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E-Government nach der DIVSI-Studie: „Wir werden sehr anders nachdenken müssen!“

6. März 2012

Leipzig – Unter dem Motto „Innovation ist Wandel“ stand der 13. Kongress neueVerwaltung der dbb-Akademie. Einer der Kernpunkte im Congress Centrum Leipzig war dabei die „Fachmesse eGovernment“. Im Rahmen dieser Veranstaltung von Experten für Experten fand die „DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ größte Aufmerksamkeit. Dr. Marianne Wulff, Geschäftsführerin VITAKO, im vollbesetzten Plenum während einer Diskussionsrunde: „Mit den Erkenntnisse der Studie werden wir über E-Government sehr anders nachdenken müssen.“

Gleich zweimal drehte es sich beim dbb-Kongress um die Studie. Moderiert von Dr. Volker Franke (dbb Akademie) stellten DIVSI-Direktor Matthias Kammer und Dr. Silke Borgstedt, Direktorin Sozialforschung bei der SINUS Markt- und Sozialforschung, im Forum wesentliche Aussagen der Studie noch einmal vor. Dabei ging es auch um die wissenschaftliche Methodik der Untersuchung und die Auswertung, um die Ergebnisse der Studie differenziert zu analysieren.

Die Studie analysiert die Internetnutzung der verschiedenen Milieus besonders unter dem Aspekt von Vertrauen und Sicherheit im Internet. Eine der Kernaussagen ist, dass 39 Prozent der Deutschen Digitale Outsiders sind. Diese Erkenntnis hat für die Frage nach der Akzeptanz von eGovernment zentrale Bedeutung. Hierüber wurde am Abschlusstag im Plenum diskutiert. Auf Bitte von Moderator Michael Klöker stuften sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde dabei auch selbst nach den bekannten SINUS-Milieus ein.

Dr. Marianne Wulff sah sich als Digital Immigrant aber auch als „effizienzorientierten Performer“. Peter Schaar, der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit: „Auch wenn man sich das vielleicht nicht vorstellen kann – früher war ich digitaler Hedonist. Heute ordne ich mich zwischen einem souveränen Skeptiker und Performer ein.“ Thomas Fischermann (Die ZEIT und Co-Autor von „Zeitbombe Internet“ outete sich als „Digital Immigrant mit Assimilationsabsichten“. DIVSI-Direktor Matthias Kammer: „Ich werde Immigrant bleiben.“ Und Dr. Borgstedt gab ehrlich zu: „Vor der Studie habe ich mich mehr Native gefühlt, als ich tatsächlich bin.“

Grundsätzlich stimmten die Diskussionsteilnehmer dem zu, was Thomas Fischermann so umriss: „Das Internet ist die zentrale Infrastruktur der Gesellschaft geworden. Es werden jedoch Teile praktiziert, die nicht sicher genug sind. Ich bin nicht gegen das Internet. Ich bin dagegen, dass es ausfällt.“ Gleichzeitig präsentierte er einen Vorschlag dafür, wie sich die Nutzer-Sicherheit verbessern ließe. Dafür müsse grundsätzlich eine Firmen-Haftung für jedes unterbreitete Angebot eingebaut werden. Fischermann: „Dann sähe es mit der Sicherheit anders aus.“

Im Hinblick auf E-Government regte DIVSI-Direktor Matthias Kammer an: „Die Verantwortlichen sollten weit stärker aus der Nutzersicht denken.“ Die durch die Studie gewonnene Erkenntnis, wonach 39 Prozent der Bundesbürger praktisch nicht oder nur ganz wenig das Internet nutzen, sei bislang überhaupt nicht berücksichtigt worden.

Dr. Marianne Wulff nahm den Gedanken des nutzenorientierten E-Government auf: „Da der Bürger nur selten Transaktionen mit der Verwaltung abwickelt, müssen elektronische Angebote noch mehr aus der Perspektive des Bürgers betrachtet werden.“ Die VITAKO-Geschäftsführerin weiter: „Das virtuelle Rathaus können wir vergessen. Die rein virtuelle Verwaltung, die beim Bürgerkontakt ausschließlich auf den elektronischen Kanal setzt, ist passé. Die E-Government Szene muss vielmehr überprüfen, wen wir wie überhaupt erreichen können.“ Es gehe jetzt darum, Grundfragen zu klären. Nur dann könnten die Internet-Services der Verwaltung mehr Beteiligung finden.

Peter Schaar regte an, auf jedes Milieu innerhalb der drei Gruppen – Digital Outsiders, Digital Immigrants, Natives – gezielt einzugehen. Man müsse individuelle Angebote und Maßnahmen entwickeln. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz: „So kann man sie entweder weiter an das Internet heranführen oder aber auch stärker mit den Risiken vertraut machen.“

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