Datenschutz im Internet – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Sicherheit und Convenience bei der Internetnutzung: So geht‘s https://www.divsi.de/sicherheit-und-convenience-bei-der-internetnutzung-so-gehts/ https://www.divsi.de/sicherheit-und-convenience-bei-der-internetnutzung-so-gehts/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:08 +0000 https://www.divsi.de/?p=19464 Intelligente Lösung sichert Privatsphäre beim Surfen auf allen Geräten – immer und überall. Von Christian Bennefeld Anwendungen im Internet und per App sind meist gratis. Doch so groß der damit verbundene Vorteil auch sein mag, oft dienen die Angebote vor allem einem Zweck: dem Ausspionieren der Nutzer. Hat man gerade nach Tipps zur Finanzierung gesucht, […]

The post Sicherheit und Convenience bei der Internetnutzung: So geht‘s appeared first on DIVSI.

]]>
Sicherheit und Convenience

Foto: eBlocker

Intelligente Lösung sichert Privatsphäre beim Surfen auf allen Geräten – immer und überall.

Von Christian Bennefeld

Anwendungen im Internet und per App sind meist gratis. Doch so groß der damit verbundene Vorteil auch sein mag, oft dienen die Angebote vor allem einem Zweck: dem Ausspionieren der Nutzer. Hat man gerade nach Tipps zur Finanzierung gesucht, bombardieren einen andere Webseiten mit Werbung für Online-Kredite. Informiert man sich in sozialen Netzwerken und mithilfe von Suchmaschinen zu bestimmten Themen, werden zukünftige Nachrichtenangebote auf das vorangegangene Nutzungsverhalten zugeschnitten, also „gefiltert“. Diese Filterblasen führen dazu, dass man nicht mehr mit anderen Sichtweisen konfrontiert, sondern nur noch einseitig informiert wird. Viele Online-Shops verwenden dynamische Preisbildung, um ihren Profit zu optimieren. Abhängig davon, ob Nutzer mit Computer, Tablet oder Smartphone auf der Suche nach Angeboten sind, sehen sie unterschiedliche Preise.

Der Grund für die Verfolgung durch Werbung oder unterschiedliche Preisangebote sind Persönlichkeitsprofile, erstellt von Werbeservern und Datensammlern, bekannt als „Tracker“. Diese schreiben nicht nur das Verhalten des Nutzers auf einzelnen Webseiten mit, sondern können ihn durch das ganze Internet verfolgen, und zwar so lange, bis ein Tracker entdeckt und abgeschaltet wird. Dadurch entstehen nicht nur Persönlichkeitsprofile, sondern ganze Profile zur Persönlichkeitsentwicklung.

Generelle Gefährdung

Nicht einmal vor dem Nachwuchs machen die Datenwanzen halt. Eine Untersuchung der Tracker- Experten von eBlocker zeigte, dass selbst Internetseiten, die sich speziell an kleine Kinder richten, ihre Besucher ausspionieren und anschließend mit verlockender Werbung bombardieren. Von zwölf geprüften Kinderseiten schnüffelten neun ihre vorrangig kindlichen Besucher aus. Auf einigen Seiten fanden die Experten bis zu 64 solcher Tracker. Sie protokollieren alles. Dazu werden sämtliche Mausbewegungen haargenau aufgezeichnet und die Augenreaktionen daraus abgeleitet. Nach einiger Zeit wissen die Tracking-Unternehmen exakt, mit wem sie es zu tun haben: Alter, Geschlecht, Vorlieben, Lernfortschritte, Entwicklungsstand. Jeder Einzelne hinterlässt unbewusst seine ganz persönliche Visitenkarte.

Die Profiteure sind Datenhändler, Werbekonzerne und Scoring-Anbieter. So verknüpft beispielsweise Google nach eigenen Angaben über die mehr als 70 Dienste gewonnenen Daten zu genauen Persönlichkeitsprofilen. Selbst wenn der Nutzer gar keine Google-Dienste nutzt, gerät er in die Fänge des Datenkraken. Dank Google Analytics, des Web-Analyse-Systems von Google, das heute auf mehr als 80 Prozent aller Websites zum Einsatz kommt, entgeht dem Konzern kaum ein Klick. Vor diesem Hintergrund ist das Ergebnis der DIVSI Internet-Milieu-Studie 2016 „Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung“ geradezu erschreckend; „Lediglich 6 Prozent der Internetnutzer gehen davon aus, dass ihr Online-Verhalten schon einmal getrackt wurde.“ Das ist realitätsfern. Denn jeder wird unentwegt getrackt, wenn keine besonderen Schutzmaßnahmen getroffen wurden.

Anders als in traditionellen Medien ohne Rückkanal, wie Radio, Fernsehen oder Print, ist es durch die Internetnutzung möglich, auf die Persönlichkeit individuell abgestimmte Informationen anzuzeigen. Die Branche spricht hierbei von nutzerindividuellem Targeting. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene geraten in Filterblasen, in denen sie maßgeschneiderte Inhalte präsentiert bekommen. Das geschieht, wenn bestimmte Dienste per Relevanzfilterung Beiträge gezielt auf Hobbys und politische Orientierung vorfiltern und ausrichten.

Datenschnüffelei

Das Schockierende: Die Tracking-Praktiken greifen auf jedem internetfähigen Endgerät, egal ob Computer, Tablet, Smartphone, Spielekonsole, Smart-TV, WLAN-fähigem Fitnessarmband oder anderen Gadgets aus dem wachsenden Internet of Things (IoT). Aus gutem Grund ist in den USA bereits seit 2013 das Tracken von Online-Aktivitäten von Kindern unter 13 Jahren per Gesetz verboten. Hierzulande haben Datenschnüffler dagegen anscheinend freie Bahn. Wer denkt, dass in Deutschland besonders hohe Datenschutzstandards die Bürger schützen, befindet sich auf dem Holzweg. Zwar genießen wir in der Tat hohe Datenschutzstandards. Die im Mai in Kraft getretene DSGVO stärkt zum Beispiel in vielen Punkten die Rechte der Verbraucher, etwa durch die Möglichkeit des Widerspruchs der Profildatenspeicherung. Faktisch hat sich dadurch aber kaum etwas geändert.

Schutzlos

Ein Betreiber muss laut DSGVO alle Tracker in der Datenschutzerklärung der Website nennen, die Nutzerprofile erfassen. In der Praxis taucht aber häufig nur ein Bruchteil der verwendeten Tracker in der Datenschutzerklärung auf. Außerdem ist ein Widerspruch nur möglich, wenn der sogenannte Opt-out technisch möglich ist und nicht an bestimmte Betriebssysteme oder Browser gebunden ist. Google Analytics bietet beispielsweise standardmäßig nur eine Widerspruchsmöglichkeit per Plugin an, das sich beispielsweise auf Apple iOS-Geräten, auf Smart-TVs oder Spielekonsolen nicht ausführen lässt. Nicht zuletzt verzichten viele Seitenbetreiber gleich komplett auf die aufwendige Implementierung von Opt-out-Cookies.

Selbst wenn sämtliche Tracker in der Datenschutzerklärung genannt werden und eine technisch auf jedem Gerät funktionierende Widerspruchsmöglichkeit existiert, hat der Nutzer praktisch keine Chance gegen die Datenerhebung. Denn dazu müsste er nicht nur sämtlichen durchschnittlich 20 Trackern einzeln widersprechen – und das, bevor er die Seite besucht. Anschließend müsste er dazu kleinlich darauf achten, dass er die Cookies, die den Widerspruch enthalten, nicht wieder löscht, um dann wieder von vorne anzufangen. Ein solches Vorgehen ist vollkommen unrealistisch.

Kaum ein Unternehmen hält sich beim Tracking an die Vorgaben der Datenschutzaufsichtsbehörden. Eine stichprobenartige Untersuchung der Internetseiten der zehn umsatzstärksten DAX-Unternehmen durch eBlocker ergab, dass nur das Unternehmen E.ON die Anforderungen der Aufsichtsbehörden umsetzt. Nicht zuletzt halten sich nur wenige Unternehmen an die Vorgaben, da der Staat Verstöße selten bis nie ahndet. Die DSGVO scheint sich als zahnloser Tiger zu entpuppen, den nicht einmal die größten Unternehmen mit bester juristischer Beratung fürchten. Konsequenz: Nutzer müssen sich selbst schützen.

Privatsphäre garantiert

Die Menschen wollen die Vorteile des Internets nutzen, fühlen sich aber technisch nicht in der Lage, sich angemessen gegen Tracker und andere Gefahren zu schützen. Das Hamburger Start-up eBlocker hat eine kinderleichte Anwendung entwickelt, die so einfach ist, dass sie von jedem genutzt werden kann, ganz ohne IT-Wissen. Als weltweit erste Plug & Play-Lösung ermöglicht der eBlocker anonymes Surfen und sichert die persönliche Privatsphäre. Dazu wird die kleine Box lediglich per Kabel am Router angedockt und mit Strom versorgt. Sofort blockiert sie zuverlässig alle bekannten Trackingsysteme sowie andere Datensammler – und das bei allen Geräten im Heimnetz, egal ob Computer, Tablet, Smart-TV oder Spielekonsole.

eblocker

Schutzwürfel: Kleines Gerät mit großer Wirkung. Auch Laien könnenes problemlos nutzen. (Foto: eBlocker)

Das Gerät kann als Torwächter zum Internet dienen. Es hilft den Nutzern, die Kontrolle über ihre Online-Privatsphäre zu behalten. Er bietet die Möglichkeit, für alle Geräte im Heimnetz die Identität zu tarnen, Tracking zu verhindern, Gefahren durch Malware wie gefährliche Phishing- Seiten abzublocken.

eBlocker-Dashboard

Schutzwall: Die grafische Oberfläche des eBlockers: klar und übersichtlich. (Foto: eBlocker)

Wertvolle Jugendschutzfunktionen helfen, dass sich Eltern keine Sorgen mehr machen müssen, ob ihr Kind auf jugendgefährdende oder andere ungeeignete Inhalte im Netz stößt. Bequem per Klick kann z.B. die sichere & kindgerechte Website für Kinder fragFINN freigeschaltet werden. eBlocker bietet altersgerechte Filtersysteme, die wahlweise nur bestimmte Seiten zulassen, Zudem die Möglichkeit, die Online-Zeit auf die Minute genau zu regulieren, das geheime nächtliche Surfen auszuschließen und genaue Tageszeiten und geräteübergreifende Nutzungszeiten festzulegen.

Mithilfe einer Mobile-Tunneling-Lösung werden sogar mobile Geräte unterwegs geschützt. Das Prinzip dahinter: Nutzer, die mit ihrem Smartphone mobil online sind, verbinden sich per VPN-Verbindung über das Mobilfunknetz und in öffentlichen Hotspots mit dem heimischen eBlocker. Dadurch entfaltet sich die Sicherheitswirkung selbst außerhalb des Heimnetzes. Positiver Nebeneffekt: Auch der Verbrauch kostbaren Datenvolumens wird reduziert, indem unerwünschtes Tracking und Werbung geblockt wird.

Wie viele Tracking-Informationen geben Sie weiter?

The post Sicherheit und Convenience bei der Internetnutzung: So geht‘s appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/sicherheit-und-convenience-bei-der-internetnutzung-so-gehts/feed/ 0
Sieben Jahre DIVSI – Was war, was bleibt, was ist zu tun? https://www.divsi.de/sieben-jahre-divsi-was-war-was-bleibt-was-ist-zu-tun/ https://www.divsi.de/sieben-jahre-divsi-was-war-was-bleibt-was-ist-zu-tun/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:06 +0000 https://www.divsi.de/?p=19397 Zahlreiche Projekte angestoßen, kritische Fragen gewagt, Lösungswege aufgezeigt und an vielen Stellen für bundesweite Diskussionen gesorgt. Von Matthias Kammer Ein Institut, das frei und unabhängig die vielfältig auftauchenden Fragen nach der Lebenswirklichkeit der Menschen im digitalen Zeitalter untersuchen und über die Ergebnisse einen breit gefächerten Diskurs anstoßen soll und darf – ein solches Institut gab […]

The post Sieben Jahre DIVSI – Was war, was bleibt, was ist zu tun? appeared first on DIVSI.

]]>
DIVSI Abschied

Abschied: 1. Schirmherr Joachim Gauck im Kreis des DIVSI-Kernteams, Frühjahr 2018: Jürgen Selonke, Chefredakteur DIVSI magazin (1), Harald Lemke, Beirat (2), Göttrik Wewer, Berater (3), Gerd Kühlhorn, Geschäftsführer (4), Joanna Schmölz, Wissenschaftliche Leiterin (5), Matthias Kammer, Direktor (6), Meike Otternberg, Projektleiterin (7), Michael Schneider, Leiter Kommunikation (8), Afia Asafu-Adjei, Projektleiterin (9).
Foto: Kerstin Lakeberg

Zahlreiche Projekte angestoßen, kritische Fragen gewagt, Lösungswege aufgezeigt und an vielen Stellen für bundesweite Diskussionen gesorgt.

Von Matthias Kammer

Ein Institut, das frei und unabhängig die vielfältig auftauchenden Fragen nach der Lebenswirklichkeit der Menschen im digitalen Zeitalter untersuchen und über die Ergebnisse einen breit gefächerten Diskurs anstoßen soll und darf – ein solches Institut gab es 2011 nicht. Es war mutig und vorausschauend von den Verantwortlichen in der Deutschen Post, die hierfür die Initiative ergriffen haben und damals im Rahmen der CeBIT das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet in den Fokus der Öffentlichkeit rückten.

Geholfen hat diesem neuen Institut von Anfang an auch, dass es den hohen Wert der Unterstützung durch herausragende Persönlichkeiten der Zeitgeschichte als Schirmherren erfahren durfte: zunächst Joachim Gauck bis zu seiner Wahl zum elften Bundespräsidenten im März 2012, danach Roman Herzog (siebter Bundespräsident 1994 – 1999) bis zu seinem Tod 2017 und jetzt wieder Joachim Gauck. Beide haben sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten als aktive Schirmherren engagiert und deutliche Akzente gesetzt.

Roman Herzog

Schirmherr: Roman Herzog setzte wichtige Akzente für die Arbeit von DIVSI. (Foto: Klaus Knuffmann)

Chance

Natürlich war die mir anvertraute Aufgabe, ein solches Institut zu leiten, überaus reizvoll. Ich habe es stets als großartige Chance begriffen, ein so wichtiges Instrument letztlich im Interesse unserer Zivilgesellschaft aufbauen zu dürfen. Jetzt, 2018, ist das traurige Schlusskapitel eingeleitet. Die Deutsche Post setzt ihr finanzielles Engagement für DIVSI nicht fort. Mit Beginn des neuen Jahres ist das Institut damit Geschichte.

Was hat das relativ kleine Team von DIVSI – bei Studien oder Umfragen und anderen Veröffentlichungen immer von externen Experten der verschiedensten Fachrichtungen unterstützt – in den sieben Jahren seiner Existenz erreicht? Beispielhaft seien einige Punkte erwähnt:

Die DIVSI Internet-Milieus, in unserer allerersten Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet 2012 vorgestellt, sind unsere Kernmarke geworden, im Übrigen auch als Marke eingetragen und urheberrechtlich geschützt. 2016 haben wir sie aktualisiert und ergänzt in der Untersuchung Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung. Diese Unterscheidung in sieben Milieus von Internetfernen Verunsicherten bis hin zu Digital Souveränen eröffnete einen neuen Blick auf die differenzierte Lebenswirklichkeit der in Deutschland lebenden Menschen im aufkommenden digitalen Zeitalter.

Diese Unterscheidungsmerkmale haben wir im Laufe der Jahre in verschiedenen Untersuchungen immer wieder genutzt. Zweimal bei den U25-Studien und auch 2015 bei der U9-Studie, die sich mit dem Verhalten von Kindern in der digitalen Welt beschäftigte. Dies war übrigens die erste Untersuchung überhaupt, die sich auf wissenschaftlicher Basis mit dem Verhalten von Drei- bis Achtjährigen im Internet befasst hat. Und die DIVSI Milieus lieferten auch präzise Angaben bei der Ü60-Studie, die 2016 exakte Einblicke in die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland lieferte.

Privatsphäre

Wesentlich unterstützt durch Roman Herzog, haben wir untersucht, wie sich in der digitalen Zeit unser Wertesystem entwickelt. Bereits bei seiner Amtseinführung anlässlich eines Senatsempfangs im Hamburger Rathaus hatte er deutlich gemacht: „Die Geheimheit der Privatsphäre des Menschen, die in unserem Kulturkreis seit Jahrhunderten ein wesentlicher Bestandteil seiner Personalität ist, ist neuen Gefährdungen ausgesetzt, die zum Anlass ganz neuer Überlegungen gemacht werden müssen, und da hilft es auch wenig, dass manche von diesen Risiken in Ansätzen auch schon bisher bestanden haben. Schon die veränderten Gefährdungszahlen könnten ja den Eingriff in eine ganz neue Epoche bedeuten.“

Und der frühere Bundespräsident stieß in diesem Zusammenhang eine groß angelegte Untersuchung an: „Um das Vertrauen ins Internet, in die mit ihm eröffneten Chancen und Möglichkeiten nicht zu verspielen, brauchen wir eine breite Diskussion darüber, welche verbindlichen Spielregeln hier gelten sollen. Wir brauchen Leitplanken, die uns auf dem richtigen Weg halten. Ein digitaler Kodex, von allen Verantwortlichen getragen, könnte ein Weg dahin sein.“

Diesen Impuls aufnehmend, haben wir das Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ aufgesetzt. Bei zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet diskutierten hierüber Experten. Einigkeit gab es in der grundlegenden Bewertung: Unsere Gesellschaft wäre gut beraten, einen solchen Kodex zu formulieren. DIVSI konnte dazu wesentliche Aspekte zu verschiedenen Themenkomplexen liefern: Erkenntnisse zur Verantwortung im Verhältnis zwischen Nutzern und Plattformen, zu Big Data und den Gestaltungsfeldern Gesundheit und Mobility, zu einer vertiefenden Untersuchung zu digitalisierter urbaner Mobilität oder auch zum Recht auf Vergessenwerden.

Ebenfalls inspiriert durch den Verfassungsrechtler Roman Herzog wagten wir auch eine Frage zu stellen, die vielen zunächst ketzerisch klang: Ist unser Grundgesetz überhaupt tauglich für die digitale Zeit?

Untersucht wurde dabei die verfassungsrechtliche Frage nach Bedeutung und Festigkeit der Grundrechte. Im Kern verdeutlicht die Analyse der Wirkungsdimensionen der Grundrechte, dass unser Grundgesetz auch im digitalen Raum durchaus geeignet ist, Antworten auf neue Herausforderungen zu geben. Angesichts von Bedrohungslagen, die sich vornehmlich zwischen Privaten oder im Verhältnis zu anderen Staaten abspielen, sei es allerdings an der Zeit, einige Grundrechtsfunktionen weiterzuentwickeln.

Die Richtschnur bei allen Arbeiten des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet

Fünf Thesen sind stets Grundlage für die Arbeit des Instituts gewesen. Sie wurden unter wesentlicher Unterstützung unserer Schirmherren entwickelt und könnten auch weiterhin mithelfen, die Frage nach der Verantwortung in unserem digitalen Zeitalter zu beantworten. Ich möchte sie abschließend in Erinnerung rufen:

  1. Das Internet ist eine Kulturleistung der Menschheit von historischer Bedeutung. Es revolutioniert unsere Arbeit und die Freizeit, unser Denken und die Kommunikation. Deshalb geht das Internet uns alle an – ob wir es schon nutzen oder (noch) nicht.
  2. Sicherheit und Stabilität der Internet-Infrastruktur – beides ist unabdingbar. Sie ist zu einem elementaren Bestandteil des gesamten Wirtschafts- und Sozialraums geworden.
  3. Das Internet bietet Möglichkeiten zur Beteiligung an der Gestaltung von Staat und Gesellschaft. Es fördert Wohlstand, Bildung, Chancengerechtigkeit und Informationsfreiheit. Seine enorme gestalterische Kraft braucht jedoch das Vertrauen der Menschen, damit sie sich entfalten kann.
  4. Nutzer, Wirtschaft und Staat haben eine gemeinsame Pflicht, Grundregeln für den Umgang miteinander im Internet auszuhandeln und für deren Verbindlichkeit zu sorgen. Dabei sind Wirtschaft und Staat gefordert, die Nutzer in die Lage zu versetzen, dieser Verantwortung gerecht zu werden.
  5. Freiheit und Sicherheit sind Grundbedürfnisse – auch im Internet. Voraussetzung dafür ist das Vertrauen darauf, dass der Staat und alle anderen Internet-Akteure diese Grundbedürfnisse mit geeigneten Maßnahmen angemessen ausbalancieren.

Fortschreibung

Die gerade vorgestellte und damit letzte Studie des Instituts, die sich mit dem Verhalten der 14- bis 24-Jährigen befasst, ist eine Fortschreibung einer Untersuchung von 2014. „Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt“ – war übrigens die erste Untersuchung überhaupt, die sich mit der nachwachsenden Generation im Hinblick auf das Internet intensiv beschäftigt hat.

Gerade auch diese Studie zeigt, wie das DIVSI-Team bis zum Ende des Instituts sorgfältig und konzentriert weitergearbeitet hat, das Aus bereits vor Augen. Die Ergebnisse dieser Studie finden Sie ausführlich hier. Sie zeigt insbesondere auch, dass sich die junge Generation heute im „Online-Dilemma zwischen Glück und Abhängigkeit“ bewegt.

Erwähnen möchte ich auch die Meinungsführerstudie von 2012: Wer gestaltet das Internet? Bei dieser Untersuchung ging es zunächst um das Verhalten von Führungskräften im digitalen Zeitalter. Die Ergebnisse brachten uns letztlich zu einer weiterführenden Idee und mündeten in ein umfangreiches Buchprojekt.

Dabei wurde untersucht, welche Verantwortung für die Entwicklung in der digitalen Zeit jene Menschen tragen, die an der Spitze von Unternehmen und Institutionen stehen. Die DIVSI-Autoren schafften es, ausschließlich CEOs für ausführliche Interviews zu gewinnen. Aus dem so entstandenen Buch „Digital Leadership“ filterte die „WiWo“-Redaktion als Extrakt einen wiederum viel beachteten Sonderdruck der „WirtschaftsWoche“. Das Heft „neuland – Führung im digitalen Zeitalter: wie Topmanager den Wandel gestalten“ verdeutlichte Vorstellungen zur Digitalisierung von Wirtschaftsgrößen aus der ersten Reihe.

Wie wird die Entwicklung weiterlaufen? Die Untersuchung macht deutlich, dass alle Institutionen, die in diesem Komplex forschen, schützen oder entwickeln wollen, Berge von Aufgaben vor sich haben. Nach aller Erfahrung aus den letzten Jahren wird bei allem, was Akzeptanz finden soll, sehr darauf zu achten sein, bei Neuerungen stets Convenience und Sicherheit in Einklang zu bringen.

Schirmherr Joachim Gauck formulierte diesen Gedanken einmal so: „Die Wahrheit über unseren Umgang mit dem Internet dürfte in der Regel ganz banal lauten: Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit sind einer Mehrheit wichtiger als Sicherheit. Ich denke, es gilt eine Balance zu finden. Ich misstraue sowohl denen, die Sicherheitsbedenken davon abhalten, sich der digitalen Entwicklung wirklich zu öffnen. Ich misstraue aber auch jenen, die allein die Technologie im Auge haben, sich um ihre gesellschaftlichen Auswirkungen aber nicht kümmern.“

Joachim Gauck

Foto: Stefan Zeitz

DIVSI-Schirmherr Joachim Gauck

Nach seiner Amtszeit als Bundespräsident hat Joachim Gauck im Oktober 2017 wieder die Schirmherrschaft übernommen.

DIVSI hatte aus diesem Anlass zu einer Festveranstaltung in die französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin eingeladen. Kritisch, optimistisch, mahnend – so erlebten ihn die Zuhörer bei allen Reden. Gedanken von Joachim Gauck, die im Gedächtnis bleiben sollten:

Aufgabe: „… Sicherheit in der digitalen Welt kostet Geld und Zeit, aber sie lohnt sich … Alle, die im Internet agieren, haben zur Sicherheit des Netzes beizutragen …“

Beherrschbarkeit: „Goethe gönnte seinem Zauberlehrling noch einen Herrn und Meister, der das Chaos wieder richtete. Wir können heute nur an uns selbst appellieren, die Geister, die wir riefen, in die Beherrschbarkeit zurückzuführen.”

Datenschutz: „… erscheint mir der Umgang mit Datenschutz und Internet- Sicherheit … nicht frei von Heuchelei. Teile von Medien und Politik protestieren zwar regelmäßig, wenn die Privatheit verletzt wird oder verletzt zu werden droht. Doch wie authentisch ist diese Empörung, wenn sich bei DIVSI-Studien herausstellt, dass sehr vielen Nutzern eine leichte Bedienung der Netzanwendungen im Zweifel wichtiger ist als die Garantie geschützter Daten?“

Entwicklung: „Wir dürfen uns von den Entwicklungen nicht überrollen lassen. Sie sind Menschenwerk und müssen von Menschen gestaltet werden.“

KI: „… sollten wir nicht auch viel stärker darüber nachdenken, wie das Leben aussehen wird, wenn Roboter und künstliche Intelligenz feste Bestandteile unserer Welt geworden sein werden? Fürchten wir nicht alle, dass sich die Rolle des Menschen dann grundlegend verändern könnte?“

Manipulation: „Wir wissen …, dass Soziale Medien die sozialen Kontakte in der wirklichen Welt verringern, Nutzer in Echokammern hineinlocken und sie in quasi geschlossenen Welten anfällig werden lassen für Manipulationen, Desinformation und Verschwörungstheorien.“

Pflicht: „Insbesondere in der Pflicht sehe ich … die Politiker und die Spezialisten. Bei den Spezialisten wünsche ich mir, dass sie sich nicht nur als Techniker begreifen, sondern die Folgen ihrer Arbeit für das Zusammenleben bedenken. Und bei den Politikern wünsche ich mir, dass sie sich der neuen Technik offensiver stellen und … der aktuellen Entwicklung ausreichend Rechnung tragen.“

Rechte: „Was die Öffentlichkeit augenblicklich im Westen bei den Sozialen Medien am meisten aufregt, ist … der Missbrauch von Daten, vor dem uns der Staat schützen soll … (Es) ist die Schutzpflicht des Staates gefordert, um die Rechte des Bürgers zu verteidigen.”

Verantwortung: „Auch das Individuum trägt Verantwortung für seine Daten.”

Verantwortung

Wohin also wird sich das Wertegerüst unserer Gesellschaft entwickeln? Eine ungeklärte Frage auch unter dem Blickwinkel, dass vermeintlich Algorithmen immer mehr in unser Alltagsleben eingreifen. Was wird mit der Verantwortung für die Welt? Behält der Mensch sie in der Hand, oder geben wir sie ab? Und wenn ja – an wen?

The post Sieben Jahre DIVSI – Was war, was bleibt, was ist zu tun? appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/sieben-jahre-divsi-was-war-was-bleibt-was-ist-zu-tun/feed/ 0
Studien & Themen, die Zeichen setzten https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/ https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:06 +0000 https://www.divsi.de/?p=19405 Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen. Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo: „DIVSI will […]

The post Studien & Themen, die Zeichen setzten appeared first on DIVSI.

]]>
DIVSI Collage

Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen.

Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo:

„DIVSI will einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Netz organisieren und mit neuen Aspekten beleben. Zudem wird das DIVSI die selbst gesetzten Ziele durch Unterstützung von Wissenschaft und Forschung erreichen. Es geht darum, potenzielle Risiken im Umgang mit dem Internet zu untersuchen und zu analysieren. Aufklärungsarbeit soll für eine Sensibilisierung und für eine Steigerung von Vertrauen und Sicherheit im Internet sorgen.“

Und auch die Methodik wurde sofort benannt: „Das Institut fördert den interdisziplinären Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Somit ist es das geeignete Forum für den Austausch ökonomischer, regulatorischer, rechtlicher, sozialer, kultureller und medienpolitischer Perspektiven. Arbeitsgrundlage sind zukunftsweisende strategische Projekte, für die man Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vernetzen will.“

Als Indiz dafür, dass die Aufgabe gemeistert wurde, kann allein schon die folgende Auflistung eigener DIVSI-Studien dienen. Sie sind zwischen sechs Jahren und knapp zwei Monaten alt. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung festgehaltenen Fakten sind sicher in der schnelllebigen Internet-Zeit nicht mehr sämtlich brandaktuell. Doch unverändert können auch sie als wichtiges Basismaterial dienen.

DIVSI BeteiligungslandkarteBeteiligungslandkarte Deutschland – Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen (2017)

Wie vielfältig und geläufig sind partizipative Formen der Internetnutzung im Lebensalltag der Menschen zur Unterstützung der eigenen Gesundheit oder zur Überwindung von Krankheiten? Welche soziodemografischen Unterschiede sind zu erkennen?

Brief Oder MailBrief oder E-Mail? DIVSI Studie über die Kommunikation im privat-geschäftlichen Bereich (2017)

Erstmals fundierte Erkenntnisse darüber, auf welchen Wegen privat-geschäftliche Kommunikation abläuft und welche Bedürfnisse sie bestimmen. Auch geht die Studie der Frage nach, inwieweit Menschen auf bewährte analoge Kanäle setzen und inwieweit sie inzwischen digitalen Möglichkeiten vertrauen.

Vertrauen in Kommunikation im digitalen ZeitalterVertrauen in Kommunikation im digitalen Zeitalter (2017)

Digitale Kommunikation gehört längst zum Alltag. Persönliche Informationen und sensible Daten werden ausgetauscht. Aber müssen dabei Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit in einem Spannungsverhältnis stehen? Welche rechtlichen, technischen und organisatorischen Antworten sollten für eine künftige sichere digitale Kommunikation gefunden werden, auf die die Menschen vertrauen können?

Digitalisierung – Deutsche fordern mehr SicherheitDigitalisierung – Deutsche fordern mehr Sicherheit (2017)

Die Deutschen stehen der Digitalisierung positiv gegenüber und sehen darin viele Vorteile für sich. Beim Thema Sicherheit im Internet erwarten sie allerdings mehr Engagement – vom Staat und von Unternehmen. Was bedeutet das für Vertrauen und für Kommunikation? Und wie sieht es mit der Eigenverantwortung der Nutzer aus? Die Untersuchung ergab auch auffallende Paradoxien zwischen Verantwortung und Vertrauen.

DIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in DeutschlandDIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland (2016)

Silver Surfer, Best Ager, 60+ – die Altersgruppe der über 60-Jährigen wird zunehmend wichtiger für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, denn sie macht jetzt schon etwa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung aus – Tendenz steigend. Die Studie liefert differenzierte, anschauliche und umsetzungsorientierte Erkenntnisse über die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen und räumt dabei auch mit einigen Vorurteilen auf.

DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“ (2016)

Die Digitalisierung hat die Mobilitätsdebatte vollends erfasst. Aber wie weit entwickelt sind datengelenkte Verkehrssysteme sowie eine sichere und ressourcenschonende Mobilitätskultur wirklich? Wie sind Schutz der Privatsphäre und Nutzung eines digitalen Assistenzsystems im Auto zu vereinbaren? Insbesondere vor dem Hintergrund der Machbarkeit analysiert und hinterfragt diese Studie eine Vielzahl von Diskussionen und Aktivitäten aus Europa und den USA.

DIVSI Internetmilieus 2016DIVSI Internet-Milieus 2016 – Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung (2016)

Wie beeinflusst der digitale Wandel das Leben der Menschen in Deutschland? Wie hat sich ihr Online-Verhalten in den letzten Jahren verändert? Welchen Stellenwert haben Internet und Smartphone im Lebensalltag? Wie denken die Menschen in der Nach-Snowden-Ära über Datensicherheit? Die repräsentative Studie bietet einen vertieften Blick in die aktuellen Lebenswelten unserer digitalen Gesellschaft.

Big DataBig Data (2016)

Zugespitzt auf die Themen „Smart Health“ und „Smart Mobility“ fasst der Bericht Erkenntnisse aus vielen Expertenrunden des DIVSI-Forschungsprojekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ zusammen. Er liefert Argumente für eine gesellschaftliche Debatte und wägt dabei Chancen und Risiken ab.

Recht Auf VergessenwerdenDas Recht auf Vergessenwerden (2015)

Die Entscheidung des EuGH zum „Recht auf Vergessenwerden“ lässt Fragen unbeantwortet, die im Spannungsfeld zwischen Persönlichkeitsrechten, Datenschutz und dem Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit liegen. Dieser komplexen Problematik widmet sich diese Publikation und formuliert schließlich konkrete Empfehlungen für einen „Lösch-Kodex“.

DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie?DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie? (2015)

Was ist Beteiligung im Internet eigentlich genau? Wie und weshalb bringen Internetnutzer sich ein? Die zweite Studie im Rahmen des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Netz“ untersucht Formen, Vorteile und Hürden der Beteiligung im Internet aus Sicht der DIVSI Internet- Milieus. In der qualitativen Untersuchung kommen dabei die Internetnutzer selbst zu Wort.

DIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen WeltDIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen Welt (2015)

Wann und wie kommen Kinder mit digitalen Medien und dem Internet in Berührung? Welche Bedeutung messen Eltern, Erzieher und Lehrer dem Internet für die Zukunft der Kinder bei? Welche Chancen und Risiken werden wahrgenommen, wer trägt die Verantwortung? Die Studie hat Kinder zwischen 3 und 8 Jahren im Blick und lässt sie auch selbst zu Wort kommen.

Daten Ware und WährungDIVSI Studie – Daten: Ware und Währung (2014)

In einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung untersucht DIVSI das Online-Nutzungs- und -Konsumverhalten in Deutschland. Im Fokus stehen Einstellungen der Internetnutzer zu Themen der Datensicherheit sowie Weiterverwendung von persönlichen Daten.

DIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit SmartphonesDIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit Smartphones (2014)

Durch Smartphones sind Menschen heute nahezu ununterbrochen über das Internet miteinander verbunden. Mit steigendem Nutzungsumfang fällt dabei eine Vielzahl von Daten an. Unter der Leitfrage „Was geschieht mit meinen Daten?“ war es Ziel der Studie, das Bewusstsein der Nutzer dafür zu schärfen, welche Daten auf dem Smartphone sein können, welche Möglichkeiten der Einsichtnahme und Einflussnahme sie bei unterschiedlichen mobilen Betriebssystemen haben.

Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex? (2014)

Mit dem Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ lotet DIVSI aus, ob ein Digitaler Kodex ein geeignetes Mittel ist, verbindliche Regeln im Internet auszuhandeln und durchzusetzen. Der Projektbericht steuert nicht nur zu diesem Gedanken Anregungen bei. Er bietet darüber hinaus generelle Anstöße, über die nachzudenken lohnt.

DIVSI Studie Beteiligung InternetDIVSI Studie zu Bereichen und Formen der Beteiligung im Internet (2014)

Das DIVSI-Forschungsprogramm „Beteiligung im Netz“ leistet auf einer breiten theoretischen und empirischen Basis einen Beitrag zum öffentlichen Verständnis der Beteiligungschancen des Internets – und ihrer Voraussetzungen. Die Studie präsentiert einen ersten Schritt in diesem Vorhaben und verschafft einen Überblick über den heutigen Stand der Forschung.

DIVSI U25-StudieDIVSI U25-Studie (2014/2018)

Die DIVSI U25-Studie liefert erstmals fundierte Antworten auf Fragen, die das Verhalten der nachwachsenden Generation im Hinblick auf das Netz betreffen. Über die Nutzungsformen hinaus werden auch die Denk- und Handlungslogiken sowie der lebensweltliche Hintergrund untersucht. Die Nachfolge-Studie wurde gerade vorgestellt.

DIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im InternetDIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im Internet (2013)

Wie sicher fühlen sich die Deutschen im Internet? Wie viel Freiheit und Selbstbestimmung wollen sie? Nach wie viel Regulierung wird verlangt? Die Studie zeigt ein detailliertes Bild des Nutzungsverhaltens der Deutschen im Internet und ihrer Wahrnehmung von Chancen und Risiken.

Entscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im InternetEntscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2013)

Wie denken Entscheider über das Internet? Welchen Akteuren schreiben sie welche Verantwortung und welche Einflussmöglichkeiten zu? Was sagen sie zu Sicherheits- und Freiheitsbedürfnissen? Die Studie verdeutlicht erstmals, wie diejenigen über das Internet denken, die wesentlich die Spielregeln gestalten und Meinungsbilder prägen.

Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“ (2012)

Wie gut kennen sich Meinungsführer im Netz aus? Wie schätzen sie ihre Einflussmöglichkeiten ein? Welche Chancen, Konfliktfelder und Risiken erwachsen daraus? In persönlichen Gesprächen wurden führende Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden interviewt.

Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet + AktualisierungMilieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2012) + Aktualisierung (2013)

Die Milieu-Studie differenziert erstmals unterschiedliche Zugangsweisen zum Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet in Deutschland, basierend auf einer bevölkerungsrepräsentativen Typologie.

The post Studien & Themen, die Zeichen setzten appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/feed/ 0
DIVSI Schirmherr Joachim Gauck: Die Schutzpflicht des Staates ist gefordert, um die Rechte des Bürgers zu verteidigen https://www.divsi.de/divsi-schirmherr-joachim-gauck-die-schutzpflicht-des-staates-ist-gefordert-um-die-rechte-des-buergers-zu-verteidigen/ https://www.divsi.de/divsi-schirmherr-joachim-gauck-die-schutzpflicht-des-staates-ist-gefordert-um-die-rechte-des-buergers-zu-verteidigen/#respond Mon, 06 Aug 2018 08:25:18 +0000 https://www.divsi.de/?p=18252 Stiftungsprofessur Cyber Trust offiziell vorgestellt. Festliche Veranstaltung in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Von Jürgen Selonke Im Rahmen eines wissenschaftlichen Kolloquiums und einer festlichen Abendveranstaltung wurde die Stiftungsprofessur Cyber Trust für die Technische Universität München, vergeben an Jens Großklags, offiziell vorgestellt. Hausherr Prof. Dr. Thomas O. Höllmann begrüßte dabei in den Räumlichkeiten der Bayerischen Akademie […]

The post DIVSI Schirmherr Joachim Gauck: Die Schutzpflicht des Staates ist gefordert, um die Rechte des Bürgers zu verteidigen appeared first on DIVSI.

]]>
Die Schutzpflicht des Staates ist gefordert

Foto: Frank Röthel – facesbyfrank.com

Stiftungsprofessur Cyber Trust offiziell vorgestellt. Festliche Veranstaltung in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Von Jürgen Selonke

Im Rahmen eines wissenschaftlichen Kolloquiums und einer festlichen Abendveranstaltung wurde die Stiftungsprofessur Cyber Trust für die Technische Universität München, vergeben an Jens Großklags, offiziell vorgestellt. Hausherr Prof. Dr. Thomas O. Höllmann begrüßte dabei in den Räumlichkeiten der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die Teilnehmer und Gäste aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens zum TUM–DIVSI Forum Cyber Trust „Vertrauen und Sicherheit – existenzielle Bedürfnisse im digitalen Zeitalter”.

In seinen Grußworten erinnerte Dr. Hans Pongratz, CIO der TU München und geschäftsführender Vizepräsident für IT-Systeme & Dienstleistungen, bedauernd daran, dass die E-Mail 30 Jahre alt sei, wir es aber noch immer nicht schafften, verschlüsselt zu kommunizieren. Mit Blick auf das Urheberrecht stellte er fest, dass unterschiedliche Regelungen zu Geofencing und dadurch zu einer Art Zensur führten.

Prof. Dr. Hans-Joachim Bungartz, Dekan der Fakultät für Informatik an der Technischen Universität München, betonte: „Informatik ist nicht alles, aber ohne Informatik ist inzwischen alles nichts.” Mit Blick auf die neue Stiftungsprofessur stellte er fest, das Cyber Trust eine „eminent wichtige Brücke zwischen Technologie, Gesellschaft und Politik” darstelle: „Es steht für eine breite Öffnung der Informatik. Vertrauen ist wichtig in unserem Wertegerüst, weil wir ohne nicht existieren können.“

Zu den Referenten im Rahmen des wissenschaftlichen Kolloquiums gehörte auch Joanna Schmölz, Vize-Direktorin des DIVSI. Sie sprach zum Thema „Zwischen Anthropozän und Technozän – Selbstbestimmtes Leben im Zeitalter von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz?“. Prof. Dr. Christian Pieter Hoffmann, Professur für Kommunikationsmanagement der Universität Leipzig, informierte über „Beteiligung im Internet“.

Facebook-Skandal

Im Mittelpunkt der festlichen Abendveranstaltung stand die Rede von Bundespräsident a. D. und DIVSI-Schirmherr Joachim Gauck. In seinem leidenschaftlich vorgetragenen Statement bedauerte er ausdrücklich, dass zu den täglichen Bad News über Kriege oder Terroranschläge in letzter Zeit zunehmend Bad News aus der digitalen Welt kommen: „Über Skandale ausgerechnet aus jener Technik, die doch eigentlich angetreten war, um der Menschheit mehr Freiheit und mehr Teilhabe zu schenken. Und von der die Welt zweifellos auch ungeheuer profitiert hat.”

Nachdrücklich verurteilte Gauck jede durch den Staat betriebene politische Zensur im Bereich der Sozialen Medien. Mit Blick auf den Skandal um Cambridge Analytica, der – so der DIVSI-Schirmherr – „gleichzeitig ein Skandal um Facebook ist”, prangerte er an: „Da wurden millionenfach Daten von Personen ausgewertet, die niemals ihre Zustimmung dazu gegeben hatten. Da wurden Informationen von einer Institution genutzt, die niemals dazu befugt worden war. Da glaubte sich Facebook frei von jeder Verantwortung für das, was mit seinen Daten geschah. Selbst Nutzer, die bisher freimütig bekannten, dass sie den Einblick in ihre Daten nicht fürchten, weil sie nichts zu verbergen hätten, waren plötzlich aufgeschreckt aufgrund des Umfangs der Abschöpfung und der sichtbar gewordenen Möglichkeiten der Manipulation.”

Datenmissbrauch

Dabei betonte er jedoch auch: „Was die Öffentlichkeit augenblicklich im Westen bei den Sozialen Medien am meisten aufregt, ist allerdings der Missbrauch von Daten, vor dem uns der Staat schützen soll. Wir haben es also nicht mit der klassischen Konstellation zu tun, in der ein Bürger seine Rechte gegenüber dem Staat verteidigt. Vielmehr ist die Schutzpflicht des Staates gefordert, um die Rechte des Bürgers zu verteidigen.”

Der Staat müsse sich schützend vor seine Bürger stellen, ihnen mit Gesetzen und Verordnungen die Entscheidung über den Umgang mit ihren Daten sichern und so das Recht auf informationelle Selbstbestimmung garantieren. Europa habe bereits vor dem augenblicklichen Facebook-Skandal entsprechende Maßnahmen auf den Weg gebracht. In diesem Zusammenhang betonte Joachim Gauck die Bedeutung der ePrivacy- Richtlinie und die EU-Datenschutz-Grundverordnung.

Der DIVSI-Schirmherr: „Manche halten die neue Verordnung zwar für überzogen, weil sie den Unternehmen zahlreiche und strenge Informationspflichten auferlegt, die nur mit großem finanziellen Aufwand zu implementieren sind und die – so die Kritiker – den kleinen Mittelständler weit schärfer treffen als die Monopolisten aus den USA.”

Druckmittel

Für Internet-Nutzer aber dürfte die Datenschutz-Grundverordnung eine positive Zäsur bilden, da sie bei der Verarbeitung von Daten ihre ausdrückliche Einwilligung voraussetze. Gauck: „Unternehmen, die der Regelung zuwiderhandeln, können mit Bußgeldern bis zu vier Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes bestraft werden – eine Strafandrohung, die selbst für Plattformen wie Facebook nicht aus der Portokasse zu bezahlen ist.”

Dabei beinhalte der augenblickliche Skandal auch etwas Gutes. Er habe bewusst gemacht, dass es an uns liegt – an Gesellschaft und Politik in Deutschland und in Europa –, wie weitgehend man weiterhin dem Hausrecht von Google, Apple, Facebook und Amazon folgen wolle. Auf eine freiwillige Selbstkorrektur der digitalen Giganten sei kein Verlass.

Joachim Gauck: „Es liegt an uns, ob wir ihnen weiterhin ein Geschäftsmodell erlauben, in dem unsere Daten wie Kapital eingesetzt werden, mit dem sich Mehrwert schaffen lässt – oder aber ob wir selbst zu souveränen Verwaltern unserer Daten werden. Wir sollten dabei nicht vergessen, dass wir keineswegs hilflos sind, denn immerhin können wir einen Absatzmarkt von 500 Millionen Einwohnern als ein gewisses Druckmittel einsetzen.”

Im Rückblick erscheine es erschreckend und erschreckend naiv, wie lange Soziale Medien fast außerhalb jeglicher Kontrolle und ohne massiven Widerspruch durch Nutzer und Politik agieren konnten – und können. Joachim Gauck: „Wir wissen es zwar alle von Anfang an: Auch das Individuum trägt Verantwortung für seine Daten. Doch selbst die letzten Wochen haben gezeigt: Obwohl die Nutzer wissen, dass sie immer noch keine oder nur wenig Kontrolle über ihren digitalen Zwilling haben, wollen sie auf Facebook nicht verzichten. Insofern denke ich, es wäre realitätsfremd und wenig Erfolg versprechend, wollte man sie dazu auffordern, ihr Konto zu löschen, wie es einige bekannte Größen wie Elon Musk mit großem medialen Echo getan haben. Analysten sagen sogar umgekehrt ein weiteres Wachstum von Facebook voraus.”

Echokammer

Bedenken äußerte der frühere Bundespräsident im Hinblick darauf, dass Soziale Netzwerke so manchen bereits süchtig gemacht hätten. Gauck: „Angeblich 88-mal schaut der Mensch in Deutschland durchschnittlich am Tag auf sein Handy. Je öfter und je länger, desto besser für die Plattformbetreiber, um Werbung für ihn zu platzieren. Wir wissen ferner, dass Soziale Medien die sozialen Kontakte in der wirklichen Welt verringern, Nutzer in Echokammern hineinlocken und sie in quasi geschlossenen Welten anfällig werden lassen für Manipulationen, Desinformation und Verschwörungstheorien.”

Manchmal sehe er uns als Nachfahren des Zauberlehrlings, der den Besen losschickte, um Wasser vom Fluss zu holen. Der dann jedoch das Zauberwort vergaß, um den Besen zu stoppen, und deshalb von den Wassermengen überspült zu werden drohte. ,,Herr, die Not ist groß!”, rief Goethes Zauberlehrling. ,,Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los!”

Joachim Gauck: „Goethe gönnte seinem Zauberlehrling noch einen Herren und Meister, der das Chaos wieder richtete. Wir können heute nur an uns selbst appellieren, die Geister, die wir riefen, in die Beherrschbarkeit zurückzuführen.”

Zitat DIVSI-Schirmherr Joachim-Gauck

Foto: Frank Röthel – facesbyfrank.com

Am Ende ein Juwel gefunden

Der frühere Bundespräsident begrüßte es außerordentlich, dass die Deutsche Post über DIVSI an der Technischen Universität München eine Professur für Cyber Trust gestiftet hat. Joachim Gauck: „Die interdisziplinäre Erforschung von Risiken und Chancen des Netzes ist ein Gebot der Stunde. Anhand der Themen der Seminare, die nun schon im zweiten Semester stattfinden, konnte ich erkennen, wie weit das Feld ist, das bearbeitet wird. Vom Schutz der Privatsphäre über Sicherheit im Netz. Wir brauchen hervorragend und interdisziplinär ausgebildete Spezialisten mit Informatik als Basis, die nicht mehr in die USA auswandern, um ihrem Forscherdrang nachzugehen. Wir brauchen Sie hier!”

Er sei überzeugt, dass kein Ort zur Ausbildung dieser neuen IT-Generation besser geeignet sei als die Technische Universität München, die sich seit 150 Jahren darum bemühe, Studierende auf ihrem Weg in unbekanntes Terrain zu begleiten. Gauck: „Eine Universität, deren Fakultäten Spitzenleistungen hervorbringen und international und interdisziplinär vernetzt sind. Und die die Ergebnisse der Wissenschaft rückkoppeln in Gesellschaft und Politik. Es ist mir ein Anliegen, der gesamten Universität für ihre herausragenden Leistungen zu danken und zu ihrer Rolle und zu ihren Erfolgen zu gratulieren! Die Professur für Cyber Trust ist eben hier gut aufgehoben.”

Und mit einer direkten Ansprache an den Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Jens Großklags schloss der frühere Bundespräsident: „Nutzen Sie das inspirierende Umfeld, um Ihren großen Herausforderungen gerecht zu werden!”

DIVSI-Direktor Matthias Kammer begrüßte es, dass der Weg der Zusammenarbeit im Rahmen der Stiftungsprofessur in „Richtung Technische Universität München“ gegangen worden sei. Für ihn sei es eine ganz besondere Erfahrung gewesen, bei der nicht einfachen Suche nach einem qualitativ herausragenden Professor dabei gewesen zu sein. Er freute sich außerordentlich, dass am Ende mit Jens Großklags ein „Juwel“ gefunden wurde.

Ausdrücklich beglückwünschte er die Fakultät zu dieser interdisziplinären Erweiterung. Kammer: „Es sind die Absolventen solcher Fakultäten, die unsere Welt künftig prägen.“

Am Ende ein Juwel gefunden

Joachim Gauck und Matthias Kammer zur Übergabe der Stiftungsprofessur.

Der frühere Bundespräsident begrüßte es außerordentlich, dass die Deutsche Post über DIVSI an der Technischen Universität München eine Professur für Cyber Trust gestiftet hat. Joachim Gauck: „Die interdisziplinäre Erforschung von Risiken und Chancen des Netzes ist ein Gebot der Stunde. Anhand der Themen der Seminare, die nun schon im zweiten Semester stattfinden, konnte ich erkennen, wie weit das Feld ist, das bearbeitet wird. Vom Schutz der Privatsphäre über Sicherheit im Netz. Wir brauchen hervorragend und interdisziplinär ausgebildete Spezialisten mit Informatik als Basis, die nicht mehr in die USA auswandern, um ihrem Forscherdrang nachzugehen. Wir brauchen Sie hier!”

Er sei überzeugt, dass kein Ort zur Ausbildung dieser neuen IT-Generation besser geeignet sei als die Technische Universität München, die sich seit 150 Jahren darum bemühe, Studierende auf ihrem Weg in unbekanntes Terrain zu begleiten. Gauck: „Eine Universität, deren Fakultäten Spitzenleistungen hervorbringen und international und interdisziplinär vernetzt sind. Und die die Ergebnisse der Wissenschaft rückkoppeln in Gesellschaft und Politik. Es ist mir ein Anliegen, der gesamten Universität für ihre herausragenden Leistungen zu danken und zu ihrer Rolle und zu ihren Erfolgen zu gratulieren! Die Professur für Cyber Trust ist eben hier gut aufgehoben.”

Und mit einer direkten Ansprache an den Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Jens Großklags schloss der frühere Bundespräsident: „Nutzen Sie das inspirierende Umfeld, um Ihren großen Herausforderungen gerecht zu werden!”

DIVSI-Direktor Matthias Kammer begrüßte es, dass der Weg der Zusammenarbeit im Rahmen der Stiftungsprofessur in „Richtung Technische Universität München“ gegangen worden sei. Für ihn sei es eine ganz besondere Erfahrung gewesen, bei der nicht einfachen Suche nach einem qualitativ herausragenden Professor dabei gewesen zu sein. Er freute sich außerordentlich, dass am Ende mit Jens Großklags ein „Juwel“ gefunden wurde.

Ausdrücklich beglückwünschte er die Fakultät zu dieser interdisziplinären Erweiterung. Kammer: „Es sind die Absolventen solcher Fakultäten, die unsere Welt künftig prägen.“

The post DIVSI Schirmherr Joachim Gauck: Die Schutzpflicht des Staates ist gefordert, um die Rechte des Bürgers zu verteidigen appeared first on DIVSI.

]]> https://www.divsi.de/divsi-schirmherr-joachim-gauck-die-schutzpflicht-des-staates-ist-gefordert-um-die-rechte-des-buergers-zu-verteidigen/feed/ 0 Das Internet gestalten – die große Chance in freien Gesellschaften https://www.divsi.de/das-internet-gestalten-die-grosse-chance-in-freien-gesellschaften/ https://www.divsi.de/das-internet-gestalten-die-grosse-chance-in-freien-gesellschaften/#respond Fri, 29 Jun 2018 08:21:53 +0000 https://www.divsi.de/?p=18254 DIVSI-Bucerius Forum 2018: Zweitägiges Treffen hochkarätiger Experten in der Hamburger Law School vor voll besetzten Zuhörerreihen. Von Michael Schneider Zum vierten Mal luden DIVSI und die Hamburger Bucerius Law School gemeinsam zum Austausch über Themen des digitalen Zeitalters ein. Thema des Forums 2018: „Wer regiert das Internet? Macht – Kontrolle – Verantwortung“. Prof. Dr. Katharina […]

The post Das Internet gestalten – die große Chance in freien Gesellschaften appeared first on DIVSI.

]]>
Das Internet gestalten - die große Chance in freien Gesellschaften

Foto: Kerstin Lakeberg

DIVSI-Bucerius Forum 2018: Zweitägiges Treffen hochkarätiger Experten in der Hamburger Law School vor voll besetzten Zuhörerreihen.

Von Michael Schneider

Zum vierten Mal luden DIVSI und die Hamburger Bucerius Law School gemeinsam zum Austausch über Themen des digitalen Zeitalters ein. Thema des Forums 2018: „Wer regiert das Internet? Macht – Kontrolle – Verantwortung“.

Prof. Dr. Katharina Boele-Woelki, Präsidentin der Law School, unterstrich bei dieser Gelegenheit die gemeinsame „sehr erfolgreiche Kooperation“, die man künftig „gern fortsetzen möchte“. DIVSI-Direktor Matthias Kammer betonte in seinen Grußworten: „Wir bemühen uns, Themen zu finden und anzubieten, über die in unserer Gesellschaft diskutiert wird oder diskutiert werden sollte.“ Angesichts eines voll besetzten Zuhörerraums konnte er dann den Erfolg des Konzepts konstatieren: „Um unsere Zusammenarbeit herum hat sich eine interessierte Familie gebildet.“

Aufklärung

Mit Blick auf den Arbeitstitel des Forums „Wer regiert das Internet?“ stellte Bundespräsident a. D. Joachim Gauck fest: „Aufklärung tut not.“ Der DIVSI-Schirmherr weiter: „In Bezug auf mögliche Gefahren oder rechtsfreie Räume im Internet stoße ich immer noch auf erstaunlich viel Unkenntnis, Interesselosigkeit oder auch Abwehr – in der Politik ebenso wie in der Gesellschaft, obwohl das Internet wesentlich über die wirtschaftliche und politische Macht von Staaten entscheiden wird.“

Joachim Gauck nahm in diesem Zusammenhang Bezug auf zwei aktuelle Ereignisse. Er sprach von „Unkenntnis und Inkompetenz, die manche Politiker bei der Befragung von Mark Zuckerberg vor dem amerikanischen Senat enthüllten.“ Und er beklagte: „Erstaunlich, dass ein Großteil der Betroffenen die Bestimmungen der neuen Datenschutz-Grundverordnung nicht rechtzeitig implementiert hat, obwohl zwei Jahre Zeit dafür gewesen wären.“

Grußwort des DIVSI-Schirmherrn Joachim Gauck

Mit Bedauern konstatierte Gauck: „Noch sind wir ganz offenkundig nicht so weit, dass der Bürger die Frage, wer im Internet regiert, nicht einer naturwüchsigen Entwicklung überlässt, sondern selbst beantworten will – in allen Bereichen, und bewusst, und zum Nutzen der Menschheit.“

Es dürfe nicht sein, dass sich im Internet Giganten entwickeln, die Kartellbehörden in der realen Wirtschaft längst zerschlagen hätten, oder dass man mit persönlichen Daten einen schwunghaften Handel betreibe. Was augenblicklich mit der DSGVO geschehe, sei aber eine optimistisch stimmende Erfahrung. Gauck: „Selbst Giganten wie Facebook und Amazon können nur so lange und so ausufernd die Bedingungen im Internet diktieren, wie wir, die Gesellschaften, sie gewähren lassen. Wir sind nicht hilflose Opfer technischer Entwicklungen und gewinnorientierter Unternehmer, sondern wir können ihrem Agieren Grenzen aufzeigen. Auch das Internet in einem emanzipatorischen Sinn zu gestalten, das ist – im Unterschied etwa zu China und Russland – die große Chance in freien Gesellschaften.“

Prof. Dr. Claudia Eckert (TU München) eröffnete den Referatsreigen der Experten. Sie erklärte umfassend, präzise und für jeden nachvollziehbar grundlegende technische Infrastrukturen des Internets. Und sie beantwortete die Kernfrage des Forums so: „Niemand regiert das Internet. Und das ist gut so. Wir sollten alles tun, damit das so bleibt.“ Gleichzeitig unterstrich sie die Bedeutung eines verschlüsselten Datenverkehrs.

In ihrem Fazit verwies sie auch auf die Stärken des Internets („Ein Netz von Netzen“):

  • Es gibt keine Kontrolle durch Einzelne.
  • Es ist offen, unabhängig und von keiner Organisation kontrolliert.
  • Es ist dezentral, robust, global: Staatliche Einflüsse sind begrenzt.

Keynote von Prof. Dr. Claudia Eckert
Das Internet: Technische Infrastruktur für das digitale Zeitalter – Funktionsweise, Gestaltungs- und Kontrollmöglichkeiten

Prof. Dr. Sebastian Heilmann (Institut für China-Studien, MERICS, Berlin) informierte über „Den chinesischen Weg – Digitale Totalkontrolle und internationale Standardsetzung“. Gegenüber unseren westlichen Verhältnissen sei es ein „völlig anderes Konzept“, das China verfolge: „Ein radikal anderes Denken.“ Und er machte nachdrücklich klar: „Es ist überraschend, wie weit die sind.“

Mit Blick auf die Zukunft schloss Prof. Heilmann nicht aus, dass man dort auch daran arbeiten könne, das chinesische Politbüro durch Künstliche Intelligenz zu ersetzen. Die offiziellen politischen Ziele für Chinas digitale Transformation umriss er so: Man wolle eine Cyber-Supermacht werden, die Durchsetzung nationaler Souveränität und Sicherheit im Cyberspace vorantreiben, staatliche Cloud-Zentren als Daten-Superhubs einrichten sowie eine politisch machtvolle Cyberspace-Administration schaffen.

Bereits jetzt sei die permanente visuelle Überwachung des öffentlichen Raums für uns kaum vorstellbar weit gediehen. So erhielten beispielsweise registrierte Verkehrssünder unmittelbar nach ihrem Vergehen einen Strafzettel aufs Handy geschickt. Wobei Sebastian Heilmann nachdrücklich kritisierte, dass die Bürger „keinerlei Datenschutz gegenüber staatlichen Stellen“ hätten. Und es bestehe ein disruptiver Anspruch: Behebung der Defizite von traditionellen Rechtssystemen in der Verhaltenssteuerung. Das Fazit des Experten im Vergleich zwischen China und uns: „Wir werden verlieren.“

Rivale

Mit Blick auf die Rolle der USA stellte Dr. Josef Braml, Experte für transatlantische Beziehungen, fest, dass aus dortiger Sicht „Europa ein Rivale“ geworden sei. Gleichzeitig sah er die Chinesen als „massive Bedrohung für die USA“.

Keynote von Dr. Josef Braml
Wer beherrscht das Internet? – Die Rolle der USA

In der von DIVSI-Direktor Matthias Kammer moderierten Diskussionsrunde waren mahnende Töne nicht zu überhören. Dabei stellte Hamburgs oberster Datenschützer Prof. Dr. Johannes Caspar nachdrücklich fest: „Im Westen ist Chinas Weg keine Alternative.“ Dr. Nadine Godehardt von der Forschungsgruppe Asien der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) betonte, dass wir „China und chinesische Unternehmen immer mitdenken“ müssten. Eine Diskussion über Systemunterschiede bringe nichts: „Die chinesischen Akteure sind hier längst aktiv.“

Podiumsdiskussion: Wer regiert das Internet?
Prof. Dr. Johannes Caspar, Saskia Esken, Daniel Lachmann, Janwillem van de Loo, Dr. Nadine Godehardt

Super-Power

Diesen Punkt stellte auch Unternehmer und China-Experte Daniel Lachmann heraus: „Die Chinesen sind in Europa schon da. Aber noch haben sie damit zu tun, ihre eigene Infrastruktur aufzusetzen.“ Die Kernfrage des Forums beantwortete er so: „Den digitalen Raum beherrscht, wer ihn sich nimmt.“ Jeder Bürger müsse sich selbst damit auseinandersetzen, was das für eine Zukunft ist, auf die wir zusteuern. Janwillem van de Loo verwies in diesem Kontext auf eigene Internet-Erklär-Videos, die für jeden verständlich technische Fragen beantworten und so mithelfen, für mehr Klarheit im digitalen Raum zu sorgen (internetkontrolle.blogs.uni-hamburg.de/videos).

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken (Mitglied u.a. im Ausschuss Digitale Agenda) machte nachdrücklich klar, dass „niemand allein das Internet beherrschen“ solle. Wir müssten Vertrauen in unsere Regulierungsmöglichkeiten haben. Die DSGVO sei ein richtiger Schritt. Das unterstrich auch Datenschützer Prof. Caspar: „Die Instrumente sind schärfer geworden.“ Jetzt ginge es darum, das Ganze mit Leben zu füllen.

Zukunftsblick

Wie könnte unsere digitale Welt in zehn Jahren aussehen? Daniel Lachmann: „China wird dann eine Super-Power sein, die Hosen anhaben. Darauf muss man sich einstellen.“ Deutschland dagegen habe ein Innovationsproblem, dieses Thema müsse man angehen. Lachmann: „Unternehmer müssen schneller, besser, innovativer werden.“ Auch Saskia Esken bedauerte: „Die Veränderungsbereitschaft in Deutschland ist nicht so groß.“ Die Politik müsse Forschung und Entwicklung immer wieder auf den neuesten Stand bringen.“

Das DIVSI-Bucerius Forum 2018: zwei mit Informationen und Anregungen gespickte Tage, geprägt von Experten, verständlich auch für Laien. DIVSI-Schirmherr Joachim Gauck: „Fragen über Fragen, wer welche Macht im Internet besitzt und wer sie auf welche Weise besitzen oder entrissen bekommen sollte. Kernfragen unserer Zukunft, komplex und verwirrend, über die sich zunächst Fachleute wie hier auf dem DIVSI-Bucerius Forum beugen müssen, damit Antworten gefunden werden, die für uns Internet-Laien verständlich sind. Erst wenn wir Bürger annähernd erkennen, was im virtuellen Raum geschieht und geschehen kann, werden wir imstande sein, wenigstens annähernd sachgerechte Entscheidungen darüber zu treffen, wie Macht im Internet aussehen soll.“

Weitere Mitschnitte

Vortrag von Prof. Dr. Jens Großklags
Privatheit und Sicherheit im Internet für den Einzelnen und sein Netzwerk

Vortrag von Prof. Dr. Judith Simon
Ein philosophischer Blick auf Vertrauen, Vertrauenswürdigkeit und Verantwortung im Internet

Vortrag von Prof. Dr. Peter Paryceck
Vertrauen und Verantwortung in Zeiten von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz

Vortrag von Prof. Dr. Ralf Dewenter
Regulierungsoptionen im Internet – Möglichkeiten und Grenzen

The post Das Internet gestalten – die große Chance in freien Gesellschaften appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/das-internet-gestalten-die-grosse-chance-in-freien-gesellschaften/feed/ 0
Gedanken des neuen DIVSI-Schirmherrn Joachim Gauck: „Ich denke, es gilt eine Balance zu finden!“ https://www.divsi.de/gedanken-des-neuen-divsi-schirmherrn-joachim-gauck-ich-denke-es-gilt-eine-balance-zu-finden/ https://www.divsi.de/gedanken-des-neuen-divsi-schirmherrn-joachim-gauck-ich-denke-es-gilt-eine-balance-zu-finden/#respond Mon, 06 Nov 2017 17:38:36 +0000 http://46.30.3.106/?p=16459 Kritische, optimistische und mahnende Gedanken in seiner ersten Rede. Joachim Gauck ist (wieder) Schirmherr des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Er hatte dieses Amt bereits unmittelbar nach Gründung des Instituts 2011 inne und legte es nach seiner Wahl zum elften Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland nieder. Er folgt jetzt auf den im […]

The post Gedanken des neuen DIVSI-Schirmherrn Joachim Gauck: „Ich denke, es gilt eine Balance zu finden!“ appeared first on DIVSI.

]]>
„Ich denke, es gilt eine Balance zu finden!“

Foto: Marius Schwarz | DIVSI

Kritische, optimistische und mahnende Gedanken in seiner ersten Rede.

Joachim Gauck ist (wieder) Schirmherr des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Er hatte dieses Amt bereits unmittelbar nach Gründung des Instituts 2011 inne und legte es nach seiner Wahl zum elften Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland nieder. Er folgt jetzt auf den im Januar verstorbenen Altbundespräsidenten Prof. Dr. Roman Herzog. Zu einer Festveranstaltung im Rahmen der Übernahme der Schirmherrschaft hatte DIVSI in die französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin eingeladen.

DIVSI-Direktor Matthias Kammer wertete bei seiner Begrüßung dies als einen „wunderbaren Tag, einen Tag der Freude“, und sagte: „Wir sind stolz darauf, dass wir ab heute mit dem neuen Schirmherrn zusammenarbeiten dürfen. Wir freuen uns auf die Mitwirkung von Joachim Gauck. Gerade auch seine internationale Erfahrung ist wichtig für uns.“

In seiner ersten Rede als neuer Schirmherr spannte Joachim Gauck einen weiten Bogen (hier Auszüge). Er sprach u.a. über:

Veränderungen.

… Schon vor mehreren Jahren habe ich öffentlich darüber gesprochen, dass die digitale Revolution unsere gesamte Lebens- und Arbeitswelt unwiderruflich verändern wird, auch das Verhältnis der Bürger zum Staat und selbst unser Bild vom Menschen – und dass uns eine menschenwürdige Gestaltung gelingen muss und wird. Aber wenn ich die Vor- und Nachteile der Entwicklung ganz tief in meinem Innern abwog, konnte ich ein gewissen Unbehagen nie ganz abschütteln: Wohin wird uns die Entwicklung führen?…

Anschub.

… Gastgeber Estland setzte die Digitalisierung Ende September 2017 sogar auf die Tagesordnung des Treffens der EU-Staatschefs. Denn der estnische Premierminister Juri Ratas ist gemeinsam mit seinen Landsleuten überzeugt:
„Von der digitalen Lebensweise ist sehr viel zu erwarten, wenn wir sie auf die richtige Weise anschieben.“ …

Haltungen.

… Das habe ich am Beispiel Estland gelernt: Wir dürfen uns von den Entwicklungen nicht überrollen lassen. Sie sind Menschenwerk und müssen von Menschen gestaltet werden. Ich möchte also über Haltungen sprechen. Über Haltungen im Umgang mit einer Entwicklung, die große Chancen verspricht, aber auch mit großen Risiken behaftet ist.

Die Esten wissen, und – mehr noch – sie akzeptieren: Die Zukunft wird digital. Sie schafft im Leben eines jeden Einzelnen viele Erleichterungen und Verbesserungen, ist aber auch nicht unbedenklich und ungefährlich. Aber nur wer imstande ist, die neue Technik zu beherrschen und zu entwickeln, wird ihre Unzulänglichkeiten – weitgehend – beseitigen, Gefahren – weitgehend – erkennen und Risiken mindern können. Derjenige hingegen, der aus Ängstlichkeit vor ihren Schwachstellen die Finger von ihr lässt, wird zwangsläufg zum Getriebenen, zum Abgehängten und zum Opfer ihrer dunklen Seiten …

Bedenken.

… wie die neueste Studie von DIVSI zeigt, wissen inzwischen erstaunlich viele Menschen die Erleichterungen und Vorteile für sich persönlich und für unser Land zu schätzen … Gleichzeitig … stehen Datenschutz- und Sicherheitsbedenken einer breiteren Akzeptanz der digitalen Technologie oft noch im Wege…

Heuchelei.

…Einerseits verstehe ich die Angst vor Verletzung der Privatheit gerade in einer Nation, in der Überwachung zwei Mal als Werkzeug illegitimer Herrschaft über das Volk genutzt wurde … Aber der Verweis auf Stasi und Gestapo bzw. die Assoziation mit dem Roman „1984“ ist in der Regel falsch. Ja, es gibt Fälle, in denen der Staat jemanden überwacht und ausspäht. Die Internetkonzerne hingegen hacken sich nicht ein und hören uns nicht gezielt ab. Sie sammeln einfach ein, was ihnen freiwillig angeboten wird.

Deshalb erscheint mir der Umgang mit Datenschutz und Internetsicherheit in Deutschland nicht frei von Heuchelei. Teile von Medien und Politik protestieren zwar regelmäßig, wenn die Privatheit verletzt wird oder verletzt zu werden droht. Doch wie authentisch ist diese Empörung, wenn sich bei DIVSI-Studien herausstellt, dass sehr vielen Nutzern eine leichte Bedienung der Netzanwendungen im Zweifel wichtiger ist als die Garantie geschützter Daten? …

Balance.

… Die Wahrheit über unseren Umgang mit dem Internet dürfte in der Regel ganz banal lauten: Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit sind einer Mehrheit wichtiger als Sicherheit…Ich denke, es gilt eine Balance zu finden. Ich misstraue sowohl denen, die Sicherheitsbedenken davon abhalten, sich der digitalen Entwicklung wirklich zu öffnen. Ich misstraue aber auch jenen, die allein die Technologie im Auge haben, sich um ihre gesellschaftlichen Auswirkungen aber nichtkümmern…

Sicherheit.

…Aber wir sind nicht hilflos. Sicherheit in der digitalen Welt kostet Geld und Zeit, aber sie lohnt sich … Ich denke, dies zu vermitteln ist eine wichtige Aufgabe der nächsten Zeit. Alle, die im Internet agieren, haben zur Sicherheit des Netzes beizutragen …

Unsicherheit.

…Was den Umgang mit der digitalen Technologie meines Erachtens generell schwierig macht, ist ihre Ambivalenz … Denn Umgang mit Ambivalenzen fällt dem Menschen schwer. 31 Prozent der Internetnutzer und sogar 46 Prozent der Nicht-Internetnutzer haben bei DIVSI-Umfragen vom Sommer diesen Jahres angegeben, sich durch die Digitalisierung verunsichert zu fühlen. Und Unsicherheit oder sogar Angst lähmen, sie fördern Fluchttendenzen und hindern oder verzögern Aktivitäten zur Problemlösung.

Das betrifft insbesondere das Nachdenken über die mittel- und längerfristigen Folgen der rasanten Entwicklung. Haben wir uns beispielsweise schon ausreichend damit auseinandergesetzt, wie der Einzelne es lernen kann, in den zahlenmäßig unübersehbaren Möglichkeiten der digitalen Sphäre nicht zu ertrinken? …

Veränderung.

…Sollten wir nicht auch viel stärker darüber nachdenken, wie das Leben aussehen wird, wenn Roboter und künstliche Intelligenz feste Bestandteile unserer Welt geworden sein werden? Fürchten wir nicht alle, dass sich die Rolle des Menschen dann grundlegend verändern könnte?

An all diese Fragen denke ich, wenn ich davon spreche, dass das, was in der digitalen Welt geschieht, wesentlich von unserer Haltung abhängt …

Kodex.

… mir liegt daran, die Anliegen von DIVSI zu unterstützen: Zu ermitteln, wie weit die digitale Technologie bereits Einzug gehalten hat in unsere Welt und wie sie aufgenommen wird; einen interdisziplinären Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern; über Chancen und Risiken des Internets zu forschen und einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Netz zu organisieren und mit neuen Aspekten zu beleben.

Wichtig erscheint mir auch das Nachdenken über einen digitalen Kodex, über Leitplanken im Internet, wie es der ehemalige Bundespräsident und ehemalige DIVSI-Schirmherr Roman Herzog formulierte: Reichen unsere Werte aus der analogen Welt, oder wo ist Nachholbedarf? …

Handlungsbedarf.

… Durch seine Studien hat DIVSI… dazu beigetraten, den Ist-Zustand auf verschiedenen digitalen Feldern zu ermitteln und dadurch den Handlungsbedarf für die Politik aufzuzeigen. Es hat mit seinen Studien auch die gängige These widerlegt, dass im Internet alle gleich seien und Bits und Bytes keinen Unterschied machten zwischen Arm und Reich, Akademikern und Bildungsfernen. Vielmehr stellte sich heraus, dass Bildungsgrad, Höhe des Einkommens, Wohnlage und andere soziale Faktoren Verhalten im und Umgang mit dem Netz determinieren …

Mammutaufgabe.

… Vor wenigen Wochen hat DIVSI einen großen Bruder erhalten: Mit dem
„Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft“, dem Deutschen Internet Institut (DII), existiert nun auch ein staatliches Institut, das sich ebenfalls mit den Wechselwirkungen von fortschreitender Technisierung und Gesellschaft beschäftigen wird…Wir blicken jetzt schon gespannt darauf und freuen uns auf erste Forschungs- und Studienergebnisse und die Impulse, die das Deutsche Internet Institut der Gesellschaft, aber auch dem DIVSI geben kann. Ich werde mich bemühen, dass gelegentlich auch umgekehrt das DIVSI die Arbeit des DII befruchten kann.

Anders geht es gar nicht angesichts der Mammutaufgabe – gerade in Zeiten wie diesen, die geprägt sind von Unsicherheiten und Vertrauensverlusten im politischen wie ökonomischen Bereich. Wir brauchen ein Zusammenwirken aller Kräfte …

Vereinfachung.

… Insbesondere in der Pflicht sehe ich allerdings zwei Gruppen: die Politiker und die Spezialisten. Bei den Spezialisten wünsche ich mir, dass sie sich nicht nur als Techniker begreifen, sondern die Folgen ihrer Arbeit für das Zusammenleben bedenken. Und bei den Politikern wünsche ich mir, dass sie sich der neuen Technik offensiver stellen und mit Diskussionen und Gesetzen der aktuellen Entwicklung ausreichend Rechnung tragen.

Ich wünsche mir, dass sie generell, aber gerade auf diesem Gebiet eine Kommunikation erhellender Vereinfachung mit den Bürgern entwickeln und so das Unwissen mindern und Ängsten konstruktiv begegnen. Nur so kann der Unkultur von Ängstlichkeit und von Gleichgültigkeit und Fatalismus gewehrt werden. Nur so wird Deutschland im digitalen Bereich einen Platz einnehmen, der seinem politischen und wirtschaftlichen Rang entspricht.

Jürgen Gerdes: Grußwort

Foto: Marius Schwarz

Grußworte von Jürgen Gerdes,
Vorstand Deutsche Post DHL Group

Wir freuen uns sehr und sind stolz darauf, dass Joachim Gauck nach seiner höchst erfolgreichen Zeit als Bundespräsident wieder die Schirmherrschaft über das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet übernommen hat. Wohl kaum eine andere Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Deutschland und darüber hinaus genießt in der Bevölkerung ebenso wie unter den Entscheidern in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur ein so hohes Ansehen wie Joachim Gauck. Über Jahrzehnte hinweg hat der evangelische Theologe und spätere Bundesbeauftragte für die Sicherung der Stasi-Unterlagen die Menschen in diesem Land immer wieder ermutigt, ihre Bürgerrechte selbstbewusst wahrzunehmen. Das DIVSI hätte kaum einen besseren Botschafter finden können, um der Forschungsarbeit des Instituts die angemessene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Joachim Gauck wird als Schirmherr nicht nur seinen guten Ruf und seine hohe Reputation in dieses Projekt einbringen. Er hat auch sehr klare Vorstellungen davon, welche Ziele das gemeinnützig arbeitende Institut erreichen sollte. Und die vertritt er mit leidenschaftlichem Engagement. Gemeinsam mit ihm will das DIVSI auch in den nächsten Jahren untersuchen, wie Menschen im Internet unterwegs sind, welche Verhaltensweisen sie dabei an den Tag legen, welche Erfahrungen sie dabei machen und wie sie diese Erfahrungen beurteilen. In gewisser Weise handeln wir wie einst Alexander von Humboldt auf seinen Entdeckungsreisen: Beobachten und Beschreiben dort, wo bisher noch niemand hingeschaut hat, das ist unsere Kernaufgabe. So haben wir in den vergangenen Jahren der interessierten Öffentlichkeit zahlreiche wirklich neue Erkenntnisse über den Entwicklungsstand des Internets präsentieren dürfen. Die ausführliche Berichterstattung in den Medien hat uns gezeigt, welche Bedeutung dem DIVSI und seinen exklusiven Forschungsberichten beigemessen wird. Neue Studien sind in Vorbereitung und stehen kurz vor dem Abschluss. Wir dürfen gespannt sein.

The post Gedanken des neuen DIVSI-Schirmherrn Joachim Gauck: „Ich denke, es gilt eine Balance zu finden!“ appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/gedanken-des-neuen-divsi-schirmherrn-joachim-gauck-ich-denke-es-gilt-eine-balance-zu-finden/feed/ 0
Frisst die digitale Revolution ihre Kinder? https://www.divsi.de/frisst-die-digitale-revolution-ihre-kinder/ https://www.divsi.de/frisst-die-digitale-revolution-ihre-kinder/#respond Wed, 29 Mar 2017 08:23:39 +0000 http://46.30.3.106/?p=15933 Prognose 1999 und Wirklichkeit 2017 im Vergleich von Horst W. Opaschowski REAL. DIGITAL. ILLEGAL. – Datensicherheit ist eine Illusion Prognose 1999 1999 wurde eine „neue Cyberwelt“ mit einer „fast anarchischen globalen Verknüpfung von Netzwerken“ vorausgesagt. Vierzehn Jahre vor Edward Snowden und der NSA-Affäre (2013) wurde als „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ prognostiziert: „Die Manipulation durch Hacker“. […]

The post Frisst die digitale Revolution ihre Kinder? appeared first on DIVSI.

]]>
Frisst die digitale Revolution ihre Kinder?

Prognose 1999 und Wirklichkeit 2017 im Vergleich

von Horst W. Opaschowski

REAL. DIGITAL. ILLEGAL. – Datensicherheit ist eine Illusion

Prognose 1999

1999 wurde eine „neue Cyberwelt“ mit einer „fast anarchischen globalen Verknüpfung von Netzwerken“ vorausgesagt. Vierzehn Jahre vor Edward Snowden und der NSA-Affäre (2013) wurde als „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ prognostiziert: „Die Manipulation durch Hacker“. Die „digitale Kriegsführung wird in Zukunft zur größten Bedrohung der nationalen Sicherheit“ werden: „Im digitalen Szenario“ ist dann fast alles möglich: „Computerviren könnten die Stromversorgung versagen, Flugzeuge außer Kontrolle geraten und Öl-Pipelines bersten lassen.“ Misstrauen breitet sich aus. Am Ende wird man sich nur noch „auf sich selbst und weniger auf die Verantwortung der anderen verlassen können“. Die Grenzen zwischen „real, legal, illegal“ verwischen sich. Das Vertrauen in Datenschutz und Datensicherheit geht verloren.

Die Wirklichkeit heute

Das prognostizierte Gefährdungspotenzial der Digitalisierung ist inzwischen Realität geworden: „Cyberangriffe finden täglich statt“ – so die Einschätzung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Deutschland. Das Internet der Dinge, die Vernetzung von Alltagsgegenständen, Haushaltsgeräten und Industrieanlagen, kann sich gegen weltweite Cyberangriffe nicht mehr schützen. Der „Digitale Tsunami“ als Blackout von Ampeln, Banken und Fahrstühlen ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Heilserwartungen des Internets erweisen sich als der größte Irrtum des Netzzeitalters. Die Ära des Cyberoptimismus geht zu Ende. Die Ideologie des freien Internets ist fragwürdiger denn je.

VERNETZT. VERKABELT. GESCANNT. – Unsere Identität wird profitabel vermarktet

Die Prognose 1999

Die ganze Welt geht online: „Am Ende sind wir alle verkabelt“, und er wird selbst „das menschliche Gehirn ‚gescannt’“. Das Internet macht „aus unseren persönlichen Daten neue Dienstleistungen für andere“. Unsere Identität wird „profitabel vermarktet“. Es kommt zu übermäßigen „den Kern der Persönlichkeit berührenden Eingriffen“. Man wird sich kaum dagegen wehren können, „durchleuchtet zu werden“. Auf diese Weise werden „relativ konkrete Persönlichkeitsprofile konstruiert“, die „auf bestimmte Verhaltens- und Befindlichkeitsmuster schließen lassen“. Das individuelle „Lebensdossier“ kann dann weltweit verbreitet werden.

Die Wirklichkeit heute

Es ist so weit. Die Digitalisierung hat die Psychometrie, einen datengetriebenen Nebenzweig der Psychologie, zur Psychografie gemacht. Damit wird eine neue Ära des Online-Wahlkampfes eröffnet. Von politischen Parteien beauftragte Wahlbeeinflussungsagenturen haben beispielsweise die Wähler in England (Brexit-Referendum) und den USA (Präsidentenwahl) psychometrisch „vermessen“ und personalisiert auf Social Media und im Digitalfernsehen gezielt angesprochen. Bei diesem Vorgehen gerät der Datenschutz völlig außer Kontrolle. Und sensible Daten können nicht mehr geschützt werden.

Prof. Dr. Horst W. Opaschowski und Irina Opaschowski

Prof. Dr. Horst W. Opaschowski und Irina Opaschowski: Seit 2014 forschen sie gemeinsam an Zukunftstrends. (Foto: Benjamin Roeber)

COMPUNIKATION – KONTAKTREICH, ABER BEZIEHUNGSARM. – Netzkontakte verdrängen Freundschaftsbeziehungen

Die Prognose 1999

Ein Schlüsselwort im Zeitalter der Digitalisierung lautet: Kommunikation. Die Menschen hasten „von Kommunikation zu Kommunikation“. Dabei wird durch „Compunikation“ mehr medial kommuniziert, „als dass man miteinander redet“. Das Beziehungsnetz wird vielfältiger, aber es kommt immer weniger zu einer „Verknüpfung der Beziehungen“, weil man sich auf Beziehungen ohne Bestand nicht verlassen kann. Infolgedessen werden auch „lebenslange Bindungen immer seltener“ und „Beziehungen auf Dauer“ zu einer neuen Lebenskunst.

Die Wirklichkeit heute

Das Internet hat den Kommunikationsstil im Alltag revolutioniert. Die Daten der Stiftung für Zukunftsfragen sprechen für sich: Oberflächliche Netzkontakte verdrängen nachweislich echte Freundschaftsbeziehungen. Allein das Surfen im Internet hat sich seit dem Jahr 2000 fast verzehnfacht (2000: 8 Prozent – 2016: 76 Prozent), während sich im gleichen Zeitraum die Unternehmungen mit Freunden (2000: 39 Prozent – 2016: 17 Prozent) erdrutschartig halbiert haben. Das Leben wird beziehungsärmer. Es wird mehr mit Medien als mit Menschen kommuniziert.

KONFETTIARTIG. BRUCHSTÜCKHAFT. OBERFLÄCHLICH. – Die Folgen der Informationsflut

Die Prognose 1999

Es droht der „Informations-Overkill: overnewst, but underinformed“. Zu viel Information, aber zu wenig Wissen. Diese Überinformation geht zulasten von „Konzentration und Aufmerksamkeit“. Viele Eindrücke können „nur noch konfettiartig nebeneinander aufgenommen“ werden: „Kennzeichen einer Konfetti-Generation: Die Impressionen bleiben bruchstückhaft und oberflächlich.“

Die Wirklichkeit heute

Im Hinblick auf die befürchtete Reduktion der Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit ist die Wirklichkeitsanalyse heute ein Spiegelbild der Zukunftsprognose Ende der Neunzigerjahre: Medienexperten registrieren geradezu einen „Daueranschlag auf die menschliche Konzentrationsfähigkeit“ und sprechen – wie 1999 prognostiziert – von „Informationskonfetti“ (Gaschke 2016) und „Nachrichtenhappen“ (Schulz 2017) als Folge der Dauerberieselung im Netz.

NERVÖS. AGGRESSIV. GEWALTTÄTIG. – Die Sinnesüberreizung verändert das soziale Verhalten

Die Prognose 1999

Die Anforderung droht zur Überforderung zu werden. Die innere Unruhe wird einfach abreagiert: „Lust schlägt in Wut um, und aus Nervosität wird Aggressivität.“ Viele fühlen sich erst dann wieder wohl, „wenn sie sich gehen lassen können“. Die Unzufriedenheit mit sich selbst „muss raus“. Aggressivität wird „als Impulsivität verharmlost“. Am Ende verlieren die natürlichen „Schutzmechanismen gegen Kriminalität an Wirkungskraft“. Gewalt wird „als normal empfunden“, und „Gewalttäter sehen sich selbst nicht mehr als Straftäter“.

Die Wirklichkeit heute

Auf die Pöbeleien auf der Straße reagieren Politiker inzwischen ebenso aggressiv in ihrer Sprache: „Pack“, „Schande“, „Dumpfbacken“. Politiker pöbeln zurück. Persönlichkeitsverletzende Kommentare in den Sozialen Medien sind jetzt auch im realen gesellschaftlichen Leben angekommen. Sie breiten sich fast epidemisch aus. Die Folge: Die virtuelle Gewalt in der Sprache setzt sich in der realen Gewalt auf der Straße fort. „Häme, Hass und Härte in den Sozialen Medien“ werden zur „tödlichen Gefahr für unser politisches Gemeinwesen“ (Frank-Walter Steinmeier). Politik und Gesellschaft haben die frühen Prognosen nicht wahrhaben wollen.

TOTAL DIGITAL = VÖLLIG NORMAL. – Eltern verlieren ihre Kinder an das Netz

Die Prognose 1999

„Growing up digital“: Das Aufwachsen findet im Netz-Zeitalter jenseits von „Barbie, Büchern und Kuscheltieren“ statt: Wohin entlässt die Medienrevolution ihre Kinder? In eine Welt sinkender sozialer „Zuwendung und Geborgenheit“? Werden die Medien zum „Lebensmittelpunkt“ einer mediatisierten Kindheit? Droht der „Schonraum Kindheit“ verloren zu gehen? Wird das Netz zur „universalen Sozialisationsinstanz“? Aus „heimlichen Miterziehern“ können „unheimliche Haupterzieher“ werden.

Die Wirklichkeit heute

Der Einbruch in die Privatsphäre hat längst begonnen, die mediale Eroberung des Kinderzimmers auch. Gut ein Drittel (34 Prozent) der Elterngeneration im Alter bis zu 49 Jahren muss eingestehen: „Eltern verlieren ihre Kinder an das Netz.“ Dazu gehört auch die selbstkritische Feststellung: „Das Smartphone wird zum digitalen Babysitter rund um die Uhr“ (38 Prozent – O.I.Z 2015). Der Medienzug ist abgefahren. Das Smartphone ersetzt die Kinderrassel.

DIE HETZJAGD NACH DER VERLORENEN ZEIT. – Vom Erwartungsdruck zum Erreichbarkeitswahn

Die Prognose 1999

Mediennutzung „kostet“ Zeit: Der einzige Faktor, der in einer multioptionalen Medienwelt immer knapper wird, ist der Zeit-Faktor. Die „Entdeckung der Informationsgesellschaft als Zeitfalle“ steht uns bevor. Das Leben im Netz gleicht einer „Hetzjagd nach der verlorenen Zeit“. Die User kommen nicht zur Ruhe. Sie haben das Gefühl, „sie kämen dauernd zu spät“. Wird im 21. Jahrhundert „Zeit verkaufen“ ein „neuer Dienstleistungsmarkt“?

Die Wirklichkeit heute

Nur noch nostalgisch erinnern wir uns an eine Automobilbranche, die den Sieben-Jahres-Rhythmus der Modell-Zyklen gewohnt war. Im digitalen Zeitalter sind Web-Zeiten wie Hunde-Jahre: Ein Jahr im Netz entspricht sieben Jahren in der Wirklichkeit. Für eine „Mañana“-Mentalität bleibt immer weniger Zeit. Ein Gefühl von Zeitnot macht sich breit. Das Zur-Ruhe-kommen-Können wird zum größten Defizitposten im persönlichen Zeitbudget.

DEMOKRATIE ALS VIRTUKRATIE. – Digitale Medien werden zum neuen Machtinstrument

Die Prognose 1999

Ein „neues Kommunikationszeitalter“ beginnt: Die „Online-Demokratie“ kommt. Die Bürger wollen sich „von zu Hause aus an aktuellen Diskussionen mit Politikern per Internet beteiligen“. Die Zukunftsträume sind fast grenzenlos: „Wird es in Zukunft virtuelle Ortsvereine, Online-Wahlkreise oder gar elektronische Wahlurnen geben?“ Noch sind wir von einer „Virtukratie“ und von „virtuellen Rathäusern“ weit entfernt. Doch schon bald kann sich das Internet „zu einem neuen demokratischen Massenmedium entwickeln“.

Die Wirklichkeit heute

Menschen, Medien und Maschinen sind miteinander verbunden und machen die Sozialen Medien zum digitalen Volkssport. Gerhard Schröders Erfolgsdevise von 1998, wonach er zum Regieren nur „Bild, BamS und Glotze“ brauche, hat sich im Internet-Zeitalter überlebt. Wie die Beispiele „Brexit“ und „US-Wahlkampf“ gezeigt haben, können Social Bots in den Sozialen Netzwerken Einfluss auf Wahlen und politische Entscheidungen nehmen.

HIGHTECH STATT HUMAN TOUCH. – Die künstliche Intelligenz als existenzielle Bedrohung

Die Prognose 1999

Eine Art „Psychologisierung des Computers“ kündigt sich an: „Lebendig. Beseelt. Empfindungsfähig.“ Der PC wird zum „persönlichen Ausdrucksmittel“. Was der Computer „ist“, wird wichtiger als das, was er „leistet“. Die „Grenzen zwischen Dingen und Menschen“ verwischen sich. „Hightech statt Human Touch“ heißt es. Das Gehirn wird „gescannt“ und „in einem Computer dupliziert“. In Zukunft gibt es „Künstliche Intelligenz (KI)“, bei der der Mensch „mit der Maschine gleichgesetzt“ und „der Computer zum ‚homo sapiens‘ aufgewertet wird“.

Die Wirklichkeit heute

Weil sich die Künstliche Intelligenz (KI) weltweit ausbreitet, bekommen es selbst die Erfinder mit der Angst zu tun: Microsoft-Gründer Bill Gates wundert sich: „Ich verstehe nicht, warum manche Menschen nicht besorgt sind.“ Tesla-Chef Elon Musk warnt: „Wenn ich raten müsste, was unsere größte existenzielle Bedrohung ist, dann ist es vermutlich die Künstliche Intelligenz.“ Die Geister, die sie riefen, werden sie nicht wieder los.

SORGEN UM DIE ETHIK DER TECHNIK. – Zukunftszweifel statt Fortschrittsoptimismus

Die Prognose 1999

„Zukunftszweifel sind angebracht.“ Denn „die digitale Zukunft hat ein Janusgesicht. Überschätzung und Unterschätzung, Chancen und Risiken halten sich die Waage.“ Es stellen sich moralische Fragen der Vermarktung: Werden die Computer zu „neuen Gottheiten“ in einer „total kontrollierten Welt“, in der sich die Technologie verselbstständigt und wir uns „um die Ethik der Technik Sorgen machen“ müssen? Die „Schlüsselbranche des 21. Jahrhunderts“ lässt noch viele Fragen offen.

Die Wirklichkeit heute

Die Konkurrenz zwischen menschlichem Gehirn und digitalem Superhirn nimmt bedrohliche Züge an. Das Internet der Dinge hält Einzug in den Alltag unseres Lebens. Ärzte, Anwälte und Steuerberater werden digital. In Zukunft werden wir uns weniger um technologische Innovationen als vielmehr um die Ethik der Technik Sorgen machen müssen. Die Digitalisierung wird das Leben schneller, bequemer und abwechslungsreicher machen. Aber: Die Welt wird dadurch nicht besser.

Quellenbelege:
Gaschke, S.: Die gefährlichen Nebenwirkungen der totalen Vernetzung. In: Die Welt (Oktober 2016/Online – http:hd.welt.de/article158806317/).
O.I.Z/ Opaschowski Institut für Zukunftsforschung: Repräsentativumfrage „Medien“, Hamburg 2015. Schulz, Th.: Digitales Leben. In: Der Spiegel Nr. 1 (2017), S. 144-148; SfZ/Stiftung für Zukunftsfragen (Hrsg.): FreizeitMonitor 2016, Hamburg 2016.

The post Frisst die digitale Revolution ihre Kinder? appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/frisst-die-digitale-revolution-ihre-kinder/feed/ 0
Wider die deutsche Kleinstaaterei im Datenschutz! https://www.divsi.de/wider-die-deutsche-kleinstaaterei-im-datenschutz/ https://www.divsi.de/wider-die-deutsche-kleinstaaterei-im-datenschutz/#respond Mon, 24 Oct 2016 08:26:23 +0000 http://46.30.3.106/?p=15418 Höchste Zeit, den Streit für Änderungen zu beginnen – das Thema darf kein Tabu bleiben. Von Göttrik Wewer Wir regen uns gerne darüber auf, dass die Amerikaner ein ganz anderes Verständnis von Privatheit und Datenschutz haben und es deshalb so schwierig ist, mit ihnen zu einer Verständigung zu kommen. Wer für sich in Anspruch nimmt, […]

The post Wider die deutsche Kleinstaaterei im Datenschutz! appeared first on DIVSI.

]]>
Wider die deutsche Kleinstaaterei im Datenschutz

Foto: Igor Lateci | Shutterstock / TunedIn by Westend61 | Shutterstock

Höchste Zeit, den Streit für Änderungen zu beginnen – das Thema darf kein Tabu bleiben.

Von Göttrik Wewer

Wir regen uns gerne darüber auf, dass die Amerikaner ein ganz anderes Verständnis von Privatheit und Datenschutz haben und es deshalb so schwierig ist, mit ihnen zu einer Verständigung zu kommen. Wer für sich in Anspruch nimmt, das höchste Datenschutzniveau der Welt zu haben, für den ist es natürlich nicht ganz einfach, irgendwo anders einen „sicheren Hafen“ zu finden. Dabei muss man gar nicht nach China oder Russland gucken, das fängt schon in Europa an. Was die Geheimdienste in Großbritannien (und Frankreich und anderswo) treiben, unterscheidet sich allenfalls graduell, aber nicht grundsätzlich von dem, was ihre Kollegen in Amerika so alles machen.

Die Kritik an den USA wäre glaubwürdiger, wenn wir wenigstens in Europa das gleiche Verständnis von Privatheit und Datenschutz hätten. Das ist aber keineswegs der Fall, wie nicht nur Umfragen zeigen. Hätten alle EU-Mitglieder die Datenschutzrichtlinie aus dem Jahre 1995 in gleicher Weise in nationale Gesetze umgemünzt und hätten alle nationalen Aufsichtsbehörden das Regelwerk in gleicher Weise interpretiert, dann hätten sich die meisten amerikanischen „Datenkraken“ (Constanze Kurz) wohl kaum in Irland niedergelassen. 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, das hieß bisher auch: 28 unterschiedliche Auffassungen von Datenschutz! Es konnte also nicht die Rede davon sein, dass Europa gegenüber den USA mit einer Stimme sprechen würde.

Mit der neuen Datenschutzgrundverordnung, die ab 2018 in ganz Europa gilt, soll sich das ändern. Ob das auch so kommt, ist derzeit offen. Zwar ist eine Verordnung im Unterschied zu einer Richtlinie unmittelbar geltendes Recht in allen EU-Staaten, aber sie enthält ca. 60 Klauseln, die Ausnahmen und Abweichungen zulassen. Dass der europäische Flickenteppich im Datenschutz wirklich beseitigt wird, muss sich insofern erst noch zeigen. Nach dem „State of Privacy Report 2015“ sind übrigens 57 Prozent der Europäer besorgt darüber, dass ihre Daten nicht sicher sind – kein schöner Wert nach mehr als vier Jahrzehnten Datenschutz.

Föderale Kleinstaaterei

Bevor wir mit dem Finger auf andere zeigen, sollten wir allerdings sicher sein, unsere eigenen Hausaufgaben gemacht zu haben. Auch das trifft leider nicht zu: Denn nicht einmal innerhalb Deutschlands haben wir immer eine einheitliche Auslegung der einschlägigen Gesetze und Richtlinien. Unternehmen, die bundesweit unterwegs sind, müssen mit 16 Landesbeauftragten für den Datenschutz reden, wenn sie ihre Produkte und Dienstleistungen in dem jeweiligen Land anbieten wollen, und zur Sicherheit vielleicht auch noch mit der Bundesbeauftragten. Dass alle zu der gleichen Bewertung kommen, ist dabei keineswegs gesagt. In dieser Form kommt das zwar selten vor, aber potenziell muss man mit 17 Interpretationen der Rechtslage rechnen, die sich mehr oder weniger deutlich unterscheiden.

Die datenschutzrechtliche Kleinstaaterei, die wir uns im deutschen Föderalismus gönnen, bedeutet nicht nur eine Menge unproduktiver Doppel-, Dreifachund Vielfacharbeit in den Behörden, die sinnvoller eingesetzt werden könnte, sondern behindert auch die Wirtschaft – übrigens ohne auch nur einen Deut mehr Datenschutz zu bringen. Im digitalen Zeitalter, in dem Schnelligkeit, Flexibilität und Wettbewerb dramatisch zunehmen, ist diese datenschutzrechtliche Kleinstaaterei zudem ein erheblicher Standortnachteil.

Wenn unsere Daten und unser Privatleben in Deutschland weitaus besser geschützt wären als anderswo, dann könnte man den bürokratischen Mehraufwand vielleicht hinnehmen. Aber auch hier lügen wir uns in die Tasche. Formal mögen wir das strengste Datenschutzrecht der Welt haben, aber wer wollte ernsthaft behaupten, dass unsere persönlichen Daten heute tatsächlich besser geschützt sind als vor zehn, 20 oder 40 Jahren oder unsere Privatsphäre stärker beeinträchtigt ist als die der Bürger von Australien, Dänemark oder Estland? Dass wir nicht nur auf dem Papier, sondern auch faktisch das beste Datenschutzregime der Welt haben, ist nicht mehr als eine Lebenslüge von Datenschützern.

Erneuerungsbedarf

Datenschutz in Deutschland ist ineffizient und ineffektiv. Man muss sich nur einmal die Jahresberichte der Landesbeauftragten anschauen: nirgendwo klare Ziele, nirgendwo harte Zahlen, nirgendwo Impact Assessment. Stattdessen überall einzelne Fälle und viele kleine nette Geschichten. Und der stolze Abdruck von Beschlüssen mit den Kollegen anderer Bundesländer, die an studentische Resolutionen erinnern, die man früher auf Mensatischen finden konnte („Weg mit …!“). Wer aber gar nicht messen kann, ob er erfolgreich arbeitet, kann auch nicht besser werden. Kein Datenschützer würde leugnen, dass es erhebliche Vollzugsdefizite gibt. Das läge aber nur daran, dass die eigenen Ressourcen nicht ausreichen würden, bessere Arbeit abzuliefern, heißt es. Mehr Ressourcen in ein System zu stecken, das offenkundig ineffektiv und ineffizient ist, wäre jedoch nicht sinnvoll. Stattdessen sollte darüber nachgedacht werden, wie Datenschutz in Deutschland mit begrenzten Ressourcen im digitalen Zeitalter besser organisiert werden könnte. Diese Debatte ist überfällig. Die Datenschützer schmoren zu sehr im eigenen Saft, als dass sie ihre Arbeitsweise und ihre Arbeitsergebnisse selbst kritisch hinterfragen könnten. Wir müssen ihnen helfen.

Konsolidierung

Die Landesbeauftragten haben in ihren Dienststellen zwischen einem Dutzend und drei Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei dürfte unstrittig sein, dass es eine „kritische Masse“ braucht, um sämtliche Facetten des Themas kompetent bearbeiten zu können. Manche Behörden sind schlicht zu klein, als dass von ihnen eine besondere Schlagkraft erwartet werden könnte. Eine radikale Lösung läge aber nicht darin, diese Minibehörden in den kleinen Bundesländern aufzublähen, sondern in ihrer Zusammenlegung mit den Schwesterbehörden aus den anderen Ländern und mit der Bundesbehörde zu einer einzigen gesamtstaatlichen Datenschutzaufsicht. Mit anderen Worten: in der Beendigung der deutschen Kleinstaaterei im Datenschutz! Eine solche Bund-Länder-Anstalt hätte nicht nur genügend Ressourcen, um ihre Aufgaben besser erfüllen zu können, sondern für die Wirtschaft auch den Vorteil, nur noch einen Ansprechpartner zu haben und nur noch eine Rechtsauskunft zu bekommen. Der Wegfall der Mehrfacharbeit würde auch in der Behörde erhebliche Ressourcen freisetzen. Wem diese Lösung zu groß erscheint, der könnte auch an einzelne Länder denken, die vorangehen und ihre Datenschützer fusionieren: Das gibt es nicht nur bei Statistischen Landesämtern, sondern auch beim IT-Dienstleister Dataport.

Wer an der Fähigkeit des deutschen Föderalismus zu solch radikalen Reformen zweifelt, obwohl sie im globalen Wettbewerb dringend erforderlich sind, könnte auch daran denken, dass die Landesbehörden sich untereinander darauf verständigen, Vorgänge nicht erneut zu prüfen, sondern regelmäßig deren rechtliche Einschätzung zu übernehmen, wenn eine Schwesterbehörde das Produkt oder die Dienstleistung bereits geprüft und abgesegnet hat. Schon eine solche Vereinbarung könnte mehr Rechtssicherheit schaffen und unnötige Mehrfacharbeit in den Behörden und in den Unternehmen deutlich verringern. Solche Beschlüsse, die darauf zielen, die eigenen Aufgaben besser zu erfüllen, würden den Düsseldorfer und ähnliche Kreise weitaus mehr schmücken als die politischen Resolutionen, die dort sehr beliebt sind, aber weitgehend folgenlos bleiben.

Hausaufgaben

Ob eine Vereinbarung der Landesbehörden genügt oder gesetzliche Regelungen oder gar ein Staatsvertrag der Länder nötig sind, um eine konsequente Arbeitsteilung rechtlich abzusichern, ist eine nachrangige Frage, die sich lösen lässt. Entscheidend ist der politische Wille, die bürokratische Kleinstaaterei im deutschen Datenschutz endlich zu beenden oder zumindest wirksam einzudämmen. Solange wir unsere eigenen Hausaufgaben nicht erledigt haben, sollten wir jedenfalls nicht mit dem Finger auf unsere europäischen Nachbarn oder auf die Amerikaner zeigen. Wenn man das macht, zeigen bekanntlich immer drei Finger auf einen selbst zurück.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die persönliche Ansicht des Autors dar.

The post Wider die deutsche Kleinstaaterei im Datenschutz! appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/wider-die-deutsche-kleinstaaterei-im-datenschutz/feed/ 0
Digitalisierung sicher gestalten https://www.divsi.de/digitalisierung-sicher-gestalten/ https://www.divsi.de/digitalisierung-sicher-gestalten/#respond Fri, 21 Oct 2016 17:00:50 +0000 http://46.30.3.106/?p=15411 Das BSI unterstützt Bürger, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung beim sicheren Einsatz von Informationsund Kommunikationstechnik. von Arne Schönbohm Die Digitalisierung verändert sämtliche Lebensbereiche in atemberaubender Geschwindigkeit. Durch den exponentiell steigenden Grad der Vernetzung wird derzeit neu definiert, wie Gesellschaft, Wirtschaft und Staat agieren, kommunizieren und kooperieren. Dieser Wandel bietet allen Menschen in Deutschland unzählbare Vorteile und […]

The post Digitalisierung sicher gestalten appeared first on DIVSI.

]]>
Digitalisierung sicher gestalten

Foto: BSI

Das BSI unterstützt Bürger, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung beim sicheren Einsatz von Informationsund Kommunikationstechnik.

von Arne Schönbohm

Die Digitalisierung verändert sämtliche Lebensbereiche in atemberaubender Geschwindigkeit. Durch den exponentiell steigenden Grad der Vernetzung wird derzeit neu definiert, wie Gesellschaft, Wirtschaft und Staat agieren, kommunizieren und kooperieren. Dieser Wandel bietet allen Menschen in Deutschland unzählbare Vorteile und Chancen. Verbraucher erleben nie gekannten Komfort. Unternehmen jeder Größe und Branche erschließen sich durch Industrie 4.0, Internet der Dinge und die Cloud-Technologie enorme Potenziale für Wachstum und neue Geschäftsmodelle. Zudem erhalten Staat und Verwaltung die Chance, auf digitalem Wege mehr Bürgernähe herzustellen sowie Demokratie und Teilhabe zu fördern.

Starker Partner seit 25 Jahren

Als führender Technologiestandort ist Deutschland darauf angewiesen, die Chancen der Digitalisierung zu ergreifen und den Wandel mitzugestalten. In gleichem Maße, wie sich das Internet in den vergangenen zwei Jahrzehnten verbreitet hat, haben die Formen der Bedrohungen zugenommen. Glücklicherweise hat die lange Historie von Sicherheitsvorfällen von „Love Letter“-Virus im Jahr 2000 über Stuxnet in 2010 oder den Cyberangriff auf das Netz des Bundestags in 2015 bis hin zu aktueller Ransomware nicht zur Verlangsamung der Digitalisierung geführt. Sie hat vielmehr verdeutlicht, dass die aktive Gestaltung der IT- und Cybersicherheit bei der Digitalisierung Priorität haben muss: Digitalisierung und IT-Sicherheit sind zwei Seiten einer Medaille.

Die Politik hat die Wichtigkeit von IT-Sicherheit bereits früh erkannt und mit der Verabschiedung des BSI-Gesetzes im Januar 1991 das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aus der Taufe gehoben. Als nationale Cyber-Sicherheitsbehörde gestaltet das BSI heute die IT-Sicherheit in der Digitalisierung für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, indem es Prävention, Reaktion und Detektion auf verschiedenste Weise fördert. Durch die immer stärkere Nutzung des Internets ist IT-Sicherheit heute zu einer vorrangigen staatlichen Aufgabe geworden.

Vielfältige Aufgaben

Die Aufgaben sind breit gefächert. So betreibt das BSI ein Computer Emergency Response Team (CERT), das Informationen über Sicherheitslücken und neue Angriffsmuster sammelt und auswertet sowie Informationen und Warnungen an die betroffenen Stellen weitergibt. Mit seinem Angebot wendet sich das BSI aber auch zunehmend an die Hersteller sowie die gewerblichen Nutzer und Anbieter von Informationstechnik. Mit dem IT-Grundschutz, mit der Common-Criteria-Zertifizierung oder den technischen Richtlinien trägt es dazu bei, dass sich das Verständnis für IT-Sicherheit und das IT-Sicherheitsniveau auch in der Wirtschaft erhöht.

Ziel ist eine enge Zusammenarbeit mit allen Akteuren der IT- und Internet-Branche auf dem Gebiet der IT-Sicherheit. So hat das BSI zum Beispiel gemeinsam mit dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) die „Allianz für Cyber-Sicherheit“ gegründet, in der aktuell rund 1.500 Institutionen, über 90 aktive Partner und mehr als 40 Multiplikatoren auf freiwilliger Basis kooperieren. Seit 2007 arbeiten zudem das BSI und die Betreiber der Kritischen Infrastrukturen in Deutschland eng zusammen, um neue Bedrohungen und Strategien zu diskutieren und Maßnahmen zu realisieren.

Breites Angebot für Bürger

Für Bürger betreibt das BSI ebenfalls eine Vielzahl an Angeboten. So stellt CERT-Bund über den Warn- und Informationsdienst Bürger-CERT umfangreiche Informationen über aktuelle Attacken durch Schadsoftware und Sicherheitslücken in Anwendungen bereit. Mit dem Portal „BSI-fuer-Buerger.de“ wendet sich das BSI an Verbraucher, um sie über den sicheren Umgang mit digitaler Technologie und dem Internet zu informieren. Die Aufklärung über Risiken, Handlungsempfehlungen und leicht verständliche Hintergrundinformationen über digitale Themen bilden den Schwerpunkt. Ergänzt wird das Angebot durch Präsenzen in den Sozialen Medien wie Facebook und Twitter sowie ein telefonisch und per E-Mail erreichbares Servicecenter für Anliegen und Fragen.

bsi-fuer-buerger

www.BSI-fuer-Buerger.de: Informiert über den sicheren Umgang mit digitalen Technologien.

Auch die „Allianz für Cyber-Sicherheit“ bietet als Plattform zur Kooperation mit Wirtschaft, Behörden, Forschung und Wissenschaft sowie anderen Institutionen ein breites Informationsangebot zu verschiedensten Themen der Cybersicherheit mit besonderem Fokus auf kleine und mittelständische Unternehmen. So ist durch die Kombination von Wissen und internationaler Vernetzung das BSI zur führenden Kompetenzstelle in Fragen der IT- und Cybersicherheit in Deutschland geworden. Das BSI arbeitet aktiv daran, diese Position, insbesondere durch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, noch weiter auszubauen.

The post Digitalisierung sicher gestalten appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/digitalisierung-sicher-gestalten/feed/ 0
DIVSI Direktor Matthias Kammer im Interview zum digitalen Wandel https://www.divsi.de/divsi-direktor-matthias-kammer-im-interview-zum-digitalen-wandel/ https://www.divsi.de/divsi-direktor-matthias-kammer-im-interview-zum-digitalen-wandel/#respond Fri, 01 Apr 2016 16:01:43 +0000 http://46.30.3.106/?p=14577 Kürzlich war DIVSI-Direktor Matthias Kammer zu Gast im alpha-Forum. In der Sendung sprach er mit Isabella Schmid über die neuen Chancen und Risiken des digitalen Wandels. Privatsphäre Gerade nach den Snowden-Leaks sei, so Kammers Eindruck, die Wertschätzung von Privatsphäre enorm gestiegen. Jedoch trete hier ein gewisses Paradoxon auf, wenn 80 Prozent der Menschen angeben, dass […]

The post DIVSI Direktor Matthias Kammer im Interview zum digitalen Wandel appeared first on DIVSI.

]]>
Kürzlich war DIVSI-Direktor Matthias Kammer zu Gast im alpha-Forum. In der Sendung sprach er mit Isabella Schmid über die neuen Chancen und Risiken des digitalen Wandels.

Privatsphäre

Gerade nach den Snowden-Leaks sei, so Kammers Eindruck, die Wertschätzung von Privatsphäre enorm gestiegen. Jedoch trete hier ein gewisses Paradoxon auf, wenn 80 Prozent der Menschen angeben, dass sie die Weiterverwendung ihrer Nutzerdaten durch Unternehmen ablehnen und gleichzeitig 75 Prozent kostenlose Dienste in dem Wissen nutzen, dafür mit ihren eigenen Daten zu zahlen. Die Herausgabe der eigenen Daten werde in Kauf genommen, weil der Gewinn an Bequemlichkeit sowie die höhere Alltags- und Lebensqualität überwiegen würden.

Unverständlichkeit und Intransparenz von Allgemeinen Geschäftsbedingungen

Das Problem der Privatsphäre sei eng verknüpft mit der Unverständlichkeit und Intransparenz von AGB. Die Mehrheit der Internet-Nutzer klicken die AGBs oftmals nur schnell durch und lediglich 20 Prozent würden überhaupt die AGBs von Diensten lesen. Hier bestehe daher noch ein großer Handlungsbedarf, um einen gemeinsamen Konsens darüber auszuformulieren, welcher Umgang mit Daten seitens der Unternehmen gesellschaftlich akzeptiert werde und wann der Staat eingreifen müsse. Kritisch werde es, wenn sensible Finanz- oder Gesundheitsdaten für Big Data-Geschäftsmodelle genutzt werden, die letztendlich zu einer Diskriminierung von Menschen führen könne und existenzielle Konsequenzen nach sich zöge. Mit dem Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ versuche DIVSI an dieser Stelle, exemplarisch in den Bereichen Health und Mobility Weichen für eine Diskussion zu stellen. Eine Lösung könnte z.B. die Umsetzung einer Ampel sein, die auf den ersten Blick über das Risiko eines jeweiligen Dienstes informiere.

Generell sei der Wert von Daten immens gestiegen, wie die gegenwärtigen Ausprägungen von Cybercrime zeigen. Cybercrime ist insgesamt zu einem ernsten Problem geworden, für das die Nutzer noch nicht ausreichend sensibilisiert seien. Positiv sei aber herauszustellen, dass die Wirtschaft bereits darauf reagiere und Unternehmen IT-Security zunehmend als Priorität behandeln würden.

Zwischen Chancen und Risiken

Insgesamt plädiert Matthias Kammer für eine ausgewogene Diskussion, in der man zuerst über die Chancen der Digitalisierung sprechen sollte und dann über damit verbundene Risiken – und eben nicht umgekehrt. Schließlich seien die digitalen Medien erst einige Jahre alt und hätten doch in einer beispielslosen Geschwindigkeit bereits umfassende gesellschaftliche Umwälzungen angestoßen. Es sei deshalb vollkommen verständlich, dass die Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft intensive Diskurse führen müssten, wie die Herausforderung des digitalen Wandels so bewältigt werden können, dass die Interessen der Wirtschaftsakteure gleichermaßen berücksichtigt werden wie die digitale Selbstbestimmtheit des Einzelnen. Innerhalb einer solchen Diskussion müsse dann auch ausgehandelt werden, in welchem Umfang der Umgang mit Daten gesetzlich zu reglementieren sei oder als gesellschaftlich verbindliche Spielregeln in Form eines digitalen Wertekodex festgehalten werden solle.

Auch zitiert Matthias Kammer in diesem Interview die DIVSI U9-Studie. Dabei geht er darauf ein, wie Kinder und Jugendliche sich in die digitale Zeit hinein entwickeln und wie Familien ihren digitalen Alltag organisieren können.

Transkript der Sendung: http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/matthias-kammer-gespraech-100.html

ARD-alpha ist ein deutscher Fernseh-Bildungskanal unter Federführung des Bayerischen Rundfunks. Im Programmformat alpha-Forum werden Prominente Persönlichkeiten interviewt.

The post DIVSI Direktor Matthias Kammer im Interview zum digitalen Wandel appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/divsi-direktor-matthias-kammer-im-interview-zum-digitalen-wandel/feed/ 0