1. Ausgangslage, Zielsetzung und Vorgehensweise

Ausgangslage und Zielsetzung

Untersuchungen zum Thema Internet fokussieren bislang fast ausschließlich die Nutzerperspektive. Mittlerweile wissen wir daher einiges darüber, wer sich wo, wie oft und warum im Netz bewegt.

Wer aber gestaltet eigentlich „das Internet“? Wer sind die Meinungsführer, welche Einflussmöglichkeiten haben sie und wie gut kennen sie sich selbst im Internet aus? Wie werden die jeweiligen Sicherheits- und Freiheitsbedürfnisse bewertet und verhandelt? Welche neuen (gesellschaftlichen) Chancen, aber auch Konfliktfelder und Risiken erwachsen daraus?

Diese Fragen soll die DIVSI Meinungsführer-Studie beantworten helfen, indem sie Führungskräfte und Verantwortungsträger aus Politik/Verwaltung, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft sowie Vertreter der Zivilgesellschaft zu Wort kommen lässt. Der vorliegende Band ist Ergebnis des ersten Teils der Untersuchung, in dem vertiefende Interviews mit über 60 Experten durchgeführt wurden. Im zweiten Teil der Untersuchung wird die Meinungsführerlandschaft in Deutschland im Rahmen einer Repräsentativerhebung erfasst. Hieraus wird sich erstmalig ein detailliertes Bild darüber ergeben, wie diejenigen über das Internet denken, die nicht nur mitspielen, sondern die Spielregeln maßgeblich mitgestalten.

Vorgehensweise

Ziel der Untersuchung ist eine Analyse der Akteursstrukturen im Netz; dabei soll dargestellt werden, wer das Internet gestaltet und zwar…

  • …mit welchen Mitteln?
  • …mit welchen strategischen Partnern?
  • … gegen welche Widerstände?
  • … mit welchem Know-how?
  • … mit welcher digitalen Grundhaltung?

Hierfür wurde ein zweistufiges Vorgehen gewählt, das in der folgenden Grafik dargestellt ist:

Vorgehensweise

Vorgehensweise

Die Interviews behandelten folgende Themenblöcke:

  • Skizzierung des eigenen Arbeitsumfelds
  • Bedeutung des Internets im eigenen Arbeitsumfeld
  • Persönliche Grundhaltung zu Internet und Digitalisierung
  • Relevanz von Vertrauen und Sicherheit im Internet und Beurteilung von Chancen und Risiken für das eigene Tätigkeitsfeld
  • Wahrnehmung anderer Akteure im Internet-Diskurs
  • Einschätzung der Kenntnisstände der Bevölkerung
  • Verantwortung für Risiken im Internet und Förderung digitaler Teilhabe
  • Einschätzung von Gegensatzpaaren (z.B. Sicherheit vs. Freiheit, „bottom-up“ vs. „top-down“, Vertrauen vs. Kontrolle, Nutzen vs. Kosten)
  • Einschätzung der zukünftigen Entwicklung des Internets

Um dem unterschiedlichen fachlichen Zugang und Bezug zum Thema Internet bei den Entscheidern gerecht zu werden, wurden die Interviews leitfadengestützt aber offen durchgeführt und variierten thematisch je nach individuellem Aufgabengebiet.

Die Auswahl der Befragten erfolgte nach verschiedenen Kriterien:

  • Abdeckung der zentralen Bereiche Politik/Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Medien und Wissenschaft
  • Auswahl von Befragten auf höchster Entscheidungsebene für die einzelnen Sektoren
  • Unterschiedliche Gewichtung der Anzahl der Befragten in den einzelnen Sektoren, je
    nach Variationsbreite in Bezug auf die Haltungen, Anforderungen und Handlungsspielräume (z.B. größere Anzahl von Interviews im Bereich der Wirtschaft, da unterschiedliche Branchen und Aktionsräume Berücksichtigung finden sollten, d.h. z.B. sowohl IT-Dienstleister wie auch Anbieter von Social-Media-Plattformen oder Finanzdienstleister).

Mit dieser Auswahl wurde sichergestellt, dass ein weites Feld an Dimensionen des aktuellen Internet-Diskurses abgesteckt wird. Dies dient zum einen der Erfassung wesentlicher Aspekte, Konflikte und Handlungsbedarfe. Zum anderen sind die Befragten auch Impulsgeber für ergänzende Themen und notwendig erscheinende Differenzierungen von Begriffen und Dimensionen, um eine adäquate Operationalisierung der Themenbereiche zu gewährleisten.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Anzahl der Interviews in den jeweiligen Bereichen. Insgesamt wurden 63 Interviews im Zeitraum von Juni bis September 2012 durchgeführt.

Anzahl Bereich Funktion
18 Politik/
Öffentliche Verwaltung
  • Abgeordnete des Deutschen Bundestages,
  • Mitglieder der Enquete-Kommission „Internet und Digitale Gesellschaft“
  • Geschäftsführer von Parteien
  • Oberbürgermeister
  • Staatssekretäre bzw. Staatsräte
  • Abteilungsleiter von Bundesministerien
  • Präsidenten von Bundesämtern
  • CIOs von Bundesländern
  • IT-Referatsleiter aus Landesministerien u.ä.
25 Wirtschaft
  • Unternehmensvorstände
  • Geschäftsführer
  • Chief Information (Security) Officer
  • Head of Public Policy u.ä.
7 Medien
  • Unternehmensvorstände
  • Geschäftsführer
  • Redakteure für Netzwelt bzw. Ressortleiter
  • Freie Journalisten usw.
9 Zivilgesellschaft
  • Vorstände von Vereinen, Verbänden und Stiftungen
  • Geschäftsführer oder wissenschaftliche Direktoren
  • Netzaktivisten (z.B. Blogger)
4 Wissensgesellschaft
  • Professoren einschlägiger Fachgebiete
Summe = 63 Interviews