2. Zentrale Befunde

Das Internet erlangt schon bei kleinen Kindern eine relevante Alltagsbedeutung. Bereits die Kleinsten sind gelegentlich online; die Internetnutzung intensiviert sich fortan rasch.

  • Mehr als die Hälfte der 8-Jährigen (55 Prozent) ist bereits online. Von den 6-Jährigen geht fast ein Drittel ins Internet, und bei den 3-Jährigen ist es schon jedes zehnte Kind.
  • Auch Kinder ohne Lese- und Schreibfähigkeit können zum Teil – über das Erkennen von Symbolen – eigenständig eine Internetseite aufrufen.
  • Mit dem Schuleintritt wird der Computer bzw. Laptop im Medienalltag von Kindern wichtiger und löst die Spielekonsole als meistgenutztes Endgerät ab.
  • 6- bis 8-jährige Mädchen und Jungen sind gleichermaßen interessiert an digitalen Medien und dem Internet – abgesehen von der Spielekonsole, die bei Jungen deutlich beliebter ist. Zudem gibt es keine Geschlechterunterschiede bei der Selbsteinschätzung, wie gut man sich mit dem Internet auskennt. Interessenunterschiede zeigen sich mit Blick auf die genutzten Inhalte im Netz: Jungen sind hier deutlich spieleorientierter, Mädchen recherchieren häufiger Informationen.

Die digitale Ausstattung von Kindern und ihre technischen Zugangsmöglichkeiten zu digitalen Medien und dem Internet sind – trotz enormer Einkommensunterschiede der Eltern – keine Frage des Geldbeutels.

  • Kinder haben nahezu vergleichbare Möglichkeiten, auf Spielekonsolen, Smartphones und Computer bzw. Laptops zuzugreifen. Ob sie die Geräte besitzen, hängt dabei ebenso wenig vom Einkommen ihrer Eltern ab wie die Frage, ob sie sie nutzen.

Gleiche technische Voraussetzungen sind nur notwendige, aber noch keine hinreichenden Bedingungen für den Zugang zu digitalen Medien und dem Internet. Entscheidend dafür, ob Kinder überhaupt online gehen (dürfen), ist die digitale Lebenswelt der Eltern, das heißt ihr Digitalisierungsgrad sowie ihre Einstellung zu digitalen Medien und zum Internet.

  • 53 Prozent der 6- bis 8-Jährigen aus dem sehr internetaffinen Milieu der Digital Souveränen gehen ins Internet. Bei den Kindern der vorsichtigen und selektiven Internetnutzer aus dem Internet-Milieu der Verantwortungsbedachten Etablierten sind es 36 Prozent. Nur 20 Prozent der Kinder aus dem Milieu der Internetfernen Verunsicherten sind manchmal online.
  • Je selbstverständlicher Eltern im Internet sind und digitale Medien als festen Bestandteil in ihren Alltag integriert haben, desto mehr Selbstsicherheit zeigen ihre Kinder im Umgang mit digitalen Medien und schreiben sich eher als Kinder aus internetfernen Milieus zu, sich gut im Internet auszukennen.

Wie Kinder mit digitalen Medien konkret umgehen und was sie im Internet machen, unterscheidet sich vor allem entlang der formalen Bildungsgrade der Eltern.

  • Kinder von Eltern mit geringer formaler Bildung haben im Kontext Spiele einen stärkeren Unterhaltungsfokus und nutzen das Internet deutlich seltener für Informationssuche und Lernzwecke als Kinder von Eltern mit formal höherer Bildung.
  • Je geringer die formale Bildung der Eltern, desto weniger engagiert sind sie, ihre Kinder in die digitale Welt aktiv zu begleiten; sie sind vielmehr der Meinung, man bräuchte Kinder beim Erlernen des Umgangs mit digitalen Medien nicht anzuleiten, da sie dies von allein lernen würden.

Die deutliche Mehrheit der Eltern (65 Prozent) sieht Chancen digitaler Medien und des Internets für ihre Kinder, insbesondere wenn es um die Sicherstellung ihrer sozialen Teilhabe1 geht.

  • Als Chancen digitaler Medien für Kinder werden vor allem das umfangreiche Informationsangebot des Internets und die Motivationsleistung von Lernspielen und Lernprogrammen gesehen.
  • 58 Prozent der Eltern sind zudem der Meinung, dass Computerspiele die Konzentrationsfähigkeit und motorischen Fähigkeiten von Kindern verbessern können.

Die Risiken des Internets überwiegen aus Sicht der Eltern die wahrgenommenen Chancen. Insbesondere mit Blick auf das Thema „Kinder und Internet“ haben sie ausgeprägte Bedenken – zwei Drittel der Eltern 3- bis 8-Jähriger verbieten ihren Kindern, ins Internet zu gehen.

  • Nicht kindgerechte Inhalte und der mögliche Kontakt zu unbekannten Personen sowie Mobbing sind aus Elternsicht die größten Risiken des Internets für Kinder.
  • Der Schutz der Privatsphäre ist aus Elternsicht ein relevantes Risikofeld. Eltern befürchten, dass ihre Kinder im Internet zu viel von sich preisgeben.

Sicherheitsthemen im Kontext Internet spielen aus Elternsicht mit steigendem Alter der Kinder eine immer wichtigere Rolle. Die Anwendung konkreter Sicherheitsmaßnahmen steigt jedoch nicht proportional dazu an.

  • Mit 57 Prozent sind Gespräche mit Kindern über Informationen, die persönlich sind und daher nicht ins Netz gehören, die am häufigsten ergriffene Maßnahme. Etwas mehr als die Hälfte der Eltern hat Kinder- und Jugendschutzprogramme auf ihren Computern/Laptops installiert.
  • Je ausgeprägter die subjektive Internetkompetenz der Eltern, desto mehr Sicherheitsmaßnahmen werden ergriffen.
  • Trotz intensiverer Nutzung des Internets und einer zunehmenden Bedeutung von Sicherheitsfragen nimmt der Informationsbedarf der Eltern mit steigendem Alter ihrer Kinder nicht zu.

Eltern sehen sich selbst als die Hauptverantwortlichen, wenn es darum geht, Kindern einen kompetenten Umgang mit dem Internet zu vermitteln. Dennoch zeigen sie Unsicherheiten bei konkreten Herausforderungen und (Erziehungs-)Entscheidungen im digitalisierten Familienalltag.

  • Ausgerechnet für die Fähigkeiten, die Eltern als besonders wichtig für den sicheren Umgang ihrer Kinder mit dem Internet einstufen, schreiben sie sich selbst geringe Kompetenzen zu. So ist die Fähigkeit, gewalthaltigen und/oder pornografischen Seiten ausweichen zu können, für sie von enormer Bedeutung. Gleichzeitig sagt ein Drittel der Eltern, dass es vorkommt, dass ihre Kinder auf solche Inhalte im Internet treffen und durch diese eingeschüchtert werden.
  • Je ausgeprägter die Risikowahrnehmung der Eltern, desto häufiger findet ein Online-Verbot statt. Die Unsicherheiten der Eltern führen vielfach nicht zu verstärkter Informationssuche nach geeigneten Sicherheitsmaßnahmen, sondern zu einer restriktiven Haltung gegenüber der Internetnutzung.
  1. Unter sozialer Teilhabe wird in der sozialwissenschaftlichen Forschung die Möglichkeit verstanden, an der Gesellschaft teilzuhaben, indem man als Individuum mit Chancen im Kontext Bildung und mit Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausgestattet ist und diese zu seinem individuellen Wohl einsetzen kann. [↩︎]