E-Government – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 DIVSI U25-Studie 2018: Skepsis wächst, der Hype ist vorbei https://www.divsi.de/divsi-u25-studie-2018-skepsis-waechst-der-hype-ist-vorbei/ https://www.divsi.de/divsi-u25-studie-2018-skepsis-waechst-der-hype-ist-vorbei/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:08 +0000 https://www.divsi.de/?p=19434 Jugendliche und junge Erwachsene im Online-Dilemma zwischen Glück und Abhängigkeit. Von Silke Borgstedt Das SINUS-Institut hat die erste U25-Studie 2014 im Auftrag von und in enger Absprache mit dem DIVSI realisiert. Sie lieferte erstmals einen fundierten Einblick in die digitalen Lebenswelten der nachwachsenden Generation. Die jetzt quasi fortgeschriebene Untersuchung von damals erlaubt wiederum vertiefte Einblicke […]

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DIVSI U25-Studie 2018: Skepsis wächst, der Hype ist vorbei

Fotos: Rawpixel.com/Look Studio – Shutterstock

Jugendliche und junge Erwachsene im Online-Dilemma zwischen Glück und Abhängigkeit.

Von Silke Borgstedt

Das SINUS-Institut hat die erste U25-Studie 2014 im Auftrag von und in enger Absprache mit dem DIVSI realisiert. Sie lieferte erstmals einen fundierten Einblick in die digitalen Lebenswelten der nachwachsenden Generation. Die jetzt quasi fortgeschriebene Untersuchung von damals erlaubt wiederum vertiefte Einblicke in den Alltag der „Generation Internet“. Sie zeigt vor allem, wie schnell Digitalisierung deren Lebenswirklichkeit verändert.

Und sie macht deutlich, dass die Zeiten einer unbesorgten Nutzung der sich bietenden technischen Möglichkeiten Vergangenheit sind. Der Hype ist vorbei, reine Euphorie war gestern.

Keine Offliner

Zu den zentralen Befunden gehört, dass alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland online sind. Smartphones und mobiles Internet sind selbstverständlich. In der Gruppe der jungen Menschen zwischen 14 und 24 gibt es heute keine Offliner mehr. 99 Prozent nutzen das Internet täglich. Das ist ein Zuwachs von 28 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2014.

Das Internet ist in dieser Altersgruppe immer da. Mehr noch, es ist in vielen Lebensbereichen alternativlos. Diese Feststellung der 9,37 Mio. 14- bis 24-Jährigen in Deutschland ist weniger eine banale Erkenntnis als vielmehr eine Sichtweise, welche die Einstellungen und Verhaltensweisen junger Menschen entscheidend prägt. Das Internet wird vor allem als praktisch angesehen, weil es den Zugang zu Informationen erheblich erleichtert.

Unverzichtbar

Für die überwiegende Mehrheit der Befragten sind digitale Infrastrukturen und Angebote unverzichtbar. 68 Prozent stimmen zu, dass ein Leben ohne Internet für sie nicht vorstellbar wäre. 69 Prozent gehen so weit zu sagen, dass das Internet sie glücklich macht.

Online-Aktivitäten strukturieren den Tagesablauf, erzeugen lieb gewonnene Rituale, erfordern aber auch einiges (reagieren müssen, dabei sein müssen).

Diese stärkere Verankerung des Internets im Alltag führt aktuell nicht zu einem weiteren Positivschub, sondern – im Mittel betrachtet – zu einer entspannten Normalisierung bis hin zu Ernüchterung, die sich lebensweltlich allerdings ganz unterschiedlich ausprägt.

Allerdings wird die Omnipräsenz der digitalen Welt nicht nur positiv erlebt: 64 Prozent haben das Gefühl, im Internet Zeit zu verschwenden; 19 Prozent meinen gar, dass das Internet „nervt“.

Studie U25 2018: Wahrnehmung negativer Aspekte

Dabei nehmen die Befragten wahr, dass es in vielen Lebensbereichen keine Alternative zum Internet gibt. Diese befürchtete bzw. erlebte Abhängigkeit erzeugt Unbehagen. Die Vorstellung, dass in Zukunft vieles nur noch über das Internet erledigt werden kann, machte 2014 gut einem Fünftel von ihnen Angst. 2018 hat sich dieser Wert mit 41 Prozent nahezu verdoppelt.

Studie U25 2018: Einstellung zum Internet 2018 und 2014

Problematisch

Die Sorge vor Internetsucht ist weit verbreitet, ebenso wie die Befürchtung, ein vernünftiges Maß im Umgang insbesondere mit dem mobilen Internet überschritten zu haben. Bereits fast jeder Dritte fürchtet, „internetsüchtig“ zu sein, nimmt die eigene Internetnutzung also als problematisch wahr.

Knapp ein Viertel der Befragten ist jedoch weiterhin von Euphorie getrieben. Für diese Enthusiasten (23 Prozent) ist ein Leben ohne Internet nicht nur unvorstellbar, es macht ihnen regelrecht Angst, da sie nicht wissen, wie der Alltag „ohne“ organisiert werden könnte. Sie zeigen sich dezidiert unberührt von Sicherheitsfragen.

Insgesamt betrachtet sehen sich die 14- bis 24-Jährigen eher als Getriebene denn als Gestalter einer digitalen Transformation. Sie betonen, dass Internetnutzung häufig keine freie Entscheidung sei, sondern Grundvoraussetzung, um teilhaben zu können (im Freundeskreis, in der Schule, im Studium, im Beruf).

Dies wird nicht als Problem empfunden, solange sich Risiken im Rahmen halten oder man damit umgehen kann. Hier sehen sie aber großen Aufholbedarf: 89 Prozent von ihnen wünschen sich z.B., dass die AGB/Nutzungsbedingungen von Sozialen Medien auf leicht verständliche Art und Weise darstellen, welchen möglichen Gefahren sich Nutzer aussetzen. Dies kann als konkrete Aufforderung an Politik und Betreiber von Online-Angeboten verstanden werden. Zudem stellen sie die Frage nach der Verantwortung und wünschen sich eine idealerweise unparteiische Instanz. Die könnte etwa entscheiden, was gesperrt werden sollte, da das Internet ansonsten droht, alleinig interessengeleitet zu sein, und sich im Netz nur die Mächtigen durchsetzen.

Die Untersuchung hat auch einen Wandel in Nutzung und Wahrnehmung Sozialer Medien erkennen lassen. Die Beliebtheit von Facebook sinkt. Gleichzeitig ist für 99 Prozent der Befragten WhatsApp nicht mehr wegzudenken. Mit einem Nutzeranteil von 73 Prozent hat auch Instagram in dieser Altersgruppe Facebook (67 Prozent) überholt.

Im konkreten Online-Verhalten gerade in Bezug zu den Sozialen Medien zeigt sich bei jungen Menschen 2018 eine erhöhte Sensibilität bei öffentlicher Meinungsäußerung im Internet. So ist ein teilweiser Rückzug aus dem Online-Rampenlicht zu bemerken. Entsprechend sind Plattformen wie Facebook weniger interessant geworden und Messaging-Dienste immer erfolgreicher. Bevorzugt wird das Kommunizieren in leichter kontrollierbaren Communitys (one-to-one/one-tofew statt one-to-public). Die große Bühne überlässt man (semi)professionellen Bloggern und Influencern.

Handlungsbedarf

Auch die wahrgenommene Beleidigungskultur im Internet ist ein wesentlicher Grund, sich mit der eigenen Meinung lieber zurückzuhalten. Das Internet – und insbesondere Soziale Medien – werden nicht einfach nur positiv als Ort der freien Meinungsäußerung empfunden. Jugendliche und junge Erwachsene machen die Erfahrung, dass der gegenseitige Respekt, der die Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses in demokratischen Gesellschaften bildet, im für sie zentralen Medium des Meinungsaustauschs nicht ausreichend gegeben ist. Dass sie in der Konsequenz bei relevanten Themen eher still bleiben, ist nachvollziehbar, sollte aber ein Hinweis auf Handlungsbedarf sein.

Studie U25 2018: Gründe für Verzicht auf öffentliche Beteiligung im Internet

Risiken werden 2018 stärker wahrgenommen. Allerdings hat dies nicht dazu geführt, dass erhöhte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Die Anwendung entsprechender Schutzmaßnahmen ist sogar rückläufig. Besonders deutlich fallen die Unterschiede bei der selektiven Kontrolle aus. 2014 gaben noch 67 Prozent der 14- bis 24-Jährigen an, nur Seiten zu nutzen, bei denen sie wissen, dass sie sicher sind. Heute liegt die entsprechende Zahl bei 46 Prozent.

Verdrängung

Datenschutz ist für alle relevant, gilt aber als ein zu komplexes Thema, dessen tatsächliche Auswirkungen (positiv wie negativ) unklar sind. Daher steigen viele aus, wenn es um eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema geht, indem sie aktuelle Gegebenheiten schlicht akzeptieren oder das Problem verdrängen. Diese Überforderung ist als ein deutlicher Appell für eine stärkere Unterstützung bei diesem Thema zu verstehen.

Falschinformationen und technische Unklarheiten sorgen für eine erhöhte Risikosensibilität.14- bis 24-Jährige sehen primär Verbesserungen und Chancen durch digitale Innovationen, doch sie nehmen zunehmend auch Risiken und große Herausforderungen wahr. Diese drehen sich insbesondere um drei Gefahrenkomplexe:

  • Identitätsgefährdung, d.h. der Angriff auf die persönliche Unversehrtheit durch Beleidigung, Mobbing oder das Veröffentlichen intimer Informationen: Es geht dabei insbesondere um die Verknüpfung persönlicher und personenbezogener Daten mit konkreten Einstellungen und Aktivitäten. Sie haben Angst um ihre Reputation und damit um ihre künftigen beruflichen und sozialen Chancen.
  • Unterscheidung von Wahr und Falsch im Internet: Das Thema „Fake“ ist ins Bewusstsein gerückt und bringt das grundsätzliche Vertrauen in das Medium stark ins Wanken, auch wenn man im Alltag meint oder hofft, die richtige Information ausgewählt zu haben.
  • Unsicherheit, ob und wovon man eigentlich betroffen ist: Auch wenn einige im Hintergrund laufende Prozesse durchaus bekannt sind (Tracking, Cookies) oder man zumindest theoretisch schon mal davon gehört hat, dass Online-Aktivitäten nachverfolgbar sind, schafft dieser Zustand ein diffuses Unbehagen. Das Internet wird als Blackbox erlebt, denn man tappt zumeist im Dunkeln, weiß nicht genau, was im Hintergrund geschieht, worauf man sich verlassen kann und welche Sicherheitsmaßnahmen sinnvoll sind.

Das systematische Sammeln von Daten, z.B. zu Marketingzwecken, ist eher ein Nebenschauplatz. Dazu passt die Erkenntnis, dass es 20 Prozent der Befragten egal ist, was mit den eigenen Daten passiert. 2014 waren dies nur 8 Prozent.

Ein Umdenken in der Gesellschaft sollte beim Umgang mit dem Begriff „Digital Native“ erfolgen. Die Vorstellung, junge Menschen seien qua Geburtsjahr digital kompetent, lehnen 14- bis 24-Jährige entschieden ab. Vielmehr betonen sie, dass sich auch diejenigen, die mit dem Internet groß geworden sind, das notwendige Digitalwissen erst erarbeiten müssen. Auffällig auch, dass 47 Prozent der Befragten die Bezeichnung „Digital Native“ überhaupt nicht kennen.

DIVSI U25-Studie 2018: Bezug von Internetwissen

Die Untersuchung hat weiter gezeigt, dass sich junge Menschen auf eine digitale Zukunft unzureichend vorbereitet sehen. Kompetenzen eignen sie sich zumeist durch eigene Erfahrungen und den Freundeskreis an. Weniger relevant als Vermittler von Wissen über das Internet sind Eltern oder Verwandte (33 Prozent bzw. 19 Prozent).

69 Prozent der 14- bis 24-Jährigen fühlen sich auch von der Schule nicht ausreichend auf die digitale Zukunft vorbereitet. Themen wie Sicherheit und Schutz der Privatsphäre kommen aus ihrer Sicht nur unzureichend vor.

Analog-Sehnsucht

Als „Botschaft“ an die Gesellschaft ergibt diese neue U25-Studie generell, dass 14- bis 24-Jährige insgesamt mehr Chancen als Risiken in der digitalen Entwicklung sehen – trotz einer von ihnen selbst erkannten teilweisen Überforderung und einer diffusen „Analog-Sehnsucht“. Junge Menschen wissen und wollen, dass Digitalisierung weiter vorangetrieben wird, und fordern deshalb eine verlässliche Vorbereitung auf die digitale Zukunft ein. Sie formulieren klare Erwartungen und machen deutlich, dass sie das Internet nicht nur nutzen, sondern die digitale Welt, in der sie aufwachsen und leben, auch verstehen wollen.

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Getrennt marschieren, vereint zuschlagen?

Foto: vege – Adobe Stock

Zur Architektur der Digitalpolitik. Ist sie angesichts der Vielfalt neuer Akteure fast schon überkomplex?

Von Göttrik Wewer

Mit ihrem Digital Economy and Society Index (DESI) versucht die Europäische Kommission, regelmäßig zu erfassen, wie es um die Digital Readiness der EU-Mitglieder bestellt ist. Die Bundesrepublik Deutschland landet in dieser Rangliste seit Jahren nur im Mittelfeld (zuletzt Platz 13 unter 28 Ländern).

Seit 2013 vergleicht die EU nach ähnlichen Kriterien den europäischen Durchschnitt in fünf Dimensionen mit 17 Ländern außerhalb der Europäischen Union: Brasilien, Chile, China, Island, Israel, Japan, Kanada, Mexiko, Neuseeland, Norwegen, Russland, Serbien, Südkorea, die Schweiz, die Türkei und die Vereinigten Staaten von Amerika. Dabei zeigt sich, dass Europa im Vergleich mit anderen nicht so schlecht ist, wie es bisweilen geredet wird, aber auch noch eine Menge Luft nach oben ist. Unter den Top Ten in dieser Rangliste von 45 Ländern (International Digital Economy and Society Index) befanden sich zuletzt immerhin sechs EU-Mitglieder; andere, die deutlich unter dem europäischen Durchschnitt lagen, gehörten natürlich auch im internationalen Vergleich zu den Schlusslichtern.

Doppel-Problem

Europa hat, wie dieser Index (I-DESI 2018) und andere Ranglisten zeigen, ein doppeltes Problem, das es zu lösen gilt: zum einen die großen Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedern, die längst im digitalen Zeitalter angekommen sind, und jenen, die im globalen Wettbewerb (noch?) nicht mithalten können, und zum anderen, dass der europäische Durchschnitt nicht auf allen Feldern für einen internationalen Spitzenplatz reicht. Relativ gut schneidet Europa bei der digitalen Infrastruktur (connectivity), den individuellen Fähigkeiten (digital skills) und der Nutzung des Internets durch die Bürgerinnen und Bürger ab. Hier sind nur sieben Länder, darunter Südkorea, Japan und die USA, besser als der europäische Durchschnitt.

Die persönlichen Fähigkeiten sind in neun Ländern besser ausgeprägt, wobei der europäische Durchschnitt noch über dem Wert für die USA liegt. Bei der Integration moderner Technologien in ihre Abläufe haben die europäischen Unternehmen spürbar aufgeholt. Deutlich schlechter als die Länder außerhalb Europas schneiden die EU-Mitglieder nach wie vor beim elektronischen Regieren und Verwalten (digital public services) ab. Neun der 17 Vergleichsländer außerhalb Europas sind hier weiter. Dänemark führt übrigens die Rangliste insgesamt an, gefolgt von Südkorea; Serbien hat von 2013 auf 2016 den größten Sprung getan und sich vom letzten Platz auf Rang 34 verbessert.

Zu dem bescheidenen Abschneiden bei den öffentlichen Dienstleistungen hat sicherlich beigetragen, dass das größte Mitglied der Union beim Electronic Government bestenfalls Durchschnitt ist. Obwohl sich die Große Koalition schon in der letzten Wahlperiode vorgenommen hatte, Deutschland zu einem starken Digitalland zu entwickeln, sei die „Digitale Agenda“ letztlich mehr oder weniger zum Stillstand gekommen, sagen Beobachter. Inzwischen gibt es Anzeichen, dass man im Kanzleramt das strategische Defizit und die schleppende Entwicklung nicht länger hinnehmen möchte. Die neuen Strukturen, die beschlossen worden sind, müssen allerdings erst aufgebaut werden und ihre Rolle im Geflecht all derer finden, die sich mit der Digitalisierung beschäftigen. Außerdem wird, wenn vielleicht in drei Jahren gewählt wird, schon wieder die Zeit knapp.

Inkubator

Bei der Vielfalt der neuen Akteure erscheint die Architektur der Digitalpolitik fast schon überkomplex. Neben der neuen Abteilung „Politische Planung, Innovation und Digitalpolitik, IT-Steuerung des Bundes“ und einer Staatsministerin als „Beauftragter der Bundesregierung für Digitalisierung“ im Kanzleramt gibt es eine Reihe von beratenden Gremien und operativen Einheiten. Dazu sollen eine E-Government- Agentur als interner Inkubator für konkrete Lösungen sowie eine Digitalagentur zählen, die die Märkte beobachten und Vorschläge für staatliche Regulierung machen soll, aber auch eine Agentur für Sprunginnovationen, die besonders interessante Ideen fördern soll, und eine Agentur für Innovation in der Cybersicherheit, die Lösungen für die Praxis entwickeln soll. Die Steuerung des Ganzen soll über den IT-Rat, in dem die Staatssekretäre der Ressorts sitzen, und vor allem über das Digitalkabinett unter Leitung der Kanzlerin bzw. des Chefs des Kanzleramtes erfolgen.

Umsetzungsstrukturen zur Verwaltungsdigitalisierung

Irrgarten: So sollen die Umsetzungsstrukturen zur Verwaltungsdigitalisierung greifen. (Quelle: Jahresbericht 2018 des Nationalen Normenkontrollrates)

Beratend tätig sind ein Digitalrat aus Experten aus dem In- und Ausland, der sich zweimal im Jahr treffen soll, um über die großen Linien zu diskutieren, eine Daten- Ethikkommission, die sich monatlich treffen will, um schon in einem Jahr Antworten auf moralische Fragen vorlegen zu können, die sich aus einer intensiven Nutzung von Daten ergeben, sowie eine Kommission Wettbewerbsrecht 4.0, die Leitlinien für eine Regulierung der Plattformen erarbeiten soll, die die digitale Wirtschaft prägen. Ähnliche Gremien gibt es auch in den Ländern, was dieses Geflecht noch enger, aber auch komplexer macht.

Paradoxon

Nicht nur auf staatlicher Seite beschäftigt man sich mit digitalen Fragen. Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) ist 2011 aufgrund der Beobachtung gegründet worden, dass weder im E-Commerce noch im E-Government die Potenziale richtig ausgeschöpft werden, wenn die Menschen sich im Netz nicht sicher fühlen und wenn sie unsicher sind, ob sie dem Gegenüber, das sie nicht persönlich kennen und oft nicht sehen können, wirklich vertrauen können. Kein anderes Institut hat ähnlich intensiv vermessen, wie die Deutschen insgesamt und die verschiedenen Generationen das Internet betrachten und wie sie sich darin bewegen. Den einen Kunden, den einen Bürger, an dem man sein Angebot ausrichten könnte, gibt es nicht, lautet eine Erkenntnis aus diesen Studien, vielmehr verschiedene Milieus, die ganz unterschiedlich angesprochen werden müssen, wenn man sie erreichen will. Wenn das nichts kostet, bequem ist und sozial akzeptiert, dann nutzen viele diese Dienste, obwohl sie den Anbietern ausdrücklich nicht vertrauen, lautet eine andere Erkenntnis. Dieses Vertrauens-Paradox ähnelt dem Privatheits-Paradox, das wir aus der Debatte um den Datenschutz kennen.

Zu digitalen Themen wird, beileibe nicht nur in Deutschland, an vielen Hochschulen und in vielen Instituten und Unternehmen geforscht. Mit seiner konsequenten Ausrichtung auf das tatsächliche Verhalten der Menschen im Netz ist das DIVSI jedoch hierzulande einzigartig gewesen, sodass es sich in relativ wenigen Jahren einen guten Ruf erarbeiten konnte. Da viele Angebote, insbesondere staatliche Dienste, kaum angenommen werden, weil sie nicht an den Nutzern ausgerichtet sind, bleibt zu hoffen, dass dieses Interesse künftig von anderen aufgegriffen wird. Dass die Bundesregierung bei Dienstleistungen, die über den Portalverbund angeboten werden sollen, jetzt in Digital Labs testet, wie das am besten geschieht, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Mit dem von der Bundesregierung geförderten Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft, das sich „Das Deutsche Internet-Institut“ nennt, ist ein Berlin-Brandenburger Verbund entstanden, dem die vier Berliner Universitäten – Freie Universität, Humboldt-Universität, Technische Universität und Universität der Künste –, die Universität Potsdam und das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) angehören und der vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) koordiniert wird. Zu den Themen, die dort bearbeitet werden sollen, zählt übrigens auch „Vertrauen in verteilten Umgebungen“.

Verbund

Inzwischen mangelt es nicht mehr an Initiativen und Institutionen, die dazu beitragen sollen, besser zu verstehen, wie sich unser Leben, Arbeiten und Wirtschaften im digitalen Zeitalter verändert und wie man die digitale Transformation, die manche eine 4. Industrielle Revolution nennen, erfolgreich gestalten kann. Dazu gehört auch das Nationale E-Government-Kompetenzzentrum (NEGZ), das aus einer Fusion mit dem ISPRAT e.V. hervorgegangen ist. An Kapazitäten, diese Themen aufzuarbeiten, fehlt es inzwischen in Deutschland nicht mehr. Jetzt kommt es darauf an, aus den vielen Akteuren einen schlagkräftigen Verbund zu schaffen, der arbeitsteilig, aber koordiniert helfen kann, beim elektronischen Regieren und Verwalten spürbar voranzukommen und auch im digitalen Zeitalter ein wettbewerbsfähiger Standort zu bleiben. Das Weizenbaum- Institut könnte die Rolle eines Koordinators in einem solchen Netzwerk übernehmen, das in seiner Summe stärker wäre, als wenn jeder für sich marschiert.

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Demokratische Teilhabe 2.0 – Fluch oder Segen? https://www.divsi.de/demokratische-teilhabe-2-0-fluch-oder-segen/ https://www.divsi.de/demokratische-teilhabe-2-0-fluch-oder-segen/#respond Mon, 07 May 2018 08:14:06 +0000 https://www.divsi.de/?p=17590 Für die Realisierung ist Aktivität der Bürger ebenso wichtig wie staatlich-institutionelle Mitgestaltungschancen. Von Gabriele Buchholtz Digital kommunizieren wir anders als früher. So viel steht fest. Fest steht auch, dass sich im Zuge der Digitalisierung die Möglichkeiten demokratischer Teilhabe verändert haben. Diese Entwicklung birgt Chancen, aber auch Risiken. Wie kann der Staat die neuen Technologien demokratieförderlich […]

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Demokratische Teilhabe 2.0 – Fluch oder Segen?

Für die Realisierung ist Aktivität der Bürger ebenso wichtig wie staatlich-institutionelle Mitgestaltungschancen.

Von Gabriele Buchholtz

Digital kommunizieren wir anders als früher. So viel steht fest. Fest steht auch, dass sich im Zuge der Digitalisierung die Möglichkeiten demokratischer Teilhabe verändert haben. Diese Entwicklung birgt Chancen, aber auch Risiken. Wie kann der Staat die neuen Technologien demokratieförderlich nutzen? Es wird für eine zweigleisige Strategie plädiert: Einerseits brauchen wir bessere digitale Beteiligungsmöglichkeiten. Andererseits muss der Staat dabei helfen, das Internetbewusstsein der Bürger zu schärfen.

Schlagworte

Die neuen digitalen Beteiligungsmöglichkeiten firmieren unter den Schlagworten Electronic Government und Liquid Democracy. Was verbirgt sich dahinter? Electronic Government erfasst einerseits alle technologischen Beteiligungsmöglichkeiten, die der Staat anbietet. Man spricht hier von der sog. Top-down-Kommunikation. Dazu gehören beispielsweise E-Votings, die in einigen europäischen Nachbarländern – darunter Estland und die Schweiz – bereits gang und gäbe sind. Weitere Top-down-Angebote liefert etwa der Deutsche Bundestag durch Online-Petitionen oder die EU durch Online-Konsultationen. Andererseits bezeichnet Electronic Government auch alle von der Zivilgesellschaft bereitgestellten Beteiligungsmöglichkeiten. Hier ist von einer Bottom-up-Kommunikation die Rede. Bekannte Beispiele sind die Petitionsplattformen wie Campact, Change.org oder openpetition.

Zunehmend bilden sich auch Mischformen mit Top-down- und Bottom-up- Elementen. Zu diesem Typus gehört etwa die Europäische Bürgerinitiative, die mit dem Lissabon-Vertrag in Art. 11 Abs. 4 EUV Einzug in das europäische Entscheidungssystem gefunden hat. Mit der EU-Bürgerinitiative können Unionsbürger – es muss sich eine Mindestanzahl von einer Million zusammenfinden – die Europäische Kommission auffordern, ein bestimmtes Gesetzgebungsvorhaben einzuleiten. Dahinter steht ein ehrenwertes Anliegen: Traditionell ist die EU auf dem direktdemokratischen Auge blind. Das soll sich mit der Möglichkeit zur Bürgerinitiative ändern. Welche Rolle spielt hier die Digitalisierung? Eine große, denn der Erfolg einer europäischen Bürgerbeteiligung steht und fällt mit der digitalen Infrastruktur. Seit 2012 sind EU-Bürgerinitiativen möglich. Die bisherigen Erfahrungen sind aber gemischt: Lediglich zwei Initiativen haben den vorgesehenen Prozess erfolgreich durchlaufen. Hervorzuheben ist die Initiative „Recht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung“. Dahinter steht das Ziel, alle EU-Bürger mit sauberem Trinkwasser zu versorgen und eine Liberalisierung der Wasserwirtschaft zu verhindern. Der gewünschte Gesetzgebungsvorschlag kam jedoch nie zustande.

Und was ist Liquid Democracy? Dieses Schlagwort verbindet unterschiedliche Formen der direkten und indirekten Demokratie. Dahinter steht der Wunsch, die politische Entscheidungsfindung breiter zu legitimieren. In der „flüssigen Demokratie“ kann jeder Bürger jederzeit neu entscheiden, ob er sich kompetent fühlt, Politik mitzugestalten, oder ob er seine Stimme lieber einem Experten bzw. einer Partei überträgt. Das Konzept ist nicht neu, es wird insbesondere mit der allseits bekannten Piratenpartei in Verbindung gebracht. Mittlerweile ist der Hype um die Piraten vorbei. Es lohnt sich aber, erneut über Liquid Democracy nachzudenken.

Risiken

Den Chancen der digitalen Partizipation stehen erhebliche Risiken gegenüber. Vor allem die Missbrauchsanfälligkeit ist „demokratiegefährlich“. Jüngst treiben sog. Social Bots im Netz ihr Unwesen. Dabei handelt es sich um Computerprogramme, die in Sozialen Netzwerken wie richtige Nutzer auftreten. Sie streuen Scheinargumente und verunglimpfen Meinungen, um politische Diskussionen zu lenken. Im US-Wahlkampf, aber auch im Ukraine-Konflikt oder in der deutschen Flüchtlingsfrage haben sie den Diskurs entscheidend mitgeprägt. Bekanntlich stammt jeder dritte Trump- Tweet von einem Social Bot. Besorgniserregend ist, dass die algorithmengesteuerte Meinungsmache mit der Realität häufig nichts zu tun hat. Trotzdem erliegen Menschen der Mehrheitsillusion. Längst sind „Alternative Facts“ Faktum unserer Zeit. Gleichzeitig sinkt – mit zunehmender Bedeutung von Einzelmeinungen – der Einfluss von Parlamenten, Fraktionen und Parteien. Der politische Willensbildungsprozess entfernt sich immer weiter von staatlichen Organen – zum Nachteil der Demokratie!

Die Ursache des Problems liegt aber auch bei den staatlichen Organen selbst: Denn bei vielen Bottom-up-Aktionen hat die digitale Bürgerbeteiligung häufig gar keine politische Wirkung. Die abgegebenen Meinungen werden entweder gar nicht oder nur halbherzig in den politischen Entscheidungsprozess eingespeist, weil es den Politikern schlicht am Willen fehlt und oftmals auch am Know-how. Es verwundert also nicht, dass die Bürgerresonanz auf digitale Beteiligungsangebote – gelinde gesagt – schwach ist.

Mit einer zweigleisigen Strategie ist den Problemen beizukommen.

Berücksichtigungspflicht

Zunächst brauchen wir partizipationsfreundlichere Strukturen, d.h. niedrigschwellige, themenspezifische Angebote, die Bürger zur Teilhabe motivieren. Außerdem müssen die digitalen Angebote verbindlicher werden, d.h. in den politischen Entscheidungsprozess eingebracht werden. Der Bürger hat ein berechtigtes Interesse daran, dass der jeweils zuständige Politiker eine digital abgegebene Äußerung berücksichtigt und ggf. ein Feedback abgibt. Insoweit könnte der Begriff einer demokratischen „Berücksichtigungspflicht“ Karriere machen. Eine so verstandene Liquid Democracy würde sich als zukunftsträchtig und praktikabel erweisen. Aber Achtung! Mit der Digitalisierung darf das Ideal der repräsentativen Demokratie nicht überdehnt werden. Die repräsentative Demokratie hat sich als beste Form zur Wahrung des Gemeinwohls erwiesen. Bewusst hat das Grundgesetz das Parlament zur „Mitte der Demokratie“ bestimmt. In diesem Sinne ist eine umfassende Bürgerbeteiligung nicht erstrebenswert, wohl aber eine maßvolle und ehrliche Mitwirkung. Grenzen sind dort zu ziehen, wo Repräsentation der Partizipation umfassend geopfert wird.

Nährboden

Mit der Technik allein ist es nicht getan. Wichtig ist die Erkenntnis, dass demokratische Teilhabe eine zweiseitige Aufgabe ist: Auf den Mitgestaltungswillen der Bürger kommt es ebenso an wie auf die staatlich-institutionellen Mitgestaltungschancen. Dafür braucht es einen sozialen und politischen Nährboden, den das Internet selbst nicht bietet. Laut der aktuellen DIVSI-Milieu- Studie von 2016 fühlen sich immer noch 30 Prozent der Befragten vom Internet „überfordert“. Ursache ist, dass die Medienkompetenz mit sinkendem Bildungsniveau ebenfalls nachlässt. Ziel muss es sein, dass sich alle Bürger in der Datenwelt zurechtfinden, vor allem Missbrauchs- und Manipulationsgefahren erkennen. Andernfalls ist das demokratieförderliche Potenzial der Digitalisierung schnell vertan. Vor allem die Schulen sollten die digitalen Technologien stärker als Bildungsinstrument verstehen. Auch bei der Integration von Zuwanderern ist die Nutzung digitaler Medien ein entscheidender Faktor. Sie kann Integrationsprozesse durch bessere Teilhabe stärken. Hier gilt allemal, dass der Staat „Kommunikationsvorsorge“ betreiben und Verständnishilfen anbieten muss. Nicht schon die technischen Möglichkeiten führen zu mehr Demokratie, sondern erst deren reflektierte Nutzung. In diesem Sinne könnte die Digitalisierung der Demokratie sogar zum Segen werden.

Dieser aktualisierte Beitrag basiert auf einem Vortrag beim DIVSI/Bucerius-Forum und wurde in Langfassung in der DÖV veröffentlicht.

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Bürger und Amt: Wobei entstehen die meisten Kontakte? https://www.divsi.de/buerger-und-amt-wobei-entstehen-die-meisten-kontakte/ https://www.divsi.de/buerger-und-amt-wobei-entstehen-die-meisten-kontakte/#respond Tue, 03 May 2016 07:58:45 +0000 http://46.30.3.106/?p=14631 Untersuchung zu den 100 wichtigsten und am häufigsten genutzten Verwaltungsleistungen ist abgeschlossen. Die Regierungskoalition im Bund hat zu Beginn der aktuellen Legislaturperiode das ambitionierte Ziel vereinbart, die „100 wichtigsten und am häufigsten genutzten Verwaltungsleistungen innerhalb der nächsten vier Jahre bundesweit einheitlich online anzubieten“. Offen blieb, welche Leistungen dies eigentlich sind.

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Bürger und Amt: Wobei entstehen die meisten Kontakte?

Bild: Katerina Pereverzeva – Shutterstock | ProStockStudio – Shutterstock | Dvorko Sergey – Shutterstock

Untersuchung zu den 100 wichtigsten und am häufigsten genutzten Verwaltungsleistungen ist abgeschlossen.

Von Sirko Hunnius und Dirk Stocksmeier

Die Regierungskoalition im Bund hat zu Beginn der aktuellen Legislaturperiode das ambitionierte Ziel vereinbart, die „100 wichtigsten und am häufigsten genutzten Verwaltungsleistungen innerhalb der nächsten vier Jahre bundesweit einheitlich online anzubieten“. Offen blieb, welche Leistungen dies eigentlich sind.

Darüber hinaus war nicht klar umrissen, was genau der Begriff „Verwaltungsleistungen“ alles umfasst – lediglich Bürgerdienste, auch den Bereich der Daseinsvorsorge oder sogar jede Form von Regulierung –, welche Angebotstiefe die Formulierung „online anbieten“ impliziert – nur die Information über die Verwaltungsleistungen, die vollständige Online-Transaktion oder die integrierte Bereitstellung anhand von Lebenslagen – und was als „bundesweit einheitlich“ gilt. All diese Fragen hat ein kürzlich abgeschlossenes Forschungsprojekt aufgegriffen und beantwortet. Dieses Forschungsprojekt wurde vom DIVSI finanziell unterstützt.

Lebenslage

Zentrale Untersuchungsfrage war, wie wichtige und häufig genutzte Verwaltungsleistungen identifiziert werden können. Mit der Antwort wird der Bundesregierung eine Entscheidungshilfe für die Auswahl von Verwaltungsleistungen angeboten. Hierfür wurden anhand der Begriffe „wichtig“, „häufig“ und „umsetzen“ die drei Dimensionen Effektivität, Effizienz und Umsetzbarkeit abgeleitet und anschließend mit operationalisierten Kriterien unterlegt. Aus diesen drei Dimensionen wurden Lebenslagen beurteilt statt einzelner Verwaltungsleistungen.

In einem ersten Schritt mussten Lebenslagen gebildet werden, die insgesamt das Leistungsspektrum der Verwaltung abbilden. Hierfür wurde aus den Webseiten von kreisfreien Städten ein erstes Set von Lebenslagen abgeleitet. Diesen wurden anschließend die ca. 5000 im Leistungskatalog der Verwaltung (LeiKa) erfassten Einzelleistungen zugeordnet und hierbei ergänzende Lebenslagen entwickelt.

Im Ergebnis lag ein Set von 40 Lebenslagen für Bürger vor, welches die gängigsten Verwaltungsleistungen erfasst. Diese Lebenslagen wurden daraufhin jeweils einzeln bewertet. Dafür wurden die umfassendsten verfügbaren Datenbanken systematisch ausgewertet, wie die Bürokratiekostendatenbank SKM, die Normenscreening-Datenbank mit Schriftformerfordernissen und die Genesis-Datenbank des Statistischen Bundesamtes.

Die Top-Fünf

Zusätzlich wurde eine semantische Analyse aller Koalitionsverträge von Bund und Ländern durchgeführt, um politisch-gesellschaftliche Prioritäten abzuleiten. Auf Basis der Werte wurde eine Rangliste der Lebenslagen erstellt. Darauf nehmen die Lebenslagen Kinderbetreuung, Berufsausbildung, Studium, Zuwanderung und Geburt die ersten fünf Plätze ein.

Spitzenreiter

Spitzenreiter: Alles rund um den Nachwuchs und um das Auto sorgt für besonders viele Bürger-Amt-Kontakte. (Bild: Dhoxax – Shutterstock | qvist – Shutterstock)

Aus den Kernleistungen dieser fünf Lebenslagen leiten sich etwa 80 der Top-100-Verwaltungsleistungen ab. Dazu zählen demnach das Kinder- und das Elterngeld, die Studienplatzsuche und -vergabe sowie die Aufenthaltserlaubnis und die Anerkennung von Bildungsabschlüssen. Die Lebenslagen erfordern jeweils zahlreiche Verwaltungskontakte und weisen einen hohen Koordinationsbedarf auf.

Ziel Bearbeitungsprozesse beschleunigen

Das große Ziel: Bearbeitungsprozesse beschleunigen, Bürger entlasten. (Bild: Katerina Pereverzeva – Shutterstock | Dvorko Sergey – Shutterstock)

So haben junge Eltern im Rahmen der Lebenslagen Geburt und Kinderbetreuung aktuell bei den Themen Meldewesen, Familienförderung, Arbeitsschutz, Krankenversicherung und Gesundheitsvorsorge, Steuern, Sozialleistungen sowie Kultur, Sport und Verbraucherschutz Kontakt mit Behörden. Neben den Behörden ist ein breites Spektrum privater leistungserbringender Dritter in die Verwaltungsprozesse eingebunden, wie Ärzte und Träger von Betreuungseinrichtungen.

Dabei geben sie vielfach dieselben Daten an und erhalten sogar von einer Behörde (z. B. Standesamt) Leistungen (hier Geburtsurkunde), die sie dann anderen Behörden – u. a. der Elterngeldstelle,der Familienkasse, der Krankenkasse – zur Verfügung stellen. Digitalisierungspotenziale sind demnach offensichtlich, um Bearbeitungsprozesse zu beschleunigen und Bürger zu entlasten.

Zusätzlich zu den Kernleistungen der priorisierten Lebenslagen wurden Querschnittsleistungen berücksichtigt, die in zahlreichen Lebenslagen erforderlich sind, wie die Geburtsurkunde, das Führungszeugnis und die Meldebescheinigung. Daneben wurden auch Einzelleistungen einbezogen, die relativ isoliert von komplexeren Lebenslagen besonders häufig nachgefragt werden, wie einen Wohnort oder ein Kraftfahrzeug an-, umbzw. abzumelden.

Unterschiedlich einheitlich

Unter den Top-100-Verwaltungsleistungen finden sich etwa 70 Antrags- und Genehmigungsleistungen sowie 30 Anzeigen, Meldungen und Registrierungen. Eine Vielzahl der Leistungen basiert auf bundesgesetzlichen Regelungen, deren Vollzug jedoch in der Zuständigkeit der Länder und Kommunen liegt. Nur wenige der Leistungen werden unmittelbar von Bundesbehörden erbracht. Zudem erbringen einige Leistungen die Sozialversicherungsträger und berufsständische Organisationen. Ebenso sind verwaltungsexterne Dritte beteiligt, wie Unternehmen in der Rolle als Arbeitgeber oder Kindertageseinrichtungen.

Diese unübersichtliche Akteurskonstellation wirft die Frage auf, in welcher Form und von wem die Top-100-Verwaltungsleistungen umzusetzen sind, vor allem mit dem Anspruch „bundesweit einheitlich“. Einheitlichkeit kann allerdings recht Unterschiedliches bedeuten: ein einheitliches Set von Leistungen, das jeweils von der zuständigen Behörde umgesetzt wird; einheitliches Design („look & feel“), einheitliche Infrastrukturen oder (bundes)einheitlicher Zugang, von dem aus auf die Online-Angebote der zuständigen Behörden weitergeleitet wird, bis hin zu einem einheitlichen (Transaktions-)Portal, an das die zuständigen Behörden im Back-End angebunden sind.

Solche unterschiedlichen Umsetzungsvarianten werden in nächster Zeit gemeinsam von Forschungs- und Verwaltungspartnern in Umsetzungsstudien der priorisierten Lebenslagen untersucht. Neben der Frage von Umsetzungsmodellen werden dabei auch Ausbaustufen erarbeitet, die Schritte auf dem Weg zu einem einheitlichen E-Government darstellen. Dafür sind die lebenslagenspezifischen Umsetzungsstudien eingebunden in eine Meta-Studie, die sicherstellen soll, dass lebenslagenübergreifende Aspekte konsistent berücksichtigt werden.

Fokussierung

Hierzu zählen u. a. Themen wie Bürgerkonten, Nachweise und Bescheinigungen, Architekturen und Standards sowie tragfähige Finanzierungsmodelle und die Rollen der einzelnen Staats- bzw. Verwaltungsebenen. Im Mittelpunkt steht weniger die Frage von Dezentralisierung, sondern die Suche nach gemeinsamen Lösungen, um Inhalte und technische Komponenten wiederzuverwenden und so bequeme und effiziente E-Government-Lösungen zu entwickeln.

Darüber hinaus entfaltet die Studie weitergehenden Nutzen, indem sie zu einer Fokussierung der Aktivitäten im E-Government beiträgt. So sind Politik und Verwaltung angehalten, nicht nur das technisch, rechtlich und organisatorisch kurzfristig Machbare umzusetzen, sondern sich auf wichtige Leistungen zu konzentrieren. Hierfür ist eine einheitliche Schwerpunktsetzung notwendig. Zudem stellt die Studie den Bürger in den Mittelpunkt – sowohl bei der Frage, welche Leistungen wichtig sind, als auch bei der Nutzung, indem Leistungen anhand von Lebenslagen gebündelt werden.

Ein solches bürgerzentriertes E-Government ist erforderlich, damit Angebote tatsächlich genutzt werden und eine positive Wirkung im Lebensalltag der Menschen bewirken. Damit leisten die Ergebnisse einen wichtigen Beitrag für ein effizientes, effektives und gemeinsames E-Government.

Sirko Hunnius

Foto: privat

Sirko Hunnius
ist Studienleiter der „Top-100-Verwaltungsleistungen“-Studie und Mitglied des Nationalen E-Government Kompetenzzentrums.

 

 

Dirk Stockmeier

Foto: privat

Dirk Stocksmeier
leitet als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Nationalen E-Government Kompetenzzentrums das aufwendige Projekt.

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Weniger Bürokratie, mehr Leben: DIVSI fördert NEGZ Top 100-Studie für Bürger https://www.divsi.de/weniger-buerokratie-mehr-leben-divsi-foerdert-negz-top-100-studie-fuer-buerger/ https://www.divsi.de/weniger-buerokratie-mehr-leben-divsi-foerdert-negz-top-100-studie-fuer-buerger/#respond Wed, 16 Dec 2015 14:36:04 +0000 http://46.30.3.106/?p=14397 Staatsmodernisierung statt Behördenjogging: Was sind die 100 wichtigsten und häufigsten Verwaltungsleistungen, die deutschlandweit einheitlich online angeboten werden sollten? Die Experten des Nationalen E-Government Kompetenzzentrums (NEGZ) haben ein Ziel der Koalitionsvereinbarung unserer Bundesregierung untersucht und hierzu eine erste Kurzstudie veröffentlicht: NEGZ-Studie „Top 100 – Die wichtigsten und am häufigsten genutzten Verwaltungsleistungen für Bürger“ (11/2015, PDF). Unter […]

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Weniger Bürokratie, mehr Leben: DIVSI fördert NEGZ Top 100-Studie für Bürger

Bild: Jacob Lund – Shutterstock

Staatsmodernisierung statt Behördenjogging: Was sind die 100 wichtigsten und häufigsten Verwaltungsleistungen, die deutschlandweit einheitlich online angeboten werden sollten? Die Experten des Nationalen E-Government Kompetenzzentrums (NEGZ) haben ein Ziel der Koalitionsvereinbarung unserer Bundesregierung untersucht und hierzu eine erste Kurzstudie veröffentlicht: NEGZ-Studie „Top 100 – Die wichtigsten und am häufigsten genutzten Verwaltungsleistungen für Bürger“ (11/2015, PDF). Unter dem Vorsitz von DIVSI Direktor Matthias Kammer wurde das Projekt durch einen hochrangigen Expertenbeirat unterstützt. Die Studie wurde mit finanzieller Unterstützung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) durchgeführt.

Management Summary

Zu Beginn der aktuellen Legislaturperiode haben sich die Koalitionspartner im Jahr 2013 darauf verständigt, die 100 wichtigsten und am häufigsten genutzten Verwaltungsleistungen bundesweit einheitlich online anzubieten. Mit der vorliegenden Studie wird ein Vorschlag unterbreitet, welche Leistungen das sind bzw. sein können. Dafür wurde ein Vorgehensmodell entwickelt, das drei relevante Dimensionen enthält: Effektivität, Effizienz und Umsetzbarkeit. Diese wurden mit Kriterien unterlegt und das Vorgehensmodell anschließend auf die deutschen Verwaltungsleistungen angewendet. Für die Auswahl der Verwaltungsleistungen wird von Lebenslagen, die Bürger typischerweise haben, ausgegangen. Hierfür wurden in einem ersten Schritt umfassend Lebenslagen identifiziert. Anschließend wurden die wichtigsten und häufigsten Lebenslagen ausgewählt. Dafür wurden bundesweit verfügbare Datenbanken verwendet. Dabei zeigte sich, dass die Lebenslagen Geburt, Kinderbetreuung, Berufsausbildung, Studium und Zuwanderung die wichtigsten und häufigsten Lebenslagen sind. Die Lebenslage Zuwanderung wurde damit schon vor der großen Zuwanderungswelle 2015 als relevant identifiziert. Alle Lebenslagen wurden anschließend vertieft analysiert und Kernleistungen der jeweiligen Lebenslagen identifiziert. Darüber hinausgehend wurden lebenslagenübergreifende Querschnittsleistungen und häufigvorkommende Einzelleistungen identifiziert, so dass eine ausgewogene Zusammenstellung von wichtigen und häufigen Leistungen vorgenommen werden konnte. Abschließend werden Wege aufgezeigt, in welchem Ausmaß und wie „bundesweit einheitlich“ Leistungen „online“ umgesetzt werden können. Die konkreten Umsetzungsvarianten und -anforderungen sind in einer getrennten Machbarkeitsstudie aufzuarbeiten.

Die Studie steht als PDF in der „Kurzfassung für Bürger“ auf NEGZ-Studie „Top 100 – Die wichtigsten und am häufigsten genutzten Verwaltungsleistungen für Bürger“ zur Verfügung.

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Deutschland hinkt bei E-Government hinterher https://www.divsi.de/deutschland-hinkt-bei-e-government-hinterher/ https://www.divsi.de/deutschland-hinkt-bei-e-government-hinterher/#respond Wed, 05 Aug 2015 09:43:57 +0000 http://46.30.3.106/?p=13456 Von Yi-Ji Lu Die Nutzung elektronischer Verwaltungsangebote in Deutschland hinkt im Vergleich mit anderen Ländern deutlich hinterher. Das ergab die kürzlich von der Initiative D21 e.V. und dem Ipima (Institute for Public Information Management) vorgestellte repräsentative Studie „E-Government-Monitor 2015„, für die 1.000 Online-Interviews in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Schweden durchgeführt wurden. Genereller Zuwachs in E-Government-Nutzung – Deutschland bildet die […]

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Von Yi-Ji Lu

Die Nutzung elektronischer Verwaltungsangebote in Deutschland hinkt im Vergleich mit anderen Ländern deutlich hinterher. Das ergab die kürzlich von der Initiative D21 e.V. und dem Ipima (Institute for Public Information Management) vorgestellte repräsentative Studie „E-Government-Monitor 2015„, für die 1.000 Online-Interviews in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Schweden durchgeführt wurden.

Genereller Zuwachs in E-Government-Nutzung – Deutschland bildet die Ausnahme

Insgesamt liegen Online-Verwaltungsdienste im Trend. Als Vorteile benennen die Nutzer besonders die zeitliche Unabhängigkeit von Öffnungszeiten, mehr Komfort und Zeitersparnis. Daneben ist ihnen eine einfache Bedienbarkeit sowie Zuverlässigkeit der Systeme wichtig. So stellt die Studie generell einen zunehmenden Anteil derjenigen Befragten fest, die in den letzten 12 Monaten E-Government-Angebote genutzt haben:

  • Die Schweiz kann mit einem Anstieg von 61 Prozent (2014) auf 69 Prozent (2015) den größten Zuwachs von E-Government-Nutzern verbuchen.
  • In Österreich ist ein leichter Zuwachs von 72 Prozent (2014) auf 73 Prozent zu beobachten.
  • In Schweden ist der Anteil der E-Government-Nutzer von 71 Prozent (2014) auf 75 Prozent (2015) angestiegen.

In Deutschland hingegen ist ein Rückgang um 6 Prozentpunkte (45 Prozent in 2014) zu beobachten. Mit nur 39 Prozent liegen die Deutschen im Jahr 2015 zudem weiterhin deutlich hinter den drei Vergleichsländern.

Deutschland hinkt bei eGovernment hinterher

E-Government-Nutzung in Deutschland deutlich geringer (Grafik: E-Government Monitor 2015)

Fehlende Kenntnis ist die größte Zugangsbarriere

Laut der Studie haben die generellen Bedenken hinsichtlich mangelnder Sicherheit oder geringem Datenschutz abgenommen. Stattdessen stellt die fehlende Bekanntheit der elektronischen Verwaltungsdienste in allen Ländern die größte Zugangsbarriere dar:

Zugangsbarrieren E-Government

Zugangsbarrieren E-Government (Grafik: E-Government Monitor 2015)

Dazu passt die Beobachtung, dass Suchmaschinen in allen Vergleichsländern den wichtigsten Startpunkt für das Auffinden von Online-Bürgerdiensten bilden. Mangelndes Wissen über die Existenz derartiger Portale führt, so die Studie, folglich zu einer geringeren Nutzung: „was man nicht sucht, weil man es nicht kennt, kann man auch nicht finden.“

Suchmaschinen sind der erste Anlaufpunkt zum Auffinden von E-Government-Angeboten

Suchmaschinen sind der erste Anlaufpunkt zum Auffinden von E-Government-Angeboten (Grafik: E-Government Monitor 2015)

Die Mehrheit der Deutschen ist für eine zentrale Online-Verwaltungsbehörde

Trotz der vergleichsweise geringen Nutzung von E-Government-Diensten bewerten die deutschen Nutzern sie mehrheitlich positiv. 58 Prozent befürworten eine Bündelung von Bürgerdiensten, um den Aufwand beim Ausfüllen von Formularen zu verringern. Nur 28 Prozent sprechen sich gegen eine zentrale Anlaufstelle, bei der ihre Daten gesammelt liegen, aus. Sie ziehen es vor, die Behörden jeweils einzeln zu kontaktieren.

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2. E-Government Hochschultag: „In vielfältiger Weise anregend und motivierend!“ https://www.divsi.de/2-e-government-hochschultag-in-vielfaeltiger-weise-anregend-und-motivierend/ https://www.divsi.de/2-e-government-hochschultag-in-vielfaeltiger-weise-anregend-und-motivierend/#respond Wed, 05 Dec 2012 15:30:39 +0000 http://divsi.creativeconstruction.de/?p=1441 Kamp-Lintfort – Bereits zum zweiten Mal hatte die Fakultät Kommunikation und Umwelt der Hochschule Rhein-Waal zum E-Government Hochschultag eingeladen. Dabei machten die Veranstalter deutlich: „Erfolgreiches E-Government stellt einen wesentlichen Baustein für die Verwaltungsmodernisierung dar und wird dazu beitragen, die Verwaltungen von heute auf zukünftige Herausforderungen auszurichten. E-Government unterstützt dabei die Verwaltung, Bürger und Wirtschaftsunternehmen und […]

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Kamp-Lintfort – Bereits zum zweiten Mal hatte die Fakultät Kommunikation und Umwelt der Hochschule Rhein-Waal zum E-Government Hochschultag eingeladen. Dabei machten die Veranstalter deutlich: „Erfolgreiches E-Government stellt einen wesentlichen Baustein für die Verwaltungsmodernisierung dar und wird dazu beitragen, die Verwaltungen von heute auf zukünftige Herausforderungen auszurichten. E-Government unterstützt dabei die Verwaltung, Bürger und Wirtschaftsunternehmen und stellt Menschen und deren Aufgaben in den Mittelpunkt.“

Hochkarätige Referenten aus Politik, Wirtschaft und den Kommunen brachten die Studenten unter ganz unterschiedlichen Blickwinkeln auf den neuesten Stand der Thematik. Prof. Dr. Frank Zimmer, Prodekan der Fakultät Kommunikation und Umwelt, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Veranstaltungs-Verlauf: „Für die Studierenden der Hochschule Rhein-Waal war dieser Tag in vielfältiger Weise anregend und motivierend.“

Matthias Kammer erläuterte im Rahmen der Veranstaltung die DIVSI Milieu-Studie sowie die gerade vorgelegte DIVSI Meinungsführer-Studie. Dabei arbeitete er besonders heraus, welche Herausforderungen für das E-Government sich aus den beiden wissenschaftlichen Untersuchungen ableiten lassen.

Im Hinblick auf die festgestellten 39% Digital Outsiders gehe es vor allem darum, dass die Verantwortlichen für E-Government Vertrauen zu ihren Angeboten innerhalb dieser Gruppe aufbauen müssten. Es sollte unbedingt dafür Sorge getragen werden, dass diese Bürger nicht den sozialen Anschluss verpassen.

Gleichzeitig müssten die Verantwortlichen jedoch aufpassen, die angebotenen Lösungen durch höhere Sicherheitsschranken nicht zu kompliziert zu gestalten. Zwar würden die Digital Outsiders durch die erhöhten Schutzwälle vermutlich zunächst einmal mehr Vertrauen zu den E-Government-Angeboten fassen. Allerdings sei das keine Garantie dafür, dass diese Zielgruppe die entsprechenden Angebote dann auch tatsächlich verstärkt nutzen würde.

Matthias Kammer wies in diesem Zusammenhang auf ein zwangsläufig entstehendes Problem hin. Mehr Sicherheit – gewünscht durch Digital Outsiders – bedeutet in der Regel nämlich auch weniger Convenience. Und genau diese Benutzerfreundlichkeit fordern die Digital Natives, zu denen laut DIVSI-Studie 41 % der Nutzer gerechnet werden können. Matthias Kammer: „Die zentrale Frage lautet also, wie bekommt man die einen rein ohne die anderen heraus zu kicken.“

Grundsätzlich machte der DIVSI-Direktor weiter deutlich: „Der gängige Slogan ‚WLAN für alle’ reicht nicht, um die soziale Teilhabe in der digitalen Gesellschaft zu fördern. Die Herausforderung besteht darin, Angebote und Maßnahmen zu entwickeln, die die Zurückhaltung der Digital Outsiders abbauen helfen und gleichzeitig an die unterschiedlichen Kompetenzen, Motive und Anforderungen in den digitalen Lebenswelten anschließen.“

Das Verhalten im Netz spiegele grundlegende Werte-Orientierungen der Menschen wider. Kammer: „Diese haben Auswirkungen auf das Internet-Verhalten und die Ansprüche an Sicherheit und Datenschutz, aber auch an Convenience.“ Sicherheit im Internet sei eine Frage der persönlichen Einstellung. Matthias Kammer: „Die gefühlte Souveränität steigt, je vertrauter man mit dem Internet ist.“

Viele der jungen Studierenden wurden besonders nachdenklich, als Matthias Kammer auf Kernaussagen der Meinungsführer-Studie einging. So erstaunte, dass die Digital Outsiders demnach vielen verantwortlichen Akteuren vollständig egal sind. Zitat dazu aus der Studie: „Das ist eine große Gruppe, aber die Neandertaler waren auch eine große Gruppe und die sind dann ja auch ausgestorben…!“

Abschließend stellte Matthias Kammer heraus, dass sich der Diskurs um das Internet zwischen technologischer Perspektive und digitaler Kultur bewege: „Es wird immer schwieriger, für den Verhandlungsraum Internet generell gültige Regelungen und gegenseitige Vereinbarungen zu treffen.“

Er gab dann den jungen Zuhörern drei Fragen grundsätzlicher Natur mit auf den Weg:

  • Werden tradierte Vorstellungen von Rechtsordnung, Gesellschaftsstruktur und Demokratie einem fundamentalen Wandel unterzogen?
  • Müssen alte Gewissheiten, kulturelle Konzepte und Denkansätze auf den Prüfstand?
  • Wie können neue Vertrauensstrukturen entstehen, die auch mit Vertrauensbruch umgehen können?

Prof. Dr. Zimmer machte nach der Veranstaltung deutlich, dass die von Matthias Kammer referierten Erkenntnisse die weiteren Diskussionen an der Hochschule begleiten würden. Gerade im Bereich Usabilitiy-Engineering sei das User-Centered-Design das Vorgehensmodell der Wahl. Die vorgetragenen Daten seien insoweit von unschätzbarem Wert.

Die Hochschule Rhein-Waal wurde 2009 gegründet. Gelehrt wird in den vier Fakultäten „Technologie und Bionik“, „Life Sciences“ und „Gesellschaft und Ökonomie“ sowie „Kommunikation und Umwelt“. Im Studienjahr 2012/2013 werden 25 Bachelorstudiengänge am Start sein. Die Hochschule kann an den Standorten Kleve und Kamp-Lintfort insgesamt 5000 Studienplätze bieten.

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E-Government nach der DIVSI-Studie: „Wir werden sehr anders nachdenken müssen!“ https://www.divsi.de/e-government-nach-der-divsi-studie-wir-werden-sehr-anders-nachdenken-muessen/ https://www.divsi.de/e-government-nach-der-divsi-studie-wir-werden-sehr-anders-nachdenken-muessen/#respond Tue, 06 Mar 2012 15:24:41 +0000 http://divsi.creativeconstruction.de/?p=1430 Leipzig – Unter dem Motto „Innovation ist Wandel“ stand der 13. Kongress neueVerwaltung der dbb-Akademie. Einer der Kernpunkte im Congress Centrum Leipzig war dabei die „Fachmesse eGovernment“. Im Rahmen dieser Veranstaltung von Experten für Experten fand die „DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ größte Aufmerksamkeit. Dr. Marianne Wulff, Geschäftsführerin VITAKO, im vollbesetzten Plenum […]

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Leipzig – Unter dem Motto „Innovation ist Wandel“ stand der 13. Kongress neueVerwaltung der dbb-Akademie. Einer der Kernpunkte im Congress Centrum Leipzig war dabei die „Fachmesse eGovernment“. Im Rahmen dieser Veranstaltung von Experten für Experten fand die „DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ größte Aufmerksamkeit. Dr. Marianne Wulff, Geschäftsführerin VITAKO, im vollbesetzten Plenum während einer Diskussionsrunde: „Mit den Erkenntnisse der Studie werden wir über E-Government sehr anders nachdenken müssen.“

Gleich zweimal drehte es sich beim dbb-Kongress um die Studie. Moderiert von Dr. Volker Franke (dbb Akademie) stellten DIVSI-Direktor Matthias Kammer und Dr. Silke Borgstedt, Direktorin Sozialforschung bei der SINUS Markt- und Sozialforschung, im Forum wesentliche Aussagen der Studie noch einmal vor. Dabei ging es auch um die wissenschaftliche Methodik der Untersuchung und die Auswertung, um die Ergebnisse der Studie differenziert zu analysieren.

Die Studie analysiert die Internetnutzung der verschiedenen Milieus besonders unter dem Aspekt von Vertrauen und Sicherheit im Internet. Eine der Kernaussagen ist, dass 39 Prozent der Deutschen Digitale Outsiders sind. Diese Erkenntnis hat für die Frage nach der Akzeptanz von eGovernment zentrale Bedeutung. Hierüber wurde am Abschlusstag im Plenum diskutiert. Auf Bitte von Moderator Michael Klöker stuften sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde dabei auch selbst nach den bekannten SINUS-Milieus ein.

Dr. Marianne Wulff sah sich als Digital Immigrant aber auch als „effizienzorientierten Performer“. Peter Schaar, der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit: „Auch wenn man sich das vielleicht nicht vorstellen kann – früher war ich digitaler Hedonist. Heute ordne ich mich zwischen einem souveränen Skeptiker und Performer ein.“ Thomas Fischermann (Die ZEIT und Co-Autor von „Zeitbombe Internet“ outete sich als „Digital Immigrant mit Assimilationsabsichten“. DIVSI-Direktor Matthias Kammer: „Ich werde Immigrant bleiben.“ Und Dr. Borgstedt gab ehrlich zu: „Vor der Studie habe ich mich mehr Native gefühlt, als ich tatsächlich bin.“

Grundsätzlich stimmten die Diskussionsteilnehmer dem zu, was Thomas Fischermann so umriss: „Das Internet ist die zentrale Infrastruktur der Gesellschaft geworden. Es werden jedoch Teile praktiziert, die nicht sicher genug sind. Ich bin nicht gegen das Internet. Ich bin dagegen, dass es ausfällt.“ Gleichzeitig präsentierte er einen Vorschlag dafür, wie sich die Nutzer-Sicherheit verbessern ließe. Dafür müsse grundsätzlich eine Firmen-Haftung für jedes unterbreitete Angebot eingebaut werden. Fischermann: „Dann sähe es mit der Sicherheit anders aus.“

Im Hinblick auf E-Government regte DIVSI-Direktor Matthias Kammer an: „Die Verantwortlichen sollten weit stärker aus der Nutzersicht denken.“ Die durch die Studie gewonnene Erkenntnis, wonach 39 Prozent der Bundesbürger praktisch nicht oder nur ganz wenig das Internet nutzen, sei bislang überhaupt nicht berücksichtigt worden.

Dr. Marianne Wulff nahm den Gedanken des nutzenorientierten E-Government auf: „Da der Bürger nur selten Transaktionen mit der Verwaltung abwickelt, müssen elektronische Angebote noch mehr aus der Perspektive des Bürgers betrachtet werden.“ Die VITAKO-Geschäftsführerin weiter: „Das virtuelle Rathaus können wir vergessen. Die rein virtuelle Verwaltung, die beim Bürgerkontakt ausschließlich auf den elektronischen Kanal setzt, ist passé. Die E-Government Szene muss vielmehr überprüfen, wen wir wie überhaupt erreichen können.“ Es gehe jetzt darum, Grundfragen zu klären. Nur dann könnten die Internet-Services der Verwaltung mehr Beteiligung finden.

Peter Schaar regte an, auf jedes Milieu innerhalb der drei Gruppen – Digital Outsiders, Digital Immigrants, Natives – gezielt einzugehen. Man müsse individuelle Angebote und Maßnahmen entwickeln. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz: „So kann man sie entweder weiter an das Internet heranführen oder aber auch stärker mit den Risiken vertraut machen.“

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