Vorwort

DIVSI Meinungsführer-Studie: Wer gestaltet das Internet?

Matthias Kammer, Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI)

Matthias Kammer, Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI)

DIVSI will – so unsere selbst formulierte Arbeitsgrundlage – einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Netz organisieren und mit neuen Aspekten be- leben. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, wollen wir der Öffentlichkeit aktuelle Fakten liefern, die dann als Basis für breite Diskussionen sorgen können.

Mit unserer mittlerweile bundesweit bekannten und anerkannten „Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Inter- net“ haben wir ein wichtiges Zwischenziel erreicht. Diese erste Studie untersuchte, welche Motivationen und Einstellungen die in Deutschland lebenden Menschen in ihrem Verhältnis zum Internet bestimmen und welche Erwartungen sie hinsicht- lich Sicherheit und Datenschutz haben.

Die heute vorgelegte DIVSI-Studie geht einen Schritt weiter und stellt einen bedeutenden und klar umrissenen Personenkreis in den Fokus. Wiederum in bewährter Zusammenarbeit mit dem renommierten SINUS-Institut haben wir bundesweit auf wissenschaftlicher Basis ermitteln lassen, wie es Meinungsführer in Deutschland mit dem Internet halten.

Wir wollten wissen: „Wer gestaltet eigentlich das Internet?“ Wie gut kennen sich Meinungsführer im Netz aus, wie schätzen sie ihre Einflussmöglichkeiten ein? Wie werden Sicherheits- und Freiheitsbedürfnisse bewertet? Welche Chancen, Konfliktfelder und Risiken erwachsen daraus?

In aufwändigen persönlichen Gesprächen wurden führende Repräsentanten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Medien, Verbände, Öffentlicher Dienst und Wissenschaft interviewt. Nie zuvor hat es eine derart spezifizierte Untersuchung in Deutschland gegeben. Aus den Ergebnissen der Studie lassen sich vier wesentliche Aussagen ableiten, die ich hier kurz nennen möchte:

  • Privatwirtschaftliche Unternehmen sind Treiber aktueller Entwicklungen im Netz. Unternehmen sind damit nicht nur Akteure, die Angebote bereitstellen, sondern auch diejenigen, die die Regeln bestimmen und kontinuierlich verändern.
  •  Keiner ist mehr offline. Das Internet gewinnt in immer mehr Lebensbereichen an Bedeutung. Online- und Offline-Sphären durchdringen sich zunehmend. Die beiden Zustände lassen sich immer weniger voneinander unterscheiden.
  • Eine Gesamtverantwortung für „das Internet“ wird von den Meinungsführern strukturell weder als möglich betrachtet noch gewollt. Ihre Lösung besteht darin, die Verantwortung zu großen Teilen an den Nutzer weiter zu reichen.
  • Es wird immer schwieriger, für den Verhandlungsraum Internet generell gültige Regelungen und gegenseitige Vereinbarungen zu treffen. Der Diskurs bewegt sich von einer rein technologischen Perspektive zunehmend zu einer Frage nach der „digitalen Kultur“.

Kennern unserer ersten Studie fällt sicher unmittelbar auf, dass die Aussagen der Meinungsführer zum Teil einen deutlichen Kontrast zu den im letzten Jahr ermittelten Einstellungen und Handlungsweisen der Bevölkerung bilden. 39 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen waren demnach „Digitale Outsider“. Aus Sicht derjenigen, die das Internet gestalten, leben aber auch sie in einer Umgebung, die fortwährend stär- ker von der Online-Welt geprägt wird. Die Bewertung von Erkenntnissen dieser Form wird aus unserer Sicht wertvolle Impulse für zukünftige Diskussionen geben.

Sicherlich wird das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet mit den vorgelegten Ergebnissen nicht überall ungeteilten Beifall finden. Das aber kann und darf uns nicht daran hindern, auch möglicherweise unwillkommene Fakten zur Diskussion zu stellen. Die Studie soll – fernab jeder Vordergründigkeit und Effekthascherei – eine Basis liefern, die dazu beitragen kann, unsere vernetzte Welt vertrauenswürdiger und sicherer zu machen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen informative und span- nende Stunden mit der DIVSI Meinungsführer-Studie – eine Untersuchung, die wir in den kommenden Monaten mit dem SINUS-Institut noch zu einer bundesweit repräsentativen Studie ausbauen werden. Diese Arbeit soll zur CeBIT 2013 präsentiert werden.

Matthias Kammer – Direktor DIVSI