Vertrauen und Sicherheit im Internet – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Studien & Themen, die Zeichen setzten https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/ https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:06 +0000 https://www.divsi.de/?p=19405 Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen. Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo: „DIVSI will […]

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DIVSI Collage

Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen.

Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo:

„DIVSI will einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Netz organisieren und mit neuen Aspekten beleben. Zudem wird das DIVSI die selbst gesetzten Ziele durch Unterstützung von Wissenschaft und Forschung erreichen. Es geht darum, potenzielle Risiken im Umgang mit dem Internet zu untersuchen und zu analysieren. Aufklärungsarbeit soll für eine Sensibilisierung und für eine Steigerung von Vertrauen und Sicherheit im Internet sorgen.“

Und auch die Methodik wurde sofort benannt: „Das Institut fördert den interdisziplinären Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Somit ist es das geeignete Forum für den Austausch ökonomischer, regulatorischer, rechtlicher, sozialer, kultureller und medienpolitischer Perspektiven. Arbeitsgrundlage sind zukunftsweisende strategische Projekte, für die man Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vernetzen will.“

Als Indiz dafür, dass die Aufgabe gemeistert wurde, kann allein schon die folgende Auflistung eigener DIVSI-Studien dienen. Sie sind zwischen sechs Jahren und knapp zwei Monaten alt. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung festgehaltenen Fakten sind sicher in der schnelllebigen Internet-Zeit nicht mehr sämtlich brandaktuell. Doch unverändert können auch sie als wichtiges Basismaterial dienen.

DIVSI BeteiligungslandkarteBeteiligungslandkarte Deutschland – Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen (2017)

Wie vielfältig und geläufig sind partizipative Formen der Internetnutzung im Lebensalltag der Menschen zur Unterstützung der eigenen Gesundheit oder zur Überwindung von Krankheiten? Welche soziodemografischen Unterschiede sind zu erkennen?

Brief Oder MailBrief oder E-Mail? DIVSI Studie über die Kommunikation im privat-geschäftlichen Bereich (2017)

Erstmals fundierte Erkenntnisse darüber, auf welchen Wegen privat-geschäftliche Kommunikation abläuft und welche Bedürfnisse sie bestimmen. Auch geht die Studie der Frage nach, inwieweit Menschen auf bewährte analoge Kanäle setzen und inwieweit sie inzwischen digitalen Möglichkeiten vertrauen.

Vertrauen in Kommunikation im digitalen ZeitalterVertrauen in Kommunikation im digitalen Zeitalter (2017)

Digitale Kommunikation gehört längst zum Alltag. Persönliche Informationen und sensible Daten werden ausgetauscht. Aber müssen dabei Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit in einem Spannungsverhältnis stehen? Welche rechtlichen, technischen und organisatorischen Antworten sollten für eine künftige sichere digitale Kommunikation gefunden werden, auf die die Menschen vertrauen können?

Digitalisierung – Deutsche fordern mehr SicherheitDigitalisierung – Deutsche fordern mehr Sicherheit (2017)

Die Deutschen stehen der Digitalisierung positiv gegenüber und sehen darin viele Vorteile für sich. Beim Thema Sicherheit im Internet erwarten sie allerdings mehr Engagement – vom Staat und von Unternehmen. Was bedeutet das für Vertrauen und für Kommunikation? Und wie sieht es mit der Eigenverantwortung der Nutzer aus? Die Untersuchung ergab auch auffallende Paradoxien zwischen Verantwortung und Vertrauen.

DIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in DeutschlandDIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland (2016)

Silver Surfer, Best Ager, 60+ – die Altersgruppe der über 60-Jährigen wird zunehmend wichtiger für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, denn sie macht jetzt schon etwa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung aus – Tendenz steigend. Die Studie liefert differenzierte, anschauliche und umsetzungsorientierte Erkenntnisse über die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen und räumt dabei auch mit einigen Vorurteilen auf.

DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“ (2016)

Die Digitalisierung hat die Mobilitätsdebatte vollends erfasst. Aber wie weit entwickelt sind datengelenkte Verkehrssysteme sowie eine sichere und ressourcenschonende Mobilitätskultur wirklich? Wie sind Schutz der Privatsphäre und Nutzung eines digitalen Assistenzsystems im Auto zu vereinbaren? Insbesondere vor dem Hintergrund der Machbarkeit analysiert und hinterfragt diese Studie eine Vielzahl von Diskussionen und Aktivitäten aus Europa und den USA.

DIVSI Internetmilieus 2016DIVSI Internet-Milieus 2016 – Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung (2016)

Wie beeinflusst der digitale Wandel das Leben der Menschen in Deutschland? Wie hat sich ihr Online-Verhalten in den letzten Jahren verändert? Welchen Stellenwert haben Internet und Smartphone im Lebensalltag? Wie denken die Menschen in der Nach-Snowden-Ära über Datensicherheit? Die repräsentative Studie bietet einen vertieften Blick in die aktuellen Lebenswelten unserer digitalen Gesellschaft.

Big DataBig Data (2016)

Zugespitzt auf die Themen „Smart Health“ und „Smart Mobility“ fasst der Bericht Erkenntnisse aus vielen Expertenrunden des DIVSI-Forschungsprojekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ zusammen. Er liefert Argumente für eine gesellschaftliche Debatte und wägt dabei Chancen und Risiken ab.

Recht Auf VergessenwerdenDas Recht auf Vergessenwerden (2015)

Die Entscheidung des EuGH zum „Recht auf Vergessenwerden“ lässt Fragen unbeantwortet, die im Spannungsfeld zwischen Persönlichkeitsrechten, Datenschutz und dem Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit liegen. Dieser komplexen Problematik widmet sich diese Publikation und formuliert schließlich konkrete Empfehlungen für einen „Lösch-Kodex“.

DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie?DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie? (2015)

Was ist Beteiligung im Internet eigentlich genau? Wie und weshalb bringen Internetnutzer sich ein? Die zweite Studie im Rahmen des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Netz“ untersucht Formen, Vorteile und Hürden der Beteiligung im Internet aus Sicht der DIVSI Internet- Milieus. In der qualitativen Untersuchung kommen dabei die Internetnutzer selbst zu Wort.

DIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen WeltDIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen Welt (2015)

Wann und wie kommen Kinder mit digitalen Medien und dem Internet in Berührung? Welche Bedeutung messen Eltern, Erzieher und Lehrer dem Internet für die Zukunft der Kinder bei? Welche Chancen und Risiken werden wahrgenommen, wer trägt die Verantwortung? Die Studie hat Kinder zwischen 3 und 8 Jahren im Blick und lässt sie auch selbst zu Wort kommen.

Daten Ware und WährungDIVSI Studie – Daten: Ware und Währung (2014)

In einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung untersucht DIVSI das Online-Nutzungs- und -Konsumverhalten in Deutschland. Im Fokus stehen Einstellungen der Internetnutzer zu Themen der Datensicherheit sowie Weiterverwendung von persönlichen Daten.

DIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit SmartphonesDIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit Smartphones (2014)

Durch Smartphones sind Menschen heute nahezu ununterbrochen über das Internet miteinander verbunden. Mit steigendem Nutzungsumfang fällt dabei eine Vielzahl von Daten an. Unter der Leitfrage „Was geschieht mit meinen Daten?“ war es Ziel der Studie, das Bewusstsein der Nutzer dafür zu schärfen, welche Daten auf dem Smartphone sein können, welche Möglichkeiten der Einsichtnahme und Einflussnahme sie bei unterschiedlichen mobilen Betriebssystemen haben.

Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex? (2014)

Mit dem Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ lotet DIVSI aus, ob ein Digitaler Kodex ein geeignetes Mittel ist, verbindliche Regeln im Internet auszuhandeln und durchzusetzen. Der Projektbericht steuert nicht nur zu diesem Gedanken Anregungen bei. Er bietet darüber hinaus generelle Anstöße, über die nachzudenken lohnt.

DIVSI Studie Beteiligung InternetDIVSI Studie zu Bereichen und Formen der Beteiligung im Internet (2014)

Das DIVSI-Forschungsprogramm „Beteiligung im Netz“ leistet auf einer breiten theoretischen und empirischen Basis einen Beitrag zum öffentlichen Verständnis der Beteiligungschancen des Internets – und ihrer Voraussetzungen. Die Studie präsentiert einen ersten Schritt in diesem Vorhaben und verschafft einen Überblick über den heutigen Stand der Forschung.

DIVSI U25-StudieDIVSI U25-Studie (2014/2018)

Die DIVSI U25-Studie liefert erstmals fundierte Antworten auf Fragen, die das Verhalten der nachwachsenden Generation im Hinblick auf das Netz betreffen. Über die Nutzungsformen hinaus werden auch die Denk- und Handlungslogiken sowie der lebensweltliche Hintergrund untersucht. Die Nachfolge-Studie wurde gerade vorgestellt.

DIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im InternetDIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im Internet (2013)

Wie sicher fühlen sich die Deutschen im Internet? Wie viel Freiheit und Selbstbestimmung wollen sie? Nach wie viel Regulierung wird verlangt? Die Studie zeigt ein detailliertes Bild des Nutzungsverhaltens der Deutschen im Internet und ihrer Wahrnehmung von Chancen und Risiken.

Entscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im InternetEntscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2013)

Wie denken Entscheider über das Internet? Welchen Akteuren schreiben sie welche Verantwortung und welche Einflussmöglichkeiten zu? Was sagen sie zu Sicherheits- und Freiheitsbedürfnissen? Die Studie verdeutlicht erstmals, wie diejenigen über das Internet denken, die wesentlich die Spielregeln gestalten und Meinungsbilder prägen.

Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“ (2012)

Wie gut kennen sich Meinungsführer im Netz aus? Wie schätzen sie ihre Einflussmöglichkeiten ein? Welche Chancen, Konfliktfelder und Risiken erwachsen daraus? In persönlichen Gesprächen wurden führende Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden interviewt.

Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet + AktualisierungMilieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2012) + Aktualisierung (2013)

Die Milieu-Studie differenziert erstmals unterschiedliche Zugangsweisen zum Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet in Deutschland, basierend auf einer bevölkerungsrepräsentativen Typologie.

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DIVSI Schirmherr Joachim Gauck: Die Schutzpflicht des Staates ist gefordert, um die Rechte des Bürgers zu verteidigen https://www.divsi.de/divsi-schirmherr-joachim-gauck-die-schutzpflicht-des-staates-ist-gefordert-um-die-rechte-des-buergers-zu-verteidigen/ https://www.divsi.de/divsi-schirmherr-joachim-gauck-die-schutzpflicht-des-staates-ist-gefordert-um-die-rechte-des-buergers-zu-verteidigen/#respond Mon, 06 Aug 2018 08:25:18 +0000 https://www.divsi.de/?p=18252 Stiftungsprofessur Cyber Trust offiziell vorgestellt. Festliche Veranstaltung in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Von Jürgen Selonke Im Rahmen eines wissenschaftlichen Kolloquiums und einer festlichen Abendveranstaltung wurde die Stiftungsprofessur Cyber Trust für die Technische Universität München, vergeben an Jens Großklags, offiziell vorgestellt. Hausherr Prof. Dr. Thomas O. Höllmann begrüßte dabei in den Räumlichkeiten der Bayerischen Akademie […]

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Die Schutzpflicht des Staates ist gefordert

Foto: Frank Röthel – facesbyfrank.com

Stiftungsprofessur Cyber Trust offiziell vorgestellt. Festliche Veranstaltung in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Von Jürgen Selonke

Im Rahmen eines wissenschaftlichen Kolloquiums und einer festlichen Abendveranstaltung wurde die Stiftungsprofessur Cyber Trust für die Technische Universität München, vergeben an Jens Großklags, offiziell vorgestellt. Hausherr Prof. Dr. Thomas O. Höllmann begrüßte dabei in den Räumlichkeiten der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die Teilnehmer und Gäste aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens zum TUM–DIVSI Forum Cyber Trust „Vertrauen und Sicherheit – existenzielle Bedürfnisse im digitalen Zeitalter”.

In seinen Grußworten erinnerte Dr. Hans Pongratz, CIO der TU München und geschäftsführender Vizepräsident für IT-Systeme & Dienstleistungen, bedauernd daran, dass die E-Mail 30 Jahre alt sei, wir es aber noch immer nicht schafften, verschlüsselt zu kommunizieren. Mit Blick auf das Urheberrecht stellte er fest, dass unterschiedliche Regelungen zu Geofencing und dadurch zu einer Art Zensur führten.

Prof. Dr. Hans-Joachim Bungartz, Dekan der Fakultät für Informatik an der Technischen Universität München, betonte: „Informatik ist nicht alles, aber ohne Informatik ist inzwischen alles nichts.” Mit Blick auf die neue Stiftungsprofessur stellte er fest, das Cyber Trust eine „eminent wichtige Brücke zwischen Technologie, Gesellschaft und Politik” darstelle: „Es steht für eine breite Öffnung der Informatik. Vertrauen ist wichtig in unserem Wertegerüst, weil wir ohne nicht existieren können.“

Zu den Referenten im Rahmen des wissenschaftlichen Kolloquiums gehörte auch Joanna Schmölz, Vize-Direktorin des DIVSI. Sie sprach zum Thema „Zwischen Anthropozän und Technozän – Selbstbestimmtes Leben im Zeitalter von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz?“. Prof. Dr. Christian Pieter Hoffmann, Professur für Kommunikationsmanagement der Universität Leipzig, informierte über „Beteiligung im Internet“.

Facebook-Skandal

Im Mittelpunkt der festlichen Abendveranstaltung stand die Rede von Bundespräsident a. D. und DIVSI-Schirmherr Joachim Gauck. In seinem leidenschaftlich vorgetragenen Statement bedauerte er ausdrücklich, dass zu den täglichen Bad News über Kriege oder Terroranschläge in letzter Zeit zunehmend Bad News aus der digitalen Welt kommen: „Über Skandale ausgerechnet aus jener Technik, die doch eigentlich angetreten war, um der Menschheit mehr Freiheit und mehr Teilhabe zu schenken. Und von der die Welt zweifellos auch ungeheuer profitiert hat.”

Nachdrücklich verurteilte Gauck jede durch den Staat betriebene politische Zensur im Bereich der Sozialen Medien. Mit Blick auf den Skandal um Cambridge Analytica, der – so der DIVSI-Schirmherr – „gleichzeitig ein Skandal um Facebook ist”, prangerte er an: „Da wurden millionenfach Daten von Personen ausgewertet, die niemals ihre Zustimmung dazu gegeben hatten. Da wurden Informationen von einer Institution genutzt, die niemals dazu befugt worden war. Da glaubte sich Facebook frei von jeder Verantwortung für das, was mit seinen Daten geschah. Selbst Nutzer, die bisher freimütig bekannten, dass sie den Einblick in ihre Daten nicht fürchten, weil sie nichts zu verbergen hätten, waren plötzlich aufgeschreckt aufgrund des Umfangs der Abschöpfung und der sichtbar gewordenen Möglichkeiten der Manipulation.”

Datenmissbrauch

Dabei betonte er jedoch auch: „Was die Öffentlichkeit augenblicklich im Westen bei den Sozialen Medien am meisten aufregt, ist allerdings der Missbrauch von Daten, vor dem uns der Staat schützen soll. Wir haben es also nicht mit der klassischen Konstellation zu tun, in der ein Bürger seine Rechte gegenüber dem Staat verteidigt. Vielmehr ist die Schutzpflicht des Staates gefordert, um die Rechte des Bürgers zu verteidigen.”

Der Staat müsse sich schützend vor seine Bürger stellen, ihnen mit Gesetzen und Verordnungen die Entscheidung über den Umgang mit ihren Daten sichern und so das Recht auf informationelle Selbstbestimmung garantieren. Europa habe bereits vor dem augenblicklichen Facebook-Skandal entsprechende Maßnahmen auf den Weg gebracht. In diesem Zusammenhang betonte Joachim Gauck die Bedeutung der ePrivacy- Richtlinie und die EU-Datenschutz-Grundverordnung.

Der DIVSI-Schirmherr: „Manche halten die neue Verordnung zwar für überzogen, weil sie den Unternehmen zahlreiche und strenge Informationspflichten auferlegt, die nur mit großem finanziellen Aufwand zu implementieren sind und die – so die Kritiker – den kleinen Mittelständler weit schärfer treffen als die Monopolisten aus den USA.”

Druckmittel

Für Internet-Nutzer aber dürfte die Datenschutz-Grundverordnung eine positive Zäsur bilden, da sie bei der Verarbeitung von Daten ihre ausdrückliche Einwilligung voraussetze. Gauck: „Unternehmen, die der Regelung zuwiderhandeln, können mit Bußgeldern bis zu vier Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes bestraft werden – eine Strafandrohung, die selbst für Plattformen wie Facebook nicht aus der Portokasse zu bezahlen ist.”

Dabei beinhalte der augenblickliche Skandal auch etwas Gutes. Er habe bewusst gemacht, dass es an uns liegt – an Gesellschaft und Politik in Deutschland und in Europa –, wie weitgehend man weiterhin dem Hausrecht von Google, Apple, Facebook und Amazon folgen wolle. Auf eine freiwillige Selbstkorrektur der digitalen Giganten sei kein Verlass.

Joachim Gauck: „Es liegt an uns, ob wir ihnen weiterhin ein Geschäftsmodell erlauben, in dem unsere Daten wie Kapital eingesetzt werden, mit dem sich Mehrwert schaffen lässt – oder aber ob wir selbst zu souveränen Verwaltern unserer Daten werden. Wir sollten dabei nicht vergessen, dass wir keineswegs hilflos sind, denn immerhin können wir einen Absatzmarkt von 500 Millionen Einwohnern als ein gewisses Druckmittel einsetzen.”

Im Rückblick erscheine es erschreckend und erschreckend naiv, wie lange Soziale Medien fast außerhalb jeglicher Kontrolle und ohne massiven Widerspruch durch Nutzer und Politik agieren konnten – und können. Joachim Gauck: „Wir wissen es zwar alle von Anfang an: Auch das Individuum trägt Verantwortung für seine Daten. Doch selbst die letzten Wochen haben gezeigt: Obwohl die Nutzer wissen, dass sie immer noch keine oder nur wenig Kontrolle über ihren digitalen Zwilling haben, wollen sie auf Facebook nicht verzichten. Insofern denke ich, es wäre realitätsfremd und wenig Erfolg versprechend, wollte man sie dazu auffordern, ihr Konto zu löschen, wie es einige bekannte Größen wie Elon Musk mit großem medialen Echo getan haben. Analysten sagen sogar umgekehrt ein weiteres Wachstum von Facebook voraus.”

Echokammer

Bedenken äußerte der frühere Bundespräsident im Hinblick darauf, dass Soziale Netzwerke so manchen bereits süchtig gemacht hätten. Gauck: „Angeblich 88-mal schaut der Mensch in Deutschland durchschnittlich am Tag auf sein Handy. Je öfter und je länger, desto besser für die Plattformbetreiber, um Werbung für ihn zu platzieren. Wir wissen ferner, dass Soziale Medien die sozialen Kontakte in der wirklichen Welt verringern, Nutzer in Echokammern hineinlocken und sie in quasi geschlossenen Welten anfällig werden lassen für Manipulationen, Desinformation und Verschwörungstheorien.”

Manchmal sehe er uns als Nachfahren des Zauberlehrlings, der den Besen losschickte, um Wasser vom Fluss zu holen. Der dann jedoch das Zauberwort vergaß, um den Besen zu stoppen, und deshalb von den Wassermengen überspült zu werden drohte. ,,Herr, die Not ist groß!”, rief Goethes Zauberlehrling. ,,Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los!”

Joachim Gauck: „Goethe gönnte seinem Zauberlehrling noch einen Herren und Meister, der das Chaos wieder richtete. Wir können heute nur an uns selbst appellieren, die Geister, die wir riefen, in die Beherrschbarkeit zurückzuführen.”

Zitat DIVSI-Schirmherr Joachim-Gauck

Foto: Frank Röthel – facesbyfrank.com

Am Ende ein Juwel gefunden

Der frühere Bundespräsident begrüßte es außerordentlich, dass die Deutsche Post über DIVSI an der Technischen Universität München eine Professur für Cyber Trust gestiftet hat. Joachim Gauck: „Die interdisziplinäre Erforschung von Risiken und Chancen des Netzes ist ein Gebot der Stunde. Anhand der Themen der Seminare, die nun schon im zweiten Semester stattfinden, konnte ich erkennen, wie weit das Feld ist, das bearbeitet wird. Vom Schutz der Privatsphäre über Sicherheit im Netz. Wir brauchen hervorragend und interdisziplinär ausgebildete Spezialisten mit Informatik als Basis, die nicht mehr in die USA auswandern, um ihrem Forscherdrang nachzugehen. Wir brauchen Sie hier!”

Er sei überzeugt, dass kein Ort zur Ausbildung dieser neuen IT-Generation besser geeignet sei als die Technische Universität München, die sich seit 150 Jahren darum bemühe, Studierende auf ihrem Weg in unbekanntes Terrain zu begleiten. Gauck: „Eine Universität, deren Fakultäten Spitzenleistungen hervorbringen und international und interdisziplinär vernetzt sind. Und die die Ergebnisse der Wissenschaft rückkoppeln in Gesellschaft und Politik. Es ist mir ein Anliegen, der gesamten Universität für ihre herausragenden Leistungen zu danken und zu ihrer Rolle und zu ihren Erfolgen zu gratulieren! Die Professur für Cyber Trust ist eben hier gut aufgehoben.”

Und mit einer direkten Ansprache an den Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Jens Großklags schloss der frühere Bundespräsident: „Nutzen Sie das inspirierende Umfeld, um Ihren großen Herausforderungen gerecht zu werden!”

DIVSI-Direktor Matthias Kammer begrüßte es, dass der Weg der Zusammenarbeit im Rahmen der Stiftungsprofessur in „Richtung Technische Universität München“ gegangen worden sei. Für ihn sei es eine ganz besondere Erfahrung gewesen, bei der nicht einfachen Suche nach einem qualitativ herausragenden Professor dabei gewesen zu sein. Er freute sich außerordentlich, dass am Ende mit Jens Großklags ein „Juwel“ gefunden wurde.

Ausdrücklich beglückwünschte er die Fakultät zu dieser interdisziplinären Erweiterung. Kammer: „Es sind die Absolventen solcher Fakultäten, die unsere Welt künftig prägen.“

Am Ende ein Juwel gefunden

Joachim Gauck und Matthias Kammer zur Übergabe der Stiftungsprofessur.

Der frühere Bundespräsident begrüßte es außerordentlich, dass die Deutsche Post über DIVSI an der Technischen Universität München eine Professur für Cyber Trust gestiftet hat. Joachim Gauck: „Die interdisziplinäre Erforschung von Risiken und Chancen des Netzes ist ein Gebot der Stunde. Anhand der Themen der Seminare, die nun schon im zweiten Semester stattfinden, konnte ich erkennen, wie weit das Feld ist, das bearbeitet wird. Vom Schutz der Privatsphäre über Sicherheit im Netz. Wir brauchen hervorragend und interdisziplinär ausgebildete Spezialisten mit Informatik als Basis, die nicht mehr in die USA auswandern, um ihrem Forscherdrang nachzugehen. Wir brauchen Sie hier!”

Er sei überzeugt, dass kein Ort zur Ausbildung dieser neuen IT-Generation besser geeignet sei als die Technische Universität München, die sich seit 150 Jahren darum bemühe, Studierende auf ihrem Weg in unbekanntes Terrain zu begleiten. Gauck: „Eine Universität, deren Fakultäten Spitzenleistungen hervorbringen und international und interdisziplinär vernetzt sind. Und die die Ergebnisse der Wissenschaft rückkoppeln in Gesellschaft und Politik. Es ist mir ein Anliegen, der gesamten Universität für ihre herausragenden Leistungen zu danken und zu ihrer Rolle und zu ihren Erfolgen zu gratulieren! Die Professur für Cyber Trust ist eben hier gut aufgehoben.”

Und mit einer direkten Ansprache an den Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Jens Großklags schloss der frühere Bundespräsident: „Nutzen Sie das inspirierende Umfeld, um Ihren großen Herausforderungen gerecht zu werden!”

DIVSI-Direktor Matthias Kammer begrüßte es, dass der Weg der Zusammenarbeit im Rahmen der Stiftungsprofessur in „Richtung Technische Universität München“ gegangen worden sei. Für ihn sei es eine ganz besondere Erfahrung gewesen, bei der nicht einfachen Suche nach einem qualitativ herausragenden Professor dabei gewesen zu sein. Er freute sich außerordentlich, dass am Ende mit Jens Großklags ein „Juwel“ gefunden wurde.

Ausdrücklich beglückwünschte er die Fakultät zu dieser interdisziplinären Erweiterung. Kammer: „Es sind die Absolventen solcher Fakultäten, die unsere Welt künftig prägen.“

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Interdisziplinäres Vorgehen dringend notwendig

Fotos: chrisdorney/Peter Gudella – Shutterstock, Icons made by Freepik/Gregor Cresnar/Kiranshastry/SimpleIcon/ – Flaticon

Grundlegende Gedanken und Aufgabenstellungen für die Professur Cyber Trust. Schwerpunkte ist die Forschung zu Privatheit und Privatsphäre, zu Vertrauen im Internet und Sicherheit.

Von Jens Großklags

Die neue Professur für Cyber Trust ist an der Fakultät für Informatik der Technischen Universität München eingerichtet. Meine Vision ist es dabei, eine Brückenfunktion zu installieren und mit Leben zu füllen. Dabei geht es mir auf der einen Seite um die technischen Aspekte der Informatik, auf der anderen Seite um die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Gleichzeitig habe ich auch den Anspruch, den öffentlichen Dialog über Privatheit, Sicherheit und Vertrauen im Internet zu stärken.

Um diese Ziele zu erreichen, ist interdisziplinäres Vorgehen dringend notwendig. Funktionen hierfür sind insbesondere innovative Forschung zur Erfassung und Kommunikation komplexer Zusammenhänge, sei es mit theoretischen Ansätzen, experimentellen Studien oder Datenanalysen. Von besonderem Interesse sind hier Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit DIVSI bei repräsentativen Studien mit Unternehmen und Nutzern über deren Entscheidungsverhalten und Erfahrungen mit Datenschutz und Sicherheit. Schlussendlich ist das Ziel, besser auf Risiken reagieren zu können und Verbesserungen zu erreichen.

Strukturierung

Mit der Professur will ich unsere Forschung in unterschiedlichen Arbeitsbereichen strukturieren. Dabei geht es vor allem um Forschung zu Privatheit und Privatsphäre, zu Vertrauen im Internet und schließlich um Sicherheit.

Im Hinblick auf die Thematik Privatheit geht es darum zu erforschen, wie Menschen ihre Bedürfnisse bezüglich eines privaten Lebens kommunizieren, und andererseits, wie sie sich dann verhalten.

Zu den Anfängen meiner Forschung zählt die empirische Beobachtung, wonach eine Kluft zwischen Privatsphäre- Bedürfnis und gelebter Realität besteht. Teilweise sind es psychologische Faktoren, die uns daran hindern, unsere Vorsätze umzusetzen.

Andererseits sind es aber auch die Anforderungen des modernen Lebens, die es häufig fast unmöglich machen, Datenflüsse zu beschneiden, wenn zum Beispiel bestimmte Kommunikationsplattformen in Beruf, Bildung oder Freizeit de facto unabdingbar sind. Andererseits ist es für den Einzelnen häufig viel zu schwierig festzustellen, ob Daten gesammelt oder in großen Mengen von Nutzern oder Unternehmen weitergegeben werden. Kürzlich haben wir verschiedene experimentelle Studien hierzu publiziert, die jetzt durch den Fall Cambridge Analytica besondere Relevanz gewonnen haben. In diesem Fall wurden mindestens drei Datenkomponenten zweckentfremdet:

  1. Psychologische Daten von Nutzern, die mit einer Facebook Application kommuniziert hatten.
  2. Eine Vielzahl von Daten, welche auf Facebook über diese Nutzer gespeichert waren.
  3. Die Daten von Freunden, welche (zu dem Zeitpunkt) keine vernünftige Möglichkeit hatten, über solche Datenflüsse informiert zu werden oder diese unterbinden zu können.

Fragenfülle

Diese Situation wirft eine Vielzahl von Forschungsfragen auf: Wie soll die Architektur eines technischen Mechanismus gestaltet werden, sodass eine gute Balance zwischen positiver Kommunikation und Datenschutz geschaffen wird? Welche Rolle haben wir als Nutzer und als Teil der Gesellschaft, um Kommunikation positiver zu gestalten?

Ein neuerer Schauplatz für diese Fragen ist die Privatheit von unseren genetischen Daten. Individuell angepasste medizinische Behandlungen auf der Basis von solchen Informationen bieten viele Möglichkeiten und Vorteile, aber eben auch Risiken und schwierige Entscheidungsprozesse über den Zugang zu medizinischen Behandlungen. Und nicht nur für die Teilnehmer an genetischen Tests, sondern auch für deren existierende Blutsverwandte und noch nicht geborene Kinder und Kindeskinder. Wie soll damit in der Zukunft umgegangen werden? Ein Datenleck wie im Cambridge-Analytica- Fall hätte hier Auswirkungen auf Generationen von Menschen.

Schutzmaßnahmen

In diesem Zusammenhang ist die Frage zu klären, inwiefern verschiedene Strategien zum Schutz der Privatheit zukunftstauglich sind. Soll man Menschen die Möglichkeit geben, sich zu informieren und eine gewisse Kontrolle über ihre Daten auszuüben? Oder soll man in Technologien Datenschutz vorab einbauen (Privacy by Design)? Oder machen sogar großflächigere Teilhabemechanismen Sinn?

Beim Thema Vertrauen im Internet halte ich die Vielzahl von verschiedenen Betrugsstrategien für sehr besorgniserregend. Das macht Forschung in diesem Gebiet besonders schwierig, da es einfach zu viele Ausprägungen von Betrug gibt. Aber noch schwieriger ist es für Menschen, diese Versuche immer sofort zu erkennen.

In der Vergangenheit habe ich zu einigen verschiedenen Formen von Betrug Forschungsarbeiten durchgeführt, auch zu Telefonbetrug. Wir wollen jetzt hierzu einen Beitrag in Deutschland leisten und hier auch mit dem DIVSI zusammenarbeiten.

Dazu ist anzumerken, dass viele Betrugsfälle zwischenmenschliche Beziehungen ausnutzen. Daten aus den USA zeigen, dass die Mehrheit der Fälle von Identitätsdiebstahl auf Personen zurückzuführen ist, welche dem Opfer bekannt sind. Wie schützt man Schutzbedürftige nicht nur vor Kriminellen, sondern auch vor solchen persönlichen Kontakten, insbesondere, wenn unsere menschlichen Schwächen ausgenutzt werden?

Festzustellen bleibt auch, dass Sicherheit in Unternehmen nur bedingt gewährleistet ist. Eine Studie des Ponemon Institute zeigte kürzlich, dass über die Hälfte von Hunderten von Unternehmen den Ursprung von Cyberangriffen nicht feststellen konnte. Noch viel problematischer ist es, dass es im Durchschnitt um die 220 Tage dauert, bis Angriffe überhaupt registriert werden. Daten von Verizon, die wir analysiert haben, machen dieses Problem deutlich. In Deutschland ist es nicht anders, wie auch die Angriffe auf den Bundestag gezeigt haben.

Sicherheitsplus

Dabei geben wir schon enorme Summen für Sicherheit aus. Das Problem liegt teilweise darin, dass unser Verständnis über die Art und Weise, wie wir in Sicherheit investieren sollten, immer noch sehr mangelhaft ist. Unternehmen werden mit Maßnahmenkatalogen und internationalen Sicherheitsstandards überschwemmt. Dabei ist jedoch unklar, wie die einzelnen Maßnahmen zu priorisieren sind und welche Investitionen tatsächlich einen positiven Effekt bewirken würden. Unsere Forschung setzt hier durch verschiedene theoretische und empirische Arbeiten an. So arbeiten wir an theoretischen Modellen, welche uns helfen sollen, Ansätze zu finden, um die Zeit bis zur Erkennung von Angriffen zu verringern. Und wir forschen auch an Möglichkeiten, welche die Wahl zwischen verschiedenen Arten von Sicherheitstechnologien verbessern sollen. Im Problemfeld Ransomware besteht beispielsweise die Frage, wie man ein Sicherheitsbudget auf Maßnahmen zur Prävention, zum Schutz durch Backup- Mechanismen oder zur Zahlung von Lösegeldern verteilen sollte. All diese Maßnahmen haben bestimmte Vorteile, aber auch Schwächen.

Prämiensystem

Zusätzlich arbeiten wir auch an verschiedenen empirischen Studien, etwa im Bereich Softwaresicherheit. Ein Ansatz, um hier Fortschritte zu erreichen, ist es, Software einer breiten Masse von Experten zugänglich zu machen und für gefundene Schwachstellen im Code dann Prämien zu zahlen. Solche sogenannten Bug-Bounty-Programme werden mehr und mehr auch auf Plattformen zusammengeführt und zentralisiert, welche dann wiederum Möglichkeiten bieten, die Effizienz solcher Ökosysteme zu verbessern.

Dieses Vorgehen eröffnet zahlreiche interessante Fragestellungen. Wie viel sollte an Prämien gezahlt werden? Wie gestaltet man den Wettbewerb zwischen den einzelnen Programmen um die talentiertesten Hacker? Gibt es plattformübergreifend Erkenntnisse über Sicherheitslücken?

Das Spannende an der Forschung in den Bereichen Privatheit, Vertrauen im Internet und Sicherheit ist sicherlich das enorme Tempo, mit dem sich diese Themenbereiche weiterentwickeln und sich damit die Problemfelder, Anforderungen und Lösungsansätze ändern.

Verbundenheit

Eine relative Konstante bleibt letztlich nur der Mensch. Wir alle möchten das Internet und die verschiedenen Serviceleistungen weiterhin produktiv für Arbeit, Bildung und Freizeit nutzen können. Der Anspruch dieser Professur ist es, dafür einen Beitrag zu leisten durch Arbeiten, welche informatische und gesellschaftswissenschaftliche Methodiken zusammenführen. DIVSI hat sich als Arbeitsgrundlage dazu verpflichtet, einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Internet zu organisieren und mit neuen Aspekten zu beleben. Als Professor für Cyber Trust fühle ich mich diesen Zielen sehr verbunden.

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Vertrauen: Wertvollste, aber fragilste Ressource des digitalen Zeitalters? https://www.divsi.de/vertrauen-wertvollste-fragilste-ressource-des-digitalen-zeitalters/ https://www.divsi.de/vertrauen-wertvollste-fragilste-ressource-des-digitalen-zeitalters/#respond Tue, 02 Jan 2018 12:48:16 +0000 http://46.30.3.106/?p=16909 Fünf Grundsätze sollen dafür sorgen, dass sich die Nutzer künftig sicherer fühlen. Von Philipp Otto und Henning Lahmann Eine alte Weisheit besagt: Vertrauen zu gewinnen, dauert Jahre, es zu verlieren nur Sekunden.“ Mit diesen Worten eröffnete Jutta Gurkmann, Geschäftsbereichsleiterin Verbraucherpolitik beim Verbraucherzentrale Bundesverband, ihre Keynote mit dem Thema „Komfort vs. Sicherheit – (K)ein Nullsummenspiel?“. Ein […]

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Vertrauen: Wertvollste, aber fragilste Ressource des digitalen Zeitalters?

Foto: Rawpixel.com | Shutterstock

Fünf Grundsätze sollen dafür sorgen, dass sich die Nutzer künftig sicherer fühlen.

Von Philipp Otto und Henning Lahmann

Eine alte Weisheit besagt: Vertrauen zu gewinnen, dauert Jahre, es zu verlieren nur Sekunden.“ Mit diesen Worten eröffnete Jutta Gurkmann, Geschäftsbereichsleiterin Verbraucherpolitik beim Verbraucherzentrale Bundesverband, ihre Keynote mit dem Thema „Komfort vs. Sicherheit – (K)ein Nullsummenspiel?“. Ein Appell für einen größeren Fokus auf Datensicherheit beim Umgang mit digitalen Kommunikationsmitteln bei der von DIVSI mit dem Think Tank iRights.Lab durchgeführten Diskussionsveranstaltung „Digitale Kommunikation – auf der Suche nach Vertrauen und Sicherheit“ (s. auch Bericht S. 4). Um Vertrauen also ging es – eine „immer wichtiger werdende Ressource“ im digitalen Zeitalter, so Gurkmann, die allerdings gerade aufgrund „der Schnelllebigkeit der Digitalisierung immer fragiler wird“.

Schwerpunktthema

Warum ist das so? Und was ist zu tun, um das Vertrauen in digitale Kommunikation zu stabilisieren oder es überhaupt erst einmal herzustellen? Um diese Fragen ging es vorrangig bei der hochkarätig besetzten Diskussionsveranstaltung, die den Abschluss des von DIVSI und iRights.Lab gemeinsam durchgeführten Projekts „Vertrauen in Kommunikation im digitalen Zeitalter“ bildete. Es ist Teil des Schwerpunktthemas „Kommunikation“, mit dem sich DIVSI in diesem Jahr vertieft auseinandersetzt.

Das Projekt ging dabei von der Grundannahme aus, dass es in der Bevölkerung ein Bedürfnis nach geschützter und damit vertrauenswürdiger Kommunikation gibt, und zwar insbesondere dann, wenn persönliche, sensible oder intime Informationen ausgetauscht werden – sei es mit der eigenen Bank, einer Versicherung, einer Ärztin oder einer staatlichen Behörde. Und genau hier gibt es ein Problem: Obwohl wir alle immer selbstverständlicher digital kommunizieren, haben viele Ereignisse in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit im Netz große Defizite gibt. Und dies führt zu einem Verlust an Vertrauen.

Die Befragungen, die DIVSI im Rahmen des Projektes durchführen ließ, zeigen dies deutlich. So äußerten in einer im August veröffentlichten Studie mehr als zwei Drittel der deutschen Internetnutzer Zweifel daran, dass Online-Postfächer auf Kundenportalen vertrauenswürdig sind und Dritte keinen Zugriff auf ihre Daten bekommen könnten. Die meisten Nutzer glauben auch nicht daran, dass die Unternehmen, mit denen sie vertragliche Beziehungen im Netz eingehen, sich ausreichend um die Sicherheit ihrer Kunden kümmern. Darüber hinaus wird auch dem Staat nur äußerst wenig Vertrauen entgegengebracht. Ganze 84 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass der Staat nicht in der Lage ist, seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen, obwohl es ihnen zufolge sehr wohl seine Aufgabe wäre, sich um das Thema Sicherheit im Internet zu kümmern.

Besserung

Diese und andere ernüchternde Zahlen nahm das Projekt zum Anlass, eingehend darüber nachzudenken, wie dieser Zustand zum Besseren gewendet werden könnte. Wie sollten Kommunikationsverhältnisse ausgestaltet werden, damit das beschriebene Bedürfnis nach geschützter und damit eben auch vertrauenswürdiger Kommunikation erfüllt werden kann?

Ein erstes von iRights.Lab erarbeitetes Themenpapier steckte den Rahmen ab und untersuchte nicht nur, wie es um das Vertrauen in digitale Kommunikation zurzeit bestellt ist, sondern beschäftigte sich insbesondere mit der Frage nach den Gründen für das verbreitete Misstrauen und erörterte, an was für Voraussetzungen das Vertrauen im Internet hängt. So erwarten Internetnutzer unter anderem nicht nur, dass ihre persönlichen Daten nicht in die Hände Krimineller geraten. Gerade auch diejenigen Unternehmen oder Behörden, die berechtigterweise mit diesen Daten umgehen, sollen sie nicht zum Nachteil der Nutzer einsetzen dürfen. Erst wenn diese anderen Erwartungen erfüllt werden, kann von vertrauenswürdiger Kommunikation gesprochen werden.

Grundsätze

Das zweite Themenpapier schloss an die Bestandsaufnahme an und formulierte und erläuterte auf dieser Grundlage „Fünf Grundsätze für sichere digitale Kommunikation“, deren Umsetzung das verlorene Vertrauen der Nutzer wiederherstellen könnte:

  • Digitale Kommunikation mit sensiblen Inhalten sollte sicher und verlässlich sein.
  • Die eingesetzte Technologie sollte nutzerfreundlich sein.
  • Dem Nutzer gegenüber sollte der gewährleistete Sicherheitsstandard transparent gemacht werden.
  • Dem Nutzer sollten alternative – auch analoge – Kommunikationsmittel angeboten werden.
  • Die Wahl des Kommunikationsmittels sollte keine Diskriminierung hinsichtlich der Kosten zur Folge haben.

Die Erkenntnisse der beiden Papiere gingen schließlich zusammen mit ausführlichen Interviews und Konsultationen, die über den Verlauf der vergangenen sechs Monate mit Stakeholdern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vom iRights.Lab geführt worden waren, in den Abschlussbericht ein, der auf der Veranstaltung in Berlin vorgestellt wurde.

Die fünf Grundsätze griff DIVSI-Direktor Matthias Kammer als Begrüßung zur Berliner Diskussionsveranstaltung auf, um das Thema des Abends einzuleiten. Eine altbekannte Herausforderung, das alt-neue Problem „Sicherheit versus Nutzerfreundlichkeit oder gar Bequemlichkeit“ blieb dann letztlich der Fixpunkt im weiteren Verlauf des Abends. Jutta Gurkmann jedoch legte in ihrer Keynote Wert darauf, dieses Begriffspaar eben nicht als unüberwindbaren Gegensatz hinzunehmen. Sicherheit und Bequemlichkeit müssten vielmehr als Einheit gedacht werden. Sollten Unternehmen deshalb endlich beginnen, Datenschutz und Datensicherheit gerade nicht als Hindernis, sondern als Chance zu begreifen, so könnte es gelingen, dass Nutzer digitaler Kommunikation vertrauten. In diesem Sinne seien auch die neue Europäische Datenschutzgrundverordnung und die E-Privacy-Verordnung keine bloßen Bremsklötze für die Wirtschaft, sondern wichtige Schritte in Richtung größerer Sicherheit.

Die Frage nach der angemessenen Rolle der Privatwirtschaft dominierte auch die abschließende, sehr lebendige und durchaus kontrovers geführte Podiumsdiskussion. Unter der Moderation von Geraldine de Bastion erörterten Ulf Buermeyer, Vorsitzender der Gesellschaft für Freiheitsrechte, Luc Mériochaud, Head of Deutsche Bank Labs Continental and Eastern Europe, Norbert Pohlmann, Professor für Informationssicherheit an der Westfälischen Hochschule, Mario Rehse, Head of Public Affairs bei der United Internet AG und Matthias Kammer die vom Projekt aufgeworfenen Probleme. Während sich alle Teilnehmer darauf einigen konnten, dass Vertrauen in der Tat ein hohes Gut im Internet darstelle, da die Verbraucher selbst gar nicht in der Lage seien zu prüfen, was mit ihren persönlichen Daten passiert, wies insbesondere Mario Rehse darauf hin, dass eben auch die Unternehmen selbst auf Vertrauen angewiesen seien.

Buermeyer hingegen kritisierte, dass in der Praxis das Vertrauen immer wieder unterlaufen werde. Um das Sicherheitsniveau zu erhöhen und damit Vertrauen zu erreichen, müssten Wege gefunden werden, damit sich dies auch für die Unternehmen lohne. Er plädierte daher für mehr Nudging, also das Schaffen von Anreizen durch den Staat, die Sicherheit der IT-Systeme zu verbessern, ohne auf Verbote oder Gebote zurückzugreifen.

Regelung

Matthias Kammer hingegen sah den Staat durchaus noch stärker in der Pflicht. Um in der Angelegenheit handlungsfähig zu bleiben, sollte er eben doch auch klare Grenzen ziehen. Dies habe in der Verkehrspolitik ja auch funktioniert. Vieles, was hier an Regelungen früher undenkbar schien, sei heute allgemein akzeptiert. Auch Professor Pohlmann sprach sich dafür aus, den Staat mehr regeln zu lassen. Zugleich aber seien sowohl Unternehmen als auch die Verbraucher selbst in der Pflicht, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Dementsprechend stimmten in der Schlussrunde die Podiumsteilnehmer darin überein, dass alle Beteiligten nur gemeinsam nach Lösungen für das Problem mangelnden Vertrauens suchen könnten. Es müsse daher ein neuer Anlauf für eine konzertierte Aktion aller Stakeholder auf den Weg gebracht werden. Dass dies zum Vorteil aller wäre, hatte zuvor schon Jutta Gurkmann deutlich hervorgehoben: „Vertrauen ist unerlässlich, wenn wir die Chancen der Digitalisierung vollständig nutzen wollen.“

Bis dies erreicht ist – das hat die Veranstaltung deutlich gezeigt –, ist es noch ein weiter Weg. Höchste Zeit, ihn zu beschreiten. Immerhin: Die „Fünf Grundsätze für sichere digitale Kommunikation“ sind ein guter Anfang.

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Mehr staatliches Engagement für Sicherheit im Internet gefordert

Foto: Stefan Zeitz

Klare Aussagen zu den Wünschen der Nutzer. Erkenntnisse der neuen DIVSI-Studie in Berlin vorgestellt. Thema auch Online-Postfächer.

Von Michael Schneider

Auf reges Interesse ist die jüngste DIVSI-Studie „Digitalisierung – Deutsche fordern mehr Sicherheit“ gestoßen, die in Berlin vorgestellt wurde. Schwerpunkte der Untersuchung waren die Einstellungen der in Deutschland lebenden Menschen zur Digitalisierung und die Meinung der Nutzer zur Frage der Sicherheit im Internet. Außerdem ging es um Online-Postfächer auf Kundenportalen und damit gesammelte Erfahrungen sowie um Einstellungen zur Verwaltung elektronischer Dokumente im Allgemeinen. Realisiert wurde das Projekt von dimap.

DIVSI-Direktor Matthias Kammer: „Wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass das Internet in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. 70 Prozent der Bevölkerung nutzt es mit seinen Vorteilen zur Gestaltung des Lebensalltags. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, das Sicherheitsniveau in Deutschland muss deutlich erhöht werden. Dabei muss Convenience bleiben. Das ist die Erwartung der Menschen.“ Um die Vorteile der Digitalisierung für sich zu nutzen, müssten sich die Menschen sicher und souverän in der digitalen Welt bewegen können. Hier seien Staat und Unternehmen gefordert, die vielen digitalen Angebote, die unseren Alltag erleichtern, mit höherer Sicherheit in Einklang zu bringen und damit Vertrauen zu stärken.

Insgesamt kennzeichnen auffallende Paradoxien die Ergebnisse der jüngsten Umfrage des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet. Nach der Verantwortung für Sicherheit im Internet gefragt, stimmen 83 Prozent der Internetnutzer der Aussage voll oder eher zu, dass jeder selbst für seine Sicherheit im Internet verantwortlich ist. Gleichzeitig bezweifelt die Mehrheit (57 %), dass der Einzelne dieser Verantwortung überhaupt gerecht werden kann. Dies meinen selbst 53 Prozent der Internetnutzer, die ihre eigenen Kompetenzen als sehr gut oder gut einschätzen.

84 Prozent der Internetnutzer in Deutschland erwarten auch von Unternehmen die Übernahme von Verantwortung. Allerdings haben zwei Drittel der Befragten nur geringes bis gar kein Vertrauen darauf, dass die Firmen sich ausreichend um die Sicherheit ihrer Kunden kümmern.

Sicherheitssiegel

Über alle Altersgruppen hinweg verlangen 85 Prozent der Befragten, dass sich der Staat stärker um das Thema Sicherheit im Internet kümmert. Gleichzeitig trauen jedoch 84 Prozent dem Staat nicht zu, dass er dieser Aufgabe gerecht werden und seine Bürger schützen kann. Internetnutzer fordern mehr staatliches Engagement für die Sicherheit im Internet. 80 Prozent der Befragten befürworten ein offizielles Sicherheitssiegel, an dem sich vertrauenswürdige Angebote und Dienstleistungen problemlos erkennen lassen. Genauso viele Nutzer wünschen sich eine staatliche Stelle, bei der die Verantwortung für alle sicherheitsrelevanten Fragen im Internet gebündelt ist.

Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), hob im Rahmen der Veranstaltung hervor: „Die Studie ist ein Indikator, um zu sehen, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Es ist ein deutliches Zeichen, dass die Informationssicherheit als Voraussetzung der Digitalisierung verstanden wird. Das wird in der Studie sehr deutlich und zeigt die Bedeutung der Informationssicherheit. Es ist sehr wichtig, dass es hier eine zentrale Stelle wie das BSI aufseiten des Staates gibt, das als nationale Cyber-Sicherheitsbehörde die Informationssicherheit in der Digitalisierung für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gestalten muss. Es ist eine gemeinsame Aufgabe.“

Das BSI unterstütze IT-Anwender durch konkrete, praxisorientierte Angebote, etwa in Form von Informationen und Handlungsempfehlungen, die man unter der Adresse www.bsi-fuer-buerger.de zur Verfügung stelle.

Verantwortung

Arne Schönbohm betonte weiter, dass die von einem hohen Prozentsatz der Befragten gewünschte Bündelungsstelle für sicherheitsrelevante Fragen schon heute vorhanden ist. „Als nationale Cyber-Sicherheitsbehörde übernehmen wir gerne diese Verantwortung“, sagte der Präsident des BSI.

Insgesamt, so ein weiteres Ergebnis der Umfrage, stehen die Deutschen der Digitalisierung unverändert positiv gegenüber. Aktuell sind 70 Prozent der Befragten überzeugt, dass die Digitalisierung viele Vorteile für sie biete. Und auch von denjenigen, die das Internet nicht nutzen, ist sich mehr als ein Drittel dennoch bewusst, dass diese Entwicklung auch auf sie Auswirkungen hat.

Online-Postfächer auf Kundenportalen hält eine Mehrheit zwar für praktisch, gleichzeitig jedoch für unsicher. 70 Prozent der Internetnutzer haben ein Online-Postfach auf einem Kundenportal, jeder Dritte sogar bei drei und mehr verschiedenen Anbietern. Reinhard Schlinkert, geschäftsführender Gesellschafter dimap, zur Struktur der Nutzer: „Es sind vor allem Jüngere und Personen mit einem hohen formalen Bildungsniveau, die Online-Postfächer nutzen. Von den Befragten, die älter als 65 Jahre alt sind, und den Befragten, die einen Hauptschulabschluss haben, nutzt jeweils nur jeder Vierte mindestens ein Online-Postfach auf einem Kundenportal im Internet.“

Zustellung

Gleichzeitig betrachten die Internetnutzer diese Form der elektronischen Zustellung von Dokumenten mit Sorge. 72 Prozent geben an, sich vor einem unbefugten Zugriff zu fürchten. Zwei Drittel derjenigen, die selbst Online-Postfächer nutzen, sind sich manchmal nicht sicher, ob sie dem Anbieter vertrauen können. Ein Drittel fürchtet, irgendwann den Überblick über seine Online-Postfächer zu verlieren. Und jeder zweite Nutzer von Online-Postfächern hat schon einmal sein Passwort vergessen und konnte sich daher nicht anmelden.

Eine sehr große Mehrheit von über 90 Prozent möchte selbst entscheiden können, auf welchem Weg Dokumente zugestellt werden. Acht von zehn Nutzern finden es besser, wichtige Dokumente per Post zu erhalten und sich nicht von einem Online-Postfach herunterladen zu müssen. DIVSI-Direktor Kammer: „Die Nutzer wollen wählen können, auf welchem Weg sie Rechnungen, Kontoauszüge oder andere wichtige Dokumente erhalten. Im Gegensatz dazu steht, dass Unternehmen und Behörden Dokumente verstärkt online versenden und dabei gleichzeitig die bisherige Bringschuld in eine Holschuld umkehren. Dieser Trend muss beendet werden.”

Die aktuelle Umfrage erfolgte nach einer repräsentativen Zufallsauswahl mit computergestützten Telefoninterviews in der zweiten Julihälfte. Befragt wurden 1.266 in Deutschland lebende Personen über 18 Jahre; darunter 1.001 Internetnutzer.

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Paradoxien im Sicherheitsempfinden https://www.divsi.de/paradoxien-im-sicherheitsempfinden/ https://www.divsi.de/paradoxien-im-sicherheitsempfinden/#respond Fri, 25 Aug 2017 09:25:54 +0000 https://www.divsi.de/?p=16207 Deutsche fordern mehr Sicherheit im Internet – das ist das Ergebnis unserer jüngsten Studie, die das DIVSI zusammen mit dimap durchgeführt hat. Besonders auffällig ist, dass die Ergebnisse von auffallenden Paradoxien gekennzeichnet sind – insbesondere in Hinblick auf die Möglichkeiten der Einflussnahme durch Internetnutzer. Die Studie zeigt, dass sich Internetnutzer mit dem Thema Sicherheit im […]

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Grafik Vertrauen und Verantwortung

Deutsche fordern mehr Sicherheit im Internet – das ist das Ergebnis unserer jüngsten Studie, die das DIVSI zusammen mit dimap durchgeführt hat. Besonders auffällig ist, dass die Ergebnisse von auffallenden Paradoxien gekennzeichnet sind – insbesondere in Hinblick auf die Möglichkeiten der Einflussnahme durch Internetnutzer.

Die Studie zeigt, dass sich Internetnutzer mit dem Thema Sicherheit im Internet überfordert fühlen: 83 Prozent glauben zwar, dass jeder für seine eigene Sicherheit im Netz verantwortlich ist; mit 57 Prozent meint die Mehrheit aber zugleich, dass der Einzelne dieser Verantwortung nicht gerecht werden kann.

85 Prozent sehen daher die Zuständigkeit beim Staat und 84 Prozent fordern die Wirtschaft auf, sich stärker um die Sicherheit zu kümmern. Allerdings haben zwei Drittel der Befragten zugleich nur geringes bis gar kein Vertrauen darin, dass sich Firmen ausreichend um die Sicherheit ihrer Kunden kümmern.

Aus diesem Grund befürworten 80 Prozent der Befragten ein offizielles Sicherheitssiegel, das vertrauenswürdige Angebote und Dienstleistungen auf den ersten Blick eindeutig kennzeichnet. Genauso viele Nutzer wünschen sich eine staatliche Stelle, bei der die Verantwortung für alle sicherheitsrelevanten Fragen im Internet gebündelt liegt. Eine derartige Stelle stellt in Ansätzen bereits das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) dar.

Eine große Besorgnis zeigt sich ebenso beim Thema der elektronischen Dokumentenübermittlung. 70 Prozent der Internetnutzer besitzen ein Online-Postfach auf einem Kundenportal; jeder Dritte sogar bei drei und mehr verschiedenen Anbietern. Doch wird die Sicherheit dieser Online-Postfächern gleichzeitig mit Sorge betrachtet. 72 Prozent fürchten sich vor einem unbefugten Zugriff. Schließlich wird nach einer Bitkom-Umfrage jedes zweite deutsche Unternehmen Opfer von digitaler Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl.

Zwei Drittel derjenigen, die selbst Online-Postfächer nutzen, sind sich sogar unsicher, ob der Anbieter vertrauenswürdig ist. 80 Prozent der Befragten bevorzugen daher, wichtige Dokumente per Post zu erhalten, anstatt sie von einem Online-Postfach herunterzuladen. Die Nutzer wollen wählen können, auf welchem Weg sie Rechnungen, Kontoauszüge oder andere wichtige Dokumente empfangen.

Trotzdem sind 70 Prozent der Meinung, die Digitalisierung bietet viele Vorteile für sie. Selbst ein Drittel derjenigen, die das Internet nicht nutzen, sind sich bewusst, dass diese Entwicklung auch auf sie Auswirkungen hat.

Um die Vorteile des Internets auszuspielen, muss das Sicherheitsniveau erhöht werden – jedoch nicht auf Kosten der Nutzbarkeit und des Komfortgewinns von digitalen Angeboten. Unsere Studie zeigt deutlich, an welcher Stelle der Digitalisierung unsere Gesellschaft momentan steht und dass Staat und Wirtschaft gemeinsam den digitalen Wandel lenken müssen, um den Nutzern einen sicheren Rahmen für ihre digitale Lebensgestaltung zu schaffen.

Hier finden Sie die Studie und die dazugehörige Pressemitteilung.

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Anwalt für die Menschenwürde auch in der digitalen Zeit https://www.divsi.de/anwalt-fuer-die-menschenwuerde-auch-in-der-digitalen-zeit/ https://www.divsi.de/anwalt-fuer-die-menschenwuerde-auch-in-der-digitalen-zeit/#respond Wed, 12 Apr 2017 08:29:20 +0000 http://46.30.3.106/?p=15913 DIVSI trauert um seinen Schirmherrn Prof. Dr. Roman Herzog. Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), eine von der Deutsche Post AG im Jahre 2011 gegründete Gesellschaft, trauert um seinen Schirmherrn, Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Roman Herzog, der im Alter von 82 Jahren verstorben ist. Roman Herzog hatte die Aufgabe des Schirmherrn […]

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Anwalt für die Menschenwürde auch in der digitalen Zeit

DIVSI trauert um seinen Schirmherrn Prof. Dr. Roman Herzog.

Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), eine von der Deutsche Post AG im Jahre 2011 gegründete Gesellschaft, trauert um seinen Schirmherrn, Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Roman Herzog, der im Alter von 82 Jahren verstorben ist. Roman Herzog hatte die Aufgabe des Schirmherrn im Jahre 2012 übernommen.

„Wir trauern mit seinen Angehörigen und verneigen uns vor einem großen Staatsmann und seinem Lebenswerk“, erklärt Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Deutsche Post DHL Group. „Wir sind dankbar für das, was unser inspirierender Mentor Roman Herzog dem DIVSI gegeben hat.“

In den Jahren seiner sehr aktiv gestalteten Schirmherrschaft hat Roman Herzog die grundlegende Ausrichtung des DIVSI wesentlich geprägt. Ausschlaggebend dafür waren sein profunder Wissensschatz, seine enorme Lebenserfahrung, sein ganz besonderer Humor und vor allem sein großes Interesse an einer menschenwürdigen Entwicklung der digitalen Welt.

Übernahme der DIVSI-Schirmherrschaft durch Roman Herzog

Übernahme der Schirmherrschaft in Hamburg: Roman Herzog, eingerahmt von seiner Gattin Alexandra von Berlichingen, Bürgermeister Olaf Scholz und DIVSI Direktor Matthias Kammer. (Foto: DIVSI)

Dabei hat er sich als ehemaliger Wissenschaftler und Verfassungsrechtler mit Leidenschaft der Erarbeitung eines digitalen Kodexes verschrieben, den er für das gesellschaftliche Miteinander im digitalen Zeitalter für herausragend wichtig hielt. DIVSI-Direktor Matthias Kammer: „Roman Herzog hat unsere tägliche Arbeit bereichert und befruchtet. Und wir stellen dankbar fest: Diese Inspiration hat Wirkung über den Tag hinaus.“

Jürgen Gerdes, auf dessen Anregung die Gründung des DIVSI zurückging, fasst das Wirken des verstorbenen Schirmherrn so zusammen: „Sein Ziel war es, Leitplanken zu finden, um auch in den Medien des begonnenen 21. Jahrhunderts der Menschenwürde Geltung zu verschaffen.“

Zwei Gedanken lagen Roman Herzog bereits bei seiner Amtsübernahme am 5. November 2012 besonders am Herzen. Es lohnt, sich diese noch einmal in das Gedächtnis zu rufen. Roman Herzog:

  1. Die Geheimheit der Privatsphäre des Menschen, die in unserem Kulturkreis seit Jahrhunderten ein wesentlicher Bestandteil seiner Personalität ist, ist neuen Gefährdungen ausgesetzt, die zum Anlass ganz neuer Überlegungen gemacht werden müssen, und da hilft es auch wenig, dass manche von diesen Risiken in Ansätzen auch schon bisher bestanden haben. Schon die veränderten Gefährdungszahlen könnten ja den Eingriff in eine ganz neue Epoche bedeuten.
  2. In jedem Fall ist die Einstellung der Menschheit zur Information dabei, sich schlicht und einfach umzudrehen – und das nun wirklich zum ersten Mal in der Geschichte. Bisher hatte der Mensch bei allem, womit er sich beschäftigte, unter einer deprimierenden Informationsknappheit zu leiden. Das Zeitalter, in das wir hineingehen, wird demgegenüber durch ein deprimierendes Überangebot an Informationen charakterisiert sein. Salopp ausgedrückt: Bisher hatte die Menschheit richtige Informationen zu suchen, in Zukunft wird sie eher falsche, ungeeignete Informationen auszusondern haben.

Wir werden sehen, wie das gehen wird. Aber jedenfalls wird es genug zu tun geben!

Roman Herzog, ein großer Deutscher

Roman Herzog (* 5. April 1934 in Landshut; † 10. Januar 2017 in Bad Mergentheim) war von 1994 bis 1999 der siebte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Zuvor war er von 1978 bis 1980 Kultus-, von 1980 bis 1983 Innenminister des Landes Baden-Württemberg und von 1983 bis 1994 Richter am Bundesverfassungsgericht, ab 1987 als dessen Präsident tätig.

Als Bundespräsident ist Herzog unter anderem für seine Berliner Rede 1997 bekannt, in der er für einen „Ruck durch Deutschland“ und mehr Reformbereitschaft in Gesellschaft und Politik warb.

Herzog damals: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von lieb gewordenen Besitzständen, vor allen Dingen von den geistigen, von den Schubläden und Kästchen, in die wir gleich alles legen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen:

  • die Arbeitgeber, indem sie Kosten nicht nur durch Entlassungen senken,
  • die Arbeitnehmer, indem sie Arbeitszeit und -löhne mit der Lage ihrer Betriebe in Einklang bringen,
  • die Gewerkschaften, indem sie betriebsnahe Tarifabschlüsse und flexiblere Arbeitsbeziehungen ermöglichen,
  • Bundestag und Bundesrat, indem sie die großen Reformprojekte jetzt rasch voranbringen,
    die Interessengruppen in unserem Land, indem sie nicht zu Lasten des Gemeininteresses wirken.“

Im Jahr 1996 führte er den 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein. Zudem prägte er im Jahr 2008 den Begriff „Rentnerdemokratie“.

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Internet of Things – die Zukunft hat uns eingeholt https://www.divsi.de/internet-of-things-die-zukunft-hat-uns-eingeholt/ https://www.divsi.de/internet-of-things-die-zukunft-hat-uns-eingeholt/#respond Thu, 12 Jan 2017 09:26:06 +0000 http://46.30.3.106/?p=15827 Keine Grenzen für mögliche Anwendungsszenarien. Steigerung bereits existierender Prozesse. Ermöglichung neuer Geschäftsmodelle. Aber auch jede Menge Hindernisse.
Mitten in der heißen Phase des US-Wahlkampfs sorgte ein Ausfall weiter Teile des Internets für besonders viel Aufregung und Verunsicherung in Nordamerika. [...]

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Internet of Things – die Zukunft hat uns eingeholt

Keine Grenzen für mögliche Anwendungsszenarien. Steigerung bereits existierender Prozesse. Ermöglichung neuer Geschäftsmodelle. Aber auch jede Menge Hindernisse.

Von Alexander Braun

Mitten in der heißen Phase des US-Wahlkampfs sorgte ein Ausfall weiter Teile des Internets für besonders viel Aufregung und Verunsicherung in Nordamerika. Vermutungen deuteten sofort Richtung Russland und China als mögliche Urheber dieser beispiellosen Attacke, durch die in mehreren Wellen prominente Services wie Twitter, Netflix, PayPal, Spotify, Airbnb, Reddit, SoundCloud, die New York Times und viele weitere mehr nicht mehr erreichbar waren.

Auch wenn mögliche Hintermänner nur schwer eindeutig auszumachen sind, deuten alle Recherchen unterdessen in eine weit weniger konspirative Richtung: Die größte Internet-Attacke aller Zeiten geht nicht auf das Konto von Geheimdiensten, sondern war das Werk sogenannter Script-Kids – Teenager ohne tatsächliche Hacking-Expertise, die offen zugängliche Werkzeuge ausnutzen, um Schaden anzurichten. Derartigen Schaden konnte diese Attacke allerdings nur dadurch entfalten, dass sie sich Hunderttausender unzureichend gesicherter, mit dem Internet verbundener Geräte wie Überwachungskameras und Festplatten-Videorekorder bediente – Bestandteile des sogenannten Internet of Things (IoT).

Im Internet der Dinge ist eine schier unvorstellbare Anzahl von Geräten mit dem Internet verbunden: vom Getränkeautomaten bis zum Carsharing-Fahrzeug, dem Baby-Monitor bis zur smarten Glühbirne, dem Kühlschrank bis zur Zahnbürste, der Fertigungsmaschine in der Fabrik bis zum Heizungsthermostat. Im Zentrum stehen hierbei Sensoren, die über die Anbindung an das Internet ganz neue Anwendungsmöglichkeiten eröffnen und anhand derer Maschinen mit anderen Maschinen kommunizieren.

Der Fantasie hinsichtlich sinnvoller oder auch sinnbefreiter Anwendungsszenarien sind hier keine Grenzen gesetzt. Daher wird die Zahl mit dem Internet verbundener Geräte auch in den kommenden Jahren exponentiell anwachsen: von derzeit 9 Milliarden bis 2020 auf etwa 30 Milliarden Geräte, die den Markt von derzeit USD 600 Milliarden auf USD 2 Billionen mehr als verdreifachen werden.

Was also sind die Potenziale, die diesen Markt treiben und dazu führen, dass schon bald jedes nur erdenkliche Gerät mit einer Internet-Verbindung ausgestattet sein könnte, und was sind die Herausforderungen, die auf diesem Weg zu meistern sind? Die Potenziale von IoT fallen hierbei in folgende Kategorien:

Steigerung der Effizienz existierender Prozesse: Indem eine Maschine ihren Gesundheitszustand live kommuniziert, kann sie rechtzeitig gewartet werden, sodass es zu keinem Ausfall kommt. Ebenso muss ein Techniker die existierenden Maschinen nicht permanent abfahren oder einen Austausch von Verschleißteilen nach festem Zeitmuster vornehmen, wenn kein Wartungsbedarf besteht.

Anreicherung der Daten existierender Prozesse: Indem die Anzahl der Sensoren erhöht wird, können etwa Spediteure ihren Kunden künftig nicht nur mitteilen, dass ihre Sendung angekommen ist, sondern auch, wie der Zustand der Sendung ist. Wurde sie Temperaturen oder Erschütterungen ausgesetzt, die die Qualität negativ beeinflusst haben könnten? Auf dieser Basis können bei voller Transparenz ganz neue Rahmenverträge gestaltet werden, die einen verbesserten Service in Real-time ermöglichen. Physische Produkte müssen künftig hinsichtlich ihres Funktionsumfangs nach dem Kauf nicht mehr statisch bleiben, da sie dank Software-Updates via Internet-Verbindung stets aktualisiert werden können.

Ermöglichung neuer Geschäftsmodelle: Über den Einbezug einer Vielzahl an Sensordaten werden regelbasierte Modelle möglich. Ein Getränkeautomat kann etwa beim Überschreiten einer gewissen Außentemperatur die Preise der Getränke erhöhen, da die Nachfrage und die Zahlungsbereitschaft steigt. Versicherungen können ihre Prämien vom tatsächlich gemessenen Fahrverhalten und der Nutzungshäufigkeit abhängig machen. Diese Entwicklungen umspannen alle Industrien.

Hindernisse

Die Potenziale des Internets der Dinge sind folglich über alle Industrien hinweg riesig und haben zu Recht eine branchenübergreifende Euphorie ausgelöst. Dem stehen jedoch eine Reihe schwerwiegender Hürden entgegen, die es zu überwinden gilt:

Privatsphäre: Da es im Kern um die Erhebung und Auswertung eines bisher beispiellosen Spektrums an Daten geht, ist die Akzeptanz bei den Nutzern von zentraler Bedeutung. Während der Akzeptanzaspekt im Kontext von Unternehmensdaten in der Regel unkritisch ist, stellt sich dies bei der Nutzung persönlicher Daten grundlegend anders dar. Möchte ich Versicherungsunternehmen Zugang zu meinen Aktivitätsdaten geben, um im Gegenzug günstigere Tarife zu erhalten? Was bedeutet dies für Risikogruppen, und werde ich diesen automatisch zugerechnet, wenn ich nicht bereit sein sollte, meine Daten zu teilen, da ich ja offensichtlich etwas zu verbergen habe? Dies sind grundlegende Fragen hinsichtlich der Privatsphäre, die im gesellschaftlichen Diskurs beantwortet werden müssen, soll nicht eine verbreitete Skepsis viele positive Möglichkeiten verhindern.

Standards: Nur wenn die IoT-Geräte auch miteinander kommunizieren und eine gemeinsame Sprache sprechen, lassen sich auch ihre Potenziale erschließen. Diesen einheitlichen Standard gibt es derzeit noch nicht, und Intel und Qualcomm kämpfen hier um die Vorherrschaft. Wie bei anderen Wettkämpfen um die Standard-Führerschaft wird sich auch dieser in absehbarer Zeit entscheiden. Bis dahin limitiert die Unsicherheit jedoch das Entwicklungspotenzial.

Sicherheit: Bei der Sicherheit im IoT-Umfeld handelt es sich gleich auf mehreren Ebenen um einen ganz zentralen Faktor. Wie die eingangs erwähnte Attacke auf zentrale Internet-Services unter Zuhilfenahme unzureichend gesicherter IoT-Geräte gezeigt hat, geht von dem fehlenden Sicherheitsbewusstsein bei Herstellern und Nutzern eine Gefährdung für das gesamte Internet aus. Erschwerend kommt hierbei der Umstand hinzu, dass sich die Besitzer der betroffenen Geräte häufig gar nicht bewusst sind, dass ihr Gerät an einem derartigen Angriff beteiligt war. Selbst wenn sie sich dessen jedoch bewusst sind, fehlt häufig das technische Wissen oder bei älteren Geräten sogar die Möglichkeit, die Geräte besser zu schützen. Zudem haben die Geräte häufig eine längere Lebensdauer als die gewöhnlicher Computer, so dass das Problem trotz unterdessen erfolgter Rückrufaktionen noch lange fortbestehen wird. Außerdem geht es häufig um hochsensitive Daten und die Steuerung kritischer Abläufe. Die EU-Kommission plant daher die Einführung eines Sicherheitslabels für IoT-Geräte, um den Druck auf die Hersteller zu erhöhen. Vor dem Hintergrund, dass von der Barbie-Puppe bis zur Glühbirne und der Zahnbürste zunehmend jedes Gerät über eine Internet-Verbindung verfügt und das Internet global ist, sicherlich ein Mammutvorhaben.

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