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Mehr staatliches Engagement für Sicherheit im Internet gefordert

20. November 2017

Mehr staatliches Engagement für Sicherheit im Internet gefordert

Foto: Stefan Zeitz

Klare Aussagen zu den Wünschen der Nutzer. Erkenntnisse der neuen DIVSI-Studie in Berlin vorgestellt. Thema auch Online-Postfächer.

Von Michael Schneider

Auf reges Interesse ist die jüngste DIVSI-Studie „Digitalisierung – Deutsche fordern mehr Sicherheit“ gestoßen, die in Berlin vorgestellt wurde. Schwerpunkte der Untersuchung waren die Einstellungen der in Deutschland lebenden Menschen zur Digitalisierung und die Meinung der Nutzer zur Frage der Sicherheit im Internet. Außerdem ging es um Online-Postfächer auf Kundenportalen und damit gesammelte Erfahrungen sowie um Einstellungen zur Verwaltung elektronischer Dokumente im Allgemeinen. Realisiert wurde das Projekt von dimap.

DIVSI-Direktor Matthias Kammer: „Wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass das Internet in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. 70 Prozent der Bevölkerung nutzt es mit seinen Vorteilen zur Gestaltung des Lebensalltags. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, das Sicherheitsniveau in Deutschland muss deutlich erhöht werden. Dabei muss Convenience bleiben. Das ist die Erwartung der Menschen.“ Um die Vorteile der Digitalisierung für sich zu nutzen, müssten sich die Menschen sicher und souverän in der digitalen Welt bewegen können. Hier seien Staat und Unternehmen gefordert, die vielen digitalen Angebote, die unseren Alltag erleichtern, mit höherer Sicherheit in Einklang zu bringen und damit Vertrauen zu stärken.

Insgesamt kennzeichnen auffallende Paradoxien die Ergebnisse der jüngsten Umfrage des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet. Nach der Verantwortung für Sicherheit im Internet gefragt, stimmen 83 Prozent der Internetnutzer der Aussage voll oder eher zu, dass jeder selbst für seine Sicherheit im Internet verantwortlich ist. Gleichzeitig bezweifelt die Mehrheit (57 %), dass der Einzelne dieser Verantwortung überhaupt gerecht werden kann. Dies meinen selbst 53 Prozent der Internetnutzer, die ihre eigenen Kompetenzen als sehr gut oder gut einschätzen.

84 Prozent der Internetnutzer in Deutschland erwarten auch von Unternehmen die Übernahme von Verantwortung. Allerdings haben zwei Drittel der Befragten nur geringes bis gar kein Vertrauen darauf, dass die Firmen sich ausreichend um die Sicherheit ihrer Kunden kümmern.

Sicherheitssiegel

Über alle Altersgruppen hinweg verlangen 85 Prozent der Befragten, dass sich der Staat stärker um das Thema Sicherheit im Internet kümmert. Gleichzeitig trauen jedoch 84 Prozent dem Staat nicht zu, dass er dieser Aufgabe gerecht werden und seine Bürger schützen kann. Internetnutzer fordern mehr staatliches Engagement für die Sicherheit im Internet. 80 Prozent der Befragten befürworten ein offizielles Sicherheitssiegel, an dem sich vertrauenswürdige Angebote und Dienstleistungen problemlos erkennen lassen. Genauso viele Nutzer wünschen sich eine staatliche Stelle, bei der die Verantwortung für alle sicherheitsrelevanten Fragen im Internet gebündelt ist.

Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), hob im Rahmen der Veranstaltung hervor: „Die Studie ist ein Indikator, um zu sehen, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Es ist ein deutliches Zeichen, dass die Informationssicherheit als Voraussetzung der Digitalisierung verstanden wird. Das wird in der Studie sehr deutlich und zeigt die Bedeutung der Informationssicherheit. Es ist sehr wichtig, dass es hier eine zentrale Stelle wie das BSI aufseiten des Staates gibt, das als nationale Cyber-Sicherheitsbehörde die Informationssicherheit in der Digitalisierung für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gestalten muss. Es ist eine gemeinsame Aufgabe.“

Das BSI unterstütze IT-Anwender durch konkrete, praxisorientierte Angebote, etwa in Form von Informationen und Handlungsempfehlungen, die man unter der Adresse www.bsi-fuer-buerger.de zur Verfügung stelle.

Verantwortung

Arne Schönbohm betonte weiter, dass die von einem hohen Prozentsatz der Befragten gewünschte Bündelungsstelle für sicherheitsrelevante Fragen schon heute vorhanden ist. „Als nationale Cyber-Sicherheitsbehörde übernehmen wir gerne diese Verantwortung“, sagte der Präsident des BSI.

Insgesamt, so ein weiteres Ergebnis der Umfrage, stehen die Deutschen der Digitalisierung unverändert positiv gegenüber. Aktuell sind 70 Prozent der Befragten überzeugt, dass die Digitalisierung viele Vorteile für sie biete. Und auch von denjenigen, die das Internet nicht nutzen, ist sich mehr als ein Drittel dennoch bewusst, dass diese Entwicklung auch auf sie Auswirkungen hat.

Online-Postfächer auf Kundenportalen hält eine Mehrheit zwar für praktisch, gleichzeitig jedoch für unsicher. 70 Prozent der Internetnutzer haben ein Online-Postfach auf einem Kundenportal, jeder Dritte sogar bei drei und mehr verschiedenen Anbietern. Reinhard Schlinkert, geschäftsführender Gesellschafter dimap, zur Struktur der Nutzer: „Es sind vor allem Jüngere und Personen mit einem hohen formalen Bildungsniveau, die Online-Postfächer nutzen. Von den Befragten, die älter als 65 Jahre alt sind, und den Befragten, die einen Hauptschulabschluss haben, nutzt jeweils nur jeder Vierte mindestens ein Online-Postfach auf einem Kundenportal im Internet.“

Zustellung

Gleichzeitig betrachten die Internetnutzer diese Form der elektronischen Zustellung von Dokumenten mit Sorge. 72 Prozent geben an, sich vor einem unbefugten Zugriff zu fürchten. Zwei Drittel derjenigen, die selbst Online-Postfächer nutzen, sind sich manchmal nicht sicher, ob sie dem Anbieter vertrauen können. Ein Drittel fürchtet, irgendwann den Überblick über seine Online-Postfächer zu verlieren. Und jeder zweite Nutzer von Online-Postfächern hat schon einmal sein Passwort vergessen und konnte sich daher nicht anmelden.

Eine sehr große Mehrheit von über 90 Prozent möchte selbst entscheiden können, auf welchem Weg Dokumente zugestellt werden. Acht von zehn Nutzern finden es besser, wichtige Dokumente per Post zu erhalten und sich nicht von einem Online-Postfach herunterladen zu müssen. DIVSI-Direktor Kammer: „Die Nutzer wollen wählen können, auf welchem Weg sie Rechnungen, Kontoauszüge oder andere wichtige Dokumente erhalten. Im Gegensatz dazu steht, dass Unternehmen und Behörden Dokumente verstärkt online versenden und dabei gleichzeitig die bisherige Bringschuld in eine Holschuld umkehren. Dieser Trend muss beendet werden.”

Die aktuelle Umfrage erfolgte nach einer repräsentativen Zufallsauswahl mit computergestützten Telefoninterviews in der zweiten Julihälfte. Befragt wurden 1.266 in Deutschland lebende Personen über 18 Jahre; darunter 1.001 Internetnutzer.

Michael SchneiderMichael Schneider
studierte Betriebswirtschaft, Musik und Psychologie. Er leitet bei DIVSI den Bereich Kommunikation.

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