Digitalisierung – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Digitalisierung erfolgreich gestalten https://www.divsi.de/digitalisierung-erfolgreich-gestalten/ https://www.divsi.de/digitalisierung-erfolgreich-gestalten/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:09 +0000 https://www.divsi.de/?p=19453 Wichtigste Voraussetzung ist Cybersicherheit. Digitaler Verbraucherschutz wird immer wichtiger – für den Einzelnen ebenso wie für die Gesellschaft insgesamt. Von Arne Schönbohm Die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche führt für viele Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für Unternehmen zu neuen Möglichkeiten, zu mehr Komfort und zu mehr Effizienz. Gleichzeitig entstehen durch die zunehmende Vernetzung und Internetfähigkeit […]

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Digitalisierung erfolgreich gestalten

Foto: bygermina/GaudiLab – Shutterstock

Wichtigste Voraussetzung ist Cybersicherheit. Digitaler Verbraucherschutz wird immer wichtiger – für den Einzelnen ebenso wie für die Gesellschaft insgesamt.

Von Arne Schönbohm

Die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche führt für viele Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für Unternehmen zu neuen Möglichkeiten, zu mehr Komfort und zu mehr Effizienz. Gleichzeitig entstehen durch die zunehmende Vernetzung und Internetfähigkeit von Informations- und Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräten oder anderen Gegenständen des täglichen Gebrauchs neue Risiken und potenzielle Angriffsflächen für Cyberkriminelle.

Informationssicherheit wird daher im Sinne eines „digitalen Verbraucherschutzes“ immer wichtiger – für einzelne Anwender ebenso wie für die Gesellschaft. Die Etablierung von grundlegenden IT-Sicherheitsstandards und die Information und Sensibilisierung der Verbraucherinnen und Verbraucher ist daher eine Aufgabe, der sich das BSI als nationale Cybersicherheitsbehörde stellt.

Cyberkriminelle

Digitalisierung und Vernetzung führen dazu, dass Verbraucherinnen und Verbraucher jederzeit und von jedem Ort aus auf Online-Angebote zugreifen oder Anwendungen steuern können. Bankgeschäfte werden per Online- Banking, Einkäufe per Online-Shopping erledigt. Die Heizung im „smarten“ Zuhause wird per Smartphone aus der Ferne geregelt, auch die Rollläden lassen sich per App auf- und zumachen. Gleichwohl gehen mit diesen neuen Möglichkeiten der Vernetzung auch Risiken einher, denn die Digitalisierung schafft auch für unbefugte Dritte neue Möglichkeiten. Cyberkriminelle nutzen dies für ihre Zwecke und gefährden die Cybersicherheit einzelner oder vieler Anwender.

Im Fokus der Cyberkriminellen stehen unter anderem persönliche Daten von Verbraucherinnen und Verbrauchern, aber auch der Angriff auf ganze Systeme, um diese zum Einsturz zu bringen. Mittels Cyberangriffen wird etwa versucht, in die Systeme von digitalen Diensteanbietern einzudringen, um dort sensible Kundendaten abzuschöpfen. So gelang es Cyberkriminellen zum Beispiel, eine Sicherheitslücke in 1.000 Online-Shops in Deutschland auszunutzen, die es ihnen ermöglichte, bei der Aufgabe einer Bestellung die Kundendaten auszuspähen.

Neben dieser Gefährdung Einzelner stellen unsichere IT-Produkte jedoch auch ein Risiko für die öffentliche Sicherheit dar. Wenn zum Beispiel internetfähige Anwenderprodukte wie Router, Netzwerkdrucker oder Smart-TVs von Cyberkriminellen zu einem Botnetz zusammengeschlossen werden, können damit Cyberangriffe gegen Dritte bzw. gegen weitere Geräte oder Netzwerke ausgeführt werden und weitaus größere Schäden anrichten. Der Fall des Mirai-Botnetzes, das aus zusammengeschlossenen ungesicherten IoT-Geräten besteht, und der damit verbundene Ausfall Hunderttausender Telekom-Router als Folge einer versuchten Infektion mit Schadcode belegen dieses Risiko eindrücklich.

Router

Router: Von Cyberkriminellen gebündelt zum Botnetz können sie erheblichen Schaden anrichten (Foto: moebiusdream – Pixabay)

Transparenz

Um die Digitalisierung erfolgreich gestalten zu können, müssen Verbraucherinnen und Verbraucher über bestehende und neue Risiken aufgeklärt und dabei unterstützt werden, sich dagegen zu wappnen. Im Sinne eines „digitalen Verbraucherschutzes“ unterstützt das BSI als herstellerunabhängige und kompetente technische Stelle die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Risikobewertung von Technologien, Produkten, Dienstleistungen und Medienangeboten. Dabei arbeitet das BSI eng mit anderen Einrichtungen des Verbraucherschutzes zusammen, etwa mit der Verbraucherzentrale NRW. Neben einem besseren Schutz des Einzelnen wird dagesellschaftliche Widerstandsfähigkeit gegen Cybergefahren jeglicher Art erhöht.

Vor dem Hintergrund seiner Zuständigkeit für den Digitalen Verbraucherschutz hat das BSI kürzlich eine Technische Richtlinie (TR) für Breitband-Router veröffentlicht. Die TR definiert ein Mindestmaß an IT-Sicherheitsmaßnahmen, die für Router im Endkundenbereich umgesetzt sein sollten. Ziel ist es unter anderem, die Sicherheitseigenschaften für Verbraucherinnen und Verbraucher transparent zu machen.

Die Veröffentlichung der TR-Router ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines IT-Sicherheitskennzeichens, wie es die Bundesregierung in der Cyber-Sicherheitsstrategie von 2016 und im Koalitionsvertrag vorgesehen hat. Das BSI wird auch für weitere Geräte des Internets der Dinge und des Smart Homes Mindestanforderungen an deren IT-Sicherheit formulieren.

Cybersicherheit ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierung. Sie ist keine Innovationsbremse, sondern ein Innovationsgarant, wenn die strategischen politischen Entscheidungen für die Zukunft der Digitalisierung Cybersicherheit bereits berücksichtigen. Auf diesem Weg ist Deutschland ein gutes Stück vorangekommen. Wichtige Maßnahmen auf legislativer und operativer Ebene wurden in allen Bereichen umgesetzt. Die Vernetzung der Akteure in Bund, Ländern und Kommunen wurde vorangetrieben, die Kooperation mit Einrichtungen der Wirtschaft und Gesellschaft wurde ausgebaut, das BSI wurde personell aufgestockt. Wir sind gut gerüstet.

Fortsetzung

Das sind wir aber nur so lange, wie wir als Gesellschaft nicht nachlassen, unsere Bemühungen für mehr Cybersicherheit zumindest parallel, noch besser aber proaktiv zur Gefährdungslage zu steigern. Denn eine erfolgreiche Fortsetzung des Digitalisierungsprozesses wird es ohne Cybersicherheit nicht geben. Vorhandene Kooperationsstrukturen müssen dazu national und international intensiviert, ein funktionierendes Abwehrniveau muss immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden. Wir müssen offen bleiben für Neues, neue Gefährdungen antizipieren und das Bewusstsein für die Bedeutung der IT-Sicherheit weiter schärfen.

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Getrennt marschieren, vereint zuschlagen? https://www.divsi.de/getrennt-marschieren-vereint-zuschlagen/ https://www.divsi.de/getrennt-marschieren-vereint-zuschlagen/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:08 +0000 https://www.divsi.de/?p=19459 Zur Architektur der Digitalpolitik. Ist sie angesichts der Vielfalt neuer Akteure fast schon überkomplex? Von Göttrik Wewer Mit ihrem Digital Economy and Society Index (DESI) versucht die Europäische Kommission, regelmäßig zu erfassen, wie es um die Digital Readiness der EU-Mitglieder bestellt ist. Die Bundesrepublik Deutschland landet in dieser Rangliste seit Jahren nur im Mittelfeld (zuletzt […]

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Getrennt marschieren, vereint zuschlagen?

Foto: vege – Adobe Stock

Zur Architektur der Digitalpolitik. Ist sie angesichts der Vielfalt neuer Akteure fast schon überkomplex?

Von Göttrik Wewer

Mit ihrem Digital Economy and Society Index (DESI) versucht die Europäische Kommission, regelmäßig zu erfassen, wie es um die Digital Readiness der EU-Mitglieder bestellt ist. Die Bundesrepublik Deutschland landet in dieser Rangliste seit Jahren nur im Mittelfeld (zuletzt Platz 13 unter 28 Ländern).

Seit 2013 vergleicht die EU nach ähnlichen Kriterien den europäischen Durchschnitt in fünf Dimensionen mit 17 Ländern außerhalb der Europäischen Union: Brasilien, Chile, China, Island, Israel, Japan, Kanada, Mexiko, Neuseeland, Norwegen, Russland, Serbien, Südkorea, die Schweiz, die Türkei und die Vereinigten Staaten von Amerika. Dabei zeigt sich, dass Europa im Vergleich mit anderen nicht so schlecht ist, wie es bisweilen geredet wird, aber auch noch eine Menge Luft nach oben ist. Unter den Top Ten in dieser Rangliste von 45 Ländern (International Digital Economy and Society Index) befanden sich zuletzt immerhin sechs EU-Mitglieder; andere, die deutlich unter dem europäischen Durchschnitt lagen, gehörten natürlich auch im internationalen Vergleich zu den Schlusslichtern.

Doppel-Problem

Europa hat, wie dieser Index (I-DESI 2018) und andere Ranglisten zeigen, ein doppeltes Problem, das es zu lösen gilt: zum einen die großen Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedern, die längst im digitalen Zeitalter angekommen sind, und jenen, die im globalen Wettbewerb (noch?) nicht mithalten können, und zum anderen, dass der europäische Durchschnitt nicht auf allen Feldern für einen internationalen Spitzenplatz reicht. Relativ gut schneidet Europa bei der digitalen Infrastruktur (connectivity), den individuellen Fähigkeiten (digital skills) und der Nutzung des Internets durch die Bürgerinnen und Bürger ab. Hier sind nur sieben Länder, darunter Südkorea, Japan und die USA, besser als der europäische Durchschnitt.

Die persönlichen Fähigkeiten sind in neun Ländern besser ausgeprägt, wobei der europäische Durchschnitt noch über dem Wert für die USA liegt. Bei der Integration moderner Technologien in ihre Abläufe haben die europäischen Unternehmen spürbar aufgeholt. Deutlich schlechter als die Länder außerhalb Europas schneiden die EU-Mitglieder nach wie vor beim elektronischen Regieren und Verwalten (digital public services) ab. Neun der 17 Vergleichsländer außerhalb Europas sind hier weiter. Dänemark führt übrigens die Rangliste insgesamt an, gefolgt von Südkorea; Serbien hat von 2013 auf 2016 den größten Sprung getan und sich vom letzten Platz auf Rang 34 verbessert.

Zu dem bescheidenen Abschneiden bei den öffentlichen Dienstleistungen hat sicherlich beigetragen, dass das größte Mitglied der Union beim Electronic Government bestenfalls Durchschnitt ist. Obwohl sich die Große Koalition schon in der letzten Wahlperiode vorgenommen hatte, Deutschland zu einem starken Digitalland zu entwickeln, sei die „Digitale Agenda“ letztlich mehr oder weniger zum Stillstand gekommen, sagen Beobachter. Inzwischen gibt es Anzeichen, dass man im Kanzleramt das strategische Defizit und die schleppende Entwicklung nicht länger hinnehmen möchte. Die neuen Strukturen, die beschlossen worden sind, müssen allerdings erst aufgebaut werden und ihre Rolle im Geflecht all derer finden, die sich mit der Digitalisierung beschäftigen. Außerdem wird, wenn vielleicht in drei Jahren gewählt wird, schon wieder die Zeit knapp.

Inkubator

Bei der Vielfalt der neuen Akteure erscheint die Architektur der Digitalpolitik fast schon überkomplex. Neben der neuen Abteilung „Politische Planung, Innovation und Digitalpolitik, IT-Steuerung des Bundes“ und einer Staatsministerin als „Beauftragter der Bundesregierung für Digitalisierung“ im Kanzleramt gibt es eine Reihe von beratenden Gremien und operativen Einheiten. Dazu sollen eine E-Government- Agentur als interner Inkubator für konkrete Lösungen sowie eine Digitalagentur zählen, die die Märkte beobachten und Vorschläge für staatliche Regulierung machen soll, aber auch eine Agentur für Sprunginnovationen, die besonders interessante Ideen fördern soll, und eine Agentur für Innovation in der Cybersicherheit, die Lösungen für die Praxis entwickeln soll. Die Steuerung des Ganzen soll über den IT-Rat, in dem die Staatssekretäre der Ressorts sitzen, und vor allem über das Digitalkabinett unter Leitung der Kanzlerin bzw. des Chefs des Kanzleramtes erfolgen.

Umsetzungsstrukturen zur Verwaltungsdigitalisierung

Irrgarten: So sollen die Umsetzungsstrukturen zur Verwaltungsdigitalisierung greifen. (Quelle: Jahresbericht 2018 des Nationalen Normenkontrollrates)

Beratend tätig sind ein Digitalrat aus Experten aus dem In- und Ausland, der sich zweimal im Jahr treffen soll, um über die großen Linien zu diskutieren, eine Daten- Ethikkommission, die sich monatlich treffen will, um schon in einem Jahr Antworten auf moralische Fragen vorlegen zu können, die sich aus einer intensiven Nutzung von Daten ergeben, sowie eine Kommission Wettbewerbsrecht 4.0, die Leitlinien für eine Regulierung der Plattformen erarbeiten soll, die die digitale Wirtschaft prägen. Ähnliche Gremien gibt es auch in den Ländern, was dieses Geflecht noch enger, aber auch komplexer macht.

Paradoxon

Nicht nur auf staatlicher Seite beschäftigt man sich mit digitalen Fragen. Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) ist 2011 aufgrund der Beobachtung gegründet worden, dass weder im E-Commerce noch im E-Government die Potenziale richtig ausgeschöpft werden, wenn die Menschen sich im Netz nicht sicher fühlen und wenn sie unsicher sind, ob sie dem Gegenüber, das sie nicht persönlich kennen und oft nicht sehen können, wirklich vertrauen können. Kein anderes Institut hat ähnlich intensiv vermessen, wie die Deutschen insgesamt und die verschiedenen Generationen das Internet betrachten und wie sie sich darin bewegen. Den einen Kunden, den einen Bürger, an dem man sein Angebot ausrichten könnte, gibt es nicht, lautet eine Erkenntnis aus diesen Studien, vielmehr verschiedene Milieus, die ganz unterschiedlich angesprochen werden müssen, wenn man sie erreichen will. Wenn das nichts kostet, bequem ist und sozial akzeptiert, dann nutzen viele diese Dienste, obwohl sie den Anbietern ausdrücklich nicht vertrauen, lautet eine andere Erkenntnis. Dieses Vertrauens-Paradox ähnelt dem Privatheits-Paradox, das wir aus der Debatte um den Datenschutz kennen.

Zu digitalen Themen wird, beileibe nicht nur in Deutschland, an vielen Hochschulen und in vielen Instituten und Unternehmen geforscht. Mit seiner konsequenten Ausrichtung auf das tatsächliche Verhalten der Menschen im Netz ist das DIVSI jedoch hierzulande einzigartig gewesen, sodass es sich in relativ wenigen Jahren einen guten Ruf erarbeiten konnte. Da viele Angebote, insbesondere staatliche Dienste, kaum angenommen werden, weil sie nicht an den Nutzern ausgerichtet sind, bleibt zu hoffen, dass dieses Interesse künftig von anderen aufgegriffen wird. Dass die Bundesregierung bei Dienstleistungen, die über den Portalverbund angeboten werden sollen, jetzt in Digital Labs testet, wie das am besten geschieht, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Mit dem von der Bundesregierung geförderten Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft, das sich „Das Deutsche Internet-Institut“ nennt, ist ein Berlin-Brandenburger Verbund entstanden, dem die vier Berliner Universitäten – Freie Universität, Humboldt-Universität, Technische Universität und Universität der Künste –, die Universität Potsdam und das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) angehören und der vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) koordiniert wird. Zu den Themen, die dort bearbeitet werden sollen, zählt übrigens auch „Vertrauen in verteilten Umgebungen“.

Verbund

Inzwischen mangelt es nicht mehr an Initiativen und Institutionen, die dazu beitragen sollen, besser zu verstehen, wie sich unser Leben, Arbeiten und Wirtschaften im digitalen Zeitalter verändert und wie man die digitale Transformation, die manche eine 4. Industrielle Revolution nennen, erfolgreich gestalten kann. Dazu gehört auch das Nationale E-Government-Kompetenzzentrum (NEGZ), das aus einer Fusion mit dem ISPRAT e.V. hervorgegangen ist. An Kapazitäten, diese Themen aufzuarbeiten, fehlt es inzwischen in Deutschland nicht mehr. Jetzt kommt es darauf an, aus den vielen Akteuren einen schlagkräftigen Verbund zu schaffen, der arbeitsteilig, aber koordiniert helfen kann, beim elektronischen Regieren und Verwalten spürbar voranzukommen und auch im digitalen Zeitalter ein wettbewerbsfähiger Standort zu bleiben. Das Weizenbaum- Institut könnte die Rolle eines Koordinators in einem solchen Netzwerk übernehmen, das in seiner Summe stärker wäre, als wenn jeder für sich marschiert.

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Studien & Themen, die Zeichen setzten https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/ https://www.divsi.de/studien-themen-die-zeichen-setzten/#respond Fri, 21 Dec 2018 08:58:06 +0000 https://www.divsi.de/?p=19405 Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen. Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo: „DIVSI will […]

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DIVSI Collage

Von 2012 bis in die Gegenwart: Fakten und Hintergründe präzise erforscht, neue Einblicke gegeben, viele Anregungen geliefert, Diskussionen angestoßen.

Der Anspruch war klar formuliert, die zu leistende Aufgabe stand vom ersten Tag an fest. Mit der Gründung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet war ein hohes Ziel anvisiert. Das Credo:

„DIVSI will einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Netz organisieren und mit neuen Aspekten beleben. Zudem wird das DIVSI die selbst gesetzten Ziele durch Unterstützung von Wissenschaft und Forschung erreichen. Es geht darum, potenzielle Risiken im Umgang mit dem Internet zu untersuchen und zu analysieren. Aufklärungsarbeit soll für eine Sensibilisierung und für eine Steigerung von Vertrauen und Sicherheit im Internet sorgen.“

Und auch die Methodik wurde sofort benannt: „Das Institut fördert den interdisziplinären Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Somit ist es das geeignete Forum für den Austausch ökonomischer, regulatorischer, rechtlicher, sozialer, kultureller und medienpolitischer Perspektiven. Arbeitsgrundlage sind zukunftsweisende strategische Projekte, für die man Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vernetzen will.“

Als Indiz dafür, dass die Aufgabe gemeistert wurde, kann allein schon die folgende Auflistung eigener DIVSI-Studien dienen. Sie sind zwischen sechs Jahren und knapp zwei Monaten alt. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung festgehaltenen Fakten sind sicher in der schnelllebigen Internet-Zeit nicht mehr sämtlich brandaktuell. Doch unverändert können auch sie als wichtiges Basismaterial dienen.

DIVSI BeteiligungslandkarteBeteiligungslandkarte Deutschland – Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen (2017)

Wie vielfältig und geläufig sind partizipative Formen der Internetnutzung im Lebensalltag der Menschen zur Unterstützung der eigenen Gesundheit oder zur Überwindung von Krankheiten? Welche soziodemografischen Unterschiede sind zu erkennen?

Brief Oder MailBrief oder E-Mail? DIVSI Studie über die Kommunikation im privat-geschäftlichen Bereich (2017)

Erstmals fundierte Erkenntnisse darüber, auf welchen Wegen privat-geschäftliche Kommunikation abläuft und welche Bedürfnisse sie bestimmen. Auch geht die Studie der Frage nach, inwieweit Menschen auf bewährte analoge Kanäle setzen und inwieweit sie inzwischen digitalen Möglichkeiten vertrauen.

Vertrauen in Kommunikation im digitalen ZeitalterVertrauen in Kommunikation im digitalen Zeitalter (2017)

Digitale Kommunikation gehört längst zum Alltag. Persönliche Informationen und sensible Daten werden ausgetauscht. Aber müssen dabei Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit in einem Spannungsverhältnis stehen? Welche rechtlichen, technischen und organisatorischen Antworten sollten für eine künftige sichere digitale Kommunikation gefunden werden, auf die die Menschen vertrauen können?

Digitalisierung – Deutsche fordern mehr SicherheitDigitalisierung – Deutsche fordern mehr Sicherheit (2017)

Die Deutschen stehen der Digitalisierung positiv gegenüber und sehen darin viele Vorteile für sich. Beim Thema Sicherheit im Internet erwarten sie allerdings mehr Engagement – vom Staat und von Unternehmen. Was bedeutet das für Vertrauen und für Kommunikation? Und wie sieht es mit der Eigenverantwortung der Nutzer aus? Die Untersuchung ergab auch auffallende Paradoxien zwischen Verantwortung und Vertrauen.

DIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in DeutschlandDIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland (2016)

Silver Surfer, Best Ager, 60+ – die Altersgruppe der über 60-Jährigen wird zunehmend wichtiger für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, denn sie macht jetzt schon etwa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung aus – Tendenz steigend. Die Studie liefert differenzierte, anschauliche und umsetzungsorientierte Erkenntnisse über die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen und räumt dabei auch mit einigen Vorurteilen auf.

DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“ (2016)

Die Digitalisierung hat die Mobilitätsdebatte vollends erfasst. Aber wie weit entwickelt sind datengelenkte Verkehrssysteme sowie eine sichere und ressourcenschonende Mobilitätskultur wirklich? Wie sind Schutz der Privatsphäre und Nutzung eines digitalen Assistenzsystems im Auto zu vereinbaren? Insbesondere vor dem Hintergrund der Machbarkeit analysiert und hinterfragt diese Studie eine Vielzahl von Diskussionen und Aktivitäten aus Europa und den USA.

DIVSI Internetmilieus 2016DIVSI Internet-Milieus 2016 – Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung (2016)

Wie beeinflusst der digitale Wandel das Leben der Menschen in Deutschland? Wie hat sich ihr Online-Verhalten in den letzten Jahren verändert? Welchen Stellenwert haben Internet und Smartphone im Lebensalltag? Wie denken die Menschen in der Nach-Snowden-Ära über Datensicherheit? Die repräsentative Studie bietet einen vertieften Blick in die aktuellen Lebenswelten unserer digitalen Gesellschaft.

Big DataBig Data (2016)

Zugespitzt auf die Themen „Smart Health“ und „Smart Mobility“ fasst der Bericht Erkenntnisse aus vielen Expertenrunden des DIVSI-Forschungsprojekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ zusammen. Er liefert Argumente für eine gesellschaftliche Debatte und wägt dabei Chancen und Risiken ab.

Recht Auf VergessenwerdenDas Recht auf Vergessenwerden (2015)

Die Entscheidung des EuGH zum „Recht auf Vergessenwerden“ lässt Fragen unbeantwortet, die im Spannungsfeld zwischen Persönlichkeitsrechten, Datenschutz und dem Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit liegen. Dieser komplexen Problematik widmet sich diese Publikation und formuliert schließlich konkrete Empfehlungen für einen „Lösch-Kodex“.

DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie?DIVSI Studie Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie? (2015)

Was ist Beteiligung im Internet eigentlich genau? Wie und weshalb bringen Internetnutzer sich ein? Die zweite Studie im Rahmen des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Netz“ untersucht Formen, Vorteile und Hürden der Beteiligung im Internet aus Sicht der DIVSI Internet- Milieus. In der qualitativen Untersuchung kommen dabei die Internetnutzer selbst zu Wort.

DIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen WeltDIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen Welt (2015)

Wann und wie kommen Kinder mit digitalen Medien und dem Internet in Berührung? Welche Bedeutung messen Eltern, Erzieher und Lehrer dem Internet für die Zukunft der Kinder bei? Welche Chancen und Risiken werden wahrgenommen, wer trägt die Verantwortung? Die Studie hat Kinder zwischen 3 und 8 Jahren im Blick und lässt sie auch selbst zu Wort kommen.

Daten Ware und WährungDIVSI Studie – Daten: Ware und Währung (2014)

In einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung untersucht DIVSI das Online-Nutzungs- und -Konsumverhalten in Deutschland. Im Fokus stehen Einstellungen der Internetnutzer zu Themen der Datensicherheit sowie Weiterverwendung von persönlichen Daten.

DIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit SmartphonesDIVSI Studie – Wissenswertes über den Umgang mit Smartphones (2014)

Durch Smartphones sind Menschen heute nahezu ununterbrochen über das Internet miteinander verbunden. Mit steigendem Nutzungsumfang fällt dabei eine Vielzahl von Daten an. Unter der Leitfrage „Was geschieht mit meinen Daten?“ war es Ziel der Studie, das Bewusstsein der Nutzer dafür zu schärfen, welche Daten auf dem Smartphone sein können, welche Möglichkeiten der Einsichtnahme und Einflussnahme sie bei unterschiedlichen mobilen Betriebssystemen haben.

Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex? (2014)

Mit dem Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ lotet DIVSI aus, ob ein Digitaler Kodex ein geeignetes Mittel ist, verbindliche Regeln im Internet auszuhandeln und durchzusetzen. Der Projektbericht steuert nicht nur zu diesem Gedanken Anregungen bei. Er bietet darüber hinaus generelle Anstöße, über die nachzudenken lohnt.

DIVSI Studie Beteiligung InternetDIVSI Studie zu Bereichen und Formen der Beteiligung im Internet (2014)

Das DIVSI-Forschungsprogramm „Beteiligung im Netz“ leistet auf einer breiten theoretischen und empirischen Basis einen Beitrag zum öffentlichen Verständnis der Beteiligungschancen des Internets – und ihrer Voraussetzungen. Die Studie präsentiert einen ersten Schritt in diesem Vorhaben und verschafft einen Überblick über den heutigen Stand der Forschung.

DIVSI U25-StudieDIVSI U25-Studie (2014/2018)

Die DIVSI U25-Studie liefert erstmals fundierte Antworten auf Fragen, die das Verhalten der nachwachsenden Generation im Hinblick auf das Netz betreffen. Über die Nutzungsformen hinaus werden auch die Denk- und Handlungslogiken sowie der lebensweltliche Hintergrund untersucht. Die Nachfolge-Studie wurde gerade vorgestellt.

DIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im InternetDIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im Internet (2013)

Wie sicher fühlen sich die Deutschen im Internet? Wie viel Freiheit und Selbstbestimmung wollen sie? Nach wie viel Regulierung wird verlangt? Die Studie zeigt ein detailliertes Bild des Nutzungsverhaltens der Deutschen im Internet und ihrer Wahrnehmung von Chancen und Risiken.

Entscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im InternetEntscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2013)

Wie denken Entscheider über das Internet? Welchen Akteuren schreiben sie welche Verantwortung und welche Einflussmöglichkeiten zu? Was sagen sie zu Sicherheits- und Freiheitsbedürfnissen? Die Studie verdeutlicht erstmals, wie diejenigen über das Internet denken, die wesentlich die Spielregeln gestalten und Meinungsbilder prägen.

Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“Meinungsführer-Studie „Wer gestaltet das Internet?“ (2012)

Wie gut kennen sich Meinungsführer im Netz aus? Wie schätzen sie ihre Einflussmöglichkeiten ein? Welche Chancen, Konfliktfelder und Risiken erwachsen daraus? In persönlichen Gesprächen wurden führende Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden interviewt.

Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet + AktualisierungMilieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet (2012) + Aktualisierung (2013)

Die Milieu-Studie differenziert erstmals unterschiedliche Zugangsweisen zum Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet in Deutschland, basierend auf einer bevölkerungsrepräsentativen Typologie.

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Digitalisierung im Gesundheitswesen https://www.divsi.de/digitalisierung-im-gesundheitswesen/ https://www.divsi.de/digitalisierung-im-gesundheitswesen/#respond Mon, 15 Oct 2018 07:44:35 +0000 https://www.divsi.de/?p=19218 Zielgerichtete Arbeit an E-Health und der dafür notwendigen Gesetzgebung in China. Von Chenchao Liu Laura Nelson Carney, erfahrene Asia-Pacific-Healthcare-Analystin bei Bernstein Research, bringt es auf den Punkt: „Es ist fair zu sagen, dass die chinesischen Technologieunternehmen im Gegensatz zu den USA sich im Gesundheitsbereich engagieren und aktiv im Gesundheitswesen tätig sind. In den Vereinigten Staaten […]

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Digitalisierung im Gesundheitswesen

Foto: PR Image Factory | Shutterstock

Zielgerichtete Arbeit an E-Health und der dafür notwendigen Gesetzgebung in China.

Von Chenchao Liu

Laura Nelson Carney, erfahrene Asia-Pacific-Healthcare-Analystin bei Bernstein Research, bringt es auf den Punkt: „Es ist fair zu sagen, dass die chinesischen Technologieunternehmen im Gegensatz zu den USA sich im Gesundheitsbereich engagieren und aktiv im Gesundheitswesen tätig sind. In den Vereinigten Staaten machen das dagegen nur einige und andere nicht.“

Das Gesundheitswesen im Reich der Mitte erlebt gerade eine epochale Zäsur durch die enorme Geschwindigkeit der Digitalisierung und Novellierung zahlreicher Gesetzgebungen und Verordnungen.

China muss diversen Herausforderungen trotzen. In China sind die Krankenhäuser überlastet, und die Arbeitsbelastung der Ärzte ist außergewöhnlich hoch. Es gibt nur etwa 1,5 Ärzte pro 1.000 Personen. Die chinesische Regierung hat als Ziel gesetzt, dass das Land die führende Position in K.I. bis 2030 (13th Five Year Plan of PRC) erreichen soll. Daher fördert die Regierung den entsprechenden technologischen Schub.

Große Internet-Giganten wie Alibaba und Tencent haben die Gesundheitsfürsorge schon vor Jahren zu einem wichtigen Teil ihrer strategischen Agenda gemacht. Dienstleistungen wie medizinische Online-Beratung und Drogenverfolgungssysteme wurden bereits getestet. Diese beiden Technologie-Titanen dominieren die chinesischen E-Commerce-Sektoren. Ihre jüngsten Fortschritte ermöglichen es den Ärzten, effizient mithilfe von Diagnosewerkzeugen zu arbeiten.

Konsultation online

Alibaba hat bereits 2014 den zukünftigen Krankenhausplan vorgestellt, der die Arbeit der Ärzte effizienter machen soll. Im Wesentlichen ermöglicht er es den Ärzten, Patienten online zu konsultieren und dafür zu sorgen, dass die Patienten Medikamente online bestellen können. Dabei wird darauf geachtet, nicht nur den Schutz der Privatsphäre von Patienten zu verbessern und zu regulieren. Das gilt auch für den Verkauf von rezeptfreien Medikamenten. Daher wurde der Verkauf von OTC-Medikamenten auf Alibabas E-Commerce-Website von chinesischen Aufsichtsbehörden ausgesetzt.

Insgesamt beschäftigen sich mehr als 130 chinesische Unternehmen mit K.I. im Gesundheitswesen. So jedenfalls verdeutlichen es Zahlen des Pekinger Beratungsunternehmens Yiou Intelligence. Unter ihnen sind nicht nur Marktführer wie Alibaba und Tencent, sondern auch eine Reihe von Start-ups.

Die Firma Yitu arbeitet an der Entwicklung von Software, welche die Identifizierung von frühen Stadien von Lungenkrebs automatisiert. Die Firma beschäftigt sich mit komplexen Herausforderungen bei der Bilderkennung, wie Krebs-Scans. Diese Software würde nicht nur die Arbeitsbelastung überarbeiteter Ärzte verringern. Sie würde gleichzeitig auch den Zugang zu medizinischer Versorgung sicherstellen.

Smog Shanghai

Foto: Hung Chung Chih | Shutterstock

Verbesserung

Laut Yitu-Gründer Chenxi Liu sind die medizinischen Ressourcen in China sehr knapp und ungleich verteilt. Deshalb sind derzeit noch die Spitzenressourcen in den Provinzhauptstädten konzentriert. Mit diesem System wird, wenn es in Krankenhäusern in ländlichen Gegenden verwendet werden kann, die medizinische Versorgung deutlich verbessert werden.

Auch in China haben der Schutz persönlicher Daten, die Rechte an geistigem Eigentum und der globale Fluss von Menschen und Internet-Technologien die ambivalente Entwicklung von E-Health, die aktuellen nationalen Gesetze und Vorschriften sowie regulatorische Systeme infrage gestellt.

Die gegenwärtige Situation in China führt erstmals das Konzept der „persönlichen biometrischen Information“ in die Gesetzgebung ein. Im Juni 2015 verabschiedete der Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses dazu das „Netzsicherheitsgesetz der Volksrepublik China (Entwurf)“. Das Konzept der persönlichen biometrischen Informationen wurde zuerst in die Definition der persönlichen Informationen aufgenommen. Dies bedeutet, dass der Gesetzgeber begonnen hat, auf die Merkmale der medizinischen und Gesundheitsinformationen zu achten. Durch die entsprechende Gesetzgebung sollen allmählich die persönliche Informationserfassung, -nutzung und -speicherung von E-Health geregelt werden.

Die Gesundheitsinformationen der Bürger dürfen nicht auf Servern im Ausland gespeichert werden. Man darf ausländische Server auch nicht beauftragen oder ausleihen. Grundsätzlich scheint die Entwicklung von E-Health gemeinsames Ziel der ganzen Welt zu sein, um durch die Digitalisierung das Gesundheitsmanagement und die medizinische Betreuung insgesamt zu verbessern. Aber auch in China sieht man es in den nächsten Jahren als einen Mittelpunkt der Arbeit an, persönliche und die nationale Informationssicherheit zu verbessern. Nur dann lässt sich ein ausgewogenes Gleichgewicht bei der Aufgabe E-Health erreichen.

Bürgerrechte

Laut dem US-amerikanischen Marktforschungsunternehmen Grand View Research (2016) wird der globale E-Health-Markt bis 2022 voraussichtlich 308 Milliarden US-Dollar erreichen. Da mehr und mehr Unternehmen E-Health als ihr Hauptgeschäft ansehen, ist Hightech-Technologie in den Fokus von E-Health geraten. Deshalb treten auch immer häufiger Fragen im Zusammenhang mit dem Recht an geistigem Eigentum auf.

Ob die Rechte des geistigen Eigentums in den Geltungsbereich des Zivil- und Handelsrechts fallen, war in der akademischen Gemeinschaft schon immer ein Thema. Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass das Recht des geistigen Eigentums ein wichtiger Teil des Zivilrechts ist, während andere der Meinung sind, dass das Recht auf geistiges Eigentum bestimmten Beschränkungen unterliegt. Mit dem Aufkommen dieser Art von Fragen haben solche Diskussionen mehr und mehr Bedeutung erlangt, insbesondere die Forschung zu Bürgerrechten und geistigem Eigentum an „gesundheitsmedizinischen Daten“, die an der rapiden Entwicklung von E-Health beteiligt sind. Ein solcher Vorgang ist auch verstärkt in China zu beobachten.

Die drei relevanten grundlegenden Elemente von E-Health sind intelligente Hardware, Software und Daten im Gesundheitswesen. Auf dieser Basis ist man jetzt dabei, ein Netzwerk aufzubauen, das Patienten, medizinische Einrichtungen, Regierungsbehörden, Einrichtungen des Gesundheitswesens und des Gesundheitsmanagements verlinkt. Dieser Link umfasst als Kernelemente persönliche Informationen eines Individuums. Dazu zählen Aspekte wie persönliche elektronische Patientenakten, elektronische Gesundheitsakten, Rezepte, Drogenkonsum, allgemeine Berichte, Labor- und Inspektionsberichte oder auch Sport- und medizinische Verbrauchsgewohnheiten.

China Gesundheitswesen

Foto: XiXinXing | Shutterstock

Fragenbündel

Der Umgang mit den nach dem Datenschutz (in China wird es Gesundheitsdaten genannt) entstandenen Daten, deren Eigentums- und Nutzungsrechte sind ein nachhaltig diskutiertes Thema. An dieser Stelle soll jedoch nicht das Thema des Schutzes personenbezogener Informationen und der nationalen Informationssicherheit behandelt werden. Hier geht es vielmehr um die Bürgerrechte bezüglich der verarbeiteten Daten und die damit verbundenen Fragen des geistigen Eigentums.

Nach dem Zivilrechtssystem umfasst der Besitz an Eigentum vier Aspekte: Besitz, Nutzungsrechte, Einkommensrechte und Verfügungsrechte. Eine Reihe von wichtigen Fragen beherrschen dabei die Diskussionen:

  • Wem gehören die Gesundheitsdaten – dem Land, Krankenhäusern, Praxen, einem autorisierten Inkassobüro, einer Informationsverarbeitungsagentur?
  • Wem gehört das geistige Eigentum, das Gesundheitsdaten bildet?
  • Welche Art von geistigem Eigentum ist geistiges Eigentum an den Daten? Passt es zu den allgemeinen Urheberrechten? (Lou 2016)

Derzeit werden Anwendungen von E-Health-Technologien häufig durch Verarbeitung der Daten in den ursprünglichen Datenbankänderungen durchgeführt. Dazu gehört es auch, einige Inhalte zu entfernen, einige zu ändern und andere hinzuzufügen. Die Daten werden also vielseitig bearbeitet und generalisiert, haben aber immer noch individuelle Merkmale.

Diese individualisierten Merkmale sind nicht länger die Originaldaten, aber es müssen einige Richtungsidentifikationsmerkmale in den Datenmerkmalen vorhanden sein, um bei Bedarf zu den Originaldaten zurückkehren zu können. Gerade deshalb ist der Begriff des Urheberrechts im herkömmlichen, traditionellen Sinn nicht eins zu eins direkt im E-Health-Bereich anzuwenden.

Aufgrund der genannten Probleme ist es schwierig, binnen kurzer Zeit einen umfassenden Konsens zu bilden. Dies wird insbesondere länderübergreifend schwierig, da diverse demografische Faktoren und ein je andersartiger Entwicklungsstand der Technologien für unterschiedliche Positionen sorgen. Deshalb dient der Fortschritt bei der Konkretisierung der Gesetzgebung im Bereich E-Health auch dem verstärkten Wunsch nach einer besseren Harmonisierung der internationalen Regeln und stellt gleichzeitig ein Zeichen der Zukunftsfähigkeit einer Nation in der Digitalisierung dar.

Die gesundheitsbezogenen Daten sind persönliche und sensitive Informationen eines Individuums, zu deren Schutz der Staat samt allen Institutionen verpflichtet ist. Diese persönlichen Daten sollten ausschließlich dazu dienen, Menschen die Vorzüge und Funktionalitäten von E-Health mithilfe dieser Daten uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen.

China hat mit der Initiative Healthy China 2030 ambitionierte Ziele für die 1,4 Milliarden Menschen gesetzt. Es bleibt offen, wie stringent und nachhaltig die Maßnahmen und Reformen eine dauerhafte Verbesserung der nationalen Gesundheitsversorgung herbeiführen werden. Digitalisierung wird dabei eine unerlässliche Rolle spielen, wobei es mit Spannung zu beobachten ist, ob China nicht nur technologisch, sondern auch datenschutzrechtlich ein Vorreiter sein kann.

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Chinas Gesellschaft als Treiber der Digitalisierung https://www.divsi.de/chinas-gesellschaft-als-treiber-der-digitalisierung/ https://www.divsi.de/chinas-gesellschaft-als-treiber-der-digitalisierung/#respond Mon, 08 Oct 2018 09:21:38 +0000 https://www.divsi.de/?p=19202 Anspruchsvolle Konsumenten und selbstbewusste Start-up-Unternehmer. Von Kristin Shi-Kupfer Es war eine Nachricht, die scheinbar so gar nicht zu der hiesigen Aufregung über Chinas digitale Entwicklung passen wollte. Chinesische Konsumenten, hierzulande vor allem als enthusiastische Nutzer neuer Technologien bekannt, probten einen kleinen Aufstand. Anfang August machten sich Tausende wütender Kleinanleger aus dem ganzen Land auf in […]

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Chinas Gesellschaft als Treiber der Digitalisierung

Foto: sacilad | Shutterstock

Anspruchsvolle Konsumenten und selbstbewusste Start-up-Unternehmer.

Von Kristin Shi-Kupfer

Es war eine Nachricht, die scheinbar so gar nicht zu der hiesigen Aufregung über Chinas digitale Entwicklung passen wollte. Chinesische Konsumenten, hierzulande vor allem als enthusiastische Nutzer neuer Technologien bekannt, probten einen kleinen Aufstand.

Anfang August machten sich Tausende wütender Kleinanleger aus dem ganzen Land auf in Richtung Finanzdistrikt im Westen Beijings. Sie wollten ihrem Frust über das Geld, das sie an windige Betreiber von Online-Kreditplattformen (auch Peer-to-Peer oder P2P genannt) verloren hatten, Luft machen. Und sie wollten die chinesische Zentralregierung in die Pflicht nehmen, das verlorene Geld zurückzuerstatten. Größere Proteste konnten die chinesischen Behörden letztlich verhindern – durch einen koordinierten Polizeieinsatz vor Ort, vor allem aber auch mithilfe des zunehmend umfassenderen digitalen Überwachungsnetzes. Womit die Wahrnehmung des Westens wiederhergestellt war: China ist eine globale Cybermacht, die ihre Bürger mit digitalen Techniken kontrollieren will.

Chinas Bevölkerung

Angekommen: Chinas Bevölkerung ist auch Treiber der Digitalisierung. (Foto: atiger | Shutterstock)

Was bei dieser Wahrnehmung oft übersehen wird: Chinas Bevölkerung ist nicht nur ein williger Empfänger, sondern auch Mitgestalter und oftmals sogar Treiber der Digitalisierung in der Volksrepublik. Wie die chinesische Zentralregierung ihre digitalen Ambitionen in punkto innovationsgetriebenes Wachstum, effizientes Regieren und globale Technologieführerschaft vorantreiben kann, wird deshalb entscheidend vom Verhalten der chinesischen Bevölkerung abhängen. Jüngste Trends zeigen, dass Chinas Gesellschaft die digitale Politik der Zentralregierung durchaus herausfordert.

China Digitalisierung

Foto: sacilad | Shutterstock

Beispiel 1: Die eingangs erwähnten Kleininvestoren. Mit der Freigabe der Peer-to-Peer-Plattformen setzte die chinesische Regierung auf ein altbewährtes Mittel der Innovations- und Wachstumsförderung. 2015 riefen Ministerpräsident Li Keqiang und der damalige Zentralbankchef Zhou Xiaochuan die Plattformen ins Leben – ohne jedoch große, umfassende gesetzliche Rahmenbedingungen aufzusetzen. Die Dynamik des digitalen Marktes sollte eine vitale Finanzierungsquelle für kleine und mittelständische Unternehmen in China schaffen.

Das gelang auch zunächst teilweise: Die Zahl der Plattformen verzehnfachte sich innerhalb von nur drei Jahren. China ist heute der weltweit finanzkräftigste P2P-Markt. Auch aus Mangel an Alternativen für lukrative Geldanlagen entstanden durch die P2P-Plattformen eine Art Geldrausch. In der Hoffnung auf schnelles, großes Geld und im Vertrauen auf staatliche Rückendeckung ließen sich Anleger auf immer aberwitzigere Zinsraten ein, an welchen die Betreiber kräftig mitverdienten. Kreditnehmer konnten die entsprechenden Rückzahlungen bald nicht mehr leisten, gefährliche Verschuldungsketten entstanden, an deren anderem Ende die Kleinanleger festsaßen.

Schließlich musste die Zentralregierung aktiv werden: Sie schloss viele unseriöse und betrügerisch agierende Plattformen und unterstellte den gesamten Bereich einer zentralen Clearing-Stelle. Die zukünftige Herausforderung: Wie kann die Zentralregierung die Rahmenbedingungen für nachhaltige digitale Marktmechanismen schaffen und dabei Wildwest-Mechanismen verhindern – ohne ein unabhängiges Rechtssystem und aufklärende Medienberichterstattung?

Beispiel 2: Der Schutz privater Daten. Sowohl chinesische offizielle Medienberichte als auch Studien ausländischer Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass Chinesen entweder keine, oder wenn doch, eine durchaus positive Einstellung zum sogenannten sozialen Bonitätssystem haben. Bis 2020 will die chinesische Zentralregierung ein umfassendes nationales System zur Bewertung von Zahlungsmoral, Verkehrsverhalten oder Online-Gewohnheiten einführen. Lokale Pilotprojekte mit „Schwarzen Listen“ und kommerzielle Modelle für je nach Punktzahl erlaubte Zugänge, zum Beispiel zu Reisebuchungen, existieren bereits. Laut der Berichte und Studien zeigt sich eine Mehrheit überzeugt von dem Argument der Regierung, dass mithilfe von Gesichtserkennung und Datenanalyse Verbrecher und Unruhestifter gefasst und die Gesellschaft sicherer gemacht würde.

Social Scoring

Die lückenlose Erfassung des Lebens wird Einfluss auf den Alltag der Menschen haben. Doch viele Bürger finden das sogar gut. (Foto: yuyangc | Shutterstock)

Eine im März dieses Jahres durchgeführte Umfrage des staatlichen Fernsehsenders CCTV und des Unternehmens Tencent Research unter rund 8.000 Teilnehmern zeigt jedoch auch einen anderen Trend: 76,3 Prozent der Teilnehmer sehen im Vormarsch von Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) in der IT eine Gefahr für ihre Privatsphäre. Rund ein Drittel (31,7 Prozent) fühlt sich bereits in der ein oder anderen Form bedroht. Und das, obwohl Peking KI zum Allheilmittel für fast alle Probleme ausgerufen hat und die eigene Forschung und Entwicklung in diesem Bereich mit massiven Investitionen vorantreibt.

Entrüstung

Auch brach ein Sturm der Entrüstung unter Chinas Netizens los, als der Chef des chinesischen Suchmaschinenbetreibers Baidu, Robin Li, ebenfalls im März dieses Jahres erklärte: „wenn Nutzer Privatsphäre gegen Bequemlichkeit, gegen Sicherheit, gegen Effizienz tauschen können, dann tun sie das in vielen Fällen“. Zwei Monate zuvor hatte das halb staatliche Komitee für Konsumentenschutz in der östlichen Provinz Jiangsu die Firma Baidu wegen illegalen Sammelns von Daten angeklagt. Baidu entschuldigte sich, ohne aber rechtliche Konsequenzen zu tragen.

Die zunehmende Sensibilität vieler Chinesen für Belange des Datenschutzes ist begründet: Denn trotz einer Reihe von jüngst verabschiedeten gesetzlichen Regelungen, die hauptsächlich Firmen und weniger Regierungsstellen in die Verantwortung nehmen, hat die Zahl von Datenschutzverletzungen in der Volksrepublik zugenommen: 2017 waren nach Erhebungen der chinesischen Forschungseinrichtung Internet Society of China rund 80 Prozent der chinesischen Internet-Nutzer von Datenverlusten (data leaks) betroffen. Es bleibt zu beobachten, wie sich das Bewusstsein und die Möglichkeiten von chinesischen Nutzern in Bezug auf Datenschutz entwickelt, wenn das soziale Bonitätssystem weiter Gestalt annimmt.

Beispiel 3: Die zunehmend selbstbewussten Start-up-Unternehmer. Die chinesische Gesellschaft ist vom Gründungsfieber gepackt. Mit einem eigenen Produkt Erfolg zu haben, ist für viele junge Chinesen attraktiver, als für andere zu arbeiten oder gar ein Leben lang Beamter zu sein. Viele wagen den Schritt in die Selbstständigkeit und bringen dabei einige Jahre Erfahrung und Netzwerke aus der IT-Branche mit. Sie tummeln sich am liebsten im Bereich der sogenannten Online-to-Offline-Dienste (O2O), wie beispielsweise Service-Apps für Essenslieferungen, oder im E-Commerce.

In großen Städten können angehende Gründer dabei in Hightech- und Kreativ-Parks Fuß fassen, die von lokalen Regierungen initiiert und bezuschusst werden. In Metropolen wie der südchinesischen Stadt Shenzhen finden Start-ups mit Hardware-Ambitionen zudem eine hohe Fabrikdichte und gut ausgebaute Logistiknetzwerke. Prototypen können dort günstig produziert und an den Kunden oder den Investor gebracht werden. Nationale und internationale Wagniskapital- Investoren befeuern Chinas Startup- Boom weiter.

China Digitalisierung 3

Foto: sacilad | Shutterstock

Chinas Regierung hat seit Anfang 2015 eine Reihe von Maßnahmen zur Förderung der Start-up-Industrie auf den Weg gebracht. Im Mai 2017 richtete sie einen mit umgerechnet 2,6 Milliarden US-Dollar ausgestatteten Wagniskapital- Fonds ein. Damit sollen in erster Linie Start-ups im Hardware-Bereich unterstützt werden. Noch mehr Geld will die chinesische Führung in den Sektor locken, indem sie verstärkt Börsengänge von IT-Start-ups im Inland unterstützt und Restriktionen für ausländische Investitionen in den Bereich lockert. Insbesondere E-Commerce-Unternehmen sollen Pekings Ankündigungen zufolge von vereinfachten Registrierungsvorschriften und Steuererleichterungen profitieren können.

Talentmangel

Fragt man chinesische Start-up-Unternehmer nach der größten Herausforderung für Innovation, antworten sie mehrheitlich: der Mangel an gut qualifizierten Mitarbeitern. Im Bereich privater und staatlicher Finanzierung kann China durch die straffe politische Steuerung von oben schnell Fortschritte erzielen. Das Problem der mangelnden Talente wiegt schwerer: Es geht nicht – so jüngste Umfragen der chinesischen IT-Plattformen iResearch und Changyebang – um fehlendes Fachwissen, sondern vor allem um „Out of the box“-Denken und die Entwicklung kreativer Marketingstrategien. Dazu bräuchte China nicht nur mehr Start-up-bezogene Kurse, sondern ein offenes, pluralistisches Bildungssystem, das auch abweichende Meinungen fördert. Die Vorstöße der Regierung, westliche Lehrbücher an Universitäten zu verbieten und Forscher durch das Verbot ausländischer VPN-Verbindungen von wichtigem globalem Wissensaustausch abzuschneiden, sprechen derzeit jedoch eine andere Sprache.

Herausforderung

Chinas junge IT-Unternehmer stört dies alles wenig, solange sie zwischen Niederlassungen in Silicon Valley, Europa und China frei hin- und herreisen, ihre Mobiltelefone überall benutzen und Daten in den Clouds ausländischer Anbieter lagern können. Nur selten kritisieren sie die Abschottungspolitik Pekings. Sie arrangieren sich, wo es notwendig und gewinnfördernd ist. Ansonsten ziehen es viele von ihnen vor, die Politik einfach zu ignorieren und sich ihre eigene Welt aufzubauen. Das ist vielleicht die größte Herausforderung für die chinesische Regierung, was die angestrebte staatliche Lenkung der digitalen Innovation angeht. Sie erreicht die smarten Gründer mit ihren kollektivistischen Beschwörungen von nationaler Cybersicherheit und „westlicher Infiltration“ kaum. Was die Start-up-Unternehmer mit der Digitalisierung verbinden, ist vor allem, genauso reich zu werden wie der Alibaba-Gründer Jack Ma.

Abschied von Jack Ma

Abschied vom Vorbild. Jack Ma, Gründer von Alibaba, hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Man darf gespannt sein, wie sich sein Imperium jetzt weiterentwickelt. (Foto: feelphoto | Shutterstock)

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Herausforderungen der Digitalethik https://www.divsi.de/herausforderungen-der-digitalethik/ https://www.divsi.de/herausforderungen-der-digitalethik/#respond Mon, 23 Jul 2018 08:21:52 +0000 https://www.divsi.de/?p=18310 Noch steht die Debatte darüber am Anfang. Sie wird sicher auf absehbare Zeit notwendig bleiben. Von Björn Haferkamp In Vorträgen, Positionspapieren und dem lebhaften Konferenzprogramm zu Themen der Digitalisierung ist das Stichwort der Digitalethik mittlerweile eine feste Größe. Doch so komplex und vielschichtig die Digitalisierung ist – die Ethik für eine digitale Welt ist es […]

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Digitalethik

Foto: pikcha – Shutterstock

Noch steht die Debatte darüber am Anfang. Sie wird sicher auf absehbare Zeit notwendig bleiben.

Von Björn Haferkamp

In Vorträgen, Positionspapieren und dem lebhaften Konferenzprogramm zu Themen der Digitalisierung ist das Stichwort der Digitalethik mittlerweile eine feste Größe. Doch so komplex und vielschichtig die Digitalisierung ist – die Ethik für eine digitale Welt ist es nicht weniger. Die Karikatur all der gut gemeinten Reden und Manifeste zur Digitalisierung ist das schon seit Langem beliebte Buzzword- Bingo. Es persifliert die gehäufte Verwendung inhaltsleer gewordener Schlagworte. Dieses Schicksal sollte der Digitalethik erspart bleiben. Die Digitalethik sollte keine Buzzword-Ethik werden.

Für Skeptiker vielleicht ein frommer Wunsch, doch auf anderen Ethikfeldern ist das tatsächlich einigermaßen gut gelungen, etwa in der Wirtschaftsethik oder in der Medizinethik. Dieser Stand wurde allerdings nicht von heute auf morgen erreicht. Dahinter stecken allgemeine und detailreiche Analysen, zahlreiche Lösungsvorschläge und viele Diskussionen.

Definition

Einige Erfahrungen mit diesen Ethiken kann man auf die Digitalethik übertragen: zum Beispiel, dass niemand über eine größere ethische Autorität als jeder andere klar denkende Beurteiler verfügt, wie der Moralphilosoph Dieter Birnbacher hervorhebt, aber auch, dass mitunter von Ethikern zu viel erwartet wird, nämlich Sicherheit und weltanschauliche Orientierung. Auch die Digitalethik kann keine Doktrin oder Formelsammlung sein. Denn oft sind ethische Probleme vielschichtig, nicht auf Anhieb transparent und betreffen die Interessen sehr unterschiedlicher Akteure.

Häufig sind auch die Begriffe, die ein Thema vorgeben, unklar. Was genau ist Big Data, was Social Media, Dateneigentum, Digitale Teilhabe oder Maschinenlernen? Das sind nicht nur Fragen von Laien, auch die Fachleute operieren mit uneinheitlichen Definitionen. Meist ist das kein Problem, solange sich Arbeitsfelder nicht überlappen. Dies ändert sich aber spätestens, sobald sich ethische Probleme aufdrängen. Denn unterschiedliche Auffassungen einer Sache können zu sehr verschiedenen normativen Schlussfolgerungen führen. Was in der einen Sicht Kern des Problems ist, taucht in einer anderen vielleicht nur am Rande auf.

Problemfeld

Überhaupt liegt hier eine der größten derzeitigen Aufgaben der Digitalethik. In der konventionellen ethischen Praxis ist in der Regel das Problem bekannt, für das dann eine ethisch angemessene Lösung gesucht wird. Bei der Digitalisierung sind aber oft nicht einmal Art und Anzahl der ethischen Probleme eindeutig: Bei dem raschen technologischen Fortschritt „hinkt das Verständnis der ethischen Implikationen oft hinterher“, wie Brent Mittelstadt und Luciano Floridi vom Oxford Internet Institute konstatieren. Ein solches Verständnis wäre aber erst einmal die Voraussetzung, um über ethische Antworten nachdenken zu können. Entsprechend geht es in der Digitalethik zunächst auch darum, das Problemfeld zu kartografieren und zu strukturieren.

Nehmen wir die Frage des Dateneigentums. Rechtswissenschaft und politische Akteure diskutieren eifrig, denn Entscheidungen darüber, wie mit Daten umgegangen werden soll, sind dringend notwendig. Dabei bezieht man sich auf bestehende Gesetze, Regelungen und die Rechtsprechungspraxis. Sollen Daten den betroffenen Personen als Vermögensrecht zugewiesen werden? Handelt es sich um Sacheigentum oder um Immaterialgüter? Oder führen solche Konzepte bei Daten zu unerwünschten Resultaten, wie etwa der leichtfertigen und endgültigen Übertragung von Rechten an den eigenen Daten? Und wie kann man dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht und dem Selbstbestimmungsrecht gerecht werden?

Selbst juristische Laien in dieser Debatte erkennen, dass den dringenden ethischen Erfordernissen bislang keine eindeutigen und überzeugenden Normen gegenüberstehen. Der Klärungsbedarf besteht nicht nur juristisch und politisch, sondern ganz grundsätzlich auch auf der Ebene der Ethik. Solange das so ist, darf man erwarten, dass die Diskussionen – auch wenn Vereinbarungen getroffen wurden – anhalten werden. Zu viele unterschiedliche Aspekte sind betroffen – Lebensbereiche, Interessen, ordnungspolitische Aspekte, Werte usw. –, als dass unmittelbar auf der Hand läge, welcher Weg zu beschreiten ist.

Ethik beharrlich

Privatsphäre

Besitzt ein mittelständisches Unternehmen seine Maschinen- und Produktionsdaten? Wie ist es mit Anwendern von eHealth-Apps? Oder mit Autofahrern, Herstellern, Versicherern und Verkehrsbehörden? Viele unterschiedliche Arten von Akteuren spielen eine Rolle. Bei all dem sind die Interessen des einzelnen Menschen aus ethischer Sicht besonders prekär und schützenswert. Aber für das Recht auf Privatsphäre des Einzelnen finden sich unterschiedliche ethische Begründungen, die teils weit in die vordigitale Zeit zurückreichen. Macht sie das obsolet oder im Gegenteil vielleicht besonders relevant?

Manche ethischen Begründungen führen das Recht auf Privatheit auf andere, grundlegendere Rechte zurück, betrachten es also als reduzibel. Die Auffassung dagegen, Privatheit sei ein intrinsischer Wert, kommt der verbreiteten Intuition entgegen, dass sie an sich wertvoll ist. Schließlich gibt es noch eigentumsbasierte und funktionale Begründungen des besonderen Wertes des Privaten. Nicht alle diese Positionen sind befriedigend, aber sie heben unterschiedliche Aspekte hervor, die nicht außer Acht gelassen werden können, wenn man ethisch akzeptable Prinzipien finden will.

Besonders deutlich wird das Problem der Identifikation und Implementierung ethisch akzeptabler Prinzipien bei autonomen Maschinen, denn hier möchte man natürlich keine wahllosen und unverantwortlichen Verhaltensweisen in die Welt setzen, sondern besonders umsichtige und schadensminimierende. Entsprechende Prinzipien wird aber nur eine sorgfältige Debatte liefern können, die nicht von Marketing- oder politischen Werbestrategien dominiert wird. Das gilt auch für die anderen ethischen Herausforderungen, die teilweise überhaupt erst einmal angemessen aufbereitet und verstanden werden müssen.

Wie bei Medizinethik, Wirtschaftsethik oder Technikethik erfordert auch die Digitalethik Sachkenntnis von Vertretern verschiedener Bereiche, ein ethisches Gespür für die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse der Stakeholder und manchmal auch Geduld. Die Vielfalt der Gesichtspunkte hat dabei auch ihr Gutes. Sie trägt dazu bei, dass in einer komplexen Gemengelage wichtige Einzelaspekte nicht unter den Tisch fallen – ein Problem, das man in den letzten Jahren bei der Digitalisierung gelegentlich beobachten konnte.

Beharrlichkeit

Es ist mitunter eine Versuchung für wirtschaftliche und politische Akteure, voreilig vollendete Tatsachen zu schaffen. Aber die Ethik ist beharrlich. Unbefriedigend beantwortete Fragen stellt sie einfach immer weiter. Noch steht die Debatte über die Digitalethik in vielem ganz am Anfang. Sie wird sicher auf absehbare Zeit notwendig bleiben.

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Zwischen Anthropozän und Technozän https://www.divsi.de/zwischen-anthropozaen-und-technozaen/ https://www.divsi.de/zwischen-anthropozaen-und-technozaen/#respond Mon, 16 Jul 2018 07:00:43 +0000 https://www.divsi.de/?p=18273 Selbstbestimmtes Leben im Zeitalter von Algorithmen und KI? Grundsätzliche Gedanken zu aktuellen Problemen in unserer vernetzten Gesellschaft. Und Blicke auf das, worauf es künftig ankommt. Von Joanna Schmölz Die Digitalisierung ist nicht einfach nur technischer Fortschritt – sie nimmt enormen Einfluss auf das Hier und Jetzt sowie auf die Zukunft der zunehmend vernetzten Gesellschaft und […]

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Zwischen Anthropozän und Technozän

Selbstbestimmtes Leben im Zeitalter von Algorithmen und KI? Grundsätzliche Gedanken zu aktuellen Problemen in unserer vernetzten Gesellschaft. Und Blicke auf das, worauf es künftig ankommt.

Von Joanna Schmölz

Die Digitalisierung ist nicht einfach nur technischer Fortschritt – sie nimmt enormen Einfluss auf das Hier und Jetzt sowie auf die Zukunft der zunehmend vernetzten Gesellschaft und betrifft den Menschen dabei in all seinen sozialen und „sozietalen“ Bezügen. Ganze Bevölkerungsgruppen stehen vor großen Herausforderungen. Wer sich im digitalen Dickicht nicht zurechtfinden kann oder will, steht schnell im sozialen Abseits. Eine neue Plattformökonomie lässt nur die teilhaben, die ihre persönlichen Daten hergeben, und gefährdet mit ihren zentralisierenden Effekten die Demokratie. Überdeutlich klar wird zudem, dass die Gesetze des Kapitalismus weder vor der digitalen Welt noch vor der persönlichen Sphäre des Menschen haltmachen.

Superintelligenz

Die neuen Möglichkeiten der Datensammlung, -analyse und Profilbildung öffnen der Diskriminierung von Menschen Tür und Tor und können unser bisheriges Solidarsystem untergraben. Nicht wenige sehen Algorithmen und künstliche Intelligenz (KI) auf dem Weg zu einer Art Superintelligenz, die – einmal „angeknipst“ – unbeherrschbar und unbesiegbar die menschliche Spezies in Gänze infrage stellen könnte.

Dystopische Szenarien haben Hochkonjunktur. Dennoch: Neue technologische Errungenschaften wurden schon immer von Skepsis und Ablehnung begleitet. Im Zentrum stehen seit jeher Ängste vor den Zerstörungsmöglichkeiten moderner Technik, vor dem Neuen und Unbekannten. Die oft angeführte Technikskepsis allein reicht als Erklärungsmuster für die sich jeweils ausbreitenden Ängste jedoch nicht aus. Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung sind es vielmehr sozioökonomische Disruptionen, die gefürchtet werden.

Aktuell wird vermehrt über den Einsatz von Algorithmen und künstlichen Intelligenzen sowie die Auswirkungen der Verlagerung von Entscheidungen auf „lernende Maschinen“ und damit verbundene soziale (Folge-)Kosten debattiert.

Für die einen erweitert Technik – in welcher Form auch immer – die menschlichen Fähigkeiten. In diesem Verständnis dient sie allen voran der Entlastung des Menschen. Statt den Wegfall von Berufen und Arbeitsplätzen als Bedrohung zu empfinden, freuen sich die Vertreter dieser Sichtweise auf ein Zeitalter des geistigen Müßiggangs, in dem die Maschinen alle Arbeit verrichten, während sich der Mensch dem Intellektuellen, dem Sinnvolleren hingeben kann.

Diametral entgegengesetzt argumentieren diejenigen, die den Menschen vor ihrem geistigen Auge bereits wegrationalisiert sehen. Ihre Position basiert häufig auf der Annahme, dass der zu Fehlern neigende Mensch keine Chance habe gegen die aufwachsende Allmacht algorithmengesteuerter Entscheidungen.

Minisprung

Manch eine aktuelle Entwicklung spielt den Kritikern unmittelbar in die Hände. Amazons „Echo“ ist zu Weihnachten 2017 in mehr als eine Million Haushalte eingezogen. Die darin „wohnende“ Sprachassistentin Alexa wartet nun tagein, tagaus auf Fragen und Befehle. Und es ist nur ein kleiner Sprung von „Alexa, wie wird das Wetter heute?“ zu „Alexa, was soll ich anziehen? … was hören? … wen treffen?“. Es ist zwar noch nicht alles ausgereift, aber technisch allemal möglich – und Alexa und Co. lernen, auch dank unserer Hilfe, täglich dazu.

In einer solchen „World Without Mind“– so die Conclusio der Verfechter dieser Sichtweise – werde der Mensch von der Freiheit der freien Entscheidung „erlöst“, indem er seine Fragen einfach in den Raum stellen kann. Stattdessen werde sein Verhalten analysiert und konform mit dem durch Algorithmen determinierten Mainstream gesteuert. Am Ende dieser Überlegungen stehen die Herrschaft der Maschinen über die Menschheit und ein der Technik ausgelieferter Mensch, der nach ihren Weisungen agiert – degradiert zum Assistenten von Robotern.

Über derart düstere Zukunftsszenarien könnte hinweggeschaut werden, wenn sie vollkommen absurd wären. Tatsächlich aber sind die technischen Möglichkeiten einer solchen Entwicklung zum Teil heute schon Realität. „Predictive Policing“ z.B. sortiert Menschen in Schubladen. Jetzt schon entscheiden Algorithmen vielfach über die Vergabe von Krediten oder Einladungen zum Bewerbungsgespräch.

Teilhabe

Heißt es also „falscher“ Stadtteil = schlechtere Konditionen oder gleich gar kein Kredit? Und was ist, wenn in Zukunft alle Firmen dieselbe Bewerberauswahl-Software einsetzen? Ein umfänglicher „Social Score“ könnte in Zukunft über Zugang und Ablehnung und damit weitreichend über gesellschaftliche Teilhabe entscheiden.

Social Scoring in China

Alltag: In China wird Überwachung für Social Scoring bereits praktiziert. (Foto: Louis Constant – Shutterstock)

Wer ein solches Szenario für unrealistisch hält, braucht nur einen Blick nach China zu riskieren, wo ein solches Sozialkredit-System bereits eingeführt wird. Das aktuelle und vergangene Verhalten entscheidet über die Zukunft. An diese scheinbar simple Formel schließen sich viele unbeantwortete Fragen an.

Kann überhaupt von Objektivität die Rede sein, wenn nur bestimmte Daten zugrunde gelegt werden? Und selbst wenn quasi alles über eine Person bekannt wäre, ist der Mensch nicht mehr als die Gesamtheit der Daten, die er (freiwillig oder unfreiwillig) hinterlässt? Droht der Verlust des Sonderfalls? Wie lässt sich unter den genannten Umständen Angemessenheit und Richtigkeit algorithmischer Entscheidungen überprüfen?

Kontext

Die Analyse und möglichst effektive Unterscheidung ist das eine, die Frage nach dem Kontext und dem Zweck das andere. In welchem Verhältnis zueinander stehen Ziel und Maßnahme? Welche gesellschaftlichen Parameter heuund Grunderfordernisse müssen noch Berücksichtigung finden? Ist diskriminierungsfreie Teilhabe unter solchen Umständen überhaupt möglich? Ist sie (noch) erwünscht? Oder sollten sich solch grundlegenden Fragen zukünftig auch lernende und über moralische Zweifel erhabene Maschinen widmen?

Von der Bewertung und Klassifizierung ist der Weg zur Manipulation nicht sonderlich weit. Je mehr Einzelinformationen über eine Person zusammenfließen, desto besser kann über ihren Gesamtzustand spekuliert werden. Auf Basis derartiger Einschätzungen lassen sich Maßnahmen implementieren, die nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch konkret das Verhalten beeinflussen können.

Als eine der bereits etablierten Formen sei das „Nudging“ genannt, mit dem Menschen „sanft“ zu einem erwünschten Verhalten gebracht werden sollen („Personen, die das gekauft haben, kauften auch dies …“).

Urteilskraft

In vielfacher Hinsicht lassen diese Entwicklungen fundamentale Fragen aufkommen: Inwieweit steuern wir unseren Alltag – jetzt und in Zukunft, bewusst oder unbewusst – noch selbst, und welchen Anteil daran übernehmen Algorithmen und lernende Maschinen? Wollen wir zukünftig noch unsere eigene Urteilskraft bemühen?

Gegenwärtig fußt das Vertrauen westlicher Gesellschaften im Wesentlichen auf dem Dreiklang aus freier/sozialer Marktwirtschaft, Rechtsstaat und freiheitlicher Demokratie. In zum Teil jahrhundertelangen Prozessen haben wir bestimmten Dingen und Zuständen einen Wert beigemessen, haben um Grundwerte gerungen. Wir haben ein demokratisches Bewusstsein dafür entwickelt, was gut ist – für uns und für unsere Nachkommen.

Im Zentrum von alledem steht der aufgeklärte Mensch, der frei von Überwachung oder Beeinflussung entscheiden und so das eigene Leben gestalten kann – eingebettet in eine Gemeinschaft und ein System, dem er vertrauen kann, dass es im vorgenannten Sinne zum Wohle aller funktioniert.

Herausforderung

Die disruptiven Kräfte der Digitalisierung rütteln nun aber an diesen Grundpfeilern. Auf der einen Seite bergen die technischen Errungenschaften großes volkswirtschaftliches Potenzial und bereichern den Lebensalltag der Menschen.

Auf der anderen Seite bringt die „Datafizierung“ unseres Lebens neue Herausforderungen mit sich. Die Mehrheit der Menschen weiß, dass sie die von ihr rege genutzten vermeintlich kostenlosen Dienste mit den eigenen Daten bezahlt, und geht sogar davon aus, dass die Anbieter mit diesen Daten Geschäfte machen. Trotz Empörung über diese Praxis reagiert sie aber nicht mit Abstinenz. Diese Dienste sind zur unentbehrlichen Infrastruktur des persönlichen Alltags und damit unverzichtbar geworden. Dies erklärt auch, warum die meisten den Nutzungsbedingungen, die ihnen eigentlich nicht gefallen dürften, ohne Weiteres zustimmen. Für viele bleibt die Möglichkeit einer Entscheidung gegen die Nutzung solcher Angebote eine rein theoretische.

Genau hierin liegt ein zentrales Problem: Dann nämlich, wenn der Einzelne nicht mehr überblicken kann, was mit seinen Daten geschieht, und er auch kaum eine Chance hat, darüber mitzubestimmen oder gar die Folgen der Datenerfassung und -weiterverwertung abzuschätzen, kann von informationeller Selbstbestimmung keine Rede sein. Die aber ist für die freie Entfaltung der Persönlichkeit unabdingbar. An ihre Stelle tritt Fremdbestimmung – und sei es auch „nur“ im Foucault’schen Sinne in Form eines Panoptismus, der sich durch ein zunehmend konformes Verhalten des Individuums aus Vorsicht und Angst vor den Konsequenzen einer steten Überwachung und Kontrolle ausdrückt.

Menschsein

Wenn also – wie renommierte Wissenschaftler, Philosophen und andere Experten prognostizieren – der Entfaltungsraum des Einzelnen durch den Einsatz von Algorithmen und KI massiv eingeschränkt zu werden droht und wir auf Sicht gar unserer Autonomie beraubt werden könnten, dann geht es um nicht weniger als um das Menschsein in Gänze.

Während im Zeitalter der Industrialisierung vor allem die menschliche Muskelkraft durch Maschinen ersetzt wurde, übernahmen die ersten Computer unsere „Rechenleistung“. In Zeiten von Algorithmen und KI übertragen wir zusehends auch kognitive Fähigkeiten auf Maschinen. Die Folgen dieser Verlagerung höherer geistiger Leistungen können wir aus heutiger Sicht allenfalls in Ansätzen begreifen. Smarte Lösungen schicken die Menschheit auf eine Reise vom Anthropozän zum Technozän.

Technik behebt ohne Zweifel viele Probleme, ihr Einsatz aber bleibt selten folgenlos. Nicht alles technisch Mögliche ist auch im Sinne der Gesellschaft und des Einzelnen.

Spielraum

Durch Algorithmen und KI getroffene Entscheidungen können fairer ausfallen, weil sie immer zuverlässig nach der gleichen Logik und damit konsistent gefällt werden. Gleichzeitig verschwindet damit der Ermessensspielraum des Menschen, der in besonderen Fällen existenziell sein kann. Maschinen sind unbestechlich, aber sie drücken eben auch im Notfall kein Auge zu.

Feuer, Dampfmaschine, Handy, Herrschaft der Maschinen. Ist das eine logische oder gar natürliche Entwicklung? Die Technische Evolution? Zweifelsfrei werden Algorithmen, Künstliche Intelligenz und Automatisierung die Gesellschaft dramatischer verändern als viele andere technische Entwicklungen. Die Weichen dafür, in welche Richtung das Pendel auf Sicht ausschlägt, sollen wir aber lieber früher als später stellen, bevor die technischen Systeme eine solche Wirkmacht erlangt haben, dass man sie nur schlecht wird abschalten können.

Unsere Zukunft wird maßgeblich davon abhängen, welche Antworten die Politik weltweit auf die Herausforderungen der Digitalisierung findet, die ihr gesamtes Gesellschaftsmodell und die Demokratie langfristig infrage stellen könnten. Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Wie steht es um das Gemeinschaftsgefühl in einer zunehmend individualisierten Welt? Wohin wird sich unsere Gesellschaft entwickeln, und nach welchen Maßstäben wollen wir sie gestalten? Fest steht: Für die Gestaltung der Zukunft bedarf es eines besonnenen Blickes auf technische Errungenschaften.

Humanismus

Es ist unabdingbar, dass wir auch mit uns selbst ins Gericht gehen und uns fragen, wie bequem und wie käuflich wir womöglich (geworden) sind, welches Maß an Sicherheit wir fordern und was wir bereit sind, dafür zu tun. Vor allem aber dürfen Sicherheit und Komfort (bzw. noch konkreter „Convenience“) nicht als zwei sich gegenseitig ausschließende Antworten auf dieselbe Frage betrachtet werden.

Chancen und Risiken

Chancen und Risiken: Digitalisierung birgt, besonnen eingesetzt, großes Potenzial für unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder. Ein Bewusstsein für den Umgang mit persönlichen Daten muss geschaffen werden. (Foto: Worawee Meepian/ESB Professional – Shutterstock)

All diese Fragen sollten wir voller Optimismus angehen und uns dafür einsetzen, dass Urteilskraft und Sittlichkeit, die Grundwerte der Aufklärungsgesellschaft und die demokratischen Prinzipien, nicht nur überleben, sondern gestärkt werden. Dazu braucht es einen Gestaltungswillen, der selbstbewusst positive Narrative schafft und ein hoffnungsvolles Bild der Zukunft zeichnet. Statt nur Geschäftsmodelle im Blick zu haben, sollte sozialer Fortschritt ein Motor für Innovationen sein – nicht nur ihr zufälliges Anhängsel. Die zentrale Frage könnte lauten: Wo kann Technik helfen, die Gesellschaft humaner zu machen, wo kann sie sinnstiftend sein und dem Menschen nützen? Welche Werte sind uns jetzt und in Zukunft wichtig? Welche sich in einer global vernetzten Welt neu formenden gesellschaftlichen Konventionen sind wir gewillt zu akzeptieren?

Unter der Voraussetzung, dass wir uns in dieser Hinsicht nicht „zurückentwickeln“, sondern am Humanismus und dem Menschenbild der Aufklärung festhalten wollen, muss es nicht zuletzt darum gehen, Bildung darauf zurückzuführen, was sie immer war: eine kritische Aneignung der Welt. Denn das humanistische Modell appelliert immer an den Einzelnen. An die Urteilskraft von Unmündigen ist schwer zu appellieren.

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Digitalisierung und Sport: das neue Dream-Team? https://www.divsi.de/digitalisierung-und-sport-das-neue-dream-team/ https://www.divsi.de/digitalisierung-und-sport-das-neue-dream-team/#respond Wed, 04 Jul 2018 08:41:19 +0000 https://www.divsi.de/?p=18265 Training allein reicht nicht mehr aus. Egal ob beim Profi oder Freizeit-Akteur. Der Einsatz moderner Technik steigert die Leistung und beugt auch der Gefahr von Verletzungen vor. Von Agnieszka Walorska Höher, weiter, schneller, besser – das gilt nicht nur für die laufende Fußball-Weltmeisterschaft. Schon immer haben Sportler sowohl mit erlaubten als auch unerlaubten Mitteln versucht, […]

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Digitalisierung und Sport

Foto: Halo Sports

Training allein reicht nicht mehr aus. Egal ob beim Profi oder Freizeit-Akteur. Der Einsatz moderner Technik steigert die Leistung und beugt auch der Gefahr von Verletzungen vor.

Von Agnieszka Walorska

Höher, weiter, schneller, besser – das gilt nicht nur für die laufende Fußball-Weltmeisterschaft. Schon immer haben Sportler sowohl mit erlaubten als auch unerlaubten Mitteln versucht, ihre Leistung zu steigern. Dank der allgegenwärtigen Sensoren und der nie da gewesenen Möglichkeiten der Datenerfassung und -analyse haben Profisportler und Trainer, aber auch Hobbysportler neue Lösungen an die Hand bekommen, um gezielt einzelne Aspekte zu trainieren und Fortschritte unmittelbar nachzuverfolgen.

Generell ist seit einigen Jahren ein großes Wachstum im Breitensport zu beobachten, das parallel zum Trend hin zu gesunder Ernährung und ausgewogener Work-Life-Balance verläuft. 10,1 Millionen Menschen besuchen in Deutschland regelmäßig ein Fitnessstudio, damit sind es drei Millionen mehr als noch vor sieben Jahren. Die Besinnung auf körperliche Aktivität schlägt sich auch in einem Umsatzwachstum von Fitness-Trackern um 46 Prozent seit 2013 nieder. 2,8 Milliarden US-Dollar an weltweitem Umsatz prognostiziert IHS Technology für 2019.

Profialltag

Digitale Technologien wie Fitness-Tracker von Polar oder Whoop sind bei Leistungssportlern schon zum Alltag geworden. Eine Befragung unter Fußballclubs in der 1. und 2. Bundesliga zeigt, dass über 85 Prozent GPS-Sportuhren einsetzen, um Daten über die zurückgelegte Strecke, die Geschwindigkeit und Herzfrequenz zu erfassen. Daneben kommen Lichtschranken zur Verbesserung der Koordination und Reaktion sowie intelligente Vereinssoftware zum Einsatz, um die Daten auszuwerten.

Immer mehr Sportclubs setzen zudem auf ein umfassendes Monitoring ihrer Sportler. Dazu gehören die Kontrolle von Blutwerten und Schlafverhalten oder die Analyse der Körperzusammensetzung (Bioimpedanz). Damit soll nicht nur ein Trainingsoptimum erreicht, sondern auch das Verletzungsrisiko minimiert werden. Mit Predictive Analytics warnen Algorithmen die Sportler oder Betreuer vor Ermüdungszuständen oder Konzentrationsschwächen, noch bevor es zu einer Verletzung kommt.

Technologie-Einsatz

Wearable-Tracker sind schon im Wettkampfgeschehen angekommen. Die US-amerikanische Baseball-Liga MLB lässt so ausgewählte Geräte bei Ligaspielen zu. Die Spieler dürfen ein Hemd mit Sensoren tragen, die Daten zur Atemfrequenz, Körperhaltung, Geschwindigkeit und zum Aktivitätslevel erfassen.

Daten-Tracking ist jedoch nur eine Form, wie Technologien im Sport zum Einsatz kommen. In den USA wird u.a. vom olympischen Skisprung-Team die neuronale Stimulation angewendet. Unter Einsatz des Halo Sport, eines intelligenten Kopfhörers, wird in der Aufwärmphase der Motorcortex mit elektrischen Impulsen angeregt. Anschließend soll das Gehirn eine Stunde lang über eine erhöhte neuronale Plastizität verfügen und empfänglicher für Trainingsimpulse sein. Damit sollen Muskelaufbau und Muskelgedächtnis effektiver trainiert werden.

Darüber hinaus ist der Einsatz von Virtual-Reality-Technologien in der NFL, NBA, NHL schon gängig, um Spielsituationen im Training zu simulieren. Im europäischen Raum gilt der DFB als VR-Pionier. Mit VR-Brillen simuliert die deutsche Nationalmannschaft gezielt Strafstoßsituationen für Feldspieler und Torwarte.

Trainingsmethode

Der DFB zeigt sich insgesamt als sehr technologieaffin. In einer Kooperation mit SAP werden Spielund Trainingsdaten gesammelt, ausgewertet und weiterverarbeitet. In Datenbanken sind wichtige Spielsituationen, gegnerische Teams mit ihren Stärken, Schwächen und Taktiken sowie einzelne Spieler mit ihrem Schussverhalten beim Elfmeter angelegt. Eine weitere innovative Trainingsmethode aus Deutschland ist der Einsatz des Footbonauten. In einem quadratischen Raum werden dem Fußballspieler Bälle aus verschiedenen Richtungen von Ballmaschinen zugespielt. Der Spieler muss in kurzer Zeit realisieren, aus welcher Richtung die Bälle kommen, und sie in wechselnde Zieltore schießen. Kameras erfassen dabei alle Bewegungen, sodass Trainer und Spieler am Ende eine detaillierte Statistik über Trefferquote oder Zeit zwischen Ballannahme und Schuss erhalten.

Besonders aktiv trägt das Institut für Angewandte Trainingswissenschaften Leipzig zur Digitalisierung des Sports bei. Es hat eine multimediale Datenbank entwickelt, auf die Judo-Kämpfer zur Wettkampfvorbereitung via Smartphones zugreifen und sich über mögliche Gegner informieren können. Das Institut erstellt zudem 3-D-Scans von Skispringern, um die Körperhaltung bei der Anfahrt zu verbessern.

Auch im Breitensport haben sich digitale Hilfsmittel etabliert, um Trainingseinheiten, Erholungs- und Schlafphasen oder die Ernährungsweise zu messen und zu optimieren.

App-Zeit

Mit Runtastic kam 2009 eine der ersten Sport-Apps für Smartphones auf den Markt, die zunächst Läufer, Wanderer und Radfahrer ansprach. Inzwischen hat der Hersteller sein Angebot mit Sportuhren und Fitnesswaagen auch für andere Disziplinen erweitert. Auf einer Plattform können die Nutzer ihre Fortschritte und Erfolge mit anderen teilen und auf Übungsvideos oder Ernährungspläne zugreifen. Die App wird mittlerweile von über 130 Millionen Menschen genutzt und wurde 2015 von Adidas für 220 Millionen Euro übernommen.

Strava, MyfitnessPal oder Freeletics sind nur einige populäre Anwendungen auf dem neuen SportTech-Markt, der von Equipment über Communities hin zu Coaching ziemlich jeden Aspekt rund um den Sport abdeckt.

Neue Zeiten

Die Anwendungen sind in der Regel mit Schnittstellen ausgestattet, an die Wearables andocken, um Daten zum Bewegungs-, Schlaf- und Ernährungsverhalten zu liefern. Weltweit führen zurzeit Xiaomi, Apple, Garmin und Fitbit den Wearable-Markt an.

Fitness-Tracker

Foto: Dragon Images – Shutterstock

Seit Fitbit 2007 den Anfang machte, gefolgt von Jawbone, Garmin und der Apple Watch, ist der Wearable-Markt stetig gewachsen. Im Jahr 2017 wurden allein in Deutschland rund 1,55 Millionen Fitness-Tracker verkauft, und sie haben längst das Image von klobigen Geräten abgeschüttelt, die den Nutzer sofort als Tech-Nerd entlarven. Die Wearables kommen in unzähligen Farben und Varianten daher und fügen sich in Form von Ohrsteckern oder Halsketten als Lifestyle- Accessoire in die Modetrends ein. Als Lifestyle-Accessoire, das jedoch mit zahlreichen Sensoren bestückt ist.

Nicht nur Allrounder

Darüber hinaus gibt es ein breites Angebot an sportspezifischen Wearables und Apps, die sich auf einzelne Aspekte von Sportarten konzentrieren. Für den Basketball existieren beispielsweise zahlreiche Gadgets wie Smart-Ärmel oder -Bälle, um Wurfpräzision oder Dribbelbewegungen gezielt zu trainieren.

Das Funktionsspektrum erstreckt sich über den reinen Leistungsaspekt hinaus und wirkt auch in Bereiche wie die Sicherheit hinein. Der smarte Fahrradhelm von Livall umfasst neben integrierten Lichtern und einem Anrufsystem auch eine SOS-Funktion, die automatisch einen Notruf absetzt, sobald der Helm einen Unfall registriert. In der Strava App können Sportler außerdem ihre Trainingsstrecken oder Standortdaten via GPS teilen.

Performance-Steigerung

Die digitalen Möglichkeiten bringen jedoch nicht nur Vorteile mit sich. Je weiter die Digitalisierung des Sports voranschreitet, desto stärker wächst die Gefahr von gläsernen Sportlern. Athleten tracken ihre Körper- und Leistungsdaten, um konkurrenzfähig zu bleiben, und setzen sich gleichzeitig dem Risiko aus, durch ihre Sportvereine oder Trainer überwacht zu werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Fitness- Tracker und auf die Haut aufklebbare Sensoren passé sein werden und stattdessen dauerhafte Lösungen wie implantierbare Chips und Smart-Tattoos zum Einsatz kommen, um Leistungsfähigkeit, Herzschlagfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffgehalt im Blut, Hydrationslevel oder Glukosespiegel rund um die Uhr zu messen. Formen dieses Kontrollgedanken ließen sich im Vorfeld der Winterolympiade 2018 beobachten. Dort wurde die Forderung laut, Olympiateilnehmern zu Implantaten zu verpflichten, um ihre Blutwerte lückenlos auf mögliche Doping-Vergehen zu analysieren.

Mit der zunehmenden Kostensenkung durch Genomanalysen von 23andMe oder Ancestry hält auch die Genetik Einzug in den Sportbereich. Anbieter wie Athletigen erlauben Nutzern, ihre DNA-Analysen hochzuladen und sich maßgeschneiderte Trainings- und Ernährungspläne erstellen zu lassen, die die individuelle genetische Zusammensetzung berücksichtigen. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein solches Feature in Zwang umschlägt und in noch strengeren Zulassungsbeschränkungen für den Profisport mündet als ohnehin schon?

Datenschutz

Gegen 24/7-Kontrollmechanismen sprechen sich auch Datenschützer aus. Imke Sommer, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in Bremen, stellt heraus, dass Daten- Tracking Leistungskontrollen gleichkämen, die laut Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts nicht lückenlos sein dürften: „Es muss klar sein, jetzt wird ein Test gemacht, und dann ist wieder keiner.“

Auch für den Hobbysportler entstehen neue Risiken, wenn sie ihre intimen Fitnessdaten Unternehmen und Servern in der Cloud anvertrauen. Laut einer BITKOM-Befragung aus dem Jahr 2016 sehen 39 Prozent von Verbrauchern bei der Nutzung von Wearables dahingehend Risiken, dass die Daten durch Dritte weiterverwendet werden könnten.

Dass den Daten eine Brisanz innewohnt, die auf den ersten Blick nicht sofort ersichtlich ist, unterstreicht ein Vorfall mit dem Sportnetzwerk Strava. Strava bietet Nutzern die Möglichkeit, Trainingsdaten (Trainingsleistung und Strecken) auf die Plattform hochzuladen und sie mit anderen Nutzern zu teilen. Im November 2017 veröffentlichte Strava eine Karte, auf der alle bisherigen Nutzeraktivitäten visualisiert waren. Anhand dieser Visualisierung konnten Militäranalysten beispielsweise versteckte Militärbasen u.a. in Syrien und Afghanistan ermitteln und Laufrouten sowie Lagerstrukturen ablesen.

Die Digitalisierung des Sports ist voll im Gange. Von innovativen Produkten und Trainingsmethoden profitieren aber nicht nur die wenigen Profisportler, auch jeder Hobbysportler erhält Zugang zu einer Vielzahl von neuen Möglichkeiten. Gleichsam bringt die Entwicklung neue Herausforderungen mit sich, die nicht außer Acht gelassen werden sollten.

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Das Internet gestalten – die große Chance in freien Gesellschaften https://www.divsi.de/das-internet-gestalten-die-grosse-chance-in-freien-gesellschaften/ https://www.divsi.de/das-internet-gestalten-die-grosse-chance-in-freien-gesellschaften/#respond Fri, 29 Jun 2018 08:21:53 +0000 https://www.divsi.de/?p=18254 DIVSI-Bucerius Forum 2018: Zweitägiges Treffen hochkarätiger Experten in der Hamburger Law School vor voll besetzten Zuhörerreihen. Von Michael Schneider Zum vierten Mal luden DIVSI und die Hamburger Bucerius Law School gemeinsam zum Austausch über Themen des digitalen Zeitalters ein. Thema des Forums 2018: „Wer regiert das Internet? Macht – Kontrolle – Verantwortung“. Prof. Dr. Katharina […]

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Das Internet gestalten - die große Chance in freien Gesellschaften

Foto: Kerstin Lakeberg

DIVSI-Bucerius Forum 2018: Zweitägiges Treffen hochkarätiger Experten in der Hamburger Law School vor voll besetzten Zuhörerreihen.

Von Michael Schneider

Zum vierten Mal luden DIVSI und die Hamburger Bucerius Law School gemeinsam zum Austausch über Themen des digitalen Zeitalters ein. Thema des Forums 2018: „Wer regiert das Internet? Macht – Kontrolle – Verantwortung“.

Prof. Dr. Katharina Boele-Woelki, Präsidentin der Law School, unterstrich bei dieser Gelegenheit die gemeinsame „sehr erfolgreiche Kooperation“, die man künftig „gern fortsetzen möchte“. DIVSI-Direktor Matthias Kammer betonte in seinen Grußworten: „Wir bemühen uns, Themen zu finden und anzubieten, über die in unserer Gesellschaft diskutiert wird oder diskutiert werden sollte.“ Angesichts eines voll besetzten Zuhörerraums konnte er dann den Erfolg des Konzepts konstatieren: „Um unsere Zusammenarbeit herum hat sich eine interessierte Familie gebildet.“

Aufklärung

Mit Blick auf den Arbeitstitel des Forums „Wer regiert das Internet?“ stellte Bundespräsident a. D. Joachim Gauck fest: „Aufklärung tut not.“ Der DIVSI-Schirmherr weiter: „In Bezug auf mögliche Gefahren oder rechtsfreie Räume im Internet stoße ich immer noch auf erstaunlich viel Unkenntnis, Interesselosigkeit oder auch Abwehr – in der Politik ebenso wie in der Gesellschaft, obwohl das Internet wesentlich über die wirtschaftliche und politische Macht von Staaten entscheiden wird.“

Joachim Gauck nahm in diesem Zusammenhang Bezug auf zwei aktuelle Ereignisse. Er sprach von „Unkenntnis und Inkompetenz, die manche Politiker bei der Befragung von Mark Zuckerberg vor dem amerikanischen Senat enthüllten.“ Und er beklagte: „Erstaunlich, dass ein Großteil der Betroffenen die Bestimmungen der neuen Datenschutz-Grundverordnung nicht rechtzeitig implementiert hat, obwohl zwei Jahre Zeit dafür gewesen wären.“

Grußwort des DIVSI-Schirmherrn Joachim Gauck

Mit Bedauern konstatierte Gauck: „Noch sind wir ganz offenkundig nicht so weit, dass der Bürger die Frage, wer im Internet regiert, nicht einer naturwüchsigen Entwicklung überlässt, sondern selbst beantworten will – in allen Bereichen, und bewusst, und zum Nutzen der Menschheit.“

Es dürfe nicht sein, dass sich im Internet Giganten entwickeln, die Kartellbehörden in der realen Wirtschaft längst zerschlagen hätten, oder dass man mit persönlichen Daten einen schwunghaften Handel betreibe. Was augenblicklich mit der DSGVO geschehe, sei aber eine optimistisch stimmende Erfahrung. Gauck: „Selbst Giganten wie Facebook und Amazon können nur so lange und so ausufernd die Bedingungen im Internet diktieren, wie wir, die Gesellschaften, sie gewähren lassen. Wir sind nicht hilflose Opfer technischer Entwicklungen und gewinnorientierter Unternehmer, sondern wir können ihrem Agieren Grenzen aufzeigen. Auch das Internet in einem emanzipatorischen Sinn zu gestalten, das ist – im Unterschied etwa zu China und Russland – die große Chance in freien Gesellschaften.“

Prof. Dr. Claudia Eckert (TU München) eröffnete den Referatsreigen der Experten. Sie erklärte umfassend, präzise und für jeden nachvollziehbar grundlegende technische Infrastrukturen des Internets. Und sie beantwortete die Kernfrage des Forums so: „Niemand regiert das Internet. Und das ist gut so. Wir sollten alles tun, damit das so bleibt.“ Gleichzeitig unterstrich sie die Bedeutung eines verschlüsselten Datenverkehrs.

In ihrem Fazit verwies sie auch auf die Stärken des Internets („Ein Netz von Netzen“):

  • Es gibt keine Kontrolle durch Einzelne.
  • Es ist offen, unabhängig und von keiner Organisation kontrolliert.
  • Es ist dezentral, robust, global: Staatliche Einflüsse sind begrenzt.

Keynote von Prof. Dr. Claudia Eckert
Das Internet: Technische Infrastruktur für das digitale Zeitalter – Funktionsweise, Gestaltungs- und Kontrollmöglichkeiten

Prof. Dr. Sebastian Heilmann (Institut für China-Studien, MERICS, Berlin) informierte über „Den chinesischen Weg – Digitale Totalkontrolle und internationale Standardsetzung“. Gegenüber unseren westlichen Verhältnissen sei es ein „völlig anderes Konzept“, das China verfolge: „Ein radikal anderes Denken.“ Und er machte nachdrücklich klar: „Es ist überraschend, wie weit die sind.“

Mit Blick auf die Zukunft schloss Prof. Heilmann nicht aus, dass man dort auch daran arbeiten könne, das chinesische Politbüro durch Künstliche Intelligenz zu ersetzen. Die offiziellen politischen Ziele für Chinas digitale Transformation umriss er so: Man wolle eine Cyber-Supermacht werden, die Durchsetzung nationaler Souveränität und Sicherheit im Cyberspace vorantreiben, staatliche Cloud-Zentren als Daten-Superhubs einrichten sowie eine politisch machtvolle Cyberspace-Administration schaffen.

Bereits jetzt sei die permanente visuelle Überwachung des öffentlichen Raums für uns kaum vorstellbar weit gediehen. So erhielten beispielsweise registrierte Verkehrssünder unmittelbar nach ihrem Vergehen einen Strafzettel aufs Handy geschickt. Wobei Sebastian Heilmann nachdrücklich kritisierte, dass die Bürger „keinerlei Datenschutz gegenüber staatlichen Stellen“ hätten. Und es bestehe ein disruptiver Anspruch: Behebung der Defizite von traditionellen Rechtssystemen in der Verhaltenssteuerung. Das Fazit des Experten im Vergleich zwischen China und uns: „Wir werden verlieren.“

Rivale

Mit Blick auf die Rolle der USA stellte Dr. Josef Braml, Experte für transatlantische Beziehungen, fest, dass aus dortiger Sicht „Europa ein Rivale“ geworden sei. Gleichzeitig sah er die Chinesen als „massive Bedrohung für die USA“.

Keynote von Dr. Josef Braml
Wer beherrscht das Internet? – Die Rolle der USA

In der von DIVSI-Direktor Matthias Kammer moderierten Diskussionsrunde waren mahnende Töne nicht zu überhören. Dabei stellte Hamburgs oberster Datenschützer Prof. Dr. Johannes Caspar nachdrücklich fest: „Im Westen ist Chinas Weg keine Alternative.“ Dr. Nadine Godehardt von der Forschungsgruppe Asien der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) betonte, dass wir „China und chinesische Unternehmen immer mitdenken“ müssten. Eine Diskussion über Systemunterschiede bringe nichts: „Die chinesischen Akteure sind hier längst aktiv.“

Podiumsdiskussion: Wer regiert das Internet?
Prof. Dr. Johannes Caspar, Saskia Esken, Daniel Lachmann, Janwillem van de Loo, Dr. Nadine Godehardt

Super-Power

Diesen Punkt stellte auch Unternehmer und China-Experte Daniel Lachmann heraus: „Die Chinesen sind in Europa schon da. Aber noch haben sie damit zu tun, ihre eigene Infrastruktur aufzusetzen.“ Die Kernfrage des Forums beantwortete er so: „Den digitalen Raum beherrscht, wer ihn sich nimmt.“ Jeder Bürger müsse sich selbst damit auseinandersetzen, was das für eine Zukunft ist, auf die wir zusteuern. Janwillem van de Loo verwies in diesem Kontext auf eigene Internet-Erklär-Videos, die für jeden verständlich technische Fragen beantworten und so mithelfen, für mehr Klarheit im digitalen Raum zu sorgen (internetkontrolle.blogs.uni-hamburg.de/videos).

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken (Mitglied u.a. im Ausschuss Digitale Agenda) machte nachdrücklich klar, dass „niemand allein das Internet beherrschen“ solle. Wir müssten Vertrauen in unsere Regulierungsmöglichkeiten haben. Die DSGVO sei ein richtiger Schritt. Das unterstrich auch Datenschützer Prof. Caspar: „Die Instrumente sind schärfer geworden.“ Jetzt ginge es darum, das Ganze mit Leben zu füllen.

Zukunftsblick

Wie könnte unsere digitale Welt in zehn Jahren aussehen? Daniel Lachmann: „China wird dann eine Super-Power sein, die Hosen anhaben. Darauf muss man sich einstellen.“ Deutschland dagegen habe ein Innovationsproblem, dieses Thema müsse man angehen. Lachmann: „Unternehmer müssen schneller, besser, innovativer werden.“ Auch Saskia Esken bedauerte: „Die Veränderungsbereitschaft in Deutschland ist nicht so groß.“ Die Politik müsse Forschung und Entwicklung immer wieder auf den neuesten Stand bringen.“

Das DIVSI-Bucerius Forum 2018: zwei mit Informationen und Anregungen gespickte Tage, geprägt von Experten, verständlich auch für Laien. DIVSI-Schirmherr Joachim Gauck: „Fragen über Fragen, wer welche Macht im Internet besitzt und wer sie auf welche Weise besitzen oder entrissen bekommen sollte. Kernfragen unserer Zukunft, komplex und verwirrend, über die sich zunächst Fachleute wie hier auf dem DIVSI-Bucerius Forum beugen müssen, damit Antworten gefunden werden, die für uns Internet-Laien verständlich sind. Erst wenn wir Bürger annähernd erkennen, was im virtuellen Raum geschieht und geschehen kann, werden wir imstande sein, wenigstens annähernd sachgerechte Entscheidungen darüber zu treffen, wie Macht im Internet aussehen soll.“

Weitere Mitschnitte

Vortrag von Prof. Dr. Jens Großklags
Privatheit und Sicherheit im Internet für den Einzelnen und sein Netzwerk

Vortrag von Prof. Dr. Judith Simon
Ein philosophischer Blick auf Vertrauen, Vertrauenswürdigkeit und Verantwortung im Internet

Vortrag von Prof. Dr. Peter Paryceck
Vertrauen und Verantwortung in Zeiten von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz

Vortrag von Prof. Dr. Ralf Dewenter
Regulierungsoptionen im Internet – Möglichkeiten und Grenzen

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Die Stärkung der digitalen Souveränität – Wege der Annäherung an ein Ideal im Wandel

Die Digitalisierung bereichert unseren Lebensalltag in vielfältiger Weise. Wer einmal den Komfort präziser Navigation oder die Möglichkeit, jederzeit und von überall auf Informationen zugreifen und mit anderen kommunizieren zu können, genossen hat, wird freiwillig kaum wieder darauf verzichten wollen. Hinzu kommt, dass die meisten Dienste kostenlos sind. Oder präziser ausgedrückt: Sie kosten kein Geld. Denn im Grunde wissen wir natürlich schon, dass wir die vermeintlich kostenlosen Angebote, die wir so gern und so selbstverständlich nutzen, mit unseren persönlichen Daten bezahlen.

Aus der DIVSI-Studie „Daten – Ware und Währung“ wissen wir sogar ganz konkret, dass mehr als Dreiviertel der Menschen in Deutschland ausschließlich (62 Prozent) oder vornehmlich (14 Prozent) kostenlose Online-Angebote nutzen, obwohl ebenso viele (76 Prozent) davon ausgehen, dass sie für diese mit ihren Daten zahlen und 83 Prozent sogar glauben, dass Anbieter solcher Angebote mit den persönlichen Daten der Nutzer Geschäfte machen. Dass die Gesetze des Kapitalismus in dem Ausmaß in die persönliche Sphäre des Menschen hineingreifen, macht nicht wenigen Angst.

Die mal mehr, mal weniger empörte Masse empfindet das – vermeintliche oder tatsächliche – Gebaren überwachender Staaten und monopolistischer „Datenkraken“ als einen Angriff auf die Grundrechte und die persönliche Freiheit. Die meisten wollen weder gläserne Bürger noch gläserne Konsumenten werden, gehen aber gleichzeitig davon aus, dass dem längst so ist. Trotz des eigenen Haderns übt aber kaum jemand Verzicht. Warum?

Nun, viele der genutzten Dienste sind längst zum Rückgrat des Lebensalltags der Menschen geworden. Auf sie zu verzichten, bedeutet immer häufiger, sich von einem Teil des Soziallebens zu verabschieden und den Rest davon arg zu verkomplizieren. Gerade weil die digitalen Angebote zum integralen Bestandteil des Lebens geworden sind, gilt es zu fragen, wie sich diese Entwicklung auf die Souveränität des Einzelnen auswirkt, die nicht zuletzt zu den Grundwerten freiheitlich demokratischer Gesellschaften gehört.

Was bedeutet es z.B. für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, wenn die Möglichkeit einer Entscheidung für oder gegen die Nutzung digitaler Angebote auf Sicht eine rein theoretische und das Akzeptieren zweifelhafter Nutzungsbedingungen alternativlos bleibt? Kann von informationeller Selbstbestimmung überhaupt noch die Rede sein, wenn der Einzelne nicht mehr überblicken kann, welche smarten Geräte und digitalen Anwendungen wann welche womöglich sehr persönlichen Daten sammeln? Ob und wohin sie sie senden? Wer Zugriff darauf erhält und zu welchem Zweck? Was bedeutet es für ihre eigene digitale Souveränität, wenn Menschen hierüber nicht mitbestimmen können und die Folgen der Sammlung und Weiterverwertung von Daten kaum abzuschätzen vermögen?

Digitale Souveränität geht über den Entscheidungs- und Gestaltungsspielraum des Einzelnen freilich hinaus. Sie umfasst auch die äußeren Rahmenbedingungen, die ihm zuweilen überhaupt erst ermöglichen, souverän zu sein. Um digitale Souveränität stärken zu können, muss sie zunächst in ihren unterschiedlichen Dimensionen erfasst werden. Wie wird sie in den verschiedenen Bedeutungskontexten verstanden? Wie ist der Stand des Diskurses darüber und wer sind die relevanten Akteure?

Das vorliegende Papier will eben dies tun – einen Überblick über den Ist-Stand der Debatte um „digitale Souveränität“ bieten und eine Grundlage dafür schaffen, auf der Wege aufgezeigt werden können, wie sich dem „Ideal im Wandel“ angenähert werden kann.

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