1.1 Ziele des Forschungsprojekts

Ein Zusammenhang zwischen dem Internet und der Radikalisierung von Jugendlichen lässt sich anhand zahlreicher Beispiele nachvollziehen und ist aus Medienberichten und Alltagsbeobachtungen heraus naheliegend und plausibel. Tatsächlich wirft er jedoch mehr Fragen auf, als er zu erklären vermag. Das Internet und die sozialen Medien sind in all ihrer Breite und Reichhaltigkeit zu einem Teil unseres Lebens herangewachsen – ob im Kontext von Infrastruktur, als Informationsquelle, Kommunikationsmittel und vieles mehr. Gerade für junge Menschen stellt der Umgang mit dem Medium Internet eine Selbstverständlichkeit dar, welche sie von vorherigen Generationen deutlich unterscheidet (Keilhauer & Würfel 2009). Welche Bedeutung aber kommt dem Internet genau im Radikalisierungsprozess zu? Und warum sprechen manche Jugendliche auf radikalisierende, gegen demokratische Werte ausgerichtete Inhalte an und andere nicht? In welchen Situationen werden ideologische Orientierungen in Handlung umgesetzt? Welche Prozesse und Entwicklungen finden bei den Jugendlichen selbst statt? Wie und womit rekrutieren radikale Organisationen im Internet? Welche Angebotsstrukturen sind vorhanden? Wie werden sie genutzt? Die Fülle an Fragen und der Bedarf an Aufklärung in diesem Zusammenhang sind enorm. Die Thematik ist in Zeiten von Terrorangst, Flüchtlingskrise und wachsender Fremdenfeindlichkeit in den Medien und im Alltag so präsent wie nie. Welche Studien, Forschungsergebnisse und damit valide Aussagen zur Bedeutung des Internets im Radikalisierungsprozess junger Menschen aber gibt es tatsächlich? Der vorliegende Beitrag möchte genau dieser Frage auf den Grund gehen. Ziel ist es dabei nicht, neue theoretische Erkenntnisse zu generieren, sondern vorhandenes Wissen in einem Überblick zu bündeln und damit den gegenwärtigen Bestand in diesem Bereich zu dokumentieren.