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Paradoxien im Sicherheitsempfinden

25. August 2017

Grafik Vertrauen und Verantwortung

Deutsche fordern mehr Sicherheit im Internet – das ist das Ergebnis unserer jüngsten Studie, die das DIVSI zusammen mit dimap durchgeführt hat. Besonders auffällig ist, dass die Ergebnisse von auffallenden Paradoxien gekennzeichnet sind – insbesondere in Hinblick auf die Möglichkeiten der Einflussnahme durch Internetnutzer.

Die Studie zeigt, dass sich Internetnutzer mit dem Thema Sicherheit im Internet überfordert fühlen: 83 Prozent glauben zwar, dass jeder für seine eigene Sicherheit im Netz verantwortlich ist; mit 57 Prozent meint die Mehrheit aber zugleich, dass der Einzelne dieser Verantwortung nicht gerecht werden kann.

85 Prozent sehen daher die Zuständigkeit beim Staat und 84 Prozent fordern die Wirtschaft auf, sich stärker um die Sicherheit zu kümmern. Allerdings haben zwei Drittel der Befragten zugleich nur geringes bis gar kein Vertrauen darin, dass sich Firmen ausreichend um die Sicherheit ihrer Kunden kümmern.

Aus diesem Grund befürworten 80 Prozent der Befragten ein offizielles Sicherheitssiegel, das vertrauenswürdige Angebote und Dienstleistungen auf den ersten Blick eindeutig kennzeichnet. Genauso viele Nutzer wünschen sich eine staatliche Stelle, bei der die Verantwortung für alle sicherheitsrelevanten Fragen im Internet gebündelt liegt. Eine derartige Stelle stellt in Ansätzen bereits das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) dar.

Eine große Besorgnis zeigt sich ebenso beim Thema der elektronischen Dokumentenübermittlung. 70 Prozent der Internetnutzer besitzen ein Online-Postfach auf einem Kundenportal; jeder Dritte sogar bei drei und mehr verschiedenen Anbietern. Doch wird die Sicherheit dieser Online-Postfächern gleichzeitig mit Sorge betrachtet. 72 Prozent fürchten sich vor einem unbefugten Zugriff. Schließlich wird nach einer Bitkom-Umfrage jedes zweite deutsche Unternehmen Opfer von digitaler Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl.

Zwei Drittel derjenigen, die selbst Online-Postfächer nutzen, sind sich sogar unsicher, ob der Anbieter vertrauenswürdig ist. 80 Prozent der Befragten bevorzugen daher, wichtige Dokumente per Post zu erhalten, anstatt sie von einem Online-Postfach herunterzuladen. Die Nutzer wollen wählen können, auf welchem Weg sie Rechnungen, Kontoauszüge oder andere wichtige Dokumente empfangen.

Trotzdem sind 70 Prozent der Meinung, die Digitalisierung bietet viele Vorteile für sie. Selbst ein Drittel derjenigen, die das Internet nicht nutzen, sind sich bewusst, dass diese Entwicklung auch auf sie Auswirkungen hat.

Um die Vorteile des Internets auszuspielen, muss das Sicherheitsniveau erhöht werden – jedoch nicht auf Kosten der Nutzbarkeit und des Komfortgewinns von digitalen Angeboten. Unsere Studie zeigt deutlich, an welcher Stelle der Digitalisierung unsere Gesellschaft momentan steht und dass Staat und Wirtschaft gemeinsam den digitalen Wandel lenken müssen, um den Nutzern einen sicheren Rahmen für ihre digitale Lebensgestaltung zu schaffen.

Hier finden Sie die Studie und die dazugehörige Pressemitteilung.

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