Internetnutzungsverhalten – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Studien & Themen, die Zeichen setzten https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/ https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:06 +0000 https://www.divsi.de/?p=19405 Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen. Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo: „DIVSI will […]

The post Studien & Themen, die Zeichen setzten appeared first on DIVSI.

]]>
DIVSI Collage

Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen.

Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo:

„DIVSI will einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Netz organisieren und mit neuen Aspekten beleben. Zudem wird das DIVSI die selbst gesetzten Ziele durch Unterstützung von Wissenschaft und Forschung erreichen. Es geht darum, potenzielle Risiken im Umgang mit dem Internet zu untersuchen und zu analysieren. Aufklärungsarbeit soll für eine Sensibilisierung und für eine Steigerung von Vertrauen und Sicherheit im Internet sorgen.“

Und auch die Methodik wurde sofort benannt: „Das Institut fördert den interdisziplinären Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Somit ist es das geeignete Forum für den Austausch ökonomischer, regulatorischer, rechtlicher, sozialer, kultureller und medienpolitischer Perspektiven. Arbeitsgrundlage sind zukunftsweisende strategische Projekte, für die man Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vernetzen will.“

Als Indiz dafür, dass die Aufgabe gemeistert wurde, kann allein schon die folgende Auflistung eigener DIVSI-Studien dienen. Sie sind zwischen sechs Jahren und knapp zwei Monaten alt. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung festgehaltenen Fakten sind sicher in der schnelllebigen Internet-Zeit nicht mehr sämtlich brandaktuell. Doch unverändert können auch sie als wichtiges Basismaterial dienen.

DIVSI BeteiligungslandkarteBeteiligungslandkarte Deutschland – Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen (2017)

Wie vielfältig und geläufig sind partizipative Formen der Internetnutzung im Lebensalltag der Menschen zur Unterstützung der eigenen Gesundheit oder zur Überwindung von Krankheiten? Welche soziodemografischen Unterschiede sind zu erkennen?

Brief Oder MailBrief oder E-Mail? DIVSI Studie über die Kommunikation im privat-geschäftlichen Bereich (2017)

Erstmals fundierte Erkenntnisse darüber, auf welchen Wegen privat-geschäftliche Kommunikation abläuft und welche Bedürfnisse sie bestimmen. Auch geht die Studie der Frage nach, inwieweit Menschen auf bewährte analoge Kanäle setzen und inwieweit sie inzwischen digitalen Möglichkeiten vertrauen.

Vertrauen in Kommunikation im digitalen ZeitalterVertrauen in Kommunikation im digitalen Zeitalter (2017)

Digitale Kommunikation gehört längst zum Alltag. Persönliche Informationen und sensible Daten werden ausgetauscht. Aber müssen dabei Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit in einem Spannungsverhältnis stehen? Welche rechtlichen, technischen und organisatorischen Antworten sollten für eine künftige sichere digitale Kommunikation gefunden werden, auf die die Menschen vertrauen können?

Digitalisierung – Deutsche fordern mehr SicherheitDigitalisierung – Deutsche fordern mehr Sicherheit (2017)

Die Deutschen stehen der Digitalisierung positiv gegenüber und sehen darin viele Vorteile für sich. Beim Thema Sicherheit im Internet erwarten sie allerdings mehr Engagement – vom Staat und von Unternehmen. Was bedeutet das für Vertrauen und für Kommunikation? Und wie sieht es mit der Eigenverantwortung der Nutzer aus? Die Untersuchung ergab auch auffallende Paradoxien zwischen Verantwortung und Vertrauen.

DIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in DeutschlandDIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland (2016)

Silver Surfer, Best Ager, 60+ – die Altersgruppe der über 60-Jährigen wird zunehmend wichtiger für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, denn sie macht jetzt schon etwa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung aus – Tendenz steigend. Die Studie liefert differenzierte, anschauliche und umsetzungsorientierte Erkenntnisse über die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen und räumt dabei auch mit einigen Vorurteilen auf.

DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“ (2016)

Die Digitalisierung hat die Mobilitätsdebatte vollends erfasst. Aber wie weit entwickelt sind datengelenkte Verkehrssysteme sowie eine sichere und ressourcenschonende Mobilitätskultur wirklich? Wie sind Schutz der Privatsphäre und Nutzung eines digitalen Assistenzsystems im Auto zu vereinbaren? Insbesondere vor dem Hintergrund der Machbarkeit analysiert und hinterfragt diese Studie eine Vielzahl von Diskussionen und Aktivitäten aus Europa und den USA.

DIVSI Internetmilieus 2016DIVSI Internet-Milieus 2016 – Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung (2016)

Wie beeinflusst der digitale Wandel das Leben der Menschen in Deutschland? Wie hat sich ihr Online-Verhalten in den letzten Jahren verändert? Welchen Stellenwert haben Internet und Smartphone im Lebensalltag? Wie denken die Menschen in der Nach-Snowden-Ära über Datensicherheit? Die repräsentative Studie bietet einen vertieften Blick in die aktuellen Lebenswelten unserer digitalen Gesellschaft.

Big DataBig Data (2016)

Zugespitzt auf die Themen „Smart Health“ und „Smart Mobility“ fasst der Bericht Erkenntnisse aus vielen Expertenrunden des DIVSI-Forschungsprojekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ zusammen. Er liefert Argumente für eine gesellschaftliche Debatte und wägt dabei Chancen und Risiken ab.

Recht Auf VergessenwerdenDas Recht auf Vergessenwerden (2015)

Die Entscheidung des EuGH zum „Recht auf Vergessenwerden“ lässt Fragen unbeantwortet, die im Spannungsfeld zwischen Persönlichkeitsrechten, Datenschutz und dem Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit liegen. Dieser komplexen Problematik widmet sich diese Publikation und formuliert schließlich konkrete Empfehlungen für einen „Lösch-Kodex“.

DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie?DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie? (2015)

Was ist Beteiligung im Internet eigentlich genau? Wie und weshalb bringen Internetnutzer sich ein? Die zweite Studie im Rahmen des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Netz“ untersucht Formen, Vorteile und Hürden der Beteiligung im Internet aus Sicht der DIVSI Internet- Milieus. In der qualitativen Untersuchung kommen dabei die Internetnutzer selbst zu Wort.

DIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen WeltDIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen Welt (2015)

Wann und wie kommen Kinder mit digitalen Medien und dem Internet in Berührung? Welche Bedeutung messen Eltern, Erzieher und Lehrer dem Internet für die Zukunft der Kinder bei? Welche Chancen und Risiken werden wahrgenommen, wer trägt die Verantwortung? Die Studie hat Kinder zwischen 3 und 8 Jahren im Blick und lässt sie auch selbst zu Wort kommen.

Daten Ware und WährungDIVSI Studie – Daten: Ware und Währung (2014)

In einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung untersucht DIVSI das Online-Nutzungs- und -Konsumverhalten in Deutschland. Im Fokus stehen Einstellungen der Internetnutzer zu Themen der Datensicherheit sowie Weiterverwendung von persönlichen Daten.

DIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit SmartphonesDIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit Smartphones (2014)

Durch Smartphones sind Menschen heute nahezu ununterbrochen über das Internet miteinander verbunden. Mit steigendem Nutzungsumfang fällt dabei eine Vielzahl von Daten an. Unter der Leitfrage „Was geschieht mit meinen Daten?“ war es Ziel der Studie, das Bewusstsein der Nutzer dafür zu schärfen, welche Daten auf dem Smartphone sein können, welche Möglichkeiten der Einsichtnahme und Einflussnahme sie bei unterschiedlichen mobilen Betriebssystemen haben.

Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex? (2014)

Mit dem Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ lotet DIVSI aus, ob ein Digitaler Kodex ein geeignetes Mittel ist, verbindliche Regeln im Internet auszuhandeln und durchzusetzen. Der Projektbericht steuert nicht nur zu diesem Gedanken Anregungen bei. Er bietet darüber hinaus generelle Anstöße, über die nachzudenken lohnt.

DIVSI Studie Beteiligung InternetDIVSI Studie zu Bereichen und Formen der Beteiligung im Internet (2014)

Das DIVSI-Forschungsprogramm „Beteiligung im Netz“ leistet auf einer breiten theoretischen und empirischen Basis einen Beitrag zum öffentlichen Verständnis der Beteiligungschancen des Internets – und ihrer Voraussetzungen. Die Studie präsentiert einen ersten Schritt in diesem Vorhaben und verschafft einen Überblick über den heutigen Stand der Forschung.

DIVSI U25-StudieDIVSI U25-Studie (2014/2018)

Die DIVSI U25-Studie liefert erstmals fundierte Antworten auf Fragen, die das Verhalten der nachwachsenden Generation im Hinblick auf das Netz betreffen. Über die Nutzungsformen hinaus werden auch die Denk- und Handlungslogiken sowie der lebensweltliche Hintergrund untersucht. Die Nachfolge-Studie wurde gerade vorgestellt.

DIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im InternetDIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im Internet (2013)

Wie sicher fühlen sich die Deutschen im Internet? Wie viel Freiheit und Selbstbestimmung wollen sie? Nach wie viel Regulierung wird verlangt? Die Studie zeigt ein detailliertes Bild des Nutzungsverhaltens der Deutschen im Internet und ihrer Wahrnehmung von Chancen und Risiken.

Entscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im InternetEntscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2013)

Wie denken Entscheider über das Internet? Welchen Akteuren schreiben sie welche Verantwortung und welche Einflussmöglichkeiten zu? Was sagen sie zu Sicherheits- und Freiheitsbedürfnissen? Die Studie verdeutlicht erstmals, wie diejenigen über das Internet denken, die wesentlich die Spielregeln gestalten und Meinungsbilder prägen.

Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“ (2012)

Wie gut kennen sich Meinungsführer im Netz aus? Wie schätzen sie ihre Einflussmöglichkeiten ein? Welche Chancen, Konfliktfelder und Risiken erwachsen daraus? In persönlichen Gesprächen wurden führende Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden interviewt.

Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet + AktualisierungMilieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2012) + Aktualisierung (2013)

Die Milieu-Studie differenziert erstmals unterschiedliche Zugangsweisen zum Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet in Deutschland, basierend auf einer bevölkerungsrepräsentativen Typologie.

The post Studien & Themen, die Zeichen setzten appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/feed/ 0
7 goldene Regeln für die nächste Generation https://www.divsi.de/7-goldene-regeln-fuer-die-naechste-generation/ https://www.divsi.de/7-goldene-regeln-fuer-die-naechste-generation/#respond Mon, 30 Jul 2018 08:38:47 +0000 https://www.divsi.de/?p=18304 Die digitale Revolution macht die Nutzer zu Getriebenen. Niemand will den Zug verpassen oder abgehängt werden. Drohen die smarten User ihr Bürgerrecht auf informationelle Selbstbestimmung zu verlieren? Von Horst W. Opaschowski Der kanadische Kultschriftsteller Douglas Coupland nannte die neue Silicon-Valley-Generation einmal „Microsklaven“. Seine Begründung: Für deren Unterbewusstsein ist nur noch der Computer zuständig. „Microsklaven“ drücken […]

The post 7 goldene Regeln für die nächste Generation appeared first on DIVSI.

]]>
7 goldene Regeln für die nächste Generation

Fotos: Iakov Filimonov – Shutterstock

Die digitale Revolution macht die Nutzer zu Getriebenen. Niemand will den Zug verpassen oder abgehängt werden. Drohen die smarten User ihr Bürgerrecht auf informationelle Selbstbestimmung zu verlieren?

Von Horst W. Opaschowski

Der kanadische Kultschriftsteller Douglas Coupland nannte die neue Silicon-Valley-Generation einmal „Microsklaven“. Seine Begründung: Für deren Unterbewusstsein ist nur noch der Computer zuständig. „Microsklaven“ drücken sich oft vor sozialen Verpflichtungen und tun dabei so, als hätten sie etwas vom Leben. Und je weniger sie davon haben, desto mehr Zeit verbringen sie im Internet. Am Ende wird irgendwann der Punkt erreicht, wo jeder sagt: „Ich habe keine Zeit mehr!“

Schachmatt

Ja, so muss man heute fragen: Wie kann die Zeit einfach verschwinden? Coupland fand schon vor über 20 Jahren eine Erklärung dafür: Die Internet-Giganten haben es „nur auf eure Zeit abgesehen, nicht auf euer Geld“. Hier läuft das Leben „fünfzigmal schneller ab als normal“. Das extreme Lebenstempo erzeugt geradezu Schachmatt-Gefühle. Werden sich die Nutzer gegen diese modernen Zeitdiebe überhaupt noch wehren können? Vor einem Jahrzehnt sagte ich für die nahe Zukunft „Zeitkriege“ voraus, in denen um die Zeit (und nicht nur um das Geld) der Verbraucher gekämpft wird. Es ist jetzt so weit: Sean Parker, der Mitbegründer des Musikdienstes Napster und Ex-Präsident von Plaxo, Inc. sowie Berater von Facebook, gab auf der Konferenz des Online-Portals Axios im November 2017 bekannt, dass es bei der Gründung von Facebook nur um eine zentrale Frage für die Verbraucher ging: „Wie verspeisen wir so viel wie möglich eurer Zeit?“

Die Nutzer sollten von Anfang an zum Opfer einer Wertschätzungsschleife werden und in einen Kreislauf der sozialen Bestätigung („Likes“) geraten, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. Die Erfinder der Sozialen Medien wollten die Nutzer ständig und zeitraubend am Angelhaken behalten, ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen und sie wie bei einem Spielautomaten geradezu süchtig machen, ja ihnen am Ende fast den Verstand rauben.

Parker fällte ein vernichtendes Urteil: „Nur Gott weiß, was Facebook mit den Gehirnen unserer Kinder anstellt.“ Er warf Mark Zuckerberg vor, die Kinder als Facebook-Nutzer bewusst abhängig zu machen. Der Klick auf den Gefälltmir-Knopf wirke wie ein Dopaminschub und verführe zum Immer-mehr: „Ich will noch mehr Likes!“ Die Folge: Die Verwundbarkeit in der Psyche von Kindern und Jugendlichen wird regelrecht ausgenutzt und ausgebeutet.

Achtsamkeit

Das ist jetzt das Gebot der Stunde. Wir brauchen eine digitale Agenda, die über individuelle Abwehrmechanismen nachdenkt und sich auch vor gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen nicht scheut. Konkret: Wir müssen in Zukunft die Zeit von Kindern und Jugendlichen genauso konsequent beschützen wie ihre Privatsphäre. „Es wird Zeit“ – zur Reaktion, zur Gegenwehr oder auch zum Boykott der Verbraucher gegen das Zeitdiktat von Silicon Valley. Die Nutzer müssen Zeitdieben wie Apple, Google und Microsoft sowie Sozialen Medien wie Facebook den Zeitkrieg erklären, wenn sie nicht ihren Zeitwohlstand verlieren und ihre persönliche und soziale Lebensqualität einbüßen wollen.

Natürlich lässt sich die Digitalisierungsuhr nicht mehr zurückdrehen – wohl aber zeitweilig oder für Momente anhalten. Für Kinder und Jugendliche müssen Wege aus der Zeitfalle von Facebook & Co. gefunden werden. Ich schlage der nächsten Generation „7 Goldene Regeln“ für ein gelingendes Leben im digitalen Zeitalter vor:

  1. Habe Mut zur digitalen Diät: Sei öfter offline. Suche und finde deine persönlichen Haltund Ruhepunkte. Lass dich vom Anbieter-Imperativ „Bleib dran – abschalten kannst du woanders“ nicht unter Druck setzen.
  2. Werde zum eigenen Zeitverteidiger: Steig aus dem Erreichbarkeits- und Beschleunigungswahn zeitweilig aus. Lebe wieder nach dem Grundsatz: „Eine Sache zu einer Zeit“ statt „Mehr tun in gleicher Zeit“.
  3. Nimm realistisch zur Kenntnis: Im digitalen Zeitalter ist nichts mehr sicher und fast alles manipulierbar. Schütze deine persönlich sensiblen Daten durch den Aus-Knopf. Zieh öfter den Stecker!
  4. Pflege echte Freundschaften: Verdränge nicht deine mitmenschlichen Kontakte und Beziehungen durch digitale Compunikation. Überwinde die Angst, im Leben etwas zu verpassen, wenn du nicht alles Neue mitmachst.
  5. Vertrau auf deinen inneren Stressschutzschalter: Halte nach Notausgängen zum Flüchten aus der Stressrallye des Alltags Ausschau. Frage dich öfter: „Was ist eigentlich wichtig für mich und was nicht?“
  6. Definiere dich nicht über Soziale Medien: Lass dich nicht blenden vom Schein des Likens und Gelikt-Werdens. Die Anzahl der „Follower“ und „Freunde“ täuscht dir eine hohe Beliebtheit vor, die nicht nachhaltig und von langer Dauer ist.
  7. Steige aus der Zeitfalle aus: Entdecke die Hängematte wieder. Verabschiede dich von dem Irrglauben, das schnelle Netz würde dir helfen, Zeit zu sparen. Leiste dir eine Mañana-Mentalität: Morgen ist auch noch ein Tag!

The post 7 goldene Regeln für die nächste Generation appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/7-goldene-regeln-fuer-die-naechste-generation/feed/ 0
Interdisziplinäres Vorgehen dringend notwendig https://www.divsi.de/interdisziplinaeres-vorgehen-dringend-notwendig/ https://www.divsi.de/interdisziplinaeres-vorgehen-dringend-notwendig/#respond Mon, 09 Jul 2018 08:20:05 +0000 https://www.divsi.de/?p=18293 Grundlegende Gedanken und Aufgabenstellungen für die Professur Cyber Trust. Schwerpunkte ist die Forschung zu Privatheit und Privatsphäre, zu Vertrauen im Internet und Sicherheit. Von Jens Großklags Die neue Professur für Cyber Trust ist an der Fakultät für Informatik der Technischen Universität München eingerichtet. Meine Vision ist es dabei, eine Brückenfunktion zu installieren und mit Leben […]

The post Interdisziplinäres Vorgehen dringend notwendig appeared first on DIVSI.

]]>
Interdisziplinäres Vorgehen dringend notwendig

Fotos: chrisdorney/Peter Gudella – Shutterstock, Icons made by Freepik/Gregor Cresnar/Kiranshastry/SimpleIcon/ – Flaticon

Grundlegende Gedanken und Aufgabenstellungen für die Professur Cyber Trust. Schwerpunkte ist die Forschung zu Privatheit und Privatsphäre, zu Vertrauen im Internet und Sicherheit.

Von Jens Großklags

Die neue Professur für Cyber Trust ist an der Fakultät für Informatik der Technischen Universität München eingerichtet. Meine Vision ist es dabei, eine Brückenfunktion zu installieren und mit Leben zu füllen. Dabei geht es mir auf der einen Seite um die technischen Aspekte der Informatik, auf der anderen Seite um die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Gleichzeitig habe ich auch den Anspruch, den öffentlichen Dialog über Privatheit, Sicherheit und Vertrauen im Internet zu stärken.

Um diese Ziele zu erreichen, ist interdisziplinäres Vorgehen dringend notwendig. Funktionen hierfür sind insbesondere innovative Forschung zur Erfassung und Kommunikation komplexer Zusammenhänge, sei es mit theoretischen Ansätzen, experimentellen Studien oder Datenanalysen. Von besonderem Interesse sind hier Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit DIVSI bei repräsentativen Studien mit Unternehmen und Nutzern über deren Entscheidungsverhalten und Erfahrungen mit Datenschutz und Sicherheit. Schlussendlich ist das Ziel, besser auf Risiken reagieren zu können und Verbesserungen zu erreichen.

Strukturierung

Mit der Professur will ich unsere Forschung in unterschiedlichen Arbeitsbereichen strukturieren. Dabei geht es vor allem um Forschung zu Privatheit und Privatsphäre, zu Vertrauen im Internet und schließlich um Sicherheit.

Im Hinblick auf die Thematik Privatheit geht es darum zu erforschen, wie Menschen ihre Bedürfnisse bezüglich eines privaten Lebens kommunizieren, und andererseits, wie sie sich dann verhalten.

Zu den Anfängen meiner Forschung zählt die empirische Beobachtung, wonach eine Kluft zwischen Privatsphäre- Bedürfnis und gelebter Realität besteht. Teilweise sind es psychologische Faktoren, die uns daran hindern, unsere Vorsätze umzusetzen.

Andererseits sind es aber auch die Anforderungen des modernen Lebens, die es häufig fast unmöglich machen, Datenflüsse zu beschneiden, wenn zum Beispiel bestimmte Kommunikationsplattformen in Beruf, Bildung oder Freizeit de facto unabdingbar sind. Andererseits ist es für den Einzelnen häufig viel zu schwierig festzustellen, ob Daten gesammelt oder in großen Mengen von Nutzern oder Unternehmen weitergegeben werden. Kürzlich haben wir verschiedene experimentelle Studien hierzu publiziert, die jetzt durch den Fall Cambridge Analytica besondere Relevanz gewonnen haben. In diesem Fall wurden mindestens drei Datenkomponenten zweckentfremdet:

  1. Psychologische Daten von Nutzern, die mit einer Facebook Application kommuniziert hatten.
  2. Eine Vielzahl von Daten, welche auf Facebook über diese Nutzer gespeichert waren.
  3. Die Daten von Freunden, welche (zu dem Zeitpunkt) keine vernünftige Möglichkeit hatten, über solche Datenflüsse informiert zu werden oder diese unterbinden zu können.

Fragenfülle

Diese Situation wirft eine Vielzahl von Forschungsfragen auf: Wie soll die Architektur eines technischen Mechanismus gestaltet werden, sodass eine gute Balance zwischen positiver Kommunikation und Datenschutz geschaffen wird? Welche Rolle haben wir als Nutzer und als Teil der Gesellschaft, um Kommunikation positiver zu gestalten?

Ein neuerer Schauplatz für diese Fragen ist die Privatheit von unseren genetischen Daten. Individuell angepasste medizinische Behandlungen auf der Basis von solchen Informationen bieten viele Möglichkeiten und Vorteile, aber eben auch Risiken und schwierige Entscheidungsprozesse über den Zugang zu medizinischen Behandlungen. Und nicht nur für die Teilnehmer an genetischen Tests, sondern auch für deren existierende Blutsverwandte und noch nicht geborene Kinder und Kindeskinder. Wie soll damit in der Zukunft umgegangen werden? Ein Datenleck wie im Cambridge-Analytica- Fall hätte hier Auswirkungen auf Generationen von Menschen.

Schutzmaßnahmen

In diesem Zusammenhang ist die Frage zu klären, inwiefern verschiedene Strategien zum Schutz der Privatheit zukunftstauglich sind. Soll man Menschen die Möglichkeit geben, sich zu informieren und eine gewisse Kontrolle über ihre Daten auszuüben? Oder soll man in Technologien Datenschutz vorab einbauen (Privacy by Design)? Oder machen sogar großflächigere Teilhabemechanismen Sinn?

Beim Thema Vertrauen im Internet halte ich die Vielzahl von verschiedenen Betrugsstrategien für sehr besorgniserregend. Das macht Forschung in diesem Gebiet besonders schwierig, da es einfach zu viele Ausprägungen von Betrug gibt. Aber noch schwieriger ist es für Menschen, diese Versuche immer sofort zu erkennen.

In der Vergangenheit habe ich zu einigen verschiedenen Formen von Betrug Forschungsarbeiten durchgeführt, auch zu Telefonbetrug. Wir wollen jetzt hierzu einen Beitrag in Deutschland leisten und hier auch mit dem DIVSI zusammenarbeiten.

Dazu ist anzumerken, dass viele Betrugsfälle zwischenmenschliche Beziehungen ausnutzen. Daten aus den USA zeigen, dass die Mehrheit der Fälle von Identitätsdiebstahl auf Personen zurückzuführen ist, welche dem Opfer bekannt sind. Wie schützt man Schutzbedürftige nicht nur vor Kriminellen, sondern auch vor solchen persönlichen Kontakten, insbesondere, wenn unsere menschlichen Schwächen ausgenutzt werden?

Festzustellen bleibt auch, dass Sicherheit in Unternehmen nur bedingt gewährleistet ist. Eine Studie des Ponemon Institute zeigte kürzlich, dass über die Hälfte von Hunderten von Unternehmen den Ursprung von Cyberangriffen nicht feststellen konnte. Noch viel problematischer ist es, dass es im Durchschnitt um die 220 Tage dauert, bis Angriffe überhaupt registriert werden. Daten von Verizon, die wir analysiert haben, machen dieses Problem deutlich. In Deutschland ist es nicht anders, wie auch die Angriffe auf den Bundestag gezeigt haben.

Sicherheitsplus

Dabei geben wir schon enorme Summen für Sicherheit aus. Das Problem liegt teilweise darin, dass unser Verständnis über die Art und Weise, wie wir in Sicherheit investieren sollten, immer noch sehr mangelhaft ist. Unternehmen werden mit Maßnahmenkatalogen und internationalen Sicherheitsstandards überschwemmt. Dabei ist jedoch unklar, wie die einzelnen Maßnahmen zu priorisieren sind und welche Investitionen tatsächlich einen positiven Effekt bewirken würden. Unsere Forschung setzt hier durch verschiedene theoretische und empirische Arbeiten an. So arbeiten wir an theoretischen Modellen, welche uns helfen sollen, Ansätze zu finden, um die Zeit bis zur Erkennung von Angriffen zu verringern. Und wir forschen auch an Möglichkeiten, welche die Wahl zwischen verschiedenen Arten von Sicherheitstechnologien verbessern sollen. Im Problemfeld Ransomware besteht beispielsweise die Frage, wie man ein Sicherheitsbudget auf Maßnahmen zur Prävention, zum Schutz durch Backup- Mechanismen oder zur Zahlung von Lösegeldern verteilen sollte. All diese Maßnahmen haben bestimmte Vorteile, aber auch Schwächen.

Prämiensystem

Zusätzlich arbeiten wir auch an verschiedenen empirischen Studien, etwa im Bereich Softwaresicherheit. Ein Ansatz, um hier Fortschritte zu erreichen, ist es, Software einer breiten Masse von Experten zugänglich zu machen und für gefundene Schwachstellen im Code dann Prämien zu zahlen. Solche sogenannten Bug-Bounty-Programme werden mehr und mehr auch auf Plattformen zusammengeführt und zentralisiert, welche dann wiederum Möglichkeiten bieten, die Effizienz solcher Ökosysteme zu verbessern.

Dieses Vorgehen eröffnet zahlreiche interessante Fragestellungen. Wie viel sollte an Prämien gezahlt werden? Wie gestaltet man den Wettbewerb zwischen den einzelnen Programmen um die talentiertesten Hacker? Gibt es plattformübergreifend Erkenntnisse über Sicherheitslücken?

Das Spannende an der Forschung in den Bereichen Privatheit, Vertrauen im Internet und Sicherheit ist sicherlich das enorme Tempo, mit dem sich diese Themenbereiche weiterentwickeln und sich damit die Problemfelder, Anforderungen und Lösungsansätze ändern.

Verbundenheit

Eine relative Konstante bleibt letztlich nur der Mensch. Wir alle möchten das Internet und die verschiedenen Serviceleistungen weiterhin produktiv für Arbeit, Bildung und Freizeit nutzen können. Der Anspruch dieser Professur ist es, dafür einen Beitrag zu leisten durch Arbeiten, welche informatische und gesellschaftswissenschaftliche Methodiken zusammenführen. DIVSI hat sich als Arbeitsgrundlage dazu verpflichtet, einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Internet zu organisieren und mit neuen Aspekten zu beleben. Als Professor für Cyber Trust fühle ich mich diesen Zielen sehr verbunden.

The post Interdisziplinäres Vorgehen dringend notwendig appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/interdisziplinaeres-vorgehen-dringend-notwendig/feed/ 0
Digitalisierung und Sport: das neue Dream-Team? https://www.divsi.de/digitalisierung-und-sport-das-neue-dream-team/ https://www.divsi.de/digitalisierung-und-sport-das-neue-dream-team/#respond Wed, 04 Jul 2018 08:41:19 +0000 https://www.divsi.de/?p=18265 Training allein reicht nicht mehr aus. Egal ob beim Profi oder Freizeit-Akteur. Der Einsatz moderner Technik steigert die Leistung und beugt auch der Gefahr von Verletzungen vor. Von Agnieszka Walorska Höher, weiter, schneller, besser – das gilt nicht nur für die laufende Fußball-Weltmeisterschaft. Schon immer haben Sportler sowohl mit erlaubten als auch unerlaubten Mitteln versucht, […]

The post Digitalisierung und Sport: das neue Dream-Team? appeared first on DIVSI.

]]>
Digitalisierung und Sport

Foto: Halo Sports

Training allein reicht nicht mehr aus. Egal ob beim Profi oder Freizeit-Akteur. Der Einsatz moderner Technik steigert die Leistung und beugt auch der Gefahr von Verletzungen vor.

Von Agnieszka Walorska

Höher, weiter, schneller, besser – das gilt nicht nur für die laufende Fußball-Weltmeisterschaft. Schon immer haben Sportler sowohl mit erlaubten als auch unerlaubten Mitteln versucht, ihre Leistung zu steigern. Dank der allgegenwärtigen Sensoren und der nie da gewesenen Möglichkeiten der Datenerfassung und -analyse haben Profisportler und Trainer, aber auch Hobbysportler neue Lösungen an die Hand bekommen, um gezielt einzelne Aspekte zu trainieren und Fortschritte unmittelbar nachzuverfolgen.

Generell ist seit einigen Jahren ein großes Wachstum im Breitensport zu beobachten, das parallel zum Trend hin zu gesunder Ernährung und ausgewogener Work-Life-Balance verläuft. 10,1 Millionen Menschen besuchen in Deutschland regelmäßig ein Fitnessstudio, damit sind es drei Millionen mehr als noch vor sieben Jahren. Die Besinnung auf körperliche Aktivität schlägt sich auch in einem Umsatzwachstum von Fitness-Trackern um 46 Prozent seit 2013 nieder. 2,8 Milliarden US-Dollar an weltweitem Umsatz prognostiziert IHS Technology für 2019.

Profialltag

Digitale Technologien wie Fitness-Tracker von Polar oder Whoop sind bei Leistungssportlern schon zum Alltag geworden. Eine Befragung unter Fußballclubs in der 1. und 2. Bundesliga zeigt, dass über 85 Prozent GPS-Sportuhren einsetzen, um Daten über die zurückgelegte Strecke, die Geschwindigkeit und Herzfrequenz zu erfassen. Daneben kommen Lichtschranken zur Verbesserung der Koordination und Reaktion sowie intelligente Vereinssoftware zum Einsatz, um die Daten auszuwerten.

Immer mehr Sportclubs setzen zudem auf ein umfassendes Monitoring ihrer Sportler. Dazu gehören die Kontrolle von Blutwerten und Schlafverhalten oder die Analyse der Körperzusammensetzung (Bioimpedanz). Damit soll nicht nur ein Trainingsoptimum erreicht, sondern auch das Verletzungsrisiko minimiert werden. Mit Predictive Analytics warnen Algorithmen die Sportler oder Betreuer vor Ermüdungszuständen oder Konzentrationsschwächen, noch bevor es zu einer Verletzung kommt.

Technologie-Einsatz

Wearable-Tracker sind schon im Wettkampfgeschehen angekommen. Die US-amerikanische Baseball-Liga MLB lässt so ausgewählte Geräte bei Ligaspielen zu. Die Spieler dürfen ein Hemd mit Sensoren tragen, die Daten zur Atemfrequenz, Körperhaltung, Geschwindigkeit und zum Aktivitätslevel erfassen.

Daten-Tracking ist jedoch nur eine Form, wie Technologien im Sport zum Einsatz kommen. In den USA wird u.a. vom olympischen Skisprung-Team die neuronale Stimulation angewendet. Unter Einsatz des Halo Sport, eines intelligenten Kopfhörers, wird in der Aufwärmphase der Motorcortex mit elektrischen Impulsen angeregt. Anschließend soll das Gehirn eine Stunde lang über eine erhöhte neuronale Plastizität verfügen und empfänglicher für Trainingsimpulse sein. Damit sollen Muskelaufbau und Muskelgedächtnis effektiver trainiert werden.

Darüber hinaus ist der Einsatz von Virtual-Reality-Technologien in der NFL, NBA, NHL schon gängig, um Spielsituationen im Training zu simulieren. Im europäischen Raum gilt der DFB als VR-Pionier. Mit VR-Brillen simuliert die deutsche Nationalmannschaft gezielt Strafstoßsituationen für Feldspieler und Torwarte.

Trainingsmethode

Der DFB zeigt sich insgesamt als sehr technologieaffin. In einer Kooperation mit SAP werden Spielund Trainingsdaten gesammelt, ausgewertet und weiterverarbeitet. In Datenbanken sind wichtige Spielsituationen, gegnerische Teams mit ihren Stärken, Schwächen und Taktiken sowie einzelne Spieler mit ihrem Schussverhalten beim Elfmeter angelegt. Eine weitere innovative Trainingsmethode aus Deutschland ist der Einsatz des Footbonauten. In einem quadratischen Raum werden dem Fußballspieler Bälle aus verschiedenen Richtungen von Ballmaschinen zugespielt. Der Spieler muss in kurzer Zeit realisieren, aus welcher Richtung die Bälle kommen, und sie in wechselnde Zieltore schießen. Kameras erfassen dabei alle Bewegungen, sodass Trainer und Spieler am Ende eine detaillierte Statistik über Trefferquote oder Zeit zwischen Ballannahme und Schuss erhalten.

Besonders aktiv trägt das Institut für Angewandte Trainingswissenschaften Leipzig zur Digitalisierung des Sports bei. Es hat eine multimediale Datenbank entwickelt, auf die Judo-Kämpfer zur Wettkampfvorbereitung via Smartphones zugreifen und sich über mögliche Gegner informieren können. Das Institut erstellt zudem 3-D-Scans von Skispringern, um die Körperhaltung bei der Anfahrt zu verbessern.

Auch im Breitensport haben sich digitale Hilfsmittel etabliert, um Trainingseinheiten, Erholungs- und Schlafphasen oder die Ernährungsweise zu messen und zu optimieren.

App-Zeit

Mit Runtastic kam 2009 eine der ersten Sport-Apps für Smartphones auf den Markt, die zunächst Läufer, Wanderer und Radfahrer ansprach. Inzwischen hat der Hersteller sein Angebot mit Sportuhren und Fitnesswaagen auch für andere Disziplinen erweitert. Auf einer Plattform können die Nutzer ihre Fortschritte und Erfolge mit anderen teilen und auf Übungsvideos oder Ernährungspläne zugreifen. Die App wird mittlerweile von über 130 Millionen Menschen genutzt und wurde 2015 von Adidas für 220 Millionen Euro übernommen.

Strava, MyfitnessPal oder Freeletics sind nur einige populäre Anwendungen auf dem neuen SportTech-Markt, der von Equipment über Communities hin zu Coaching ziemlich jeden Aspekt rund um den Sport abdeckt.

Neue Zeiten

Die Anwendungen sind in der Regel mit Schnittstellen ausgestattet, an die Wearables andocken, um Daten zum Bewegungs-, Schlaf- und Ernährungsverhalten zu liefern. Weltweit führen zurzeit Xiaomi, Apple, Garmin und Fitbit den Wearable-Markt an.

Fitness-Tracker

Foto: Dragon Images – Shutterstock

Seit Fitbit 2007 den Anfang machte, gefolgt von Jawbone, Garmin und der Apple Watch, ist der Wearable-Markt stetig gewachsen. Im Jahr 2017 wurden allein in Deutschland rund 1,55 Millionen Fitness-Tracker verkauft, und sie haben längst das Image von klobigen Geräten abgeschüttelt, die den Nutzer sofort als Tech-Nerd entlarven. Die Wearables kommen in unzähligen Farben und Varianten daher und fügen sich in Form von Ohrsteckern oder Halsketten als Lifestyle- Accessoire in die Modetrends ein. Als Lifestyle-Accessoire, das jedoch mit zahlreichen Sensoren bestückt ist.

Nicht nur Allrounder

Darüber hinaus gibt es ein breites Angebot an sportspezifischen Wearables und Apps, die sich auf einzelne Aspekte von Sportarten konzentrieren. Für den Basketball existieren beispielsweise zahlreiche Gadgets wie Smart-Ärmel oder -Bälle, um Wurfpräzision oder Dribbelbewegungen gezielt zu trainieren.

Das Funktionsspektrum erstreckt sich über den reinen Leistungsaspekt hinaus und wirkt auch in Bereiche wie die Sicherheit hinein. Der smarte Fahrradhelm von Livall umfasst neben integrierten Lichtern und einem Anrufsystem auch eine SOS-Funktion, die automatisch einen Notruf absetzt, sobald der Helm einen Unfall registriert. In der Strava App können Sportler außerdem ihre Trainingsstrecken oder Standortdaten via GPS teilen.

Performance-Steigerung

Die digitalen Möglichkeiten bringen jedoch nicht nur Vorteile mit sich. Je weiter die Digitalisierung des Sports voranschreitet, desto stärker wächst die Gefahr von gläsernen Sportlern. Athleten tracken ihre Körper- und Leistungsdaten, um konkurrenzfähig zu bleiben, und setzen sich gleichzeitig dem Risiko aus, durch ihre Sportvereine oder Trainer überwacht zu werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Fitness- Tracker und auf die Haut aufklebbare Sensoren passé sein werden und stattdessen dauerhafte Lösungen wie implantierbare Chips und Smart-Tattoos zum Einsatz kommen, um Leistungsfähigkeit, Herzschlagfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffgehalt im Blut, Hydrationslevel oder Glukosespiegel rund um die Uhr zu messen. Formen dieses Kontrollgedanken ließen sich im Vorfeld der Winterolympiade 2018 beobachten. Dort wurde die Forderung laut, Olympiateilnehmern zu Implantaten zu verpflichten, um ihre Blutwerte lückenlos auf mögliche Doping-Vergehen zu analysieren.

Mit der zunehmenden Kostensenkung durch Genomanalysen von 23andMe oder Ancestry hält auch die Genetik Einzug in den Sportbereich. Anbieter wie Athletigen erlauben Nutzern, ihre DNA-Analysen hochzuladen und sich maßgeschneiderte Trainings- und Ernährungspläne erstellen zu lassen, die die individuelle genetische Zusammensetzung berücksichtigen. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein solches Feature in Zwang umschlägt und in noch strengeren Zulassungsbeschränkungen für den Profisport mündet als ohnehin schon?

Datenschutz

Gegen 24/7-Kontrollmechanismen sprechen sich auch Datenschützer aus. Imke Sommer, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in Bremen, stellt heraus, dass Daten- Tracking Leistungskontrollen gleichkämen, die laut Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts nicht lückenlos sein dürften: „Es muss klar sein, jetzt wird ein Test gemacht, und dann ist wieder keiner.“

Auch für den Hobbysportler entstehen neue Risiken, wenn sie ihre intimen Fitnessdaten Unternehmen und Servern in der Cloud anvertrauen. Laut einer BITKOM-Befragung aus dem Jahr 2016 sehen 39 Prozent von Verbrauchern bei der Nutzung von Wearables dahingehend Risiken, dass die Daten durch Dritte weiterverwendet werden könnten.

Dass den Daten eine Brisanz innewohnt, die auf den ersten Blick nicht sofort ersichtlich ist, unterstreicht ein Vorfall mit dem Sportnetzwerk Strava. Strava bietet Nutzern die Möglichkeit, Trainingsdaten (Trainingsleistung und Strecken) auf die Plattform hochzuladen und sie mit anderen Nutzern zu teilen. Im November 2017 veröffentlichte Strava eine Karte, auf der alle bisherigen Nutzeraktivitäten visualisiert waren. Anhand dieser Visualisierung konnten Militäranalysten beispielsweise versteckte Militärbasen u.a. in Syrien und Afghanistan ermitteln und Laufrouten sowie Lagerstrukturen ablesen.

Die Digitalisierung des Sports ist voll im Gange. Von innovativen Produkten und Trainingsmethoden profitieren aber nicht nur die wenigen Profisportler, auch jeder Hobbysportler erhält Zugang zu einer Vielzahl von neuen Möglichkeiten. Gleichsam bringt die Entwicklung neue Herausforderungen mit sich, die nicht außer Acht gelassen werden sollten.

The post Digitalisierung und Sport: das neue Dream-Team? appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/digitalisierung-und-sport-das-neue-dream-team/feed/ 0
So entstehen aus Mosaiksteinchen detaillierte Profile https://www.divsi.de/so-entstehen-aus-mosaiksteinchen-detaillierte-profile/ https://www.divsi.de/so-entstehen-aus-mosaiksteinchen-detaillierte-profile/#respond Mon, 30 Apr 2018 06:42:52 +0000 https://www.divsi.de/?p=17569 Die Gefahren von Trackern und Persönlichkeitsprofilen. Gibt es eine Chance, der Datensammlung zu entgehen? Von Christian Bennefeld Bei einer Podiumsdiskussion mit Internetlenkern wurde Angela Merkel einmal gefragt, wie sie es mit dem Online-Einkauf halte. Sie antwortete prägnan: „Einmal im Internet was gekauft, du wirst verfolgt.“ Ein Phänomen, das offensichtlich nicht nur unsere Kanzlerin bewegt, sondern […]

The post So entstehen aus Mosaiksteinchen detaillierte Profile appeared first on DIVSI.

]]>
Mosaiksteine

Die Gefahren von Trackern und Persönlichkeitsprofilen. Gibt es eine Chance, der Datensammlung zu entgehen?

Von Christian Bennefeld

Bei einer Podiumsdiskussion mit Internetlenkern wurde Angela Merkel einmal gefragt, wie sie es mit dem Online-Einkauf halte. Sie antwortete prägnan: „Einmal im Internet was gekauft, du wirst verfolgt.“ Ein Phänomen, das offensichtlich nicht nur unsere Kanzlerin bewegt, sondern jeden Internet-Nutzer beschäftigt.

Gerade sucht man nach einer Urlaubsreise nach Mallorca, und schon bombardieren einen viele Webseiten mit Urlaubswerbung. Woher „wissen“ auf einmal der SPIEGEL, die BILD oder GMX von dem Reisewunsch auf die Baleareninsel? Der Grund für die Verfolgung sind Persönlichkeitsprofile, erstellt von Werbeservern und Datensammlern (im Fachdeutsch „Tracker“). Laut einer aktuellen Studie von Ghostery kommen heute auf jeder Webseite durchschnittlich 20 dieser Tracker zum Einsatz.

Diese halten nicht nur genau fest, welche Seiten wir besuchen, sondern auch, wie wir mit diesen interagieren. Sie zeichnen beispielsweise haarklein sämtliche Mausbewegungen auf und speichern alle Eingaben in Online-Formularen – und das selbst dann, wenn das Formular niemals abgesendet wird. Ob der Nutzer bei der Eingabe des Haushaltseinkommens in einen Kreditrechner zögert oder mehrmals korrigiert, bleibt Trackern auch nicht verborgen. Sogar die Augenreaktionen lassen sich anhand der Mausbewegungen ableiten.

Tracking - Eisberg

Noch Fragen? Egal was, alles wird gecheckt und klammheimlich zu einem großen Ganzen verknüpft.

Rückschlüsse

Durch die Verknüpfung sämtlicher Tracking- Daten über mehrere Websites und alle Geräte des Nutzers hinweg entstehen aus den einzelnen Daten-Mosaiksteinchen detaillierte Profile, die tiefe Einblicke in die Persönlichkeit und die Intimsphäre des Nutzers erlauben. Allein über die Kenntnis der besuchten Webseiten lassen sich beispielsweise einfach Rückschlüsse über die politische Einstellung, sexuelle Wünsche oder den Gesundheitszustand des Surfers ziehen. Wer etwa regelmäßig Seiten von Umweltorganisationen, zu alternativen Energien oder zur Sozialpolitik abruft, landet schnell in der politisch linken Ecke. Surfer, die dagegen regelmäßig nach schweren Krankheiten wie HIV suchen oder Seiten zu Drogenentzug und Therapiezentren studieren, haben dagegen mutmaßlich schwere Probleme mit der Gesundheit und illegalen Betäubungsmitteln.

Profitoptimierung?

Anders als in traditionellen Medien, wie Radio, TV oder Print, bei denen jeder Konsument dieselbe Werbung sieht, ist es im Internet erstmals möglich, auf die Persönlichkeit individuell abgestimmte Werbung anzuzeigen. Grundlage hierfür sind die gesammelten Persönlichkeitsprofile. Mag der männliche Nutzer dank personalisiertem Echtzeit-Targeting erfreut sein, dass er keine Werbung für Damenblusen erhält, wundert sich die 30-jährige Nutzerin mit Haarausfall hingegen, dass sie neben Haarwuchsmitteln auch ständig Werbung für Inkontinenzwindeln erhält. Ein peinliches Versehen vielleicht, aber sicher keine Gefahr.

Die lauert ganz woanders. Zum Beispiel bei dynamischer Preisbildung, die viele Online-Shops zur Profitoptimierung verwenden. Abhängig vom Persönlichkeitsprofil, sehen Nutzer dabei ganz unterschiedliche Preise. So kann es sein, dass Nutzer eines teuren Tablets mehr für das gleiche Produkt bezahlen als Besitzer eines Linux-Systems. Die Preisdiskriminierung im Online-Handel folgt dabei nebulösen Mechanismen. Manche Händler bieten mobilen Nutzern Preisvorteile, andere dagegen, wenn der Nutzer von bestimmten Seiten kommt. In einigen Fällen steht und fällt der Preis zudem abhängig von der geografischen Herkunft, der Besuchsfrequenz oder den ermittelten Interessen.

Aber nicht nur Online-Händler machen sich heute Persönlichkeitsprofile zunutze. Auch Finanzdienstleister und Versicherer wollen gerne vor Vertragsabschluss wissen, mit wem sie es zu tun haben. Scoring lautet das viel beschworene Stichwort der Branche. Der „Score“ ist dabei ein Wert, der das individuelle Risiko, ein Geschäft mit dem Nutzer einzugehen, beurteilt – und zwar bevor das Geschäft überhaupt zustande kommt. Wer regelmäßig Sportwetten im Internet abgibt, seine Zeit mit Online-Poker verbringt und häufig nach Kurzkrediten sucht, hat demnach einen höheren Risiko-Wert für Kreditgeber als jemand, der dieses Verhalten nicht zeigt.

Versicherungsrisiko

Versicherungsrisiko: Extremsportler hinterlassen in ihrem digitalen Profil Spuren vermeintlich gefährlicher Hobbys.

Profiteure

Ein Sportler, der gerne Tiefseetauchen, Fallschirmspringen oder Freeclimbing nachgeht, stellt für Versicherer ebenfalls ein besonderes Risiko dar, das sich in höheren Versicherungsprämien widerspiegelt. Profildaten sind dabei umso wertvoller, je genauer sie das Bild des beobachteten Nutzers zeichnen. Potenziell falsche Daten oder fehlerhafte Zusammenführungen sind dabei besonders gefährlich. Welcher Journalist wird schon gerne bei der Einreise in die USA wie ein Verbrecher behandelt, nur weil er für eine investigative Recherche über Terrorismus Websites des Islamischen Staates besucht hat?

Die Profiteure sind dagegen Datenhändler, Werbekonzerne und Scoring-Anbieter. So verknüpft beispielsweise Google nach eigenen Angaben über seine mehr als 70 Dienste alle gewonnenen Daten zu genauen Persönlichkeitsprofilen. Selbst wenn der Nutzer gar keine Google-Dienste nutzt, gerät er in die Fänge des Datenkrakens. Dank Google Analytics, dem Web-Analyse-System von Google, das heute auf mehr als 80 Prozent aller Websites zum Einsatz kommt, entgeht dem Konzern kaum ein Klick – selbst außerhalb des Google-Universums. Das Perfide dabei ist die Bildung personenbezogener Nutzerprofile. Die Verknüpfung mit dem Menschen „Stefan Meier“ erfolgt umgehend, sobald der Nutzer über ein Google-Konto verfügt.

Dieses muss aber jeder Nutzer anlegen, der etwa Google Mail, Google Kalender oder irgendeinen anderen Dienst des Konzerns nutzen will. Besitzer eines Android-Geräts, egal ob Tablet, Telefon oder Google Home, kommen ebenfalls nicht um ein Google-Konto herum. Bei der Anlage des Nutzerkontos müssen Nutzer aber nicht nur die Geschäftsbedingungen, sondern auch die Datenschutzbestimmungen akzeptieren. Doch wer liest schon die verklausulierten, seitenlangen Bedingungen bei der Inbetriebnahme eins Android-Gerätes: So willigt der Nutzer bei Google ein, dass alle Daten über sämtliche Dienste personenbezogen erfasst werden. Aber Google, als weltweit größter Datensammler, ist hier nur ein Stellvertreter. Andere Konzerne wie Facebook, Microsoft und auch Apple nutzen ähnliche Tricks, um personenbezogene Profildaten zu erfassen und zu monetarisieren.

Bruchteile

Immerhin sieht der Gesetzgeber im Telemediengesetz die Möglichkeit des Widerspruchs gegen Profildatenspeicherung vor. So muss der Betreiber alle Tracker in der Datenschutzerklärung der Website nennen, die pseudonyme oder gar personenbezogene Nutzerprofile erfassen. In der Praxis taucht aber häufig nur ein Bruchteil der verwendeten Tracker in der Datenschutzerklärung auf. Außerdem ist ein Widerspruch nur dann möglich, wenn der sogenannte Opt-out technisch möglich ist und nicht an bestimmte Betriebssysteme oder Browser gebunden ist. Google Analytics bietet beispielsweise standardmäßig nur eine Widerspruchsmöglichkeit per Plugin an, das sich beispielsweise auf Apple-iOS-Geräten, auf Smart-TVs oder Spielekonsolen nicht ausführen lässt. Nicht zuletzt verzichten viele Seitenbetreiber gleich komplett auf die aufwendige Implementierung von Opt-out-Cookies.

Aber selbst wenn sämtliche Tracker in Datenschutzerklärungen genannt und eine technisch auf jedem Gerät funktionierende Widerspruchsmöglichkeit existiert, hat der Nutzer praktisch keine Chance gegen die Datenerhebung. Denn dazu müsste er nicht nur sämtlichen, durchschnittlich 20 Trackern einzeln widersprechen – und das bevor er die Seite besucht. Anschließend müsste er dazu kleinlich darauf achten, dass er die Cookies, die den Widerspruch signalisieren, nicht wieder löscht, um dann wieder von vorne anzufangen. Eine Sisyphusaufgabe.

Anonymität im Internet ohne Hilfsmittel ist eine Illusion. Google, Facebook und Co. wissen heute mehr über jeden Einzelnen als einst die Stasi über die Bürger der DDR. Wer sich dagegen schützen will, muss tief in die Trickkiste greifen: Tracker und Daten sammelnde Werbung lassen sich noch gut mit Plugins für Browser blocken. IP-Adressen können durch die Installation eines Tor-Browsers oder eines VPN-Clients anonymisiert werden.

Ausweg

Der Abfluss von Geräte-Informationen und -Fingerprints ist aber nur noch durch technische Fachleute zu verhindern. Eine Lösung für dieses scheinbare Dilemma sind innovative Netzwerkgeräte, wie der eBlocker, die einfach an den heimischen Router angeschlossen werden. Ganz ohne Softwareinstallation schützt der eBlocker die Privatsphäre per Plug & Play auf allen an das Heimnetz angeschlossenen Geräten gleichermaßen. Jeder Nutzer kann so ohne technische Kenntnis ganz einfach der Profilbildung entgehen.

The post So entstehen aus Mosaiksteinchen detaillierte Profile appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/so-entstehen-aus-mosaiksteinchen-detaillierte-profile/feed/ 0
Brief oder E-Mail? Mehr Klarheit in einem sensiblen Feld https://www.divsi.de/brief-oder-e-mail-mehr-klarheit-in-einem-sensiblen-feld/ https://www.divsi.de/brief-oder-e-mail-mehr-klarheit-in-einem-sensiblen-feld/#respond Wed, 24 Jan 2018 11:16:05 +0000 http://46.30.3.106/?p=17094 DIVSI Studie über Kommunikation im privat-geschäftlichen Bereich. Was die Menschen wollen, wovor sie Sorge haben. Von Silke Borgstedt Während es bereits zahlreiche Erkenntnisse darüber gibt, wie Menschen beruflich oder privat kommunizieren, wird der privat-geschäftliche Bereich, bei dem Privatpersonen (nicht als Arbeitnehmer) mit Unternehmen (z.B. Handel, Versorgungsunternehmen), Ämtern und Behörden oder etwa Ärzten in Kontakt treten, […]

The post Brief oder E-Mail? Mehr Klarheit in einem sensiblen Feld appeared first on DIVSI.

]]>
Brief oder E-Mail? Mehr Klarheit in einem sensiblen Feld

DIVSI Studie über Kommunikation im privat-geschäftlichen Bereich. Was die Menschen wollen, wovor sie Sorge haben.

Von Silke Borgstedt

Während es bereits zahlreiche Erkenntnisse darüber gibt, wie Menschen beruflich oder privat kommunizieren, wird der privat-geschäftliche Bereich, bei dem Privatpersonen (nicht als Arbeitnehmer) mit Unternehmen (z.B. Handel, Versorgungsunternehmen), Ämtern und Behörden oder etwa Ärzten in Kontakt treten, bislang ausgespart. Dabei bedarf gerade dieser Bereich eines vertieften Blicks – schließlich werden in der privat-geschäftlichen Kommunikation besonders sensible, personenbezogene Daten ausgetauscht.

Wen kontaktet der Nutzer warum?

Die Kommunikation des Individuums erstreckt sich über drei Felder. Der privatgeschäftliche Bereich war bislang eine Grauzone.

Den Fokus der Studie bildete daher die Frage, welchen Stellenwert verschiedene Kommunikationskanäle aus Sicht der Menschen in Deutschland in einer zunehmend digitalisierten Welt für diese Art Kommunikation haben. Die Untersuchung liefert damit einen Beitrag, den Status quo und die erlebten digitalen Veränderungsprozesse im privat-geschäftlichen Kommunikationsbereich nicht nur zu beschreiben, sondern Ansatzpunkte zu identifizieren, wie Chancen maximiert und Menschen befähigt werden können, möglichen Risiken souverän zu begegnen.

Austausch

Eine Erkenntnis ist: Während die Mehrheit im privaten Austausch mit Familie und Bekannten ein breites Spektrum an Online-Kanälen ganz selbstverständlich nutzt, spielen viele von ihnen bei der privat-geschäftlichen Kommunikation kaum eine Rolle:

  • Für den privaten Austausch nutzen bereits knapp drei Viertel der Bevölkerung Instant-Messaging (74 Prozent), gegenüber fünf Prozent, die diesen Kanal privat-geschäftlich nutzen.
  • Über Soziale Netzwerke kommunizieren privat 58 Prozent, nur vier Prozent tun dies im privat-geschäftlichen Bereich.

Dennoch ist die Verständigung online auch für den privat-geschäftlichen Bereich bedeutend. Die E-Mail ist hier zu einem zentralen Kommunikationsmittel geworden. Zwar ist das persönliche Gespräch am Telefon immer noch am wichtigsten, die E-Mail steht jedoch an zweiter Stelle und ist die meist-genutzte Form der Online-Kommunikation.

  • 60 Prozent korrespondieren mit Banken und Versicherungen per E-Mail. Auch hier nimmt sie Platz zwei ein, nach dem Telefonat (71 Prozent).
  • Im Austausch mit Unternehmen ist sie das am zweithäufigsten genutzte Medium nach dem Telefon (71 Prozent E-Mail, 76 Prozent Telefon). Der Brief steht mit 38 Prozent auf Platz drei.
  • Mit Ämtern und Behörden wird bereits gleich häufig per E-Mail und Brief kommuniziert (jeweils 59 Prozent).
Kanäle der privaten, beruflichen und privatgeschäftlichen Kommunikation

Kanäle der privaten, beruflichen und privatgeschäftlichen Kommunikation: „Welche der folgenden Kommunikationsmittel bzw. -möglichkeiten nutzen Sie zumindest gelegentlich?“. Alle Kommunikationsmittel im Vergleich – außer Intranet, Kundenportal und Kunden-App, da diese nur einen Bereich betreffen; in Prozent.

Grundsätzlich gilt: Die Wahl des Kanals hängt im privat-geschäftlichen Bereich wesentlich vom Kommunikationsanlass ab. Je vertraulicher der Anlass, desto relevanter werden Briefe: 71 Prozent empfangen wichtige Dokumente (für die eigene Ablage) lieber auf Papier als via E-Mail, und 70 Prozent wählen bei offiziellen Angelegenheiten einen Brief statt einer E-Mail.

Vertraulichkeit, Verlässlichkeit und persönliche Beratung sind die zentralen Anforderungen an privat-geschäftliche Kommunikationskanäle. Dass die Vertraulichkeit der Kommunikation grundgesetzlich geschützt ist, hat für die Menschen auch in der digitalen Welt große Bedeutung. 90 Prozent sehen als erforderlich an, dass das Briefgeheimnis auch in der digitalen Welt gilt. Jedoch halten es 69 Prozent für bedroht durch die Digitalisierung.

Entsprechend ausgeprägt sind die Bedenken der Befragten hinsichtlich der Sicherheit von E-Mails:

  • 71 Prozent sind fest oder eher davon überzeugt, dass E-Mails ebenso leicht ausgespäht werden können wie eine Postkarte. Für 65 Prozent besteht die große Gefahr, dass E-Mails mitgelesen werden. 62 Prozent befürchten die Manipulation von E-Mails.
  • Die E-Mail erfüllt die zentralen Anforderungen der Menschen an privat-geschäftliche Kommunikation somit nicht. Aber sie steht für alltagsrelevante Convenience-Merkmale: zeit und ortsunabhängige Kommunikation bei geringeren Kosten im Vergleich zum Brief.

Für die Mehrheit der Befragten schließen sich Sicherheit und Convenience als Anforderung nicht aus. 62 Prozent erwarten sowohl Sicherheit als auch eine einfache und bequeme Handhabung.

In der Abwägung konkreter Sicherheits- und Convenience-Aspekte zeigen die Befragten einen Widerspruch zwischen Einstellung und Verhalten. Auch wenn Sicherheitsaspekte im direkten Vergleich zu Convenience als wichtiger bewertet werden, sind im Alltag allerdings Annehmlichkeiten wie Orts- und Zeitunabhängigkeit handlungsleitende Kriterien. Im direkten Vergleich erfüllt der Brief aus Sicht der Befragten Sicherheitsanforderungen (vertraulich, rechtsverbindlich) besser als die E-Mail.

  • Den Brief hält knapp die Hälfte der Befragten für rechtsverbindlicher als die E-Mail (49 Prozent), und 46 Prozent finden, dass er vertraulicher ist.
  • Aber von 65 Prozent der Personen, die davon ausgehen, dass E-Mails (sehr) unsicher vor dem Zugriff Unbefugter sind, versenden bis zu 45 Prozent auf diesem Wege sogar Informationen und Dokumente, die sie für besonders schützenswert halten (private Telefonnummer 45 Prozent, IBAN 21 Prozent, Dokumente, die einen Rechtsstreit betreffen, 17 Prozent, Finanzdaten 15 Prozent).

Die Verantwortung, für eine sichere Online- Kommunikation Sorge zu tragen, sehen die Nutzer gleichermaßen bei Staat, Wirtschaft und sich selbst. Nahezu niemand sieht einen Akteur als hauptverantwortlich an.

Kommunikation-Verantwortung

Sicherheitsbedürfnis und Verantwortungszuschreibung: „Im Folgenden sehen Sie eine Liste mit Aussagen zum Thema Online-Kommunikation. Bitte geben Sie anhand dieser Skala an, inwieweit die jeweiligen Meinungen und Ansichten für Sie persönlich zutreffen.“ in Prozent.

Die Ergebnisse zeigen insgesamt, dass trotz der Sensibilität der verhandelten Vorgänge bei den Menschen Unsicherheiten existieren, was jeweils der sicherste und/oder einfachste Weg ist – oder welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Zum einen sehen sie sich als Getriebene in einem Prozess, der ohnehin von den Institutionen vorgegeben wird. Zum anderen können sie nur vermuten, wie es um die Sicherheit neuer Online-Optionen in diesem Feld tatsächlich bestellt ist.

Aufklärungsmanko

Hilfreich wäre es, für jeden Kanal oder Kommunikationsanlass in einem „Fakten-Check“ prüfen zu können, inwiefern diese wirklich vertrauenswürdig sind bzw. welche Fallen oder gängigen Missverständnisse es gibt. Das würde zu einer nachhaltigen Sensibilisierung für Kriterien für eine sichere und verlässliche Kommunikation im Internet beitragen. Aus Perspektive der Befragten scheinen in diesem Bereich aktuell sowohl Aufklärung über mögliche Risiken als auch klare Standards im Umgang mit diesen Kanälen zu fehlen. Bei der Umsetzung im Alltag zeigen die Menschen daher bislang entsprechend unterschiedliche Strategien, mit diesen Unklarheiten umzugehen:

  • Wer verunsichert oder weniger informiert ist, versucht, bei etablierten Angeboten zu bleiben und so lange wie möglich die Online-Optionen zu umgehen. Insbesondere jüngere Menschen zeigen einen großen Pragmatismus. Sie haben generell weniger (Sicherheits-)Bedenken, aber dafür höhere Convenience-Ansprüche: Es soll möglichst schnell und einfach gehen. Sicherheit ist nicht unwichtig, vielmehr ist das Vertrauen grundsätzlich vorhanden, dass Unternehmen oder Behörden verlässlich mit den Daten umgehen. In den jüngeren Alterskohorten gelten etablierte Mittel der Online-Kommunikation, wie z.B. die E-Mail, bereits als Kommunikations-„Dinosaurier“, die einem Brief in puncto Seriosität in nichts nachstehen.
  • Knapp die Hälfte der Bevölkerung macht sich wenig Sorgen bei der Online- Kommunikation, weil sie nicht davon ausgeht, dass die eigenen Daten für andere interessant sein könnten. Diese Gruppe ist für den Wert der eigenen Daten in einer zusehends digitalisierten Ökonomie zu sensibilisieren. Zudem finden sich bei diesen Menschen auch viele, für die das Thema Sicherheit insgesamt schlicht irrelevant ist. Aufgrund selten bewusst erlebter Konsequenzen oder ihrer geringen Bedeutsamkeit werden Risiken kaum thematisiert.

Die ungebrochen hohe Bedeutung des direkten sprachlichen Austauschs ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die zunehmende Bedeutung von Online-Kanälen für die Menschen nicht zu einer umfassenden „Verschriftlichung“ von Angelegenheiten führen darf. Sowohl die öffentlichen wie die kommerziellen Akteure in der privat-geschäftlichen Kommunikationskonstellation sollten berücksichtigen, dass es den Menschen wichtig ist, persönlichen Kontakt aufnehmen zu können, bzw. sie sich zum Teil gar nicht in der Lage sehen, entsprechende Vorgänge schriftlich zu bearbeiten.

Sicherheit ist im Bereich privat-geschäftlicher Kommunikation als Kriterium zwar ein allgegenwärtiges Bedürfnis, es wird jedoch seitens der Nutzer nicht konsequent in entsprechend souveräne Maßnahmen übersetzt. Zum einen, weil Maßnahmen nicht als wirksam betrachtet werden, zum anderen, weil sie zu viel Aufwand bedeuten.

Vermittlung

Es ist plausibel, dass sich aus den vorgenannten Gründen ein Graben zwischen Einstellung und Verhalten befindet: Sicherheit ist das Ideal, Convenience aber der konkrete Bedarf im eng getakteten Alltag. Gerade wenn sich der Alltag – vor allem auch im Bereich privat-geschäftlicher Angelegenheiten – immer mehr digitalisiert, braucht es klare Grundregeln, damit die Menschen Vertrauen in neue, digitale Möglichkeiten entwickeln können. Sie brauchen Sicherheit, um Neues überhaupt ausprobieren zu wollen. Es bedeutet auch, sie über mögliche Risiken, deren Konsequenzen ihnen aktuell noch kaum bewusst sind, in Kenntnis zu setzen, bevor diese eintreten.

Wer diese Vermittlungsaufgabe übernehmen will und kann, ist noch fraglich. Die Menschen sehen hier den Staat in hohem Maße in der Verantwortung. Dabei geht es ihnen weniger darum, sich selbst nicht zuständig zu sehen, denn die Ergebnisse zeigen, dass sich die Befragten auch selbst als mitverantwortlich betrachten. Sie brauchen jedoch Unterstützung bei der Einschätzung von Risiken und entsprechenden Möglichkeiten, diesen sicher begegnen zu können. Aktuell wird die Erfüllung dieser Aufgabe vom Staat zwar gefordert, aber sie wird ihm nicht zugetraut. Dieses auch in anderen DIVSI Studien festgestellte Grunddilemma erfordert unbedingt eine souveräne Auflösung, um das grundsätzliche Vertrauen darin zu stärken, dass der Staat nachhaltige Lösungen für die künftige digitalisierte Gesellschaft entwickelt, umsetzt und kompetent begleitet.

Download der Studie: https://www.divsi.de/publikationen/studien/brief-oder-e-mail-divsi-studie-ueber-die-kommunikation-im-privat-geschaeftlichen-bereich/

The post Brief oder E-Mail? Mehr Klarheit in einem sensiblen Feld appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/brief-oder-e-mail-mehr-klarheit-in-einem-sensiblen-feld/feed/ 0
Wählen gehen. Gibt es dafür auch schon eine App? https://www.divsi.de/waehlen-gehen-gibt-es-dafuer-auch-schon-eine-app/ https://www.divsi.de/waehlen-gehen-gibt-es-dafuer-auch-schon-eine-app/#respond Fri, 14 Jul 2017 08:20:01 +0000 http://46.30.3.106/?p=16098 Wie die Administration von den Erfahrungen der Wirtschaft profitieren könnte. Aleksandra Sowa Kenneth Arrows Satz der Sozialwahltheorie – auch Arrow-Paradoxon genannt – ist das, was man auch als Killer-App für das wichtigste demokratische Verfahren, die Wahlen, bezeichnen könnte. Das Theorem, das von Arrow in seiner Dissertation „Social Choice and Individual Values“ im Jahr 1951 veröffentlicht […]

The post Wählen gehen. Gibt es dafür auch schon eine App? appeared first on DIVSI.

]]>
Wählen gehen. Gibt es dafür auch schon eine App?

Wie die Administration von den Erfahrungen der Wirtschaft profitieren könnte.

Aleksandra Sowa

Kenneth Arrows Satz der Sozialwahltheorie – auch Arrow-Paradoxon genannt – ist das, was man auch als Killer-App für das wichtigste demokratische Verfahren, die Wahlen, bezeichnen könnte. Das Theorem, das von Arrow in seiner Dissertation „Social Choice and Individual Values“ im Jahr 1951 veröffentlicht wurde, besagt, dass sich keine vollständige und transitive „gesellschaftliche Rangordnung“ aus einer beliebigen Menge an individuellen Präferenzen (unter Einhaltung bestimmter – aus ethischen oder methodischen Gründen naheliegender – Bedingungen) bilden lässt. Verkürzt gesagt: Es existiert kein Wahlverfahren, das alle Bedingungen der Universalität, das schwache Pareto-Prinzip, Unabhängigkeit von irrelevanten Alternativen und Nichtdiktatur, gleichzeitig erfüllt. Schlimmer noch: Das Wahlverfahren, das die meisten der o.g. Voraussetzungen für eine gerechte und fundierte Wahl erfüllt, heißt Diktatur.

Wenn die Bürger nicht mehr an ihrem wichtigsten Verfahren, dem Gang zur Wahlurne, teilnehmen wollen, dann hat Demokratie ein ernsthaftes Problem, kritisiert David Van Reybrouck in „Gegen Wahlen“ und fragt: „Ist das Parlament dann überhaupt noch repräsentativ?“, oder müsste ein Viertel der Sitze leer bleiben, wenn 26 Prozent der Wahlberechtigten nicht wählen gehen? In den Sechzigern, so Van Reybrouck, herrschte noch Apathie und Vertrauen: „Damals konnte eine einfache Bäuerin politisch vollkommen apathisch sein und der Politik sogleich vollkommen vertrauen.“ Heute dagegen heißt es: Begeisterung und Misstrauen. „Demokratiemüdigkeitssyndrom“ nennt Van Reybrouck das Phänomen, das sich u.a. durch Wahlverweigerung oder die sogenannte elektorale Volatilität manifestiert. Hinzu kommt:

„Diejenigen, die zur Wahl gehen, mögen die Legitimität des Verfahrens vielleicht noch anerkennen, zeigen aber immer weniger Loyalität gegenüber ein und derselben Partei.“

Die Phänomene sind keinesfalls neu: Wahlabstinenz, Politikverdrossenheit, Apathie und schwindende politische Partizipation – man bescheinigt den modernen Demokratien eine Menge Schwächen. Vor wenigen Jahren schien das Mittel gegen die Probleme endlich gefunden zu sein: das Internet. Von den Enthusiasten zur „Technologie der Freiheit“ (Ithiel de Sola Pool) und zum Revival der „athenischen Demokratie“ (Al Gore) ausgerufen. Fortdauernde, ja messianische Hoffnung, die jeweils nächste Technologie könnte die Probleme lösen, die von der aktuellen Technologie geschaffen wurden, scheint fest in der bürgerlichen Gesellschaft verankert zu sein, schrieb 1994 der Sozialwissenschaftler Howard Rheingold. So verwundert es wenig, dass das Internet als ein politisch besonders attraktives Medium eingestuft wurde, da es nicht nur eine Fülle von Informationen vorhält, sondern auch als Ort politischer Selbstorganisation und globaler Verständigung Bürger mit gleichlautenden Zielen verbindet und ihre politische Durchsetzungskraft bündelt.

Internet-Abstimmung

Auf lange Sicht hätte das Internet sogar direkte Bürgerbeteiligung und Entscheidungen in Online-Referenden ermöglichen und politische Vertreter sowie Intermediäre ganz überflüssig machen können. Mittelfristig wollte man sich auch damit begnügen, seine Stärken zur Verbesserung der Partizipation und politischen Kommunikation zu nutzen: die Interaktion zwischen den Menschen verbessern, die Mitsprache bei politischen Entscheidungen und den politischen Diskurs erleichtern, den informierten Bürger herbeischwören.

Die ersten Erfolge bestätigte die in die neue Technologie gesetzte Hoffnung: In den US-Vorwahlen der Demokraten in Arizona im Jahr 2000, in denen ein wesentlicher Anteil der Stimmen erstmalig per Internet abgegeben wurde, zeigte sich eine Steigerung der Wahlbeteiligung gegenüber 1996 von immerhin 676 Prozent. Das veranlasste die Koalitionsfraktionen „vor dem Hintergrund der oft diagnostizierten Politik- und Parteiverdrossenheit, dem abnehmenden Vertrauen in die staatlichen Institutionen, der angesichts der Komplexität zunehmenden Undurchschaubarkeit politischer Entscheidungsstrukturen und -prozesse und der immer weiter abnehmenden Wahlbeteiligung“ im Jahre 2002 dazu, in einer Petition an den Deutschen Bundestag die drängende Frage zu stellen, wie diesen Beteiligungsdefiziten begegnet werden könnte. Die Antwort lieferte das Internet als „wichtige Ergänzung traditioneller Wege politischer Teilhabe in der repräsentativen Demokratie“, um es mit den Worten der Initiative D21 zu formulieren, die bürgerliches Engagement insgesamt schneller und flexibler – und so kompatibel mit den neuen Lebens- und Freizeitgewohnheiten – machen sollte. Der Weg zu einer Wahl-App schien offen.

Wir schreiben das Jahr 2017

Das Jahr der 19. Wahl zum Deutschen Bundestag. Die neue Technologie hat die überkommenen Probleme nicht gelöst. Neue Intermediäre kamen hinzu: soziale Medien und Internet-Konzerne. Die „Echokammer“ soll bei Facebook die Wähler vor anderslautenden politischen Meinungen und Einstellungen abschirmen, und Google ist zweitwichtigste Quelle für politische Meinungsbildung. Dabei ist die Bezeichnung „sozial“ irreführend: Facebook, Twitter oder Instagram sind genauso kommerzielle Medien wie RTL oder Fox – mit dem Unterschied, dass der Medienkonsument nicht zuschaut, sondern selbst schreibt und teilt. Die neue Technologie verschafft dem Bürger zwar neue Mündigkeit, doch zugleich verwandelt sie die Wahlen in eine permanente Kampagne – eine politische Daily Soap mit kostenlosen Schauspielern.

Vergebens war das Experiment dennoch nicht: Es wurden Lektionen gelernt und Risiken erkannt.

Erstens:

Die Einführung elektronischer Wahlen – ob als E-Voting oder Wahlmaschinen – machte die Abstimmungen effizienter und half Kosten sparen. Dennoch sind Wahlautomaten nicht manipulationsfrei und vor der Sabotage nicht sicher, stellte man bei den letzten US-Präsidentschaftswahlen fest. Sie könnten von ausländischen Geheimdiensten angegriffen und beeinflusst werden – auch wenn sie nicht über das Internet verbunden sind. Beweise für derartige Aktivitäten wurden zwar nicht gefunden – dennoch verkündete die niederländische Regierung, auf die automatisierte Wahlzettelauszählung zu verzichten. Ob fremde oder eigene Geheimdienste ihre Hände im Spiel haben: Experten warnen seit Jahren vor den Risiken, Wahlen einer unausgereiften Technologie zu überlassen.

Zweitens:

Nicht technische Raffinesse und Sicherheit haben sich als wesentliche Herausforderungen für die elektronischen Wahlen herausgestellt, sondern das Vertrauen der Wähler in das Wahlverfahren. Und das hängt nicht unwesentlich vom Vertrauen in das politische System, seine Institutionen und Repräsentanten ab. In einer Zeit, in der das Telefon, das Auto, sogar der Kühlschrank in das private Leben ihrer Nutzer eindringen, klingt der Leitsatz von E-Voting: „Behandle Wähler wie Kunden“, wie eine Drohung. Andererseits zeigen Experimente, wie die Abstimmungsverfahren des Virtuellen Ortsvereins (VOV), dass auch (technisch) relativ einfache Wahlsysteme Zuspruch und Akzeptanz der Nutzer finden, wenn das Verfahren und die ausrichtende Institution das Vertrauen der Wähler genießen.

Staats-Domäne

Trotz zunehmender Digitalisierung und Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen sollten Wahlen – wie auch Justiz oder Verteidigung – eine Domäne des Staates bleiben. Die Administration könnte dennoch von den Erfahrungen der Wirtschaft profitieren. Und ähnlich wie bei einer E-Business-App stehen die Generierung von unverfälschten und zuverlässigen Transaktionen und Rationalisierung der Wahlorganisation im Fokus. Wie im elektronischen Geschäftsverkehr sollten fortgeschrittene Sicherheitsmaßnahmen, von PKI mit PIN oder Passwort bis hin zu Biometrie, die Risiken von Betrug und Manipulation bei den elektronischen Wahlen minimieren (der elektronische Personalausweis würde diese Funktion vermutlich perfekt erfüllen). Doch die eindeutige Identifizierung und Authentifizierung der Wähler, die Wahlbetrug und Mehrstimmen verhindern sollten, heben zugleich seine Anonymität auf. Womit die Wahlen zwar (bis zu einem gewissen Grad) sicher wären, der Wähler aber nicht. Alleine deswegen sollte zwischen der Sicherheit des Wahlprozesses und der Sicherheit der Wähler im Sinne des Schutzes ihrer Anonymität unterschieden werden. Auch wenn beide Schutzziele mit denselben Maßnahmen, wie Kryptografie, gewährleistet werden können.

„Werden E-Voting-Verfahren in der Zukunft weiterhin als politische ‚E-Business‘-Anwendungen konzipiert, könnte dies kontraproduktive Folgen für ihre Akzeptanz haben“, warnten im Jahr 2001 Leggewie und Bieber in APuZ. Der Wunsch des Staates nach sicheren und manipulationsfreien Wahlen einerseits – und das Recht der Bürger, ihre Wahlentscheidung geheim zu halten, erschweren die technische Umsetzung. Elektronische Verfahren müssen nicht nur den Anforderungen an allgemeine, unmittelbare, freie, gleiche und geheime Wahlen genügen. Die Wahlprozedur muss transparent und jederzeit von der Öffentlichkeit kontrollierbar und überprüfbar sein. Darüber hinaus muss das Wahlsystem Integrität, Verfügbarkeit, Verlässlichkeit und Verantwortbarkeit aufweisen. Summa summarum sollte das Wahlsystem also Eigenschaften wie Akkuratesse, Privatheit (bzw. Anonymität), Robustheit, Verifizierbarkeit, Fairness, Abstreitbarkeit, Eindeutigkeit und Legitimität haben.

Das sind wahrlich ein paar mehr als die vier Bedingungen, die den Nobelpreisträger Arrow zur Formulierung seines Paradoxons verleitet haben. Vertrauen, schrieb er, sei der Klebstoff sozialer Systeme – und ein knappes Gut. „If you have to buy it, you already have some doubts about what you have bought.”

The post Wählen gehen. Gibt es dafür auch schon eine App? appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/waehlen-gehen-gibt-es-dafuer-auch-schon-eine-app/feed/ 0
Datenschutz im Wahlkampf https://www.divsi.de/datenschutz-im-wahlkampf/ https://www.divsi.de/datenschutz-im-wahlkampf/#respond Mon, 10 Jul 2017 08:13:55 +0000 http://46.30.3.106/?p=16093 Einfache Grundregeln helfen Politik und Bürgern gleichermaßen. Frederick Richter Noch wissen wir nicht, welches Thema im Bundestagswahlkampf die Agenda bestimmen wird. Eine große Überraschung wäre es allerdings, würden sich Bundeskanzlerin Merkel und ihr Herausforderer Martin Schulz heftige Debatten gerade um das Thema Datenschutz und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung liefern. Für diesen Bereich muss daher […]

The post Datenschutz im Wahlkampf appeared first on DIVSI.

]]>
Datenschutz im Wahlkampf

Einfache Grundregeln helfen Politik und Bürgern gleichermaßen.

Frederick Richter

Noch wissen wir nicht, welches Thema im Bundestagswahlkampf die Agenda bestimmen wird. Eine große Überraschung wäre es allerdings, würden sich Bundeskanzlerin Merkel und ihr Herausforderer Martin Schulz heftige Debatten gerade um das Thema Datenschutz und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung liefern. Für diesen Bereich muss daher stets aufs Neue um Aufmerksamkeit gekämpft werden.

Daher wird auch die Bundesstiftung für den Datenschutz nicht müde werden, zu erinnern, dass geschützte Daten die Grundlage für eine funktionierende Demokratie sind – ganz so, wie es auch Artikel 8 der EU-Grundrechtecharta beschreibt. Der Datenschutz bleibt eines der wichtigsten Bürgerrechte.

Warten wir also einmal ab, ob und in welcher Weise die Parteien das Datenthema angehen. Anzunehmen ist jedoch bereits jetzt, dass mit der EU-Datenschutzgrundverordnung, mit dem erst kürzlich in Fachkreisen heiß diskutierten Anpassungsgesetz der Bundesregierung sowie der alle Bereiche durchdringenden Digitalisierung die Bedeutung wächst.

Interesse

Einmal ganz abgesehen von der Datenpolitik ist die Beachtung des geltenden Rechts zum Datenschutz im Wahlkampf die harte Pflicht. Bei einer Informationsveranstaltung im Deutschen Bundestag habe ich kürzlich deutliche Signale bekommen, dass in den Büros der Abgeordneten hohes Interesse an der Kenntnis der datenschutzrechtlichen Bestimmungen besteht. Auch wurde der Wunsch nach Informationen zu praxisnahen Beispielen klar.

Als Dialogplattform zwischen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft will natürlich auch die Stiftung Datenschutz ihren Teil dazu beitragen, eine Brücke vom Datenschutzrecht zur Praxis vor Ort schlagen. Deswegen haben wir eine übersichtliche Handreichung erstellt, die wir den Abgeordneten des Deutschen Bundestags und den politischen Parteien für den beginnenden Wahlkampf zur Verfügung stellen. Auch allen anderen Interessierten steht das Informationsmaterial natürlich zum kostenlosen Herunterladen in unserem Internet-Auftritt bereit: www.stiftungdatenschutz.org/wahlkampf.

Wir betrachten als Diskussionsplattform nicht nur die Regelungen der Gegenwart, sondern auch Tendenzen, die in die Zukunft weisen. Hierbei kommt man schnell auf die Möglichkeiten zum wissensbringenden Auswerten großer unstrukturierter Datenmengen.

Die Möglichkeiten dieses „Big Data“ genannten Bereichs scheinen unerschöpflich. Nicht erst der amerikanische Wahlkampf des derzeitigen Präsidenten Trump, auch bereits der seines Vorgängers hat uns gezeigt, wozu digitale Technik mit ihren Algorithmen, Analysen und Steuerungsmethoden in der Lage sein kann. Ob nun Fake News auf Facebook oder die Dienste des in der Diskussion stehenden Beratungsunternehmens Cambridge Analytica tatsächlich die US-Wahl entscheidend beeinflusst haben, soll an dieser Stelle nicht beleuchtet werden. Jedoch ist es nicht schwer zu erkennen, dass im politischen Wettkampf die Diskussionen zunehmend in der Online-Arena ausgetragen werden. Damit werden auch die Möglichkeiten zur unbemerkten Datensammlung und Auswertung des Nutzerverhaltens um ein Vielfaches potenziert. Insgesamt bleibt nur zu hoffen, dass nicht alles verwendet wird, was technisch möglich ist und wird.

Schutzwürdig

Kommen wir aber aus dem digitalen Labor wieder zurück auf die Straße. Denn auch auf eben dieser, am Wahlkampfstand oder ganz traditionell per Brief oder E-Mail, sind viele rechtliche Punkte zu beachten. Diese Punkte gewinnen besonderes Gewicht, weil der Gesetzgeber von einer besonderen Schutzwürdigkeit der politischen Meinung ausgeht (§ 3 Abs. 9 BDSG). Daher verpflichtet er alle, die mit solchen Daten umgehen, zu besonderer Sorgfalt. Und weil diese im hektischen Wahlkampf in allen Einzelheiten manchmal nur schwer einzuhalten ist, ist es wichtig, einige Grundregeln zu verinnerlichen.

Um Streuverluste in der politischen Arbeit zu vermeiden, ist es natürlich entscheidend, möglichst genaue Daten zu den politischen Interessenten zu haben und davon möglichst viele. Dabei wäre es einfach, zunächst bei allen Mitgliedern der eigenen Partei ein Interesse vorauszusetzen, an den Themen des Bundestagswahlkampfs zu partizipieren. Doch bereits hier lauert eine Fußangel. Datenschutzrechtlich nämlich ist die Versendung von Wahlkampfmaterialien an ein Mitglied nicht ohne Weiteres erlaubt. Denn seine Adressdaten gibt ein Parteimitglied meist bei seinem Orts- oder Landesverband an – eine Weitergabe der Daten an die Bundespartei zum Zwecke von Wahlwerbung ist nur dann erlaubt, wenn die freiwillige Einwilligung des Mitglieds in verständliche AGB und Datenschutzbestimmungen gegeben wurde. Zwar könnte man mit einem berechtigten Interesse der Gesamtpartei zur Erreichung aller Mitglieder argumentieren. Doch sollte das Problem besser durch eine klar geregelte Handhabung der Daten gelöst werden.

Internet-Dienste

Zu beachten ist: Eine einfache Übertragung personenbezogener Daten zwischen einzelnen Gliederungen und Ebenen einer Partei untereinander ist ebenso wenig möglich wie die Weitergabe der Daten unter Abgeordneten der gleichen Parteien. Das gilt selbst dann, wenn die politischen Themenfelder gleich sind oder wenn ein gewisses Interesse an der Arbeit der Fraktionskollegen vorausgesetzt werden kann. Eine praxistaugliche und datenschutzrechtlich einwandfreie Lösung ist die vorherige Anfrage bei der betreffenden Person und eine weit gefasste Datenschutzbestimmung, die eine umfassende Information über die Aktivitäten der Partei und andere wahlkampfrelevante Themen abdeckt. So sollte es übrigens auch bei Internet-Diensten gehalten werden: Newsletter und Mailings sind ein effektives und kostengünstiges Mittel im Wahlkampf. Doch bei der Datenverarbeitung gilt es, ein paar Dinge zu beachten. Spammen ist verboten (und kommt auch bei der Wählerschaft nicht gut an). Um immer auf der sicheren Seite zu sein, sollte zudem jederzeit klar über die Art der Datengewinnung Auskunft gegeben werden können. Eine Weitergabe an Dritte ist zudem ebenso wenig erlaubt wie die Übernahme von Daten Dritter.

Ebenfalls klare Regeln gibt es bei der Weitergabe von Bürgerbriefen oder anderer Post innerhalb unterschiedlicher Abgeordnetenbüros: Zwar kann es im Interesse eines Bürgers sein, wenn ein Brief an MdB 1 an das thematisch zuständige Büro des Fachsprechers MdB 2 weitergeleitet wird, weil hier die thematische Expertise liegt. Datenschutzrechtlich ist das jedoch auch ein schwieriges Feld. Im Kern handelt es sich dabei nämlich um eine unerlaubte Weitergabe der Daten und der damit verbundenen politischen Interessen und anderer durch den Artikel 3 Abs. 9 BDSG besonders schützenswerter Daten. Was hier also als ein politischer Service am Bürger verstanden werden könnte, unterliegt relativ klaren Bestimmungen und bedarf regelmäßig einer Einwilligung des Bürgers. Deshalb ist es beispielsweise für die Fraktionen im Bundestag wichtig, dass kein Automatismus entsteht, nach dem jede Anfrage an die Abgeordneten im Bundestag auch für Informationen über alle sonstigen Themen der entsprechenden Fraktion oder Partei genutzt wird.

Großes Interesse

Ein weiterer heikler Fall der Datenübermittlung ist die Sammlung von Adressen bei öffentlichen Veranstaltungen. Stellen wir uns dazu vor: Der Abgeordnete kommt von einer Abendveranstaltung mit einem Stapel von Visitenkarten. Darunter befindet sich eine bunte Mischung aus Wirtschaftsvertretern, Parteifreunden und interessierten Bürgern. In treuem Glauben, die Visitenkarten dafür nutzen zu dürfen, den jeweiligen Kontaktpartner mit allerhand Infos zu versorgen, könnte man hier auf die Idee kommen, die Adressen vollumfänglich zu nutzen – schließlich wurde ja explizit die Karte überreicht, um in Kontakt zu bleiben.

Es ist jedoch elementar, dass man personenbezogene Daten nur zu dem Zweck nutzt, zu dem man sie erhalten hat. Obwohl sich alle im Gespräch mit dem Abgeordneten sehr interessiert an der Arbeit des MdB gezeigt haben und ihre Visitenkarten zum Zweck der Kontaktaufnahme übermittelt haben, ist eine unbeschränkte Nutzung der Daten nicht erlaubt. Auch muss vermerkt sein, woher die Daten kommen – denn die Bürgerinnen und Bürger besitzen ein Auskunftsrecht, auf welchem Wege ihre Daten in den Bestand gelangt sind.

In Newslettern ist eine Abmeldung am einfachsten über ein Single-Opt-Out-Verfahren möglich. Durch eine direkte Abmeldung und die damit erfolgende Rücknahme einer Einwilligung ist es am einfachsten möglich, eine E-Mail-Adresse zu löschen. Hierfür ist natürlich eine entsprechende technische Infrastruktur notwendig, aber die meisten herkömmlichen Mailer machen das leicht möglich.

Monitoring-Tools

Zum Schluss ein Punkt, der in den immer digitaler werdenden Wahlkampfstrategien mehr Beachtung finden sollte: Die Tracking-Möglichkeiten werden immer ausgefeilter und komplexer. Es ist verführerisch, die umfassenden Wirkweisen und besonders die im Bereich Social Media sehr granularen Monitoring-Tools zu nutzen. Um die Daten jedoch nicht in die Hände Dritter fallen zu lassen, sollten folgende drei Punkte beachtet werden: Erstens sollte das Tracking von IP-Adressen minimiert oder auf der Website abgestellt werden. Zweitens kann die Übermittlung von Daten an Drittdienste – beispielsweise durch einen Like-Button bei Facebook – eingeschränkt werden. Verwendet man derartige Tools auf seiner Homepage, ist eine sogenannte Zwei-Klick-Lösung empfehlenswert.

Zu guter Letzt kann durch Verwendung einer Transportverschlüsselung (Nutzung des Protokolls „https“) die Datensicherheit erhöht werden – in Zeiten von Hackern, die Wahlkämpfe zu beeinflussen suchen, und angesichts steigender Sensibilität der Bevölkerung für Datenlecks eine gute Möglichkeit zur Eigenwerbung: Für verantwortungsvolle politische Akteure sollte Digitalkompetenz nicht nur im Programm stehen, sondern auch gelebt werden.

The post Datenschutz im Wahlkampf appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/datenschutz-im-wahlkampf/feed/ 0
Kommunikation zwischen Staat und Bürger künftig per E-Mail? https://www.divsi.de/kommunikation-zwischen-staat-und-buerger-kuenftig-per-e-mail/ https://www.divsi.de/kommunikation-zwischen-staat-und-buerger-kuenftig-per-e-mail/#respond Fri, 07 Jul 2017 13:59:36 +0000 http://46.30.3.106/?p=16088 Aktuelle Planungen laufen. Doch wichtige Fragen sind noch ungeklärt. Vor allem: Will die breite Masse das überhaupt? Von Jürgen Selonke DIVSI-Direktor Matthias Kammer war geladener Gast bei der Expertenanhörung im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages zum Themenkomplex Digitalisierung. Aufgrund dieser Bitte um Mitwirkung hat das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet zuvor mit dimap […]

The post Kommunikation zwischen Staat und Bürger künftig per E-Mail? appeared first on DIVSI.

]]>
Kommunikation zwischen Staat und Bürger künftig per E-Mail?

Aktuelle Planungen laufen. Doch wichtige Fragen sind noch ungeklärt. Vor allem: Will die breite Masse das überhaupt?

Von Jürgen Selonke

DIVSI-Direktor Matthias Kammer war geladener Gast bei der Expertenanhörung im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages zum Themenkomplex Digitalisierung. Aufgrund dieser Bitte um Mitwirkung hat das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet zuvor mit dimap repräsentative Umfragen zum Bereich „Kommunikation von Unternehmen und Staat mit den Kunden bzw. Bürgern zu persönlichen Angelegenheiten über Online-Postfächer bzw. per E-Mail“ durchführen lassen. Zwei Kernaussagen lassen sich so zusammenfassen: Die Zustellung von Dokumenten und Informationen über ein Informationen über ein Online-Postfach bzw. per E-Mail halten 55 Prozent der deutschen Bevölkerung für sehr schlecht/eher schlecht.

64 Prozent sind bei einer elektronischen Zustellung um die Sicherheit ihrer persönlichen Daten sehr besorgt/eher besorgt.

Die ausführlichen Ergebnisse dieser Befragungen finden Sie ab Seite 4: „Mit dem Alter ins Gerede gekommen“. Im Rahmen der Anhörung konzentrierte sich Matthias Kammer auf die Frage, wie der angestrebte Portalverbund aus Sicht der Bürger in Deutschland möglicherweise wahrgenommen werden wird. Grundsätzlich hält er es dabei für auffällig, dass in der Begründung des Gesetzentwurfs das Interesse der Bevölkerung an einem Portalverbund und an der angedachten Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft über ein Servicekonto bzw. per Mail eher normativ unterstellt wird. Jedenfalls ist für ihn nicht erkennbar, dass dafür eine empirische Grundlage vorhanden ist. Kritisch stellte Kammer fest, dass staatliche Dienstleistungen, die über Portale vermittelt werden, wahrscheinlich keine breite Akzeptanz in der Öffentlichkeit finden könnten. Jedenfalls gelte dies für den kommunikativen Anteil an der Dienstleistungserbringung, sofern dafür das Online-Postfach des vorgesehenen Servicekontos oder auch der E-Mail verwendet werden soll.

Ausgebliebene Erfolge

Wie so oft hätte man es auch hier mit einem deutlichen Gegensatz in der Bevölkerung zu tun. Angesichts der Größenordnung der Ablehnung mache es wenig Sinn, sich auf jene zu konzentrieren, die eine positive Einstellung hätten.

Im Hinblick auf ausgebliebene Erfolge früherer Maßnahmen des Staates, die auch eine sichere digitale Kommunikation unterstützen sollten (z.B. nPA, Einheitlicher Ansprechpartner, De-Mail), läge die Frage auf der Hand, welche Nutzung der angestrebte Portalverbund durch die Bevölkerung erfahren werde. Aus der Gesetzesbegründung sei kein Mengengerüst erkennbar, an dem sich festmachen ließe, ab welcher Nutzungszahl der Portalverbund ein Erfolg sein wird.

Dabei wäre es keine Frage, dass das Projekt technisch möglich sei. Aber das allein könne noch kein Erfolgskriterium sein. Anhaltspunkte dafür, dass die angestrebte Maßnahme in absehbarer Zeit auch eine nennenswerte Nutzungsfrequenz seitens der Bevölkerung erfahren werde, seien nicht in Sicht.

Werbemaßnahmen

Nach Kammers Auffassung käme es für einen Erfolg des Portalverbundes darauf an, auf allen Ebenen des Staates und der Kommunen die digitale Nutzung angebotener Dienstleistungen aktiv zu bewerben und durch deren Nutzung positive Erfahrungen der Bürgerinnen und Bürger zu generieren. Matthias Kammer stellt in diesem Zusammenhang jedoch fest, dass Fähigkeiten des Staates, seine digitalen Angebote aktiv und vertrauenerweckend zu bewerben, in der Vergangenheit nicht unter Beweis gestellt wurden. Auch jetzt ergäbe sich aus der Gesetzesbegründung nicht, welche Werbe- und Vermarktungsmaßnahmen für den künftigen Portalverbund vorgesehen sind. Haushaltsmittel jedenfalls scheinen auf längere Zeit für solche speziellen Werbemaßnahmen nicht veranschlagt zu sein.

Das Nutzungskonzept sei von einer generellen Umkehrung des Zustellungsprinzips von wichtigen Verwaltungsentscheidungen gekennzeichnet. Bislang ist es Pflicht des Staates, seine einen Bürger betreffenden Entscheidungen auch in seine Sphäre zu bringen – eine „Bringschuld“ des Staates. Durch das Online-Postfach werde jedoch faktisch eine „Holschuld“ der Adressaten von Behördenentscheidungen eingeführt. Der größere Teil der Bevölkerung will das nicht, wie die aktuelle Umfrage gezeigt hat.

Die Alternative, vonseiten des Staates zur Kommunikation mit den Bürgern eine sichere E-Mail gleichsam zu penetrieren, sei bisher erfolglos gewesen. De-Mail erfährt keine Aufmerksamkeit. Vor allem auch deshalb hält es Matthias Kammer für erstaunlich, dass De-Mail im Gesetzestext erneut explizit erwähnt wird. Die Erfahrung zeige aber doch: Für die Vermarktung eines Produkts ist dessen Für Kammer bleibe es weiterhin eine ernsthafte und durchaus Erfolg versprechende Alternative, statt der Einführung der „Holschuld“ für wichtige staatliche Dokumente eine Kommunikationsinfrastruktur einzuführen, mit der die bisherige „Bringschuld“ an die vom Nutzer genannte digitale Adresse sicher erfüllt werden kann. Zustelldienste nach der eIDAS-Verordnung werden in § 8 Abs. 2 des OZG-Entwurfs zu Recht erwähnt. Kammer ist allerdings überzeugt, dass der Staat eine große Verbreitung solcher Zustelldienste allein nicht wird bewirken können. Hierfür sei eine kraftvolle konzertierte Aktion von Staat und Wirtschaft erforderlich.

Erwähnung in einem Gesetz unerheblich. Kammer hält es im Übrigen für ungewöhnlich, wenn ein konkretes Produkt in ein Gesetz geschrieben wird.

Risikoanstieg

Generell müsse dieser Portalverbund aus der Sicht der Bevölkerung auch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass sich die Menschen im digitalen Zeitalter immer mehr Portalen gegenübersehen, deren Betreiber auf diesem Weg mit den Nutzern in Kontakt treten. In diese Reihe will sich nun auch der Staat mit dem Portalverbund einordnen. Nicht unterschätzt werden sollte dabei das aufwachsende Risiko, dass die Menschen angesichts der Vielzahl von Portalen, denen sie sich gegenübersehen, den Überblick verlieren können.

Matthias Kammer kommt deshalb letztlich zu dem Schluss, dass ein staatliches Portal beim normalen Nutzer keine hohe Besuchsfrequenz erfahren werde. Der Portalverbund könnte jedoch große Bedeutung für die Transaktionen zwischen Wirtschaft und Staat gewinnen sowie auch für den Datenaustausch zwischen den Behörden in Deutschland. Unter diesem Blickwinkel könnte es daher Sinn machen, sich zunächst darauf zu konzentrieren, wenn man nennenswerten „traffic“ generieren will.

The post Kommunikation zwischen Staat und Bürger künftig per E-Mail? appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/kommunikation-zwischen-staat-und-buerger-kuenftig-per-e-mail/feed/ 0
Mit dem Alter ins Gerede gekommen https://www.divsi.de/mit-dem-alter-ins-gerede-gekommen/ https://www.divsi.de/mit-dem-alter-ins-gerede-gekommen/#respond Mon, 03 Jul 2017 08:00:23 +0000 http://46.30.3.106/?p=16062 Wohin steuert die E-Mail? Unternehmen und Behörden versuchen immer öfter, sie gezielt für sich zu nutzen. Zwei DIVSI-Umfragen zeigen: Die Bevölkerung ist skeptisch. Von Meike Otternberg Es war der 3. August 1984, 10:14 Uhr MEZ. Michael Rotert von der Universität Karlsruhe empfing unter seiner Adresse „rotert@germany“ die erste E-Mail in Deutschland – eine Grußbotschaft von […]

The post Mit dem Alter ins Gerede gekommen appeared first on DIVSI.

]]>
Mit dem Alter ins Gerede gekommen

Wohin steuert die E-Mail? Unternehmen und Behörden versuchen immer öfter, sie gezielt für sich zu nutzen. Zwei DIVSI-Umfragen zeigen: Die Bevölkerung ist skeptisch.

Von Meike Otternberg

Es war der 3. August 1984, 10:14 Uhr MEZ. Michael Rotert von der Universität Karlsruhe empfing unter seiner Adresse „rotert@germany“ die erste E-Mail in Deutschland – eine Grußbotschaft von Laura Breeden an der US-amerikanischen Plattform CSNET aus Cambridge (Massachusetts). Begeisterung überall, eine neue Möglichkeit der schriftlichen Kommunikation war geboren. Schneller als alles, was es bislang gegeben hatte.

Gut 30 Jahre später ist die im Prinzip längst angenommene E-Mail allerdings ins Gerede gekommen. Unternehmen und zunehmend Behörden wollen ihren Arbeitsalltag mit E-Mails vereinfachen, verschlanken und rationeller gestalten. Nach Ansicht vieler Experten nicht immer zum Vorteil der Kunden und Bürger. DIVSI hat deshalb gemeinsam mit dimap in zwei repräsentativen Umfragen die Stimmung in der Gesellschaft zu der Entwicklung unter die Lupe genommen. Dabei wurden in Telefoninterviews insgesamt 1946 Bürger ab 18 Jahren befragt.

Das will die Mehrheit

Die wesentlichen Erkenntnisse der beiden Befragungen steuern in eine Richtung und werfen nicht unbedingt ein gutes Licht auf die zunehmend geübten Praktiken. Demnach gilt: Die Mehrheit der Bevölkerung…

  • beurteilt die Kommunikation per E-Mail als eher nicht oder gar nicht vertrauenswürdig.
  • findet es schlecht, wenn Unternehmen und Behörden wichtige Dokumente und Informationen per Mail oder im Online-Postfach zustellen.

Tatsächlich sieht die Mehrheit der Bevölkerung die Tendenz, dass Unternehmen und Behörden wichtige Dokumente und Infos per Mail verschicken oder in Online-Postfächern hinterlegen, deutlich negativ. Die Umfrage ergab im Detail: Insgesamt 55 Prozent der Befragten bewerten diesen Trend als eher schlecht (35 Prozent) oder gar sehr schlecht (20 Prozent). 29 Prozent beurteilen dies dagegen als eher gut und nur 10 Prozent als sehr gut.

Die Antworten fallen je nach Alter und Geschlecht unterschiedlich aus: Während 58 Prozent der 18- bis 34-Jährigen der elektronischen Zustellung von Dokumenten positiv gegenüberstehen, bewerten alle anderen Altersgruppen dies mehrheitlich als schlecht. Die stärkste Ablehnung zeigt sich bei den über 65-Jährigen: Zwei Drittel von ihnen sind gegen die Entwicklung. Auch bei den Frauen finden rund 60 Prozent diese Art der elektronischen Übermittlung sehr schlecht oder eher schlecht, bei den Männern halten sich Pro und Contra die Waage.

Die Umfrage zeigt weiterhin: Eine deutliche Mehrheit der Bürger sorgt sich um die Sicherheit ihrer persönlichen Daten, wenn ihnen wichtige Inhalte per E-Mail zugesandt werden oder in einem Online-Postfach landen. 64 Prozent äußern Sicherheitsbedenken. Dabei geben 26 Prozent der Befragten an, sehr besorgt zu sein, 38 Prozent zeigen sich eher besorgt.

DIVSI E-Mail Umfrage

Große Skepsis

Matthias Kammer, Direktor des DIVSI, mahnte mit Blick auf die Ergebnisse der Umfrage: „Weite Teile der Bevölkerung begegnen der neuen Tendenz von Unternehmen und Behörden ausgesprochen skeptisch. Bei allen Digitalisierungsbestrebungen gilt es, die Interessen der Kunden und Bürger nicht aus den Augen zu verlieren und ihre Besorgnisse ernst zu nehmen. Es spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle, wenn Banken, Versicherungen, Kommunikationsdienstleister, Ver- und Entsorger sowie Behörden über die schleppende Digitalisierung ihrer Kommunikation zum Kunden klagen.“

Es scheint fraglich, ob sich diese Entwicklung in nächster Zukunft beschleunigen wird. Denn eine Mehrheit der Bevölkerung von 55 Prozent beurteilt die Kommunikation per E-Mail als eher nicht oder gar nicht vertrauenswürdig. Nur 37 Prozent sind generell gegenüber der E-Mail positiv gestimmt. Lediglich drei Prozent haben volles Vertrauen in die E-Mail.

Internet-Nutzer schätzen die Vertrauenswürdigkeit tendenziell höher ein: 44 Prozent empfinden Kommunikation per E-Mail als eher bzw. sehr vertrauenswürdig, mit 54 Prozent aber immer noch mehrheitlich als eher nicht oder gar nicht vertrauenswürdig.

Auffällig: Mit dem Alter steigt die Skepsis gegenüber dem Kommunikationsmittel. 59 Prozent der über 65-Jährigen beurteilen Kommunikation über E-Mail als eher nicht oder gar nicht vertrauenswürdig, nur 23 Prozent dagegen als eher oder sehr vertrauenswürdig. Anders die unter 35-Jährigen: Sie halten die E-Mail zu 52 Prozent für eher oder sehr vertrauenswürdig, 45 Prozent für eher nicht oder gar nicht vertrauenswürdig.

Diese Ergebnisse der Umfragen verdeutlichen: Obwohl die E-Mail ein zentraler Bestandteil der heutigen Kommunikationsmittel ist, zweifelt die Mehrheit der Bevölkerung an ihrer Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit.

Zudem haben viele Internet-Nutzer Schwierigkeiten, die Seriosität von Absendern einzuschätzen. 65 Prozent fällt dies schwer. Sie sind häufig (28 Prozent) oder gelegentlich (37 Prozent) unsicher, ob E-Mails von einem zuverlässigen Absender stammen.

Unsicherheit

Lediglich 33 Prozent fühlen sich dabei selten oder nie unsicher. Je nach Alter und Geschlecht weichen die Antworten der Befragten leicht ab. Während 70 Prozent der über 65-Jährigen häufig bzw. gelegentlich unsicher darüber sind, ob eine E-Mail gefälscht sein könnte, beträgt der Anteil bei den unter 35-Jährigen 60 Prozent.

Noch einmal Matthias Kammer: „Wenn zwei Drittel der Menschen zumindest des Öfteren unsicher sind, ob eine Mail von einem seriösen Absender stammt, dann zeigt das eine gesunde Vorsicht, ja Wachsamkeit der Bevölkerung gegenüber Fake-Mails. Einerseits muss alles getan werden, damit die Mail als zentrales Kommunikationsmittel im Alltag an Vertrauenswürdigkeit gewinnt, und andererseits müssen wir die Internet-Nutzer unterstützen, damit sie unseriöse Absender erkennen können.“

The post Mit dem Alter ins Gerede gekommen appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/mit-dem-alter-ins-gerede-gekommen/feed/ 0