloßstellung durch diffamierendes Bild/Ton-Material über Beleidigungen bis zum „Hacken“ eines Online-Profils oder zur Täuschung über ein „Fake-Profil“.

Die engagierte Diskussionsrunde in der Hamburger Uni bestätigte die große Sorge der jungen Menschen vor dieser Art von Verunglimpfung: „Mobbing hat Relevanz im Leben. Die besondere Brisanz liegt darin, dass sich solche Anfeindungen ganz schnell verselbstständigen können.“ Mobbing wird dabei angesehen als eine Mischung aus „medial vermittelter Angst und dem Bewusstsein, dass eine solche Gefahr nicht auszuschließen ist“.

Grundsätzlich wird Mobbing online schlimmer empfunden als offline. Laut U25-Studie hat etwa jeder Dritte der jungen Erwachsenen Sorge, zum Opfer werden zu können. Dabei liegt dieser Furcht-Gedanke weit über den objektiven Zahlen. Als tatsächlich Schikanierte haben sich im Rahmen der Untersuchung drei Prozent geoutet.

Kreativ-Raum Internet

Joanna Schmölz zitierte Erkenntnisse der US-amerikanischen Sozialforscherin Danah Boyd. Die Wissenschaftlerin hält die Kritik an der angeblich internethörigen Jugend für überzogen. Boyd beurteilt die Diskussion von einer Kultur der Angst geprägt und sieht sich frustriert von dem Denken über die Jugend, dass die Technologie für sie alles viel schlimmer mache nmüsse. Die Älteren sollten demnach nicht den Fehler machen, das Internet als „böse“ darzustellen, weil vielleicht Unverständnis darüber herrscht, was Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene den ganzen Tag über im Netz machen.

Eine Sichtweise, die bei der Hamburger Uni-Runde von den jungen Teilnehmern voll geteilt wurde. Demnach halten sie es für falsch, wenn ihnen das Internet vor allem als Info- und Bildungsmedium schmackhaft gemacht wird. Dagegen vermissen sie zielgerichtete Hinweise auf die kreativen Möglichkeiten des Mediums: „Vor allem in der Schule wurde kaum jemals Raum für Internet-Kreativität gegeben“ Hier werde eine große Chance vertan, das Internet über seine Möglichkeiten als Info- und Bildungsmedium hinaus in das Leben einzubauen.

Die Zuhörer argumentierten, dass sie sich generell unverstanden fühlten, wenn sie etwas Kreatives im Internet schafften. Auch zu Hause würde viel zu wenig anerkannt, wenn man mit Freunden oder allein das Netz für solche oder andere innovative Zwecke nutze. Viele Eltern würden dann nur kritisieren, wie viel Zeit man schon wieder im Netz vergeudet hätte. Häufig fehle es auch an der geringsten Anerkennung. Immer werde nur gewarnt, viel zu selten gelobt.

Unrechtsempfinden

Ein Blickwinkel, den auch Danah Boyd teilt. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter und kritisiert, dass die Chance der Jugendlichen, durch das Internet zu lernen, teilzuhaben und aus der Welt schlau zu werden, durch das Verhalten der Älteren beschädigt wird.

Gesprochen wurde auch über Erkenntnisse der U25-Studie im Hinblick darauf, ob ein Unrechtsempfinden beim Herunterladen von Filmen, Musik oder Spielen aus dem Internet existiert. Die wesentliche Erkenntnis dazu in der Untersuchung: Erlaubt ist, was alle machen. Vorgenommen würden Risikoabstufungen mit der zentralen Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich strafrechtlich belangt werde?

Die Diskussionsrunde in der Hamburger Uni ergab eine neue Sichtweise, nach der offensichtlich viele handeln: Wenn es so einfach ist, kann es nicht verboten sein.

Gleichzeitig wurde jedoch deutlich, dass der Gedanke an mögliche Unrechtmäßigkeiten die jungen Menschen durchaus umtreibt. Allerdings wissen sie nicht, wo die tatsächlichen Grenzen in dieser Grauzone verlaufen. Als Resultat wurde auch festgehalten: Manches davon ist offensichtlich eine Frage des Alters und endet deshalb ganz automatisch. Hier gab es auch eine Forderung an die ältere Generation: Sie müsse in Bezug auf Grauzonen klare Handlungsoptionen geben und mehr und besser – auch in der Schule – aufklären.

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