U25-Studie – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 „Ich will handeln – und ich will etwas ändern.“ https://www.divsi.de/ich-will-handeln-und-ich-will-etwas-aendern/ https://www.divsi.de/ich-will-handeln-und-ich-will-etwas-aendern/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:09 +0000 https://www.divsi.de/?p=19433 Familienministerin Franziska Giffey bei der Vorstellung der DIVSI U25-Studie. Ein Jugendmedienschutz dringend notwendig. Anbieter stärker in die Verantwortung nehmen. Von Jürgen Selonke Gemeinsam mit Familienministerin Franziska Giffey haben Joanna Schmölz (DIVSI) und Dr. Silke Borgstedt (SINUS) die neue U25-Studie im Deutschen Technikmuseum in Berlin vorgestellt. Die Untersuchung macht deutlich, dass sich die 14- bis 24-Jährigen, […]

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„Ich will handeln – und ich will etwas ändern.“

Foto: Stefan Zeitz

Familienministerin Franziska Giffey bei der Vorstellung der DIVSI U25-Studie. Ein Jugendmedienschutz dringend notwendig. Anbieter stärker in die Verantwortung nehmen.

Von Jürgen Selonke

Gemeinsam mit Familienministerin Franziska Giffey haben Joanna Schmölz (DIVSI) und Dr. Silke Borgstedt (SINUS) die neue U25-Studie im Deutschen Technikmuseum in Berlin vorgestellt. Die Untersuchung macht deutlich, dass sich die 14- bis 24-Jährigen, die „Generation Internet“, zwischen Glück und Abhängigkeit bewegen. Es lässt sich bei ihnen ein grundlegender Wandel in der Nutzung und Wahrnehmung Sozialer Medien erkennen. Der Hype ist vorbei, die Skepsis steigt. Details zu den Ergebnissen der Studie finden Sie hier.

Joanna Schmölz, stellv. Direktorin des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet, betonte in ihrer Begrüßung: „Wir reden hier von der ersten Generation, in der es keine Offliner mehr gibt. Die meisten jungen Menschen können sich ein Leben ohne Internet kaum vorstellen – nicht auszudenken die Konsequenzen eines Rückzugs, sofern überhaupt realistisch.“ Vielmehr sei das Internet die Basis-Infrastruktur des vernetzten Alltags der 14- bis 24-Jährigen. Schmölz: „Es hilft, inspiriert und assistiert und ist vor allem eins: praktisch. Manche macht es regelrecht glücklich.“

Unbehagen

Insgesamt würden die Befragten in der Internetnutzung überwiegend Chancen sehen, für sich selbst und für die Zukunft der Gesellschaft. Gleichzeitig warnte Joanna Schmölz: „Die jungen Menschen sehen aber auch die Schattenseiten, viele Risiken und Restriktionen. Die Omnipräsenz der digitalen Welt, der empfundene Gruppendruck und Überforderung im Umgang mit den vielen technischen wie rechtlichen Fragen erzeugen Unbehagen und ein latentes Unsicherheitsgefühl. Die meisten sind zwar ganz selbstverständlich online, aber anders als noch vor vier Jahren bei der ersten U25-Studie immer häufiger zurückhaltend, misstrauisch und besorgt.“

Familienministerin Giffey unterstrich nachdrücklich wesentliche Aussagen der Studie. Sie betonte, dass junge Menschen die Gefahr des Angriffs auf ihre persönliche Unversehrtheit durch Beleidigung, Mobbing oder das Veröffentlichen intimer Informationen sehen: „Sie haben Angst vor dem Missbrauch ihrer persönlichen Daten und fürchten um ihre Reputation und damit um ihre künftigen beruflichen und sozialen Chancen.“

Ein souveräner und kompetenter Umgang mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung sei Kindern nicht in die Wiege gelegt. Er erfordert Unterstützung und Begleitung: „Deshalb überrascht es mich nicht, dass auch unter den Befragten der Wunsch nach besserer Vorbereitung auf die digitale Zukunft besteht.“

In diesem Zusammenhang und vor dem Hintergrund von Erkenntnissen der Studie plädierte sie nachdrücklich für einen modernen Jugendmedienschutz. Die Familienministerin: „Wenn junge Menschen sich von Schule und ihren Eltern nicht ausreichend auf die digitale Zukunft vorbereitet sehen, zwingt uns das zum Handeln. Wenn junge Menschen sich mehr und mehr aus dem Online-Rampenlicht zurückziehen und sie ihr Recht auf Teilhabe nicht wirklich wahrnehmen, zwingt uns das zum Handeln. Wenn junge Menschen sich wegen der Intransparenz von Online-Angeboten Gefahren für ihre Identität oder ihren Geldbeutel ausgeliefert sehen und sich mehr Verantwortung und unabhängige Kontrolle wünschen, zwingt uns das zum Handeln. Wenn junge Menschen in dem für sie zentralen Medium des Meinungsaustausches sich nicht mehr trauen, ihre Meinung zu äußern, stellt das eine zentrale Grundlage unserer demokratischen Gesellschaft infrage und zwingt uns zum Handeln. Wenn 89 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass wir den Risiken bei der Nutzung von Sozialen Medien stärker begegnen müssen, zwingt uns das zum Handeln.“

Dabei sei die Gesellschaft aufgerufen, nicht nur auf die jungen Menschen zu hören. Vielmehr müsse man den Kinder- und Jugendmedienschutz von ihnen aus denken. Giffey: „Das klingt banal, ist aber der größte Missstand: Bislang wird der Kinder- und Jugendschutz von den Medien aus gedacht. Deren Interessen werden oft wichtiger genommen als der Schutz und die Interessen von Kindern und Jugendlichen.“

Die Familienministerin machte unmissverständlich deutlich: „Ich will handeln – und ich will etwas ändern.“ Man dürfe Kinder, Eltern und Fachkräfte nicht alleine lassen mit dem digitalen Wandel, sondern müsse sie unterstützen und befähigen. Es sei erforderlich, Transparenz bei den Angeboten zu schaffen und Eltern Orientierung in Hinblick auf mögliche Gefahren für Körper und Seele, Gesundheit, Geldbeutel und Zukunft ihrer Kinder zu geben.

Dabei machte Franziska Giffey auch auf ein spezielles Problem aufmerksam: „Vom Kind und von den Eltern aus denken heißt, gleiche Inhalte gleich zu behandeln, zum Beispiel bei der Alterskennzeichnung. Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht: Derzeit greifen verschiedene, teilweise widersprüchliche Gesetze von Bund und Ländern mit unterschiedlichen Zuständigkeiten je nach Medium und Verbreitungsweg, sodass selbst Experten die Orientierung verlieren.“

Präsentation der U25-Studie

Studien-Präsentation: Franziska Giffey, eingerahmt von Silke Borgstedt (SINUS, l.) und Joanna Schmölz (DIVSI) (Foto: Stefan Zeitz)

Wirksam schützen

Wichtige Aufgabe sei es auch, Kinder und Jugendliche wirksam vor Hass und Mobbing, vor Radikalisierung und Selbstentblößung, vor Abzocke und Missbrauch zu schützen. Man müsse die Angebote in den Blick nehmen, die Kinder und Jugendliche tatsächlich nutzen – Social-Media-Plattformen, Streaming-Kanäle, Online-Games und Messenger. Die Ministerin: „Wir müssen die Anbieter in die Verantwortung nehmen, Kinder- und Jugendmedienschutz konsequent und von Anfang an schon bei der Produktentwicklung zu berücksichtigen. Unsere Kinder dürfen nicht rein wirtschaftlichen Interessen und Werten überlassen bleiben!“

Staat und Gesellschaft hätten darauf zu achten, Vorschriften auch durchzusetzen. Dabei seien Sanktionen nicht auszuschließen. Die Familienministerin: „Egal, ob der Anbieter in Berlin oder in Kalifornien sitzt: Entscheidend ist der Ort, wo das Kind sitzt, das das Angebot in Anspruch nimmt und das es zu schützen gilt.“

Zielsetzung

Dieses weite Themenspektrum würde bei der anstehenden Modernisierung des Jugendschutzgesetzes in Angriff genommen werden. Ministerin Giffey: „Übrigens trägt uns das nicht nur die DIVSI-Studie auf, sondern das ist auch im Koalitionsvertrag vereinbart. Und das packen wir jetzt an.“

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DIVSI U25-Studie 2018: Skepsis wächst, der Hype ist vorbei https://www.divsi.de/divsi-u25-studie-2018-skepsis-waechst-der-hype-ist-vorbei/ https://www.divsi.de/divsi-u25-studie-2018-skepsis-waechst-der-hype-ist-vorbei/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:08 +0000 https://www.divsi.de/?p=19434 Jugendliche und junge Erwachsene im Online-Dilemma zwischen Glück und Abhängigkeit. Von Silke Borgstedt Das SINUS-Institut hat die erste U25-Studie 2014 im Auftrag von und in enger Absprache mit dem DIVSI realisiert. Sie lieferte erstmals einen fundierten Einblick in die digitalen Lebenswelten der nachwachsenden Generation. Die jetzt quasi fortgeschriebene Untersuchung von damals erlaubt wiederum vertiefte Einblicke […]

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DIVSI U25-Studie 2018: Skepsis wächst, der Hype ist vorbei

Fotos: Rawpixel.com/Look Studio – Shutterstock

Jugendliche und junge Erwachsene im Online-Dilemma zwischen Glück und Abhängigkeit.

Von Silke Borgstedt

Das SINUS-Institut hat die erste U25-Studie 2014 im Auftrag von und in enger Absprache mit dem DIVSI realisiert. Sie lieferte erstmals einen fundierten Einblick in die digitalen Lebenswelten der nachwachsenden Generation. Die jetzt quasi fortgeschriebene Untersuchung von damals erlaubt wiederum vertiefte Einblicke in den Alltag der „Generation Internet“. Sie zeigt vor allem, wie schnell Digitalisierung deren Lebenswirklichkeit verändert.

Und sie macht deutlich, dass die Zeiten einer unbesorgten Nutzung der sich bietenden technischen Möglichkeiten Vergangenheit sind. Der Hype ist vorbei, reine Euphorie war gestern.

Keine Offliner

Zu den zentralen Befunden gehört, dass alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland online sind. Smartphones und mobiles Internet sind selbstverständlich. In der Gruppe der jungen Menschen zwischen 14 und 24 gibt es heute keine Offliner mehr. 99 Prozent nutzen das Internet täglich. Das ist ein Zuwachs von 28 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2014.

Das Internet ist in dieser Altersgruppe immer da. Mehr noch, es ist in vielen Lebensbereichen alternativlos. Diese Feststellung der 9,37 Mio. 14- bis 24-Jährigen in Deutschland ist weniger eine banale Erkenntnis als vielmehr eine Sichtweise, welche die Einstellungen und Verhaltensweisen junger Menschen entscheidend prägt. Das Internet wird vor allem als praktisch angesehen, weil es den Zugang zu Informationen erheblich erleichtert.

Unverzichtbar

Für die überwiegende Mehrheit der Befragten sind digitale Infrastrukturen und Angebote unverzichtbar. 68 Prozent stimmen zu, dass ein Leben ohne Internet für sie nicht vorstellbar wäre. 69 Prozent gehen so weit zu sagen, dass das Internet sie glücklich macht.

Online-Aktivitäten strukturieren den Tagesablauf, erzeugen lieb gewonnene Rituale, erfordern aber auch einiges (reagieren müssen, dabei sein müssen).

Diese stärkere Verankerung des Internets im Alltag führt aktuell nicht zu einem weiteren Positivschub, sondern – im Mittel betrachtet – zu einer entspannten Normalisierung bis hin zu Ernüchterung, die sich lebensweltlich allerdings ganz unterschiedlich ausprägt.

Allerdings wird die Omnipräsenz der digitalen Welt nicht nur positiv erlebt: 64 Prozent haben das Gefühl, im Internet Zeit zu verschwenden; 19 Prozent meinen gar, dass das Internet „nervt“.

Studie U25 2018: Wahrnehmung negativer Aspekte

Dabei nehmen die Befragten wahr, dass es in vielen Lebensbereichen keine Alternative zum Internet gibt. Diese befürchtete bzw. erlebte Abhängigkeit erzeugt Unbehagen. Die Vorstellung, dass in Zukunft vieles nur noch über das Internet erledigt werden kann, machte 2014 gut einem Fünftel von ihnen Angst. 2018 hat sich dieser Wert mit 41 Prozent nahezu verdoppelt.

Studie U25 2018: Einstellung zum Internet 2018 und 2014

Problematisch

Die Sorge vor Internetsucht ist weit verbreitet, ebenso wie die Befürchtung, ein vernünftiges Maß im Umgang insbesondere mit dem mobilen Internet überschritten zu haben. Bereits fast jeder Dritte fürchtet, „internetsüchtig“ zu sein, nimmt die eigene Internetnutzung also als problematisch wahr.

Knapp ein Viertel der Befragten ist jedoch weiterhin von Euphorie getrieben. Für diese Enthusiasten (23 Prozent) ist ein Leben ohne Internet nicht nur unvorstellbar, es macht ihnen regelrecht Angst, da sie nicht wissen, wie der Alltag „ohne“ organisiert werden könnte. Sie zeigen sich dezidiert unberührt von Sicherheitsfragen.

Insgesamt betrachtet sehen sich die 14- bis 24-Jährigen eher als Getriebene denn als Gestalter einer digitalen Transformation. Sie betonen, dass Internetnutzung häufig keine freie Entscheidung sei, sondern Grundvoraussetzung, um teilhaben zu können (im Freundeskreis, in der Schule, im Studium, im Beruf).

Dies wird nicht als Problem empfunden, solange sich Risiken im Rahmen halten oder man damit umgehen kann. Hier sehen sie aber großen Aufholbedarf: 89 Prozent von ihnen wünschen sich z.B., dass die AGB/Nutzungsbedingungen von Sozialen Medien auf leicht verständliche Art und Weise darstellen, welchen möglichen Gefahren sich Nutzer aussetzen. Dies kann als konkrete Aufforderung an Politik und Betreiber von Online-Angeboten verstanden werden. Zudem stellen sie die Frage nach der Verantwortung und wünschen sich eine idealerweise unparteiische Instanz. Die könnte etwa entscheiden, was gesperrt werden sollte, da das Internet ansonsten droht, alleinig interessengeleitet zu sein, und sich im Netz nur die Mächtigen durchsetzen.

Die Untersuchung hat auch einen Wandel in Nutzung und Wahrnehmung Sozialer Medien erkennen lassen. Die Beliebtheit von Facebook sinkt. Gleichzeitig ist für 99 Prozent der Befragten WhatsApp nicht mehr wegzudenken. Mit einem Nutzeranteil von 73 Prozent hat auch Instagram in dieser Altersgruppe Facebook (67 Prozent) überholt.

Im konkreten Online-Verhalten gerade in Bezug zu den Sozialen Medien zeigt sich bei jungen Menschen 2018 eine erhöhte Sensibilität bei öffentlicher Meinungsäußerung im Internet. So ist ein teilweiser Rückzug aus dem Online-Rampenlicht zu bemerken. Entsprechend sind Plattformen wie Facebook weniger interessant geworden und Messaging-Dienste immer erfolgreicher. Bevorzugt wird das Kommunizieren in leichter kontrollierbaren Communitys (one-to-one/one-tofew statt one-to-public). Die große Bühne überlässt man (semi)professionellen Bloggern und Influencern.

Handlungsbedarf

Auch die wahrgenommene Beleidigungskultur im Internet ist ein wesentlicher Grund, sich mit der eigenen Meinung lieber zurückzuhalten. Das Internet – und insbesondere Soziale Medien – werden nicht einfach nur positiv als Ort der freien Meinungsäußerung empfunden. Jugendliche und junge Erwachsene machen die Erfahrung, dass der gegenseitige Respekt, der die Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses in demokratischen Gesellschaften bildet, im für sie zentralen Medium des Meinungsaustauschs nicht ausreichend gegeben ist. Dass sie in der Konsequenz bei relevanten Themen eher still bleiben, ist nachvollziehbar, sollte aber ein Hinweis auf Handlungsbedarf sein.

Studie U25 2018: Gründe für Verzicht auf öffentliche Beteiligung im Internet

Risiken werden 2018 stärker wahrgenommen. Allerdings hat dies nicht dazu geführt, dass erhöhte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Die Anwendung entsprechender Schutzmaßnahmen ist sogar rückläufig. Besonders deutlich fallen die Unterschiede bei der selektiven Kontrolle aus. 2014 gaben noch 67 Prozent der 14- bis 24-Jährigen an, nur Seiten zu nutzen, bei denen sie wissen, dass sie sicher sind. Heute liegt die entsprechende Zahl bei 46 Prozent.

Verdrängung

Datenschutz ist für alle relevant, gilt aber als ein zu komplexes Thema, dessen tatsächliche Auswirkungen (positiv wie negativ) unklar sind. Daher steigen viele aus, wenn es um eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema geht, indem sie aktuelle Gegebenheiten schlicht akzeptieren oder das Problem verdrängen. Diese Überforderung ist als ein deutlicher Appell für eine stärkere Unterstützung bei diesem Thema zu verstehen.

Falschinformationen und technische Unklarheiten sorgen für eine erhöhte Risikosensibilität.14- bis 24-Jährige sehen primär Verbesserungen und Chancen durch digitale Innovationen, doch sie nehmen zunehmend auch Risiken und große Herausforderungen wahr. Diese drehen sich insbesondere um drei Gefahrenkomplexe:

  • Identitätsgefährdung, d.h. der Angriff auf die persönliche Unversehrtheit durch Beleidigung, Mobbing oder das Veröffentlichen intimer Informationen: Es geht dabei insbesondere um die Verknüpfung persönlicher und personenbezogener Daten mit konkreten Einstellungen und Aktivitäten. Sie haben Angst um ihre Reputation und damit um ihre künftigen beruflichen und sozialen Chancen.
  • Unterscheidung von Wahr und Falsch im Internet: Das Thema „Fake“ ist ins Bewusstsein gerückt und bringt das grundsätzliche Vertrauen in das Medium stark ins Wanken, auch wenn man im Alltag meint oder hofft, die richtige Information ausgewählt zu haben.
  • Unsicherheit, ob und wovon man eigentlich betroffen ist: Auch wenn einige im Hintergrund laufende Prozesse durchaus bekannt sind (Tracking, Cookies) oder man zumindest theoretisch schon mal davon gehört hat, dass Online-Aktivitäten nachverfolgbar sind, schafft dieser Zustand ein diffuses Unbehagen. Das Internet wird als Blackbox erlebt, denn man tappt zumeist im Dunkeln, weiß nicht genau, was im Hintergrund geschieht, worauf man sich verlassen kann und welche Sicherheitsmaßnahmen sinnvoll sind.

Das systematische Sammeln von Daten, z.B. zu Marketingzwecken, ist eher ein Nebenschauplatz. Dazu passt die Erkenntnis, dass es 20 Prozent der Befragten egal ist, was mit den eigenen Daten passiert. 2014 waren dies nur 8 Prozent.

Ein Umdenken in der Gesellschaft sollte beim Umgang mit dem Begriff „Digital Native“ erfolgen. Die Vorstellung, junge Menschen seien qua Geburtsjahr digital kompetent, lehnen 14- bis 24-Jährige entschieden ab. Vielmehr betonen sie, dass sich auch diejenigen, die mit dem Internet groß geworden sind, das notwendige Digitalwissen erst erarbeiten müssen. Auffällig auch, dass 47 Prozent der Befragten die Bezeichnung „Digital Native“ überhaupt nicht kennen.

DIVSI U25-Studie 2018: Bezug von Internetwissen

Die Untersuchung hat weiter gezeigt, dass sich junge Menschen auf eine digitale Zukunft unzureichend vorbereitet sehen. Kompetenzen eignen sie sich zumeist durch eigene Erfahrungen und den Freundeskreis an. Weniger relevant als Vermittler von Wissen über das Internet sind Eltern oder Verwandte (33 Prozent bzw. 19 Prozent).

69 Prozent der 14- bis 24-Jährigen fühlen sich auch von der Schule nicht ausreichend auf die digitale Zukunft vorbereitet. Themen wie Sicherheit und Schutz der Privatsphäre kommen aus ihrer Sicht nur unzureichend vor.

Analog-Sehnsucht

Als „Botschaft“ an die Gesellschaft ergibt diese neue U25-Studie generell, dass 14- bis 24-Jährige insgesamt mehr Chancen als Risiken in der digitalen Entwicklung sehen – trotz einer von ihnen selbst erkannten teilweisen Überforderung und einer diffusen „Analog-Sehnsucht“. Junge Menschen wissen und wollen, dass Digitalisierung weiter vorangetrieben wird, und fordern deshalb eine verlässliche Vorbereitung auf die digitale Zukunft ein. Sie formulieren klare Erwartungen und machen deutlich, dass sie das Internet nicht nur nutzen, sondern die digitale Welt, in der sie aufwachsen und leben, auch verstehen wollen.

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Online-Kanäle sind essentiell für die soziale Interaktion von Teenagern https://www.divsi.de/online-kanaele-sind-essentiell-fuer-die-soziale-interaktion-von-teenagern/ https://www.divsi.de/online-kanaele-sind-essentiell-fuer-die-soziale-interaktion-von-teenagern/#respond Thu, 13 Aug 2015 08:33:22 +0000 http://46.30.3.106/?p=13579 Von Yi-Ji Lu Das Zusammenleben von Jugendlichen spielt sich zu großem Teil online ab. Das zeigt eine neue Studie des Pew Research Center, für die US-weit 1.060 Teenager zwischen 13 und 17 Jahren befragt wurden. Jeder Zweite schließt Online-Freundschaften In dieser Altersgruppe entstehen Freundschaften verstärkt im Internet. 57 Prozent der Befragten geben an, dass sie bisher […]

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Von Yi-Ji Lu

Das Zusammenleben von Jugendlichen spielt sich zu großem Teil online ab. Das zeigt eine neue Studie des Pew Research Center, für die US-weit 1.060 Teenager zwischen 13 und 17 Jahren befragt wurden.

Jeder Zweite schließt Online-Freundschaften

Online-Freundschaften – Pew Research

Jeder Zweite schließt Online-Freundschaften (Grafik: Pew Research Center)

In dieser Altersgruppe entstehen Freundschaften verstärkt im Internet. 57 Prozent der Befragten geben an, dass sie bisher mindestens eine Freundschaft online geschlossen haben. 29 Prozent haben sogar fünf neue Freunde online gefunden.

Männliche Teenager knüpfen mit 61 Prozent eher Online-Freundschaften als weibliche Teenager mit 52 Prozent.

Die wichtigsten Kanäle sind in diesem Kontext soziale Netzwerke und Online-Videospiele.

Online-Freunde sind nicht gleich Offline-Freunde

Diese Freundschaften verbleiben meist im Digitalen. Lediglich 20 Prozent der Befragten haben jemals einen Online-Freund auch im realen Leben getroffen. 

Es findet demnach eine klare Unterscheidung zwischen Online- und Offline-Freunden statt. Zu diesem Ergebnis kommt auch die DIVSI-U25 Studie: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt (2014): 

Wenn in Online-Communitys „Freunde“ hinzugefügt oder entfernt werden, handelt es sich dabei für fast alle Befragten um eine spezielle Kategorie von Freunden – die sogenannten „Facebook-Freunde“. Facebook-Freunde haben einen eigenen Status und in der Regel wenig mit dem zu tun, was im Alltag einen Freund ausmacht; sie sind oft nicht mehr als Bekannte. (Quelle: DIVSI-U25 Studie)

Ein genauer Blick auf das Freundschaftsverhalten zeigt die Ausmaße dieser Ausdifferenzierung. Betrachtet man die Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen, so treffen sich die Befragten aus durchschnittlich 163 Online Freundschaften nur mit 29 Freunden regelmäßig. 11 davon sind engere Freunde.

DIVSI U25-Studie: Online-Freundschaften 14-17 Jährige

DIVSI U25-Studie: Online-Freundschaften der 14- bis 17 Jährigen (Grafik: DIVSI U25-Studie)

Online-Kommunikationsverhalten differenziert sich im Alter heraus

Mit dem Alter verändert sich auch das Kommunikationsverhalten. Das Pew Research Center kommt zu dem Ergebnis, dass mit dem Alter die Anzahl der Online-Freundschaften wächst. So hegen 51 Prozent der 13- bis 14-Jährigen Online-Freundschaften, wohingegen es bei den 15- bis 17-Jährigen schon 60 Prozent sind.

Aus der DIVSI-U25 Studie wissen wir zudem, dass sich mit dem Alter auch die Art und Weise verändert, wie Online-Freundschaften auf sozialen Plattformen geführt werden und welche Funktion sie erfüllen:

  • Für Kinder zwischen 9 und 13 Jahren geht es bei Online-Freundschaften primär um das Abbilden ihres Offline-Freundeskreises.
  • Bei den Jugendlichen (14-17 Jahre) zeichnet sich dagegen ein offensives Netzwerken im Rahmen der Selbstdarstellung ab. 43 Prozent geben an, dass die Anzahl der Online-Freundschaften ein Indikator für die Beliebtheit einer Person darstellt. 
  • Bei jungen Erwachsenen (18-24 Jahren) findet sich ein funktionales Netzwerken auf der Basis ihrer jeweiligen Lebensabschnitte wieder.

Neue Orte der Begegnung: soziale Netzwerke und Videospiele 

Die beliebtesten Kanäle, in denen Online-Freundschaften geschlossen werden, sind laut dem Pew Research Center soziale Netzwerke und Videospiele. So geben 64 Prozent der Befragten, die online Freundschaften schließen, an, hierfür Social Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram zu nutzen. An zweiter Stelle stehen Videospiele mit 36 Prozent. Der eigene Benutzername auf sozialen Netzwerken oder in Videospielen ist demnach oftmals mit die erste Information, die beim Kennenlernen neuer Personen ausgetauscht wird.

Auffällig ist ein geschlechterspezifisches Nutzungsverhalten. Mädchen schließen häufiger Online-Freundschaften auf Social Media-Plattformen als Jungen (78 Prozent Mädchen, 52 Prozent Jungen), wohingegen Jungen deutlich häufiger neue Freunde in Videospielen finden (57 Prozent Jungen, 13 Prozent Mädchen).

Ein ähnliches Ergebnis lieferte auch die DIVSI-U25 Studie: Soziale Netzwerke spielen für Mädchen eine weitaus größere Rolle als für Jungen. Am deutlichsten ist der Unterschied Im Alter von 16 Jahren ausgeprägt: Von den 16 Jährigen nutzen 77 Prozent der weiblichen Befragten demnach täglich Facebook; die Anzahl der männlichen Befragten liegt mit 38 Prozent weitaus darunter.

Facebook: Altersspezifische Nutzung

Soziale Netzwerke bei Mädchen beliebter als bei Jungen (Grafik: DIVSI U25-Studie)

Trend geht zum Texting – Telefonate nehmen ab

Das Versenden von Kurznachrichten (auch Texting genannt) ist die häufigste Form der Alltagskommunikation. Laut Pew Research-Studie kommunizieren 55 Prozent der Teenager von 13 bis 17 Jahren täglich mit ihren Freunden mithilfe von Kurznachrichten. Danach folgen soziale Netzwerke (23 Prozent), Telefonate (19 Prozent) und Videospiele (13 Prozent). Lediglich 25 Prozent treffen sich täglich mit ihren Freunden.

Pew Research Kommunikationsarten von Teenagern

Texting die häufigste Art der täglichen Kommunikation (Grafik: Pew Research Center)

In der DIVSI-U25 Studie haben wir sogar ein noch stärkeres Texting-Verhalten beobachtet. Demnach nutzen 72 Prozent der Jugendlichen (14-17 Jahre) täglich den Messaging-Dienst WhatsApp. Die intensivste Nutzung findet sich hier bei den 16-Jährigen. Unter den 16-Jährigen sind die weiblichen Befragten mit 81 Prozent deutlich aktiver als die männlichen Befragten mit 72 Prozent.

Laut einer Studie von Bitkom nutzen 9 Prozent der Jugendlichen das Smartphone gar nicht mehr zum Telefonieren. 

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Internet – Mehr als ein Info-Medium https://www.divsi.de/internet-mehr-als-ein-info-medium/ https://www.divsi.de/internet-mehr-als-ein-info-medium/#respond Tue, 30 Dec 2014 06:38:24 +0000 http://46.30.3.106/?p=10875 Hamburg – Vor voll besetzten Reihen referierten Joanna Schmölz, wissenschaftliche Leiterin von DIVSI, und Projektleiterin Meike Demattio im Rahmen einer öffentlichen Vorlesung in der Hamburger Universität. Bei dieser Veranstaltung im Rahmen des Allgemeinen Vorlesungswesens ging es um die DIVSI U25-Studie im Allgemeinen sowie um „Perspektiven auf pädagogische und didaktische Potenziale privater, mobiler Endgeräte in der Schule“ im Speziellen.

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Internet – Mehr als ein Info-Medium

Bild: zeljkodan – Shutterstock

Öffentliche DIVSI-Vorlesung in der Universität Hamburg auf Basis der U25-Studie.

Von Jürgen Selonke

Hamburg – Vor voll besetzten Reihen referierten Joanna Schmölz, wissenschaftliche Leiterin von DIVSI, und Projektleiterin Meike Demattio im Rahmen einer öffentlichen Vorlesung in der Hamburger Universität. Bei dieser Veranstaltung im Rahmen des Allgemeinen Vorlesungswesens ging es um die DIVSI U25-Studie im Allgemeinen sowie um „Perspektiven auf pädagogische und didaktische Potenziale privater, mobiler Endgeräte in der Schule“ im Speziellen.

Mobbing-Sorge

Drei Punkte fanden bei der intensiven Diskussionsrunde besonderes Interesse. Dabei ging es zum einen um das Thema Mobbing. Meike Demattio hatte berichtet, dass dies laut Studienergebnis ein wichtiges Thema für die junge Generation ist: „Bei den Befragungen gab es keine Gruppe, die nichts dazu sagen konnte.“

Dabei würden mit diesem Begriff eine Reihe von Phänomenen verbunden. Die Negativ-Palette reicht von Bloßstellung durch diffamierendes Bild/Ton-Material über Beleidigungen bis zum „Hacken“ eines Online-Profils oder zur Täuschung über ein „Fake-Profil“.

Die engagierte Diskussionsrunde in der Hamburger Uni bestätigte die große Sorge der jungen Menschen vor dieser Art von Verunglimpfung: „Mobbing hat Relevanz im Leben. Die besondere Brisanz liegt darin, dass sich solche Anfeindungen ganz schnell verselbstständigen können.“ Mobbing wird dabei angesehen als eine Mischung aus „medial vermittelter Angst und dem Bewusstsein, dass eine solche Gefahr nicht auszuschließen ist“.

Grundsätzlich wird Mobbing online schlimmer empfunden als offline. Laut U25-Studie hat etwa jeder Dritte der jungen Erwachsenen Sorge, zum Opfer werden zu können. Dabei liegt dieser Furcht-Gedanke weit über den objektiven Zahlen. Als tatsächlich Schikanierte haben sich im Rahmen der Untersuchung drei Prozent geoutet.

Kreativ-Raum Internet

Joanna Schmölz zitierte Erkenntnisse der US-amerikanischen Sozialforscherin Danah Boyd. Die Wissenschaftlerin hält die Kritik an der angeblich internethörigen Jugend für überzogen. Boyd beurteilt die Diskussion von einer Kultur der Angst geprägt und sieht sich frustriert von dem Denken über die Jugend, dass die Technologie für sie alles viel schlimmer mache nmüsse. Die Älteren sollten demnach nicht den Fehler machen, das Internet als „böse“ darzustellen, weil vielleicht Unverständnis darüber herrscht, was Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene den ganzen Tag über im Netz machen.

Eine Sichtweise, die bei der Hamburger Uni-Runde von den jungen Teilnehmern voll geteilt wurde. Demnach halten sie es für falsch, wenn ihnen das Internet vor allem als Info- und Bildungsmedium schmackhaft gemacht wird. Dagegen vermissen sie zielgerichtete Hinweise auf die kreativen Möglichkeiten des Mediums: „Vor allem in der Schule wurde kaum jemals Raum für Internet-Kreativität gegeben“ Hier werde eine große Chance vertan, das Internet über seine Möglichkeiten als Info- und Bildungsmedium hinaus in das Leben einzubauen.

Die Zuhörer argumentierten, dass sie sich generell unverstanden fühlten, wenn sie etwas Kreatives im Internet schafften. Auch zu Hause würde viel zu wenig anerkannt, wenn man mit Freunden oder allein das Netz für solche oder andere innovative Zwecke nutze. Viele Eltern würden dann nur kritisieren, wie viel Zeit man schon wieder im Netz vergeudet hätte. Häufig fehle es auch an der geringsten Anerkennung. Immer werde nur gewarnt, viel zu selten gelobt.

Unrechtsempfinden

Ein Blickwinkel, den auch Danah Boyd teilt. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter und kritisiert, dass die Chance der Jugendlichen, durch das Internet zu lernen, teilzuhaben und aus der Welt schlau zu werden, durch das Verhalten der Älteren beschädigt wird.

Gesprochen wurde auch über Erkenntnisse der U25-Studie im Hinblick darauf, ob ein Unrechtsempfinden beim Herunterladen von Filmen, Musik oder Spielen aus dem Internet existiert. Die wesentliche Erkenntnis dazu in der Untersuchung: Erlaubt ist, was alle machen. Vorgenommen würden Risikoabstufungen mit der zentralen Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich strafrechtlich belangt werde?

Die Diskussionsrunde in der Hamburger Uni ergab eine neue Sichtweise, nach der offensichtlich viele handeln: Wenn es so einfach ist, kann es nicht verboten sein.

Gleichzeitig wurde jedoch deutlich, dass der Gedanke an mögliche Unrechtmäßigkeiten die jungen Menschen durchaus umtreibt. Allerdings wissen sie nicht, wo die tatsächlichen Grenzen in dieser Grauzone verlaufen. Als Resultat wurde auch festgehalten: Manches davon ist offensichtlich eine Frage des Alters und endet deshalb ganz automatisch. Hier gab es auch eine Forderung an die ältere Generation: Sie müsse in Bezug auf Grauzonen klare Handlungsoptionen geben und mehr und besser – auch in der Schule – aufklären.

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Digitaler Ausstieg – neues Lebenskonzept für Jugendliche? https://www.divsi.de/internet-abstinenz-ein-neues-lebenskonzept-fuer-jugendliche/ https://www.divsi.de/internet-abstinenz-ein-neues-lebenskonzept-fuer-jugendliche/#respond Thu, 25 Sep 2014 07:37:06 +0000 http://46.30.3.106/?p=9573 Unter den Jugendlichen formiere sich eine „Avantgarde von digitalen Aussteigern“, sagte Jugendkulturforscher Philipp Ikrath kürzlich am Rande des Kinderschutzforums in Köln. Die Gegenbewegung löse sich von der „totalen Umarmung des Digitalen“, die der jungen Generation gemeinhin nachgesagt wird, und schaffe bewusst eine Parallelsphäre, in der das Analoge, wie persönliche Freundschaften, Naturerlebnisse, Handwerkerarbeiten und Kochen gefeiert werden würde. […]

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Digitaler Ausstieg – neues Lebenskonzept für Jugendliche?

Bild: faithie – Shutterstock

Unter den Jugendlichen formiere sich eine „Avantgarde von digitalen Aussteigern“, sagte Jugendkulturforscher Philipp Ikrath kürzlich am Rande des Kinderschutzforums in Köln. Die Gegenbewegung löse sich von der „totalen Umarmung des Digitalen“, die der jungen Generation gemeinhin nachgesagt wird, und schaffe bewusst eine Parallelsphäre, in der das Analoge, wie persönliche Freundschaften, Naturerlebnisse, Handwerkerarbeiten und Kochen gefeiert werden würde.

Facebook-Defriending und digitaler Selbstmord als Indikatoren?

Ikrath führt als Beispiel die wachsenden Phänomene „Facebook-Defriending“ (Kündigung von Facebook-Freundschaften) und „digitaler Selbstmord“ (Löschung des eigenen Social-Network-Profils) auf. Tatsächlich verzeichnete Facebook laut Socialbakers 2013 einen merklichen Rückgang von jungen Usern in westlichen Ländern, u.a.:

  • kehrten in den USA 1,2 Millionen User zwischen 25 und 34 Jahren Facebook den Rücken
  • verlor Facebook in Deutschland innerhalb von drei Monaten 121.600 User in der Altersgruppe der 25-34-Jährigen und 90.000 User in der Altersgruppe der 18-24-Jährigen

Derartige Statistiken sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da die Facebook-Nutzerzahlen immer relativ starken Schwankungen unterliegen.

Warum User ihre Facebook-Konten löschen

Der Rückgang von Facebook-Usern muss indes nicht zwangsläufig Ausdruck der von Ikrath angesprochenen analogen Gegenbewegung sein, sondern kann auch mit der wachsenden Unzufriedenheit mit dem sozialen Netzwerk, etwa durch die Überflutung des Newsfeed mit Content Spam, oder der Abwanderung zu anderen sozialen Netzwerken wie Snapchat, Tumblr oder Instagram zusammenhängen.

Content Spam

Content Spam verdrängt Beiträge von Freunden aus dem Newsfeed (Grafik: The Daily Dot)

Forscher der Universität Wien befragten über 600 Nutzer und ermittelten die drei häufigsten Ursachen für die Löschung des eigenen Facebook-Kontos:

  • Datenschutzbedenken (48,3%)
  • Rückgang des Interesses/ Unzufriedenheit mit der Facebook-Seite (13,5%)
  • Angst vor Internetsucht (6%)

DIVSI U25-Studie zeigt: Offline für die meisten ein Ausnahmezustand

Statistisch lässt sich die analoge Gegenbewegung nur schwer ausmachen. Die DIVSI U25-Studie zeigt, dass nahezu alle Jugendlichen online sind. Nur 2 Prozent der Befragten in der Altersgruppe 14-24 Jahren sind offline. Online-Sein ist vollständig in den Alltag integriert und „offline“ stellt für den Großteil der Befragten einen Ausnahmezustand dar. 82 Prozent der 9-13-Jährigen und 71 Prozent der 14-24-Jährigen stimmen zu, dass ein komplettes Offline-Sein in der Zukunft nicht möglich sein wird.

Zukünftige Bedeutung des Internets

So beurteilt die U25-Generation die zukünftige Bedeutung des Internets – Aufschlüsselung nach Alter (Grafik: DIVSI U25-Studie)

Kurzbeschreibung Verantwortungsbedachte

U25-Milieu: Verantwortungsbedachte (Grafik: DIVSI U25-Studie)

Zwar ist der Anteil der Offliner in der U25-Generation verschwindend gering, doch finden sich im Spektrum der U25-Milieus Persönlichkeitsstrukturen, an die sich die von Ikrath beschriebene kritische Einstellung gegenüber dem Digitalen anknüpfen lassen. Ein genauerer Blick auf die Internet-Milieus der U25-Generation zeigt, dass die digitalen Aussteiger am ehesten in dem Milieu der Verantwortungsbedachten verortet werden können:

  • geringe Orientierung an neuen digitalen Lifestyle und selektives Surfverhalten
  • auch wenn der digitale Verzicht in erster Linie auf Datenschutzbedenken oder Skepsis gegenüber Neuem zurückzuführen ist, suchen die Verantwortungsbedachten zugleich auch nach authentischen und unmittelbaren Erfahrungen und Räumen der Selbstverwirklichung
  • in sozialen Netzwerken sind sie weniger auf das Sammeln von Online-Freundschaften bedacht, sondern auf die Abbildung ihres realen Freundeskreises

 

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Mediennutzung und Medienkompetenz in jungen Lebenswelten https://www.divsi.de/mediennutzung-und-medienkompetenz-jungen-lebenswelten/ https://www.divsi.de/mediennutzung-und-medienkompetenz-jungen-lebenswelten/#respond Fri, 18 Jul 2014 12:16:47 +0000 http://46.30.3.106/?p=7552 Media Perspektiven hat in Zusammenarbeit mit dem SINUS-Institut eine repräsentative Umfrage zu den jugendlichen Lebenswelten durchgeführt. Dafür wurden 2001 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14-29 Jahren zu vier Untersuchungsschwerpunkten befragt: Mediennutzung Gesprächspartner bei Medienthemen Glaubwürdigkeit von Medienaussagen Selbsteinschätzung hinsichtlich der eigenen Medienkompetenz sowie Computer- und Internetkompetenz Die Umfrage kam zu ähnlichen Resultaten wie unsere U25-Studie. Die […]

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Internet-Milieus nach der Media Perspektiven/SINUS-Umfrage

Internet-Milieus nach der Media Perspektiven/SINUS-Umfrage (Bild: Media Perspektiven)

Media Perspektiven hat in Zusammenarbeit mit dem SINUS-Institut eine repräsentative Umfrage zu den jugendlichen Lebenswelten durchgeführt. Dafür wurden 2001 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14-29 Jahren zu vier Untersuchungsschwerpunkten befragt:

  • Mediennutzung
  • Gesprächspartner bei Medienthemen
  • Glaubwürdigkeit von Medienaussagen
  • Selbsteinschätzung hinsichtlich der eigenen Medienkompetenz sowie Computer- und Internetkompetenz

Die Umfrage kam zu ähnlichen Resultaten wie unsere U25-Studie. Die zentralen Ergebnisse:

  • Die Mehrzahl der Befragten ist täglich online. Dabei steigt die Nutzungfrequenz mit zunehmendem Alter: 75 Prozent der Minderjährigen sind täglich im Internet, während unter den Volljährigen bereits 83 Prozent täglich im Internet unterwegs sind.
  • Mediennutzung ist ein fester Bestandteil im Alltag der 14- bis 29-Jährigen. Durch alle Bildungs- und Altersschichten hindurch steht das Internet an oberster Stelle der am häufigsten genutzten Medien, danach folgen Fernsehen, Radio und Mp3.
  • Medien gelten als unterschiedlich glaubwürdig. Die Mehrheit der Befragten fühlt sich zum tagesaktuellen politischen Geschehen am besten durch Nachrichtenseiten und öffentlich-rechtliche Fernsehprogramme informiert. Auffällig ist, dass den Online-Communities nur eine geringe Glaubwürdigkeit zugeschrieben wird.
  • Über alle Alters- und Bildungsschichten hinweg sind Computerspiele (41 Prozent), Mode (35 Prozent), Handys/Smartphones und Computer (jeweils 35 Prozent) sowie überregionale Nachrichten (28 Prozent) die beliebtesten Themen beim Surfen im Internet. Erwartungsgemäß zeigen sich hier typische geschlechter- und altersspezifische Unterschiede. Jungen interessieren sich eher für Computerspiele, Smartphones und Computer und Mädchen eher für Mode. Mit zunehmendem Alter verbreitert sich das Themen- und Interessenspektrum.
  • Die eigene Medienkompetenz wird überwiegend als gut eingeschätzt. Über 80 Prozent bewerten den eigenen Umgang mit dem Internet und die Informationssuche im Internet mit „sehr gut“ bis „gut“. Auch bei Smartphones geben 77 Prozent der Befragten an, sie kennen sich „sehr gut“ bis „gut“ aus.

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DIVSI U25-Studie: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt – Ohne Internet keine gesellschaftliche Teilhabe? [Infografik] https://www.divsi.de/divsi-u25-studie-kinder-jugendliche-und-junge-erwachsene-der-digitalen-welt-ohne-internet-keine-gesellschaftliche-teilhabe-infografik/ https://www.divsi.de/divsi-u25-studie-kinder-jugendliche-und-junge-erwachsene-der-digitalen-welt-ohne-internet-keine-gesellschaftliche-teilhabe-infografik/#respond Thu, 22 May 2014 11:01:25 +0000 http://46.30.3.106/?p=7184 Always-online und hochgradig in sozialen Netzwerken aktiv – so die gängige Vorstellung von der U25-Generation, die Alltag und gesellschaftliches Leben immer stärker mithilfe der digitalen Medien bestreitet. Wie hoch ist die Internetnutzung der U25-Generation tatsächlich und ist eine gesellschaftliche Teilhabe ohne Internet für sie nicht mehr vorstellbar? Auf welchen Kanälen treffen sich junge Menschen im […]

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Always-online und hochgradig in sozialen Netzwerken aktiv – so die gängige Vorstellung von der U25-Generation, die Alltag und gesellschaftliches Leben immer stärker mithilfe der digitalen Medien bestreitet. Wie hoch ist die Internetnutzung der U25-Generation tatsächlich und ist eine gesellschaftliche Teilhabe ohne Internet für sie nicht mehr vorstellbar? Auf welchen Kanälen treffen sich junge Menschen im Netz und wie reflektiert gehen sie mit eigenen persönlichen Informationen um?

Nach dem ersten und zweiten Teil unserer Infografik-Serie zur „DIVSI U25-Studie: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt“ gibt nun der dritte Teil Antworten auf diese Fragen und liefert wieder spannende Einblicke in die digitalen Lebenswelten der U25-Generation:

U25-IG-Part-3

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BITKOM-Studie „Jugend 3.0“: Internet gehört für Kinder zum Alltag – und so kann man sie an die Hand nehmen https://www.divsi.de/bitkom-studie-jugend-30/ https://www.divsi.de/bitkom-studie-jugend-30/#respond Mon, 12 May 2014 15:02:55 +0000 http://46.30.3.106/?p=6856 Smartphones sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Dies bestätigt die neue BITKOM-Studie „Kinder und Jugend 3.0“. In der repräsentativen Studie wurden 962 Personen im Alter von 6 bis 18 Jahren nach Nutzungshäufigkeit und -weisen des Internet befragt. Zentrale Ergebnisse: Internet gehört für die meisten Kinder ab 8 Jahren zum Alltag. Mit 10 Jahren […]

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BITKOM-Studie: Jugend 3.0

Grafik: BITKOM

Smartphones sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Dies bestätigt die neue BITKOM-Studie „Kinder und Jugend 3.0“. In der repräsentativen Studie wurden 962 Personen im Alter von 6 bis 18 Jahren nach Nutzungshäufigkeit und -weisen des Internet befragt.

Zentrale Ergebnisse:

  • Internet gehört für die meisten Kinder ab 8 Jahren zum Alltag. Mit 10 Jahren sind Kinder durchschnittlich 22 Minuten pro Tag online, im Alter von 16 bis 18 Jahren sind es fast 2 Stunden
  • 85% der Jugendlichen ab 12 Jahren nutzen Smartphones
  • Soziale Netzwerke werden für Nutzer ab 12 Jahren zunehmend relevant
  • Bewusster Umgang mit Inhalten und Privatsphäre
  • Die meisten Eltern unterstützen ihre Kinder beim Umgang im Internet, aber ein signifikanter Anteil ist damit überfordert

Liegt in den letzten beiden Punkten ein Widerspruch und wenn ja, wie lässt er sich auflösen? Für unsere DIVSI U25-Studie: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt haben wir eine repräsentative Studie durchgeführt. Wir kamen zu ähnlichen Resultaten wie die BITKOM-Studie. Zudem gewannen wir Erkenntnisse, die hier als Erklärungsansatz dienen können:

Verständnis von Privatsphäre unterscheidet sich in den Altersgruppen deutlich voneinander

Analog zur BITKOM-Studie hat unsere Studie ergeben, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene für die Bedeutung von Privatsphäre und einen bewussten Umgang im Internet sensibilisiert sind. Unsere Befragungen zeigten jedoch, dass besonders Jugendliche und junge Erwachsene (14 bis 24 Jahre) mit Privatsphäre weniger den Schutz ihrer persönlichen Daten (Name, Adresse, Alter, Kontaktdaten etc.) verbinden, sondern die Sichtbarkeit ihrer Kommunikation in sozialen Netzwerken. Unter bewusstem Umgang im Internet wird folglich verstanden, die eigene Reputation zu schützen, d.h. die Veröffentlichung von peinlichen persönlichen Inhalten in sozialen Netzwerken zu vermeiden. Die Gefahr von Datendiebstahl wird oft unterschätzt.

Überforderung bei Sicherheits- oder Vertrauensfragen

BITKOM führt auf, dass Eltern ihre Kinder im sicheren Umgang mit dem Internet unterstützen, aber ein signifikanter Teil der Befragten überfordert ist. Auch in unserer Studie stellten wir fest, dass ein Drittel der 14- bis 24-Jährigen eine Verschlechterung des eigenen Sicherheitsgefühls im Internet wahrnimmt. Ein möglicher Erklärungsansatz könnte der ansteigende Verzicht auf elterlichen Rat im zunehmendem Alter sein. Akzeptieren Kinder Regeln oder Verbote der Eltern noch oft, ändert sich dies mit zunehmendem Alter. Jugendliche und junge Erwachsene sehen ihre Eltern nicht länger als glaubwürdige Ansprechpartner für Internet-Themen an und schätzen ihre eigene Internet-Kompetenz höher als die der Eltern ein: schätzen nur 27 Prozent der Befragten aus der Altersgruppe 9 bis 13 Jahren ihre Internet-Kompetenz höher ein als die ihrer Eltern, sind es bei den 14- bis 17-Jährigen bereits 65 Prozent und bei den 18 bis 24-Jährigen 81 Prozent.

Empfehlungen für Eltern

BITKOM spricht Empfehlungen aus, wie Eltern ihre Kinder im Internet an die Hand nehmen und ihnen einen sicheren Umgang im Internet vermitteln können:

  • 1 bis 8 Jahren: aktive Begleitung der Internet-Nutzung, Auswahl von geeigneten Inhalten und Regulierung der Nutzungsdauer
  • Bei 6- bis 12-Jährigen empfiehlt BITKOM ein „kontrolliertes Loslassen“: Eltern müssen nicht mehr aktiv dabei sein, sollten aber darüber im Bilde sein, was ihre Kinder online machen – dies etwa durch die Vorgabe von kindergerechten Online-Plattformen, Einstellen von Schutzfiltern und den Austausch von Erfahrungen im Internet.
  • Bei der Altersgruppe von 8 bis 18 Jahren empfiehlt BITKOM, die Herausbildung der Internet-Kompetenz zu unterstützen. Dazu gehört neben Aufklärung über Privatsphäre, Persönlichkeits- und Urheberrechte auch die Diskussion von Pornographie und Gewalt im Internet sowie die Besprechung von Gefahren von Mobbing und Online-Transaktionen.

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Mit Express-Tempo in die digitale Welt https://www.divsi.de/mit-express-tempo-die-digitale-welt/ https://www.divsi.de/mit-express-tempo-die-digitale-welt/#respond Wed, 26 Mar 2014 09:28:49 +0000 http://46.30.3.106/?p=6139 98 Prozent der 14- bis 24-Jährigen sind online Schluss mit dem Mythos von Freundesinflation Neue Definition schützenswerter privater Daten Von Meike Demattio Welche Rolle spielt das Internet im Alltag junger Menschen? Wer ist im Internet ein „Freund“? Was bedeutet Vertrauen im Internet für sie? Die „DIVSI U25-Studie – Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der […]

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Mit Express-Tempo in die digitale Welt - so nutzt die U25-Generation das Internet

Bild: Brocreative – Shutterstock

  • 98 Prozent der 14- bis 24-Jährigen sind online
  • Schluss mit dem Mythos von Freundesinflation
  • Neue Definition schützenswerter privater Daten

Von Meike Demattio

Welche Rolle spielt das Internet im Alltag junger Menschen? Wer ist im Internet ein „Freund“? Was bedeutet Vertrauen im Internet für sie? Die „DIVSI U25-Studie – Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt“ gibt erstmals umfassende Antworten in den relevanten Themenkomplexen. Eine wichtige Untersuchung, denn in den nächsten Jahren werden vor allem die heute Neun- bis 24-Jährigen wesentlich mitbestimmen, was im Hinblick auf Handeln im Internet zum Allgemeingut wird.

Die DIVSI Milieu-Studie zu „Vertrauen und Sicherheit im Internet“ zeigte digitale Gräben in der deutschen Gesellschaft auf: Für manche Menschen ist das Internet eine fremde Welt, manche tasten sich gerade vorsichtig in sie hinein, und eine dritte Gruppe ist so selbstverständlich online, dass sie sich kaum vorstellen kann, wie jemand ohne Internet leben kann.

Wird innerhalb der Gesamtbevölkerung nun nur die Gruppe der 14- bis 24-Jährigen betrachtet, wird deutlich: Digitale Gräben sind kaum mehr auszumachen. Nur zwei Prozent nutzen das Internet gar nicht. In der Gesamtbevölkerung finden sich zum Vergleich 19 Prozent Offliner.

„Als ich vor vier Jahren Abi gemacht habe, wussten meine Lehrer nicht mal, wie man ein Beamerkabel an einen PC anschließt (…), geschweige denn, dass die irgendwas über das Internet wussten.“ (männlich 18- bis 24-jährig)

Dennoch bedeutet „online sein“ nicht für alle der jungen Befragten das Gleiche. Vielmehr existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Einstellungen nebeneinander. Die Differenzierungen zeigen sich weniger in der Breite der genutzten Online-Angebote, in der Dauer des täglichen Online-Seins oder der Art und Weise des Zugangs zum Internet. Sie werden vielmehr in einer Positionierung zu netzrelevanten Themen und Fragen deutlich. Bedeutsam sind auch Unterschiede in der subjektiven Souveränität bei der Nutzung verschiedener Netzangebote. Es sind also zwar (fast) alle online, dieser Status sagt jedoch kaum etwas über die Haltung und Beziehung zum Internet aus.

Internet muss jeder“ (weiblich 18- bis 24-jährig)

Die aktivsten „Onliner“ mit einer selbstverständlichen und intensiven Internet-Nutzung finden sich in den Milieus der Souveränen, Pragmatischen und Unbekümmerten. Zusammengenommen stellen diese drei U25-Internet-Milieus die deutliche Mehrheit dar. Diejenigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die eher selektiv und bewusst bis hin zu zurückhaltend oder auch verunsichert mit dem Internet umgehen, bilden die Milieus der Skeptiker, der Verantwortungsbedachten, der Vorsichtigen und der Verunsicherten.

DIVSI U25-Internet-Milieus – 14- bis 24-Jährige

Die sieben Milieus auf einen Blick: Projektion der Typen auf das Bezugssystem der Sinus-Milieus mit den beiden Hauptachsen Grundorientierung (horizontal) und Bildung (vertikal)

Die DIVSI U25-Studie liefert neben einer differenzierten Landschaft der jungen Netzkulturen auch darüber hinaus gehende wertvolle Erkenntnisse zu verschiedenen Schlagworten.

Beispiel „Freundschaft“

Seit Facebook wird das Wort „Freund“ inflationär genutzt. Als Ergebnis der Studie ist jedoch zu erkennen, dass die Befragten in dieser Hinsicht fein unterscheiden: Facebook-Freunde, Bekannte, enge Freunde. Die Bezeichnung „Freund“ ist zu einem multidimensionalen Begriff geworden, mit dessen unterschiedlichen Bedeutungen sicher hantiert wird. Unverändert macht Freundschaft mehr aus als gegenseitig gezeigte Profile in Online-Communitys. Auch heute geht es um geteilte Werte, Ansichten und Interessen und die Sicherheit, sich aufeinander verlassen zu können. Bei der Betrachtung der Anzahl von „Freunden“ im Netz gegenüber engen Freunden zeigen sich klare Abstufungen:

In der Gruppe zwischen neun und 13 Jahren werden durchschnittlich 57 Online-Freundschaften genannt. Etwa jeder Sechste gehört dabei zum tatsächlichen, engsten Freundeskreis.

Die zweite Phase (ab 14 Jahren) ist gekennzeichnet durch offensives Netzwerken und ein Gefundenwerden-Wollen. Die Zahl der Freunde gilt als Indikator für Beliebtheit. Bei im Schnitt 163 Online-Freundschaften zählen aber nur etwa elf als enge Freunde.

Phase drei (nach Schulzeit-Ende/Beginn des Studiums) bedeutet moderates Netzwerken. Die Zahl der Facebook-Freunde vergrößert sich vor allem durch neue Bezugsgruppen mit Eintritt in ein neues Umfeld und neue Lebensabschnitte. Bei durchschnittlich 175 Online-Freunden bezeichnen junge Erwachsene jedoch nur etwa neun als enge Freunde.

Ein Freund bei Facebook ist noch lang‘ nicht ein echter Freund…“ (weiblich 14 bis 17-jährig)

Beispiel „Privatsphäre“

Erkennbar ist ein neues Verständnis von Privatsphäre. Als schützenswert gelten vor allem Informationen, welche die soziale Reputation potenziell gefährden können. Klassische personenbezogene Daten dagegen werden als weniger schützenswert betrachtet.

Ein gewisses Maß an Offenheit in Online-Communitys wird als Muss angesehen. Für 50 Prozent der Jugendlichen hat bei Facebook nichts verloren, wer nichts von sich preisgibt. Gleichzeitig werden dort selten intime Gespräche geführt oder ernste Themen besprochen. Über 90 Prozent sprechen über private Dinge lieber persönlich.

Es ist einfach so, dass man im Chat z. B. viel weniger mitleidig ist und viel skrupelloser als im wirklichen Leben, weil man die Personen nicht sieht und die einen auch nicht sehen.“ (weiblich 14- bis 17-jährig)

Online und offline verschwimmen

Das Internet wird mit zunehmendem Alter immer unentbehrlicher. Während 22 Prozent der neun- bis 13-Jährigen täglich das Internet nutzen, sind es bei den 14- bis 17-Jährigen bereits 67 Prozent und bei den 18- bis 24-Jährigen 72 Prozent.

Das Aufkommen von mobilen internetfähigen Geräten hat dabei das Online-Sein vollkommen neu in den Alltag der Nutzer integriert. Das Smartphone ist zum ständigen Begleiter geworden. Es ist Weg-Navigator, Organisationswerkzeug, Unterhaltungsmedium und Kommunikationsstandleitung zu den Freunden in einem. Dagegen wird deutlich weniger Zeit an Laptops oder stationären Computern verbracht.

Im subjektiven Empfinden der Befragten sind die Grenzen zwischen Online- und Offline-Zeiten fließend. Offline zu sein ist vielmehr ein Ausnahmezustand – eine Notsituation.

Die Untersuchung zeigt: Digitale Medien und „Online-Sein“ sind heute im Alltag von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen fest verankert. Wird im öffentlichen Diskurs jedoch pauschal von „der“ Internet-Nutzung „der“ jungen Menschen gesprochen, verschleiert dies den Blick auf die unterschiedlichen digitalen Lebenswelten und Denkmuster. Es gilt, die unterschiedlichen Einstellungen, Nutzungsweisen und Bedürfnisse der jungen Menschen im Internet in den Blick zu nehmen, um mit Ihnen in eine aussichtsreiche digitale Zukunft zu gehen.

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DIVSI U25-Studie: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt – Die U25-Generation im Portrait [Infografik] https://www.divsi.de/u25-studie-infografik-portrait/ https://www.divsi.de/u25-studie-infografik-portrait/#comments Mon, 10 Mar 2014 13:12:07 +0000 http://46.30.3.106/?p=5978 Wenn es um digitales Leben geht, stehen junge Menschen häufig im Fokus der Aufmerksamkeit. Grund dafür ist die Annahme, dass vor allem diese Gruppe die zukünftige Entwicklung des Internets und den Umgang damit wesentlich mitbestimmen wird. Nachdem in der DIVSI Milieu-Studie (2012) und der Aktualisierung (2013 ) die Internetnutzung von Erwachsenen im Fokus stand, wendet […]

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Wenn es um digitales Leben geht, stehen junge Menschen häufig im Fokus der Aufmerksamkeit. Grund dafür ist die Annahme, dass vor allem diese Gruppe die zukünftige Entwicklung des Internets und den Umgang damit wesentlich mitbestimmen wird.

Nachdem in der DIVSI Milieu-Studie (2012) und der Aktualisierung (2013 ) die Internetnutzung von Erwachsenen im Fokus stand, wendet sich DIVSI in seiner aktuellen „U25-Studie: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt“ den digitalen Lebenswelten der U25-Generation zu.

In unserer Infografik-Serie haben wir die zentralen Aspekte der U25-Studie zusammengestellt. Der erste Teil liefert Antworten auf die Frage: Wer sind die Akteure der U25-Generation?

DIVSI Infografik U25-Generation im Portrait

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