Überblick und zentrale Erkenntnisse

  • Im Gesundheitsbereich ist vor allem die Suche nach Informationen weit verbreitet. 70–80 Prozent der Internetnutzer suchen im Netz nach Informationen zu Krankheitsbildern, Behandlungsmöglichkeiten, Gesundheitstipps, nach Ärzten, Krankenhäusern oder Medikamenten. Etwa ein Drittel informiert sich regelmäßig, mindestens einmal im Monat. Unter den 10 häufigsten Online-Aktivitäten zu Gesundheitsthemen finden sich allein 7 Formen der Suche nach gesundheitsbezogenen Informationen (s. Abbildung 1).
  • Über die Informationssuche hinaus ergreifen viele auch die Möglichkeiten des Internets, um sich zu gesundheitlichen Fragen mitzuteilen und auszutauschen. Knapp ein Fünftel der Internetnutzer haben schon mal anderen Gesundheitstipps gegeben. Rund ein Viertel schon einmal Ärzte online bewertet.
  • Weit verbreitet ist das Beziehen von Medikamenten über das Internet. 61 Prozent der Internetnutzer haben schon online Medikamente bestellt.
  • Regen Zuspruch findet die Fitnesspflege mit digitaler Unterstützung. Ein Viertel der Internetnutzer haben mithilfe von Internet-Fitnessvideos trainiert. Ebenfalls knapp ein Viertel hat schon eine Fitness- oder Trainings-App genutzt, 13 Prozent nutzen diese Möglichkeit regelmäßig.
  • Ein noch relativ neues Phänomen ist die digitale Selbstvermessung, beispielsweise mithilfe von Apps und Wearables: 17 Prozent der deutschen Internetnutzer haben schon mithilfe solcher Dienste persönliche Daten gesammelt, wie etwa den Kalorienverbrauch, die Anzahl Schritte, Schlafrhythmen oder den Puls. 8 Prozent teilten diese Daten auch online mit anderen, etwa in Sozialen Netzwerken.

Über alle untersuchten Formen der Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen hinweg lässt sich feststellen, dass partizipative Internetnutzung mit steigendem Alter abnimmt, mit steigender Bildung und steigendem Einkommen dagegen zunimmt. Frauen beteiligen sich zudem insgesamt etwas häufiger als Männer.

Diese Tendenzaussagen werden jedoch relativiert, wenn einzelne Aspekte der Beteiligung in Gesundheitsfragen betrachtet werden. Zu diesem Zweck werden in diesem Bericht fünf Aspekte vertieft beleuchtet:

1. Online Medikamente bestellen

61 Prozent der Befragten haben schon im Internet Medikamente bestellt, Frauen (63 Prozent) sind dabei etwas aktiver als Männer (59 Prozent). 21 Prozent der Internetnutzer bestellen mindestens einmal im Monat online Medikamente. Besonders verbreitet ist diese Aktivität unter den 30- bis 39-Jährigen (72 Prozent) und auch unter den 60- bis 69-Jährigen (67 Prozent). Die Urbanität der Wohngegend spielt hingegen keine erkennbare Rolle – Medikamente im Internet zu bestellen, ist in der Stadt (61 Prozent) nahezu gleich verbreitet wie auf dem Land (60 Prozent).

2. Online Ärzte bewerten

Von der Möglichkeit, Ärzte online zu bewerten, macht über alle Altersgruppen hinweg knapp ein Viertel der Internetnutzer (24 Prozent) Gebrauch, davon 5 Prozent mindestens einmal im Monat, 2 Prozent sogar einmal pro Woche. Es lassen sich dabei keine Geschlechterunterschiede feststellen. Weit verbreitet ist die Online-Bewertung von Ärzten vor allem unter Internetnutzern im Alter zwischen 30 und 39 Jahren (38 Prozent) – sowie den Höhergebildeten. Unter Promovierten geben 8 Prozent an, jeden Monat Ärzte zu bewerten.

3. Hilfe zur Selbsthilfe in Online-Foren

Das Internet eröffnet die Möglichkeit, in Foren oder Online-Gruppen mit anderen Krankheitserfahrungen zu teilen sowie Behandlungstipps zu geben. Unter den deutschen Internetnutzern ist dabei das Aussprechen von Tipps (18 Prozent) etwas weiter verbreitet als das Teilen von eigenen Krankheitserfahrungen (13 Prozent). Männer (15 Prozent) sind in der Tendenz eher bereit als Frauen (12 Prozent), online ihre Erfahrungen zu beschreiben. Betrachtet man aber nur jene Internetnutzer, die mindestens wöchentlich in Online-Foren Tipps geben, liegen Frauen (3 Prozent) wiederum geringfügig vor den Männern (2 Prozent). 30- bis 39-Jährige bieten am häufigsten Gesundheitstipps im Netz an (33 Prozent), aber auch 14 Prozent der über 80-jährigen Internetnutzer haben anderen schon online Ratschläge erteilt.

4. Digitale Selbstvermessung

Die digitale Selbstvermessung entpuppt sich bei genauer Betrachtung als eine Art Lifestyle-Phänomen der urbanen Oberschichten. Sie nimmt bis zur Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen zu (34 Prozent), danach sukzessive ab. Akademiker sind hier besonders aktiv. Unter jenen mit einer Promotion haben 25 Prozent schon Gesundheitsdaten gesammelt, immerhin 13 Prozent haben diese Daten auch online geteilt. In Großstädten sammeln 20 Prozent eigene Daten (gegenüber 17 Prozent im Bundesdurchschnitt). Diese Aktivität nimmt mit steigendem Einkommen zu. 24 Prozent der Internetnutzer aus Haushalten mit einem Nettoeinkommen von über 4.000 EUR sammeln Gesundheitsdaten, aber nur 15 Prozent jener mit einem Einkommen unter 1.000 EUR.

5. Digitale Rundumversorger

Zuletzt interessierte schließlich, ob ein Teil der Bevölkerung besonders intensiv seine gesundheitliche Versorgung digital abwickelt. 5 Prozent der Internetnutzer haben tatsächlich bereits online Gesundheits-Selbsttests gemacht, im Netz einen Arzt konsultiert, an einer Online-Therapie teilgenommen, im Internet Medikamente bestellt und auch die Korrespondenz mit der Krankenkasse online abgewickelt. Diese in Gesundheitsfragen online besonders intensiv Beteiligten können als „digitale Rundumversorger“ bezeichnet werden. Verglichen mit der Gesamtbevölkerung ist diese Nutzergruppe tendenziell männlich (69 Prozent), zwischen 20 und 39 Jahre alt (49 Prozent), einkommensstark (8 Prozent verfügen über ein Haushaltsnettoeinkommen von über 4.000 EUR, im Vergleich zu 3 Prozent der Bevölkerung) und hoch gebildet (Akademikeranteil von 44 Prozent).

Welche Motive Internetnutzer in Deutschland antreiben, einen hohen Grad der Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen zu praktizieren, welche Sorgen sie davon abhalten, Fitnessdaten im Netz zu teilen, oder welche Auswirkungen es auf das Wohlbefinden hat, in Foren oder Gruppen Gesundheitsfragen zu diskutieren, diese und weitere Fragen wird eine nächste Studie des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“ beantworten.

Abbildung 1: Die 20 häufigsten Internetaktivitäten im Bereich Gesundheit