Digitaler Kodex – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Sieben Jahre DIVSI – Was war, was bleibt, was ist zu tun? https://www.divsi.de/sieben-jahre-divsi-was-war-was-bleibt-was-ist-zu-tun/ https://www.divsi.de/sieben-jahre-divsi-was-war-was-bleibt-was-ist-zu-tun/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:06 +0000 https://www.divsi.de/?p=19397 Zahlreiche Projekte angestoßen, kritische Fragen gewagt, Lösungswege aufgezeigt und an vielen Stellen für bundesweite Diskussionen gesorgt. Von Matthias Kammer Ein Institut, das frei und unabhängig die vielfältig auftauchenden Fragen nach der Lebenswirklichkeit der Menschen im digitalen Zeitalter untersuchen und über die Ergebnisse einen breit gefächerten Diskurs anstoßen soll und darf – ein solches Institut gab […]

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DIVSI Abschied

Abschied: 1. Schirmherr Joachim Gauck im Kreis des DIVSI-Kernteams, Frühjahr 2018: Jürgen Selonke, Chefredakteur DIVSI magazin (1), Harald Lemke, Beirat (2), Göttrik Wewer, Berater (3), Gerd Kühlhorn, Geschäftsführer (4), Joanna Schmölz, Wissenschaftliche Leiterin (5), Matthias Kammer, Direktor (6), Meike Otternberg, Projektleiterin (7), Michael Schneider, Leiter Kommunikation (8), Afia Asafu-Adjei, Projektleiterin (9).
Foto: Kerstin Lakeberg

Zahlreiche Projekte angestoßen, kritische Fragen gewagt, Lösungswege aufgezeigt und an vielen Stellen für bundesweite Diskussionen gesorgt.

Von Matthias Kammer

Ein Institut, das frei und unabhängig die vielfältig auftauchenden Fragen nach der Lebenswirklichkeit der Menschen im digitalen Zeitalter untersuchen und über die Ergebnisse einen breit gefächerten Diskurs anstoßen soll und darf – ein solches Institut gab es 2011 nicht. Es war mutig und vorausschauend von den Verantwortlichen in der Deutschen Post, die hierfür die Initiative ergriffen haben und damals im Rahmen der CeBIT das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet in den Fokus der Öffentlichkeit rückten.

Geholfen hat diesem neuen Institut von Anfang an auch, dass es den hohen Wert der Unterstützung durch herausragende Persönlichkeiten der Zeitgeschichte als Schirmherren erfahren durfte: zunächst Joachim Gauck bis zu seiner Wahl zum elften Bundespräsidenten im März 2012, danach Roman Herzog (siebter Bundespräsident 1994 – 1999) bis zu seinem Tod 2017 und jetzt wieder Joachim Gauck. Beide haben sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten als aktive Schirmherren engagiert und deutliche Akzente gesetzt.

Roman Herzog

Schirmherr: Roman Herzog setzte wichtige Akzente für die Arbeit von DIVSI. (Foto: Klaus Knuffmann)

Chance

Natürlich war die mir anvertraute Aufgabe, ein solches Institut zu leiten, überaus reizvoll. Ich habe es stets als großartige Chance begriffen, ein so wichtiges Instrument letztlich im Interesse unserer Zivilgesellschaft aufbauen zu dürfen. Jetzt, 2018, ist das traurige Schlusskapitel eingeleitet. Die Deutsche Post setzt ihr finanzielles Engagement für DIVSI nicht fort. Mit Beginn des neuen Jahres ist das Institut damit Geschichte.

Was hat das relativ kleine Team von DIVSI – bei Studien oder Umfragen und anderen Veröffentlichungen immer von externen Experten der verschiedensten Fachrichtungen unterstützt – in den sieben Jahren seiner Existenz erreicht? Beispielhaft seien einige Punkte erwähnt:

Die DIVSI Internet-Milieus, in unserer allerersten Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet 2012 vorgestellt, sind unsere Kernmarke geworden, im Übrigen auch als Marke eingetragen und urheberrechtlich geschützt. 2016 haben wir sie aktualisiert und ergänzt in der Untersuchung Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung. Diese Unterscheidung in sieben Milieus von Internetfernen Verunsicherten bis hin zu Digital Souveränen eröffnete einen neuen Blick auf die differenzierte Lebenswirklichkeit der in Deutschland lebenden Menschen im aufkommenden digitalen Zeitalter.

Diese Unterscheidungsmerkmale haben wir im Laufe der Jahre in verschiedenen Untersuchungen immer wieder genutzt. Zweimal bei den U25-Studien und auch 2015 bei der U9-Studie, die sich mit dem Verhalten von Kindern in der digitalen Welt beschäftigte. Dies war übrigens die erste Untersuchung überhaupt, die sich auf wissenschaftlicher Basis mit dem Verhalten von Drei- bis Achtjährigen im Internet befasst hat. Und die DIVSI Milieus lieferten auch präzise Angaben bei der Ü60-Studie, die 2016 exakte Einblicke in die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland lieferte.

Privatsphäre

Wesentlich unterstützt durch Roman Herzog, haben wir untersucht, wie sich in der digitalen Zeit unser Wertesystem entwickelt. Bereits bei seiner Amtseinführung anlässlich eines Senatsempfangs im Hamburger Rathaus hatte er deutlich gemacht: „Die Geheimheit der Privatsphäre des Menschen, die in unserem Kulturkreis seit Jahrhunderten ein wesentlicher Bestandteil seiner Personalität ist, ist neuen Gefährdungen ausgesetzt, die zum Anlass ganz neuer Überlegungen gemacht werden müssen, und da hilft es auch wenig, dass manche von diesen Risiken in Ansätzen auch schon bisher bestanden haben. Schon die veränderten Gefährdungszahlen könnten ja den Eingriff in eine ganz neue Epoche bedeuten.“

Und der frühere Bundespräsident stieß in diesem Zusammenhang eine groß angelegte Untersuchung an: „Um das Vertrauen ins Internet, in die mit ihm eröffneten Chancen und Möglichkeiten nicht zu verspielen, brauchen wir eine breite Diskussion darüber, welche verbindlichen Spielregeln hier gelten sollen. Wir brauchen Leitplanken, die uns auf dem richtigen Weg halten. Ein digitaler Kodex, von allen Verantwortlichen getragen, könnte ein Weg dahin sein.“

Diesen Impuls aufnehmend, haben wir das Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ aufgesetzt. Bei zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet diskutierten hierüber Experten. Einigkeit gab es in der grundlegenden Bewertung: Unsere Gesellschaft wäre gut beraten, einen solchen Kodex zu formulieren. DIVSI konnte dazu wesentliche Aspekte zu verschiedenen Themenkomplexen liefern: Erkenntnisse zur Verantwortung im Verhältnis zwischen Nutzern und Plattformen, zu Big Data und den Gestaltungsfeldern Gesundheit und Mobility, zu einer vertiefenden Untersuchung zu digitalisierter urbaner Mobilität oder auch zum Recht auf Vergessenwerden.

Ebenfalls inspiriert durch den Verfassungsrechtler Roman Herzog wagten wir auch eine Frage zu stellen, die vielen zunächst ketzerisch klang: Ist unser Grundgesetz überhaupt tauglich für die digitale Zeit?

Untersucht wurde dabei die verfassungsrechtliche Frage nach Bedeutung und Festigkeit der Grundrechte. Im Kern verdeutlicht die Analyse der Wirkungsdimensionen der Grundrechte, dass unser Grundgesetz auch im digitalen Raum durchaus geeignet ist, Antworten auf neue Herausforderungen zu geben. Angesichts von Bedrohungslagen, die sich vornehmlich zwischen Privaten oder im Verhältnis zu anderen Staaten abspielen, sei es allerdings an der Zeit, einige Grundrechtsfunktionen weiterzuentwickeln.

Die Richtschnur bei allen Arbeiten des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet

Fünf Thesen sind stets Grundlage für die Arbeit des Instituts gewesen. Sie wurden unter wesentlicher Unterstützung unserer Schirmherren entwickelt und könnten auch weiterhin mithelfen, die Frage nach der Verantwortung in unserem digitalen Zeitalter zu beantworten. Ich möchte sie abschließend in Erinnerung rufen:

  1. Das Internet ist eine Kulturleistung der Menschheit von historischer Bedeutung. Es revolutioniert unsere Arbeit und die Freizeit, unser Denken und die Kommunikation. Deshalb geht das Internet uns alle an – ob wir es schon nutzen oder (noch) nicht.
  2. Sicherheit und Stabilität der Internet-Infrastruktur – beides ist unabdingbar. Sie ist zu einem elementaren Bestandteil des gesamten Wirtschafts- und Sozialraums geworden.
  3. Das Internet bietet Möglichkeiten zur Beteiligung an der Gestaltung von Staat und Gesellschaft. Es fördert Wohlstand, Bildung, Chancengerechtigkeit und Informationsfreiheit. Seine enorme gestalterische Kraft braucht jedoch das Vertrauen der Menschen, damit sie sich entfalten kann.
  4. Nutzer, Wirtschaft und Staat haben eine gemeinsame Pflicht, Grundregeln für den Umgang miteinander im Internet auszuhandeln und für deren Verbindlichkeit zu sorgen. Dabei sind Wirtschaft und Staat gefordert, die Nutzer in die Lage zu versetzen, dieser Verantwortung gerecht zu werden.
  5. Freiheit und Sicherheit sind Grundbedürfnisse – auch im Internet. Voraussetzung dafür ist das Vertrauen darauf, dass der Staat und alle anderen Internet-Akteure diese Grundbedürfnisse mit geeigneten Maßnahmen angemessen ausbalancieren.

Fortschreibung

Die gerade vorgestellte und damit letzte Studie des Instituts, die sich mit dem Verhalten der 14- bis 24-Jährigen befasst, ist eine Fortschreibung einer Untersuchung von 2014. „Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt“ – war übrigens die erste Untersuchung überhaupt, die sich mit der nachwachsenden Generation im Hinblick auf das Internet intensiv beschäftigt hat.

Gerade auch diese Studie zeigt, wie das DIVSI-Team bis zum Ende des Instituts sorgfältig und konzentriert weitergearbeitet hat, das Aus bereits vor Augen. Die Ergebnisse dieser Studie finden Sie ausführlich hier. Sie zeigt insbesondere auch, dass sich die junge Generation heute im „Online-Dilemma zwischen Glück und Abhängigkeit“ bewegt.

Erwähnen möchte ich auch die Meinungsführerstudie von 2012: Wer gestaltet das Internet? Bei dieser Untersuchung ging es zunächst um das Verhalten von Führungskräften im digitalen Zeitalter. Die Ergebnisse brachten uns letztlich zu einer weiterführenden Idee und mündeten in ein umfangreiches Buchprojekt.

Dabei wurde untersucht, welche Verantwortung für die Entwicklung in der digitalen Zeit jene Menschen tragen, die an der Spitze von Unternehmen und Institutionen stehen. Die DIVSI-Autoren schafften es, ausschließlich CEOs für ausführliche Interviews zu gewinnen. Aus dem so entstandenen Buch „Digital Leadership“ filterte die „WiWo“-Redaktion als Extrakt einen wiederum viel beachteten Sonderdruck der „WirtschaftsWoche“. Das Heft „neuland – Führung im digitalen Zeitalter: wie Topmanager den Wandel gestalten“ verdeutlichte Vorstellungen zur Digitalisierung von Wirtschaftsgrößen aus der ersten Reihe.

Wie wird die Entwicklung weiterlaufen? Die Untersuchung macht deutlich, dass alle Institutionen, die in diesem Komplex forschen, schützen oder entwickeln wollen, Berge von Aufgaben vor sich haben. Nach aller Erfahrung aus den letzten Jahren wird bei allem, was Akzeptanz finden soll, sehr darauf zu achten sein, bei Neuerungen stets Convenience und Sicherheit in Einklang zu bringen.

Schirmherr Joachim Gauck formulierte diesen Gedanken einmal so: „Die Wahrheit über unseren Umgang mit dem Internet dürfte in der Regel ganz banal lauten: Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit sind einer Mehrheit wichtiger als Sicherheit. Ich denke, es gilt eine Balance zu finden. Ich misstraue sowohl denen, die Sicherheitsbedenken davon abhalten, sich der digitalen Entwicklung wirklich zu öffnen. Ich misstraue aber auch jenen, die allein die Technologie im Auge haben, sich um ihre gesellschaftlichen Auswirkungen aber nicht kümmern.“

Joachim Gauck

Foto: Stefan Zeitz

DIVSI-Schirmherr Joachim Gauck

Nach seiner Amtszeit als Bundespräsident hat Joachim Gauck im Oktober 2017 wieder die Schirmherrschaft übernommen.

DIVSI hatte aus diesem Anlass zu einer Festveranstaltung in die französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin eingeladen. Kritisch, optimistisch, mahnend – so erlebten ihn die Zuhörer bei allen Reden. Gedanken von Joachim Gauck, die im Gedächtnis bleiben sollten:

Aufgabe: „… Sicherheit in der digitalen Welt kostet Geld und Zeit, aber sie lohnt sich … Alle, die im Internet agieren, haben zur Sicherheit des Netzes beizutragen …“

Beherrschbarkeit: „Goethe gönnte seinem Zauberlehrling noch einen Herrn und Meister, der das Chaos wieder richtete. Wir können heute nur an uns selbst appellieren, die Geister, die wir riefen, in die Beherrschbarkeit zurückzuführen.”

Datenschutz: „… erscheint mir der Umgang mit Datenschutz und Internet- Sicherheit … nicht frei von Heuchelei. Teile von Medien und Politik protestieren zwar regelmäßig, wenn die Privatheit verletzt wird oder verletzt zu werden droht. Doch wie authentisch ist diese Empörung, wenn sich bei DIVSI-Studien herausstellt, dass sehr vielen Nutzern eine leichte Bedienung der Netzanwendungen im Zweifel wichtiger ist als die Garantie geschützter Daten?“

Entwicklung: „Wir dürfen uns von den Entwicklungen nicht überrollen lassen. Sie sind Menschenwerk und müssen von Menschen gestaltet werden.“

KI: „… sollten wir nicht auch viel stärker darüber nachdenken, wie das Leben aussehen wird, wenn Roboter und künstliche Intelligenz feste Bestandteile unserer Welt geworden sein werden? Fürchten wir nicht alle, dass sich die Rolle des Menschen dann grundlegend verändern könnte?“

Manipulation: „Wir wissen …, dass Soziale Medien die sozialen Kontakte in der wirklichen Welt verringern, Nutzer in Echokammern hineinlocken und sie in quasi geschlossenen Welten anfällig werden lassen für Manipulationen, Desinformation und Verschwörungstheorien.“

Pflicht: „Insbesondere in der Pflicht sehe ich … die Politiker und die Spezialisten. Bei den Spezialisten wünsche ich mir, dass sie sich nicht nur als Techniker begreifen, sondern die Folgen ihrer Arbeit für das Zusammenleben bedenken. Und bei den Politikern wünsche ich mir, dass sie sich der neuen Technik offensiver stellen und … der aktuellen Entwicklung ausreichend Rechnung tragen.“

Rechte: „Was die Öffentlichkeit augenblicklich im Westen bei den Sozialen Medien am meisten aufregt, ist … der Missbrauch von Daten, vor dem uns der Staat schützen soll … (Es) ist die Schutzpflicht des Staates gefordert, um die Rechte des Bürgers zu verteidigen.”

Verantwortung: „Auch das Individuum trägt Verantwortung für seine Daten.”

Verantwortung

Wohin also wird sich das Wertegerüst unserer Gesellschaft entwickeln? Eine ungeklärte Frage auch unter dem Blickwinkel, dass vermeintlich Algorithmen immer mehr in unser Alltagsleben eingreifen. Was wird mit der Verantwortung für die Welt? Behält der Mensch sie in der Hand, oder geben wir sie ab? Und wenn ja – an wen?

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Studien & Themen, die Zeichen setzten https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/ https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:06 +0000 https://www.divsi.de/?p=19405 Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen. Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo: „DIVSI will […]

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DIVSI Collage

Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen.

Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo:

„DIVSI will einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Netz organisieren und mit neuen Aspekten beleben. Zudem wird das DIVSI die selbst gesetzten Ziele durch Unterstützung von Wissenschaft und Forschung erreichen. Es geht darum, potenzielle Risiken im Umgang mit dem Internet zu untersuchen und zu analysieren. Aufklärungsarbeit soll für eine Sensibilisierung und für eine Steigerung von Vertrauen und Sicherheit im Internet sorgen.“

Und auch die Methodik wurde sofort benannt: „Das Institut fördert den interdisziplinären Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Somit ist es das geeignete Forum für den Austausch ökonomischer, regulatorischer, rechtlicher, sozialer, kultureller und medienpolitischer Perspektiven. Arbeitsgrundlage sind zukunftsweisende strategische Projekte, für die man Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vernetzen will.“

Als Indiz dafür, dass die Aufgabe gemeistert wurde, kann allein schon die folgende Auflistung eigener DIVSI-Studien dienen. Sie sind zwischen sechs Jahren und knapp zwei Monaten alt. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung festgehaltenen Fakten sind sicher in der schnelllebigen Internet-Zeit nicht mehr sämtlich brandaktuell. Doch unverändert können auch sie als wichtiges Basismaterial dienen.

DIVSI BeteiligungslandkarteBeteiligungslandkarte Deutschland – Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen (2017)

Wie vielfältig und geläufig sind partizipative Formen der Internetnutzung im Lebensalltag der Menschen zur Unterstützung der eigenen Gesundheit oder zur Überwindung von Krankheiten? Welche soziodemografischen Unterschiede sind zu erkennen?

Brief Oder MailBrief oder E-Mail? DIVSI Studie über die Kommunikation im privat-geschäftlichen Bereich (2017)

Erstmals fundierte Erkenntnisse darüber, auf welchen Wegen privat-geschäftliche Kommunikation abläuft und welche Bedürfnisse sie bestimmen. Auch geht die Studie der Frage nach, inwieweit Menschen auf bewährte analoge Kanäle setzen und inwieweit sie inzwischen digitalen Möglichkeiten vertrauen.

Vertrauen in Kommunikation im digitalen ZeitalterVertrauen in Kommunikation im digitalen Zeitalter (2017)

Digitale Kommunikation gehört längst zum Alltag. Persönliche Informationen und sensible Daten werden ausgetauscht. Aber müssen dabei Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit in einem Spannungsverhältnis stehen? Welche rechtlichen, technischen und organisatorischen Antworten sollten für eine künftige sichere digitale Kommunikation gefunden werden, auf die die Menschen vertrauen können?

Digitalisierung – Deutsche fordern mehr SicherheitDigitalisierung – Deutsche fordern mehr Sicherheit (2017)

Die Deutschen stehen der Digitalisierung positiv gegenüber und sehen darin viele Vorteile für sich. Beim Thema Sicherheit im Internet erwarten sie allerdings mehr Engagement – vom Staat und von Unternehmen. Was bedeutet das für Vertrauen und für Kommunikation? Und wie sieht es mit der Eigenverantwortung der Nutzer aus? Die Untersuchung ergab auch auffallende Paradoxien zwischen Verantwortung und Vertrauen.

DIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in DeutschlandDIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland (2016)

Silver Surfer, Best Ager, 60+ – die Altersgruppe der über 60-Jährigen wird zunehmend wichtiger für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, denn sie macht jetzt schon etwa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung aus – Tendenz steigend. Die Studie liefert differenzierte, anschauliche und umsetzungsorientierte Erkenntnisse über die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen und räumt dabei auch mit einigen Vorurteilen auf.

DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“ (2016)

Die Digitalisierung hat die Mobilitätsdebatte vollends erfasst. Aber wie weit entwickelt sind datengelenkte Verkehrssysteme sowie eine sichere und ressourcenschonende Mobilitätskultur wirklich? Wie sind Schutz der Privatsphäre und Nutzung eines digitalen Assistenzsystems im Auto zu vereinbaren? Insbesondere vor dem Hintergrund der Machbarkeit analysiert und hinterfragt diese Studie eine Vielzahl von Diskussionen und Aktivitäten aus Europa und den USA.

DIVSI Internetmilieus 2016DIVSI Internet-Milieus 2016 – Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung (2016)

Wie beeinflusst der digitale Wandel das Leben der Menschen in Deutschland? Wie hat sich ihr Online-Verhalten in den letzten Jahren verändert? Welchen Stellenwert haben Internet und Smartphone im Lebensalltag? Wie denken die Menschen in der Nach-Snowden-Ära über Datensicherheit? Die repräsentative Studie bietet einen vertieften Blick in die aktuellen Lebenswelten unserer digitalen Gesellschaft.

Big DataBig Data (2016)

Zugespitzt auf die Themen „Smart Health“ und „Smart Mobility“ fasst der Bericht Erkenntnisse aus vielen Expertenrunden des DIVSI-Forschungsprojekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ zusammen. Er liefert Argumente für eine gesellschaftliche Debatte und wägt dabei Chancen und Risiken ab.

Recht Auf VergessenwerdenDas Recht auf Vergessenwerden (2015)

Die Entscheidung des EuGH zum „Recht auf Vergessenwerden“ lässt Fragen unbeantwortet, die im Spannungsfeld zwischen Persönlichkeitsrechten, Datenschutz und dem Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit liegen. Dieser komplexen Problematik widmet sich diese Publikation und formuliert schließlich konkrete Empfehlungen für einen „Lösch-Kodex“.

DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie?DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie? (2015)

Was ist Beteiligung im Internet eigentlich genau? Wie und weshalb bringen Internetnutzer sich ein? Die zweite Studie im Rahmen des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Netz“ untersucht Formen, Vorteile und Hürden der Beteiligung im Internet aus Sicht der DIVSI Internet- Milieus. In der qualitativen Untersuchung kommen dabei die Internetnutzer selbst zu Wort.

DIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen WeltDIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen Welt (2015)

Wann und wie kommen Kinder mit digitalen Medien und dem Internet in Berührung? Welche Bedeutung messen Eltern, Erzieher und Lehrer dem Internet für die Zukunft der Kinder bei? Welche Chancen und Risiken werden wahrgenommen, wer trägt die Verantwortung? Die Studie hat Kinder zwischen 3 und 8 Jahren im Blick und lässt sie auch selbst zu Wort kommen.

Daten Ware und WährungDIVSI Studie – Daten: Ware und Währung (2014)

In einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung untersucht DIVSI das Online-Nutzungs- und -Konsumverhalten in Deutschland. Im Fokus stehen Einstellungen der Internetnutzer zu Themen der Datensicherheit sowie Weiterverwendung von persönlichen Daten.

DIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit SmartphonesDIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit Smartphones (2014)

Durch Smartphones sind Menschen heute nahezu ununterbrochen über das Internet miteinander verbunden. Mit steigendem Nutzungsumfang fällt dabei eine Vielzahl von Daten an. Unter der Leitfrage „Was geschieht mit meinen Daten?“ war es Ziel der Studie, das Bewusstsein der Nutzer dafür zu schärfen, welche Daten auf dem Smartphone sein können, welche Möglichkeiten der Einsichtnahme und Einflussnahme sie bei unterschiedlichen mobilen Betriebssystemen haben.

Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex? (2014)

Mit dem Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ lotet DIVSI aus, ob ein Digitaler Kodex ein geeignetes Mittel ist, verbindliche Regeln im Internet auszuhandeln und durchzusetzen. Der Projektbericht steuert nicht nur zu diesem Gedanken Anregungen bei. Er bietet darüber hinaus generelle Anstöße, über die nachzudenken lohnt.

DIVSI Studie Beteiligung InternetDIVSI Studie zu Bereichen und Formen der Beteiligung im Internet (2014)

Das DIVSI-Forschungsprogramm „Beteiligung im Netz“ leistet auf einer breiten theoretischen und empirischen Basis einen Beitrag zum öffentlichen Verständnis der Beteiligungschancen des Internets – und ihrer Voraussetzungen. Die Studie präsentiert einen ersten Schritt in diesem Vorhaben und verschafft einen Überblick über den heutigen Stand der Forschung.

DIVSI U25-StudieDIVSI U25-Studie (2014/2018)

Die DIVSI U25-Studie liefert erstmals fundierte Antworten auf Fragen, die das Verhalten der nachwachsenden Generation im Hinblick auf das Netz betreffen. Über die Nutzungsformen hinaus werden auch die Denk- und Handlungslogiken sowie der lebensweltliche Hintergrund untersucht. Die Nachfolge-Studie wurde gerade vorgestellt.

DIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im InternetDIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im Internet (2013)

Wie sicher fühlen sich die Deutschen im Internet? Wie viel Freiheit und Selbstbestimmung wollen sie? Nach wie viel Regulierung wird verlangt? Die Studie zeigt ein detailliertes Bild des Nutzungsverhaltens der Deutschen im Internet und ihrer Wahrnehmung von Chancen und Risiken.

Entscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im InternetEntscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2013)

Wie denken Entscheider über das Internet? Welchen Akteuren schreiben sie welche Verantwortung und welche Einflussmöglichkeiten zu? Was sagen sie zu Sicherheits- und Freiheitsbedürfnissen? Die Studie verdeutlicht erstmals, wie diejenigen über das Internet denken, die wesentlich die Spielregeln gestalten und Meinungsbilder prägen.

Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“ (2012)

Wie gut kennen sich Meinungsführer im Netz aus? Wie schätzen sie ihre Einflussmöglichkeiten ein? Welche Chancen, Konfliktfelder und Risiken erwachsen daraus? In persönlichen Gesprächen wurden führende Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden interviewt.

Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet + AktualisierungMilieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2012) + Aktualisierung (2013)

Die Milieu-Studie differenziert erstmals unterschiedliche Zugangsweisen zum Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet in Deutschland, basierend auf einer bevölkerungsrepräsentativen Typologie.

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DIVSI Magazin – Ausgabe 4/2018 https://www.divsi.de/publikationen/magazine/divsi-magazin-ausgabe-42018/ Fri, 21 Dec 2018 08:57:09 +0000 https://www.divsi.de/?post_type=magazine&p=19477 Das letzte DIVSI-Magazin. Zum Inhalt: In Hamburg sagt man Tschüss  Und weitere Themen…

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Das letzte DIVSI-Magazin.

Zum Inhalt: In Hamburg sagt man Tschüss
 Und weitere Themen…

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Die Stärkung der digitalen Souveränität – Wege der Annäherung an ein Ideal im Wandel https://www.divsi.de/die-staerkung-der-digitalen-souveraenitaet-wege-der-annaeherung-an-ein-ideal-im-wandel/ https://www.divsi.de/die-staerkung-der-digitalen-souveraenitaet-wege-der-annaeherung-an-ein-ideal-im-wandel/#respond Mon, 14 May 2018 07:02:00 +0000 https://www.divsi.de/?p=18167 Die Digitalisierung bereichert unseren Lebensalltag in vielfältiger Weise. Wer einmal den Komfort präziser Navigation oder die Möglichkeit, jederzeit und von überall auf Informationen zugreifen und mit anderen kommunizieren zu können, genossen hat, wird freiwillig kaum wieder darauf verzichten wollen. Hinzu kommt, dass die meisten Dienste kostenlos sind. Oder präziser ausgedrückt: Sie kosten kein Geld. Denn […]

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Die Stärkung der digitalen Souveränität – Wege der Annäherung an ein Ideal im Wandel

Die Digitalisierung bereichert unseren Lebensalltag in vielfältiger Weise. Wer einmal den Komfort präziser Navigation oder die Möglichkeit, jederzeit und von überall auf Informationen zugreifen und mit anderen kommunizieren zu können, genossen hat, wird freiwillig kaum wieder darauf verzichten wollen. Hinzu kommt, dass die meisten Dienste kostenlos sind. Oder präziser ausgedrückt: Sie kosten kein Geld. Denn im Grunde wissen wir natürlich schon, dass wir die vermeintlich kostenlosen Angebote, die wir so gern und so selbstverständlich nutzen, mit unseren persönlichen Daten bezahlen.

Aus der DIVSI-Studie „Daten – Ware und Währung“ wissen wir sogar ganz konkret, dass mehr als Dreiviertel der Menschen in Deutschland ausschließlich (62 Prozent) oder vornehmlich (14 Prozent) kostenlose Online-Angebote nutzen, obwohl ebenso viele (76 Prozent) davon ausgehen, dass sie für diese mit ihren Daten zahlen und 83 Prozent sogar glauben, dass Anbieter solcher Angebote mit den persönlichen Daten der Nutzer Geschäfte machen. Dass die Gesetze des Kapitalismus in dem Ausmaß in die persönliche Sphäre des Menschen hineingreifen, macht nicht wenigen Angst.

Die mal mehr, mal weniger empörte Masse empfindet das – vermeintliche oder tatsächliche – Gebaren überwachender Staaten und monopolistischer „Datenkraken“ als einen Angriff auf die Grundrechte und die persönliche Freiheit. Die meisten wollen weder gläserne Bürger noch gläserne Konsumenten werden, gehen aber gleichzeitig davon aus, dass dem längst so ist. Trotz des eigenen Haderns übt aber kaum jemand Verzicht. Warum?

Nun, viele der genutzten Dienste sind längst zum Rückgrat des Lebensalltags der Menschen geworden. Auf sie zu verzichten, bedeutet immer häufiger, sich von einem Teil des Soziallebens zu verabschieden und den Rest davon arg zu verkomplizieren. Gerade weil die digitalen Angebote zum integralen Bestandteil des Lebens geworden sind, gilt es zu fragen, wie sich diese Entwicklung auf die Souveränität des Einzelnen auswirkt, die nicht zuletzt zu den Grundwerten freiheitlich demokratischer Gesellschaften gehört.

Was bedeutet es z.B. für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, wenn die Möglichkeit einer Entscheidung für oder gegen die Nutzung digitaler Angebote auf Sicht eine rein theoretische und das Akzeptieren zweifelhafter Nutzungsbedingungen alternativlos bleibt? Kann von informationeller Selbstbestimmung überhaupt noch die Rede sein, wenn der Einzelne nicht mehr überblicken kann, welche smarten Geräte und digitalen Anwendungen wann welche womöglich sehr persönlichen Daten sammeln? Ob und wohin sie sie senden? Wer Zugriff darauf erhält und zu welchem Zweck? Was bedeutet es für ihre eigene digitale Souveränität, wenn Menschen hierüber nicht mitbestimmen können und die Folgen der Sammlung und Weiterverwertung von Daten kaum abzuschätzen vermögen?

Digitale Souveränität geht über den Entscheidungs- und Gestaltungsspielraum des Einzelnen freilich hinaus. Sie umfasst auch die äußeren Rahmenbedingungen, die ihm zuweilen überhaupt erst ermöglichen, souverän zu sein. Um digitale Souveränität stärken zu können, muss sie zunächst in ihren unterschiedlichen Dimensionen erfasst werden. Wie wird sie in den verschiedenen Bedeutungskontexten verstanden? Wie ist der Stand des Diskurses darüber und wer sind die relevanten Akteure?

Das vorliegende Papier will eben dies tun – einen Überblick über den Ist-Stand der Debatte um „digitale Souveränität“ bieten und eine Grundlage dafür schaffen, auf der Wege aufgezeigt werden können, wie sich dem „Ideal im Wandel“ angenähert werden kann.

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Brief oder E-Mail? DIVSI Studie über die Kommunikation im privat-geschäftlichen Bereich https://www.divsi.de/publikationen/studien/brief-oder-e-mail-divsi-studie-ueber-die-kommunikation-im-privat-geschaeftlichen-bereich/ Tue, 12 Dec 2017 12:21:47 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=studien&p=16723 Nie zuvor haben die Menschen mehr kommuniziert als in unserem digitalen Zeitalter. Was vielleicht daran liegt, dass es so viele unterschiedliche Angebote dafür gibt. E-Mail, die Vielzahl der Sozialen Netzwerke mit ihren individuellen Möglichkeiten, natürlich immer noch das gute alte Telefon oder Fax, dazu der klassische Brief, selten sorgfältig von Hand geschrieben. Dabei hat der […]

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Nie zuvor haben die Menschen mehr kommuniziert als in unserem digitalen Zeitalter. Was vielleicht daran liegt, dass es so viele unterschiedliche Angebote dafür gibt. E-Mail, die Vielzahl der Sozialen Netzwerke mit ihren individuellen Möglichkeiten, natürlich immer noch das gute alte Telefon oder Fax, dazu der klassische Brief, selten sorgfältig von Hand geschrieben.

Dabei hat der Bürger, abgesehen vom privaten Bereich, im Außen- Umgang – etwa mit Behörden, Dienstleistern oder Versicherungen – oft nicht mehr die Wahl, welchen Kommunikationsweg er nutzen will. Immer öfter schreibt ihm die jeweilige Institution faktisch vor, wie er mit ihr in Kontakt zu treten hat. Das, was ursprünglich ein Angebot war, ist insoweit längst zu einer obligatorischen Infrastruktur mutiert, die genutzt werden muss und ohne die keine Teilhabe möglich ist.

Dieser privat-geschäftliche Bereich der Kommunikation zwischen dem Individuum auf der einen Seite sowie Unternehmen, Behörden oder beispielsweise ärztlichen Versorgern auf der anderen Seite bildet bislang eine Grauzone. Hier gibt es kaum wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse darüber, wie die Kommunikation abläuft oder ablaufen sollte. Dabei werden gerade in diesem Sektor sensible und höchst personenbezogene Daten übermittelt.

Die vorliegende Studie will diese Lücke schließen. Sie geht der Frage nach, wie privat-geschäftliche Kommunikation im Alltag heute aussieht. Noch gibt es zwar unverändert konkrete Vorschriften, wonach bestimmte Dokumente als Brief zugestellt werden müssen. Wie lange das so bleibt, kann mit Garantie niemand vorhersagen.

Doch was wollen die Menschen tatsächlich? Setzen sie auf bewährte analoge Kanäle, oder vertrauen sie inzwischen den digitalen Möglichkeiten? Wir wissen aus anderen DIVSI Studien, welche Sorge viele davor haben, dass persönliche Informationen in falsche Hände geraten.

Dabei sehen sie sich durchaus selbst in der Verantwortung, für ihre Sicherheit zu sorgen. Gleichzeitig erwarten sie von Staat und Wirtschaft, mehr Sicherheit im Internet zu schaffen. Sorge muss allerdings bereiten, dass die Menschen gerade dies dem Staat nicht zutrauen, wie auch andere DIVSI Studien gezeigt haben. Was einen zu der Frage bringt: Wie ist es um das Vertrauen der Menschen in die Handlungsfähigkeit des Staates bestellt?

Auch vor diesem Hintergrund umfasst diese Studie das Sicherheitsbewusstsein der Menschen in Deutschland bei privat-geschäftlicher Kommunikation. Wir versuchen, Ansätze für Maßnahmen zu entwickeln, die diesen Bereich sicherer und verlässlicher gestalten könnten. Die von DIVSI initiierte Suche nach einem digitalen Kodex scheint mir in diesem Zusammenhang wichtig.

Es wird zunehmend bedeutsam, dass für die Nutzung all dessen, was das digitale Zeitalter uns bietet, präzise Grundregeln vorhanden sind, damit die Menschen den unterschiedlichen Optionen für ihre Kommunikation vertrauen. Dabei ist eine Offenheit für Neuerungen durchaus vorhanden. Convenience wird gern genommen. Ihr sollten Anbieter künftig höhere Sicherheit hinzufügen.

Davon, so zeigen Studienergebnisse, sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Die Menschen sind über den besten gangbaren Weg unsicher, wissen manchmal überhaupt nicht, welche Möglichkeiten es generell gibt. Und häufig können sie nur vermuten, wie sicher neue Online-Optionen im privat-geschäftlichen Bereich sind.

Ich bin überzeugt, dass diese Studie in diesem Punkt für mehr Klarheit sorgt. Denn die Untersuchung beschreibt nicht nur den Status quo und die bereits erlebten digitalen Veränderungsprozesse. Sie steuert Ansatzpunkte dazu bei, welche Verbesserungen wie machbar sind und der Einzelne es schafft, möglichen Risiken souverän zu begegnen.

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Gedanken des neuen DIVSI-Schirmherrn Joachim Gauck: „Ich denke, es gilt eine Balance zu finden!“ https://www.divsi.de/gedanken-des-neuen-divsi-schirmherrn-joachim-gauck-ich-denke-es-gilt-eine-balance-zu-finden/ https://www.divsi.de/gedanken-des-neuen-divsi-schirmherrn-joachim-gauck-ich-denke-es-gilt-eine-balance-zu-finden/#respond Mon, 06 Nov 2017 17:38:36 +0000 http://46.30.3.106/?p=16459 Kritische, optimistische und mahnende Gedanken in seiner ersten Rede. Joachim Gauck ist (wieder) Schirmherr des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Er hatte dieses Amt bereits unmittelbar nach Gründung des Instituts 2011 inne und legte es nach seiner Wahl zum elften Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland nieder. Er folgt jetzt auf den im […]

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„Ich denke, es gilt eine Balance zu finden!“

Foto: Marius Schwarz | DIVSI

Kritische, optimistische und mahnende Gedanken in seiner ersten Rede.

Joachim Gauck ist (wieder) Schirmherr des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Er hatte dieses Amt bereits unmittelbar nach Gründung des Instituts 2011 inne und legte es nach seiner Wahl zum elften Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland nieder. Er folgt jetzt auf den im Januar verstorbenen Altbundespräsidenten Prof. Dr. Roman Herzog. Zu einer Festveranstaltung im Rahmen der Übernahme der Schirmherrschaft hatte DIVSI in die französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin eingeladen.

DIVSI-Direktor Matthias Kammer wertete bei seiner Begrüßung dies als einen „wunderbaren Tag, einen Tag der Freude“, und sagte: „Wir sind stolz darauf, dass wir ab heute mit dem neuen Schirmherrn zusammenarbeiten dürfen. Wir freuen uns auf die Mitwirkung von Joachim Gauck. Gerade auch seine internationale Erfahrung ist wichtig für uns.“

In seiner ersten Rede als neuer Schirmherr spannte Joachim Gauck einen weiten Bogen (hier Auszüge). Er sprach u.a. über:

Veränderungen.

… Schon vor mehreren Jahren habe ich öffentlich darüber gesprochen, dass die digitale Revolution unsere gesamte Lebens- und Arbeitswelt unwiderruflich verändern wird, auch das Verhältnis der Bürger zum Staat und selbst unser Bild vom Menschen – und dass uns eine menschenwürdige Gestaltung gelingen muss und wird. Aber wenn ich die Vor- und Nachteile der Entwicklung ganz tief in meinem Innern abwog, konnte ich ein gewissen Unbehagen nie ganz abschütteln: Wohin wird uns die Entwicklung führen?…

Anschub.

… Gastgeber Estland setzte die Digitalisierung Ende September 2017 sogar auf die Tagesordnung des Treffens der EU-Staatschefs. Denn der estnische Premierminister Juri Ratas ist gemeinsam mit seinen Landsleuten überzeugt:
„Von der digitalen Lebensweise ist sehr viel zu erwarten, wenn wir sie auf die richtige Weise anschieben.“ …

Haltungen.

… Das habe ich am Beispiel Estland gelernt: Wir dürfen uns von den Entwicklungen nicht überrollen lassen. Sie sind Menschenwerk und müssen von Menschen gestaltet werden. Ich möchte also über Haltungen sprechen. Über Haltungen im Umgang mit einer Entwicklung, die große Chancen verspricht, aber auch mit großen Risiken behaftet ist.

Die Esten wissen, und – mehr noch – sie akzeptieren: Die Zukunft wird digital. Sie schafft im Leben eines jeden Einzelnen viele Erleichterungen und Verbesserungen, ist aber auch nicht unbedenklich und ungefährlich. Aber nur wer imstande ist, die neue Technik zu beherrschen und zu entwickeln, wird ihre Unzulänglichkeiten – weitgehend – beseitigen, Gefahren – weitgehend – erkennen und Risiken mindern können. Derjenige hingegen, der aus Ängstlichkeit vor ihren Schwachstellen die Finger von ihr lässt, wird zwangsläufg zum Getriebenen, zum Abgehängten und zum Opfer ihrer dunklen Seiten …

Bedenken.

… wie die neueste Studie von DIVSI zeigt, wissen inzwischen erstaunlich viele Menschen die Erleichterungen und Vorteile für sich persönlich und für unser Land zu schätzen … Gleichzeitig … stehen Datenschutz- und Sicherheitsbedenken einer breiteren Akzeptanz der digitalen Technologie oft noch im Wege…

Heuchelei.

…Einerseits verstehe ich die Angst vor Verletzung der Privatheit gerade in einer Nation, in der Überwachung zwei Mal als Werkzeug illegitimer Herrschaft über das Volk genutzt wurde … Aber der Verweis auf Stasi und Gestapo bzw. die Assoziation mit dem Roman „1984“ ist in der Regel falsch. Ja, es gibt Fälle, in denen der Staat jemanden überwacht und ausspäht. Die Internetkonzerne hingegen hacken sich nicht ein und hören uns nicht gezielt ab. Sie sammeln einfach ein, was ihnen freiwillig angeboten wird.

Deshalb erscheint mir der Umgang mit Datenschutz und Internetsicherheit in Deutschland nicht frei von Heuchelei. Teile von Medien und Politik protestieren zwar regelmäßig, wenn die Privatheit verletzt wird oder verletzt zu werden droht. Doch wie authentisch ist diese Empörung, wenn sich bei DIVSI-Studien herausstellt, dass sehr vielen Nutzern eine leichte Bedienung der Netzanwendungen im Zweifel wichtiger ist als die Garantie geschützter Daten? …

Balance.

… Die Wahrheit über unseren Umgang mit dem Internet dürfte in der Regel ganz banal lauten: Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit sind einer Mehrheit wichtiger als Sicherheit…Ich denke, es gilt eine Balance zu finden. Ich misstraue sowohl denen, die Sicherheitsbedenken davon abhalten, sich der digitalen Entwicklung wirklich zu öffnen. Ich misstraue aber auch jenen, die allein die Technologie im Auge haben, sich um ihre gesellschaftlichen Auswirkungen aber nichtkümmern…

Sicherheit.

…Aber wir sind nicht hilflos. Sicherheit in der digitalen Welt kostet Geld und Zeit, aber sie lohnt sich … Ich denke, dies zu vermitteln ist eine wichtige Aufgabe der nächsten Zeit. Alle, die im Internet agieren, haben zur Sicherheit des Netzes beizutragen …

Unsicherheit.

…Was den Umgang mit der digitalen Technologie meines Erachtens generell schwierig macht, ist ihre Ambivalenz … Denn Umgang mit Ambivalenzen fällt dem Menschen schwer. 31 Prozent der Internetnutzer und sogar 46 Prozent der Nicht-Internetnutzer haben bei DIVSI-Umfragen vom Sommer diesen Jahres angegeben, sich durch die Digitalisierung verunsichert zu fühlen. Und Unsicherheit oder sogar Angst lähmen, sie fördern Fluchttendenzen und hindern oder verzögern Aktivitäten zur Problemlösung.

Das betrifft insbesondere das Nachdenken über die mittel- und längerfristigen Folgen der rasanten Entwicklung. Haben wir uns beispielsweise schon ausreichend damit auseinandergesetzt, wie der Einzelne es lernen kann, in den zahlenmäßig unübersehbaren Möglichkeiten der digitalen Sphäre nicht zu ertrinken? …

Veränderung.

…Sollten wir nicht auch viel stärker darüber nachdenken, wie das Leben aussehen wird, wenn Roboter und künstliche Intelligenz feste Bestandteile unserer Welt geworden sein werden? Fürchten wir nicht alle, dass sich die Rolle des Menschen dann grundlegend verändern könnte?

An all diese Fragen denke ich, wenn ich davon spreche, dass das, was in der digitalen Welt geschieht, wesentlich von unserer Haltung abhängt …

Kodex.

… mir liegt daran, die Anliegen von DIVSI zu unterstützen: Zu ermitteln, wie weit die digitale Technologie bereits Einzug gehalten hat in unsere Welt und wie sie aufgenommen wird; einen interdisziplinären Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern; über Chancen und Risiken des Internets zu forschen und einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Netz zu organisieren und mit neuen Aspekten zu beleben.

Wichtig erscheint mir auch das Nachdenken über einen digitalen Kodex, über Leitplanken im Internet, wie es der ehemalige Bundespräsident und ehemalige DIVSI-Schirmherr Roman Herzog formulierte: Reichen unsere Werte aus der analogen Welt, oder wo ist Nachholbedarf? …

Handlungsbedarf.

… Durch seine Studien hat DIVSI… dazu beigetraten, den Ist-Zustand auf verschiedenen digitalen Feldern zu ermitteln und dadurch den Handlungsbedarf für die Politik aufzuzeigen. Es hat mit seinen Studien auch die gängige These widerlegt, dass im Internet alle gleich seien und Bits und Bytes keinen Unterschied machten zwischen Arm und Reich, Akademikern und Bildungsfernen. Vielmehr stellte sich heraus, dass Bildungsgrad, Höhe des Einkommens, Wohnlage und andere soziale Faktoren Verhalten im und Umgang mit dem Netz determinieren …

Mammutaufgabe.

… Vor wenigen Wochen hat DIVSI einen großen Bruder erhalten: Mit dem
„Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft“, dem Deutschen Internet Institut (DII), existiert nun auch ein staatliches Institut, das sich ebenfalls mit den Wechselwirkungen von fortschreitender Technisierung und Gesellschaft beschäftigen wird…Wir blicken jetzt schon gespannt darauf und freuen uns auf erste Forschungs- und Studienergebnisse und die Impulse, die das Deutsche Internet Institut der Gesellschaft, aber auch dem DIVSI geben kann. Ich werde mich bemühen, dass gelegentlich auch umgekehrt das DIVSI die Arbeit des DII befruchten kann.

Anders geht es gar nicht angesichts der Mammutaufgabe – gerade in Zeiten wie diesen, die geprägt sind von Unsicherheiten und Vertrauensverlusten im politischen wie ökonomischen Bereich. Wir brauchen ein Zusammenwirken aller Kräfte …

Vereinfachung.

… Insbesondere in der Pflicht sehe ich allerdings zwei Gruppen: die Politiker und die Spezialisten. Bei den Spezialisten wünsche ich mir, dass sie sich nicht nur als Techniker begreifen, sondern die Folgen ihrer Arbeit für das Zusammenleben bedenken. Und bei den Politikern wünsche ich mir, dass sie sich der neuen Technik offensiver stellen und mit Diskussionen und Gesetzen der aktuellen Entwicklung ausreichend Rechnung tragen.

Ich wünsche mir, dass sie generell, aber gerade auf diesem Gebiet eine Kommunikation erhellender Vereinfachung mit den Bürgern entwickeln und so das Unwissen mindern und Ängsten konstruktiv begegnen. Nur so kann der Unkultur von Ängstlichkeit und von Gleichgültigkeit und Fatalismus gewehrt werden. Nur so wird Deutschland im digitalen Bereich einen Platz einnehmen, der seinem politischen und wirtschaftlichen Rang entspricht.

Jürgen Gerdes: Grußwort

Foto: Marius Schwarz

Grußworte von Jürgen Gerdes,
Vorstand Deutsche Post DHL Group

Wir freuen uns sehr und sind stolz darauf, dass Joachim Gauck nach seiner höchst erfolgreichen Zeit als Bundespräsident wieder die Schirmherrschaft über das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet übernommen hat. Wohl kaum eine andere Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Deutschland und darüber hinaus genießt in der Bevölkerung ebenso wie unter den Entscheidern in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur ein so hohes Ansehen wie Joachim Gauck. Über Jahrzehnte hinweg hat der evangelische Theologe und spätere Bundesbeauftragte für die Sicherung der Stasi-Unterlagen die Menschen in diesem Land immer wieder ermutigt, ihre Bürgerrechte selbstbewusst wahrzunehmen. Das DIVSI hätte kaum einen besseren Botschafter finden können, um der Forschungsarbeit des Instituts die angemessene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Joachim Gauck wird als Schirmherr nicht nur seinen guten Ruf und seine hohe Reputation in dieses Projekt einbringen. Er hat auch sehr klare Vorstellungen davon, welche Ziele das gemeinnützig arbeitende Institut erreichen sollte. Und die vertritt er mit leidenschaftlichem Engagement. Gemeinsam mit ihm will das DIVSI auch in den nächsten Jahren untersuchen, wie Menschen im Internet unterwegs sind, welche Verhaltensweisen sie dabei an den Tag legen, welche Erfahrungen sie dabei machen und wie sie diese Erfahrungen beurteilen. In gewisser Weise handeln wir wie einst Alexander von Humboldt auf seinen Entdeckungsreisen: Beobachten und Beschreiben dort, wo bisher noch niemand hingeschaut hat, das ist unsere Kernaufgabe. So haben wir in den vergangenen Jahren der interessierten Öffentlichkeit zahlreiche wirklich neue Erkenntnisse über den Entwicklungsstand des Internets präsentieren dürfen. Die ausführliche Berichterstattung in den Medien hat uns gezeigt, welche Bedeutung dem DIVSI und seinen exklusiven Forschungsberichten beigemessen wird. Neue Studien sind in Vorbereitung und stehen kurz vor dem Abschluss. Wir dürfen gespannt sein.

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Rücksichtnahme und Teilhabe bleiben ein hohes Gut https://www.divsi.de/ruecksichtnahme-und-teilhabe-bleiben-ein-hohes-gut/ https://www.divsi.de/ruecksichtnahme-und-teilhabe-bleiben-ein-hohes-gut/#respond Mon, 17 Jul 2017 08:28:59 +0000 http://46.30.3.106/?p=16103 Prof. Gesche Joost für einen Werte-Kodex zur Nutzung digitaler Technologien. Ein (Holz-)Briefkasten als Tor zur Teilhabe in der digitalen Welt? Das mag wie ein Widerspruch anmuten, ist es aber nicht. Denn genau das war das Produkt einer Zusammenarbeit des Design Research Lab der Universität der Künste Berlin und des Senioren Computerclubs Berlin. Prof. Dr. Gesche […]

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Rücksichtnahme und Teilhabe bleiben ein hohes Gut

Prof. Gesche Joost für einen Werte-Kodex zur Nutzung digitaler Technologien.

Ein (Holz-)Briefkasten als Tor zur Teilhabe in der digitalen Welt? Das mag wie ein Widerspruch anmuten, ist es aber nicht. Denn genau das war das Produkt einer Zusammenarbeit des Design Research Lab der Universität der Künste Berlin und des Senioren Computerclubs Berlin. Prof. Dr. Gesche Joost, Leiterin des Research Lab und Internet-Botschafterin der Bundesregierung im Club der „Digital Champions“ bei der EU, hatte ihre Keynote denn auch folgerichtig unter die Zeile „Der Briefkasten ins Internet – Partizipation in der digitalen Gesellschaft“ gestellt.

Dieses und andere Projekte stellte Gesche Joost am zweiten Tag des dritten DIVSI-Bucerius Forums vor. Sie informierte darüber, welche Instrumente der Teilhabe es gibt, was es überhaupt bedeutet, dass wir uns mehr und mehr hin zu einer digital vernetzten Gesellschaft entwickeln, es in Teilen sogar schon sind, und wie eine inklusive digitale Gesellschaft für wirklich alle Menschen gestaltet sein könnte.

Prof. Joost: „Zu der konkreten Entwicklung des Briefkastens als Mittel, um Senioren ins Netz zu holen, sind wir gelangt, weil wir uns die Frage gestellt haben: ‚Wie können wir Menschen dort abholen, wo sie sind, und auch mit den Instrumenten abholen, die sie haben?‘“

Regulierung

Als Wertebasis der digitalen Gesellschaft sieht Joost die inklusive Gesellschaft,in der Rücksichtnahme und Teilhabe ein hohes Gut sind. Derzeit werde die Diskussion eher von Industrie 4.0, Digitalisierung der Arbeit, beherrscht. Es brauche aber einen Werte-Kodex zur Nutzung digitaler Technologien wie Big Data, Künstliche Intelligenz und Soziale Netzwerke. Dabei müsse man immer hinterfragen: „Was ist die Wertebasis aufgrund derer wir das tun?“ „Wie verhält es sich zu unserem bürgerschaftlichen Werte-Kodex?“

Gesche Joost: „Wir brauchen zudem eine behutsame Regulierung gegen Radikalisierung im Netz, Hate Speech und zu der Frage, wie wir das Recht auf Vergessenwerden überhaupt durchsetzen können. Zuletzt benötigen wir die Teilhabe marginalisierter Gruppen bei der Entwicklung neuer Technologien.“

Die in der digitalen Gesellschaft erforderliche digitale Souveränität setze sich aus einer Trias zusammen aus Regulierung, Datenkompetenz und digitaler Bildung sowie der technologischen Ermöglichung der Ziele, wie etwa Privacy by design/default. Gesche Joost unterstützt, nicht zuletzt aufgrund ihrer Tätigkeit im Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (SVRV), die DIVSI-These, dass „ohne digitale Teilhabe heutzutage kaum noch soziale Teilhabe möglich ist“. Sie zeigte aber auch Bereiche auf, in denen es um „Teilhabe wider Willen“ gehe, und machte gleichzeitig deutlich, dass „wir nie mehr offline sind“, wenn in Zukunft mehr Dinge mit dem Internet kommunizieren als Menschen. In Smart Cities werde eine vollständige Vernetzung der Infrastruktur stattfinden. Wenn die Menschen dann in der Planung von Smart Cities kaum Berücksichtigung fänden, führe das unweigerlich zu Akzeptanzproblemen.

Vielversprechend

Angesprochen wurde auch die Thematik „Drucken wir uns die Welt in 3D“ demnächst selbst? Wenn es nach Gesche Joost geht, gibt es dafür zumindest jetzt schon einige vielversprechende Initiativen. Sie liefern Open Source, also kostenlose Ansätze, mit denen eine gesellschaftliche „Teilhabe durch Technologie“ möglich ist. Erfreulicherweise passiere dies nicht immer nur unter der Regie großer Konzerne.

Mit Blick auf die Debatte um „Post-Privacy vs. digitale Souveränität“ ging Gesche Joost der Frage nach, ob wir über das Zeitalter, in dem es so etwas wie Privatsphäre gab, schon hinaus sind. Ist der mündige Bürger in einer digitalen Welt also überhaupt noch zu souveränem Handeln befähigt, oder diktieren längst andere Player die Spielregeln? An dieser Stelle warnte Prof. Dr. Gesche Joost: „Wir stehen an einem entscheidenden Punkt. Wenn wir so weitermachen wie bisher und großen Konzernen die Rahmensetzung überlassen, könnte genau das passieren.“

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Anwalt für die Menschenwürde auch in der digitalen Zeit https://www.divsi.de/anwalt-fuer-die-menschenwuerde-auch-in-der-digitalen-zeit/ https://www.divsi.de/anwalt-fuer-die-menschenwuerde-auch-in-der-digitalen-zeit/#respond Wed, 12 Apr 2017 08:29:20 +0000 http://46.30.3.106/?p=15913 DIVSI trauert um seinen Schirmherrn Prof. Dr. Roman Herzog. Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), eine von der Deutsche Post AG im Jahre 2011 gegründete Gesellschaft, trauert um seinen Schirmherrn, Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Roman Herzog, der im Alter von 82 Jahren verstorben ist. Roman Herzog hatte die Aufgabe des Schirmherrn […]

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Anwalt für die Menschenwürde auch in der digitalen Zeit

DIVSI trauert um seinen Schirmherrn Prof. Dr. Roman Herzog.

Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), eine von der Deutsche Post AG im Jahre 2011 gegründete Gesellschaft, trauert um seinen Schirmherrn, Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Roman Herzog, der im Alter von 82 Jahren verstorben ist. Roman Herzog hatte die Aufgabe des Schirmherrn im Jahre 2012 übernommen.

„Wir trauern mit seinen Angehörigen und verneigen uns vor einem großen Staatsmann und seinem Lebenswerk“, erklärt Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Deutsche Post DHL Group. „Wir sind dankbar für das, was unser inspirierender Mentor Roman Herzog dem DIVSI gegeben hat.“

In den Jahren seiner sehr aktiv gestalteten Schirmherrschaft hat Roman Herzog die grundlegende Ausrichtung des DIVSI wesentlich geprägt. Ausschlaggebend dafür waren sein profunder Wissensschatz, seine enorme Lebenserfahrung, sein ganz besonderer Humor und vor allem sein großes Interesse an einer menschenwürdigen Entwicklung der digitalen Welt.

Übernahme der DIVSI-Schirmherrschaft durch Roman Herzog

Übernahme der Schirmherrschaft in Hamburg: Roman Herzog, eingerahmt von seiner Gattin Alexandra von Berlichingen, Bürgermeister Olaf Scholz und DIVSI Direktor Matthias Kammer. (Foto: DIVSI)

Dabei hat er sich als ehemaliger Wissenschaftler und Verfassungsrechtler mit Leidenschaft der Erarbeitung eines digitalen Kodexes verschrieben, den er für das gesellschaftliche Miteinander im digitalen Zeitalter für herausragend wichtig hielt. DIVSI-Direktor Matthias Kammer: „Roman Herzog hat unsere tägliche Arbeit bereichert und befruchtet. Und wir stellen dankbar fest: Diese Inspiration hat Wirkung über den Tag hinaus.“

Jürgen Gerdes, auf dessen Anregung die Gründung des DIVSI zurückging, fasst das Wirken des verstorbenen Schirmherrn so zusammen: „Sein Ziel war es, Leitplanken zu finden, um auch in den Medien des begonnenen 21. Jahrhunderts der Menschenwürde Geltung zu verschaffen.“

Zwei Gedanken lagen Roman Herzog bereits bei seiner Amtsübernahme am 5. November 2012 besonders am Herzen. Es lohnt, sich diese noch einmal in das Gedächtnis zu rufen. Roman Herzog:

  1. Die Geheimheit der Privatsphäre des Menschen, die in unserem Kulturkreis seit Jahrhunderten ein wesentlicher Bestandteil seiner Personalität ist, ist neuen Gefährdungen ausgesetzt, die zum Anlass ganz neuer Überlegungen gemacht werden müssen, und da hilft es auch wenig, dass manche von diesen Risiken in Ansätzen auch schon bisher bestanden haben. Schon die veränderten Gefährdungszahlen könnten ja den Eingriff in eine ganz neue Epoche bedeuten.
  2. In jedem Fall ist die Einstellung der Menschheit zur Information dabei, sich schlicht und einfach umzudrehen – und das nun wirklich zum ersten Mal in der Geschichte. Bisher hatte der Mensch bei allem, womit er sich beschäftigte, unter einer deprimierenden Informationsknappheit zu leiden. Das Zeitalter, in das wir hineingehen, wird demgegenüber durch ein deprimierendes Überangebot an Informationen charakterisiert sein. Salopp ausgedrückt: Bisher hatte die Menschheit richtige Informationen zu suchen, in Zukunft wird sie eher falsche, ungeeignete Informationen auszusondern haben.

Wir werden sehen, wie das gehen wird. Aber jedenfalls wird es genug zu tun geben!

Roman Herzog, ein großer Deutscher

Roman Herzog (* 5. April 1934 in Landshut; † 10. Januar 2017 in Bad Mergentheim) war von 1994 bis 1999 der siebte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Zuvor war er von 1978 bis 1980 Kultus-, von 1980 bis 1983 Innenminister des Landes Baden-Württemberg und von 1983 bis 1994 Richter am Bundesverfassungsgericht, ab 1987 als dessen Präsident tätig.

Als Bundespräsident ist Herzog unter anderem für seine Berliner Rede 1997 bekannt, in der er für einen „Ruck durch Deutschland“ und mehr Reformbereitschaft in Gesellschaft und Politik warb.

Herzog damals: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von lieb gewordenen Besitzständen, vor allen Dingen von den geistigen, von den Schubläden und Kästchen, in die wir gleich alles legen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen:

  • die Arbeitgeber, indem sie Kosten nicht nur durch Entlassungen senken,
  • die Arbeitnehmer, indem sie Arbeitszeit und -löhne mit der Lage ihrer Betriebe in Einklang bringen,
  • die Gewerkschaften, indem sie betriebsnahe Tarifabschlüsse und flexiblere Arbeitsbeziehungen ermöglichen,
  • Bundestag und Bundesrat, indem sie die großen Reformprojekte jetzt rasch voranbringen,
    die Interessengruppen in unserem Land, indem sie nicht zu Lasten des Gemeininteresses wirken.“

Im Jahr 1996 führte er den 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein. Zudem prägte er im Jahr 2008 den Begriff „Rentnerdemokratie“.

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Brauchen wir für Big Data neue Regeln? https://www.divsi.de/brauchen-wir-fuer-big-data-neue-regeln/ https://www.divsi.de/brauchen-wir-fuer-big-data-neue-regeln/#respond Tue, 17 May 2016 09:53:21 +0000 http://46.30.3.106/?p=14595 Untersuchung zu Smart Mobility und Smart Health zeigt: Es existieren eine Reihe von Konfliktfeldern, die eine gesellschaftliche Debatte erforderlich machen. Wie groß sind Chancen und Risiken beim Einsatz von Big Data auf den Gebieten Smart Mobility und Smart Health? Welche Konfliktlinien resultieren daraus, und wo liegen die besonderen gesellschaftlichen Herausforderungen?

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Brauchen wir für Big Data neue Regeln?

Bild: solarseven – Shutterstock

Untersuchung zu Smart Mobility und Smart Health zeigt: Es existieren eine Reihe von Konfliktfeldern, die eine gesellschaftliche Debatte erforderlich machen.

Von Philipp Otto

Wie groß sind Chancen und Risiken beim Einsatz von Big Data auf den Gebieten Smart Mobility und Smart Health? Welche Konfliktlinien resultieren daraus, und wo liegen die besonderen gesellschaftlichen Herausforderungen? Um diese Problematik ging es bei der jetzt vorgestellten Untersuchung „Big Data“, die iRightsLab gemeinsam mit DIVSI erstellt hat.

Die gewonnenen Erkenntnisse haben bisher gezeigt, dass in Bezug auf Tracking und Big Data eine Reihe von Konfliktlinien existieren, die den Bedarf nach einer gesellschaftlichen Debatte aufwerfen. Eine solche könnte ergeben, dass für Big Data neue oder angepasste Regeln benötigt werden, für die sich alternative Regulierungsansätze wie ein „Digitaler Kodex“ eignen könnten. Das dem Bericht zugrunde liegende Projekt ist Teil des Gesamtvorhabens „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“, das 2013 ins Leben gerufen wurde.

Ziel der im Herbst 2014 gestarteten zweiten Projektphase ist es, zu untersuchen, ob das Modell eines „Digitalen Kodex“ auch in der konkreten Anwendung trägt und sich realisieren lässt. Der Projektteil „Big Data“ ist dabei noch nicht abgeschlossen. In einem ersten Schritt wurden jetzt zunächst konkrete Konfliktfelder beschrieben, die durch Big Data entstehen. Da das Phänomen äußerst facettenreich ist, wurde die Thematik auf zwei Anwendungsgebiete eingegrenzt: Smart Mobility und Smart Health. An ihnen wurden exemplarisch die Chancen und Herausforderungen von Big Data herausgearbeitet, um Regelungsbedürfnisse zu identifizieren, denen dann mit einem zu schaffenden „Digitalen Kodex“ begegnet werden könnte.

Alleswisser am Handgelenk

Alleswisser: Am Handgelenk können alle Daten empfangen und beobachtet werden. (Bild: Alexey Boldin – Shutterstock)

Ein Projektschwerpunkt war Tracking als eine der Methoden, bei der die in Big-Data-Anwendungen eingesetzten großen Datenmengen anfallen. Bei solchen Anwendungen werden computergestützt die Daten analysiert und weiterverwendet. Diese sind insbesondere durch die immer weiter zunehmende Digitalisierung vieler Lebensbereiche entstanden, wobei Tracking-Technologien eine der Hauptquellen für die Erzeugung dieser Daten sind.

Tracking kommt in immer mehr Anwendungen zum Einsatz, so zum Beispiel in Smartphones, Fitnessarmbändern oder in Blackboxes, die in Autos eingebaut werden. Die Geräte zeichnen fortlaufend bestimmte Werte auf und übermitteln die so gewonnenen Daten an Server der Anbieter, wo sie gespeichert werden und für Big-Data-Auswertungen zur Verfügung stehen.

Prämienanpassung

Im Bereich Smart Mobility sind telematikbasierte KFZ-Versicherungen ein aktuelles Anwendungsfeld. Tarife werden dabei unter anderem auf Basis des tatsächlichen Fahrverhaltens des Versicherungsnehmers angepasst. Zu diesem Zweck wird zumeist eine Blackbox in das Auto des Kunden eingebaut, die das Fahrverhalten verfolgt und aufzeichnet. Auf Basis einer Datenanalyse werden schließlich die Prämien errechnet und entsprechend angepasst.

Diese Art von Versicherungsmodell verspricht eine Reihe von Chancen. So werden die Autoversicherer in die Lage versetzt, profitablere Versicherungsmodelle anbieten zu können. Zugleich können die Autofahrer profitieren, insbesondere jene, die bislang aufgrund ihrer Zuordnung zu einer bestimmten Gruppe – wie beispielsweise Fahranfänger – ungeachtet ihres individuellen Fahrstils hohe Prämien zahlen mussten. Darüber hinaus könnte sich die Sicherheit auf den Straßen erhöhen und die Umweltbelastung sinken, worin ein gesamtgesellschaftlicher Nutzen zu sehen wäre.

Versicherung

Telematikbasierte Autoversicherung: Eine Blackbox im Auto erfasst Daten zum Fahrverhalten und übermittelt sie an die Versicherung. Die Auswertung dieser Daten bildet die Grundlage für die Höhe der Versicherungsprämie. Getrackt werden unter anderem starkes Bremsen oder Beschleunigen, Tageszeiten der Fahrten und zurückgelegte Entfernung. (Bild: Dieter Duneka)

Zugleich birgt ein solches Modell Risiken. So ermöglicht das Tracking, umfassende Bewegungsprofile von Autofahrern zu erstellen. Darüber hinaus ist an Personengruppen zu denken, die beispielsweise im Schichtdienst arbeiten und deshalb ihr Fahrzeug zu Zeiten nutzen müssen, die als risikobehaftet identifiziert werden, und deshalb höhere Tarife zahlen müssen. Ein weiteres Beispiel für eine Anwendung im Bereich Smart Mobility ist die datengetriebene Verkehrslenkung in Ballungsräumen, die auf Grundlage von Bewegungs- und Geolokationsdaten die Verkehrsströme zu optimieren versucht. Dies kann den Verkehrsteilnehmern helfen, Zeit einzusparen. Durch die daraus folgende Ressourcenoptimierung werden zudem weniger Emissionen freigesetzt.

Verkehr

Intelligente Verkehrslenkung: Sensoren und Tracker sammeln große Datenmengen – zu Verkehrsbewegungen, Unfällen oder dem Wetter – und übermitteln sie an Server, wo sie in Echtzeit ausgewertet werden. Aufgrund der Analyseergebnisse greifen Steuerungsmechanismen regulierend in den Verkehr ein und können Staus verhindern. (Bild: Dieter Duneka)

Planungschance

Den kommunalen Planungsbehörden bieten sich darüber hinaus Möglichkeiten, Infrastrukturprojekte gezielter durchzuführen, während die Verkehrsbetriebe die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel präziser einsetzen können. Demgegenüber kann das Tracking der Bewegungen der Bürger im städtischen Raum trotz anonymisierter Daten zum Gefühl beitragen, unter Überwachung zu stehen, was sich verhaltensändernd auswirken kann.

Auch im Gesundheitssektor wird im Bereich Smart Health immer mehr auf Big-Data-Anwendungen zurückgegriffen. Die dafür notwendigen Datenmengen werden unter anderem durch Wearables erzeugt, also beispielsweise durch Fitness-Armbänder oder Smart Watches, die Vitalwerte ihres Trägers aufzeichnen. Gerade im Gesundheitssektor sind mit Big Data große Hoffnungen verbunden, die Prävention, Diagnose und Therapie von Krankheiten zu verbessern. So können Ärzte den Gesundheitszustand ihrer Patienten präziser überwachen; Krankenhäuser können aus großen Datensätzen von Patienten Erkenntnisse gewinnen, anhand derer sie die verfügbaren Ressourcen besser verteilen können; auch zur Vorhersage von Epidemien kann Big Data nützlich sein.

In besonderem Maße verspricht sich die medizinische Forschung Chancen durch Big Data, da es mittels Wearables künftig leichter sein dürfte, Probanden für Studien zu gewinnen. Dadurch entsteht leichter eine ausreichend große Datenbasis für medizinische Erkenntnisse. Auch das Krankenversicherungssystem kann durch die Informationen, die durch Wearables gewonnen werden, neue Tarifmodelle schaffen, die Kosten einsparen helfen und Ressourcen besser nutzbar machen. Nicht zuletzt profitieren die Nutzer solcher Geräte selbst von den genannten Möglichkeiten.

Wearables

Wearables protokollieren Gesundheits- und Aktivitätsdaten des Trägers, wie z.B. Anzahl der Schritte, Schlafdauer und Herzfrequenz.Die Daten kann der Anwender einerseits selbst nutzen. Andererseits können sie auch für den behandelnden Arzt, die Versicherung oder für die Forschung freigegeben werden. (Bild: Dieter Duneka)

Anpassungsdruck

Auch der Einsatz von Big Data im Gesundheitsbereich birgt Risiken. So vergrößert sich für den Nutzer die Gefahr der Fremdbestimmtheit, wenn durch die konstante Überprüfbarkeit und Vergleichbarkeit von Gesundheitsdaten gesellschaftlich neu definiert wird, welche körperlichen Zustände als gesund, also „richtig“, und welche als krank, also „falsch“, gelten. Diese Neudefinition kann zu einem erhöhten Anpassungsdruck führen.

Eine Gefahr besteht zudem darin, dass die Möglichkeit, sich gegen die Nutzung von Wearables zu entscheiden, an gesellschaftlicher Akzeptanz verliert. Da es sich bei Gesundheitsdaten um besonders persönliche und sensible Daten handelt, stellt sich außerdem die Frage, wie Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet werden können, um Missbrauch im Umgang mit den Daten zu verhindern. Für die medizinische Forschung schließlich besteht zumindest potenziell das Problem, dass medizinische Studien, die mittels Wearables durchgeführt werden, für das Phänomen der Stichprobenverzerrung besonders anfällig sein könnten, wenn sich zum Beispiel die Studienteilnehmer ausschließlich aus solchen Bevölkerungsteilen rekrutieren, die sich ein solches Gerät leisten können.

Die Untersuchung hat auch gezeigt, dass zahlreiche Themen in diesem Zusammenhang noch vertieft werden müssen. Insbesondere gilt hier:

  • Big Data stellt Grundprinzipien des Datenschutzrechts wie Datensparsamkeit und Zweckbindung infrage. Es muss daher geklärt werden, inwieweit ein „Digitaler Kodex“ einen Beitrag dazu leisten kann, auf Big Data abgestimmte Lösungen für die dadurch entstehende Problematik zu finden.
  • Wie ist zu gewährleisten, dass die Nutzung von Tracking-Geräten freiwillig bleibt und eine Nichtteilnahme nicht mit Nachteilen verbunden ist, wenn Tracking-Technologien und darauf basierende Big-Data-Anwendungen immer weitere Verbreitung finden? Hat dieses Prinzip der Freiwilligkeit überhaupt weiterhin Bestand?
  • Wie kann Neutralität und Transparenz jener Algorithmen gewährleistet werden, die Big-Data-Anwendungen zugrunde liegen? Diese Aspekte lassen sich unter dem Begriff der Algorithmenethik zusammenfassen. Wie und von wem können Algorithmen daraufhin überprüft werden, ob sie beispielsweise bestimmte Bevölkerungsgruppen unangemessen benachteiligen? Welche Mechanismen müssten geschaffen werden, um die Verwendung solch diskriminierender Algorithmen zu unterbinden?

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DIVSI Magazin – Ausgabe 1/2016 https://www.divsi.de/publikationen/magazine/divsi-magazin-ausgabe-12016/ Thu, 28 Apr 2016 09:07:49 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=magazine&p=14656 Zum Inhalt: Sicherheit und Freiheit in der digitalen Welt. Und weitere Themen…

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Und weitere Themen…

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