E-Partizipation – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 DIVSI U25-Studie 2018: Skepsis wächst, der Hype ist vorbei https://www.divsi.de/divsi-u25-studie-2018-skepsis-waechst-der-hype-ist-vorbei/ https://www.divsi.de/divsi-u25-studie-2018-skepsis-waechst-der-hype-ist-vorbei/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:08 +0000 https://www.divsi.de/?p=19434 Jugendliche und junge Erwachsene im Online-Dilemma zwischen Glück und Abhängigkeit. Von Silke Borgstedt Das SINUS-Institut hat die erste U25-Studie 2014 im Auftrag von und in enger Absprache mit dem DIVSI realisiert. Sie lieferte erstmals einen fundierten Einblick in die digitalen Lebenswelten der nachwachsenden Generation. Die jetzt quasi fortgeschriebene Untersuchung von damals erlaubt wiederum vertiefte Einblicke […]

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DIVSI U25-Studie 2018: Skepsis wächst, der Hype ist vorbei

Fotos: Rawpixel.com/Look Studio – Shutterstock

Jugendliche und junge Erwachsene im Online-Dilemma zwischen Glück und Abhängigkeit.

Von Silke Borgstedt

Das SINUS-Institut hat die erste U25-Studie 2014 im Auftrag von und in enger Absprache mit dem DIVSI realisiert. Sie lieferte erstmals einen fundierten Einblick in die digitalen Lebenswelten der nachwachsenden Generation. Die jetzt quasi fortgeschriebene Untersuchung von damals erlaubt wiederum vertiefte Einblicke in den Alltag der „Generation Internet“. Sie zeigt vor allem, wie schnell Digitalisierung deren Lebenswirklichkeit verändert.

Und sie macht deutlich, dass die Zeiten einer unbesorgten Nutzung der sich bietenden technischen Möglichkeiten Vergangenheit sind. Der Hype ist vorbei, reine Euphorie war gestern.

Keine Offliner

Zu den zentralen Befunden gehört, dass alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland online sind. Smartphones und mobiles Internet sind selbstverständlich. In der Gruppe der jungen Menschen zwischen 14 und 24 gibt es heute keine Offliner mehr. 99 Prozent nutzen das Internet täglich. Das ist ein Zuwachs von 28 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2014.

Das Internet ist in dieser Altersgruppe immer da. Mehr noch, es ist in vielen Lebensbereichen alternativlos. Diese Feststellung der 9,37 Mio. 14- bis 24-Jährigen in Deutschland ist weniger eine banale Erkenntnis als vielmehr eine Sichtweise, welche die Einstellungen und Verhaltensweisen junger Menschen entscheidend prägt. Das Internet wird vor allem als praktisch angesehen, weil es den Zugang zu Informationen erheblich erleichtert.

Unverzichtbar

Für die überwiegende Mehrheit der Befragten sind digitale Infrastrukturen und Angebote unverzichtbar. 68 Prozent stimmen zu, dass ein Leben ohne Internet für sie nicht vorstellbar wäre. 69 Prozent gehen so weit zu sagen, dass das Internet sie glücklich macht.

Online-Aktivitäten strukturieren den Tagesablauf, erzeugen lieb gewonnene Rituale, erfordern aber auch einiges (reagieren müssen, dabei sein müssen).

Diese stärkere Verankerung des Internets im Alltag führt aktuell nicht zu einem weiteren Positivschub, sondern – im Mittel betrachtet – zu einer entspannten Normalisierung bis hin zu Ernüchterung, die sich lebensweltlich allerdings ganz unterschiedlich ausprägt.

Allerdings wird die Omnipräsenz der digitalen Welt nicht nur positiv erlebt: 64 Prozent haben das Gefühl, im Internet Zeit zu verschwenden; 19 Prozent meinen gar, dass das Internet „nervt“.

Studie U25 2018: Wahrnehmung negativer Aspekte

Dabei nehmen die Befragten wahr, dass es in vielen Lebensbereichen keine Alternative zum Internet gibt. Diese befürchtete bzw. erlebte Abhängigkeit erzeugt Unbehagen. Die Vorstellung, dass in Zukunft vieles nur noch über das Internet erledigt werden kann, machte 2014 gut einem Fünftel von ihnen Angst. 2018 hat sich dieser Wert mit 41 Prozent nahezu verdoppelt.

Studie U25 2018: Einstellung zum Internet 2018 und 2014

Problematisch

Die Sorge vor Internetsucht ist weit verbreitet, ebenso wie die Befürchtung, ein vernünftiges Maß im Umgang insbesondere mit dem mobilen Internet überschritten zu haben. Bereits fast jeder Dritte fürchtet, „internetsüchtig“ zu sein, nimmt die eigene Internetnutzung also als problematisch wahr.

Knapp ein Viertel der Befragten ist jedoch weiterhin von Euphorie getrieben. Für diese Enthusiasten (23 Prozent) ist ein Leben ohne Internet nicht nur unvorstellbar, es macht ihnen regelrecht Angst, da sie nicht wissen, wie der Alltag „ohne“ organisiert werden könnte. Sie zeigen sich dezidiert unberührt von Sicherheitsfragen.

Insgesamt betrachtet sehen sich die 14- bis 24-Jährigen eher als Getriebene denn als Gestalter einer digitalen Transformation. Sie betonen, dass Internetnutzung häufig keine freie Entscheidung sei, sondern Grundvoraussetzung, um teilhaben zu können (im Freundeskreis, in der Schule, im Studium, im Beruf).

Dies wird nicht als Problem empfunden, solange sich Risiken im Rahmen halten oder man damit umgehen kann. Hier sehen sie aber großen Aufholbedarf: 89 Prozent von ihnen wünschen sich z.B., dass die AGB/Nutzungsbedingungen von Sozialen Medien auf leicht verständliche Art und Weise darstellen, welchen möglichen Gefahren sich Nutzer aussetzen. Dies kann als konkrete Aufforderung an Politik und Betreiber von Online-Angeboten verstanden werden. Zudem stellen sie die Frage nach der Verantwortung und wünschen sich eine idealerweise unparteiische Instanz. Die könnte etwa entscheiden, was gesperrt werden sollte, da das Internet ansonsten droht, alleinig interessengeleitet zu sein, und sich im Netz nur die Mächtigen durchsetzen.

Die Untersuchung hat auch einen Wandel in Nutzung und Wahrnehmung Sozialer Medien erkennen lassen. Die Beliebtheit von Facebook sinkt. Gleichzeitig ist für 99 Prozent der Befragten WhatsApp nicht mehr wegzudenken. Mit einem Nutzeranteil von 73 Prozent hat auch Instagram in dieser Altersgruppe Facebook (67 Prozent) überholt.

Im konkreten Online-Verhalten gerade in Bezug zu den Sozialen Medien zeigt sich bei jungen Menschen 2018 eine erhöhte Sensibilität bei öffentlicher Meinungsäußerung im Internet. So ist ein teilweiser Rückzug aus dem Online-Rampenlicht zu bemerken. Entsprechend sind Plattformen wie Facebook weniger interessant geworden und Messaging-Dienste immer erfolgreicher. Bevorzugt wird das Kommunizieren in leichter kontrollierbaren Communitys (one-to-one/one-tofew statt one-to-public). Die große Bühne überlässt man (semi)professionellen Bloggern und Influencern.

Handlungsbedarf

Auch die wahrgenommene Beleidigungskultur im Internet ist ein wesentlicher Grund, sich mit der eigenen Meinung lieber zurückzuhalten. Das Internet – und insbesondere Soziale Medien – werden nicht einfach nur positiv als Ort der freien Meinungsäußerung empfunden. Jugendliche und junge Erwachsene machen die Erfahrung, dass der gegenseitige Respekt, der die Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses in demokratischen Gesellschaften bildet, im für sie zentralen Medium des Meinungsaustauschs nicht ausreichend gegeben ist. Dass sie in der Konsequenz bei relevanten Themen eher still bleiben, ist nachvollziehbar, sollte aber ein Hinweis auf Handlungsbedarf sein.

Studie U25 2018: Gründe für Verzicht auf öffentliche Beteiligung im Internet

Risiken werden 2018 stärker wahrgenommen. Allerdings hat dies nicht dazu geführt, dass erhöhte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Die Anwendung entsprechender Schutzmaßnahmen ist sogar rückläufig. Besonders deutlich fallen die Unterschiede bei der selektiven Kontrolle aus. 2014 gaben noch 67 Prozent der 14- bis 24-Jährigen an, nur Seiten zu nutzen, bei denen sie wissen, dass sie sicher sind. Heute liegt die entsprechende Zahl bei 46 Prozent.

Verdrängung

Datenschutz ist für alle relevant, gilt aber als ein zu komplexes Thema, dessen tatsächliche Auswirkungen (positiv wie negativ) unklar sind. Daher steigen viele aus, wenn es um eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema geht, indem sie aktuelle Gegebenheiten schlicht akzeptieren oder das Problem verdrängen. Diese Überforderung ist als ein deutlicher Appell für eine stärkere Unterstützung bei diesem Thema zu verstehen.

Falschinformationen und technische Unklarheiten sorgen für eine erhöhte Risikosensibilität.14- bis 24-Jährige sehen primär Verbesserungen und Chancen durch digitale Innovationen, doch sie nehmen zunehmend auch Risiken und große Herausforderungen wahr. Diese drehen sich insbesondere um drei Gefahrenkomplexe:

  • Identitätsgefährdung, d.h. der Angriff auf die persönliche Unversehrtheit durch Beleidigung, Mobbing oder das Veröffentlichen intimer Informationen: Es geht dabei insbesondere um die Verknüpfung persönlicher und personenbezogener Daten mit konkreten Einstellungen und Aktivitäten. Sie haben Angst um ihre Reputation und damit um ihre künftigen beruflichen und sozialen Chancen.
  • Unterscheidung von Wahr und Falsch im Internet: Das Thema „Fake“ ist ins Bewusstsein gerückt und bringt das grundsätzliche Vertrauen in das Medium stark ins Wanken, auch wenn man im Alltag meint oder hofft, die richtige Information ausgewählt zu haben.
  • Unsicherheit, ob und wovon man eigentlich betroffen ist: Auch wenn einige im Hintergrund laufende Prozesse durchaus bekannt sind (Tracking, Cookies) oder man zumindest theoretisch schon mal davon gehört hat, dass Online-Aktivitäten nachverfolgbar sind, schafft dieser Zustand ein diffuses Unbehagen. Das Internet wird als Blackbox erlebt, denn man tappt zumeist im Dunkeln, weiß nicht genau, was im Hintergrund geschieht, worauf man sich verlassen kann und welche Sicherheitsmaßnahmen sinnvoll sind.

Das systematische Sammeln von Daten, z.B. zu Marketingzwecken, ist eher ein Nebenschauplatz. Dazu passt die Erkenntnis, dass es 20 Prozent der Befragten egal ist, was mit den eigenen Daten passiert. 2014 waren dies nur 8 Prozent.

Ein Umdenken in der Gesellschaft sollte beim Umgang mit dem Begriff „Digital Native“ erfolgen. Die Vorstellung, junge Menschen seien qua Geburtsjahr digital kompetent, lehnen 14- bis 24-Jährige entschieden ab. Vielmehr betonen sie, dass sich auch diejenigen, die mit dem Internet groß geworden sind, das notwendige Digitalwissen erst erarbeiten müssen. Auffällig auch, dass 47 Prozent der Befragten die Bezeichnung „Digital Native“ überhaupt nicht kennen.

DIVSI U25-Studie 2018: Bezug von Internetwissen

Die Untersuchung hat weiter gezeigt, dass sich junge Menschen auf eine digitale Zukunft unzureichend vorbereitet sehen. Kompetenzen eignen sie sich zumeist durch eigene Erfahrungen und den Freundeskreis an. Weniger relevant als Vermittler von Wissen über das Internet sind Eltern oder Verwandte (33 Prozent bzw. 19 Prozent).

69 Prozent der 14- bis 24-Jährigen fühlen sich auch von der Schule nicht ausreichend auf die digitale Zukunft vorbereitet. Themen wie Sicherheit und Schutz der Privatsphäre kommen aus ihrer Sicht nur unzureichend vor.

Analog-Sehnsucht

Als „Botschaft“ an die Gesellschaft ergibt diese neue U25-Studie generell, dass 14- bis 24-Jährige insgesamt mehr Chancen als Risiken in der digitalen Entwicklung sehen – trotz einer von ihnen selbst erkannten teilweisen Überforderung und einer diffusen „Analog-Sehnsucht“. Junge Menschen wissen und wollen, dass Digitalisierung weiter vorangetrieben wird, und fordern deshalb eine verlässliche Vorbereitung auf die digitale Zukunft ein. Sie formulieren klare Erwartungen und machen deutlich, dass sie das Internet nicht nur nutzen, sondern die digitale Welt, in der sie aufwachsen und leben, auch verstehen wollen.

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Studien & Themen, die Zeichen setzten https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/ https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:06 +0000 https://www.divsi.de/?p=19405 Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen. Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo: „DIVSI will […]

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DIVSI Collage

Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen.

Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo:

„DIVSI will einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Netz organisieren und mit neuen Aspekten beleben. Zudem wird das DIVSI die selbst gesetzten Ziele durch Unterstützung von Wissenschaft und Forschung erreichen. Es geht darum, potenzielle Risiken im Umgang mit dem Internet zu untersuchen und zu analysieren. Aufklärungsarbeit soll für eine Sensibilisierung und für eine Steigerung von Vertrauen und Sicherheit im Internet sorgen.“

Und auch die Methodik wurde sofort benannt: „Das Institut fördert den interdisziplinären Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Somit ist es das geeignete Forum für den Austausch ökonomischer, regulatorischer, rechtlicher, sozialer, kultureller und medienpolitischer Perspektiven. Arbeitsgrundlage sind zukunftsweisende strategische Projekte, für die man Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vernetzen will.“

Als Indiz dafür, dass die Aufgabe gemeistert wurde, kann allein schon die folgende Auflistung eigener DIVSI-Studien dienen. Sie sind zwischen sechs Jahren und knapp zwei Monaten alt. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung festgehaltenen Fakten sind sicher in der schnelllebigen Internet-Zeit nicht mehr sämtlich brandaktuell. Doch unverändert können auch sie als wichtiges Basismaterial dienen.

DIVSI BeteiligungslandkarteBeteiligungslandkarte Deutschland – Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen (2017)

Wie vielfältig und geläufig sind partizipative Formen der Internetnutzung im Lebensalltag der Menschen zur Unterstützung der eigenen Gesundheit oder zur Überwindung von Krankheiten? Welche soziodemografischen Unterschiede sind zu erkennen?

Brief Oder MailBrief oder E-Mail? DIVSI Studie über die Kommunikation im privat-geschäftlichen Bereich (2017)

Erstmals fundierte Erkenntnisse darüber, auf welchen Wegen privat-geschäftliche Kommunikation abläuft und welche Bedürfnisse sie bestimmen. Auch geht die Studie der Frage nach, inwieweit Menschen auf bewährte analoge Kanäle setzen und inwieweit sie inzwischen digitalen Möglichkeiten vertrauen.

Vertrauen in Kommunikation im digitalen ZeitalterVertrauen in Kommunikation im digitalen Zeitalter (2017)

Digitale Kommunikation gehört längst zum Alltag. Persönliche Informationen und sensible Daten werden ausgetauscht. Aber müssen dabei Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit in einem Spannungsverhältnis stehen? Welche rechtlichen, technischen und organisatorischen Antworten sollten für eine künftige sichere digitale Kommunikation gefunden werden, auf die die Menschen vertrauen können?

Digitalisierung – Deutsche fordern mehr SicherheitDigitalisierung – Deutsche fordern mehr Sicherheit (2017)

Die Deutschen stehen der Digitalisierung positiv gegenüber und sehen darin viele Vorteile für sich. Beim Thema Sicherheit im Internet erwarten sie allerdings mehr Engagement – vom Staat und von Unternehmen. Was bedeutet das für Vertrauen und für Kommunikation? Und wie sieht es mit der Eigenverantwortung der Nutzer aus? Die Untersuchung ergab auch auffallende Paradoxien zwischen Verantwortung und Vertrauen.

DIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in DeutschlandDIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland (2016)

Silver Surfer, Best Ager, 60+ – die Altersgruppe der über 60-Jährigen wird zunehmend wichtiger für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, denn sie macht jetzt schon etwa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung aus – Tendenz steigend. Die Studie liefert differenzierte, anschauliche und umsetzungsorientierte Erkenntnisse über die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen und räumt dabei auch mit einigen Vorurteilen auf.

DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“ (2016)

Die Digitalisierung hat die Mobilitätsdebatte vollends erfasst. Aber wie weit entwickelt sind datengelenkte Verkehrssysteme sowie eine sichere und ressourcenschonende Mobilitätskultur wirklich? Wie sind Schutz der Privatsphäre und Nutzung eines digitalen Assistenzsystems im Auto zu vereinbaren? Insbesondere vor dem Hintergrund der Machbarkeit analysiert und hinterfragt diese Studie eine Vielzahl von Diskussionen und Aktivitäten aus Europa und den USA.

DIVSI Internetmilieus 2016DIVSI Internet-Milieus 2016 – Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung (2016)

Wie beeinflusst der digitale Wandel das Leben der Menschen in Deutschland? Wie hat sich ihr Online-Verhalten in den letzten Jahren verändert? Welchen Stellenwert haben Internet und Smartphone im Lebensalltag? Wie denken die Menschen in der Nach-Snowden-Ära über Datensicherheit? Die repräsentative Studie bietet einen vertieften Blick in die aktuellen Lebenswelten unserer digitalen Gesellschaft.

Big DataBig Data (2016)

Zugespitzt auf die Themen „Smart Health“ und „Smart Mobility“ fasst der Bericht Erkenntnisse aus vielen Expertenrunden des DIVSI-Forschungsprojekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ zusammen. Er liefert Argumente für eine gesellschaftliche Debatte und wägt dabei Chancen und Risiken ab.

Recht Auf VergessenwerdenDas Recht auf Vergessenwerden (2015)

Die Entscheidung des EuGH zum „Recht auf Vergessenwerden“ lässt Fragen unbeantwortet, die im Spannungsfeld zwischen Persönlichkeitsrechten, Datenschutz und dem Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit liegen. Dieser komplexen Problematik widmet sich diese Publikation und formuliert schließlich konkrete Empfehlungen für einen „Lösch-Kodex“.

DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie?DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie? (2015)

Was ist Beteiligung im Internet eigentlich genau? Wie und weshalb bringen Internetnutzer sich ein? Die zweite Studie im Rahmen des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Netz“ untersucht Formen, Vorteile und Hürden der Beteiligung im Internet aus Sicht der DIVSI Internet- Milieus. In der qualitativen Untersuchung kommen dabei die Internetnutzer selbst zu Wort.

DIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen WeltDIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen Welt (2015)

Wann und wie kommen Kinder mit digitalen Medien und dem Internet in Berührung? Welche Bedeutung messen Eltern, Erzieher und Lehrer dem Internet für die Zukunft der Kinder bei? Welche Chancen und Risiken werden wahrgenommen, wer trägt die Verantwortung? Die Studie hat Kinder zwischen 3 und 8 Jahren im Blick und lässt sie auch selbst zu Wort kommen.

Daten Ware und WährungDIVSI Studie – Daten: Ware und Währung (2014)

In einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung untersucht DIVSI das Online-Nutzungs- und -Konsumverhalten in Deutschland. Im Fokus stehen Einstellungen der Internetnutzer zu Themen der Datensicherheit sowie Weiterverwendung von persönlichen Daten.

DIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit SmartphonesDIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit Smartphones (2014)

Durch Smartphones sind Menschen heute nahezu ununterbrochen über das Internet miteinander verbunden. Mit steigendem Nutzungsumfang fällt dabei eine Vielzahl von Daten an. Unter der Leitfrage „Was geschieht mit meinen Daten?“ war es Ziel der Studie, das Bewusstsein der Nutzer dafür zu schärfen, welche Daten auf dem Smartphone sein können, welche Möglichkeiten der Einsichtnahme und Einflussnahme sie bei unterschiedlichen mobilen Betriebssystemen haben.

Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex? (2014)

Mit dem Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ lotet DIVSI aus, ob ein Digitaler Kodex ein geeignetes Mittel ist, verbindliche Regeln im Internet auszuhandeln und durchzusetzen. Der Projektbericht steuert nicht nur zu diesem Gedanken Anregungen bei. Er bietet darüber hinaus generelle Anstöße, über die nachzudenken lohnt.

DIVSI Studie Beteiligung InternetDIVSI Studie zu Bereichen und Formen der Beteiligung im Internet (2014)

Das DIVSI-Forschungsprogramm „Beteiligung im Netz“ leistet auf einer breiten theoretischen und empirischen Basis einen Beitrag zum öffentlichen Verständnis der Beteiligungschancen des Internets – und ihrer Voraussetzungen. Die Studie präsentiert einen ersten Schritt in diesem Vorhaben und verschafft einen Überblick über den heutigen Stand der Forschung.

DIVSI U25-StudieDIVSI U25-Studie (2014/2018)

Die DIVSI U25-Studie liefert erstmals fundierte Antworten auf Fragen, die das Verhalten der nachwachsenden Generation im Hinblick auf das Netz betreffen. Über die Nutzungsformen hinaus werden auch die Denk- und Handlungslogiken sowie der lebensweltliche Hintergrund untersucht. Die Nachfolge-Studie wurde gerade vorgestellt.

DIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im InternetDIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im Internet (2013)

Wie sicher fühlen sich die Deutschen im Internet? Wie viel Freiheit und Selbstbestimmung wollen sie? Nach wie viel Regulierung wird verlangt? Die Studie zeigt ein detailliertes Bild des Nutzungsverhaltens der Deutschen im Internet und ihrer Wahrnehmung von Chancen und Risiken.

Entscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im InternetEntscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2013)

Wie denken Entscheider über das Internet? Welchen Akteuren schreiben sie welche Verantwortung und welche Einflussmöglichkeiten zu? Was sagen sie zu Sicherheits- und Freiheitsbedürfnissen? Die Studie verdeutlicht erstmals, wie diejenigen über das Internet denken, die wesentlich die Spielregeln gestalten und Meinungsbilder prägen.

Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“ (2012)

Wie gut kennen sich Meinungsführer im Netz aus? Wie schätzen sie ihre Einflussmöglichkeiten ein? Welche Chancen, Konfliktfelder und Risiken erwachsen daraus? In persönlichen Gesprächen wurden führende Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden interviewt.

Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet + AktualisierungMilieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2012) + Aktualisierung (2013)

Die Milieu-Studie differenziert erstmals unterschiedliche Zugangsweisen zum Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet in Deutschland, basierend auf einer bevölkerungsrepräsentativen Typologie.

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DIVSI Magazin – Ausgabe 4/2018 https://www.divsi.de/publikationen/magazine/divsi-magazin-ausgabe-42018/ Fri, 21 Dec 2018 08:57:09 +0000 https://www.divsi.de/?post_type=magazine&p=19477 Das letzte DIVSI-Magazin. Zum Inhalt: In Hamburg sagt man Tschüss  Und weitere Themen…

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Das letzte DIVSI-Magazin.

Zum Inhalt: In Hamburg sagt man Tschüss
 Und weitere Themen…

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Demokratische Teilhabe 2.0 – Fluch oder Segen? https://www.divsi.de/demokratische-teilhabe-2-0-fluch-oder-segen/ https://www.divsi.de/demokratische-teilhabe-2-0-fluch-oder-segen/#respond Mon, 07 May 2018 08:14:06 +0000 https://www.divsi.de/?p=17590 Für die Realisierung ist Aktivität der Bürger ebenso wichtig wie staatlich-institutionelle Mitgestaltungschancen. Von Gabriele Buchholtz Digital kommunizieren wir anders als früher. So viel steht fest. Fest steht auch, dass sich im Zuge der Digitalisierung die Möglichkeiten demokratischer Teilhabe verändert haben. Diese Entwicklung birgt Chancen, aber auch Risiken. Wie kann der Staat die neuen Technologien demokratieförderlich […]

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Demokratische Teilhabe 2.0 – Fluch oder Segen?

Für die Realisierung ist Aktivität der Bürger ebenso wichtig wie staatlich-institutionelle Mitgestaltungschancen.

Von Gabriele Buchholtz

Digital kommunizieren wir anders als früher. So viel steht fest. Fest steht auch, dass sich im Zuge der Digitalisierung die Möglichkeiten demokratischer Teilhabe verändert haben. Diese Entwicklung birgt Chancen, aber auch Risiken. Wie kann der Staat die neuen Technologien demokratieförderlich nutzen? Es wird für eine zweigleisige Strategie plädiert: Einerseits brauchen wir bessere digitale Beteiligungsmöglichkeiten. Andererseits muss der Staat dabei helfen, das Internetbewusstsein der Bürger zu schärfen.

Schlagworte

Die neuen digitalen Beteiligungsmöglichkeiten firmieren unter den Schlagworten Electronic Government und Liquid Democracy. Was verbirgt sich dahinter? Electronic Government erfasst einerseits alle technologischen Beteiligungsmöglichkeiten, die der Staat anbietet. Man spricht hier von der sog. Top-down-Kommunikation. Dazu gehören beispielsweise E-Votings, die in einigen europäischen Nachbarländern – darunter Estland und die Schweiz – bereits gang und gäbe sind. Weitere Top-down-Angebote liefert etwa der Deutsche Bundestag durch Online-Petitionen oder die EU durch Online-Konsultationen. Andererseits bezeichnet Electronic Government auch alle von der Zivilgesellschaft bereitgestellten Beteiligungsmöglichkeiten. Hier ist von einer Bottom-up-Kommunikation die Rede. Bekannte Beispiele sind die Petitionsplattformen wie Campact, Change.org oder openpetition.

Zunehmend bilden sich auch Mischformen mit Top-down- und Bottom-up- Elementen. Zu diesem Typus gehört etwa die Europäische Bürgerinitiative, die mit dem Lissabon-Vertrag in Art. 11 Abs. 4 EUV Einzug in das europäische Entscheidungssystem gefunden hat. Mit der EU-Bürgerinitiative können Unionsbürger – es muss sich eine Mindestanzahl von einer Million zusammenfinden – die Europäische Kommission auffordern, ein bestimmtes Gesetzgebungsvorhaben einzuleiten. Dahinter steht ein ehrenwertes Anliegen: Traditionell ist die EU auf dem direktdemokratischen Auge blind. Das soll sich mit der Möglichkeit zur Bürgerinitiative ändern. Welche Rolle spielt hier die Digitalisierung? Eine große, denn der Erfolg einer europäischen Bürgerbeteiligung steht und fällt mit der digitalen Infrastruktur. Seit 2012 sind EU-Bürgerinitiativen möglich. Die bisherigen Erfahrungen sind aber gemischt: Lediglich zwei Initiativen haben den vorgesehenen Prozess erfolgreich durchlaufen. Hervorzuheben ist die Initiative „Recht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung“. Dahinter steht das Ziel, alle EU-Bürger mit sauberem Trinkwasser zu versorgen und eine Liberalisierung der Wasserwirtschaft zu verhindern. Der gewünschte Gesetzgebungsvorschlag kam jedoch nie zustande.

Und was ist Liquid Democracy? Dieses Schlagwort verbindet unterschiedliche Formen der direkten und indirekten Demokratie. Dahinter steht der Wunsch, die politische Entscheidungsfindung breiter zu legitimieren. In der „flüssigen Demokratie“ kann jeder Bürger jederzeit neu entscheiden, ob er sich kompetent fühlt, Politik mitzugestalten, oder ob er seine Stimme lieber einem Experten bzw. einer Partei überträgt. Das Konzept ist nicht neu, es wird insbesondere mit der allseits bekannten Piratenpartei in Verbindung gebracht. Mittlerweile ist der Hype um die Piraten vorbei. Es lohnt sich aber, erneut über Liquid Democracy nachzudenken.

Risiken

Den Chancen der digitalen Partizipation stehen erhebliche Risiken gegenüber. Vor allem die Missbrauchsanfälligkeit ist „demokratiegefährlich“. Jüngst treiben sog. Social Bots im Netz ihr Unwesen. Dabei handelt es sich um Computerprogramme, die in Sozialen Netzwerken wie richtige Nutzer auftreten. Sie streuen Scheinargumente und verunglimpfen Meinungen, um politische Diskussionen zu lenken. Im US-Wahlkampf, aber auch im Ukraine-Konflikt oder in der deutschen Flüchtlingsfrage haben sie den Diskurs entscheidend mitgeprägt. Bekanntlich stammt jeder dritte Trump- Tweet von einem Social Bot. Besorgniserregend ist, dass die algorithmengesteuerte Meinungsmache mit der Realität häufig nichts zu tun hat. Trotzdem erliegen Menschen der Mehrheitsillusion. Längst sind „Alternative Facts“ Faktum unserer Zeit. Gleichzeitig sinkt – mit zunehmender Bedeutung von Einzelmeinungen – der Einfluss von Parlamenten, Fraktionen und Parteien. Der politische Willensbildungsprozess entfernt sich immer weiter von staatlichen Organen – zum Nachteil der Demokratie!

Die Ursache des Problems liegt aber auch bei den staatlichen Organen selbst: Denn bei vielen Bottom-up-Aktionen hat die digitale Bürgerbeteiligung häufig gar keine politische Wirkung. Die abgegebenen Meinungen werden entweder gar nicht oder nur halbherzig in den politischen Entscheidungsprozess eingespeist, weil es den Politikern schlicht am Willen fehlt und oftmals auch am Know-how. Es verwundert also nicht, dass die Bürgerresonanz auf digitale Beteiligungsangebote – gelinde gesagt – schwach ist.

Mit einer zweigleisigen Strategie ist den Problemen beizukommen.

Berücksichtigungspflicht

Zunächst brauchen wir partizipationsfreundlichere Strukturen, d.h. niedrigschwellige, themenspezifische Angebote, die Bürger zur Teilhabe motivieren. Außerdem müssen die digitalen Angebote verbindlicher werden, d.h. in den politischen Entscheidungsprozess eingebracht werden. Der Bürger hat ein berechtigtes Interesse daran, dass der jeweils zuständige Politiker eine digital abgegebene Äußerung berücksichtigt und ggf. ein Feedback abgibt. Insoweit könnte der Begriff einer demokratischen „Berücksichtigungspflicht“ Karriere machen. Eine so verstandene Liquid Democracy würde sich als zukunftsträchtig und praktikabel erweisen. Aber Achtung! Mit der Digitalisierung darf das Ideal der repräsentativen Demokratie nicht überdehnt werden. Die repräsentative Demokratie hat sich als beste Form zur Wahrung des Gemeinwohls erwiesen. Bewusst hat das Grundgesetz das Parlament zur „Mitte der Demokratie“ bestimmt. In diesem Sinne ist eine umfassende Bürgerbeteiligung nicht erstrebenswert, wohl aber eine maßvolle und ehrliche Mitwirkung. Grenzen sind dort zu ziehen, wo Repräsentation der Partizipation umfassend geopfert wird.

Nährboden

Mit der Technik allein ist es nicht getan. Wichtig ist die Erkenntnis, dass demokratische Teilhabe eine zweiseitige Aufgabe ist: Auf den Mitgestaltungswillen der Bürger kommt es ebenso an wie auf die staatlich-institutionellen Mitgestaltungschancen. Dafür braucht es einen sozialen und politischen Nährboden, den das Internet selbst nicht bietet. Laut der aktuellen DIVSI-Milieu- Studie von 2016 fühlen sich immer noch 30 Prozent der Befragten vom Internet „überfordert“. Ursache ist, dass die Medienkompetenz mit sinkendem Bildungsniveau ebenfalls nachlässt. Ziel muss es sein, dass sich alle Bürger in der Datenwelt zurechtfinden, vor allem Missbrauchs- und Manipulationsgefahren erkennen. Andernfalls ist das demokratieförderliche Potenzial der Digitalisierung schnell vertan. Vor allem die Schulen sollten die digitalen Technologien stärker als Bildungsinstrument verstehen. Auch bei der Integration von Zuwanderern ist die Nutzung digitaler Medien ein entscheidender Faktor. Sie kann Integrationsprozesse durch bessere Teilhabe stärken. Hier gilt allemal, dass der Staat „Kommunikationsvorsorge“ betreiben und Verständnishilfen anbieten muss. Nicht schon die technischen Möglichkeiten führen zu mehr Demokratie, sondern erst deren reflektierte Nutzung. In diesem Sinne könnte die Digitalisierung der Demokratie sogar zum Segen werden.

Dieser aktualisierte Beitrag basiert auf einem Vortrag beim DIVSI/Bucerius-Forum und wurde in Langfassung in der DÖV veröffentlicht.

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Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen https://www.divsi.de/online-beteiligung-in-gesundheitsfragen/ https://www.divsi.de/online-beteiligung-in-gesundheitsfragen/#respond Wed, 17 Jan 2018 09:09:00 +0000 http://46.30.3.106/?p=17036 Erkenntnisse des DIVSI Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“. Auch das persönliche Sammeln von Gesundheitsdaten über intelligente Endgeräte hat in Deutschland Verbreitung gefunden. Von Christian P. Hoffmann Ein Schreck jagte durch die Apothekerzunft – ausgelöst durch den Versandhändler Amazon. Ende November ermöglichte die amerikanische Plattform schlagartig zahlreichen Apotheken nicht mehr, ihre nicht verschreibungspflichtigen Medikamente über den „Amazon […]

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Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen

Erkenntnisse des DIVSI Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“. Auch das persönliche Sammeln von Gesundheitsdaten über intelligente Endgeräte hat in Deutschland Verbreitung gefunden.

Von Christian P. Hoffmann

Ein Schreck jagte durch die Apothekerzunft – ausgelöst durch den Versandhändler Amazon. Ende November ermöglichte die amerikanische Plattform schlagartig zahlreichen Apotheken nicht mehr, ihre nicht verschreibungspflichtigen Medikamente über den „Amazon Marketplace“ zu vertreiben. Immerhin rund 40 Apotheken sahen sich plötzlich mit der Gefahr gravierender Umsatzeinbrüche konfrontiert, und dies ausgerechnet vor dem so wertvollen Weihnachtsgeschäft. Die Entwarnung folgte nur kurze Zeit später – Amazon sprach von einem Versehen und versicherte, den Medikamentenversand weiterhin zu ermöglichen.

Ist denn der Online-Handel mit Medikamenten tatsächlich ein so relevantes Geschäft, könnte man nun fragen. Durchaus – wie eine aktuelle Umfrage im Rahmen des DIVSI Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“ zeigt. 61 Prozent der Internetnutzer in Deutschland haben schon über das Internet Medikamente geordert. 26 Prozent geben an, mindestens einmal im Jahr Medikamente zu kaufen, 21 Prozent mindestens einmal im Monat, davon bestellen 3 Prozent sogar mindestens einmal pro Woche Medikamente im Netz.

Internet-Bestellung

Frauen (63 Prozent) sind dabei etwas aktiver als Männer (59 Prozent). Besonders verbreitet ist die Online-Bestellung von Medikamenten unter den 30- bis 39-Jährigen (72 Prozent) und auch unter den 60- bis 69-Jährigen (68 Prozent). Die Urbanität der Wohngegend spielt hingegen keine erkennbare Rolle – Medikamente im Internet zu bestellen, ist in der Stadt (61 Prozent) nahezu gleich verbreitet wie auf dem Land (60 Prozent).

Das Forschungsteam der Universität Leipzig hatte knapp 1.000 Internetnutzer zur Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen befragt. Zuvor waren in einer Literaturanalyse sowie durch Fokusgruppen- Befragungen Online-Aktivitäten gesammelt worden, die der Gesundheitspflege oder der Behandlung von Krankheiten dienen. Insgesamt 33 solcher Aktivitäten wurden identifiziert – die Teilnehmer der quantitativen Umfrage gaben an, wie häufig sie diesen Aktivitäten nachgehen.

Wenig überraschend: Am weitesten verbreitet sind in Deutschland Informationstätigkeiten. 70 – 80 Prozent der Internetnutzer suchen im Netz nach Informationen zu Krankheitsbildern, Behandlungsmöglichkeiten, Gesundheitstipps, nach Ärzten, Krankenhäusern oder Medikamenten. Etwa ein Drittel informiert sich regelmäßig mindestens einmal im Monat. Unter den zehn häufigsten Online-Aktivitäten zu Gesundheitsthemen finden sich alleine sieben Formen der Suche nach gesundheitsbezogenen Informationen. Ebenfalls unter den Top 10 finden sich – neben dem Online-Bestellen von Medikamenten – auch das Anschauen von Trainings- und Fitnessvideos sowie die Nutzung von Fitness- und Trainings- Apps. Vertieft untersucht wurde vor diesem Hintergrund auch die „digitale Selbstvermessung“. Diverse Apps und tragbare Endgeräte („Wearables“) ermöglichen es ihren Nutzern, laufend eigene Gesundheitsdaten zu erfassen – und diese dann online auch mit anderen zu teilen. Dazu können Körpermesswerte wie z.B. Puls und Gewicht gehören, aber auch Ernährungsdaten, Schlafrhythmen etc. Die Umfrageteilnehmer wurden vor diesem Hintergrund gefragt, wie häufig sie (1) online Gesundheitsdaten sammeln (z.B. durch ein Fitnessarmband, eine Smartwatch, digitale Waage etc.) und (2) online Gesundheitsdaten mit anderen teilen oder diskutieren (z.B. über Facebook).

Selbstvermessung

Dabei wurde deutlich: Das Sammeln von Gesundheitsdaten über intelligente Endgeräte hat in Deutschland tatsächlich eine gewisse Verbreitung gefunden. 17 Prozent sind bereits in der Selbstvermessung aktiv. Zurückhaltender sind die Internetnutzer beim Teilen von Gesundheitsdaten zum Beispiel in Sozialen Netzwerken – mit 10 Prozent haben dies aber schon mehr als die Hälfte derjenigen getan, die Gesundheitsdaten sammeln.

Die Umfrageergebnisse zeigen ein Geschlechtermuster, das relativ typisch ist für die Nutzung neuer technischer Geräte: Männer geben sich hier etwas experimentierfreudiger als Frauen. 19 Prozent der Männer, hingegen 16 Prozent der Frauen sammeln ihre Gesundheitsdaten. Vor allem sind aber Männer im Netz mitteilungsfreudiger: 12 Prozent teilen die gesammelten Daten tatsächlich, bei den Frauen sind dies 8 Prozent. Diese Unterschiede relativieren sich aber, wenn die regelmäßige Nutzung ins Auge gefasst wird – unter den wöchentlichen Nutzern sind die Frauen mit 7 Prozent sogar ein wenig stärker vertreten als die Männer (6 Prozent).

Datensammlung

Vor allem entpuppt sich die digitale Selbstvermessung aber als eine Art Lifestyle-Phänomen der urbanen Oberschichten. Sie nimmt bis zur Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen zu (33 Prozent), danach sukzessive ab. Akademiker sind hier besonders aktiv. Unter jenen mit einer Promotion haben 25 Prozent schon Gesundheitsdaten gesammelt, immerhin 13 Prozent haben diese Daten auch online geteilt. In Großstädten sammeln 20 Prozent eigene Daten (gegenüber 17 Prozent im Bundesdurchschnitt). Diese Aktivität nimmt mit steigendem Einkommen zu. 24 Prozent der Internetnutzer aus Haushalten mit einem Nettoeinkommen von über 4.000 EUR sammeln Gesundheitsdaten, aber nur 15 Prozent jener mit einem Einkommen unter 1.000 EUR.

Das Internet ermöglicht aber nicht nur die Vermessung der eigenen Person, sie erleichtert auch die Beurteilung anderer – durch Likes, Punkte, Sterne oder ähnliche Ratingsysteme. Selbst die einstmaligen „Halbgötter in Weiß“ sind vor dieser Entwicklung nicht sicher. Immer mehr Patienten nehmen sich das Recht, ihre Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin online zu bewerten – über alle Altersgruppen hinweg knapp ein Viertel der Internetnutzer (24 Prozent), davon 3 Prozent einmal im Monat, 2 Prozent sogar einmal pro Woche. Dabei lassen sich keine Geschlechterunterschiede feststellen. Weit verbreitet ist die Online-Bewertung von Ärzten vor allem unter Berufstätigen im Alter zwischen 30 und 39 Jahren (38 Prozent) sowie den höher Gebildeten. Unter Promovierten geben 8 Prozent an, jeden Monat Ärzte zu bewerten.

Nicht nur Patientenbewertungen fordern die Autorität von Ärztinnen und Ärzten heraus. Zahlreiche Laien nutzen das Internet auch, um sich gegenseitig Gesundheitstipps zu geben. In Online-Gruppen und -Foren teilen sie persönliche Krankheitserfahrungen und bieten sich so auch gegenseitige Unterstützung. Studien zeigen, dass das Erzählen einer Krankheitsgeschichte im Internet und der Austausch von Empfehlungen Individuen dabei helfen können, ihre Erkrankungen besser zu akzeptieren und schneller zu verarbeiten.

Unter den deutschen Internetnutzern ist das Aussprechen von Tipps (18 Prozent) etwas weiter verbreitet als das Teilen von eigenen Krankheitserfahrungen (14 Prozent). Männer (16 Prozent) sind in der Tendenz eher bereit als Frauen (13 Prozent), online ihre Erfahrungen zu beschreiben. Betrachtet man aber nur jene Internetnutzer, die mindestens wöchentlich in Online-Foren aktiv sind, liegen Frauen (3 Prozent) wiederum geringfügig vor den Männern (2 Prozent). 30- bis 39-Jährige bieten am häufigsten Gesundheitstipps im Netz an (32 Prozent), aber auch 10 Prozent der über 80 Jährigen Internetnutzer haben anderen schon online Ratschläge erteilt.

Selbsttest

Angesichts der zahlreichen Möglichkeiten, das Internet für eine Partizipation in Gesundheitsbelangen zu nutzen, stellte sich das Forschungsteam schließlich die Frage, ob es eine Gruppe unter den deutschen Internetnutzern gibt, die besonders ausgiebig von diesen Gebrauch machten. Die Analyse zeigt: Knapp 5 Prozent der Internetnutzer haben tatsächlich bereits online Gesundheits-Selbsttests gemacht, im Netz einen Arzt konsultiert, an einer Online- Therapie teilgenommen, im Internet Medikamente bestellt und auch die Korrespondenz mit der Krankenkasse online abgewickelt. Diese in Gesundheitsfragen online besonders intensiv Beteiligten können als „digitale Rundumversorger“ bezeichnet werden. Verglichen mit der Gesamtbevölkerung ist diese Nutzergruppe tendenziell männlich (69 Prozent), zwischen 20 und 40 Jahre alt (49 Prozent), einkommensstark (8 Prozent verfügen über ein Haushaltsnettoeinkommen von über 4.000 EUR, im Vergleich zu 3 Prozent der Bevölkerung) und hoch gebildet (Akademikeranteil von 44 Prozent).

Welche Motive Internetnutzer antreiben, einen hohen Grad der Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen zu praktizieren, oder welche Sorgen sie umgekehrt davon abhalten, Fitnessdaten im Netz zu teilen, welche Auswirkungen es auf das Wohlbefinden hat, in Foren oder Gruppen Gesundheitsfragen zu diskutieren – diese und weitere Fragen wird eine nächste Studie des DIVSI Forschungsprogramms Beteiligung im Internet beantworten.

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DIVSI Magazin – Ausgabe 4/2017 https://www.divsi.de/publikationen/magazine/divsi-magazin-ausgabe-42017/ Fri, 22 Dec 2017 12:48:55 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=magazine&p=16914 Zum Inhalt: Brief oder E-Mail? Klarheit in einem sensiblen Feld.  Und weitere Themen…

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Zum Inhalt: Brief oder E-Mail? Klarheit in einem sensiblen Feld.
 Und weitere Themen…

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Beteiligungslandkarte Deutschland – Teil 1: Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen https://www.divsi.de/publikationen/studien/beteiligungslandkarte-deutschland-teil-1-online-beteiligung-in-gesundheitsfragen/ Sat, 09 Dec 2017 13:17:24 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=studien&p=17010 Online-Befragung der Universität Leipzig im Rahmen des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“. Die Beteiligungslandkarte Deutschland. Das DIVSI-Forschungsprogramm „Beteiligung im Internet“ untersucht die Chancen und Herausforderungen, die Voraussetzungen und Folgen der partizipativen Internetnutzung in Deutschland. Dem Programm liegt ein breites Verständnis der „Beteiligung im Internet“ zugrunde – sie umfasst unterschiedliche Formen der bewussten und gezielten Nutzung digitaler […]

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Online-Befragung der Universität Leipzig im Rahmen des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“.

Die Beteiligungslandkarte Deutschland.

Das DIVSI-Forschungsprogramm „Beteiligung im Internet“ untersucht die Chancen und Herausforderungen, die Voraussetzungen und Folgen der partizipativen Internetnutzung in Deutschland. Dem Programm liegt ein breites Verständnis der „Beteiligung im Internet“ zugrunde – sie umfasst unterschiedliche Formen der bewussten und gezielten Nutzung digitaler Plattformen für die Verfolgung individueller und gemeinschaftlicher Interessen.

In einem ersten Schritt des Forschungsprogramms wurde die nationale und internationale Literatur zur „Beteiligung im Internet“ analysiert, um herauszufinden, in welchen Bereichen oder Kontexten partizipative Internetnutzung untersucht wird. Es zeigte sich, dass die Forschung vor allem politische Beteiligung im Netz untersucht, Beteiligung aber auch in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wirtschaft oder Kultur vorkommt („DIVSI-Studie zu Bereichen und Formen der Beteiligung im Internet“).

In einem zweiten Schritt wurden, basierend auf den DIVSI Internet-Milieus, Internetnutzer und auch -nichtnutzer in Deutschland qualitativ befragt, was sie unter „Beteiligung im Internet“ verstehen. Dabei wurde deutlich, dass das Verständnis der Menschen von Beteiligung im Internet im Alltag sehr breit ist. Neben verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen der Beteiligung umfasst sie auch sehr unterschiedliche Intensitäten (vom reinen „Online-Sein“ bis zur Organisation politischer Proteste). Beteiligung im Internet kann freiwillig erfolgen und unfreiwillig, sie kann positive und negative Folgen haben. Und: Beteiligung im Internet ist in unterschiedlichen Milieus verschieden stark ausgeprägt und auf unterschiedliche Zwecke ausgerichtet („DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie?“).

In einem dritten Schritt des Forschungsprogramms wird Beteiligung im Internet in Deutschland quantitativ erhoben. Eine zentrale Frage dabei ist: Welche Bereiche sind prägend für die Beteiligung der Nutzer im Internet, welche spielen eine untergeordnete Rolle? Wie bedeutend sind diese Bereiche also im Vergleich zueinander? Wenn sich die Nutzer im Internet beteiligen, wo tun sie es am ehesten? Wo findet also am meisten Beteiligung statt, wo am wenigsten? Es erfolgt eine nähere Betrachtung der Voraussetzungen (Treiber und Hürden) und auch der Wirkungen einer partizipativen Nutzung des Internets auf das Wohlbefinden der Nutzer sowie auf Vertrauen, auf soziale und ökonomische Inklusion (Empowerment).

Zunächst ist dabei die Frage zu beantworten, wie vielfältig und geläufig Beteiligung im Internet im Lebensalltag der Menschen ist. Zu diesem Zweck soll der Versuch unternommen werden, eine „Landkarte“ zu zeichnen: Welche partizipativen Aktivitäten prägen etwa die Bereiche Gesundheit, Bildung, Wirtschaft oder Kultur? Die „Landkarten“ sollen die Vielzahl und Verbreitung partizipativer Nutzungsformen in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen näher beleuchten.

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Beteiligung im Internet: Im Prinzip sind alle dabei! https://www.divsi.de/beteiligung-im-internet-im-prinzip-sind-alle-dabei/ https://www.divsi.de/beteiligung-im-internet-im-prinzip-sind-alle-dabei/#respond Fri, 16 Oct 2015 10:12:48 +0000 http://46.30.3.106/?p=14005 Neue DIVSI Studie zeigt ganz unterschiedliche Sichtweisen in den verschiedenen Milieus. Von Meike Otternberg Deutsche Internet-Nutzer sind auf einer Reihe von Feldern aktiv im Netz dabei. Sie nutzen es für Teilhabe an Kultur, Bildung, Gesundheit und Wirtschaft. Häufig findet Beteiligung im wirtschaftlichen Kontext statt, aber auch in Verbindung mit Hobbys oder für zivilgesellschaftliche Anliegen. So […]

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Beteiligung im Internet: Im Prinzip sind alle dabei!

Bild: venimo – Shutterstock

Neue DIVSI Studie zeigt ganz unterschiedliche Sichtweisen in den verschiedenen Milieus.

Von Meike Otternberg

Deutsche Internet-Nutzer sind auf einer Reihe von Feldern aktiv im Netz dabei. Sie nutzen es für Teilhabe an Kultur, Bildung, Gesundheit und Wirtschaft. Häufig findet Beteiligung im wirtschaftlichen Kontext statt, aber auch in Verbindung mit Hobbys oder für zivilgesellschaftliche Anliegen. So lautet ein Kernergebnis einer neuen qualitativen DIVSI-Untersuchung, realisiert mit den Experten des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen im Rahmen des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“.

Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass Beteiligung im politischen Bereich eine eher untergeordnete Rolle spielt. Nur wenige setzen sich im Internet für politische Anliegen ein, indem sie Kommentare schreiben, Parteien folgen, in politischen Foren diskutieren oder E-Petitionen unterzeichnen. Es sind wenige, die sich digital an Politik beteiligen und sie auf diesem Weg beeinflussen oder verändern wollen.

Wer, wie, wann, warum?

Doch was verstehen die Internet-Nutzer eigentlich unter Beteiligung im Internet? Wer ist wie und mit welcher Absicht dabei? Die aktuelle Studie zeigt hier eine enorme Bandbreite. Sie beginnt bei der Vorstellung, dass bereits reines Online-Sein Beteiligung ist. Zitat: „Ich finde, man ist immer dann beteiligt, wenn man, wie z.B. bei einem Computer, auf das Internet-Symbol klickt. Weswegen ich die letzten Tage am Internet beteiligt war.“

Auf der anderen Seite gibt es jene, die unbedingt auf den kreativen, produktiven Aspekt Wert legen. Demnach beteiligt sich nur, wer etwas schafft, ergänzt oder verändert: „Damit sich jemand beteiligt, müsste man bloggen, in Foren Hilfestellung geben und versuchen, in irgendeiner Art und Weise Spenden zu sammeln, also in irgendeiner Weise im Netz aktiv sein.“

Eindeutig zeigt die Studie, dass die Nutzer zwischen „aktiver“ und „passiver“ Beteiligung differenzieren. Das Aufnehmen von Informationen oder die Nutzung von Diensten, ein bloßes Herumsurfen sind Formen „passiver Beteiligung“. Man ist irgendwie Teil unserer digitalen Lebenswelt, ohne aber selbst etwas zu leisten. Dennoch scheint auch eine passive Beteiligung nicht unwichtig. Allein durch die Nutzung des Mediums und seiner Angebote tragen die „passiv Beteiligten“ dazu bei, dass diese bestehen können.

Im Unterschied dazu verlangt aktive Beteiligung einen höheren Aufwand und ist durch ein Mehr an Eigenverantwortung geprägt. Die Gruppe der „aktiv Beteiligten“ trägt nachhaltig zur Ergänzung des Internets bei, etwa durch Kommentare in einem Forum. Solche Äußerungen können eine Diskussion beflügeln, wertvoller machen – und auf diese Weise auch das Internet insgesamt.

Auch negative Beteiligung ist ein Thema. Denn im globalen Netz lassen sich auch für zwielichtige Projekte und Ideen Anhänger finden. Es bestehen bei Internet-Nutzern außerdem Ängste, durch Unachtsamkeit im Internet ggf. mit den falschen Anliegen in Verbindung gebracht zu werden.

Datenspuren

Beteiligung im Internet bedeutet immer auch, dass man genau dadurch Datenspuren hinterlässt. Diese werden umso sichtbarer, je stärker das Engagement des Einzelnen ist. Die Untersuchung hat gezeigt, dass sich die Nutzer darüber im Klaren zu sein scheinen. Zitat: „Umso öffentlicher ich mitmache, desto angreifbarer mache ich mich.“

Bei einer Beteiligung muss man sich also zwangsläufig exponieren und wird so angreifbar für Kritik, Beleidigungen, Mobbing, Verfolgung oder Überwachung. Um sich von solchen negativen Auswirkungen nicht beeinflussen zu lassen, brauchen die Nutzer Vertrauen in die persönliche und auch technische Sicherheit, in die eigenen Kompetenzen, in den Anstand anderer Nutzer und in die Durchsetzbarkeit rechtlicher Spielregeln.

Viele Nutzer scheinen dieses Vertrauen zumindest bislang nicht aufzubringen. Deshalb können und wollen sie nur bedingt von den möglichen Vorzügen einer Beteiligung im Internet profitieren.

Um ein fundiertes Verständnis von Beteiligung in den (digitalen) Lebenswelten deutscher Internet-Nutzer zu gewinnen, wurden diese auf Basis der sieben DIVSI Internet-Milieus befragt. Die Milieus sind Ausprägungen einer Typologie, die Menschen nach sozioökonomischen Merkmalen, aber auch nach ihren Einstellungen gegenüber dem Internet und ihren Nutzungsgewohnheiten unterscheidet. Im Prinzip differenzieren die Milieus die Bevölkerung in drei Cluster: Digital Natives, Digital Immigrants und Digital Outsiders. Innerhalb dieser Gruppierungen gibt es weitere Spezifizierungen.

Angekommen

Grundsätzlich ist – so zeigt die Untersuchung – Beteiligung im Internet nicht nur bei den Digital Natives und den Digital Immigrants angekommen. Auch die Digital Outsiders werten ihre meist sehr selektive Nutzung als „Beteiligung“. Diese Erkenntnis ist unabhängig davon, dass die milieuspezifische Auslegung des Begriffs ganz unterschiedlich ausfällt.

Abbildung 4: Die DIVSI-Internet-Milieus (2013)

Studienansatz: Die Untersuchung baut auf den DIVSI Internet-Milieus auf.

Spaltungsgefahr

Die „Internetfernen Verunsicherten“ bleiben praktisch außen vor! Viele haben Mühe, die Vorteile einer Beteiligung im Internet zu erkennen. Dazu passt in der Logik diese Begründung: „Man sagt doch, ich bin Online-Nutzer und nicht Online-Beteiligter.“

Hier droht eine neue Qualität der digitalen Spaltung, ein „Participation Divide“. Auf der einen Seite finden wir dann jene Nutzer, die von den Vorteilen einer Beteiligung im Internet profitieren. Jene, die Kontakte knüpfen, ihre Interessen vertreten, etwas dazulernen, Geld verdienen oder mit den Möglichkeiten des Internets einfach nur Spaß haben wollen.

Auf der anderen Seite stehen alle, die den Zugang nicht finden, die das Internet selten und – falls doch einmal – mit großen Vorbehalten nutzen. Eine aktive Beteiligung im Internet findet bei ihnen kaum statt.

Stöbern schon Beteiligung?

Reiseportal: Ist Stöbern nach Urlaub schon Beteiligung? (Bild: venimo – Shutterstock)

Dabei kann aktives Engagement nicht nur für jeden einzelnen Nutzer persönliche Vorteile bieten. Aus individuell gesammelten Pluspunkten erwachsen weitere Chancen für die Gemeinschaft. Denn durch Beteiligung entsteht Sozialkapital – eine Substanz von immenser Wichtigkeit für jede Gesellschaft. Schon das Gefühl der Gemeinsamkeit kann als ein Vorteil der Beteiligung im Internet betrachtet werden.

Folgestudie

Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig Information und Aufklärung sind. Neben sachlicher Überforderung spielt außerdem oft fehlendes Vertrauen und Unsicherheit eine Rolle. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind gefragt, Hürden für eine aktive Beteiligung im Internet zu senken. Und schon jeder einzelne Nutzer kann durch sein Verhalten zum guten Umgang miteinander beitragen.

Die Arbeiten am Gesamtprojekt „Beteiligung im Internet“ sind mit der jetzt vorgestellten zweiten Studie nicht abgeschlossen. 2016 wird sich als dritter Teil eine repräsentative Untersuchung zu den Fragenkomplexen anschließen.

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DIVSI Magazin – Ausgabe 3/2015 https://www.divsi.de/publikationen/magazine/divsi-magazin-ausgabe-32015/ Fri, 09 Oct 2015 07:35:43 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=magazine&p=13939 Zum Inhalt: Ein digitaler Binnenmarkt für Europa. Und weitere Themen…

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Zum Inhalt: Ein digitaler Binnenmarkt für Europa. Und weitere Themen…

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Spaltet das Netz die Gesellschaft? https://www.divsi.de/spaltet-das-netz-die-gesellschaft/ https://www.divsi.de/spaltet-das-netz-die-gesellschaft/#respond Fri, 18 Sep 2015 14:31:18 +0000 http://46.30.3.106/?p=13735 Ein Kommentar von Prof. Dr. Christian Hoffmann Das Internet bietet zahllose Vorzüge und Bequemlichkeiten. Wir haben uns an sie gewöhnt, ja können uns ein Leben ohne sie kaum noch vorstellen. Doch möglicherweise ist das Internet zugleich eine Ursache für gesellschaftliche Spaltung. Seit den 90er Jahren geht in Wissenschaft und Politik die Angst um vor einer„digitalen […]

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Spaltet das Netz die Gesellschaft?

Bild: Matej Kastelic – Shutterstock

Ein Kommentar von Prof. Dr. Christian Hoffmann

Das Internet bietet zahllose Vorzüge und Bequemlichkeiten. Wir haben uns an sie gewöhnt, ja können uns ein Leben ohne sie kaum noch vorstellen. Doch möglicherweise ist das Internet zugleich eine Ursache für gesellschaftliche Spaltung.

Seit den 90er Jahren geht in Wissenschaft und Politik die Angst um vor einer„digitalen Spaltung“. Demnach gibt es Menschen, die an den Vorzügen des Internets teilhaben, und solche, die aussen vor bleiben, weil sie keinen Zugang zu den neuen Medien finden. Das Internet schafft wertvolle Ressourcen, wie Wissen, Austausch, Zeit- und Geldersparnis. Diese bleiben aber jenen verwehrt, die das Internet nicht nutzen können.

Mit den Jahren entschärfte sich die digitale Spaltung angesichts rasant steigender Nutzerzahlen. Was bleibt von einer„Spaltung“, wenn 80 bis 90 Prozent der Bürger das Internet bevölkern? Doch prompt tat sich eine neue Sorge auf: Was, wenn es eine digitale Spaltung zweiter Ordnung gibt? Oder anders formuliert: Was, wenn wir zwar alle „drin“ sind, aber manche das Internet so nutzen, dass sie besonders viele Vorteile daraus ziehen, während andere ihre Zeit vergeuden oder sich sogar Chancen verbauen? Bezeichnet wird dies als die „Beteiligungsspaltung“ (participation divide).

Beteiligung im Internet

Die neue digitale Spaltung wirft viele Fragen auf: Was bedeutet „Beteiligung im Internet“ genau? Was machen also Menschen, die im Netz beteiligt sind? Warum beteiligen sich manche Menschen nicht, obwohl sie über einen Netzzugang verfügen? Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet ist die Universität St.Gallen diesen Fragen nachgegangen, und hat deutsche Bürger in Fokusgruppen nach ihrem Nutzungsverhalten befragt.

Ein Ergebnis der Studie: Beteiligung im Internet ist allgegenwärtig. Gesundheitsforen, Lern- und Studienhilfen, kollaborative Kunstprojekte, Crowdfunding, der Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen, Petitionen – Formen der Beteiligung finden sich in allen Sphären der Gesellschaft, von der Wirtschaft, über Bildung, Gesundheit und Kultur bis hin zur Politik. In allen Bereichen erstellen und teilen Nutzer Inhalte, um andere zu erreichen, zu bewegen

Das Netz als Abbild der Gesellschaft

Eine heile Beteiligungswelt also? Keineswegs, die Nutzer unterscheiden etwa zwischen freiwilliger und unfreiwilliger, positiver oder negativer Beteiligung: Nicht immer sind Nutzer freiwillig bei Aktionen im Netz dabei – vielleicht wurden sie durch andere hineingezogen, vielleicht wurden ihre Daten ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung verwendet. Beteiligung löst daher auch Sorgen aus. Und: Manche Menschen engagieren sich im Netz für Anliegen, die andere als schädlich empfinden, wie etwa radikale Ideologien.

Warum also sind manche Nutzer im Netz beteiligt und andere nicht? Diese Frage erweist sich als komplex, weil unterschiedliche Nutzer auch Unterschiedliches unter „Beteiligung“ verstehen: Bequeme und spassorientierte Nutzer fühlen sich schon „beteiligt“, wenn sie mit dem Internet verbunden sind, denn dann sind sie irgendwie „dabei“. Souveräne, vielseitige Nutzer haben dagegen ein klares Verständnis von Beteiligung im Internet, sie leben in und mit dem Netz und ziehen zahlreiche Vorteile aus einer partizipativen Nutzung. Viele Nutzer mittleren Alters weisen ein sehr funktionales Verhältnis zum Netz auf, sie schätzen die Vorteile der neuen Medien und nehmen diese selektiv in Anspruch, kontrollieren und begrenzen ihre Nutzung aber strikt.

„Beteiligungsspaltung“ durch Alter, Bildung und Werte

Und dann sind da schliesslich noch die ängstlichen Nutzer, meist höheren Alters. Sie verstehen das Internet kaum, fühlen sich ihm ausgeliefert und vermeiden darum eine aktive Nutzung. Viele von ihnen haben keine Vorstellung, was eine «Beteiligung im Internet» überhaupt sein könnte. Dennoch ist die „Beteiligungsspaltung“ im Netz keine reine Altersfrage. Die Untersuchung zeigt, dass Sorgen und Unsicherheit in allen Altersklassen anzutreffen sind. Mindestens so wichtig wie Kenntnisse und Selbstvertrauen ist auch die Motivation zu einer Beteiligung.

Hier zeigt sich das Netz durchaus als Abbild der bekannten, physischen Welt. Kein Grund aber, die Hände in den Schoss zu legen, denn der Wille, das Vertrauen und die Fähigkeit zu einer Beteiligung im Internet kann soziale Unterschiede verstärken, die ohnehin mit Alter, Bildung, Einkommen und Werthaltungen verbunden sind. Die digitale Spaltung zweiter Ordnung ist also durchaus real. Leider ist sie auch weniger einfach zu überbrücken, als nur mit einem Internetzugang.

Der Artikel ist zuerst auf der Website der Universität St. Gallen erschienen.

Die Studie ist hier im Volltext einsehbar:
http://46.30.3.106/publikationen/studien/divsi-studie-beteiligung-im-internet-wer-beteiligt-sich-wie/

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