Soziodemografie – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 „Ich will handeln – und ich will etwas ändern.“ https://www.divsi.de/ich-will-handeln-und-ich-will-etwas-aendern/ https://www.divsi.de/ich-will-handeln-und-ich-will-etwas-aendern/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:09 +0000 https://www.divsi.de/?p=19433 Familienministerin Franziska Giffey bei der Vorstellung der DIVSI U25-Studie. Ein Jugendmedienschutz dringend notwendig. Anbieter stärker in die Verantwortung nehmen. Von Jürgen Selonke Gemeinsam mit Familienministerin Franziska Giffey haben Joanna Schmölz (DIVSI) und Dr. Silke Borgstedt (SINUS) die neue U25-Studie im Deutschen Technikmuseum in Berlin vorgestellt. Die Untersuchung macht deutlich, dass sich die 14- bis 24-Jährigen, […]

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„Ich will handeln – und ich will etwas ändern.“

Foto: Stefan Zeitz

Familienministerin Franziska Giffey bei der Vorstellung der DIVSI U25-Studie. Ein Jugendmedienschutz dringend notwendig. Anbieter stärker in die Verantwortung nehmen.

Von Jürgen Selonke

Gemeinsam mit Familienministerin Franziska Giffey haben Joanna Schmölz (DIVSI) und Dr. Silke Borgstedt (SINUS) die neue U25-Studie im Deutschen Technikmuseum in Berlin vorgestellt. Die Untersuchung macht deutlich, dass sich die 14- bis 24-Jährigen, die „Generation Internet“, zwischen Glück und Abhängigkeit bewegen. Es lässt sich bei ihnen ein grundlegender Wandel in der Nutzung und Wahrnehmung Sozialer Medien erkennen. Der Hype ist vorbei, die Skepsis steigt. Details zu den Ergebnissen der Studie finden Sie hier.

Joanna Schmölz, stellv. Direktorin des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet, betonte in ihrer Begrüßung: „Wir reden hier von der ersten Generation, in der es keine Offliner mehr gibt. Die meisten jungen Menschen können sich ein Leben ohne Internet kaum vorstellen – nicht auszudenken die Konsequenzen eines Rückzugs, sofern überhaupt realistisch.“ Vielmehr sei das Internet die Basis-Infrastruktur des vernetzten Alltags der 14- bis 24-Jährigen. Schmölz: „Es hilft, inspiriert und assistiert und ist vor allem eins: praktisch. Manche macht es regelrecht glücklich.“

Unbehagen

Insgesamt würden die Befragten in der Internetnutzung überwiegend Chancen sehen, für sich selbst und für die Zukunft der Gesellschaft. Gleichzeitig warnte Joanna Schmölz: „Die jungen Menschen sehen aber auch die Schattenseiten, viele Risiken und Restriktionen. Die Omnipräsenz der digitalen Welt, der empfundene Gruppendruck und Überforderung im Umgang mit den vielen technischen wie rechtlichen Fragen erzeugen Unbehagen und ein latentes Unsicherheitsgefühl. Die meisten sind zwar ganz selbstverständlich online, aber anders als noch vor vier Jahren bei der ersten U25-Studie immer häufiger zurückhaltend, misstrauisch und besorgt.“

Familienministerin Giffey unterstrich nachdrücklich wesentliche Aussagen der Studie. Sie betonte, dass junge Menschen die Gefahr des Angriffs auf ihre persönliche Unversehrtheit durch Beleidigung, Mobbing oder das Veröffentlichen intimer Informationen sehen: „Sie haben Angst vor dem Missbrauch ihrer persönlichen Daten und fürchten um ihre Reputation und damit um ihre künftigen beruflichen und sozialen Chancen.“

Ein souveräner und kompetenter Umgang mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung sei Kindern nicht in die Wiege gelegt. Er erfordert Unterstützung und Begleitung: „Deshalb überrascht es mich nicht, dass auch unter den Befragten der Wunsch nach besserer Vorbereitung auf die digitale Zukunft besteht.“

In diesem Zusammenhang und vor dem Hintergrund von Erkenntnissen der Studie plädierte sie nachdrücklich für einen modernen Jugendmedienschutz. Die Familienministerin: „Wenn junge Menschen sich von Schule und ihren Eltern nicht ausreichend auf die digitale Zukunft vorbereitet sehen, zwingt uns das zum Handeln. Wenn junge Menschen sich mehr und mehr aus dem Online-Rampenlicht zurückziehen und sie ihr Recht auf Teilhabe nicht wirklich wahrnehmen, zwingt uns das zum Handeln. Wenn junge Menschen sich wegen der Intransparenz von Online-Angeboten Gefahren für ihre Identität oder ihren Geldbeutel ausgeliefert sehen und sich mehr Verantwortung und unabhängige Kontrolle wünschen, zwingt uns das zum Handeln. Wenn junge Menschen in dem für sie zentralen Medium des Meinungsaustausches sich nicht mehr trauen, ihre Meinung zu äußern, stellt das eine zentrale Grundlage unserer demokratischen Gesellschaft infrage und zwingt uns zum Handeln. Wenn 89 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass wir den Risiken bei der Nutzung von Sozialen Medien stärker begegnen müssen, zwingt uns das zum Handeln.“

Dabei sei die Gesellschaft aufgerufen, nicht nur auf die jungen Menschen zu hören. Vielmehr müsse man den Kinder- und Jugendmedienschutz von ihnen aus denken. Giffey: „Das klingt banal, ist aber der größte Missstand: Bislang wird der Kinder- und Jugendschutz von den Medien aus gedacht. Deren Interessen werden oft wichtiger genommen als der Schutz und die Interessen von Kindern und Jugendlichen.“

Die Familienministerin machte unmissverständlich deutlich: „Ich will handeln – und ich will etwas ändern.“ Man dürfe Kinder, Eltern und Fachkräfte nicht alleine lassen mit dem digitalen Wandel, sondern müsse sie unterstützen und befähigen. Es sei erforderlich, Transparenz bei den Angeboten zu schaffen und Eltern Orientierung in Hinblick auf mögliche Gefahren für Körper und Seele, Gesundheit, Geldbeutel und Zukunft ihrer Kinder zu geben.

Dabei machte Franziska Giffey auch auf ein spezielles Problem aufmerksam: „Vom Kind und von den Eltern aus denken heißt, gleiche Inhalte gleich zu behandeln, zum Beispiel bei der Alterskennzeichnung. Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht: Derzeit greifen verschiedene, teilweise widersprüchliche Gesetze von Bund und Ländern mit unterschiedlichen Zuständigkeiten je nach Medium und Verbreitungsweg, sodass selbst Experten die Orientierung verlieren.“

Präsentation der U25-Studie

Studien-Präsentation: Franziska Giffey, eingerahmt von Silke Borgstedt (SINUS, l.) und Joanna Schmölz (DIVSI) (Foto: Stefan Zeitz)

Wirksam schützen

Wichtige Aufgabe sei es auch, Kinder und Jugendliche wirksam vor Hass und Mobbing, vor Radikalisierung und Selbstentblößung, vor Abzocke und Missbrauch zu schützen. Man müsse die Angebote in den Blick nehmen, die Kinder und Jugendliche tatsächlich nutzen – Social-Media-Plattformen, Streaming-Kanäle, Online-Games und Messenger. Die Ministerin: „Wir müssen die Anbieter in die Verantwortung nehmen, Kinder- und Jugendmedienschutz konsequent und von Anfang an schon bei der Produktentwicklung zu berücksichtigen. Unsere Kinder dürfen nicht rein wirtschaftlichen Interessen und Werten überlassen bleiben!“

Staat und Gesellschaft hätten darauf zu achten, Vorschriften auch durchzusetzen. Dabei seien Sanktionen nicht auszuschließen. Die Familienministerin: „Egal, ob der Anbieter in Berlin oder in Kalifornien sitzt: Entscheidend ist der Ort, wo das Kind sitzt, das das Angebot in Anspruch nimmt und das es zu schützen gilt.“

Zielsetzung

Dieses weite Themenspektrum würde bei der anstehenden Modernisierung des Jugendschutzgesetzes in Angriff genommen werden. Ministerin Giffey: „Übrigens trägt uns das nicht nur die DIVSI-Studie auf, sondern das ist auch im Koalitionsvertrag vereinbart. Und das packen wir jetzt an.“

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DIVSI U25-Studie 2018: Skepsis wächst, der Hype ist vorbei https://www.divsi.de/divsi-u25-studie-2018-skepsis-waechst-der-hype-ist-vorbei/ https://www.divsi.de/divsi-u25-studie-2018-skepsis-waechst-der-hype-ist-vorbei/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:08 +0000 https://www.divsi.de/?p=19434 Jugendliche und junge Erwachsene im Online-Dilemma zwischen Glück und Abhängigkeit. Von Silke Borgstedt Das SINUS-Institut hat die erste U25-Studie 2014 im Auftrag von und in enger Absprache mit dem DIVSI realisiert. Sie lieferte erstmals einen fundierten Einblick in die digitalen Lebenswelten der nachwachsenden Generation. Die jetzt quasi fortgeschriebene Untersuchung von damals erlaubt wiederum vertiefte Einblicke […]

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DIVSI U25-Studie 2018: Skepsis wächst, der Hype ist vorbei

Fotos: Rawpixel.com/Look Studio – Shutterstock

Jugendliche und junge Erwachsene im Online-Dilemma zwischen Glück und Abhängigkeit.

Von Silke Borgstedt

Das SINUS-Institut hat die erste U25-Studie 2014 im Auftrag von und in enger Absprache mit dem DIVSI realisiert. Sie lieferte erstmals einen fundierten Einblick in die digitalen Lebenswelten der nachwachsenden Generation. Die jetzt quasi fortgeschriebene Untersuchung von damals erlaubt wiederum vertiefte Einblicke in den Alltag der „Generation Internet“. Sie zeigt vor allem, wie schnell Digitalisierung deren Lebenswirklichkeit verändert.

Und sie macht deutlich, dass die Zeiten einer unbesorgten Nutzung der sich bietenden technischen Möglichkeiten Vergangenheit sind. Der Hype ist vorbei, reine Euphorie war gestern.

Keine Offliner

Zu den zentralen Befunden gehört, dass alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland online sind. Smartphones und mobiles Internet sind selbstverständlich. In der Gruppe der jungen Menschen zwischen 14 und 24 gibt es heute keine Offliner mehr. 99 Prozent nutzen das Internet täglich. Das ist ein Zuwachs von 28 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2014.

Das Internet ist in dieser Altersgruppe immer da. Mehr noch, es ist in vielen Lebensbereichen alternativlos. Diese Feststellung der 9,37 Mio. 14- bis 24-Jährigen in Deutschland ist weniger eine banale Erkenntnis als vielmehr eine Sichtweise, welche die Einstellungen und Verhaltensweisen junger Menschen entscheidend prägt. Das Internet wird vor allem als praktisch angesehen, weil es den Zugang zu Informationen erheblich erleichtert.

Unverzichtbar

Für die überwiegende Mehrheit der Befragten sind digitale Infrastrukturen und Angebote unverzichtbar. 68 Prozent stimmen zu, dass ein Leben ohne Internet für sie nicht vorstellbar wäre. 69 Prozent gehen so weit zu sagen, dass das Internet sie glücklich macht.

Online-Aktivitäten strukturieren den Tagesablauf, erzeugen lieb gewonnene Rituale, erfordern aber auch einiges (reagieren müssen, dabei sein müssen).

Diese stärkere Verankerung des Internets im Alltag führt aktuell nicht zu einem weiteren Positivschub, sondern – im Mittel betrachtet – zu einer entspannten Normalisierung bis hin zu Ernüchterung, die sich lebensweltlich allerdings ganz unterschiedlich ausprägt.

Allerdings wird die Omnipräsenz der digitalen Welt nicht nur positiv erlebt: 64 Prozent haben das Gefühl, im Internet Zeit zu verschwenden; 19 Prozent meinen gar, dass das Internet „nervt“.

Studie U25 2018: Wahrnehmung negativer Aspekte

Dabei nehmen die Befragten wahr, dass es in vielen Lebensbereichen keine Alternative zum Internet gibt. Diese befürchtete bzw. erlebte Abhängigkeit erzeugt Unbehagen. Die Vorstellung, dass in Zukunft vieles nur noch über das Internet erledigt werden kann, machte 2014 gut einem Fünftel von ihnen Angst. 2018 hat sich dieser Wert mit 41 Prozent nahezu verdoppelt.

Studie U25 2018: Einstellung zum Internet 2018 und 2014

Problematisch

Die Sorge vor Internetsucht ist weit verbreitet, ebenso wie die Befürchtung, ein vernünftiges Maß im Umgang insbesondere mit dem mobilen Internet überschritten zu haben. Bereits fast jeder Dritte fürchtet, „internetsüchtig“ zu sein, nimmt die eigene Internetnutzung also als problematisch wahr.

Knapp ein Viertel der Befragten ist jedoch weiterhin von Euphorie getrieben. Für diese Enthusiasten (23 Prozent) ist ein Leben ohne Internet nicht nur unvorstellbar, es macht ihnen regelrecht Angst, da sie nicht wissen, wie der Alltag „ohne“ organisiert werden könnte. Sie zeigen sich dezidiert unberührt von Sicherheitsfragen.

Insgesamt betrachtet sehen sich die 14- bis 24-Jährigen eher als Getriebene denn als Gestalter einer digitalen Transformation. Sie betonen, dass Internetnutzung häufig keine freie Entscheidung sei, sondern Grundvoraussetzung, um teilhaben zu können (im Freundeskreis, in der Schule, im Studium, im Beruf).

Dies wird nicht als Problem empfunden, solange sich Risiken im Rahmen halten oder man damit umgehen kann. Hier sehen sie aber großen Aufholbedarf: 89 Prozent von ihnen wünschen sich z.B., dass die AGB/Nutzungsbedingungen von Sozialen Medien auf leicht verständliche Art und Weise darstellen, welchen möglichen Gefahren sich Nutzer aussetzen. Dies kann als konkrete Aufforderung an Politik und Betreiber von Online-Angeboten verstanden werden. Zudem stellen sie die Frage nach der Verantwortung und wünschen sich eine idealerweise unparteiische Instanz. Die könnte etwa entscheiden, was gesperrt werden sollte, da das Internet ansonsten droht, alleinig interessengeleitet zu sein, und sich im Netz nur die Mächtigen durchsetzen.

Die Untersuchung hat auch einen Wandel in Nutzung und Wahrnehmung Sozialer Medien erkennen lassen. Die Beliebtheit von Facebook sinkt. Gleichzeitig ist für 99 Prozent der Befragten WhatsApp nicht mehr wegzudenken. Mit einem Nutzeranteil von 73 Prozent hat auch Instagram in dieser Altersgruppe Facebook (67 Prozent) überholt.

Im konkreten Online-Verhalten gerade in Bezug zu den Sozialen Medien zeigt sich bei jungen Menschen 2018 eine erhöhte Sensibilität bei öffentlicher Meinungsäußerung im Internet. So ist ein teilweiser Rückzug aus dem Online-Rampenlicht zu bemerken. Entsprechend sind Plattformen wie Facebook weniger interessant geworden und Messaging-Dienste immer erfolgreicher. Bevorzugt wird das Kommunizieren in leichter kontrollierbaren Communitys (one-to-one/one-tofew statt one-to-public). Die große Bühne überlässt man (semi)professionellen Bloggern und Influencern.

Handlungsbedarf

Auch die wahrgenommene Beleidigungskultur im Internet ist ein wesentlicher Grund, sich mit der eigenen Meinung lieber zurückzuhalten. Das Internet – und insbesondere Soziale Medien – werden nicht einfach nur positiv als Ort der freien Meinungsäußerung empfunden. Jugendliche und junge Erwachsene machen die Erfahrung, dass der gegenseitige Respekt, der die Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses in demokratischen Gesellschaften bildet, im für sie zentralen Medium des Meinungsaustauschs nicht ausreichend gegeben ist. Dass sie in der Konsequenz bei relevanten Themen eher still bleiben, ist nachvollziehbar, sollte aber ein Hinweis auf Handlungsbedarf sein.

Studie U25 2018: Gründe für Verzicht auf öffentliche Beteiligung im Internet

Risiken werden 2018 stärker wahrgenommen. Allerdings hat dies nicht dazu geführt, dass erhöhte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Die Anwendung entsprechender Schutzmaßnahmen ist sogar rückläufig. Besonders deutlich fallen die Unterschiede bei der selektiven Kontrolle aus. 2014 gaben noch 67 Prozent der 14- bis 24-Jährigen an, nur Seiten zu nutzen, bei denen sie wissen, dass sie sicher sind. Heute liegt die entsprechende Zahl bei 46 Prozent.

Verdrängung

Datenschutz ist für alle relevant, gilt aber als ein zu komplexes Thema, dessen tatsächliche Auswirkungen (positiv wie negativ) unklar sind. Daher steigen viele aus, wenn es um eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema geht, indem sie aktuelle Gegebenheiten schlicht akzeptieren oder das Problem verdrängen. Diese Überforderung ist als ein deutlicher Appell für eine stärkere Unterstützung bei diesem Thema zu verstehen.

Falschinformationen und technische Unklarheiten sorgen für eine erhöhte Risikosensibilität.14- bis 24-Jährige sehen primär Verbesserungen und Chancen durch digitale Innovationen, doch sie nehmen zunehmend auch Risiken und große Herausforderungen wahr. Diese drehen sich insbesondere um drei Gefahrenkomplexe:

  • Identitätsgefährdung, d.h. der Angriff auf die persönliche Unversehrtheit durch Beleidigung, Mobbing oder das Veröffentlichen intimer Informationen: Es geht dabei insbesondere um die Verknüpfung persönlicher und personenbezogener Daten mit konkreten Einstellungen und Aktivitäten. Sie haben Angst um ihre Reputation und damit um ihre künftigen beruflichen und sozialen Chancen.
  • Unterscheidung von Wahr und Falsch im Internet: Das Thema „Fake“ ist ins Bewusstsein gerückt und bringt das grundsätzliche Vertrauen in das Medium stark ins Wanken, auch wenn man im Alltag meint oder hofft, die richtige Information ausgewählt zu haben.
  • Unsicherheit, ob und wovon man eigentlich betroffen ist: Auch wenn einige im Hintergrund laufende Prozesse durchaus bekannt sind (Tracking, Cookies) oder man zumindest theoretisch schon mal davon gehört hat, dass Online-Aktivitäten nachverfolgbar sind, schafft dieser Zustand ein diffuses Unbehagen. Das Internet wird als Blackbox erlebt, denn man tappt zumeist im Dunkeln, weiß nicht genau, was im Hintergrund geschieht, worauf man sich verlassen kann und welche Sicherheitsmaßnahmen sinnvoll sind.

Das systematische Sammeln von Daten, z.B. zu Marketingzwecken, ist eher ein Nebenschauplatz. Dazu passt die Erkenntnis, dass es 20 Prozent der Befragten egal ist, was mit den eigenen Daten passiert. 2014 waren dies nur 8 Prozent.

Ein Umdenken in der Gesellschaft sollte beim Umgang mit dem Begriff „Digital Native“ erfolgen. Die Vorstellung, junge Menschen seien qua Geburtsjahr digital kompetent, lehnen 14- bis 24-Jährige entschieden ab. Vielmehr betonen sie, dass sich auch diejenigen, die mit dem Internet groß geworden sind, das notwendige Digitalwissen erst erarbeiten müssen. Auffällig auch, dass 47 Prozent der Befragten die Bezeichnung „Digital Native“ überhaupt nicht kennen.

DIVSI U25-Studie 2018: Bezug von Internetwissen

Die Untersuchung hat weiter gezeigt, dass sich junge Menschen auf eine digitale Zukunft unzureichend vorbereitet sehen. Kompetenzen eignen sie sich zumeist durch eigene Erfahrungen und den Freundeskreis an. Weniger relevant als Vermittler von Wissen über das Internet sind Eltern oder Verwandte (33 Prozent bzw. 19 Prozent).

69 Prozent der 14- bis 24-Jährigen fühlen sich auch von der Schule nicht ausreichend auf die digitale Zukunft vorbereitet. Themen wie Sicherheit und Schutz der Privatsphäre kommen aus ihrer Sicht nur unzureichend vor.

Analog-Sehnsucht

Als „Botschaft“ an die Gesellschaft ergibt diese neue U25-Studie generell, dass 14- bis 24-Jährige insgesamt mehr Chancen als Risiken in der digitalen Entwicklung sehen – trotz einer von ihnen selbst erkannten teilweisen Überforderung und einer diffusen „Analog-Sehnsucht“. Junge Menschen wissen und wollen, dass Digitalisierung weiter vorangetrieben wird, und fordern deshalb eine verlässliche Vorbereitung auf die digitale Zukunft ein. Sie formulieren klare Erwartungen und machen deutlich, dass sie das Internet nicht nur nutzen, sondern die digitale Welt, in der sie aufwachsen und leben, auch verstehen wollen.

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DIVSI Magazin – Ausgabe 4/2018 https://www.divsi.de/publikationen/magazine/divsi-magazin-ausgabe-42018/ Fri, 21 Dec 2018 08:57:09 +0000 https://www.divsi.de/?post_type=magazine&p=19477 Das letzte DIVSI-Magazin. Zum Inhalt: In Hamburg sagt man Tschüss  Und weitere Themen…

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Das letzte DIVSI-Magazin.

Zum Inhalt: In Hamburg sagt man Tschüss
 Und weitere Themen…

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DIVSI U25-Studie: Euphorie war gestern https://www.divsi.de/publikationen/studien/divsi-u25-studie-euphorie-war-gestern/ Mon, 19 Nov 2018 08:57:22 +0000 https://www.divsi.de/?post_type=studien&p=19295 Einen wesentlichen Unterschied im Umgang mit der digitalen Welt bei den heute 14- bis 24-Jährigen im Vergleich zu Gleichaltrigen vor vier Jahren signalisiert bereits der Titel: Die Zeiten einer unbesorgten Nutzung der sich bietenden technischen Möglichkeiten sind Vergangenheit. Die Ergebnisse zeigen vielmehr: Der Hype ist vorbei, reine Euphorie war gestern.

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Vorwort von Matthias Kammer

Mein Vorwort für die erste U25-Studie wurde vor gut viereinhalb Jahren verfasst. Mit der damals viel beachteten Untersuchung lieferten wir erstmals einen fundierten Einblick in die digitalen Lebenswelten der nachwachsenden Generation. Weit über reine Nutzungsstatistik hinaus lernten wir viel über die Denk- und Handlungslogiken junger Menschen, über ihre Einstellungen zum Internet sowie über die Motive und Barrieren, die ihr Verhalten in der digitalen Welt steuerten.

Die Zeitspanne von 2014 bis in die Gegenwart ist relativ kurz, gemessen an der Schnelllebigkeit des Internets und der rasanten technologischen Entwicklung allerdings gigantisch. Höchste Zeit also, wieder genau hinzuschauen und hinzuhören. In bewährter Zusammenarbeit mit dem renommierten Heidelberger SINUS-Institut entstand die Ihnen nun vorliegende Studie. Auch sie erlaubt vertiefte Einblicke in den Alltag der „Generation Internet“ und zeigt vor allem auf, wie schnell Digitalisierung ihre Lebenswirklichkeit verändert.

Einen wesentlichen Unterschied im Umgang mit der digitalen Welt bei den heute 14- bis 24-Jährigen im Vergleich zu Gleichaltrigen vor vier Jahren signalisiert bereits der Titel: Die Zeiten einer unbesorgten Nutzung der sich bietenden technischen Möglichkeiten sind Vergangenheit. Die Ergebnisse zeigen vielmehr: Der Hype ist vorbei, reine Euphorie war gestern.

Offliner sind inzwischen gänzlich von der U25-Landkarte verschwunden; gleichzeitig besitzen nahezu 100 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen Smartphones und sind ganz selbstverständlich täglich online.

2014 bedeutete ein Mehr an Internetnutzung auch eine positivere Einstellung zum Internet. Heute reichen die Haltungen der sogenannten „Generation Internet“ von Glück über Ernüchterung bis hin zu Misstrauen und Angst vor Abhängigkeit.

Bei aller grundsätzlich chancenorientierten Einstellung zur digitalen Welt sehen 14- bis 24-Jährige vermehrt Online-Risiken und verspüren im Umgang mit dem Internet eine latente Unsicherheit. Knapp ein Drittel fürchtet, „internetsüchtig“ zu sein, und sogar doppelt so viele nehmen eine Beleidigungskultur wahr, die sie zum Teil davon abhält, die eigene Meinung zu äußern. Das vielfach vorgefasste Bild von sich kopflos in jedes digitale Abenteuer stürzenden Jugendlichen widerlegt die Studie eindrücklich. Ebenso entschieden lehnen sie selbst es ab, als „Digital Natives“ bezeichnet zu werden – auch, weil ihnen sehr wohl bewusst ist, welcher Anstrengungen es bedarf, souverän durchs digitale Dickicht zu navigieren.

Einen solchen – mehr oder weniger souveränen – Umgang mit dem Internet erlernen sie derzeit hauptsächlich durch eigene Erfahrungen und indem sie vieles „einfach mal ausprobieren“. Im Ranking der vertrauenswürdigen Ratgeber in Sachen Internet steht das eigene Bauchgefühl weit vor Expertenmeinungen, Eltern oder Schule.

Auch wenn und obwohl es sich um die erste Generation handelt, in der es keine Offliner gibt, fühlen sich bei Weitem nicht alle jungen Menschen ausreichend auf eine digitale Zukunft vorbereitet. Gut 40 Prozent – und damit doppelt so viele wie noch in 2014 – haben sogar regelrecht Angst vor einer Zukunft, in der vieles nur noch digital geht.

Die Studie gibt, wie die hier knapp angerissenen Ergebnisse zeigen, einen tiefen Einblick in die Lebenswirklichkeit der jungen Generation in Deutschland im digitalen Zeitalter. Daraus ergibt sich Handlungsbedarf in vielerlei Hinsicht. Ich wünsche Ihnen eine informative Lektüre der DIVSI U25-Studie und freue mich auf Ihre Anmerkungen.

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DIVSI Magazin – Ausgabe 2/2017 https://www.divsi.de/publikationen/magazine/divsi-magazin-ausgabe-22017/ Mon, 03 Jul 2017 08:38:47 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=magazine&p=16069 Zum Inhalt: Digitalisierung: Herausforderung und Chance für alle.  Und weitere Themen…

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Zum Inhalt: Digitalisierung: Herausforderung und Chance für alle.
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DIVSI-Bucerius-Forum 2017 – „Ohne digitale Teilhabe keine soziale Teilhabe“ https://www.divsi.de/save-the-date-divsi-bucerius-forum-2017-keine-soziale-teilhabe-ohne-digitale-teilhabe/ https://www.divsi.de/save-the-date-divsi-bucerius-forum-2017-keine-soziale-teilhabe-ohne-digitale-teilhabe/#respond Tue, 16 May 2017 07:55:28 +0000 http://46.30.3.106/?p=15883 Forum des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) und der Bucerius Law School am 11. und 12. Mai 2017 in Hamburg Auch in diesem Jahr setzen das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet und die Bucerius Law School ihre gemeinsame Veranstaltungsreihe fort. Das diesjährige DIVSI-Bucerius-Forum fand am 11. und 12. […]

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DIVSI-Bucerius Forum 2017

Foto: Konstantin Kleine

Forum des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) und der Bucerius Law School am 11. und 12. Mai 2017 in Hamburg

Auch in diesem Jahr setzen das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet und die Bucerius Law School ihre gemeinsame Veranstaltungsreihe fort. Das diesjährige DIVSI-Bucerius-Forum fand am 11. und 12. Mai 2017 wieder in den Räumen der Bucerius Law School statt.

In diesem Jahr ging es um digitale Teilhabe, die in einer Welt, in der kaum noch etwas ohne das Internet geht, immer mehr zur Voraussetzung für Teilhabe am gesellschaftlichen Miteinander wird. Wer nicht online ist oder sein will, bleibt heute schon bei vielen Dingen außen vor. Wir stellten daher die These auf:

„Ohne digitale Teilhabe keine soziale Teilhabe“.

Der im November 2016 im Rahmen eines Bürgerprojektes veröffentlichte Entwurf einer„Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union“ mahnt in seinem Artikel 3 Abs. 2 Satz 1 an: „Die Verwendung von automatisierten Verfahren darf nicht dazu führen, dass Menschen (…) von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden.“ Über den Entwurf lohnt es zu diskutieren. Er wirft wichtige Fragen auf, denn was bedeutet eigentlich Teilhabe in diesem Sinne?

Aus unserer Sicht ist mit Teilhabe die Möglichkeit gemeint, die Infrastrukturen und Angebote einer Gesellschaft umfassend zu nutzen und dadurch ein gleiches Maß an sowohl beruflichen wie auch privaten Chancen zu erlangen. In einer Welt, in der immer mehr Alltagsorganisation und ‑gestaltung digital abläuft, bedeutet digitale Teilhabe deshalb gleichzeitig auch soziale Teilhabe. Und es geht um Chancengerechtigkeit. Denn nur wer auch die digitalen Infrastrukturen und Angebote der Gesellschaft nutzen kann, der kann auch das volle Spektrum an Möglichkeiten ausschöpfen. Zwar wird dem Internet gern zugeschrieben, dass es Chancengleichheit fördere, weil es (theoretisch) allen Menschen jederzeit und von überall schier unbegrenzten Zugang zu Wissen und anderen Ressourcen biete. Gleichzeitig wissen wir (nicht zuletzt aus den DIVSI Internet-Milieu-Studien), dass geeignete technische Voraussetzungen zwar notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung für digitale Teilhabe sind. Es geht vielmehr darum, souverän mit digitalen Medien und dem Internet umgehen zu können, um sicher und chancenorientiert durchs digitale Dickicht zu navigieren. Wer „Internet kann“, ist privilegiert. Wer nicht, wird abgehängt. Die Digitalisierung droht, nicht die Chancengerechtigkeit, sondern ganz im Gegenteil die gesellschaftliche Spaltung zu fördern.

Wie können wir eine solche drohende Spaltung der Gesellschaft in der digitalen Zeit abwenden? Wie verhindern wir, dass Menschen abgehängt werden? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Bildung? Welche Rolle und welche Verantwortung kommt dem Staat, welche privaten Unternehmen zu? Und welcher Anteil liegt in der Verantwortung des Einzelnen?

Nach einem Grußwort der Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Carola Veit, führte der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, in die Themenstellung „digitale Teilhabe als Voraussetzung für soziale Teilhabe“ ein.

Danach erläuterte der Mitunterzeichner der von der ZEIT-Stiftung unterstützten Digital Charta, Wolfgang Kleinwächter, Professor Emeritus der University of Aarhus, die Möglichkeiten der Stärkung gesellschaftlicher Teilhabe durch digitale Grundrechte.

Auf dem anschließenden Podium setzten die Diskutanten sich mit der These der Veranstaltung auseinander und mit der Frage, ob in einer Welt in der kaum noch etwas ohne das Internet oder „online sein“ geht und dies immer mehr zur Voraussetzung für Teilhabe am gesellschaftlichen Miteinander wird, wir uns „offline überhaupt noch leisten können“.

Das Podium:
Dr. Regina Görner, Beisitzerin des geschäftsführenden Vorstands Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO),
Dr. Imke Sommer, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit der Freien Hansestadt Bremen,
Florian Schindler, NEPOS GmbH,
Lina Ehrig, Leiterin Team Digitales und Medien Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. und
Patrick Häde, Gründer und Student der Bucerius Law School.

Nach der Eröffnung des zweiten Tages durch die Keynote von Prof. Dr. Gesche Joost, Internetbotschafterin der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der Single Digital Market-Initiative der Europäischen Kommission und Professorin an der Universität der Künste in Berlin, stand der Tag im Zeichen interdisziplinärer Fachvorträge. Aus akademischer Perspektive wurden unterschiedlichste Aspekte von sozialer Teilhabe in Zeiten der Digitalisierung beleuchtet. Referenten:

Prof. Dr. Kerstin Mayrberger, Beauftragte der Universität Hamburg für Digitalisierung von Lehren und Lernen,
Dr. Claudia Lampert vom Hans-Bredow-Institut, Hamburg 
Dr. Gabriele Buchholtz von der Bucerius Law School.

 

Das Programm

„Ohne digitale Teilhabe keine soziale Teilhabe“
Ist das Smartphone unser Tor zur Welt?

DIVSI-Bucerius Forum
am 11./12. Mai 2017

Donnerstag, 11. Mai 2017
14.00 Registrierung und Begrüßungskaffee
14.30

Begrüßung

Matthias Kammer, DIVSI, Hamburg

14.45

Grußwort

Carola Veit, Präsidentin Hamburgische Bürgerschaft

15.00

Keynote:
Digitale Teilhabe als Voraussetzung für soziale Teilhabe

Thomas Krüger, Präsident Bundeszentrale für politische Bildung 

15:45

kurze Pause
16:00

Keynote:
Gesellschaftliche Teilhabe stärken durch digitale Grundrechte?

Prof. Dr. Wolfgang Kleinwächter, University of Aarhus

16:45

Podiumsdiskussion: „Ohne digitale Teilhabe keine soziale Teilhabe –
Können wir uns offline überhaupt noch leisten?“

Lina Ehrig, Leiterin Team Digitales und Medien Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Berlin

Dr. Regina Görner, Beisitzerin des geschäftsführenden Vorstands Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO)

Patrick Häde, Gründer, Student Bucerius Law School

Florian Schindler, NEPOS GmbH

Dr. Imke Sommer, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit der Freien Hansestadt Bremen

Moderation: Matthias Kammer, DIVSI, Hamburg

Im Anschluss


Abendbuffet

 

Freitag, den 12. Mai 2017

8.30 Registrierung und Begrüßungskaffee
9.00

Begrüßung

Prof. Dr. Katharina Boele-Woelki, Bucerius Law School, Hamburg
Matthias Kammer, DIVSI, Hamburg

9.15

Keynote:
Der Briefkasten ins Internet – Partizipation in der digitalen Gesellschaft

Prof. Dr. Gesche Joost, Universität der Künste, Berlin

10.00

Teilhabe und Bildung – Lernen im digitalen Zeitalter (Arbeitstitel)

Prof. Dr. Kerstin Mayrberger, Beauftragte der Universität Hamburg für Digitalisierung von Lehren und Lernen

10.45 Kaffeepause
11.15

Teilhabe im Freundeskreis und in der Familie (Arbeitstitel)

Dr. Claudia Lampert, Hans-Bredow-Institut, Hamburg

12:00

Demokratie und Teilhabe in der digitalen Zeit (Arbeitstitel)

Dr. Gabriele Buchholtz, Bucerius Law School, Hamburg

12:45

Schlusswort

Matthias Kammer, Hamburg

Im Anschluss


Imbiss und Ausklang der Veranstaltung

 

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Gefahr: Radikalisierung durch das Internet https://www.divsi.de/gefahr-radikalisierung-durch-das-internet/ https://www.divsi.de/gefahr-radikalisierung-durch-das-internet/#respond Thu, 19 Jan 2017 10:29:45 +0000 http://46.30.3.106/?p=15858 Erstmalig vorgenommene Literaturanalyse zeigt, wie und warum vor allem Jugendliche für die Propaganda aus dem Netz empfänglich sind. Von Gertraud Koch Der Verfassungsschutzbericht 2015 zeigt einen deutlichen Zulauf und eine höhere Mobilisierungsfähigkeit der rechtsextremen Szene in Deutschland auf. Viele der Täter sind noch sehr jung. Angesichts der vorgekommenen Anschläge bleibt im Nachgang völlig offen, wann […]

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Radikalisierung durch das Internet

Foto: yuttana Contributor Studio – Shutterstock, youtube/Chris Ares of ziell

Erstmalig vorgenommene Literaturanalyse zeigt, wie und warum vor allem Jugendliche für die Propaganda aus dem Netz empfänglich sind.

Von Gertraud Koch

Der Verfassungsschutzbericht 2015 zeigt einen deutlichen Zulauf und eine höhere Mobilisierungsfähigkeit der rechtsextremen Szene in Deutschland auf. Viele der Täter sind noch sehr jung. Angesichts der vorgekommenen Anschläge bleibt im Nachgang völlig offen, wann und wie sich die Täter radikalisierten.

Dieses Feld ist wissenschaftlich bislang weitgehend unerforscht. Konkret geht es vor allem um die Radikalisierung Jugendlicher über das Internet, die sich besonders ausgeprägt im Bereich des Rechtsextremismus und des extremistischen Islamismus zeigt. Deren ideologische Inhalte und Ziele mögen sich einerseits eklatant voneinander unterscheiden, beide rütteln sie aber an unseren demokratischen Grundfesten und bedienen sich dabei modernster Mittel.

Das Internet, mit dem unsere physische Welt heute so untrennbar verwoben ist, bietet ihnen eine nicht zu überblickende Plattform, um Ideologien zu verbreiten und neue Mitglieder zu gewinnen. Eine der wichtigsten Zielgruppen sind dabei diejenigen, die sich wie keine Generation zuvor mit absoluter Selbstverständlichkeit im digitalen Raum bewegen: Jugendliche. Aufgrund ihrer lebensphasenspezifischen Charakteristika können sie besonders anfällig für die Hinwendung zu radikalen Inhalten sein.

Hier ist auch die Frage ungeklärt, wann radikale Meinungen in Taten umschlagen und welche Anreize es dafür braucht. Gewinnt unsere Gesellschaft hierüber keine Klarheit, könnte das mittelfristig verheerende Folgen haben.

Literaturanalyse

Am Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der Universität Hamburg wurde hierzu jetzt für das DIVSI eine Literaturanalyse erstellt. Diese Studie „Radikalisierung Jugendlicher über das Internet” wurde gerade veröffentlicht. Sie sichtet vorhandenes Material und bringt es gleichzeitig in ein geordnetes System. Eine Wertung insgesamt wurde dabei nicht vorgenommen.

Fest scheint jedoch zu stehen

Offensichtlich spielt das Internet eine große Rolle bei dieser Entwicklung. Auffällig: Die Gruppierungen, die unsere demokratische Grundordnung angreifen, sind digital sehr aktiv. Sie nutzen den digitalen Raum gezielt als Vehikel ihrer terroristischen Botschaften. Dafür greifen sie auf die vorhandene Infrastruktur des Internets zurück. Soziale Medien wie Facebook und Twitter spielen eine Rolle, ebenfalls werden die Botschaften in Online-Zeitschriften und auf Webseiten eingebracht oder Propaganda über Foren, Online-Spiele und aufwendig produzierte Videos verbreitet.

Die durch diese vielfältigen Möglichkeiten erreichbare Klientel lässt sich kaum noch abschätzen. Präzise Untersuchungen dazu fehlen bislang. Erkennbar ist allerdings: Gerade für junge Menschen ist „onlinesein” der Normalzustand ihres täglichen Lebens. Auch war es nie einfacher, sich zu informieren und mit anderen in Austausch zu treten, als in Zeiten der Digitalisierung. Gleichzeitig war die Vielfalt der zugänglichen Quellen nie größer, ebenso ist allerdings auch die Überprüfung der Glaubwürdigkeit schwieriger denn je.

Forschungsbedarf

Um mehr über die Hintergründe dieser Entwicklung zu erfahren, ist ein interdisziplinäres und multimethodisches Vorgehen notwendig. Die Studie verdeutlicht den dringenden Forschungsbedarf auf diesem Feld. Der Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis muss als ausgesprochen bruchstückhaft bezeichnet werden, da bisher nur einzelne Facetten im komplexen Zusammenwirken vieler Faktoren im Radikalisierungsprozess untersucht worden sind. Einigkeit besteht bereits jetzt darüber, so das Ergebnis der Analyse der im europäischen Raum vorliegenden Forschung, dass Jugendliche gegenüber Radikalisierung grundsätzlich anfällig sind. In den analysierten Forschungsarbeiten wird dem Internet als Resonanzraum einerseits eine „ermöglichende“, andererseits auch eine „beschleunigende“ Wirkung zugesprochen, indem radikale Ideologien gefunden, diskutiert, vertieft und gefestigt und dadurch Radikalisierungsprozesse verstärkt und begünstigt werden.

Forschung, die sich, bezogen auf den deutschsprachigen Raum, explizit mit der Radikalisierung von Jugendlichen über das Internet auseinandersetzt, existiert nur sehr vereinzelt. Auch, zu welchem Grad sich professionell produzierte Bildsprache aus Videobotschaften des IS auf die Meinungsbildung bzw. Radikalisierung Jugendlicher auswirkt, muss weiter untersucht werden.

Resonanzraum

Zu klären bleibt auch, welche Bedeutung die Verschränkung der analogen mit der digitalen Welt hat, ob also eine reine Online-Radikalisierung möglich ist oder ob zudem persönliche soziale Kontakte erforderlich sind? Viel spricht für die Wirkung des Internets als Resonanzraum terroristischer und extremistischer Aktivitäten. Allerdings bedarf dies einer vertieften wissenschaftlichen Untersuchung. Genauer zu beleuchten im Zusammenhang mit Online-Radikalisierungsprozessen ist auch die Frage des Bildungsniveaus. Hier stehen sich Forschungsmeinungen gegenüber: Geringe Bildung begünstige die Radikalisierung, andererseits wird auf den vergleichsweise hohen Bildungsgrad islamistischer Extremisten und auf ausgewähltes akademisches Vokabular auf einigen rechtsextremistischen Seiten verwiesen.

Ein weiteres wichtiges und bislang kaum erforschtes Feld ist die Rolle junger Frauen in Verbindung mit Radikalisierung und Internet. Während sich die Literatur bislang überwiegend mit jungen Männern befasst, bleibt die wichtige Rolle junger Frauen innerhalb terroristischer Netzwerke überwiegend unbeleuchtet.

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Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland https://www.divsi.de/die-digitalen-lebenswelten-der-ueber-60-jaehrigen-in-deutschland/ https://www.divsi.de/die-digitalen-lebenswelten-der-ueber-60-jaehrigen-in-deutschland/#respond Fri, 06 Jan 2017 08:19:38 +0000 http://46.30.3.106/?p=15824 Neue Studie vorgestellt. Tiefer Graben zwischen Onlinern und Offlinern. Wunsch nach digitaler Teilhabe steigt weiter. Von Joanna Schmölz Während die einen umfassend in der digitalen Welt angekommen sind, machen andere einen Riesenbogen um sie. Manche wollen an dem teilhaben, was im Internet geschieht, können aber nicht; andere wiederum könnten, wollen aber partout nicht. So unterschiedlich […]

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Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland

Foto: pathdoc | Shutterstock

Neue Studie vorgestellt. Tiefer Graben zwischen Onlinern und Offlinern. Wunsch nach digitaler Teilhabe steigt weiter.

Von Joanna Schmölz

Während die einen umfassend in der digitalen Welt angekommen sind, machen andere einen Riesenbogen um sie. Manche wollen an dem teilhaben, was im Internet geschieht, können aber nicht; andere wiederum könnten, wollen aber partout nicht. So unterschiedlich zeigen sich aktuell die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland. Das hat die bundesweit repräsentative DIVSI Ü60-Studie ergeben, die in Zusammenarbeit mit dem renommierten SINUS-Institut entstand und im November 2016 veröffentlicht wurde.

Graben

Das Internet wird in den Augen der über 60-Jährigen immer wichtiger. 44 Prozent von ihnen halten es gar für die beste Erfindung, die es je gab. 38 Prozent möchten an dem teilhaben, was im Netz geschieht. Dieser Wert ist seit 2012 um 11 Prozentpunkte gestiegen. Doch während der Wunsch nach digitaler Teilhabe steigt und 52 Prozent der über 60-Jährigen bereits online sind (knapp ein Viertel sogar täglich), gehen gleichzeitig 48 Prozent – und damit rund 10 Millionen Menschen in Deutschland – nie ins Internet. Bei ihnen ist die Distanz zur digitalen Welt in den letzten vier Jahren sogar noch größer geworden. Soziale Teilhabe am gesellschaftlichen Alltag wird für sie immer schwieriger, je mehr Dinge nur noch online zu erledigen sind.

DIVSI Internet-Milieus: Ü60

Übersicht: Die Grafik zu den Internet-Milieus Ü60 macht deutlich, wie unterschiedlich in dieser Altersgruppe die digitalen Interessen vertreten sind. (Bild: DIVSI Ü60-Studie)

Wichtige Rolle

Der souveräne Umgang mit digitalen Medien und dem Internet bekommt eine immer wichtigere Rolle, wenn es um die Frage nach Chancengerechtigkeit in einer Gesellschaft geht. Digitale Teilhabe bedeutet gleichzeitig auch soziale Teilhabe.

Dr. Silke Borgstedt, bei SINUS verantwortlich für die Studie: „Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass digitale Teilhabe mehr bedeutet als die Verfügbarkeit eines Online-Zugangs. Sie ist mit der tatsächlichen Nutzung digitaler Medien und Angebote und spezifischen Kompetenzen, aber auch einer generell aufgeschlossenen Haltung zu Fragen der Digitalisierung verbunden. Ebenso spielt ein Mindestmaß an selbst zugeschriebener Souveränität im Umgang mit Risiken und Unsicherheiten im Internet eine Rolle. Wie sich dieses Konglomerat an Teilhabevoraussetzungen in der Realität tatsächlich ausprägt, zeigen die DIVSI Internet-Milieus auf besonders anschauliche Weise: Sie machen deutlich, dass in den verschiedenen digitalen Lebenswelten jeweils unterschiedliche Treiber und Hürden den Weg in die digitale Welt erleichtern bzw. erschweren.“

Schlüsselressource

Von den mehr als 11 Millionen (52 Prozent) Onlinern unter den über 60-Jährigen sind etwa 3,1 Millionen (15 Prozent) souveräne Intensiv-Nutzer. Sie stehen der sog. „digitalen Avantgarde“ im Hinblick auf Online-Kompetenz in nichts nach. Für sie ist das Internet eine selbstverständliche Infrastruktur im Lebensalltag, und der digitale Lebensstil dient ihnen als Abgrenzung von Gleichaltrigen. Sie brauchen weder Hilfe noch „seniorengerechte“ Digitalangebote und lehnen diese sogar strikt ab. Die Digitalisierung begreifen sie als Schlüsselressource für die Zukunft unserer Gesellschaft. Dies sehen auch viele Gelegenheitsnutzer und sogar Offliner so. Letztere sind zwar nicht selbst im Netz aktiv, werden aber zuweilen zu „Passiv-Onlinern“, indem sie Dinge im Netz von anderen erledigen lassen.

Viele Ältere halten sich für weniger kompetent im Umgang mit dem Internet als jüngere Menschen. Wenn man sich aber ihr Online-Verhalten ansieht, ist das häufig gar nicht der Fall. Jeder vierte über 60-Jährige besitzt mittlerweile ein Smartphone. Dieser Anteil ist in den letzten vier Jahren von 4 Prozent auf 24 Prozent gestiegen und hat sich damit versechsfacht. Für 77 Prozent derjenigen, die das mobile Internet nutzen, sind insbesondere Messenger-Dienste attraktiv – vor allem, weil sie es ermöglichen oder zumindest vereinfachen, mit Freunden in Kontakt zu bleiben.

Sicherheitsbedenken

Großen Einfluss auf das Internet-Nutzungsverhalten der über 60-Jährigen und ihre Einstellungen zum Internet haben Alter und berufliche Tätigkeit. Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil der Offliner rapide zu. Während unter den 60- bis 69-Jährigen lediglich 17 Prozent noch zu den Offlinern zählen, sind es bei den Personen, die die 70-Jahre-Marke erreicht bzw. überschritten haben, alarmierende 83 Prozent. Die häufigsten Gründe, warum Menschen über 60 offline bleiben: Sie fühlen sich von der Komplexität des Internets überfordert oder sehen schlicht keinen (persönlichen) Nutzen darin. Vor allem aber hemmen Sicherheitsbedenken sowie die Sorge, Risiken hilflos ausgesetzt zu sein, die Internetnutzung.

Hürden gibt es jedoch nicht nur für Offliner, sondern auch für die, die regelmäßig online sind. Sie zeigen ebenfalls Unsicherheiten im Umgang mit dem Internet und sehen in Online-Angeboten Risiken, denen sie nicht immer souverän begegnen können. Viele sind auf Hilfe Dritter angewiesen und suchen diese aktiv auf, indem sie z.B. bestimmte Angebote nur mit Unterstützung von (meist jüngeren) Familienmitgliedern nutzen. Die Studie zeigt ferner, dass die über 60-Jährigen großen Wert auf die Bewahrung ihrer Privatsphäre im Internet legen. Zwar sind Social-Media-Angebote ein wichtiger Treiber der Internetnutzung, gleichzeitig jedoch existieren große Vorbehalte gegen die Veröffentlichung persönlicher Daten. Dr. Silke Borgstedt: „Die über 60-Jährigen haben unterschiedliche Strategien und Verhaltensweisen entwickelt, um die Herausforderungen im Internet zu meistern. So nutzen sie beispielsweise keine Angebote, die ihnen zu unsicher erscheinen. Allen Services, bei denen es um das eigene Geld oder persönliche Daten geht, begegnen sie besonders skeptisch. Und: Sie verzichten eher als die Gesamtbevölkerung komplett auf bestimmte Dienste aufgrund von Sicherheitsbedenken.“

Die Gemengelage aus Teilhabewunsch und Unsicherheit wirkt sich auch auf die Zuschreibung der Verantwortung für Sicherheit im Internet aus. 59 Prozent der über 60-Jährigen betonen die Eigenverantwortung der Nutzer im Umgang mit dem Internet. Weil die Zweifel daran, wie weit jeder Einzelne dazu überhaupt imstande sei, groß sind, adressieren sie auch Staat und Unternehmen. 85 der Befragten über 60 Jahre sehen die Unternehmen in der Pflicht, für mehr Sicherheit im Netz zu sorgen. 71 Prozent fordern, dass der Staat mehr Verantwortung übernehmen müsse. Gleichzeitig glauben die Onliner unter den über 60-Jährigen nicht, dass sich das Internet vollständig kontrollieren und sichern lässt. Vor allem aber betonen sie, dass die Freiheit im Netz nicht zugunsten von mehr Kontrolle eingeschränkt werden sollte.

Digitale Teilhabe

Im Hinblick auf Einstellungen zu Vertrauen und Sicherheit im Internet und den übergeordneten Teilhabewunsch ist die grundlegende Werthaltung der Menschen maßgeblich. Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen sind ähnlich vielfältig wie bei jüngeren Altersgruppen. Dabei gibt es eine mit 38 Prozent große Gruppe von Menschen, die gern mehr online unternehmen würden, als sie es bisher tun – teils aus Sicherheitsbedenken, teils aus selbst zugeschriebener geringer Internetkompetenz. Sie sehen den digitalen Wandel als Chance für die
Zukunft, wissen aber nicht, ob sie umfassend teilhaben können oder angesichts bestehender Bedenken und Unsicherheiten wollen.

An ihnen wird sich in den nächsten Jahren entscheiden, ob es gelingt, auf die Bedürfnisse von Menschen mit Teilhabewunsch und -anspruch auch entsprechend eingehen zu können.

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DIVSI Magazin – Ausgabe 3/2016 https://www.divsi.de/publikationen/magazine/divsi-magazin-ausgabe-32016/ Thu, 15 Dec 2016 10:17:12 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=magazine&p=15796 Zum Inhalt: Visionäre dringend gesucht. Und weitere Themen…

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Zum Inhalt: Visionäre dringend gesucht.
Und weitere Themen…

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Digitaler Wandel ist nicht nur technisch … https://www.divsi.de/digitaler-wandel-ist-nicht-nur-technisch/ https://www.divsi.de/digitaler-wandel-ist-nicht-nur-technisch/#respond Wed, 19 Oct 2016 08:25:50 +0000 http://46.30.3.106/?p=15402 … auch Einstellungen und Verhalten sind in Bewegung. Unternehmen haben den Weckruf gehört und verstehen, dass sich Grundlagen von Geschäftsmodellen massiv verändern. Frank Riemensperger im DIVSI-Gespäch DIVSI Internet-Milieus 2016. Wir sprachen mit Frank Riemensperger über die neuen Herausforderungen für Unternehmen. Der digitale Wandel vollzieht sich nicht nur technisch, sondern verändert auch Einstellungen und Verhalten der […]

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Digitaler Wandel ist nicht nur technisch

Foto: Sunny studio | Shutterstock

… auch Einstellungen und Verhalten sind in Bewegung. Unternehmen haben den Weckruf gehört und verstehen, dass sich Grundlagen von Geschäftsmodellen massiv verändern.

Frank Riemensperger im DIVSI-Gespäch

DIVSI Internet-Milieus 2016. Wir sprachen mit Frank Riemensperger über die neuen Herausforderungen für Unternehmen.

Der digitale Wandel vollzieht sich nicht nur technisch, sondern verändert auch Einstellungen und Verhalten der Menschen. In unserer aktuellen Studie haben wir nach 2012 zum zweiten Mal die digitalisierte Gesellschaft in Deutschland erneut gleichsam vermessen. Welches Ergebnis der neuen DIVSI Milieu-Studie hat Sie am meisten überrascht?

Frank Riemensperger: Überrascht ist das falsche Wort. Ich fühle mich eher bestätigt von den Ergebnissen, wenn nach den Chancen der Digitalisierung gefragt wird. Hier überwiegt ja ganz eindeutig der Optimismus. Wenn fast drei Viertel der Befragten sagen, dass sie mehr Chancen als Risiken sehen, dann ist das sehr positiv.

Nehmen Sie diese positive Grundeinstellung auch in den Unternehmen und den Mitarbeitern wahr? Bildet sich in Deutschland vielleicht sogar eine neue gestaltende, produktive Mentalität heraus?

Wir haben schon vor einem Jahr in einer umfangreichen Untersuchung festgestellt, dass die meisten Mitarbeiter der Digitalisierung ihres Unternehmens und ihres Arbeitsplatzes positiv gegenüberstehen. Eine Mehrheit erhofft sich von digitalen Technologien wie Robotern, Apps, Analytics oder künstlicher Intelligenz eine Erleichterung ihres Arbeitsalltags. Auch hier werden eher die möglichen Verbesserungen gesehen, die digitale Technologien bringen können, als potenzielle Gefahren.

Die Horrorszenarien, dass Millionen Arbeitsplätze wegfallen werden, sind ohnehin übertrieben. Es werden auch ganz viele neue Jobs entstehen. Für die werden allerdings neue, digitale Fähigkeiten gebraucht. Diese zu vermitteln – in Schulen, Hochschulen und den Unternehmen –, wird eine der wichtigsten Aufgaben in den nächsten Jahren.

Haben Sie denn den Eindruck, dass der Mentalitätswandel in den Unternehmen bereits stattfindet? Die immer präsenter werdende Start-up-Kultur wäre ja ein weiteres Indiz dafür.

Ja und nein. Den Weckruf haben die meisten Unternehmen gehört. Sie haben verstanden, dass die Digitalisierung die Grundlagen ihres Geschäftsmodells massiv verändert. Es wird auch viel ausprobiert und pilotiert. In Zeiten, in denen mit Daten Geld verdient wird und nicht mehr mit Produkten, stehen wir uns manchmal aber selbst im Weg. Wir sind zu oft noch einem ingenieurgetriebenen Sicherheitsdenken verhaftet.

Um neue, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln und zu etablieren, ist mehr Mut zum Risiko gefragt. Dass sich in Deutschland eine so vielfältige Start-up-Szene etabliert hat, ist ein Zeichen dafür, dass viele junge Gründer diesen Mut haben. Insofern ist der erforderliche Mentalitätswandel vielleicht auch eine Generationenfrage.

Wenn über die „Digitale Gesellschaft“ diskutiert wird, dann gibt es ja nicht nur diejenigen, die digital affin sind, sondern auch solche, die es nicht sind – und dazwischen existieren jede Menge unterschiedlicher Einstellungen und Verhalten. Für welche Branchen bzw. Industrien können die Erkenntnisse zu den unterschiedlichen Internet-Milieus von Bedeutung sein, und welchen konkreten Nutzen können Entscheider und Firmenchefs daraus ziehen?

Im Zentrum der digitalen Transformation muss das Kundenerlebnis stehen. Das ist das Entscheidende. Die Digitalisierung ermöglicht ganz neue, personalisierte Dienstleistungen. Auf dieser Erkenntnis beruht ja gerade der Erfolg von Unternehmen wie Apple, Google oder Facebook. Je besser also ein Unternehmen seine Kunden versteht, desto genauer kann es deren spezifische Bedürfnisse bedienen. Das gilt für alle Branchen und nicht nur im B2C-, sondern zunehmend auch im B2B-Bereich.

Zu wissen, welche Internet-Milieus sich herausbilden, sprich, wie Menschen digitale Angebote nutzen, ist deshalb von zentraler Bedeutung.

Digitales wächst immer mehr in den Alltag der Menschen, die Onliner können sich ein Leben ohne Internet kaum mehr vorstellen. Wird technisches Know-how angesichts der sich stets verbessernden intuitiven Bedienung und der hohen Convenience vieler Anwendungen bald überflüssig?

Als Konsument wird Nutzung digitaler Angebote sicher immer einfacher. Die intuitive Bedienung ist ja eines der Geheimnisse des Erfolges digitaler Services. Und diese werden in Zukunft noch personalisierter und sich an veränderte Lebensumstände anpassen. Wir nennen das Living Services. In gewisser Weise trifft das auch auf die Arbeitswelt zu.

Die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine beispielsweise wird eine neue Qualität erreichen, vor allem, weil die Maschinen intelligenter und damit leichter bedienbar werden oder sogar komplett autonom arbeiten. Gleichzeitig werden die digitalen Fähigkeiten der Arbeitnehmer immer wichtiger.

Um neue digitale Geschäftsmodelle, neue digitale Kundenerlebnisse oder eine neue digitale Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine zu entwickeln, müssen Mitarbeiter die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten haben.

Können die Menschen sich mehr und mehr an den schönen Dingen des Lebens erfreuen, oder wächst vielmehr die Notwendigkeit technischer Aus- & Weiterbildung?

Die wächst eindeutig, und zwar schneller, als unser Bildungs- und Ausbildungssystem darauf reagieren kann. Hier sind deshalb die Unternehmen gefragt, Antworten zu finden.

Eine könnte das Konzept einer digitalen Lernfabrik sein, das wir gerade entwickeln. Dabei geht es darum, die Mitarbeiter zu befähigen, sich in der digitalen Arbeitswelt zurechtzufinden, etwa stärker vernetzt zu arbeiten, und zwar mit Kollegen und Maschinen, oder den Wert von Daten zu erkennen.

Eins ist aber auch klar: Bei aller Technologisierung und Automatisierung muss der Mensch im Mittelpunkt stehen. Nur dann wird die digitale Transformation gelingen.

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