Big Data – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Studien & Themen, die Zeichen setzten https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/ https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:06 +0000 https://www.divsi.de/?p=19405 Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen. Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo: „DIVSI will […]

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DIVSI Collage

Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen.

Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo:

„DIVSI will einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Netz organisieren und mit neuen Aspekten beleben. Zudem wird das DIVSI die selbst gesetzten Ziele durch Unterstützung von Wissenschaft und Forschung erreichen. Es geht darum, potenzielle Risiken im Umgang mit dem Internet zu untersuchen und zu analysieren. Aufklärungsarbeit soll für eine Sensibilisierung und für eine Steigerung von Vertrauen und Sicherheit im Internet sorgen.“

Und auch die Methodik wurde sofort benannt: „Das Institut fördert den interdisziplinären Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Somit ist es das geeignete Forum für den Austausch ökonomischer, regulatorischer, rechtlicher, sozialer, kultureller und medienpolitischer Perspektiven. Arbeitsgrundlage sind zukunftsweisende strategische Projekte, für die man Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vernetzen will.“

Als Indiz dafür, dass die Aufgabe gemeistert wurde, kann allein schon die folgende Auflistung eigener DIVSI-Studien dienen. Sie sind zwischen sechs Jahren und knapp zwei Monaten alt. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung festgehaltenen Fakten sind sicher in der schnelllebigen Internet-Zeit nicht mehr sämtlich brandaktuell. Doch unverändert können auch sie als wichtiges Basismaterial dienen.

DIVSI BeteiligungslandkarteBeteiligungslandkarte Deutschland – Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen (2017)

Wie vielfältig und geläufig sind partizipative Formen der Internetnutzung im Lebensalltag der Menschen zur Unterstützung der eigenen Gesundheit oder zur Überwindung von Krankheiten? Welche soziodemografischen Unterschiede sind zu erkennen?

Brief Oder MailBrief oder E-Mail? DIVSI Studie über die Kommunikation im privat-geschäftlichen Bereich (2017)

Erstmals fundierte Erkenntnisse darüber, auf welchen Wegen privat-geschäftliche Kommunikation abläuft und welche Bedürfnisse sie bestimmen. Auch geht die Studie der Frage nach, inwieweit Menschen auf bewährte analoge Kanäle setzen und inwieweit sie inzwischen digitalen Möglichkeiten vertrauen.

Vertrauen in Kommunikation im digitalen ZeitalterVertrauen in Kommunikation im digitalen Zeitalter (2017)

Digitale Kommunikation gehört längst zum Alltag. Persönliche Informationen und sensible Daten werden ausgetauscht. Aber müssen dabei Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit in einem Spannungsverhältnis stehen? Welche rechtlichen, technischen und organisatorischen Antworten sollten für eine künftige sichere digitale Kommunikation gefunden werden, auf die die Menschen vertrauen können?

Digitalisierung – Deutsche fordern mehr SicherheitDigitalisierung – Deutsche fordern mehr Sicherheit (2017)

Die Deutschen stehen der Digitalisierung positiv gegenüber und sehen darin viele Vorteile für sich. Beim Thema Sicherheit im Internet erwarten sie allerdings mehr Engagement – vom Staat und von Unternehmen. Was bedeutet das für Vertrauen und für Kommunikation? Und wie sieht es mit der Eigenverantwortung der Nutzer aus? Die Untersuchung ergab auch auffallende Paradoxien zwischen Verantwortung und Vertrauen.

DIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in DeutschlandDIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland (2016)

Silver Surfer, Best Ager, 60+ – die Altersgruppe der über 60-Jährigen wird zunehmend wichtiger für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, denn sie macht jetzt schon etwa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung aus – Tendenz steigend. Die Studie liefert differenzierte, anschauliche und umsetzungsorientierte Erkenntnisse über die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen und räumt dabei auch mit einigen Vorurteilen auf.

DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“ (2016)

Die Digitalisierung hat die Mobilitätsdebatte vollends erfasst. Aber wie weit entwickelt sind datengelenkte Verkehrssysteme sowie eine sichere und ressourcenschonende Mobilitätskultur wirklich? Wie sind Schutz der Privatsphäre und Nutzung eines digitalen Assistenzsystems im Auto zu vereinbaren? Insbesondere vor dem Hintergrund der Machbarkeit analysiert und hinterfragt diese Studie eine Vielzahl von Diskussionen und Aktivitäten aus Europa und den USA.

DIVSI Internetmilieus 2016DIVSI Internet-Milieus 2016 – Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung (2016)

Wie beeinflusst der digitale Wandel das Leben der Menschen in Deutschland? Wie hat sich ihr Online-Verhalten in den letzten Jahren verändert? Welchen Stellenwert haben Internet und Smartphone im Lebensalltag? Wie denken die Menschen in der Nach-Snowden-Ära über Datensicherheit? Die repräsentative Studie bietet einen vertieften Blick in die aktuellen Lebenswelten unserer digitalen Gesellschaft.

Big DataBig Data (2016)

Zugespitzt auf die Themen „Smart Health“ und „Smart Mobility“ fasst der Bericht Erkenntnisse aus vielen Expertenrunden des DIVSI-Forschungsprojekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ zusammen. Er liefert Argumente für eine gesellschaftliche Debatte und wägt dabei Chancen und Risiken ab.

Recht Auf VergessenwerdenDas Recht auf Vergessenwerden (2015)

Die Entscheidung des EuGH zum „Recht auf Vergessenwerden“ lässt Fragen unbeantwortet, die im Spannungsfeld zwischen Persönlichkeitsrechten, Datenschutz und dem Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit liegen. Dieser komplexen Problematik widmet sich diese Publikation und formuliert schließlich konkrete Empfehlungen für einen „Lösch-Kodex“.

DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie?DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie? (2015)

Was ist Beteiligung im Internet eigentlich genau? Wie und weshalb bringen Internetnutzer sich ein? Die zweite Studie im Rahmen des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Netz“ untersucht Formen, Vorteile und Hürden der Beteiligung im Internet aus Sicht der DIVSI Internet- Milieus. In der qualitativen Untersuchung kommen dabei die Internetnutzer selbst zu Wort.

DIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen WeltDIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen Welt (2015)

Wann und wie kommen Kinder mit digitalen Medien und dem Internet in Berührung? Welche Bedeutung messen Eltern, Erzieher und Lehrer dem Internet für die Zukunft der Kinder bei? Welche Chancen und Risiken werden wahrgenommen, wer trägt die Verantwortung? Die Studie hat Kinder zwischen 3 und 8 Jahren im Blick und lässt sie auch selbst zu Wort kommen.

Daten Ware und WährungDIVSI Studie – Daten: Ware und Währung (2014)

In einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung untersucht DIVSI das Online-Nutzungs- und -Konsumverhalten in Deutschland. Im Fokus stehen Einstellungen der Internetnutzer zu Themen der Datensicherheit sowie Weiterverwendung von persönlichen Daten.

DIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit SmartphonesDIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit Smartphones (2014)

Durch Smartphones sind Menschen heute nahezu ununterbrochen über das Internet miteinander verbunden. Mit steigendem Nutzungsumfang fällt dabei eine Vielzahl von Daten an. Unter der Leitfrage „Was geschieht mit meinen Daten?“ war es Ziel der Studie, das Bewusstsein der Nutzer dafür zu schärfen, welche Daten auf dem Smartphone sein können, welche Möglichkeiten der Einsichtnahme und Einflussnahme sie bei unterschiedlichen mobilen Betriebssystemen haben.

Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex? (2014)

Mit dem Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ lotet DIVSI aus, ob ein Digitaler Kodex ein geeignetes Mittel ist, verbindliche Regeln im Internet auszuhandeln und durchzusetzen. Der Projektbericht steuert nicht nur zu diesem Gedanken Anregungen bei. Er bietet darüber hinaus generelle Anstöße, über die nachzudenken lohnt.

DIVSI Studie Beteiligung InternetDIVSI Studie zu Bereichen und Formen der Beteiligung im Internet (2014)

Das DIVSI-Forschungsprogramm „Beteiligung im Netz“ leistet auf einer breiten theoretischen und empirischen Basis einen Beitrag zum öffentlichen Verständnis der Beteiligungschancen des Internets – und ihrer Voraussetzungen. Die Studie präsentiert einen ersten Schritt in diesem Vorhaben und verschafft einen Überblick über den heutigen Stand der Forschung.

DIVSI U25-StudieDIVSI U25-Studie (2014/2018)

Die DIVSI U25-Studie liefert erstmals fundierte Antworten auf Fragen, die das Verhalten der nachwachsenden Generation im Hinblick auf das Netz betreffen. Über die Nutzungsformen hinaus werden auch die Denk- und Handlungslogiken sowie der lebensweltliche Hintergrund untersucht. Die Nachfolge-Studie wurde gerade vorgestellt.

DIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im InternetDIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im Internet (2013)

Wie sicher fühlen sich die Deutschen im Internet? Wie viel Freiheit und Selbstbestimmung wollen sie? Nach wie viel Regulierung wird verlangt? Die Studie zeigt ein detailliertes Bild des Nutzungsverhaltens der Deutschen im Internet und ihrer Wahrnehmung von Chancen und Risiken.

Entscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im InternetEntscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2013)

Wie denken Entscheider über das Internet? Welchen Akteuren schreiben sie welche Verantwortung und welche Einflussmöglichkeiten zu? Was sagen sie zu Sicherheits- und Freiheitsbedürfnissen? Die Studie verdeutlicht erstmals, wie diejenigen über das Internet denken, die wesentlich die Spielregeln gestalten und Meinungsbilder prägen.

Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“ (2012)

Wie gut kennen sich Meinungsführer im Netz aus? Wie schätzen sie ihre Einflussmöglichkeiten ein? Welche Chancen, Konfliktfelder und Risiken erwachsen daraus? In persönlichen Gesprächen wurden führende Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden interviewt.

Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet + AktualisierungMilieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2012) + Aktualisierung (2013)

Die Milieu-Studie differenziert erstmals unterschiedliche Zugangsweisen zum Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet in Deutschland, basierend auf einer bevölkerungsrepräsentativen Typologie.

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Nicht nachlassen, den Wert der Würde ins Bewusstsein zu heben https://www.divsi.de/nicht-nachlassen-den-wert-der-wuerde-ins-bewusstsein-zu-heben/ https://www.divsi.de/nicht-nachlassen-den-wert-der-wuerde-ins-bewusstsein-zu-heben/#respond Wed, 26 Apr 2017 08:19:02 +0000 http://46.30.3.106/?p=15951 Ist der Mensch nur noch ein Haufen Daten? Eine kritische Auseinandersetzung mit „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari. Von Yvonne Hofstetter und Friedrich Graf von Westphalen Wie ein Demiurg, ein Gott, der das Universum nicht erschafft, sondern gestaltet, ist die Menschheit dabei, einen ganzen Planeten zu verändern und umzurüsten, damit er zu ihren Bedürfnissen, Wünschen […]

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Nicht nachlassen, den Wert der Würde ins Bewusstsein zu heben

Bild: Liu zishan | Shutterstock

Ist der Mensch nur noch ein Haufen Daten? Eine kritische Auseinandersetzung mit „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari.

Von Yvonne Hofstetter und Friedrich Graf von Westphalen

Wie ein Demiurg, ein Gott, der das Universum nicht erschafft, sondern gestaltet, ist die Menschheit dabei, einen ganzen Planeten zu verändern und umzurüsten, damit er zu ihren Bedürfnissen, Wünschen und Erwartungen passt und sie erfüllt.“ Dieses Wort des italienischen Philosophen Luciano Floridi erklärt uns bündig, dass sich der Mensch aufgemacht hat, einer „Datenreligion“ (Harari) zu huldigen. Sie soll den Menschen – jedenfalls eine Elite – kraft seiner technischen Möglichkeiten an die Stelle Gottes setzen. Denn nachdem die Menschheit weltweit Armut, Seuchen und Kriege dezimiert hat, meinen wir heute, mit der Verbindung von Biotechnologie und Computerwissenschaft ein Recht auf Glück zu schaffen. Der Schlüssel zum Glück, so Harari, gehört zur Drei-Punkte-Agenda des 21. Jahrhunderts, noch ergänzt um die Überwindung des Todes und das Streben nach der Göttlichkeit. Je nach dem Auge des Betrachters beklemmend oder verheißungsvoll steht deshalb im Horizont der menschlichen Evolution für morgen der Titel des neuen Buches von Yuval Noah Harari, nicht mehr in Frageform gegossen, sondern als Feststellung zementiert: Homo Deus.

Yuval Noah Harari: Homo Deus

Yuval Noah Harari: Homo Deus (C.H. Beck 2017)

Göttliche Zukunft

Dabei unternimmt Sapiens nicht mehr als das, was er in Tausenden Jahren seiner Herrschaft über die Erde schon immer erstrebte: zu sein wie Gott. Dass der Mensch sein will „wie Gott“, ist indessen nach abendländischer Tradition Frevel – Goethes „Faust“ ist hier das Lehrstück – und wird nur durch einen Pakt mit dem Teufel besiegelt. Schon die alttestamentliche Eva ließ sich auf die Schlange ein, die versprach, die Menschen würden beim Biss in den Apfel keineswegs sterben, sondern sein wie Gott und wissen (Genesis). Harari legt uns nahe, dass es heute, nach Ablauf einiger Tausend Jahre nach Adam und Eva, endlich so weit sein könnte.

Heute scheint es, als stünde der Homo sapiens kurz vor dem Ziel, sich kraft der ihm jetzt offen stehenden technischen Möglichkeiten über sich selbst zu erheben. An die Stelle einer menschlichen, aber auch endlichen Zukunft tritt, diese Vergangenheit hinter sich lassend, eine „göttliche Zukunft“ (Harari) – und damit eine nie mehr endende Zukunft –, einmündend in ein von Menschen gesetztes „Recht auf Glück“.

Datenhaufen

Die „Datenreligion“ (Harari) – nur noch dem wissenschaftlichen Fortschritt und dem Gewinnstreben verpflichtet – tritt in ihr Recht. Die von der Biowissenschaft entwickelten Einsichten geben uns die Nachricht, dass der Mensch in seinem Organismus nur noch ein biochemischer Algorithmus ist, deterministisch, berechenbar, steuerbar, manipulierbar. Die Folge: Sapiens ist kein freies Wesen, kein Individuum, kein unteilbarer Dualismus aus Körper und unsterblicher Seele, sondern ist nur ein Haufen Daten und ein Aggregat aus definierten Handlungsabläufen, die Umweltwahrnehmungen verarbeiten. Der Mathematiker John von Neumann hält neben der Mitarbeit an der Atombombe kurz vor seinem Tod im Jahr 1957 seine Gedanken in „Die Rechenmaschine und das Gehirn“ schriftlich fest und schreibt, dass der Mensch nicht sehr viel anders als ein Computer funktioniere. Der Sapiens wird also reduziert auf eine programmierbare Informationsverarbeitungsmaschine, wie schon der Zeitgenosse Neumanns, der Mathematiker Norbert Wiener, alle Lebewesen bezeichnete. So hat sich inzwischen in vielen Forschungsdisziplinen die Ansicht durchgesetzt, dass es keinen Unterschied mehr gibt zwischen Tieren und dem Menschen: In allen Fällen liegen diesen Organismen nur entzifferbare Algorithmen zugrunde; sie unterscheiden sich nur in ihrer Komplexität (Harari).

Entmachtung

Ist die menschliche Entwicklung zum Homo Deus also zwingend, weil die Organismen seiner Programmierer und deren Manager auf genau jenen Fortschritt zur Göttlichkeit determiniert sind? Oder wird der Angriff auf die Freiheit des Sapiens „spätestens in Zukunft als ideologisch durchschaut“ werden (Gabriel)? Denn dass Sapiens seine Entwicklung bis hierher ins digitale Zeitalter überhaupt nehmen konnte, hat er nur seiner Freiheit zu verdanken. Zwar ist Sapiens Teil der Natur, den Naturgesetzen dennoch nicht unterworfen. Er kann sie infrage stellen, sie erforschen, überwinden und sogar übersteigen. Kulturschaffung ist nichts anderes als das. Sie steht in engem Zusammenhang mit der Freiheit des Menschen, die Dinge eben nicht so hinzunehmen, wie sie sind, eine Freiheit, die in der gesellschaftlichen Strömung des Humanismus gipfelt.

Paradox ist, dass Sapiens im 21. Jahrhundert alle technologischen Werkzeuge geschaffen hat, sich selbst zu entmachten und seiner Freiheit zu berauben. „Homo sapiens verliert die Kontrolle“ (Harari) und wird von einem göttlichen Menschen, Homo Deus, verdrängt, der ihn nicht anders behandeln wird als Sapiens seine tierischen Mitgeschöpfe seit der Agrarrevolution. Evolution und natürliche Auslese? So lange lässt Homo Deus nicht mehr auf sich warten, denn die Weiterentwicklung auf die nächsthöhere Stufe des Menschseins lässt sich durch Technologie gehörig abkürzen.

Daten, Information, Wissen – sie sind der Kern des Dataismus, jener neuen Religion, mit der sich Sapiens selbst abschaffen soll. Denn der einzelne Mensch erschließt durch die Massendatenanalyse, Big Data, sein Wesen, sein Innerstes den im Silicon Valley zentralisierten Datenverarbeitungssystemen. Diese sind ja – das ist Gemeinplatz – dem menschlichen Hirn mittlerweile unendlich in Analytik und Prognose überlegen. So werden aber auch ganze Gesellschaften – Bienenvölker, Bakterienkolonien, Dörfer und Städte mit ihren höchst unterschiedlichen Menschen – mithilfe von Maschinen klassifizierbar, berechenbar, steuer- und lenkbar auf ein von Menschenhand angestrebtes, angeblich höheres Ziel hin. Das ist, wie Harari uns sagt, nicht düstere Zukunftsvision, sondern „gängige wissenschaftliche Lehre über alle Disziplinen hinweg, die unsere Welt gerade bis zur Unkenntlichkeit verändert“.

Yuval Noah Harari

Yuval Noah Harari (Foto: CityTree | CC BY 2.0)

Massendaten

Diese ist dadurch geprägt, dass die global operierenden Datenverarbeitungssysteme „allwissend und allmächtig“ sind. Denn ermöglicht wird der Aufstieg des Homo Deus nur, weil ihm das 21. Jahrhundert eine nie da gewesene Massendatenbasis und Rechenkapazität verschafft. Massendaten werden durch die Massenüberwachung erhoben, früher mit dem Smartphone und dem Laptop, heute zunehmend durch das Internet of Everything. Niemand mehr soll sich Big Data entziehen dürfen, auch nicht die Kritiker und Häretiker des Dataismus. Wer es dennoch wagt, wird sterben müssen, mindestens wird sein Leben nicht mehr richtig funktionieren. Die allmächtigen Datenverarbeitungssysteme sind dann eben auch der Urgrund dafür, dass sie für den Menschen „zum Quell allen Sinns“ (Harari) werden: Ein verlorenes Smartphone bewirkt sogleich Sinnleere, jedenfalls bodenlose Langeweile.

Muster

Das aber heißt auch, dass menschliche Erfahrungen und Gefühle nicht mehr für sich zählen, weder als „Wert“ noch als Ausweis einer unverwechselbaren Persönlichkeit. Sie alle – Geist, Seele und Ichbewusstsein – werden nur noch als komplexe Datenmuster abgebildet: Das bislang geläufige und in der Gesellschaft verankerte humanistische und „homozentrische“ Weltbild – der Mensch als Krone der Schöpfung oder, wie es das Grundgesetz sagt, mit einem Anspruch auf eine unantastbare Würde ausgestattet – mutiert zu einem „datenzentrischen Weltbild“.

Allmacht

Die Herrschaft in diesem System üben – ohne demokratische Legitimation – die Unternehmen der Big Data aus. Maschinen mit künstlicher Intelligenz, immer mehr selbst lernend, stehen Pate. Ihr Wissen ist Macht, wohl auch schon Allmacht. Und fast alle Bürger fügen sich widerstandslos, weil sie scheinbar Nutzen davon haben, dass man sie optimiert. Das Interesse an den modernen Manipulationsmöglichkeiten und dem damit einhergehenden Verlust an Freiheit und Würde geht gegen null. Das Internet of Everything, aber auch Cyborgs – die Verbindung organischer Körper mit Maschinen – beherrschen unser Leben, aber auch uns selbst mehr und mehr. Die Verknüpfung riesiger Datenströme ist hierfür Ursache und nicht erkannte Realität. Es kann durchaus sein, dass eines baldigen Tages die Fähigkeiten solcher Cyborgs die menschlichen Möglichkeiten in ihrer begrenzten Effizienz um ein Vielfaches übertreffen.

Das „Ich als USB-Stick“ (Gabriel) ist dann die logische Folge. Das ist vor allem deswegen auch möglich geworden, weil die Biologie – angestiftet durch rein mathematisches Denken – uns einbläut, dass wir kein „Ich“ mehr haben, keine Seele und auch kein Bewusstsein unseres Selbst. Denn wenn – biochemisch gesprochen – nur noch Hirn, messbar, steuerbar, vor allem aber auch verknüpft mit Maschinen (Cyborgs, schon jetzt: wearables), uns den Weg in die Zukunft zeigt, dann ist dies nicht ein Weg zu uns selbst, sondern er führt in eine uns von Big Data gewiesene Zukunft – zu einem fremdbestimmten Glück. Der Philosoph Markus Gabriel gibt uns allerdings den Faden der Ariadne in die Hand, um aus diesem Labyrinth herauszufinden – „Ich ist nicht Gehirn“ heißt sein 2015 erschienenes Werk. Denn der „Dataismus“ (Harari) hat für viele Geisteswissenschaftler eine Menge Ungereimtheiten, angefangen bei der strittigen These, Sapiens sei deterministisch, über die Kompatibilitätstheorie, wonach sich Determinismus und Freiheit des Menschen gar nicht widersprechen, bis hin zur Unmenschlichkeit der Selbstvergöttlichung, der „Verrohung nach oben“ (Gabriel), die nichts weiter ist als die Allmachtsfantasie „einer alles verschlingenden digitalen Revolution, die in den Händen der Götter des Silicon Valley liegt“ (Gabriel).

Doch der Drang zum Glück, zu Unsterblichkeit und Gottähnlichkeit, den Wissenschaft und „Datenreligion“ (Harari) zum Dogma erhoben haben, lehrt uns auch einen neuen Humanismus. Sie nennt ihn „Transhumanismus“ (Sorgner). Ihm geht es um die genetische Optimierung des Menschen, um das pharmakologisch geprägte – ständige – Enhancement seiner körperlichen (Seele gibt es nicht mehr) Gesundheit (Pillenkonsum/Drogen) und um die allgemeine Verbesserung der Funktionstüchtigkeit des Menschen durch Cyborgs, soweit Roboter dies gestatten und ihm die Arbeitsplätze nicht rauben. Der Mensch, welcher der Religion abgeschworen hat, seitdem Nietzsche „Gott ist tot“ als Motto für Glück- und Machtstreben ausgegeben hat, findet offenbar an alledem äußersten Gefallen.

Bewusstsein

Dieser Gefahr können und müssen wir – das ist die einzige Chance – das abendländisch-christliche Welt- und Menschenbild (Grundgesetz und EU-Charta) entgegensetzen. Wir dürfen nicht nachlassen, den unantastbaren Wert der Würde der menschlichen Person und ihren Anspruch auf Freiheit ins Bewusstsein der Gesellschaft zu heben. Es ist eine personale Würde, die darin besteht, dass der Einzelne nie zum „Objekt“ einer ihm fremden Macht (Dürig) – abseits seiner Selbstbestimmung – werden darf. Und sie schließt unsere Freiheit ein, dem Glauben an die „Datenreligion“ (Harari) ein entschlossenes „Nein“ entgegenzusetzen, auch wissend, dass wissenschaftliche Vernunft und christlicher Glaube keinen Gegensatzbilden (Ratzinger).

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Der digitale Imperialismus und die Schwäche des Rechts https://www.divsi.de/der-digitale-imperialismus-und-die-schwaeche-des-rechts/ https://www.divsi.de/der-digitale-imperialismus-und-die-schwaeche-des-rechts/#respond Thu, 29 Dec 2016 08:29:58 +0000 http://46.30.3.106/?p=15814 Der „Geist der Maschine“ ist der Flasche entwichen – es gibt kein Fangnetz mehr. Von Friedrich Graf von Westphalen Das Wort vom „digitalen Imperialismus“ reimt sich auf die nicht zu bändigende Wirtschaftskraft der Internet-Giganten des Silicon Valley, die „Big Data“ repräsentieren, Google, Facebook, Apple, Microsoft und Amazon: sie verkörpern aber auch gleichzeitig „Big Money“. Eine […]

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Der digitale Imperialismus und die Schwäche des Rechts

Foto: ImageFlow | Shutterstock

Der „Geist der Maschine“ ist der Flasche entwichen – es gibt kein Fangnetz mehr.

Von Friedrich Graf von Westphalen

Das Wort vom „digitalen Imperialismus“ reimt sich auf die nicht zu bändigende Wirtschaftskraft der Internet-Giganten des Silicon Valley, die „Big Data“ repräsentieren, Google, Facebook, Apple, Microsoft und Amazon: sie verkörpern aber auch gleichzeitig „Big Money“. Eine fast unheilig zu nennende Allianz, wenn man sich der Frage zu nähern versucht, ob denn das Recht – gleichgültig, ob im Maßstab des nationalen oder des europäischen Rechts bewertet – überhaupt noch in der Lage ist, den grundrechtlichen Schutz der Freiheit und damit auch der Privatsphäre des Einzelnen, sein Recht, allein gelassen zu werden, gewährleisten kann. Denn es gilt der eherne Grundsatz, den Yvonne Hofstetter schon vor einigen Jahren in die Debatte geworfen hat: „Google sieht alles, Apple hört alles, und der NSA weiß alles!“

Ständig bewegen wir uns im Internet, nutzen die Suchmaschinen, schreiben E-Mails oder senden mit unserem Smartphone eine SMS, kommunizieren auf Facebook mit unseren „Freunden“, schreiben ein „like it“ zu der gerade erhaltenen „Nachricht“ und hoffen in der „community“ auf möglichst viele (virtuelle) Freunde, die „followers“. Dabei lassen wir freilich das „Privateste“ ständig als „Gegenleistung“ zurück: unsere persönlichen Daten, angefangen von der Adresse bis zu unseren Bewegungsprofilen. Es sind Fußspuren, die unsere Vorlieben, unsere Neigungen, unsere Interessen widerspiegeln. Großrechner erfassen sie, nachdem sie als Ware verkauft wurden, in Bruchteilen einer Sekunde, formen daraus einen personalisierten Algorithmus, der dann zu unserem (nahezu unverwechselbaren) „Profil“ entsprechend den Regeln der Mathematik ausgestaltet wird.

Hoher Preis

Die vermeintliche Maximierung unseres Strebens nach immer mehr Nutzen, nach Wohlgefühl durch die Digitalisierung – vom Internet der Dinge bis zum „Internet of everything“ – hat jedoch ihren sehr hohen Preis. Bei all unseren Aktivitäten lassen wir, ob Benutzung von Smartphones, Tablets oder PCs, im Netz das „Privateste“ zurück, das wir haben: unsere persönlichen Daten. All unsere Vorlieben, unsere Interessen, Neigungen und Charakterschwächen, auch alle Gebiete unserer Neugierde werden ständig in Maschinen gespeichert und durch personalisierte Algorithmen in einem „Profil“ (mit stupend hoher Treffsicherheit) für den jeweiligen Nutzer festgelegt, bis hin zu den in unserem Auto oder Smartphone (ohne unser Wissen) ständig gespeicherten Daten (Bewegungsprofile), welche dann auch auf unsere Identität Rückschlüsse gestatten. Viele meinen immer noch, dass die Großrechner im Silicon Valley sich nur für unser vergangenes Verhalten, vom Beruf angefangen über die Freizeit bis hin zu unseren musischen Neigungen, interessieren. Irrtum. Es geht darum, aufgrund der durch die Maschine ermittelten „Profile“ – männlich, weiblich, Alter, verheiratet, Single, Wohnort, Beruf, Freizeit- und Kaufverhalten, Leseneigungen und Sport etc. – unser künftiges Verhalten möglichst genau zu berechnen und damit auf Grundlage der riesigen, von den Großrechnern verarbeiteten Datenmengen vorherzusagen, was und welche Produkte wir vermutlich – Werbung ist hier das entscheidende Codewort – kaufen oder doch nutzen wollen. Es sind die Maschinen, die uns sagen wollen und auch sagen sollen, wie wir uns künftig – entsprechend dem Muster der Gruppe (gleich und gleich gesellt sich gern) – verhalten sollen, weil es unseren aus der Vergangenheit abgeleiteten, personalisierten Verhaltensmustern entspricht.

Abhängigkeit

Jaron Lanier, einer der wohl einflussreichsten Kritiker der Digitalisierung, bringt diese Entwicklung auf den Punkt: „Du bist nicht der Kunde der Internet-Konzerne, du bist ihr Produkt.“ Das ist eine kaum verdeckte Beschreibung, dass der Mensch, das Humanum, seine seit Kant gerühmte und bislang bewahrte Autonomie als Ausprägung der persönlichen Freiheit, offenbar zu opfern bereit ist. Oder streben wir eine Ordnung von Gesellschaft, Wirtschaft und Staat an, um den entscheidenden „Unterschied zwischen Mensch und Ding in einer digitalisierten Welt beizubehalten“ (Hofstetter) – die Signatur des Abendlandes eben, des europäischen Menschenbildes, des „alten Adam“ (Radbruch).

„Der Mensch ist keine Maschine. Der Mensch ist Mensch“, wie Yvonne Hofstetter uns ermahnt. Darum, nur darum geht es. Denn die krakenhafte Sucht nach unseren persönlichen Daten ist der Treiber des Internet-Kapitalismus. Unsere Abhängigkeit von den im Hintergrund arbeitenden Maschinen soll gesteigert werden; es ist das Bild vom „sticky customer“, das hier herrscht. Die Maschinen aber lernen immer mehr, sie lernen immer schneller; ihre Ergebnisse werden immer besser. Die künstliche Intelligenz der Maschine steht inzwischen für das Gesagte.

Menetekel

Die maschinelle Auswertung des demokratischen Wahlverhaltens des Bürgers ist derweil in vollem Gang. Immer geht es darum, das Verhalten (für den Politiker und die Maschine) herauszufinden, das den einzelnen Bürger in seinen Erwartungen, Hoffnungen, aber auch Ängsten gegenüber der Politik „belohnt“, das also auf seinen Nutzen passgenau zugeschnitten ist. Wer die offenen und heimlichen Intentionen der Bürger kennt – gleichgültig ob Unternehmen, Geheimdienst oder eine politische Partei –, kann ihn zielgenau ansprechen, kann ihn motivieren, aber auch manipulieren. Denn – so steht es als Menetekel an der Wand – nur Google selbst weiß – Stichwort: Betriebsgeheimnis –, wie der Algorithmus der Suchmaschine funktioniert und welche Informationen er suchen und finden soll.

Er ist es, der bewertet, und zwar auch das, was richtig, was wahr und was falsch ist, was weiter im Netz stehen soll und was nicht. Wenn aber verschiedene Nutzer auf der gleichen Spur (Schwarmverhalten) sind, die gleiche Nachricht lesen und auch gleich bewerten, dann heißt das noch lange nicht, dass die von Google als „relevant“ erkannte und weiterverbreitete Nachricht auch wahr ist. Entscheidet sich gar eine Mehrheit in diesem Sinne, dann ist die Minderheit chancenlos. Denn die Suchmaschine antwortet hier nicht. Die Ergebnisliste von Google ist bereits der Ausweis, dass es sich um eine wahre Tatsache handelt; sie ist auch Ersatz für die Primärquelle. Das Gerücht wird zur Tatsache. „Je mehr wir unsere Umwelt in einem Computer umbauen, je öfter wir maschinelle Entscheidungen befolgen, desto stärker wird der Programmcode zur beherrschenden Kraft unseres Alltags werden“ (Hofstetter).

Kann das Recht hier noch Nachhaltiges bewirken, um das Humanum für unsere freiheitliche Demokratie zu retten?

Verteidigung

Prof. Hoffmann-Riem hat soeben in seiner groß angelegten Monografie über „Innovation und Recht“ eine sehr klare, eine ernüchternde Antwort gegeben: „Das Recht allein hat nicht die Kraft, das Notwendige zu erreichen.“ Der „Geist der Maschine“ ist also der Flasche entwichen; das Recht hat kein Fangnetz mehr. Das ist im Kern darauf zurückzuführen, dass die technische Entwicklung der Digitalisierung unglaublich rasant ist; das Recht kann als parlamentarisch gesetztes Recht diesem Tempo nicht folgen. Das ist freilich wesentlich dramatischer als die alte Geschichte vom Hasen und dem Igel. Und im Hintergrund steht auch der unabweisbare Befund: Der Gesetzgeber kann nur das regulieren, was er auch technisch verstanden hat.

Im Blick auf den Schutz der Freiheit des Bürgers wird man auch bedenken müssen, dass zum ersten Mal in der Geschichte sich die Verteidigung der liberalen Freiheitsrechte nicht nur gegen den Staat selbst richtet, sondern vor allem gegen die unglaubliche wirtschaftliche Macht der Internet-Giganten in den USA. Die erforderliche Verteidigung zur Sicherung der Freiheit muss also gegen ausländische Wirtschaftsunternehmen gerichtet werden. Für diese gilt aber amerikanisches Recht. Dieses lebt – gerade im Blick auf den Internet-Kapitalismus – jedoch von den liberalen Regeln der Deregulierung, also den Gesetzen des freien Marktes. Dieser profitiert wiederum von einer nicht unbedenklichen Kooperation mit den Nachrichtendiensten: Überwachung trifft Manipulation.

Das europäische Kartellrecht, das von der EU-Kommission gegen Google und Microsoft gelegentlich in Stellung gebracht wird, erweist sich kaum als effektiv, die Freiheit des Bürgers hinreichend zu schützen. Die in 2018 in Kraft tretende Datenschutz-Grundverordnung hält – jedenfalls gegenüber den Internet-Giganten des Silicon Valley – praktisch keine Fesseln bereit, was ein weites und sehr trauriges Thema ist. Soweit das europäische Recht zwingendes Verbraucherschutzrecht zur Verfügung stellt, wird es schlicht in großem Maßstab ignoriert. Die verfügbaren Waffen des Rechts sind stumpf.

Bürgerliche Freiheit

Es muss daher auf europäischer und nationaler Ebene ein Dialog in Gang gesetzt werden, ob wir bereit sind, dem Internet-Kapitalismus unsere bürgerliche Freiheit und dann auch unsere Demokratie zu opfern (Hofstetter), indem wir aus wirtschaftlichen Gründen den Zwängen und Verlockungen der Digitalisierung blind folgen und uns damit der weit überlegenen amerikanischen Wirtschaftsmacht von Big Data und Big Money aussetzen, oder ob und wie wir gegensteuern – außerhalb des Arsenals verbaler Empörungsrufe.

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Brauchen wir für Big Data neue Regeln? https://www.divsi.de/brauchen-wir-fuer-big-data-neue-regeln/ https://www.divsi.de/brauchen-wir-fuer-big-data-neue-regeln/#respond Tue, 17 May 2016 09:53:21 +0000 http://46.30.3.106/?p=14595 Untersuchung zu Smart Mobility und Smart Health zeigt: Es existieren eine Reihe von Konfliktfeldern, die eine gesellschaftliche Debatte erforderlich machen. Wie groß sind Chancen und Risiken beim Einsatz von Big Data auf den Gebieten Smart Mobility und Smart Health? Welche Konfliktlinien resultieren daraus, und wo liegen die besonderen gesellschaftlichen Herausforderungen?

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Brauchen wir für Big Data neue Regeln?

Bild: solarseven – Shutterstock

Untersuchung zu Smart Mobility und Smart Health zeigt: Es existieren eine Reihe von Konfliktfeldern, die eine gesellschaftliche Debatte erforderlich machen.

Von Philipp Otto

Wie groß sind Chancen und Risiken beim Einsatz von Big Data auf den Gebieten Smart Mobility und Smart Health? Welche Konfliktlinien resultieren daraus, und wo liegen die besonderen gesellschaftlichen Herausforderungen? Um diese Problematik ging es bei der jetzt vorgestellten Untersuchung „Big Data“, die iRightsLab gemeinsam mit DIVSI erstellt hat.

Die gewonnenen Erkenntnisse haben bisher gezeigt, dass in Bezug auf Tracking und Big Data eine Reihe von Konfliktlinien existieren, die den Bedarf nach einer gesellschaftlichen Debatte aufwerfen. Eine solche könnte ergeben, dass für Big Data neue oder angepasste Regeln benötigt werden, für die sich alternative Regulierungsansätze wie ein „Digitaler Kodex“ eignen könnten. Das dem Bericht zugrunde liegende Projekt ist Teil des Gesamtvorhabens „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“, das 2013 ins Leben gerufen wurde.

Ziel der im Herbst 2014 gestarteten zweiten Projektphase ist es, zu untersuchen, ob das Modell eines „Digitalen Kodex“ auch in der konkreten Anwendung trägt und sich realisieren lässt. Der Projektteil „Big Data“ ist dabei noch nicht abgeschlossen. In einem ersten Schritt wurden jetzt zunächst konkrete Konfliktfelder beschrieben, die durch Big Data entstehen. Da das Phänomen äußerst facettenreich ist, wurde die Thematik auf zwei Anwendungsgebiete eingegrenzt: Smart Mobility und Smart Health. An ihnen wurden exemplarisch die Chancen und Herausforderungen von Big Data herausgearbeitet, um Regelungsbedürfnisse zu identifizieren, denen dann mit einem zu schaffenden „Digitalen Kodex“ begegnet werden könnte.

Alleswisser am Handgelenk

Alleswisser: Am Handgelenk können alle Daten empfangen und beobachtet werden. (Bild: Alexey Boldin – Shutterstock)

Ein Projektschwerpunkt war Tracking als eine der Methoden, bei der die in Big-Data-Anwendungen eingesetzten großen Datenmengen anfallen. Bei solchen Anwendungen werden computergestützt die Daten analysiert und weiterverwendet. Diese sind insbesondere durch die immer weiter zunehmende Digitalisierung vieler Lebensbereiche entstanden, wobei Tracking-Technologien eine der Hauptquellen für die Erzeugung dieser Daten sind.

Tracking kommt in immer mehr Anwendungen zum Einsatz, so zum Beispiel in Smartphones, Fitnessarmbändern oder in Blackboxes, die in Autos eingebaut werden. Die Geräte zeichnen fortlaufend bestimmte Werte auf und übermitteln die so gewonnenen Daten an Server der Anbieter, wo sie gespeichert werden und für Big-Data-Auswertungen zur Verfügung stehen.

Prämienanpassung

Im Bereich Smart Mobility sind telematikbasierte KFZ-Versicherungen ein aktuelles Anwendungsfeld. Tarife werden dabei unter anderem auf Basis des tatsächlichen Fahrverhaltens des Versicherungsnehmers angepasst. Zu diesem Zweck wird zumeist eine Blackbox in das Auto des Kunden eingebaut, die das Fahrverhalten verfolgt und aufzeichnet. Auf Basis einer Datenanalyse werden schließlich die Prämien errechnet und entsprechend angepasst.

Diese Art von Versicherungsmodell verspricht eine Reihe von Chancen. So werden die Autoversicherer in die Lage versetzt, profitablere Versicherungsmodelle anbieten zu können. Zugleich können die Autofahrer profitieren, insbesondere jene, die bislang aufgrund ihrer Zuordnung zu einer bestimmten Gruppe – wie beispielsweise Fahranfänger – ungeachtet ihres individuellen Fahrstils hohe Prämien zahlen mussten. Darüber hinaus könnte sich die Sicherheit auf den Straßen erhöhen und die Umweltbelastung sinken, worin ein gesamtgesellschaftlicher Nutzen zu sehen wäre.

Versicherung

Telematikbasierte Autoversicherung: Eine Blackbox im Auto erfasst Daten zum Fahrverhalten und übermittelt sie an die Versicherung. Die Auswertung dieser Daten bildet die Grundlage für die Höhe der Versicherungsprämie. Getrackt werden unter anderem starkes Bremsen oder Beschleunigen, Tageszeiten der Fahrten und zurückgelegte Entfernung. (Bild: Dieter Duneka)

Zugleich birgt ein solches Modell Risiken. So ermöglicht das Tracking, umfassende Bewegungsprofile von Autofahrern zu erstellen. Darüber hinaus ist an Personengruppen zu denken, die beispielsweise im Schichtdienst arbeiten und deshalb ihr Fahrzeug zu Zeiten nutzen müssen, die als risikobehaftet identifiziert werden, und deshalb höhere Tarife zahlen müssen. Ein weiteres Beispiel für eine Anwendung im Bereich Smart Mobility ist die datengetriebene Verkehrslenkung in Ballungsräumen, die auf Grundlage von Bewegungs- und Geolokationsdaten die Verkehrsströme zu optimieren versucht. Dies kann den Verkehrsteilnehmern helfen, Zeit einzusparen. Durch die daraus folgende Ressourcenoptimierung werden zudem weniger Emissionen freigesetzt.

Verkehr

Intelligente Verkehrslenkung: Sensoren und Tracker sammeln große Datenmengen – zu Verkehrsbewegungen, Unfällen oder dem Wetter – und übermitteln sie an Server, wo sie in Echtzeit ausgewertet werden. Aufgrund der Analyseergebnisse greifen Steuerungsmechanismen regulierend in den Verkehr ein und können Staus verhindern. (Bild: Dieter Duneka)

Planungschance

Den kommunalen Planungsbehörden bieten sich darüber hinaus Möglichkeiten, Infrastrukturprojekte gezielter durchzuführen, während die Verkehrsbetriebe die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel präziser einsetzen können. Demgegenüber kann das Tracking der Bewegungen der Bürger im städtischen Raum trotz anonymisierter Daten zum Gefühl beitragen, unter Überwachung zu stehen, was sich verhaltensändernd auswirken kann.

Auch im Gesundheitssektor wird im Bereich Smart Health immer mehr auf Big-Data-Anwendungen zurückgegriffen. Die dafür notwendigen Datenmengen werden unter anderem durch Wearables erzeugt, also beispielsweise durch Fitness-Armbänder oder Smart Watches, die Vitalwerte ihres Trägers aufzeichnen. Gerade im Gesundheitssektor sind mit Big Data große Hoffnungen verbunden, die Prävention, Diagnose und Therapie von Krankheiten zu verbessern. So können Ärzte den Gesundheitszustand ihrer Patienten präziser überwachen; Krankenhäuser können aus großen Datensätzen von Patienten Erkenntnisse gewinnen, anhand derer sie die verfügbaren Ressourcen besser verteilen können; auch zur Vorhersage von Epidemien kann Big Data nützlich sein.

In besonderem Maße verspricht sich die medizinische Forschung Chancen durch Big Data, da es mittels Wearables künftig leichter sein dürfte, Probanden für Studien zu gewinnen. Dadurch entsteht leichter eine ausreichend große Datenbasis für medizinische Erkenntnisse. Auch das Krankenversicherungssystem kann durch die Informationen, die durch Wearables gewonnen werden, neue Tarifmodelle schaffen, die Kosten einsparen helfen und Ressourcen besser nutzbar machen. Nicht zuletzt profitieren die Nutzer solcher Geräte selbst von den genannten Möglichkeiten.

Wearables

Wearables protokollieren Gesundheits- und Aktivitätsdaten des Trägers, wie z.B. Anzahl der Schritte, Schlafdauer und Herzfrequenz.Die Daten kann der Anwender einerseits selbst nutzen. Andererseits können sie auch für den behandelnden Arzt, die Versicherung oder für die Forschung freigegeben werden. (Bild: Dieter Duneka)

Anpassungsdruck

Auch der Einsatz von Big Data im Gesundheitsbereich birgt Risiken. So vergrößert sich für den Nutzer die Gefahr der Fremdbestimmtheit, wenn durch die konstante Überprüfbarkeit und Vergleichbarkeit von Gesundheitsdaten gesellschaftlich neu definiert wird, welche körperlichen Zustände als gesund, also „richtig“, und welche als krank, also „falsch“, gelten. Diese Neudefinition kann zu einem erhöhten Anpassungsdruck führen.

Eine Gefahr besteht zudem darin, dass die Möglichkeit, sich gegen die Nutzung von Wearables zu entscheiden, an gesellschaftlicher Akzeptanz verliert. Da es sich bei Gesundheitsdaten um besonders persönliche und sensible Daten handelt, stellt sich außerdem die Frage, wie Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet werden können, um Missbrauch im Umgang mit den Daten zu verhindern. Für die medizinische Forschung schließlich besteht zumindest potenziell das Problem, dass medizinische Studien, die mittels Wearables durchgeführt werden, für das Phänomen der Stichprobenverzerrung besonders anfällig sein könnten, wenn sich zum Beispiel die Studienteilnehmer ausschließlich aus solchen Bevölkerungsteilen rekrutieren, die sich ein solches Gerät leisten können.

Die Untersuchung hat auch gezeigt, dass zahlreiche Themen in diesem Zusammenhang noch vertieft werden müssen. Insbesondere gilt hier:

  • Big Data stellt Grundprinzipien des Datenschutzrechts wie Datensparsamkeit und Zweckbindung infrage. Es muss daher geklärt werden, inwieweit ein „Digitaler Kodex“ einen Beitrag dazu leisten kann, auf Big Data abgestimmte Lösungen für die dadurch entstehende Problematik zu finden.
  • Wie ist zu gewährleisten, dass die Nutzung von Tracking-Geräten freiwillig bleibt und eine Nichtteilnahme nicht mit Nachteilen verbunden ist, wenn Tracking-Technologien und darauf basierende Big-Data-Anwendungen immer weitere Verbreitung finden? Hat dieses Prinzip der Freiwilligkeit überhaupt weiterhin Bestand?
  • Wie kann Neutralität und Transparenz jener Algorithmen gewährleistet werden, die Big-Data-Anwendungen zugrunde liegen? Diese Aspekte lassen sich unter dem Begriff der Algorithmenethik zusammenfassen. Wie und von wem können Algorithmen daraufhin überprüft werden, ob sie beispielsweise bestimmte Bevölkerungsgruppen unangemessen benachteiligen? Welche Mechanismen müssten geschaffen werden, um die Verwendung solch diskriminierender Algorithmen zu unterbinden?

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DIVSI Magazin – Ausgabe 1/2016 https://www.divsi.de/publikationen/magazine/divsi-magazin-ausgabe-12016/ Thu, 28 Apr 2016 09:07:49 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=magazine&p=14656 Zum Inhalt: Sicherheit und Freiheit in der digitalen Welt. Und weitere Themen…

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Und weitere Themen…

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DIVSI Direktor Matthias Kammer im Interview zum digitalen Wandel https://www.divsi.de/divsi-direktor-matthias-kammer-im-interview-zum-digitalen-wandel/ https://www.divsi.de/divsi-direktor-matthias-kammer-im-interview-zum-digitalen-wandel/#respond Fri, 01 Apr 2016 16:01:43 +0000 http://46.30.3.106/?p=14577 Kürzlich war DIVSI-Direktor Matthias Kammer zu Gast im alpha-Forum. In der Sendung sprach er mit Isabella Schmid über die neuen Chancen und Risiken des digitalen Wandels. Privatsphäre Gerade nach den Snowden-Leaks sei, so Kammers Eindruck, die Wertschätzung von Privatsphäre enorm gestiegen. Jedoch trete hier ein gewisses Paradoxon auf, wenn 80 Prozent der Menschen angeben, dass […]

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Kürzlich war DIVSI-Direktor Matthias Kammer zu Gast im alpha-Forum. In der Sendung sprach er mit Isabella Schmid über die neuen Chancen und Risiken des digitalen Wandels.

Privatsphäre

Gerade nach den Snowden-Leaks sei, so Kammers Eindruck, die Wertschätzung von Privatsphäre enorm gestiegen. Jedoch trete hier ein gewisses Paradoxon auf, wenn 80 Prozent der Menschen angeben, dass sie die Weiterverwendung ihrer Nutzerdaten durch Unternehmen ablehnen und gleichzeitig 75 Prozent kostenlose Dienste in dem Wissen nutzen, dafür mit ihren eigenen Daten zu zahlen. Die Herausgabe der eigenen Daten werde in Kauf genommen, weil der Gewinn an Bequemlichkeit sowie die höhere Alltags- und Lebensqualität überwiegen würden.

Unverständlichkeit und Intransparenz von Allgemeinen Geschäftsbedingungen

Das Problem der Privatsphäre sei eng verknüpft mit der Unverständlichkeit und Intransparenz von AGB. Die Mehrheit der Internet-Nutzer klicken die AGBs oftmals nur schnell durch und lediglich 20 Prozent würden überhaupt die AGBs von Diensten lesen. Hier bestehe daher noch ein großer Handlungsbedarf, um einen gemeinsamen Konsens darüber auszuformulieren, welcher Umgang mit Daten seitens der Unternehmen gesellschaftlich akzeptiert werde und wann der Staat eingreifen müsse. Kritisch werde es, wenn sensible Finanz- oder Gesundheitsdaten für Big Data-Geschäftsmodelle genutzt werden, die letztendlich zu einer Diskriminierung von Menschen führen könne und existenzielle Konsequenzen nach sich zöge. Mit dem Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ versuche DIVSI an dieser Stelle, exemplarisch in den Bereichen Health und Mobility Weichen für eine Diskussion zu stellen. Eine Lösung könnte z.B. die Umsetzung einer Ampel sein, die auf den ersten Blick über das Risiko eines jeweiligen Dienstes informiere.

Generell sei der Wert von Daten immens gestiegen, wie die gegenwärtigen Ausprägungen von Cybercrime zeigen. Cybercrime ist insgesamt zu einem ernsten Problem geworden, für das die Nutzer noch nicht ausreichend sensibilisiert seien. Positiv sei aber herauszustellen, dass die Wirtschaft bereits darauf reagiere und Unternehmen IT-Security zunehmend als Priorität behandeln würden.

Zwischen Chancen und Risiken

Insgesamt plädiert Matthias Kammer für eine ausgewogene Diskussion, in der man zuerst über die Chancen der Digitalisierung sprechen sollte und dann über damit verbundene Risiken – und eben nicht umgekehrt. Schließlich seien die digitalen Medien erst einige Jahre alt und hätten doch in einer beispielslosen Geschwindigkeit bereits umfassende gesellschaftliche Umwälzungen angestoßen. Es sei deshalb vollkommen verständlich, dass die Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft intensive Diskurse führen müssten, wie die Herausforderung des digitalen Wandels so bewältigt werden können, dass die Interessen der Wirtschaftsakteure gleichermaßen berücksichtigt werden wie die digitale Selbstbestimmtheit des Einzelnen. Innerhalb einer solchen Diskussion müsse dann auch ausgehandelt werden, in welchem Umfang der Umgang mit Daten gesetzlich zu reglementieren sei oder als gesellschaftlich verbindliche Spielregeln in Form eines digitalen Wertekodex festgehalten werden solle.

Auch zitiert Matthias Kammer in diesem Interview die DIVSI U9-Studie. Dabei geht er darauf ein, wie Kinder und Jugendliche sich in die digitale Zeit hinein entwickeln und wie Familien ihren digitalen Alltag organisieren können.

Transkript der Sendung: http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/matthias-kammer-gespraech-100.html

ARD-alpha ist ein deutscher Fernseh-Bildungskanal unter Federführung des Bayerischen Rundfunks. Im Programmformat alpha-Forum werden Prominente Persönlichkeiten interviewt.

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Daten als Handelsware https://www.divsi.de/publikationen/studien/daten-als-handelsware/ Thu, 17 Mar 2016 08:59:10 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=studien&p=14520 Der „Digitale Wandel“, der mit vehementer Geschwindigkeit über unsere Gesellschaft gekommen ist, erstreckt sich mittlerweile auf sämtliche Lebensbereiche. Diese Entwicklung bringt zwangsläufig einen massiven Anstieg der Menge an digitalen Daten mit sich, von denen große Teile personenbezogen sind. Nutzer geben ihre Daten hin, um digitale Angebote verwenden zu können. Parallel dazu haben sich prosperierende Märkte entwickelt, bei denen diese Daten der neue Rohstoff sind. Mit den Daten werden gute Geschäfte gemacht.

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Vorwort

von Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Roman Herzog

Der „Digitale Wandel“, der mit vehementer Geschwindigkeit über unsere Gesellschaft gekommen ist, erstreckt sich mittlerweile auf sämtliche Lebensbereiche. Diese Entwicklung bringt zwangsläufig einen massiven Anstieg der Menge an digitalen Daten mit sich, von denen große Teile personenbezogen sind. Nutzer geben ihre Daten hin, um digitale Angebote verwenden zu können. Parallel dazu haben sich prosperierende Märkte entwickelt, bei denen diese Daten der neue Rohstoff sind. Mit den Daten werden gute Geschäfte gemacht.

Es ist ein anerkannter Fakt, dass die aktuelle Datenwirtschaft unser derzeitiges Daten(schutz)recht vor immense Herausforderungen stellt. Fakt ist ebenfalls, dass vor allem ideelle Interessen der einzelnen Nutzer im Fokus der geltenden rechtlichen Regelungen stehen.

Gleichzeitig sind viele Punkte offen. So stellt sich im Zusammenhang mit Big-Data-Analysen immer drängender die Frage, wem Daten „gehören“ und wer welche Rechte an Daten geltend machen kann.

Deshalb braucht es zur Förderung der Wirtschaft und zur Fortentwicklung von Nutzerrechten in der digitalen Zeit im Sinne einer erstrebenswerten Rechtsklarheit eindeutige Regelungen über Nutzungs- und Verwertungsrechte an (personenbezogenen) Daten. Derzeit scheint der Datenhandel ein Bereich zu sein, der durch ein erhebliches Machtungleichgewicht zwischen den Beteiligten sowie Intransparenz gekennzeichnet ist.

Die vorliegende Arbeit kommt nach ihrer ebenso sorgfältigen wie umfangreichen wissenschaftlichen Recherche zu dem Schluss, dass das derzeitige Datenschutzrecht den aktuellen Entwicklungen der Datenwirtschaft nicht mehr gerecht werde. Sie hält die datenschutzrechtliche Einwilligung für ein ungeeignetes Instrument zur Realisierung des Datenhandels. Nutzer sollten über eine Kommerzialisierung der auf sie bezogenen Daten entscheiden können. Gleichzeitig sollten sie an der wirtschaftlichen Verwertung „ihrer“ Daten partizipieren können.

Die Schrift bietet einen umfassenden Überblick über rechtliche und tatsächliche Konzepte zur Stärkung der Nutzer-Selbstbestimmung im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Verwertung von Daten im Zeitalter der Digitalisierung. Vor- und Nachteile eines Dateneigentums sowie eine mögliche Einordnung von Daten als Immaterialgut werden präzise aufgezeigt.

DIVSI-Schirmherr: Roman Herzog

Bundespräsident a.D.
Prof. Dr. Roman Herzog

Schirmherr des DIVSI

Damit leistet die Arbeit einen wesentlichen Beitrag, der jeder Untersuchung zu strittigen Themen innewohnen sollte: Sie liefert neue Fakten und Anregungen für einen breiten öffentlichen Disput zum fraglichen Themenkomplex. Sie ergänzt eine mittlerweile lange Reihe von Publikationen des DIVSI, die den gesamten Diskurs unserer Gesellschaft über den stattfindenden digitalen Wandel profund befruchten.

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Big Data in der medizinischen Praxis – die Zukunft hat begonnen https://www.divsi.de/big-data-in-der-medizinischen-praxis-die-zukunft-hat-begonnen/ https://www.divsi.de/big-data-in-der-medizinischen-praxis-die-zukunft-hat-begonnen/#respond Fri, 29 Jan 2016 10:41:03 +0000 http://46.30.3.106/?p=14331 Diese Entwicklung unterliegt einer Eigendynamik, die sich per se nicht unterdrücken lässt. Dr. Franz Bartmann Im Zusammenhang mit Big Data wird in ganz unterschiedlichen Bereichen von enormen Potenzialen gesprochen. Dabei haben die sich bietenden Möglichkeiten natürlich auch Einfluss auf die Medizin. Wobei die Diskussion über Big Data im Gesundheitsbereich bisher noch ohne eine erkennbare strukturierte […]

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Big Data in der medizinischen Praxis – die Zukunft hat begonnen

Bild: tai11 – Shutterstock

Diese Entwicklung unterliegt einer Eigendynamik, die sich per se nicht unterdrücken lässt.

Dr. Franz Bartmann

Im Zusammenhang mit Big Data wird in ganz unterschiedlichen Bereichen von enormen Potenzialen gesprochen. Dabei haben die sich bietenden Möglichkeiten natürlich auch Einfluss auf die Medizin. Wobei die Diskussion über Big Data im Gesundheitsbereich bisher noch ohne eine erkennbare strukturierte Zielrichtung abläuft. Hier sehen wir uns mit einem riesigen Problem konfrontiert: Die Digitalisierung in der Medizin erschlägt uns in ihrer Komplexität vor allem, wenn wir diese vorwiegend noch mit analogen Methoden zu beherrschen versuchen.

Big Data wird unser gesellschaftliches Leben komplett umkrempeln. Über mögliche Folgen, gerade auch im Gesundheitsbereich, sollte man jedoch nachdenken, bevor es eventuell zu spät ist.

Bedauerlicherweise ist Big Data mittlerweile zu einem Buzzword geworden, bei dessen Nutzung, ähnlich wie beim Begriff „Telemedizin“, häufig der intendierte Kontext gar nicht klar ist.

Neue Methoden

Medizinisch gesehen verstehen wir unter Big Data die Analyse großer Datenmengen mit neuen statistischen Methoden und maschinellem Lernen. Das Resultat ist ein neuer Wissenszugang. Big Data liefert nicht nur Antworten auf bewusst gestellte Fragen, sondern auch auf solche, die wir bislang nie gestellt haben und vermutlich auch nie stellen würden.

Die Chancen bestehen darin, dass wir neue Muster in der Entstehung von Krankheiten und in der Behandlung erkennen, von denen wir heute noch nicht ahnen, dass sie tatsächlich bestehen.

Die Verwendung dieser neuen Möglichkeiten scheint auf verschiedenen Einsatzgebieten durchaus lohnend. So birgt die Analyse großer Datensätze (beispielsweise die Daten der nationalen Kohorte) die Chance, mehr Informationen über die Krankheitsentstehung zu gewinnen, z.B. über die Risikofaktoren von Volkskrankheiten. Auch die Ansätze der personalisierten Medizin – beispielsweise im Bereich der Krebstherapie – können durch den Einsatz von Big Data Hoffnung machen. Hier hat sich in den letzten Jahren viel getan.

Im Bereich Public Health sind ebenfalls sehr interessante Entwicklungen zu beobachten. Dies gilt etwa für die Infektionsepidemiologie, in der durch Big-Data-Analysen Vorhersagen von Grippewellen, Pandemien oder anderen Ausbruchsgeschehen getroffen werden können. Allerdings steht diese Entwicklung noch am Anfang, wie das Beispiel Google Flu verdeutlicht. Nach ersten Sensationsmeldungen wurde hier festgestellt, dass die Vorhersagen noch zu ungenau sind.

Big Data

Sinnvoll: Big Data kann bei Pandemien oder Volkskrankheiten wichtige Infos liefern. (Bild: Davide Calabresi – Shutterstock | Production Perig – Shutterstock)

Seltene Erkrankungen sind ein gutes Beispiel, um das Thema Mustererkennung zu verdeutlichen. Hier könnten Ärzte in Zukunft durch Expertensysteme dabei unterstützt werden, solche Erkrankungen schneller zu erkennen – leider dauert das im Moment häufig noch viel zu lange.

Über das Thema Wearables wird derzeit intensiv diskutiert. Gleichzeitig werden diese Devices das klassische Verhältnis zwischen Arzt und Patient ändern, aber nicht zwangsweise verschlechtern.

Es ist nicht mehr nur der Arzt, der Daten beim Patienten erhebt, sondern der Patient bietet ihm auch aktiv Daten an. Im Zusammenhang mit Big-Data-Analysen werden diese neuen Devices aus medizinischer Sicht aber erst richtig interessant, wenn diese Daten mit anderen Biodaten verknüpft und daraus Verbesserungen der Diagnostik oder Therapie ableitbar werden.

Beispielsweise könnten Diabetiker von dieser Entwicklung stark profitieren. Wenn die Daten eines Fitness-Trackers verlässliche Daten zum Kalorienverbrauch liefern und diese mit der Blutzuckermessung verknüpft werden und dann evtl. noch zusätzlich die Kalorienzufuhr fotoanalytisch quantifiziert werden könnte – dann könnte mit diesen Informationen vermutlich die Insulin-Therapie so verbessert werden, dass diese einer körpereigenen Produktion sehr nahe käme. Dies ist momentan natürlich noch Zukunftsmusik, gleichwohl aber ein Beispiel dafür, was wir uns als Ärzte von dieser Entwicklung wünschen.

Big Data Forschung

Hoffnung: Big Data könnte Diabetikern helfen – die Forschung arbeitet dran. (Bild: Syda Productions – Shutterstock | Looker_Studio – Shutterstock)

Brachland

Unabhängig von all dem bieten auch bereits vorliegende große Datensätze, die zu ganz anderen Zwecken generiert wurden, ein weiteres bedeutendes Potenzial. Dies gilt im Hinblick auf Abrechnungsdaten für Krankenhäuser oder im vertragsärztlichen Bereich. Im Moment sind diese Chancen im Hinblick auf einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn zur Entstehung und optimierten Behandlung von Krankheiten längst noch nicht ausgeschöpft.

Klinikeinsatz Big Data

Klinikeinsatz: Im Bereich Krankenhaus sind viele Möglichkeiten noch ungenutzt. (Bild: wavebreakmedia – Shutterstock | tai11 – Shutterstock)

Eine nicht zu unterschätzende Gefahr ist bei allen positiven Möglichkeiten eine Überschätzung der Methoden: Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Mit diesem Phänomen setzt sich die Medizin nicht erst seit Big Data auseinander, sondern solange es Medizin gibt. Prominentes Beispiel ist der gleichzeitige Rückgang der Storchenpopulation und der Geburtenrate.

Sicherheit?

Ein weiteres Problem wird uns häufig bei einer anderen Big-Data-Anwendung verdeutlicht: Den meisten Internet-Nutzern wurden sicherlich schon unter der Rubrik „andere Kunden, die sich für dieses Produkt interessierten, kauften auch …“ Sachen angeboten, die voll danebenlagen.

Deshalb darf man gerade bei Fragen der Gesundheit eines nie vergessen: Jedes Ergebnis von Big-Data-Analysen muss mit medizinischem Sachverstand kritisch geprüft werden.

Ebenfalls nicht zu vergessen ist bei den Stichworten Big Data und Medizin die Thematik des Datenschutzes. Die enorme Datenmenge und die Verknüpfungsmöglichkeiten könnten dazu führen, dass klassische Methoden für den Datenschutz, wie Pseudonymisierung oder Anonymisierung, ausgehebelt werden. Es ist notwendig, Forschung auf die Entwicklung von neuen Methoden für den Datenschutz im Big-Data-Kontext zu fokussieren.

Big Data bietet technische Möglichkeiten, die ohne gesellschaftliche Kontrolle auch missbraucht werden können. Es ist z.B. möglich, individuelle Risikoprofile für Menschen zu erstellen, die nach heutigen Maßstäben als gesund gelten, und diese Menschen dann zu diskriminieren. Negative oder kritische Daten, wenn sie denn überall zur Verfügung stehen, könnten dazu führen, dass Leute deshalb vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden. So wäre es durchaus denkbar (und ein Albtraum), dass ein Kind auf Grundlage des Genoms der Eltern sein ganzes Leben lang keine Versicherung, Arbeitsstelle oder einen Kredit erhält.

Ethik-Problem

Big Data sollte nicht alles tun dürfen, nur weil es technisch möglich ist. Hier ist die Gesellschaft gefragt, Grenzen zu setzen. Es gilt, beispielsweise ein ethisches Problem zu lösen: Was darf oder soll man tun? Und: Haben die Menschen nicht auch ein Recht auf Nichtwissen? Brauchen wir ein Verwertungsgebot für manche Erkenntnisse aus Big-Data-Analysen? Wir sind gut beraten, zeitnah an neuen ethischen Standards zu arbeiten – damit wir Big Data zu unser aller Wohl positiv nutzen können. Denn Big Data unterliegt einer Eigendynamik, die sich per se nicht unterdrücken lässt.

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Tracking und Wearables – Gut oder Grenzüberschreitung? https://www.divsi.de/tracking-und-wearables-gut-oder-grenzueberschreitung/ https://www.divsi.de/tracking-und-wearables-gut-oder-grenzueberschreitung/#respond Fri, 22 Jan 2016 07:49:59 +0000 http://46.30.3.106/?p=14328 Immer kleinere Geräte sammeln massenweise Daten. Niemand weiß, wo die Entwicklung enden wird. Zwar sind bis in die Antike Experimente überliefert, in denen Menschen sich einer genauen Selbstbeobachtung unterzogen – dennoch sind viele Experten einig, dass mit den aufkommenden neuen technischen Möglichkeiten eine neue Ära beschritten wird.

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Tracking und Wearables – Gut oder digitale Grenzüberschreitung?

Foto: bikeriderlondon

Immer kleinere Geräte sammeln massenweise Daten. Niemand weiß, wo die Entwicklung enden wird.

Von Stephan Noller

Zwar sind bis in die Antike Experimente überliefert, in denen Menschen sich einer genauen Selbstbeobachtung unterzogen – dennoch sind viele Experten einig, dass mit den aufkommenden neuen technischen Möglichkeiten eine neue Ära beschritten wird. Mit dem „quantified self“ (2007 von den Wired-Journalisten Gary Wolf und Kevin Kelly begründet) ist eine Bewegung gemeint, die sich zum Ziel gesetzt hat, mit modernen technischen Mitteln möglichst viele Messdaten über den eigenen Körper zu erfassen und auszuwerten sowie ggf. zur Steuerung des eigenen Verhaltens zu verwenden.

Man kann das Aufkommen dieser Bewegung auf eine Gesetzmäßigkeit in der Informationstechnologie zurückführen, die als „Moore‘s Law“ bekannt ist. Das Gesetz besagt, dass die Komplexität oder Dichte elektronischer Schaltungen und Bauteile sich regelmäßig im Abstand von ca. 18 Monaten verdoppelt, d.h., innerhalb von knapp zwei Jahren passen doppelt so viele Bauteile auf die gleiche Fläche – oder das entsprechende Bauteil ist eben nur noch halb so groß.

In der Konsequenz heißt dies für den Konsumenten, dass Computer und ihre Prozessoren immer kleiner, leistungsfähiger und auch günstiger werden. So tragen heute viele Menschen einen Hochleistungscomputer in der Hosentasche, für dessen Rechenleistung noch vor wenigen Jahren der Gegenwert eines Einfamilienhauses aufgebracht werden musste und dessen Platzbedarf noch ein paar Jahre zurück ein ebensolches erfordert hätte. Die Entwicklung hat sich nicht nur auf die Prozessoren und Peripheriebauteile der Computer erstreckt – auch Sensoren und Messelektronik sind von der exponentiellen Wachstumskurve des Moore‘schen Gesetzes erfasst. Das im Folgenden beschriebene Phänomen des Quantified Self ist ohne diese Entwicklung nicht denkbar – mit all den Sensoren um uns herum ist die Vermessung des eigenen Selbst und die Generierung von Daten und Vergleichstabellen quasi ein Abfallprodukt der technischen Entwicklung – allerdings eines, das auf größtes Interesse seitens der Industrie sowie der menschlichen Psyche stößt…

„Erkenne dich selbst“ ist die berühmte Inschrift auf dem Apollo-Tempel in Delphi. Es spricht vieles dafür, dass wir diesem Anspruch in 2015 mithilfe von Big Data und Kleinstcomputern, die am oder gar im Körper getragen werden, näher kommen – oder gerade nicht?

Wearables Wristband

Infos überall: Immer kleinere Geräte sammeln immer mehr Daten. Noch sind sie meist am Arm aktiv. Doch das dürfte bald Schnee von gestern sein. Auch Implantate sind dann möglich. (Foto: Image point FR)

Beim Autor jedenfalls ist die Zwischenbilanz ambivalent. Tracking ist faszinierend und ermöglicht tiefe Einblicke in Details des eigenen Körpers, der Umwelt oder auch sozialer Interaktionen. Aber die Digitalisierung geht nicht spurlos an einem vorbei – selbst dann, wenn die Daten nicht ungeschützt auf Serverfarmen im Ausland zur Verfügung stehen, weil die AGB des Fitness-Armbandherstellers es so festlegen.

Babystrampler mit Lage-Sensoren

Es ist nicht einfach, einen halbwegs soliden Stand der Technik zu vermitteln, wenn es um Wearables geht, denn die Entwicklung ist ausgesprochen rasant und vor allem: wild. Viele der spannendsten Innovationen werden von Start-Ups, Makern und Forschungsteams vorangetrieben, viele davon auf Crowd-Funding-Plattformen wie z.B. kickstarter gefördert. Eine der führenden technologischen Plattformen für Wearables ist noch immer Arduino – eine von italienischen Designprofessoren entwickelte Bastelplattform auf Basis von Mikrocontrollern. Doch zunehmend bewegen sich auch größere Firmen aus der IT-Szene in das neue Feld: Intel hat auf der Maker Faire in Rom 2013 mit dem Galileo-Board ein Kooperationsprojekt mit Arduino vorgestellt, das kontinuierlich, auch mit Feedback aus der Community, weiterentwickelt wurde – inzwischen steht der Intel Edison zur Verfügung, ein vollständiger Computer mit WiFi, Bluetooth und der Rechenleistung eines Intel Pentium, aber in der Größe zweier Briefmarken und mit extrem reduziertem Stromverbrauch, sodass das Gerät wochenlang mit Batterien betrieben werden kann. Mit dem Curie ist ein weiteres, noch kleineres Board angekündigt, das sich explizit an die Macher von Wearables richtet und nicht viel größer als der Kopf einer Reißzwecke ist. Samsung hat auf der IFA 2015 eine Reihe von Kleinst-Boards angekündigt („Artik“), die mit bemerkenswerter Rechenleistung aufwarten, bei ähnlich geringer Baugröße. Die neue Windows-10-Version von Microsoft wird den Raspberry 2 unterstützen und für das Internet of Things optimiert sein. Hinzu kommen zahlreiche Kleinserien und Forschungsprojekte sowie Spezialanfertigungen wie z.B. der Vaginal-Sensor „trackle“, der mit dem Anspruch antritt, die Empfängnisverhütung auf Basis eines miniaturisierten Arduino-Clones zu revolutionieren.

Im Bereich der Wearables dominieren derzeit noch Geräte, die am Arm getragen werden, in Zukunft werden wir es aber mit einem deutlich breiteren Spektrum zu tun bekommen. Kleidung mit eingehähter Sensorik, um z.B. den Hautwiderstand oder die Transpiration zu messen, interaktive Kleidungselemente, die auf Umgebungsinformationen reagieren (oder eben die Lage des Babys oder eines demenzkranken Seniors erfassen), Ohrringe, die im Rhythmus des Herzschlags der Trägerin pulsieren, und sogar Sensoren, die in Zukunft in den Körper eindringen, sind zu erwarten. Wearables werden derzeit noch häufig als Luxus-Gadgets angesehen, zunehmend dürften sich aber immer mehr handfeste Anwendungszwecke herausschälen, die für die Nutzer derartiger Devices unverzichtbar werden, gerne aber auch für interessierte Dritte wie z.B. Krankenkassen oder Arbeitgeber …

Datenschutz

Im Prinzip ist man bei Wearables automatisch im Bereich sensitiver Daten, die vom Gesetzgeber besonders geschützt wurden und z.B. hohe Standards bzgl. Zustimmung, Datensicherheit etc. erfordern. Tatsächlich werden die Daten von Fitness-Trackern häufig unverschlüsselt auf Server außerhalb der EU hochgeladen (die Zustimmung dafür wird in manchen Fällen mit dem Erwerb des Produktes bzw. der Inbetriebnahme pauschal per AGB erteilt).

Die Herausforderung besteht hier darin, datenschutzkonforme Varianten von Wearables zu fördern, aber auch die gesetzlichen Vorgaben so zu fassen, dass Anbieter Regelungen vorfinden, die datengetriebene Geschäftsmodelle dieser Art überhaupt erst ermöglichen (insbesondere die Regelungen zur Pseudonymisierung von Daten sind hier zu erwähnen).

Der britische NHS, die größte gesetzliche Krankenversicherung der Welt, lieferte vor einigen Monaten ein besonderes Beispiel für die Schwierigkeit, sich in diesem Feld datenschutzkonform zu verhalten und Versicherte angemessen ins Boot zu holen. Mit der Initiative care.data sollten sämtliche Gesundheitsdaten im System verfügbar gemacht und verknüpft werden – der Patient sollte Zugang zu seinem kompletten Health Record bekommen, aber eben auch die Krankenkasse selbst und Forschungseinrichtungen sowie Gesundheits-Start-Ups. Aufgrund schlechter Aufklärung, mangelhafter Pseudonymisierung und zahlreicher anderer Umsetzungsprobleme scheiterte die Einführung des Programms allerdings zunächst am heftigen Widerstand von Öffentlichkeit, Verbraucherverbänden und aufgeschreckten Politikern.

An diesem Beispiel lässt sich gut eine zentrale Anforderung an Wearables und IoT Devices erkennen: Transparenz. Die Hersteller, aber auch Verbände, Datenschützer und Regulierer müssen zügig Möglichkeiten finden, um für verlässliche Transparenz zu sorgen – Kunden sollten idealerweise auf einen Blick erkennen können, ob ein Gerät Daten generiert und was mit diesen passiert, eine Art „Nutrition Labeling“ für Iot/Wearables. Ähnliches gilt für die Sicherheit der Kommunikation – es sollte längst Standard sein, dass derartige Geräte verschlüsselt kommunizieren und Server-Standorte gewählt werden, die im Rechtsgebiet des Nutzers liegen.

Google Glass

Transparenz: Auf einen Blick soll erkennbar sein, ob Geräte Daten generiert und verarbeiten. Google Glass erfasst die Umwelt in Form von Standort- und Bilddaten. (Foto: Tim Reckmann (CC BY-SA 3.0))

Sinnlosigkeit

Auch diese Herausforderung verdient Beachtung – gerade auch im Kontext der seriöseren Problemfelder wie Datenschutz oder anderer gesellschaftlicher Konsequenzen. Wie meist, wenn Entwicklungen vor allem aus der Perspektive des technisch Machbaren motiviert sind, kommt relativ viel wenig Brauchbares heraus – der smarte Kühlschrank ist eines der Standardbeispiele dafür. Auch im Bereich von Wearables ist nicht davon auszugehen, dass jeder irgendwo am Körper getragene Sensor und jede Fitness-App langfristig eine sinnvolle Rolle im Leben der Menschen spielen wird. Es steht derzeit eher zu befürchten, dass in den falschen Ecken entwickelt wird – so wäre z.B. der Nutzwert elektronischer Helfer und smarter Kleidung und Sensorik im Bereich der Demenz oder generell als Tools, um älteren Menschen autonomes Leben zu ermöglichen, ziemlich offensichtlich. Nur leider kennen Menschen im Silicon Valley oder im Prenzlauer Berg gar keine alten Menschen. Ebenso wären Fitness-Tools für Menschen mit Übergewicht oder anderen körperlichen Leiden vermutlich nutzwertstiftender als im Einsatz bei übertrainierten 30-Jährigen.

Entsolidarisierungseffekte

Wearables und Internet-of-Things-Geräte haben eines gemeinsam – sie generieren massenhaft Daten über ihre Besitzer und Bewohner, häufig werden diese Daten auch in irgendwelche Clouds und Analysedatenbanken hochgeladen, nicht selten auch an Dritte weitergereicht, kombiniert und verkauft.

Gleichzeitig ist zu erkennen, dass zunehmend Versicherer, Banken und Krankenkassen Interesse an derartigen Daten entwickeln, erste Tarife auf Basis von z.B. GPS-Tracking-Daten oder in Kombination mit Fitness-Trackern sind schon auf dem Weg. Es steht zu befürchten, dass dieser Trend bald schon entsolidarisierende Effekte auf ein System entfalten wird, das bisher auf Lastenverteilung und Solidarität aufgebaut war. Denn das Mantra des Data-Scientist sind individuelle Daten, individuelle Risiko-Scores und Preismodelle – jede Art von Aggregierung oder Verschleierung der Identität eines Datenträgers wird als Verschlechterung des Datenmodells angesehen (was auch stimmt). Doch ein gesellschaftliches System wie z.B. die gesetzlichen Krankenkassen ist in seinem Kern auf einer Nichtzuschreibung von Krankheitsrisiken auf Individuen angelegt, somit auch auf Datenverzicht. Eine naive Abkehr von diesen Prinzipien aufgrund technischer Machbarkeit und der Faszination auf der Seite der Nutzer wäre fatal, wenn damit en passent gesellschaftliche Errungenschaften ins Wanken gerieten – dies erfordert dringend eine Diskussion, die beschreibt, wo Daten erhoben werden dürfen und wo nicht.

Versicherer und Krankenkassen haben Interesse an Tracking-Daten

Bonus gefällig? Kfz-Versicherer und Krankenkassen arbeiten an Tarifen, bei denen Tracking-Möglichkeiten günstigere Tarife nach sich ziehen. (Fotos: Shutterstock)

Ausblick

Schon heute existieren medizinische Implantate, die elektronische Geräte direkt mit Nervenenden des menschlichen Körpers verbinden, um Signale zu übertragen – das Cochlea-Implantat ist so ein Fall. Noch werden diese Geräte genauso wie EEG-Messgeräte und andere medizinische Spezial-Hardware von wenigen Herstellern und unter höchsten Auflagen produziert und von dafür ausgebildeten Spezialisten implantiert. Aber warum sollte das in Zukunft so bleiben? Was spricht dagegen, ein Cochlea-Implantat per Bluetooth anzusprechen und die Programmier-Schnittstelle dafür freizugeben (dieser Anspruch wird sogar schon professionell vom Verein Cyborgs e.V. vorangetrieben), sodass z.B. ein verfügbares WiFi-Netzwerk in der Umgebung mit einem Ton signalisiert werden kann – oder ein sich von hinten annäherndes lautloses Elektrofahrzeug?

Heute werden Träger von Googles interaktiver Datenbrille noch verlacht, und manche Lokale verhängen ein Zugangsverbot – schon in wenigen Jahren werden Möglichkeiten existieren (im Massenmarkt, im Labor geht das heute schon), den Sehnerv ähnlich „anzuzapfen“, wie das beim Hörnerv schon Standard ist, um zusätzliche Daten oder gar komplette Augmented-Reality-Anwendungen einzublenden. Analysegeräte werden so klein und autonom einsetzbar sein, dass sie verschluckt werden und den Körper von innen vermessen können.

Gleichzeitig stellt sich in den nächsten Jahren allerdings auch die Frage, wie die Welt aussehen wird, in der wir dann leben. Wird es weiter Kündigungsschutz, Krankenkassen für alle und generell diskriminierungsfreie Teilnahme am sozialen Leben für alle geben? Oder bestimmen die Daten und darauf aufsetzende Algorithmen, wohin es für uns geht – ganz individuell und jede Sekunde in der Cloud neu berechnet?

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Big Data https://www.divsi.de/publikationen/studien/big-data/ Thu, 14 Jan 2016 08:01:26 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=studien&p=14416 Es ist nicht einfach, sich Big Data und allem, was damit zusammenhängt, halbwegs wertfrei zu nähern. Dabei bezeichnet der Begriff in seinem Ursprung nur die Verarbeitung von großen, komplexen und sich schnell ändernden Datenmengen. Im Alltagsgebrauch ist er jedoch zu einem Buzzword verkommen und wird derzeit meist mit negativem Anklang verwendet.

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Vorwort

Es ist nicht einfach, sich Big Data und allem, was damit zusammenhängt, halbwegs wertfrei zu nähern. Dabei bezeichnet der Begriff in seinem Ursprung nur die Verarbeitung von großen, komplexen und sich schnell ändernden Datenmengen. Im Alltagsgebrauch ist er jedoch zu einem Buzzword verkommen und wird derzeit meist mit negativem Anklang verwendet.

So erfolgen häufig Hinweise auf Gefahren von Big Data, wenn es um die zunehmende Überwachung der Menschen durch Vorratsdatenspeicherung, die Verletzung der Persönlichkeitsrechte von Kunden durch Unternehmen, die steigende Intransparenz der Datenspeicherung in Clouds oder auch um unerwünschte datenbasierte Werbung geht, die bei der Nutzung von Internet und Handy anfallen.

Big Data deckt also auch Bereiche ab, die bisher als privat galten. Der Wunsch der Wirtschaft und von Behörden, möglichst umfassenden Zugriff auf diese Daten zu erhalten und die gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen, gerät zunehmend in Konflikt mit Persönlichkeitsrechten des Individuums.

Ist Big Data also komplett negativ?

Auf jeden Fall produziert der Begriff für das deutsche Gemüt aktuell vor allem Ängste und verstellt dadurch den Blick auf die positiven Seiten. Er wirkt eher aggressiv.

Was steckt eigentlich hinter dem Begriff „Big Data“? In seinem aktuellen Gebrauch meint er die Verarbeitung großer Datenmengen, um bisher verborgene Zusammenhänge sichtbar und nutzbar zu machen. Eine Verbindung also, die viele Nutzer mit Sorge betrachten. Doch haben wir überhaupt eine andere Chance? Laut Berechnungen von IT-Marktforschern verdoppelt sich das weltweite Datenvolumen alle zwei Jahre. Bis 2020 soll es auf rund 40 Zettabytes (eine Zahl mit 21 Nullen) anwachsen. Es liegt auf der Hand, dass ein solch gigantischer Berg an Informationen unseres Internet-Zeitalters längst zu komplex ist, um mit klassischen Methoden der Datenverarbeitung oder gar händisch ausgewertet werden zu können.

Big Data ist also unaufhaltsam. Denn die Digitalisierung hat längst alle Lebensbereiche erreicht. Sie ist dabei – und das bestreitet kaum noch jemand – unsere Lebensumstände insgesamt umzukrempeln. Deshalb macht es durchaus Sinn, wenn wir die Erkenntnisgewinne durch Datenanalysen nutzen und versuchen, daraus Positives abzuleiten. Das Motto dieses Umdenkens
könnte etwa lauten: Mehr Daten, bessere Erkenntnisse.

Nach meiner Einschätzung gehen Big Data und die damit verbundenen Chancen nicht in Einklang mit dem Paradigma der Datensparsamkeit, wie es sich aus dem geltenden Datenschutzrecht ergibt. Nutzer begrenzen im Alltag in der Regel auch nicht den Umfang ihrer persönlichen Daten. Also sind wir doch besser beraten, darüber nachzudenken, wie sich die Chancen von Big Data verstärkt fördern lassen. Zugleich sollte Missbrauch aber schärfer geahndet und auch geächtet werden, als es die Instrumente bislang zulassen. Ich meine, dass für Unternehmen Beschädigungen an ihrer Reputation weit stärker zählen als Ordnungsgelder.

Wenn wir die Chancen verstärkt zulassen, wird die sorgfältige Auswertung von Daten uns beispielsweise für Mobilität oder Gesundheit neue Chancen eröffnen. Im Hinblick auf Smart Health hat das gerade eine weitere Info-Veranstaltung von DIVSI gezeigt, die im Rahmen des Projektes „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ in Berlin eine Vielzahl von Experten im Meistersaal versammelt hatte. Gesundheitstracking wird demnach kaum zu stoppen sein. Big Data ist dabei der Schlüssel, der dem einzelnen Nutzer aus den gewonnenen Fakten heraus wertvolle Hinweise liefern kann.

Natürlich darf man die Risiken nicht vergessen: Was geschieht mit den so umfangreich gesammelten Daten? Unsere Gesellschaft muss intensiv darüber nachdenken und Regeln dafür finden, wie sich Missbrauch verhindern lässt. Dabei sollten wir Chancen und Risiken nicht getrennt diskutieren. Die – zugegeben komplexe – Aufgabe liegt darin, beide Stränge miteinander zu verknüpfen. Gelingt dies, wird sich dadurch das Vertrauen der Menschen in das Internet festigen.

DIVSI hat 2013 das Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ mit dem Berliner Think Tank iRights.Lab in Angriff genommen. Die Grundfrage ist längst positiv beantwortet: Ein Digitaler Kodex kann die Lücke zwischen sozialen Normen der analogen Welt und den neuen Herausforderungen der digitalen Welt schließen.

In Phase zwei des Projekts haben wir uns seit Herbst 2014 mit Big Data befasst, zugespitzt auf die Schwerpunkte Smart Health und Smart Mobility. Dieser Arbeitsabschnitt analysiert die Auswirkungen der neuen Technologien und zeigt Wege auf, mit den Herausforderungen umzugehen.

Die Erkenntnisse aus vielen Expertenrunden fasst dieser Bericht zusammen. Er zeigt vor allem auch, dass im Kontext von Big Data eine umfassende gesellschaftliche Debatte zwingend notwendig ist. Ich bin überzeugt, dass die hier präsentierten Erkenntnisse gedankliche Anstöße in dieser Richtung leisten können.

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