Internet-Milieus – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Sieben Jahre DIVSI – Was war, was bleibt, was ist zu tun? https://www.divsi.de/sieben-jahre-divsi-was-war-was-bleibt-was-ist-zu-tun/ https://www.divsi.de/sieben-jahre-divsi-was-war-was-bleibt-was-ist-zu-tun/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:06 +0000 https://www.divsi.de/?p=19397 Zahlreiche Projekte angestoßen, kritische Fragen gewagt, Lösungswege aufgezeigt und an vielen Stellen für bundesweite Diskussionen gesorgt. Von Matthias Kammer Ein Institut, das frei und unabhängig die vielfältig auftauchenden Fragen nach der Lebenswirklichkeit der Menschen im digitalen Zeitalter untersuchen und über die Ergebnisse einen breit gefächerten Diskurs anstoßen soll und darf – ein solches Institut gab […]

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DIVSI Abschied

Abschied: 1. Schirmherr Joachim Gauck im Kreis des DIVSI-Kernteams, Frühjahr 2018: Jürgen Selonke, Chefredakteur DIVSI magazin (1), Harald Lemke, Beirat (2), Göttrik Wewer, Berater (3), Gerd Kühlhorn, Geschäftsführer (4), Joanna Schmölz, Wissenschaftliche Leiterin (5), Matthias Kammer, Direktor (6), Meike Otternberg, Projektleiterin (7), Michael Schneider, Leiter Kommunikation (8), Afia Asafu-Adjei, Projektleiterin (9).
Foto: Kerstin Lakeberg

Zahlreiche Projekte angestoßen, kritische Fragen gewagt, Lösungswege aufgezeigt und an vielen Stellen für bundesweite Diskussionen gesorgt.

Von Matthias Kammer

Ein Institut, das frei und unabhängig die vielfältig auftauchenden Fragen nach der Lebenswirklichkeit der Menschen im digitalen Zeitalter untersuchen und über die Ergebnisse einen breit gefächerten Diskurs anstoßen soll und darf – ein solches Institut gab es 2011 nicht. Es war mutig und vorausschauend von den Verantwortlichen in der Deutschen Post, die hierfür die Initiative ergriffen haben und damals im Rahmen der CeBIT das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet in den Fokus der Öffentlichkeit rückten.

Geholfen hat diesem neuen Institut von Anfang an auch, dass es den hohen Wert der Unterstützung durch herausragende Persönlichkeiten der Zeitgeschichte als Schirmherren erfahren durfte: zunächst Joachim Gauck bis zu seiner Wahl zum elften Bundespräsidenten im März 2012, danach Roman Herzog (siebter Bundespräsident 1994 – 1999) bis zu seinem Tod 2017 und jetzt wieder Joachim Gauck. Beide haben sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten als aktive Schirmherren engagiert und deutliche Akzente gesetzt.

Roman Herzog

Schirmherr: Roman Herzog setzte wichtige Akzente für die Arbeit von DIVSI. (Foto: Klaus Knuffmann)

Chance

Natürlich war die mir anvertraute Aufgabe, ein solches Institut zu leiten, überaus reizvoll. Ich habe es stets als großartige Chance begriffen, ein so wichtiges Instrument letztlich im Interesse unserer Zivilgesellschaft aufbauen zu dürfen. Jetzt, 2018, ist das traurige Schlusskapitel eingeleitet. Die Deutsche Post setzt ihr finanzielles Engagement für DIVSI nicht fort. Mit Beginn des neuen Jahres ist das Institut damit Geschichte.

Was hat das relativ kleine Team von DIVSI – bei Studien oder Umfragen und anderen Veröffentlichungen immer von externen Experten der verschiedensten Fachrichtungen unterstützt – in den sieben Jahren seiner Existenz erreicht? Beispielhaft seien einige Punkte erwähnt:

Die DIVSI Internet-Milieus, in unserer allerersten Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet 2012 vorgestellt, sind unsere Kernmarke geworden, im Übrigen auch als Marke eingetragen und urheberrechtlich geschützt. 2016 haben wir sie aktualisiert und ergänzt in der Untersuchung Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung. Diese Unterscheidung in sieben Milieus von Internetfernen Verunsicherten bis hin zu Digital Souveränen eröffnete einen neuen Blick auf die differenzierte Lebenswirklichkeit der in Deutschland lebenden Menschen im aufkommenden digitalen Zeitalter.

Diese Unterscheidungsmerkmale haben wir im Laufe der Jahre in verschiedenen Untersuchungen immer wieder genutzt. Zweimal bei den U25-Studien und auch 2015 bei der U9-Studie, die sich mit dem Verhalten von Kindern in der digitalen Welt beschäftigte. Dies war übrigens die erste Untersuchung überhaupt, die sich auf wissenschaftlicher Basis mit dem Verhalten von Drei- bis Achtjährigen im Internet befasst hat. Und die DIVSI Milieus lieferten auch präzise Angaben bei der Ü60-Studie, die 2016 exakte Einblicke in die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland lieferte.

Privatsphäre

Wesentlich unterstützt durch Roman Herzog, haben wir untersucht, wie sich in der digitalen Zeit unser Wertesystem entwickelt. Bereits bei seiner Amtseinführung anlässlich eines Senatsempfangs im Hamburger Rathaus hatte er deutlich gemacht: „Die Geheimheit der Privatsphäre des Menschen, die in unserem Kulturkreis seit Jahrhunderten ein wesentlicher Bestandteil seiner Personalität ist, ist neuen Gefährdungen ausgesetzt, die zum Anlass ganz neuer Überlegungen gemacht werden müssen, und da hilft es auch wenig, dass manche von diesen Risiken in Ansätzen auch schon bisher bestanden haben. Schon die veränderten Gefährdungszahlen könnten ja den Eingriff in eine ganz neue Epoche bedeuten.“

Und der frühere Bundespräsident stieß in diesem Zusammenhang eine groß angelegte Untersuchung an: „Um das Vertrauen ins Internet, in die mit ihm eröffneten Chancen und Möglichkeiten nicht zu verspielen, brauchen wir eine breite Diskussion darüber, welche verbindlichen Spielregeln hier gelten sollen. Wir brauchen Leitplanken, die uns auf dem richtigen Weg halten. Ein digitaler Kodex, von allen Verantwortlichen getragen, könnte ein Weg dahin sein.“

Diesen Impuls aufnehmend, haben wir das Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ aufgesetzt. Bei zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet diskutierten hierüber Experten. Einigkeit gab es in der grundlegenden Bewertung: Unsere Gesellschaft wäre gut beraten, einen solchen Kodex zu formulieren. DIVSI konnte dazu wesentliche Aspekte zu verschiedenen Themenkomplexen liefern: Erkenntnisse zur Verantwortung im Verhältnis zwischen Nutzern und Plattformen, zu Big Data und den Gestaltungsfeldern Gesundheit und Mobility, zu einer vertiefenden Untersuchung zu digitalisierter urbaner Mobilität oder auch zum Recht auf Vergessenwerden.

Ebenfalls inspiriert durch den Verfassungsrechtler Roman Herzog wagten wir auch eine Frage zu stellen, die vielen zunächst ketzerisch klang: Ist unser Grundgesetz überhaupt tauglich für die digitale Zeit?

Untersucht wurde dabei die verfassungsrechtliche Frage nach Bedeutung und Festigkeit der Grundrechte. Im Kern verdeutlicht die Analyse der Wirkungsdimensionen der Grundrechte, dass unser Grundgesetz auch im digitalen Raum durchaus geeignet ist, Antworten auf neue Herausforderungen zu geben. Angesichts von Bedrohungslagen, die sich vornehmlich zwischen Privaten oder im Verhältnis zu anderen Staaten abspielen, sei es allerdings an der Zeit, einige Grundrechtsfunktionen weiterzuentwickeln.

Die Richtschnur bei allen Arbeiten des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet

Fünf Thesen sind stets Grundlage für die Arbeit des Instituts gewesen. Sie wurden unter wesentlicher Unterstützung unserer Schirmherren entwickelt und könnten auch weiterhin mithelfen, die Frage nach der Verantwortung in unserem digitalen Zeitalter zu beantworten. Ich möchte sie abschließend in Erinnerung rufen:

  1. Das Internet ist eine Kulturleistung der Menschheit von historischer Bedeutung. Es revolutioniert unsere Arbeit und die Freizeit, unser Denken und die Kommunikation. Deshalb geht das Internet uns alle an – ob wir es schon nutzen oder (noch) nicht.
  2. Sicherheit und Stabilität der Internet-Infrastruktur – beides ist unabdingbar. Sie ist zu einem elementaren Bestandteil des gesamten Wirtschafts- und Sozialraums geworden.
  3. Das Internet bietet Möglichkeiten zur Beteiligung an der Gestaltung von Staat und Gesellschaft. Es fördert Wohlstand, Bildung, Chancengerechtigkeit und Informationsfreiheit. Seine enorme gestalterische Kraft braucht jedoch das Vertrauen der Menschen, damit sie sich entfalten kann.
  4. Nutzer, Wirtschaft und Staat haben eine gemeinsame Pflicht, Grundregeln für den Umgang miteinander im Internet auszuhandeln und für deren Verbindlichkeit zu sorgen. Dabei sind Wirtschaft und Staat gefordert, die Nutzer in die Lage zu versetzen, dieser Verantwortung gerecht zu werden.
  5. Freiheit und Sicherheit sind Grundbedürfnisse – auch im Internet. Voraussetzung dafür ist das Vertrauen darauf, dass der Staat und alle anderen Internet-Akteure diese Grundbedürfnisse mit geeigneten Maßnahmen angemessen ausbalancieren.

Fortschreibung

Die gerade vorgestellte und damit letzte Studie des Instituts, die sich mit dem Verhalten der 14- bis 24-Jährigen befasst, ist eine Fortschreibung einer Untersuchung von 2014. „Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt“ – war übrigens die erste Untersuchung überhaupt, die sich mit der nachwachsenden Generation im Hinblick auf das Internet intensiv beschäftigt hat.

Gerade auch diese Studie zeigt, wie das DIVSI-Team bis zum Ende des Instituts sorgfältig und konzentriert weitergearbeitet hat, das Aus bereits vor Augen. Die Ergebnisse dieser Studie finden Sie ausführlich hier. Sie zeigt insbesondere auch, dass sich die junge Generation heute im „Online-Dilemma zwischen Glück und Abhängigkeit“ bewegt.

Erwähnen möchte ich auch die Meinungsführerstudie von 2012: Wer gestaltet das Internet? Bei dieser Untersuchung ging es zunächst um das Verhalten von Führungskräften im digitalen Zeitalter. Die Ergebnisse brachten uns letztlich zu einer weiterführenden Idee und mündeten in ein umfangreiches Buchprojekt.

Dabei wurde untersucht, welche Verantwortung für die Entwicklung in der digitalen Zeit jene Menschen tragen, die an der Spitze von Unternehmen und Institutionen stehen. Die DIVSI-Autoren schafften es, ausschließlich CEOs für ausführliche Interviews zu gewinnen. Aus dem so entstandenen Buch „Digital Leadership“ filterte die „WiWo“-Redaktion als Extrakt einen wiederum viel beachteten Sonderdruck der „WirtschaftsWoche“. Das Heft „neuland – Führung im digitalen Zeitalter: wie Topmanager den Wandel gestalten“ verdeutlichte Vorstellungen zur Digitalisierung von Wirtschaftsgrößen aus der ersten Reihe.

Wie wird die Entwicklung weiterlaufen? Die Untersuchung macht deutlich, dass alle Institutionen, die in diesem Komplex forschen, schützen oder entwickeln wollen, Berge von Aufgaben vor sich haben. Nach aller Erfahrung aus den letzten Jahren wird bei allem, was Akzeptanz finden soll, sehr darauf zu achten sein, bei Neuerungen stets Convenience und Sicherheit in Einklang zu bringen.

Schirmherr Joachim Gauck formulierte diesen Gedanken einmal so: „Die Wahrheit über unseren Umgang mit dem Internet dürfte in der Regel ganz banal lauten: Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit sind einer Mehrheit wichtiger als Sicherheit. Ich denke, es gilt eine Balance zu finden. Ich misstraue sowohl denen, die Sicherheitsbedenken davon abhalten, sich der digitalen Entwicklung wirklich zu öffnen. Ich misstraue aber auch jenen, die allein die Technologie im Auge haben, sich um ihre gesellschaftlichen Auswirkungen aber nicht kümmern.“

Joachim Gauck

Foto: Stefan Zeitz

DIVSI-Schirmherr Joachim Gauck

Nach seiner Amtszeit als Bundespräsident hat Joachim Gauck im Oktober 2017 wieder die Schirmherrschaft übernommen.

DIVSI hatte aus diesem Anlass zu einer Festveranstaltung in die französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin eingeladen. Kritisch, optimistisch, mahnend – so erlebten ihn die Zuhörer bei allen Reden. Gedanken von Joachim Gauck, die im Gedächtnis bleiben sollten:

Aufgabe: „… Sicherheit in der digitalen Welt kostet Geld und Zeit, aber sie lohnt sich … Alle, die im Internet agieren, haben zur Sicherheit des Netzes beizutragen …“

Beherrschbarkeit: „Goethe gönnte seinem Zauberlehrling noch einen Herrn und Meister, der das Chaos wieder richtete. Wir können heute nur an uns selbst appellieren, die Geister, die wir riefen, in die Beherrschbarkeit zurückzuführen.”

Datenschutz: „… erscheint mir der Umgang mit Datenschutz und Internet- Sicherheit … nicht frei von Heuchelei. Teile von Medien und Politik protestieren zwar regelmäßig, wenn die Privatheit verletzt wird oder verletzt zu werden droht. Doch wie authentisch ist diese Empörung, wenn sich bei DIVSI-Studien herausstellt, dass sehr vielen Nutzern eine leichte Bedienung der Netzanwendungen im Zweifel wichtiger ist als die Garantie geschützter Daten?“

Entwicklung: „Wir dürfen uns von den Entwicklungen nicht überrollen lassen. Sie sind Menschenwerk und müssen von Menschen gestaltet werden.“

KI: „… sollten wir nicht auch viel stärker darüber nachdenken, wie das Leben aussehen wird, wenn Roboter und künstliche Intelligenz feste Bestandteile unserer Welt geworden sein werden? Fürchten wir nicht alle, dass sich die Rolle des Menschen dann grundlegend verändern könnte?“

Manipulation: „Wir wissen …, dass Soziale Medien die sozialen Kontakte in der wirklichen Welt verringern, Nutzer in Echokammern hineinlocken und sie in quasi geschlossenen Welten anfällig werden lassen für Manipulationen, Desinformation und Verschwörungstheorien.“

Pflicht: „Insbesondere in der Pflicht sehe ich … die Politiker und die Spezialisten. Bei den Spezialisten wünsche ich mir, dass sie sich nicht nur als Techniker begreifen, sondern die Folgen ihrer Arbeit für das Zusammenleben bedenken. Und bei den Politikern wünsche ich mir, dass sie sich der neuen Technik offensiver stellen und … der aktuellen Entwicklung ausreichend Rechnung tragen.“

Rechte: „Was die Öffentlichkeit augenblicklich im Westen bei den Sozialen Medien am meisten aufregt, ist … der Missbrauch von Daten, vor dem uns der Staat schützen soll … (Es) ist die Schutzpflicht des Staates gefordert, um die Rechte des Bürgers zu verteidigen.”

Verantwortung: „Auch das Individuum trägt Verantwortung für seine Daten.”

Verantwortung

Wohin also wird sich das Wertegerüst unserer Gesellschaft entwickeln? Eine ungeklärte Frage auch unter dem Blickwinkel, dass vermeintlich Algorithmen immer mehr in unser Alltagsleben eingreifen. Was wird mit der Verantwortung für die Welt? Behält der Mensch sie in der Hand, oder geben wir sie ab? Und wenn ja – an wen?

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Beteiligung im Internet: Im Prinzip sind alle dabei! https://www.divsi.de/beteiligung-im-internet-im-prinzip-sind-alle-dabei/ https://www.divsi.de/beteiligung-im-internet-im-prinzip-sind-alle-dabei/#respond Fri, 16 Oct 2015 10:12:48 +0000 http://46.30.3.106/?p=14005 Neue DIVSI Studie zeigt ganz unterschiedliche Sichtweisen in den verschiedenen Milieus. Von Meike Otternberg Deutsche Internet-Nutzer sind auf einer Reihe von Feldern aktiv im Netz dabei. Sie nutzen es für Teilhabe an Kultur, Bildung, Gesundheit und Wirtschaft. Häufig findet Beteiligung im wirtschaftlichen Kontext statt, aber auch in Verbindung mit Hobbys oder für zivilgesellschaftliche Anliegen. So […]

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Beteiligung im Internet: Im Prinzip sind alle dabei!

Bild: venimo – Shutterstock

Neue DIVSI Studie zeigt ganz unterschiedliche Sichtweisen in den verschiedenen Milieus.

Von Meike Otternberg

Deutsche Internet-Nutzer sind auf einer Reihe von Feldern aktiv im Netz dabei. Sie nutzen es für Teilhabe an Kultur, Bildung, Gesundheit und Wirtschaft. Häufig findet Beteiligung im wirtschaftlichen Kontext statt, aber auch in Verbindung mit Hobbys oder für zivilgesellschaftliche Anliegen. So lautet ein Kernergebnis einer neuen qualitativen DIVSI-Untersuchung, realisiert mit den Experten des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen im Rahmen des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“.

Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass Beteiligung im politischen Bereich eine eher untergeordnete Rolle spielt. Nur wenige setzen sich im Internet für politische Anliegen ein, indem sie Kommentare schreiben, Parteien folgen, in politischen Foren diskutieren oder E-Petitionen unterzeichnen. Es sind wenige, die sich digital an Politik beteiligen und sie auf diesem Weg beeinflussen oder verändern wollen.

Wer, wie, wann, warum?

Doch was verstehen die Internet-Nutzer eigentlich unter Beteiligung im Internet? Wer ist wie und mit welcher Absicht dabei? Die aktuelle Studie zeigt hier eine enorme Bandbreite. Sie beginnt bei der Vorstellung, dass bereits reines Online-Sein Beteiligung ist. Zitat: „Ich finde, man ist immer dann beteiligt, wenn man, wie z.B. bei einem Computer, auf das Internet-Symbol klickt. Weswegen ich die letzten Tage am Internet beteiligt war.“

Auf der anderen Seite gibt es jene, die unbedingt auf den kreativen, produktiven Aspekt Wert legen. Demnach beteiligt sich nur, wer etwas schafft, ergänzt oder verändert: „Damit sich jemand beteiligt, müsste man bloggen, in Foren Hilfestellung geben und versuchen, in irgendeiner Art und Weise Spenden zu sammeln, also in irgendeiner Weise im Netz aktiv sein.“

Eindeutig zeigt die Studie, dass die Nutzer zwischen „aktiver“ und „passiver“ Beteiligung differenzieren. Das Aufnehmen von Informationen oder die Nutzung von Diensten, ein bloßes Herumsurfen sind Formen „passiver Beteiligung“. Man ist irgendwie Teil unserer digitalen Lebenswelt, ohne aber selbst etwas zu leisten. Dennoch scheint auch eine passive Beteiligung nicht unwichtig. Allein durch die Nutzung des Mediums und seiner Angebote tragen die „passiv Beteiligten“ dazu bei, dass diese bestehen können.

Im Unterschied dazu verlangt aktive Beteiligung einen höheren Aufwand und ist durch ein Mehr an Eigenverantwortung geprägt. Die Gruppe der „aktiv Beteiligten“ trägt nachhaltig zur Ergänzung des Internets bei, etwa durch Kommentare in einem Forum. Solche Äußerungen können eine Diskussion beflügeln, wertvoller machen – und auf diese Weise auch das Internet insgesamt.

Auch negative Beteiligung ist ein Thema. Denn im globalen Netz lassen sich auch für zwielichtige Projekte und Ideen Anhänger finden. Es bestehen bei Internet-Nutzern außerdem Ängste, durch Unachtsamkeit im Internet ggf. mit den falschen Anliegen in Verbindung gebracht zu werden.

Datenspuren

Beteiligung im Internet bedeutet immer auch, dass man genau dadurch Datenspuren hinterlässt. Diese werden umso sichtbarer, je stärker das Engagement des Einzelnen ist. Die Untersuchung hat gezeigt, dass sich die Nutzer darüber im Klaren zu sein scheinen. Zitat: „Umso öffentlicher ich mitmache, desto angreifbarer mache ich mich.“

Bei einer Beteiligung muss man sich also zwangsläufig exponieren und wird so angreifbar für Kritik, Beleidigungen, Mobbing, Verfolgung oder Überwachung. Um sich von solchen negativen Auswirkungen nicht beeinflussen zu lassen, brauchen die Nutzer Vertrauen in die persönliche und auch technische Sicherheit, in die eigenen Kompetenzen, in den Anstand anderer Nutzer und in die Durchsetzbarkeit rechtlicher Spielregeln.

Viele Nutzer scheinen dieses Vertrauen zumindest bislang nicht aufzubringen. Deshalb können und wollen sie nur bedingt von den möglichen Vorzügen einer Beteiligung im Internet profitieren.

Um ein fundiertes Verständnis von Beteiligung in den (digitalen) Lebenswelten deutscher Internet-Nutzer zu gewinnen, wurden diese auf Basis der sieben DIVSI Internet-Milieus befragt. Die Milieus sind Ausprägungen einer Typologie, die Menschen nach sozioökonomischen Merkmalen, aber auch nach ihren Einstellungen gegenüber dem Internet und ihren Nutzungsgewohnheiten unterscheidet. Im Prinzip differenzieren die Milieus die Bevölkerung in drei Cluster: Digital Natives, Digital Immigrants und Digital Outsiders. Innerhalb dieser Gruppierungen gibt es weitere Spezifizierungen.

Angekommen

Grundsätzlich ist – so zeigt die Untersuchung – Beteiligung im Internet nicht nur bei den Digital Natives und den Digital Immigrants angekommen. Auch die Digital Outsiders werten ihre meist sehr selektive Nutzung als „Beteiligung“. Diese Erkenntnis ist unabhängig davon, dass die milieuspezifische Auslegung des Begriffs ganz unterschiedlich ausfällt.

Abbildung 4: Die DIVSI-Internet-Milieus (2013)

Studienansatz: Die Untersuchung baut auf den DIVSI Internet-Milieus auf.

Spaltungsgefahr

Die „Internetfernen Verunsicherten“ bleiben praktisch außen vor! Viele haben Mühe, die Vorteile einer Beteiligung im Internet zu erkennen. Dazu passt in der Logik diese Begründung: „Man sagt doch, ich bin Online-Nutzer und nicht Online-Beteiligter.“

Hier droht eine neue Qualität der digitalen Spaltung, ein „Participation Divide“. Auf der einen Seite finden wir dann jene Nutzer, die von den Vorteilen einer Beteiligung im Internet profitieren. Jene, die Kontakte knüpfen, ihre Interessen vertreten, etwas dazulernen, Geld verdienen oder mit den Möglichkeiten des Internets einfach nur Spaß haben wollen.

Auf der anderen Seite stehen alle, die den Zugang nicht finden, die das Internet selten und – falls doch einmal – mit großen Vorbehalten nutzen. Eine aktive Beteiligung im Internet findet bei ihnen kaum statt.

Stöbern schon Beteiligung?

Reiseportal: Ist Stöbern nach Urlaub schon Beteiligung? (Bild: venimo – Shutterstock)

Dabei kann aktives Engagement nicht nur für jeden einzelnen Nutzer persönliche Vorteile bieten. Aus individuell gesammelten Pluspunkten erwachsen weitere Chancen für die Gemeinschaft. Denn durch Beteiligung entsteht Sozialkapital – eine Substanz von immenser Wichtigkeit für jede Gesellschaft. Schon das Gefühl der Gemeinsamkeit kann als ein Vorteil der Beteiligung im Internet betrachtet werden.

Folgestudie

Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig Information und Aufklärung sind. Neben sachlicher Überforderung spielt außerdem oft fehlendes Vertrauen und Unsicherheit eine Rolle. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind gefragt, Hürden für eine aktive Beteiligung im Internet zu senken. Und schon jeder einzelne Nutzer kann durch sein Verhalten zum guten Umgang miteinander beitragen.

Die Arbeiten am Gesamtprojekt „Beteiligung im Internet“ sind mit der jetzt vorgestellten zweiten Studie nicht abgeschlossen. 2016 wird sich als dritter Teil eine repräsentative Untersuchung zu den Fragenkomplexen anschließen.

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Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig stellt die DIVSI U9-Studie vor https://www.divsi.de/bundesfamilienministerin-manuela-schwesig-stellt-die-divsi-u9-studie-vor/ https://www.divsi.de/bundesfamilienministerin-manuela-schwesig-stellt-die-divsi-u9-studie-vor/#respond Fri, 26 Jun 2015 10:19:55 +0000 http://46.30.3.106/?p=12518 Auf der Bundespressekonferenz vergangenen Dienstag stellte die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig gemeinsam mit DIVSI und dem SINUS Institut die neue DIVSI U9-Studie: Kinder in der digitalen Welt vor.  Keine Frage der Technik, sondern eine Frage des Umgangs Anstatt vor den Risiken im Internet zu mahnen, betonte die Bundesfamilienministerin die Chancen der digitalen Welt und hob Mediensozialisierung und Vermittlung von Medienkompetenz als […]

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Bundespressekonferenz U9-Studie

Auf der Bundespressekonferenz vergangenen Dienstag stellte die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig gemeinsam mit DIVSI und dem SINUS Institut die neue DIVSI U9-Studie: Kinder in der digitalen Welt vor. 

Keine Frage der Technik, sondern eine Frage des Umgangs

Anstatt vor den Risiken im Internet zu mahnen, betonte die Bundesfamilienministerin die Chancen der digitalen Welt und hob Mediensozialisierung und Vermittlung von Medienkompetenz als neue gesellschaftliche Aufgabe hervor. Die Teilhabe von Kindern an der digitalen Welt hänge nicht länger von der Hardware ab, sondern sei eine Frage der Erziehung im Umgang mit dem Internet, der sich Politik, Bildungseinrichtungen und Eltern gleichermaßen annehmen müssten.

Joanna Schmölz, stellvertretende Direktorin und Wissenschaftliche Leitung des DIVSI, spricht im folgenden Video über die Zielsetzung der DIVSI U9-Studie und betont die besondere Rolle der Eltern in der frühkindlichen Medienbildung.

Frühkindliche Internetnutzung trifft auf großes mediales Interesse

Auf ein großes Medienecho stieß unsere DIVSI U9-Studie besonders angesichts der Erkenntnis, dass sich bereits 3-Jährige trotz fehlender Lese- und Schreibkenntnisse mittels Icons und Bildern eigenständig im Internet bewegen. Über die Studie berichten unter anderem die ZEIT, Süddeutsche Zeitung, FAZTAZ und der Focus.

Die Studie gibt es hier im Volltext. Im Pressebereich finden Sie zudem weitere Videos und Pressematerialien.

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