Privatsphäre – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Sicherheit und Convenience bei der Internetnutzung: So geht‘s https://www.divsi.de/sicherheit-und-convenience-bei-der-internetnutzung-so-gehts/ https://www.divsi.de/sicherheit-und-convenience-bei-der-internetnutzung-so-gehts/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:08 +0000 https://www.divsi.de/?p=19464 Intelligente Lösung sichert Privatsphäre beim Surfen auf allen Geräten – immer und überall. Von Christian Bennefeld Anwendungen im Internet und per App sind meist gratis. Doch so groß der damit verbundene Vorteil auch sein mag, oft dienen die Angebote vor allem einem Zweck: dem Ausspionieren der Nutzer. Hat man gerade nach Tipps zur Finanzierung gesucht, […]

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Sicherheit und Convenience

Foto: eBlocker

Intelligente Lösung sichert Privatsphäre beim Surfen auf allen Geräten – immer und überall.

Von Christian Bennefeld

Anwendungen im Internet und per App sind meist gratis. Doch so groß der damit verbundene Vorteil auch sein mag, oft dienen die Angebote vor allem einem Zweck: dem Ausspionieren der Nutzer. Hat man gerade nach Tipps zur Finanzierung gesucht, bombardieren einen andere Webseiten mit Werbung für Online-Kredite. Informiert man sich in sozialen Netzwerken und mithilfe von Suchmaschinen zu bestimmten Themen, werden zukünftige Nachrichtenangebote auf das vorangegangene Nutzungsverhalten zugeschnitten, also „gefiltert“. Diese Filterblasen führen dazu, dass man nicht mehr mit anderen Sichtweisen konfrontiert, sondern nur noch einseitig informiert wird. Viele Online-Shops verwenden dynamische Preisbildung, um ihren Profit zu optimieren. Abhängig davon, ob Nutzer mit Computer, Tablet oder Smartphone auf der Suche nach Angeboten sind, sehen sie unterschiedliche Preise.

Der Grund für die Verfolgung durch Werbung oder unterschiedliche Preisangebote sind Persönlichkeitsprofile, erstellt von Werbeservern und Datensammlern, bekannt als „Tracker“. Diese schreiben nicht nur das Verhalten des Nutzers auf einzelnen Webseiten mit, sondern können ihn durch das ganze Internet verfolgen, und zwar so lange, bis ein Tracker entdeckt und abgeschaltet wird. Dadurch entstehen nicht nur Persönlichkeitsprofile, sondern ganze Profile zur Persönlichkeitsentwicklung.

Generelle Gefährdung

Nicht einmal vor dem Nachwuchs machen die Datenwanzen halt. Eine Untersuchung der Tracker- Experten von eBlocker zeigte, dass selbst Internetseiten, die sich speziell an kleine Kinder richten, ihre Besucher ausspionieren und anschließend mit verlockender Werbung bombardieren. Von zwölf geprüften Kinderseiten schnüffelten neun ihre vorrangig kindlichen Besucher aus. Auf einigen Seiten fanden die Experten bis zu 64 solcher Tracker. Sie protokollieren alles. Dazu werden sämtliche Mausbewegungen haargenau aufgezeichnet und die Augenreaktionen daraus abgeleitet. Nach einiger Zeit wissen die Tracking-Unternehmen exakt, mit wem sie es zu tun haben: Alter, Geschlecht, Vorlieben, Lernfortschritte, Entwicklungsstand. Jeder Einzelne hinterlässt unbewusst seine ganz persönliche Visitenkarte.

Die Profiteure sind Datenhändler, Werbekonzerne und Scoring-Anbieter. So verknüpft beispielsweise Google nach eigenen Angaben über die mehr als 70 Dienste gewonnenen Daten zu genauen Persönlichkeitsprofilen. Selbst wenn der Nutzer gar keine Google-Dienste nutzt, gerät er in die Fänge des Datenkraken. Dank Google Analytics, des Web-Analyse-Systems von Google, das heute auf mehr als 80 Prozent aller Websites zum Einsatz kommt, entgeht dem Konzern kaum ein Klick. Vor diesem Hintergrund ist das Ergebnis der DIVSI Internet-Milieu-Studie 2016 „Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung“ geradezu erschreckend; „Lediglich 6 Prozent der Internetnutzer gehen davon aus, dass ihr Online-Verhalten schon einmal getrackt wurde.“ Das ist realitätsfern. Denn jeder wird unentwegt getrackt, wenn keine besonderen Schutzmaßnahmen getroffen wurden.

Anders als in traditionellen Medien ohne Rückkanal, wie Radio, Fernsehen oder Print, ist es durch die Internetnutzung möglich, auf die Persönlichkeit individuell abgestimmte Informationen anzuzeigen. Die Branche spricht hierbei von nutzerindividuellem Targeting. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene geraten in Filterblasen, in denen sie maßgeschneiderte Inhalte präsentiert bekommen. Das geschieht, wenn bestimmte Dienste per Relevanzfilterung Beiträge gezielt auf Hobbys und politische Orientierung vorfiltern und ausrichten.

Datenschnüffelei

Das Schockierende: Die Tracking-Praktiken greifen auf jedem internetfähigen Endgerät, egal ob Computer, Tablet, Smartphone, Spielekonsole, Smart-TV, WLAN-fähigem Fitnessarmband oder anderen Gadgets aus dem wachsenden Internet of Things (IoT). Aus gutem Grund ist in den USA bereits seit 2013 das Tracken von Online-Aktivitäten von Kindern unter 13 Jahren per Gesetz verboten. Hierzulande haben Datenschnüffler dagegen anscheinend freie Bahn. Wer denkt, dass in Deutschland besonders hohe Datenschutzstandards die Bürger schützen, befindet sich auf dem Holzweg. Zwar genießen wir in der Tat hohe Datenschutzstandards. Die im Mai in Kraft getretene DSGVO stärkt zum Beispiel in vielen Punkten die Rechte der Verbraucher, etwa durch die Möglichkeit des Widerspruchs der Profildatenspeicherung. Faktisch hat sich dadurch aber kaum etwas geändert.

Schutzlos

Ein Betreiber muss laut DSGVO alle Tracker in der Datenschutzerklärung der Website nennen, die Nutzerprofile erfassen. In der Praxis taucht aber häufig nur ein Bruchteil der verwendeten Tracker in der Datenschutzerklärung auf. Außerdem ist ein Widerspruch nur möglich, wenn der sogenannte Opt-out technisch möglich ist und nicht an bestimmte Betriebssysteme oder Browser gebunden ist. Google Analytics bietet beispielsweise standardmäßig nur eine Widerspruchsmöglichkeit per Plugin an, das sich beispielsweise auf Apple iOS-Geräten, auf Smart-TVs oder Spielekonsolen nicht ausführen lässt. Nicht zuletzt verzichten viele Seitenbetreiber gleich komplett auf die aufwendige Implementierung von Opt-out-Cookies.

Selbst wenn sämtliche Tracker in der Datenschutzerklärung genannt werden und eine technisch auf jedem Gerät funktionierende Widerspruchsmöglichkeit existiert, hat der Nutzer praktisch keine Chance gegen die Datenerhebung. Denn dazu müsste er nicht nur sämtlichen durchschnittlich 20 Trackern einzeln widersprechen – und das, bevor er die Seite besucht. Anschließend müsste er dazu kleinlich darauf achten, dass er die Cookies, die den Widerspruch enthalten, nicht wieder löscht, um dann wieder von vorne anzufangen. Ein solches Vorgehen ist vollkommen unrealistisch.

Kaum ein Unternehmen hält sich beim Tracking an die Vorgaben der Datenschutzaufsichtsbehörden. Eine stichprobenartige Untersuchung der Internetseiten der zehn umsatzstärksten DAX-Unternehmen durch eBlocker ergab, dass nur das Unternehmen E.ON die Anforderungen der Aufsichtsbehörden umsetzt. Nicht zuletzt halten sich nur wenige Unternehmen an die Vorgaben, da der Staat Verstöße selten bis nie ahndet. Die DSGVO scheint sich als zahnloser Tiger zu entpuppen, den nicht einmal die größten Unternehmen mit bester juristischer Beratung fürchten. Konsequenz: Nutzer müssen sich selbst schützen.

Privatsphäre garantiert

Die Menschen wollen die Vorteile des Internets nutzen, fühlen sich aber technisch nicht in der Lage, sich angemessen gegen Tracker und andere Gefahren zu schützen. Das Hamburger Start-up eBlocker hat eine kinderleichte Anwendung entwickelt, die so einfach ist, dass sie von jedem genutzt werden kann, ganz ohne IT-Wissen. Als weltweit erste Plug & Play-Lösung ermöglicht der eBlocker anonymes Surfen und sichert die persönliche Privatsphäre. Dazu wird die kleine Box lediglich per Kabel am Router angedockt und mit Strom versorgt. Sofort blockiert sie zuverlässig alle bekannten Trackingsysteme sowie andere Datensammler – und das bei allen Geräten im Heimnetz, egal ob Computer, Tablet, Smart-TV oder Spielekonsole.

eblocker

Schutzwürfel: Kleines Gerät mit großer Wirkung. Auch Laien könnenes problemlos nutzen. (Foto: eBlocker)

Das Gerät kann als Torwächter zum Internet dienen. Es hilft den Nutzern, die Kontrolle über ihre Online-Privatsphäre zu behalten. Er bietet die Möglichkeit, für alle Geräte im Heimnetz die Identität zu tarnen, Tracking zu verhindern, Gefahren durch Malware wie gefährliche Phishing- Seiten abzublocken.

eBlocker-Dashboard

Schutzwall: Die grafische Oberfläche des eBlockers: klar und übersichtlich. (Foto: eBlocker)

Wertvolle Jugendschutzfunktionen helfen, dass sich Eltern keine Sorgen mehr machen müssen, ob ihr Kind auf jugendgefährdende oder andere ungeeignete Inhalte im Netz stößt. Bequem per Klick kann z.B. die sichere & kindgerechte Website für Kinder fragFINN freigeschaltet werden. eBlocker bietet altersgerechte Filtersysteme, die wahlweise nur bestimmte Seiten zulassen, Zudem die Möglichkeit, die Online-Zeit auf die Minute genau zu regulieren, das geheime nächtliche Surfen auszuschließen und genaue Tageszeiten und geräteübergreifende Nutzungszeiten festzulegen.

Mithilfe einer Mobile-Tunneling-Lösung werden sogar mobile Geräte unterwegs geschützt. Das Prinzip dahinter: Nutzer, die mit ihrem Smartphone mobil online sind, verbinden sich per VPN-Verbindung über das Mobilfunknetz und in öffentlichen Hotspots mit dem heimischen eBlocker. Dadurch entfaltet sich die Sicherheitswirkung selbst außerhalb des Heimnetzes. Positiver Nebeneffekt: Auch der Verbrauch kostbaren Datenvolumens wird reduziert, indem unerwünschtes Tracking und Werbung geblockt wird.

Wie viele Tracking-Informationen geben Sie weiter?

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Interdisziplinäres Vorgehen dringend notwendig https://www.divsi.de/interdisziplinaeres-vorgehen-dringend-notwendig/ https://www.divsi.de/interdisziplinaeres-vorgehen-dringend-notwendig/#respond Mon, 09 Jul 2018 08:20:05 +0000 https://www.divsi.de/?p=18293 Grundlegende Gedanken und Aufgabenstellungen für die Professur Cyber Trust. Schwerpunkte ist die Forschung zu Privatheit und Privatsphäre, zu Vertrauen im Internet und Sicherheit. Von Jens Großklags Die neue Professur für Cyber Trust ist an der Fakultät für Informatik der Technischen Universität München eingerichtet. Meine Vision ist es dabei, eine Brückenfunktion zu installieren und mit Leben […]

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Interdisziplinäres Vorgehen dringend notwendig

Fotos: chrisdorney/Peter Gudella – Shutterstock, Icons made by Freepik/Gregor Cresnar/Kiranshastry/SimpleIcon/ – Flaticon

Grundlegende Gedanken und Aufgabenstellungen für die Professur Cyber Trust. Schwerpunkte ist die Forschung zu Privatheit und Privatsphäre, zu Vertrauen im Internet und Sicherheit.

Von Jens Großklags

Die neue Professur für Cyber Trust ist an der Fakultät für Informatik der Technischen Universität München eingerichtet. Meine Vision ist es dabei, eine Brückenfunktion zu installieren und mit Leben zu füllen. Dabei geht es mir auf der einen Seite um die technischen Aspekte der Informatik, auf der anderen Seite um die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Gleichzeitig habe ich auch den Anspruch, den öffentlichen Dialog über Privatheit, Sicherheit und Vertrauen im Internet zu stärken.

Um diese Ziele zu erreichen, ist interdisziplinäres Vorgehen dringend notwendig. Funktionen hierfür sind insbesondere innovative Forschung zur Erfassung und Kommunikation komplexer Zusammenhänge, sei es mit theoretischen Ansätzen, experimentellen Studien oder Datenanalysen. Von besonderem Interesse sind hier Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit DIVSI bei repräsentativen Studien mit Unternehmen und Nutzern über deren Entscheidungsverhalten und Erfahrungen mit Datenschutz und Sicherheit. Schlussendlich ist das Ziel, besser auf Risiken reagieren zu können und Verbesserungen zu erreichen.

Strukturierung

Mit der Professur will ich unsere Forschung in unterschiedlichen Arbeitsbereichen strukturieren. Dabei geht es vor allem um Forschung zu Privatheit und Privatsphäre, zu Vertrauen im Internet und schließlich um Sicherheit.

Im Hinblick auf die Thematik Privatheit geht es darum zu erforschen, wie Menschen ihre Bedürfnisse bezüglich eines privaten Lebens kommunizieren, und andererseits, wie sie sich dann verhalten.

Zu den Anfängen meiner Forschung zählt die empirische Beobachtung, wonach eine Kluft zwischen Privatsphäre- Bedürfnis und gelebter Realität besteht. Teilweise sind es psychologische Faktoren, die uns daran hindern, unsere Vorsätze umzusetzen.

Andererseits sind es aber auch die Anforderungen des modernen Lebens, die es häufig fast unmöglich machen, Datenflüsse zu beschneiden, wenn zum Beispiel bestimmte Kommunikationsplattformen in Beruf, Bildung oder Freizeit de facto unabdingbar sind. Andererseits ist es für den Einzelnen häufig viel zu schwierig festzustellen, ob Daten gesammelt oder in großen Mengen von Nutzern oder Unternehmen weitergegeben werden. Kürzlich haben wir verschiedene experimentelle Studien hierzu publiziert, die jetzt durch den Fall Cambridge Analytica besondere Relevanz gewonnen haben. In diesem Fall wurden mindestens drei Datenkomponenten zweckentfremdet:

  1. Psychologische Daten von Nutzern, die mit einer Facebook Application kommuniziert hatten.
  2. Eine Vielzahl von Daten, welche auf Facebook über diese Nutzer gespeichert waren.
  3. Die Daten von Freunden, welche (zu dem Zeitpunkt) keine vernünftige Möglichkeit hatten, über solche Datenflüsse informiert zu werden oder diese unterbinden zu können.

Fragenfülle

Diese Situation wirft eine Vielzahl von Forschungsfragen auf: Wie soll die Architektur eines technischen Mechanismus gestaltet werden, sodass eine gute Balance zwischen positiver Kommunikation und Datenschutz geschaffen wird? Welche Rolle haben wir als Nutzer und als Teil der Gesellschaft, um Kommunikation positiver zu gestalten?

Ein neuerer Schauplatz für diese Fragen ist die Privatheit von unseren genetischen Daten. Individuell angepasste medizinische Behandlungen auf der Basis von solchen Informationen bieten viele Möglichkeiten und Vorteile, aber eben auch Risiken und schwierige Entscheidungsprozesse über den Zugang zu medizinischen Behandlungen. Und nicht nur für die Teilnehmer an genetischen Tests, sondern auch für deren existierende Blutsverwandte und noch nicht geborene Kinder und Kindeskinder. Wie soll damit in der Zukunft umgegangen werden? Ein Datenleck wie im Cambridge-Analytica- Fall hätte hier Auswirkungen auf Generationen von Menschen.

Schutzmaßnahmen

In diesem Zusammenhang ist die Frage zu klären, inwiefern verschiedene Strategien zum Schutz der Privatheit zukunftstauglich sind. Soll man Menschen die Möglichkeit geben, sich zu informieren und eine gewisse Kontrolle über ihre Daten auszuüben? Oder soll man in Technologien Datenschutz vorab einbauen (Privacy by Design)? Oder machen sogar großflächigere Teilhabemechanismen Sinn?

Beim Thema Vertrauen im Internet halte ich die Vielzahl von verschiedenen Betrugsstrategien für sehr besorgniserregend. Das macht Forschung in diesem Gebiet besonders schwierig, da es einfach zu viele Ausprägungen von Betrug gibt. Aber noch schwieriger ist es für Menschen, diese Versuche immer sofort zu erkennen.

In der Vergangenheit habe ich zu einigen verschiedenen Formen von Betrug Forschungsarbeiten durchgeführt, auch zu Telefonbetrug. Wir wollen jetzt hierzu einen Beitrag in Deutschland leisten und hier auch mit dem DIVSI zusammenarbeiten.

Dazu ist anzumerken, dass viele Betrugsfälle zwischenmenschliche Beziehungen ausnutzen. Daten aus den USA zeigen, dass die Mehrheit der Fälle von Identitätsdiebstahl auf Personen zurückzuführen ist, welche dem Opfer bekannt sind. Wie schützt man Schutzbedürftige nicht nur vor Kriminellen, sondern auch vor solchen persönlichen Kontakten, insbesondere, wenn unsere menschlichen Schwächen ausgenutzt werden?

Festzustellen bleibt auch, dass Sicherheit in Unternehmen nur bedingt gewährleistet ist. Eine Studie des Ponemon Institute zeigte kürzlich, dass über die Hälfte von Hunderten von Unternehmen den Ursprung von Cyberangriffen nicht feststellen konnte. Noch viel problematischer ist es, dass es im Durchschnitt um die 220 Tage dauert, bis Angriffe überhaupt registriert werden. Daten von Verizon, die wir analysiert haben, machen dieses Problem deutlich. In Deutschland ist es nicht anders, wie auch die Angriffe auf den Bundestag gezeigt haben.

Sicherheitsplus

Dabei geben wir schon enorme Summen für Sicherheit aus. Das Problem liegt teilweise darin, dass unser Verständnis über die Art und Weise, wie wir in Sicherheit investieren sollten, immer noch sehr mangelhaft ist. Unternehmen werden mit Maßnahmenkatalogen und internationalen Sicherheitsstandards überschwemmt. Dabei ist jedoch unklar, wie die einzelnen Maßnahmen zu priorisieren sind und welche Investitionen tatsächlich einen positiven Effekt bewirken würden. Unsere Forschung setzt hier durch verschiedene theoretische und empirische Arbeiten an. So arbeiten wir an theoretischen Modellen, welche uns helfen sollen, Ansätze zu finden, um die Zeit bis zur Erkennung von Angriffen zu verringern. Und wir forschen auch an Möglichkeiten, welche die Wahl zwischen verschiedenen Arten von Sicherheitstechnologien verbessern sollen. Im Problemfeld Ransomware besteht beispielsweise die Frage, wie man ein Sicherheitsbudget auf Maßnahmen zur Prävention, zum Schutz durch Backup- Mechanismen oder zur Zahlung von Lösegeldern verteilen sollte. All diese Maßnahmen haben bestimmte Vorteile, aber auch Schwächen.

Prämiensystem

Zusätzlich arbeiten wir auch an verschiedenen empirischen Studien, etwa im Bereich Softwaresicherheit. Ein Ansatz, um hier Fortschritte zu erreichen, ist es, Software einer breiten Masse von Experten zugänglich zu machen und für gefundene Schwachstellen im Code dann Prämien zu zahlen. Solche sogenannten Bug-Bounty-Programme werden mehr und mehr auch auf Plattformen zusammengeführt und zentralisiert, welche dann wiederum Möglichkeiten bieten, die Effizienz solcher Ökosysteme zu verbessern.

Dieses Vorgehen eröffnet zahlreiche interessante Fragestellungen. Wie viel sollte an Prämien gezahlt werden? Wie gestaltet man den Wettbewerb zwischen den einzelnen Programmen um die talentiertesten Hacker? Gibt es plattformübergreifend Erkenntnisse über Sicherheitslücken?

Das Spannende an der Forschung in den Bereichen Privatheit, Vertrauen im Internet und Sicherheit ist sicherlich das enorme Tempo, mit dem sich diese Themenbereiche weiterentwickeln und sich damit die Problemfelder, Anforderungen und Lösungsansätze ändern.

Verbundenheit

Eine relative Konstante bleibt letztlich nur der Mensch. Wir alle möchten das Internet und die verschiedenen Serviceleistungen weiterhin produktiv für Arbeit, Bildung und Freizeit nutzen können. Der Anspruch dieser Professur ist es, dafür einen Beitrag zu leisten durch Arbeiten, welche informatische und gesellschaftswissenschaftliche Methodiken zusammenführen. DIVSI hat sich als Arbeitsgrundlage dazu verpflichtet, einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Internet zu organisieren und mit neuen Aspekten zu beleben. Als Professor für Cyber Trust fühle ich mich diesen Zielen sehr verbunden.

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So entstehen aus Mosaiksteinchen detaillierte Profile https://www.divsi.de/so-entstehen-aus-mosaiksteinchen-detaillierte-profile/ https://www.divsi.de/so-entstehen-aus-mosaiksteinchen-detaillierte-profile/#respond Mon, 30 Apr 2018 06:42:52 +0000 https://www.divsi.de/?p=17569 Die Gefahren von Trackern und Persönlichkeitsprofilen. Gibt es eine Chance, der Datensammlung zu entgehen? Von Christian Bennefeld Bei einer Podiumsdiskussion mit Internetlenkern wurde Angela Merkel einmal gefragt, wie sie es mit dem Online-Einkauf halte. Sie antwortete prägnan: „Einmal im Internet was gekauft, du wirst verfolgt.“ Ein Phänomen, das offensichtlich nicht nur unsere Kanzlerin bewegt, sondern […]

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Mosaiksteine

Die Gefahren von Trackern und Persönlichkeitsprofilen. Gibt es eine Chance, der Datensammlung zu entgehen?

Von Christian Bennefeld

Bei einer Podiumsdiskussion mit Internetlenkern wurde Angela Merkel einmal gefragt, wie sie es mit dem Online-Einkauf halte. Sie antwortete prägnan: „Einmal im Internet was gekauft, du wirst verfolgt.“ Ein Phänomen, das offensichtlich nicht nur unsere Kanzlerin bewegt, sondern jeden Internet-Nutzer beschäftigt.

Gerade sucht man nach einer Urlaubsreise nach Mallorca, und schon bombardieren einen viele Webseiten mit Urlaubswerbung. Woher „wissen“ auf einmal der SPIEGEL, die BILD oder GMX von dem Reisewunsch auf die Baleareninsel? Der Grund für die Verfolgung sind Persönlichkeitsprofile, erstellt von Werbeservern und Datensammlern (im Fachdeutsch „Tracker“). Laut einer aktuellen Studie von Ghostery kommen heute auf jeder Webseite durchschnittlich 20 dieser Tracker zum Einsatz.

Diese halten nicht nur genau fest, welche Seiten wir besuchen, sondern auch, wie wir mit diesen interagieren. Sie zeichnen beispielsweise haarklein sämtliche Mausbewegungen auf und speichern alle Eingaben in Online-Formularen – und das selbst dann, wenn das Formular niemals abgesendet wird. Ob der Nutzer bei der Eingabe des Haushaltseinkommens in einen Kreditrechner zögert oder mehrmals korrigiert, bleibt Trackern auch nicht verborgen. Sogar die Augenreaktionen lassen sich anhand der Mausbewegungen ableiten.

Tracking - Eisberg

Noch Fragen? Egal was, alles wird gecheckt und klammheimlich zu einem großen Ganzen verknüpft.

Rückschlüsse

Durch die Verknüpfung sämtlicher Tracking- Daten über mehrere Websites und alle Geräte des Nutzers hinweg entstehen aus den einzelnen Daten-Mosaiksteinchen detaillierte Profile, die tiefe Einblicke in die Persönlichkeit und die Intimsphäre des Nutzers erlauben. Allein über die Kenntnis der besuchten Webseiten lassen sich beispielsweise einfach Rückschlüsse über die politische Einstellung, sexuelle Wünsche oder den Gesundheitszustand des Surfers ziehen. Wer etwa regelmäßig Seiten von Umweltorganisationen, zu alternativen Energien oder zur Sozialpolitik abruft, landet schnell in der politisch linken Ecke. Surfer, die dagegen regelmäßig nach schweren Krankheiten wie HIV suchen oder Seiten zu Drogenentzug und Therapiezentren studieren, haben dagegen mutmaßlich schwere Probleme mit der Gesundheit und illegalen Betäubungsmitteln.

Profitoptimierung?

Anders als in traditionellen Medien, wie Radio, TV oder Print, bei denen jeder Konsument dieselbe Werbung sieht, ist es im Internet erstmals möglich, auf die Persönlichkeit individuell abgestimmte Werbung anzuzeigen. Grundlage hierfür sind die gesammelten Persönlichkeitsprofile. Mag der männliche Nutzer dank personalisiertem Echtzeit-Targeting erfreut sein, dass er keine Werbung für Damenblusen erhält, wundert sich die 30-jährige Nutzerin mit Haarausfall hingegen, dass sie neben Haarwuchsmitteln auch ständig Werbung für Inkontinenzwindeln erhält. Ein peinliches Versehen vielleicht, aber sicher keine Gefahr.

Die lauert ganz woanders. Zum Beispiel bei dynamischer Preisbildung, die viele Online-Shops zur Profitoptimierung verwenden. Abhängig vom Persönlichkeitsprofil, sehen Nutzer dabei ganz unterschiedliche Preise. So kann es sein, dass Nutzer eines teuren Tablets mehr für das gleiche Produkt bezahlen als Besitzer eines Linux-Systems. Die Preisdiskriminierung im Online-Handel folgt dabei nebulösen Mechanismen. Manche Händler bieten mobilen Nutzern Preisvorteile, andere dagegen, wenn der Nutzer von bestimmten Seiten kommt. In einigen Fällen steht und fällt der Preis zudem abhängig von der geografischen Herkunft, der Besuchsfrequenz oder den ermittelten Interessen.

Aber nicht nur Online-Händler machen sich heute Persönlichkeitsprofile zunutze. Auch Finanzdienstleister und Versicherer wollen gerne vor Vertragsabschluss wissen, mit wem sie es zu tun haben. Scoring lautet das viel beschworene Stichwort der Branche. Der „Score“ ist dabei ein Wert, der das individuelle Risiko, ein Geschäft mit dem Nutzer einzugehen, beurteilt – und zwar bevor das Geschäft überhaupt zustande kommt. Wer regelmäßig Sportwetten im Internet abgibt, seine Zeit mit Online-Poker verbringt und häufig nach Kurzkrediten sucht, hat demnach einen höheren Risiko-Wert für Kreditgeber als jemand, der dieses Verhalten nicht zeigt.

Versicherungsrisiko

Versicherungsrisiko: Extremsportler hinterlassen in ihrem digitalen Profil Spuren vermeintlich gefährlicher Hobbys.

Profiteure

Ein Sportler, der gerne Tiefseetauchen, Fallschirmspringen oder Freeclimbing nachgeht, stellt für Versicherer ebenfalls ein besonderes Risiko dar, das sich in höheren Versicherungsprämien widerspiegelt. Profildaten sind dabei umso wertvoller, je genauer sie das Bild des beobachteten Nutzers zeichnen. Potenziell falsche Daten oder fehlerhafte Zusammenführungen sind dabei besonders gefährlich. Welcher Journalist wird schon gerne bei der Einreise in die USA wie ein Verbrecher behandelt, nur weil er für eine investigative Recherche über Terrorismus Websites des Islamischen Staates besucht hat?

Die Profiteure sind dagegen Datenhändler, Werbekonzerne und Scoring-Anbieter. So verknüpft beispielsweise Google nach eigenen Angaben über seine mehr als 70 Dienste alle gewonnenen Daten zu genauen Persönlichkeitsprofilen. Selbst wenn der Nutzer gar keine Google-Dienste nutzt, gerät er in die Fänge des Datenkrakens. Dank Google Analytics, dem Web-Analyse-System von Google, das heute auf mehr als 80 Prozent aller Websites zum Einsatz kommt, entgeht dem Konzern kaum ein Klick – selbst außerhalb des Google-Universums. Das Perfide dabei ist die Bildung personenbezogener Nutzerprofile. Die Verknüpfung mit dem Menschen „Stefan Meier“ erfolgt umgehend, sobald der Nutzer über ein Google-Konto verfügt.

Dieses muss aber jeder Nutzer anlegen, der etwa Google Mail, Google Kalender oder irgendeinen anderen Dienst des Konzerns nutzen will. Besitzer eines Android-Geräts, egal ob Tablet, Telefon oder Google Home, kommen ebenfalls nicht um ein Google-Konto herum. Bei der Anlage des Nutzerkontos müssen Nutzer aber nicht nur die Geschäftsbedingungen, sondern auch die Datenschutzbestimmungen akzeptieren. Doch wer liest schon die verklausulierten, seitenlangen Bedingungen bei der Inbetriebnahme eins Android-Gerätes: So willigt der Nutzer bei Google ein, dass alle Daten über sämtliche Dienste personenbezogen erfasst werden. Aber Google, als weltweit größter Datensammler, ist hier nur ein Stellvertreter. Andere Konzerne wie Facebook, Microsoft und auch Apple nutzen ähnliche Tricks, um personenbezogene Profildaten zu erfassen und zu monetarisieren.

Bruchteile

Immerhin sieht der Gesetzgeber im Telemediengesetz die Möglichkeit des Widerspruchs gegen Profildatenspeicherung vor. So muss der Betreiber alle Tracker in der Datenschutzerklärung der Website nennen, die pseudonyme oder gar personenbezogene Nutzerprofile erfassen. In der Praxis taucht aber häufig nur ein Bruchteil der verwendeten Tracker in der Datenschutzerklärung auf. Außerdem ist ein Widerspruch nur dann möglich, wenn der sogenannte Opt-out technisch möglich ist und nicht an bestimmte Betriebssysteme oder Browser gebunden ist. Google Analytics bietet beispielsweise standardmäßig nur eine Widerspruchsmöglichkeit per Plugin an, das sich beispielsweise auf Apple-iOS-Geräten, auf Smart-TVs oder Spielekonsolen nicht ausführen lässt. Nicht zuletzt verzichten viele Seitenbetreiber gleich komplett auf die aufwendige Implementierung von Opt-out-Cookies.

Aber selbst wenn sämtliche Tracker in Datenschutzerklärungen genannt und eine technisch auf jedem Gerät funktionierende Widerspruchsmöglichkeit existiert, hat der Nutzer praktisch keine Chance gegen die Datenerhebung. Denn dazu müsste er nicht nur sämtlichen, durchschnittlich 20 Trackern einzeln widersprechen – und das bevor er die Seite besucht. Anschließend müsste er dazu kleinlich darauf achten, dass er die Cookies, die den Widerspruch signalisieren, nicht wieder löscht, um dann wieder von vorne anzufangen. Eine Sisyphusaufgabe.

Anonymität im Internet ohne Hilfsmittel ist eine Illusion. Google, Facebook und Co. wissen heute mehr über jeden Einzelnen als einst die Stasi über die Bürger der DDR. Wer sich dagegen schützen will, muss tief in die Trickkiste greifen: Tracker und Daten sammelnde Werbung lassen sich noch gut mit Plugins für Browser blocken. IP-Adressen können durch die Installation eines Tor-Browsers oder eines VPN-Clients anonymisiert werden.

Ausweg

Der Abfluss von Geräte-Informationen und -Fingerprints ist aber nur noch durch technische Fachleute zu verhindern. Eine Lösung für dieses scheinbare Dilemma sind innovative Netzwerkgeräte, wie der eBlocker, die einfach an den heimischen Router angeschlossen werden. Ganz ohne Softwareinstallation schützt der eBlocker die Privatsphäre per Plug & Play auf allen an das Heimnetz angeschlossenen Geräten gleichermaßen. Jeder Nutzer kann so ohne technische Kenntnis ganz einfach der Profilbildung entgehen.

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Internet of Things – die Zukunft hat uns eingeholt https://www.divsi.de/internet-of-things-die-zukunft-hat-uns-eingeholt/ https://www.divsi.de/internet-of-things-die-zukunft-hat-uns-eingeholt/#respond Thu, 12 Jan 2017 09:26:06 +0000 http://46.30.3.106/?p=15827 Keine Grenzen für mögliche Anwendungsszenarien. Steigerung bereits existierender Prozesse. Ermöglichung neuer Geschäftsmodelle. Aber auch jede Menge Hindernisse.
Mitten in der heißen Phase des US-Wahlkampfs sorgte ein Ausfall weiter Teile des Internets für besonders viel Aufregung und Verunsicherung in Nordamerika. [...]

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Internet of Things – die Zukunft hat uns eingeholt

Keine Grenzen für mögliche Anwendungsszenarien. Steigerung bereits existierender Prozesse. Ermöglichung neuer Geschäftsmodelle. Aber auch jede Menge Hindernisse.

Von Alexander Braun

Mitten in der heißen Phase des US-Wahlkampfs sorgte ein Ausfall weiter Teile des Internets für besonders viel Aufregung und Verunsicherung in Nordamerika. Vermutungen deuteten sofort Richtung Russland und China als mögliche Urheber dieser beispiellosen Attacke, durch die in mehreren Wellen prominente Services wie Twitter, Netflix, PayPal, Spotify, Airbnb, Reddit, SoundCloud, die New York Times und viele weitere mehr nicht mehr erreichbar waren.

Auch wenn mögliche Hintermänner nur schwer eindeutig auszumachen sind, deuten alle Recherchen unterdessen in eine weit weniger konspirative Richtung: Die größte Internet-Attacke aller Zeiten geht nicht auf das Konto von Geheimdiensten, sondern war das Werk sogenannter Script-Kids – Teenager ohne tatsächliche Hacking-Expertise, die offen zugängliche Werkzeuge ausnutzen, um Schaden anzurichten. Derartigen Schaden konnte diese Attacke allerdings nur dadurch entfalten, dass sie sich Hunderttausender unzureichend gesicherter, mit dem Internet verbundener Geräte wie Überwachungskameras und Festplatten-Videorekorder bediente – Bestandteile des sogenannten Internet of Things (IoT).

Im Internet der Dinge ist eine schier unvorstellbare Anzahl von Geräten mit dem Internet verbunden: vom Getränkeautomaten bis zum Carsharing-Fahrzeug, dem Baby-Monitor bis zur smarten Glühbirne, dem Kühlschrank bis zur Zahnbürste, der Fertigungsmaschine in der Fabrik bis zum Heizungsthermostat. Im Zentrum stehen hierbei Sensoren, die über die Anbindung an das Internet ganz neue Anwendungsmöglichkeiten eröffnen und anhand derer Maschinen mit anderen Maschinen kommunizieren.

Der Fantasie hinsichtlich sinnvoller oder auch sinnbefreiter Anwendungsszenarien sind hier keine Grenzen gesetzt. Daher wird die Zahl mit dem Internet verbundener Geräte auch in den kommenden Jahren exponentiell anwachsen: von derzeit 9 Milliarden bis 2020 auf etwa 30 Milliarden Geräte, die den Markt von derzeit USD 600 Milliarden auf USD 2 Billionen mehr als verdreifachen werden.

Was also sind die Potenziale, die diesen Markt treiben und dazu führen, dass schon bald jedes nur erdenkliche Gerät mit einer Internet-Verbindung ausgestattet sein könnte, und was sind die Herausforderungen, die auf diesem Weg zu meistern sind? Die Potenziale von IoT fallen hierbei in folgende Kategorien:

Steigerung der Effizienz existierender Prozesse: Indem eine Maschine ihren Gesundheitszustand live kommuniziert, kann sie rechtzeitig gewartet werden, sodass es zu keinem Ausfall kommt. Ebenso muss ein Techniker die existierenden Maschinen nicht permanent abfahren oder einen Austausch von Verschleißteilen nach festem Zeitmuster vornehmen, wenn kein Wartungsbedarf besteht.

Anreicherung der Daten existierender Prozesse: Indem die Anzahl der Sensoren erhöht wird, können etwa Spediteure ihren Kunden künftig nicht nur mitteilen, dass ihre Sendung angekommen ist, sondern auch, wie der Zustand der Sendung ist. Wurde sie Temperaturen oder Erschütterungen ausgesetzt, die die Qualität negativ beeinflusst haben könnten? Auf dieser Basis können bei voller Transparenz ganz neue Rahmenverträge gestaltet werden, die einen verbesserten Service in Real-time ermöglichen. Physische Produkte müssen künftig hinsichtlich ihres Funktionsumfangs nach dem Kauf nicht mehr statisch bleiben, da sie dank Software-Updates via Internet-Verbindung stets aktualisiert werden können.

Ermöglichung neuer Geschäftsmodelle: Über den Einbezug einer Vielzahl an Sensordaten werden regelbasierte Modelle möglich. Ein Getränkeautomat kann etwa beim Überschreiten einer gewissen Außentemperatur die Preise der Getränke erhöhen, da die Nachfrage und die Zahlungsbereitschaft steigt. Versicherungen können ihre Prämien vom tatsächlich gemessenen Fahrverhalten und der Nutzungshäufigkeit abhängig machen. Diese Entwicklungen umspannen alle Industrien.

Hindernisse

Die Potenziale des Internets der Dinge sind folglich über alle Industrien hinweg riesig und haben zu Recht eine branchenübergreifende Euphorie ausgelöst. Dem stehen jedoch eine Reihe schwerwiegender Hürden entgegen, die es zu überwinden gilt:

Privatsphäre: Da es im Kern um die Erhebung und Auswertung eines bisher beispiellosen Spektrums an Daten geht, ist die Akzeptanz bei den Nutzern von zentraler Bedeutung. Während der Akzeptanzaspekt im Kontext von Unternehmensdaten in der Regel unkritisch ist, stellt sich dies bei der Nutzung persönlicher Daten grundlegend anders dar. Möchte ich Versicherungsunternehmen Zugang zu meinen Aktivitätsdaten geben, um im Gegenzug günstigere Tarife zu erhalten? Was bedeutet dies für Risikogruppen, und werde ich diesen automatisch zugerechnet, wenn ich nicht bereit sein sollte, meine Daten zu teilen, da ich ja offensichtlich etwas zu verbergen habe? Dies sind grundlegende Fragen hinsichtlich der Privatsphäre, die im gesellschaftlichen Diskurs beantwortet werden müssen, soll nicht eine verbreitete Skepsis viele positive Möglichkeiten verhindern.

Standards: Nur wenn die IoT-Geräte auch miteinander kommunizieren und eine gemeinsame Sprache sprechen, lassen sich auch ihre Potenziale erschließen. Diesen einheitlichen Standard gibt es derzeit noch nicht, und Intel und Qualcomm kämpfen hier um die Vorherrschaft. Wie bei anderen Wettkämpfen um die Standard-Führerschaft wird sich auch dieser in absehbarer Zeit entscheiden. Bis dahin limitiert die Unsicherheit jedoch das Entwicklungspotenzial.

Sicherheit: Bei der Sicherheit im IoT-Umfeld handelt es sich gleich auf mehreren Ebenen um einen ganz zentralen Faktor. Wie die eingangs erwähnte Attacke auf zentrale Internet-Services unter Zuhilfenahme unzureichend gesicherter IoT-Geräte gezeigt hat, geht von dem fehlenden Sicherheitsbewusstsein bei Herstellern und Nutzern eine Gefährdung für das gesamte Internet aus. Erschwerend kommt hierbei der Umstand hinzu, dass sich die Besitzer der betroffenen Geräte häufig gar nicht bewusst sind, dass ihr Gerät an einem derartigen Angriff beteiligt war. Selbst wenn sie sich dessen jedoch bewusst sind, fehlt häufig das technische Wissen oder bei älteren Geräten sogar die Möglichkeit, die Geräte besser zu schützen. Zudem haben die Geräte häufig eine längere Lebensdauer als die gewöhnlicher Computer, so dass das Problem trotz unterdessen erfolgter Rückrufaktionen noch lange fortbestehen wird. Außerdem geht es häufig um hochsensitive Daten und die Steuerung kritischer Abläufe. Die EU-Kommission plant daher die Einführung eines Sicherheitslabels für IoT-Geräte, um den Druck auf die Hersteller zu erhöhen. Vor dem Hintergrund, dass von der Barbie-Puppe bis zur Glühbirne und der Zahnbürste zunehmend jedes Gerät über eine Internet-Verbindung verfügt und das Internet global ist, sicherlich ein Mammutvorhaben.

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DIVSI Direktor Matthias Kammer im Interview zum digitalen Wandel https://www.divsi.de/divsi-direktor-matthias-kammer-im-interview-zum-digitalen-wandel/ https://www.divsi.de/divsi-direktor-matthias-kammer-im-interview-zum-digitalen-wandel/#respond Fri, 01 Apr 2016 16:01:43 +0000 http://46.30.3.106/?p=14577 Kürzlich war DIVSI-Direktor Matthias Kammer zu Gast im alpha-Forum. In der Sendung sprach er mit Isabella Schmid über die neuen Chancen und Risiken des digitalen Wandels. Privatsphäre Gerade nach den Snowden-Leaks sei, so Kammers Eindruck, die Wertschätzung von Privatsphäre enorm gestiegen. Jedoch trete hier ein gewisses Paradoxon auf, wenn 80 Prozent der Menschen angeben, dass […]

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Kürzlich war DIVSI-Direktor Matthias Kammer zu Gast im alpha-Forum. In der Sendung sprach er mit Isabella Schmid über die neuen Chancen und Risiken des digitalen Wandels.

Privatsphäre

Gerade nach den Snowden-Leaks sei, so Kammers Eindruck, die Wertschätzung von Privatsphäre enorm gestiegen. Jedoch trete hier ein gewisses Paradoxon auf, wenn 80 Prozent der Menschen angeben, dass sie die Weiterverwendung ihrer Nutzerdaten durch Unternehmen ablehnen und gleichzeitig 75 Prozent kostenlose Dienste in dem Wissen nutzen, dafür mit ihren eigenen Daten zu zahlen. Die Herausgabe der eigenen Daten werde in Kauf genommen, weil der Gewinn an Bequemlichkeit sowie die höhere Alltags- und Lebensqualität überwiegen würden.

Unverständlichkeit und Intransparenz von Allgemeinen Geschäftsbedingungen

Das Problem der Privatsphäre sei eng verknüpft mit der Unverständlichkeit und Intransparenz von AGB. Die Mehrheit der Internet-Nutzer klicken die AGBs oftmals nur schnell durch und lediglich 20 Prozent würden überhaupt die AGBs von Diensten lesen. Hier bestehe daher noch ein großer Handlungsbedarf, um einen gemeinsamen Konsens darüber auszuformulieren, welcher Umgang mit Daten seitens der Unternehmen gesellschaftlich akzeptiert werde und wann der Staat eingreifen müsse. Kritisch werde es, wenn sensible Finanz- oder Gesundheitsdaten für Big Data-Geschäftsmodelle genutzt werden, die letztendlich zu einer Diskriminierung von Menschen führen könne und existenzielle Konsequenzen nach sich zöge. Mit dem Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ versuche DIVSI an dieser Stelle, exemplarisch in den Bereichen Health und Mobility Weichen für eine Diskussion zu stellen. Eine Lösung könnte z.B. die Umsetzung einer Ampel sein, die auf den ersten Blick über das Risiko eines jeweiligen Dienstes informiere.

Generell sei der Wert von Daten immens gestiegen, wie die gegenwärtigen Ausprägungen von Cybercrime zeigen. Cybercrime ist insgesamt zu einem ernsten Problem geworden, für das die Nutzer noch nicht ausreichend sensibilisiert seien. Positiv sei aber herauszustellen, dass die Wirtschaft bereits darauf reagiere und Unternehmen IT-Security zunehmend als Priorität behandeln würden.

Zwischen Chancen und Risiken

Insgesamt plädiert Matthias Kammer für eine ausgewogene Diskussion, in der man zuerst über die Chancen der Digitalisierung sprechen sollte und dann über damit verbundene Risiken – und eben nicht umgekehrt. Schließlich seien die digitalen Medien erst einige Jahre alt und hätten doch in einer beispielslosen Geschwindigkeit bereits umfassende gesellschaftliche Umwälzungen angestoßen. Es sei deshalb vollkommen verständlich, dass die Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft intensive Diskurse führen müssten, wie die Herausforderung des digitalen Wandels so bewältigt werden können, dass die Interessen der Wirtschaftsakteure gleichermaßen berücksichtigt werden wie die digitale Selbstbestimmtheit des Einzelnen. Innerhalb einer solchen Diskussion müsse dann auch ausgehandelt werden, in welchem Umfang der Umgang mit Daten gesetzlich zu reglementieren sei oder als gesellschaftlich verbindliche Spielregeln in Form eines digitalen Wertekodex festgehalten werden solle.

Auch zitiert Matthias Kammer in diesem Interview die DIVSI U9-Studie. Dabei geht er darauf ein, wie Kinder und Jugendliche sich in die digitale Zeit hinein entwickeln und wie Familien ihren digitalen Alltag organisieren können.

Transkript der Sendung: http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/matthias-kammer-gespraech-100.html

ARD-alpha ist ein deutscher Fernseh-Bildungskanal unter Federführung des Bayerischen Rundfunks. Im Programmformat alpha-Forum werden Prominente Persönlichkeiten interviewt.

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Behavioral Profiling: So lassen sich User anhand von Tastenanschlägen identifizieren https://www.divsi.de/behavioral-profiling-so-lassen-sich-user-anhand-von-tastenanschlaegen-identifizieren/ https://www.divsi.de/behavioral-profiling-so-lassen-sich-user-anhand-von-tastenanschlaegen-identifizieren/#respond Thu, 30 Jul 2015 12:17:16 +0000 http://46.30.3.106/?p=13416 Von Yi-Ji Lu Sicherheitsforscher haben ein Verfahren zur Auswertung von Tastatureingaben entwickelt, das User anhand ihres Tippverhaltens eindeutig identifizieren soll – auch wenn sie Anonymisierungstools wie Tor nutzen. Ein auf einer Website eingebautes Skript misst initial die Texteingaben und erstellt aus der Länge der Pause zwischen Tastaturanschlägen und der Dauer einer gedrückten Taste einen einzigartigen digitalen Fingerabdruck, anhand dessen […]

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Von Yi-Ji Lu

Sicherheitsforscher haben ein Verfahren zur Auswertung von Tastatureingaben entwickelt, das User anhand ihres Tippverhaltens eindeutig identifizieren soll – auch wenn sie Anonymisierungstools wie Tor nutzen. Ein auf einer Website eingebautes Skript misst initial die Texteingaben und erstellt aus der

  • Länge der Pause zwischen Tastaturanschlägen
  • und der Dauer einer gedrückten Taste

einen einzigartigen digitalen Fingerabdruck, anhand dessen der Nutzer bei einem späteren Website-Besuch mit hoher Wahrscheinlichkeit wiedererkannt werden kann.

Behavorial profiling

Einzigartige Charakteristika bei Tastatureingaben dienen als Erkennungsmerkmale (Bild: Ars Technica)

Schutz vor Hackern oder Gefahr für Anonymität? 

Grundsätzlich lassen sich mit dieser Art der verhaltensbasierten Identifizierung (auch behavioral profiling genannt) Websites sicherer machen. So gehen die Sicherheitsexperten Thorsheim und Moore davon aus, dass Banking-Websites dieses Verfahren einsetzen, um unbefugten Zugang zu Bankkonten zu verhindern. Banking-Betrug ließe sich auf diese Weise ermitteln, auch wenn die Angreifer die korrekten Zugangsdaten besäßen.

Auf der anderen Seite sieht Sicherheitsforscherin und ehemalige Tor-Entwicklerin Runa Sandvik darin eine Gefahr für die Online-Anonymität, insbesondere dann, wenn die Speicherung und der Abgleich von User-Profilen auf mehreren Websites stattfinden. Daraus lasse sich trotz der Nutzung des Anonymsierungsnetzwerks Tor das Surfverhalten über mehrere Internetseiten hinweg beobachten.

Browser-Plugin schafft Abhilfe

Der Sicherheitsforscher Paul Moore hat ein Chrome-Plugin entwickelt, das die Tastatureingaben abfängt, verzerrt und mit einer kleinen Verzögerung an die Website weitergibt. So soll das Tipp-Verhalten verfremdet und Profiling verhindert werden.

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Umfrage: Wie groß ist das Vertrauen in das Internet der Dinge? https://www.divsi.de/umfrage-wie-gross-ist-das-vertrauen-in-das-internet-der-dinge/ https://www.divsi.de/umfrage-wie-gross-ist-das-vertrauen-in-das-internet-der-dinge/#respond Fri, 24 Jul 2015 10:18:25 +0000 http://46.30.3.106/?p=12981 Internet der Dinge revolutioniert alle Lebensbereiche Die Entwicklung des Internets der Dinge (IoT) ist im vollen Gange. 25 Milliarden vernetzte Geräte werden laut einer Prognose von Gartner im Jahr 2020 in Betrieb sein. Damit wächst die bisherige Anzahl der vernetzten Geräte innerhalb der nächsten fünf Jahre um den Faktor 6. Vernetzte Autos, Fitness-Tracker, intelligente Kühlschränke und Smart-Thermostate sind nur einige gängige Beispiele […]

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Internet der Dinge auf dem Vormarsch

Internet der Dinge revolutioniert alle Lebensbereiche

Die Entwicklung des Internets der Dinge (IoT) ist im vollen Gange. 25 Milliarden vernetzte Geräte werden laut einer Prognose von Gartner im Jahr 2020 in Betrieb sein. Damit wächst die bisherige Anzahl der vernetzten Geräte innerhalb der nächsten fünf Jahre um den Faktor 6.

Vernetzte Autos, Fitness-Tracker, intelligente Kühlschränke und Smart-Thermostate sind nur einige gängige Beispiele für neue Anwendungsfelder. Das Einsatzgebiet vom Internet der Dinge reicht jedoch weit über die naheliegenden Smart-Home- und Smart-City-Anwendungen hinaus. So stehen bereits innovative Lösungen für die TextilindustrieEmpfängnisverhütung, Landwirtschaft oder den Umweltschutz bereit.

Vertrauen ein maßgeblicher Faktor für den Erfolg von IoT-Geschäftsmodellen

Datensicherheit ist zu einem zentralen Aspekt in der IoT-Debatte geworden. Nicht nur potenziert sich das Risiko von Einfallstoren durch die unzähligen Geräte und das Zusammenspiel unterschiedlicher Systeme, wie Security-Experte Eugene Kaspersky feststellt. Gleichzeitig litt das Vertrauen in digitale Technologien durch die immer wieder Schlagzeilen machenden Datenpannen, von denen auch namhafte Konzerne nicht verschont geblieben sind, sowie die in den letzten Jahren enthüllten Überwachungspraktiken von Regierungen und Unternehmen.

Der Erfolg von IoT-Geschäftsmodellen hängt jedoch maßgeblich vom Vertrauen der Nutzer ab, so fasst es Accenture in der Umfrage „Digital Trust in the IoT Era“ zusammen, für die 24.000 Nutzern in 24 Ländern zum Thema befragt wurden. 

Ergebnisse der Umfrage

Großes Interesse an Internet der Dinge-Lösungen

IoT-Lösungen stoßen auf ein großes Interesse. Bis 2020 soll nahezu jeder zweite Befragte ein oder mehrere IoT-Devices besitzen. Besonders großes Kaufinteresse findet sich bei Geräten aus den Bereichen Heimüberwachung, Smart-Watches und Fitness-Tracker. 

Interesse an Internet of things

Quelle: Accenture

Jeder Zweite besorgt um Datensicherheit

Gleichzeitig sind die Nutzer vorsichtig, wem gegenüber sie Ihre Daten preisgeben. 54 Prozent misstrauen der Sicherheit ihrer persönlichen Online-Daten. Auffällig ist, dass das Vertrauen mit zunehmendem Alter abnimmt. Während in der Altersgruppe der 14-17-Jährigen noch 58 Prozent an die Sicherheit ihrer Daten glauben, sind es in der Altersgruppe der über 55-Jährigen nur noch 33 Prozent. Der internationale Vergleich zeigt eine relativ gleichförmige Verteilung. Die europäischen Nutzer stehen der Technologie am kritischsten gegenüber, während die Nutzer im Mittleren Osten am wenigsten Bedenken hegen. 

Vertrauen in Internet of Things

Quelle: Accenture

Telefonanbieter und Banken am vertrauenswürdigsten

Die Befragten bringen den Unternehmen ein unterschiedlich großes Vertrauen entgegen. Telefonanbieter und Banken sind laut der Umfrage am vertrauenswürdigsten. Das größte Misstrauen wird Fernsehsendern und Video-Plattformen entgegengebracht.

Unterschiedliches Vertrauen in Unternehmen

Quelle: Accenture

User wünschen sich Alternativen zum Login-Verfahren mit Passwörtern

Wie Eugene Kaspersky stellt auch Accenture einen drastischen Anstieg von Datenpannen und Sicherheitslücken fest und prognostiziert, das sich die Anzahl der gestohlenen User-Daten im Zeitraum 2014-2015 gegenüber den Vorjahren 2012-2013 mehr als verdoppeln wird.

Das konventionelle Login-Verfahren mit Benutzername und Passwort gilt daher als unsicher und überholt. Dieser Ansicht sind auch die befragten Nutzer. 77 Prozent wünschen sich alternative Sicherheitsvorkehrungen für einen besseren Schutz ihrer Daten und 58 Prozent sind an biometrischen Authentifizierungsverfahren wie Stimmerkennung, Fingerabdruck- oder Iris-Scan interessiert.

Alternativen zum Passwort-Verfahren

Quelle: Accenture

Preisgabe von Daten für finanzielle Gegenleistung

Die Umfrage zeigt, dass Nutzer die Verwendung ihrer Daten weniger negativ bewerten, wenn sie im Gegenzug einen finanziellen Vorteil erhalten. Bewerten so etwa 38 Prozent die Weitergabe ihrer Nutzerdaten als eine Verletzung der Privatsphäre, sehen nur 20 bis 22 Prozent ihre Privatsphäre gefährdet, wenn ihr Kaufverhalten im Gegenzug für Rabatte oder Angebote ausgewertet wird.

Verstoß gegen Privatsphäre?

Quelle: Accenture

Synergie-Effekte durch Vernetzung

Ungeachtet der noch existierenden Datenschutz- und Privatsphäreproblematik ergeben sich durch das Zusammenspiel von vernetzten Geräten aus unterschiedlichen Lebensbereichen gänzlich neue Möglichkeiten. Cisco fasste die Synergie-Effekte bereits vor einiger Zeit in einer Infografik zusammen:

Infografik IoT Cisco

Quelle: allthingsd

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Recht auf Vergessen – die Standpunkte der Teilnehmer https://www.divsi.de/recht-auf-vergessen-die-standpunkte-der-teilnehmer/ https://www.divsi.de/recht-auf-vergessen-die-standpunkte-der-teilnehmer/#comments Mon, 30 Mar 2015 10:32:07 +0000 http://46.30.3.106/?p=11737 Am 26.03.2015 fand in Berlin unsere Diskussionsveranstaltung „Vergiss es, Du wirst mich nie wieder los – Sollte das Internet vergessen?“ statt. Wir danken allen Gästen für die rege Teilnahme und den Referenten für die spannenden Einblicke und Diskussionen. Für alle, die nicht mit dabei sein konnten, haben wir hier einen Einblick zusammengestellt. Hier geht es zur Pressemitteilung. Zusammenfassung […]

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Diskussionsveranstaltung: Recht auf Vergessenwerden

Am 26.03.2015 fand in Berlin unsere Diskussionsveranstaltung „Vergiss es, Du wirst mich nie wieder los – Sollte das Internet vergessen?“ statt. Wir danken allen Gästen für die rege Teilnahme und den Referenten für die spannenden Einblicke und Diskussionen. Für alle, die nicht mit dabei sein konnten, haben wir hier einen Einblick zusammengestellt.

Hier geht es zur Pressemitteilung.

Zusammenfassung

Die Beiträge im Überblick:

Matthias Kammer (DIVSI-Direktor) über das Anliegen der Diskussionsveranstaltung:

Interviews mit den Teilnehmern

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Mitglied des Google-Löschbeirats) betont, dass die Debatte am eigentlichen Thema vorbeigeht. Ein Vergessen im klassischen Sinne gibt es nicht, die Debatte dreht sich im Grunde darum, inwiefern dem Einzelnen etwas öffentlich vorgehalten werden kann, was eigentlich unter seine Privatsphäre fällt. Leutheusser-Schnarrenberger stimmt der Idee eines Digitalen Kodex zu, anhand dessen Verhaltensweisen für Nutzer, Wirtschaft und Politik empfohlen und weiterentwickelt werden können:

Konstantin Klein (Redaktionsleiter Deutsche Welle) stellt das EuGH-Urteil in den Kontext einer größeren Auseinandersetzung mit der Marktmacht Googles. Zudem betont er, dass ein Entfernen der Verlinkung aus den Suchergebnissen nicht zu einer Löschung der Inhalte selbst, sondern lediglich zu einer geringeren Auffindbarkeit führt. Er warnt zudem vor dem sogenannten „Streisand-Effekt“. Ein Versuch, etwas vergessen zu lassen, kann darin resultieren, dass es noch umso stärker in die Öffentlichkeit dringt:

Katharina Borchert (Geschäftsführerin Spiegel Online) führt an, dass auch die Medieninstanzen vom EuGH-Urteil betroffen sind. So kommt es durchaus zur Löschung von korrekt recherchierten Informationen, die aus medienrechtlicher Perspektive legitim sind. Dementsprechend ihre Forderung, dass das EuGH nicht nur die Interessen von Betroffenen, sondern auch die der Medien und der Öffentlichkeit in den Blick nimmt.

Jan Philipp Albrecht, MdEP (stellvertretender Vorsitzender des Innen- und Justizausschusses) spricht sich gegen die Forderung zur Einrichtung von Schiedsstellen aus, die bei der Löschentscheidung involviert sind. Stattdessen sollten die Redaktionen inhaltlich in die Entscheidungen einbezogen werden:

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Ipsos-CIGI-Umfrage: Deutschland – Land der Internetskeptiker? https://www.divsi.de/ipsos-cigi-umfrage-deutschland-land-der-internetskeptiker/ https://www.divsi.de/ipsos-cigi-umfrage-deutschland-land-der-internetskeptiker/#respond Mon, 01 Dec 2014 11:41:04 +0000 http://46.30.3.106/?p=10776 Seit den Snowden-Enthüllungen ist das Vertrauen in das Internet und die Internetsicherheit deutlich gesunken. Das zeigt eine internationale Umfrage, die das kanadische Centre for International Governance Innovation (CIGI) zusammen mit dem Ipsos Forschungsinstitut durchgeführt hat. Befragt wurden 23.000 Internetnutzer in 24 Ländern zwischen 16 und 64 Jahren.

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Ipsos CIGI Survey: Deutschland skeptisch gegenüber dem Internet?

Bild: Anton Watman – Shutterstock

Von Yi-Ji Lu

Seit den Snowden-Enthüllungen ist das Vertrauen in das Internet und die Internetsicherheit deutlich gesunken. Das zeigt eine internationale Umfrage, die das kanadische Centre for International Governance Innovation (CIGI) zusammen mit dem Ipsos Forschungsinstitut durchgeführt hat. Befragt wurden 23.000 Internetnutzer in 24 Ländern zwischen 16 und 64 Jahren.

Die zentralen Erkenntnisse

  • 64% der Befragten sorgen sich stärker um ihre Privatsphäre im Internet als noch vor einem Jahr
  • Zu den größten Ängsten gehören das Hacking von Online-Konten und der Diebstahl von persönlichen Daten (77%) sowie die Überwachung durch staatliche Organe (62%)
  • 28% der Befragten betreiben Selbstzensur bei ihrer Online-Kommunikation

Deutschland das Land der Internet-Skeptiker?

Die Umfrage zeigt deutlich, dass die deutschen User im internationalen Vergleich dem Internet eher skeptisch gegenüber stehen. Einen Teil dazu mag die in Deutschland seit Snowden ausführlich geführte Debatte um Datenschutz und Privatsphäre im Internet beigetragen haben:

  • 94% der Befragten in Deutschland haben von Edward Snowden gehört. Damit führt Deutschland die Liste an (Durchschnitt bei 60%)
  • Nur 15% der deutschen Befragten nehmen an, dass ihre persönlichen Daten im Internet sehr sicher sind. Deutschland belegt hierbei den letzten Platz (Durchschnitt bei 36%)
Deutsche User hegen kein Vertrauen in die Sicherheit ihrer persönlichen Daten im Netz

Deutschland bei Vertrauen in Internet-Datensicherheit an letzter Stelle (Grafik: CIGI)

  • Nur 34% der deutschen Nutzer wollen, dass ihre Online-Daten und persönlichen Informationen auf sicheren Servern gespeichert werden. Auch hier ist Deutschland auf dem letzten Platz (Durchschnitt bei 73%)
Deutsche haben Unbehagen bei Speicherung ihrer Daten auf sicheren Servern

Deutsche Nutzer gegen Daten-Speicherung auf Servern (Grafik: CIGI)

Aus den Ergebnissen der Umfrage lässt sich zudem eine generelle Internet-Skepsis ableiten, die über das reine Problemfeld „Datenschutz und Privatsphäre“ hinausgeht. So liegt Deutschland bei der generellen Einschätzung zur zukünftigen Bedeutung des Internets durchweg auf den hinteren Plätzen:

  • Nur 79% der Deutschen bejahen die Frage, ob das Internet ein Grundrecht sein soll (Durchschnitt bei 83%)
  • Für 85% der Deutschen stellt das Internet zukünftig ein zentrales Informationsmedium für wichtige Informationen und wissenschaftliche Erkenntnisse dar (Durchschnitt bei 91%)
  • 81% der Deutschen räumen dem Internet zukünftig eine wichtige Rolle bei Freizeitaktivitäten und persönlichem Vergnügen ein (Durchschnitt bei 87%)
  • 74% der Deutschen weisen dem Internet eine wichtige Rolle in ihrer zukünftigen sozialen Kommunikation zu (Durchschnitt bei 85%)
  • 76% der Deutschen sagen, das Internet werde zukünftig für Redefreiheit und politische Meinungsfreiheit von großer Bedeutung sein (Durchschnitt bei 83%)
  • Für 67% der Deutschen spielt das Internet zukünftig eine wichtig Rolle für die eigene wirtschaftliche Lage (81%)

USA nicht länger vertrauenswürdig

Durch den NSA-Skandal haben die USA an Vertrauen eingebüßt. So vertrauen nur 36% der Befragten den USA bei der Gestaltung des Internets. Deutschland nimmt auch hier mit 13% den letzen Platz ein.

USA büßt Vertrauenswürdigkeit ein

USA verlieren Vertrauenswürdigkeit (Grafik: CIGI)

Stattdessen sprechen sich die Befragten für andere Regulierungsmodelle aus:

  • 57% der Befragten sagen, sie würden einer internationalen Institution vertrauen, die sich aus Technologie-Unternehmen, Ingenieuren, NGOs, Zivilgesellschaft und Politik zusammensetze
  • 54% der Befragten würden einer internationalen Institution bestehend aus Ingenieuren und Technologie-Experten vertrauen
  • 50% der Befragten haben Vertrauen in die UN 

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Aktiv werden – Grundrechte verteidigen https://www.divsi.de/aktiv-werden-grundrechte-verteidigen/ https://www.divsi.de/aktiv-werden-grundrechte-verteidigen/#respond Mon, 27 Oct 2014 10:55:41 +0000 http://46.30.3.106/?p=9895 Vom digitalen Wettrüsten, Datenschutz-Guerilla und Bewusstseinsbildung. Max Schrems Der Kampf um unsere Daten hat erst begonnen. Wir müssen jetzt mit Hochdruck daran arbeiten, dass sich unser Grundrecht auf Privatsphäre nicht im Zuge der Digitalisierung auflöst. Sehen wir weiter zu, wie Datenschutz nur auf dem Papier existiert, riskiert Europa, jede Glaubwürdigkeit in diesem Bereich zu verlieren. […]

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Aktiv werden – Grundrechte verteidigen

Bild: Alessandro Storniolo – Shutterstock

Vom digitalen Wettrüsten, Datenschutz-Guerilla und Bewusstseinsbildung.

Max Schrems

Der Kampf um unsere Daten hat erst begonnen. Wir müssen jetzt mit Hochdruck daran arbeiten, dass sich unser Grundrecht auf Privatsphäre nicht im Zuge der Digitalisierung auflöst. Sehen wir weiter zu, wie Datenschutz nur auf dem Papier existiert, riskiert Europa, jede Glaubwürdigkeit in diesem Bereich zu verlieren.

Wir dürfen uns weder einreden lassen, dass alles, was IT-Konzerne heute tun, normal ist, noch sollten wir die Technologie einfach verteufeln. Wir müssen aktiv werden und unsere Grundrechte verteidigen. Das wird nicht leicht. Die Aufrechterhaltung von Grundrechten war schon immer eine kollektive Anstrengung, eine mühsame Arbeit der kleinen Schritte.

Wenn wir diese Schritte aber gehen, hat Europa die einmalige Chance, Vorreiter für eine menschenwürdige Informationsgesellschaft zu werden. Bis wir diese Rolle ausfüllen können, wird es noch einige Jahre dauern und auch darüber hinaus permanente Wachsamkeit brauchen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir es am Ende schaffen können und den „Kampf um unsere Daten“ gewinnen.

Eigentum an Daten

Wenn wir nicht in einer unangenehmen Parallelwelt enden wollen, müssen wir etwas tun. Wir können uns nicht mehr treiben lassen und zusehen, was andere mit uns vorhaben. Unklar ist nur, was wir tun sollten. Viele Ideen schwirren herum. Was ist aber vielversprechend, was sinnvoll und was vollkommener Humbug?

Viele würden es begrüßen, wenn wir Eigentum an unseren Daten hätten – damit wären diese Handelsware. Wir sollten dann eine entsprechende Belohnung und die volle Herrschaft über unsere Daten bekommen. Das hört sich für den Durchschnittsnutzer gut an. Genau das ist auch der einzig erkennbare Vorteil.

Wenn wir es „Eigentum“ nennen, ist das Recht an unseren Daten vielleicht endlich so formuliert, dass es jeder versteht. Was sinnvoll an diesem Eigentumsgedanken ist, wäre die wirtschaftliche Position und der Wortlaut. „Deine Daten gehören dir“ versteht man einfach besser als „Du hast da ein Grundrecht daran“. Spannend an dem Gedanken ist, dass Sie generell das wirtschaftliche Vollrecht an Ihren Daten haben würden. Das Gegenüber müsste es Ihnen also abkaufen. Das ist aber nur auf dem Papier schön. Wenn Sie sich irgendwo bei einem Onlinedienst anmelden, würde dann eben in den Nutzungsbedingungen stehen: „Hiermit trete ich alle meine wirtschaftlichen Rechte an meinen Daten ab.“ Gewonnen wäre damit in der Praxis wohl wenig.

Der Vorteil des Eigentums an Daten besteht also maximal darin, den Datenschutz in etwas umzubenennen, das der Normalbürger versteht.

Systeme mit Transparenz

„Privacy by Design“ ist das neueste Schlagwort für eine alte Weisheit, die als „erst denken, dann handeln“ bekannt ist. Heute folgt der Bau digitaler Systeme oft einfach dem System des geringsten Widerstands. Am Ende entstehen Systeme, die in keinster Weise den Gesetzen entsprechen oder gar eine privatsphärenfreundliche Lösung sind.

Dabei wäre eine ordentliche Lösung ganz einfach. Vor allem die großen Anbieter müssten schon im Entwicklungsprozess einer neuen Software oder einer neuen Dienstleistung den Datenschutz von Beginn an einplanen.

Bei der Datensicherheit ist das heute Standard, weil sie die wertvollen Daten ja nicht verlieren wollen. Beim Datenschutz geht es hingegen um die Selbstbeschränkung der Unternehmen. Hier ist das Interesse der Industrie überschaubar. Entsprechend plant sie das seltener von Anfang an ein. Dabei gibt es sehr einfach umzusetzende Konzepte, die dem Nutzer echte Transparenz und Kontrolle über seine Daten geben würden.

Für Unternehmen ist eine ordentliche datenschutzfreundliche Planung von Software oft der einzige Weg, am Ende gesetzeskonforme Dienste anzubieten. Auch das Vertrauen der Nutzer und die einfache Nutzbarkeit von Software könnten sie dadurch endlich steigern. Kurzum: Privacy by Design ist ein wichtiger Schlüssel zur Lösung. Warum tut das noch keiner?

In der Informatiker- und Hackerszene ist die Antwort auf Überwachung und Datenhandel meistens: Wettrüsten! Wenn die Unternehmen Cookies haben, dann installieren die wettrüstenden Nutzer Plug Ins, die Cookies wieder löschen. Diesem Spiel sehen aber auch die Unternehmen und die Staaten nicht ganz tatenlos zu. Wenn genug Leute etwas blockieren, kommt der Gegenangriff der Industrie. Es ist ein endloses Hase-Igel-Spiel, ein endloses Hochrüsten beider Seiten.

Kein Wettrüsten

Für die Gesamtbevölkerung ist die Strategie aber nicht wirklich hilfreich. Anstatt die Ursache aufzuspüren und so das Problem zu lösen, umgeht man nur die Konsequenzen. Das bedeutet zwar nicht, dass Sie sich nicht mit den Optionen vertraut machen sollten, die Computer, Handy oder E-Mails sicherer machen. Es sollte auch zum Standard werden, dass Daten im Netz verschlüsselt herumschwirren, allein um sich gegen verbrecherische Datendiebe zu schützen. Aber gegenüber den großen Konzernen und unseren Staaten sollte uns am Ende doch etwas Würdigeres und Sinnvolleres einfallen als ein beiderseitiges digitales Wettrüsten.

Auch wenn also Wettrüsten unsere Probleme nicht lösen wird, so ist es doch auch für den Normalnutzer möglich, zumindest symbolisch Widerstand zu leisten. Das ist „Datenschutz-Guerilla“.

Geben Sie keine Daten mehr an, wenn es nicht absolut nötig ist. Geben Sie, wenn möglich, keine vollständigen Daten an, oder geben Sie voneinander abweichende Daten an. Bestellen Sie Ihre Kundenkarte auf „Donald Duck“. Die meisten Unternehmen prüfen die Angaben ohnehin nicht.

Stellen Sie Ihre Browsereinstellungen so um, dass Cookies nach dem Schließen gelöscht werden. Stellen Sie Ihre E-Mails auf verschlüsselte Übertragung um. Nutzen Sie Alternativen zu den dominanten Unternehmen.

Rechte nutzen

In Europa haben Sie gewisse Rechte auf Ihre Daten. Sie müssen nur genutzt werden. Sehen Sie in Ihren Verträgen bei Handy, Strom oder Gas nach, ob Sie der Weitergabe Ihrer Daten zugestimmt haben. In vielen Ländern können Sie solche Zustimmungen zurücknehmen. Dann landen die Daten zumindest nicht mehr legal bei Kreditbüros oder Adresshändlern.

Immer ein Blatt Papier wert ist ein Auskunftsersuchen. Sie können an jedes Unternehmen schreiben und eine Kopie aller Ihrer Daten bekommen. Damit erhalten Sie nicht nur einen Überblick über alles, was Kreditauskunfteien, Kundenkarten, Handybetreiber, Banken oder der Staat über Sie speichern. Sie setzen auch ein Zeichen des Widerstands.

Drohung hilft

Funktioniert irgendetwas nicht oder Sie werden von einem Unternehmen für dumm verkauft, können Sie sich jederzeit an die lokale Datenschutzbehörde wenden. Die Erfahrung zeigt, dass Sie von den Unternehmen zu 90% nicht die volle Wahrheit in der ersten Antwort auf Ihr Auskunftsersuchen bekommen. Eine zweite E-Mail mit der Drohung, sich bei der Behörde zu beschweren, hilft meistens weiter.

Generell ist Datenschutz-Guerilla unterhaltsam und auch recht sinnvoll, aber am Ende ist es natürlich ein Kleinkrieg, der zwar die echten Bösewichte nervt, doch sie nicht aufhalten wird. Gerade bei kleinen Unternehmen sollte man es nicht zu bunt treiben und sich auf sinnvolle Anfragen beschränken. Querulantentum hilft dem Datenschutz eher nicht weiter.

Wie bei allen großen Problemen sind die Bewusstseinsbildung, die Information und das Wissen der Betroffenen Eckpunkte. Allein schon für eine demokratische Diskussion und breite Meinungsbildung ist es entscheidend, dass jeder weiß, was mit seinen Daten passiert. Eine große Hilfe für die Bewusstseinsbildung waren die NSA-Enthüllungen von Edward Snowden. Die Welt konnte dem Thema Datenschutz erstmals nicht mehr entgehen. Das Problem allein über Bewusstseinsbildung zu lösen, bleibt aber illusorisch.

Basiswissen als Minimum

Keiner von uns weiß, wie ein Atomkraftwerk genau funktioniert. Wir können aber generell verstehen, was Strahlung ist. Wir können uns eine grobe Meinung zur Atomkraft bilden. Solches Basiswissen ist das Mindestmaß, das wir auch bei IT-Themen erreichen müssen. Leider ist dieses Grundwissen heute nicht weitverbreitet und noch dazu von vielen Unwahrheiten überlagert.

Nun können Sie der informierteste Nutzer der Welt sein, wenn Sie keine datenschutzfreundlichen Alternativen haben, bleibt nichts weiter übrig, als wieder ein Produkt aus dem Hause Google, Facebook oder Apple zu kaufen. Die heutigen Monopole oder Oligopole, die nicht im Interesse des Marktes oder der Kunden, sondern primär im eigenen Interesse arbeiten, müssen wir dringend angehen. Das betrifft nicht nur den Datenschutz, sondern auch viele Probleme am digitalen Markt.

Gerade im Bereich der Software braucht es dringend innovative, offene und von einem anderen Geist beseelte Hersteller. Hier hat Europa Aufholbedarf, um nicht endgültig den Anschluss zu verlieren. Uns fehlt ein europäisches „Silicon Valley“, eine Gründerszene und schlaue Köpfe, die nicht wegen der besseren Bedingungen sofort in die USA laufen. Wir brauchen das nicht aus protektionistischen Gründen, sondern weil im internationalen Wettbewerb viel Potenzial für noch bessere Lösungen steckt.

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