5.2 E-Mail vs. Brief: Vorbehalte und Gefahren

In puncto Sicherheit gibt es deutliche Vorbehalte gegenüber der E-Mail

Bei den Menschen in Deutschland bestehen deutliche Vorbehalte gegenüber der E-Mail, selbst wenn sie intensiv zum Einsatz kommt: 71 Prozent sind fest oder eher davon überzeugt, dass E-Mails leicht ausgespäht werden können. 63 Prozent vermuten, dass sich die E-Mail-Anbieter in ihren Sicherheitsstandards unterscheiden. Hier gibt es jedoch gleichzeitig einen auffällig großen Bevölkerungsanteil (rund ein Fünftel), der dazu keine Einschätzung vornehmen kann. In den Online-Communitys der Vorstudie wurde die Wahl eines seriösen E-Mail-Anbieters ebenso thematisiert und als wichtige Schutzmaßnahme betrachtet.

Aussagen aus den Online-Communitys:

Benutze Web.de, was ja wohl als sicherer Anbieter gilt. Aber realistisch gesehen kann da auch jemand mitlesen, der es drauf anlegt. (47 Jahre, weiblich, Gruppe 1)

Ich benutze einen seriösen E-Mail-Anbieter und benutze verschiedene Kennwörter. (31 Jahre, weiblich, Gruppe 1)

65 Prozent der Befragten sehen eine große Gefahr, dass E-Mails von Unbefugten mitgelesen werden. 62 Prozent befürchten Manipulationen von E-Mails. Da die E-Mail jedoch sowohl privat, beruflich wie auch privat-geschäftlich breit genutzt wird, bedeutet dies auch, dass die Mehrheit der Menschen in Deutschland die Risiken von Überwachung und Manipulation mehr oder weniger bereitwillig in Kauf nimmt.

Zudem wird auch die Verlässlichkeit, eine zentrale Anforderung, die die Bevölkerung an privat-geschäftliche Kommunikation stellt, bei der E-Mail als nicht realisiert gesehen (siehe Kapitel 4.2): Immerhin 44 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass E-Mails nicht immer den gewünschten Empfänger erreichen.

E-Mail-Kommunikation: Vorbehalte und Gefahren

Auch Menschen, die Vorbehalte gegenüber E-Mails haben, nutzen dieses Medium für vertrauliche Kommunikation

Das Verhältnis zur E-Mail ist gespalten, was sich in widersprüchlichem, teils paradoxem Verhalten äußert: Einerseits sind die Befragten für die Gefahren und Sicherheitslücken sensibilisiert, formulieren entsprechende Anforderungen an Kommunikationskanäle und attestieren dem Kanal „E-Mail“, dass er diese Anforderungen nicht erfüllt. Andererseits zählt die E-Mail zu den am häufigsten genutzten Kommunikationsmedien im privat-geschäftlichen Bereich, bei dem die Übermittlung vertraulicher Daten und Informationen im Zentrum steht. Von denjenigen, die E-Mails als unsicher und die jeweilige Information zugleich als schützenwert einstufen, übermitteln auf diesem Weg dennoch

  • 45 Prozent die eigene Telefonnummer,
  • 15 Prozent Finanzdaten und 21 Prozent den IBAN-Code,
  • 17 Prozent Dokumente, die einen Rechtsstreit betreffen, und
  • 10 Prozent Angaben zum eigenen Einkommen.

Warum entscheiden sich die Menschen trotz wahrgenommener Sicherheitsdefizite für diesen Kommunikationsweg? Das mag zum einen daran liegen, dass die Gefahren, die dem E-Mail-Verkehr zugeschrieben werden, oft nicht sichtbar sind. Sie können eintreten, ohne dass Betroffene davon unmittelbar Kenntnis nehmen bzw. die Konsequenzen spüren; das betrifft zum Beispiel das Ausspähen von E-Mails. Es herrscht ein eher diffuses Gefahrenbewusstsein mit wenigen Bezügen zu konkreten Negativerlebnissen. Die Gefahr scheint eher latent vorhanden und wenig greifbar. So werden sensible Dokumente, die einen Rechtsstreit betreffen, am Ende doch per E-Mail versendet, weil man unter Zeitdruck steht. Die ablaufende Frist wird dabei als konkretere Bedrohung wahrgenommen als eine vage vermutete Sicherheitsbedrohung. Nicht selten überwiegen bei der Alltagskommunikation dann schlicht Convenience-Vorteile gegenüber Sicherheitsbedenken.

E-Mail-Paradoxie Sicherheit vs. Convenience

Bei wichtigen Briefen werden zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen

Trotz großen Vertrauens in den Brief – insbesondere im Vergleich zur E-Mail – sieht etwa die Hälfte der Befragten die Verlässlichkeit des Briefs dennoch eingeschränkt: 49 Prozent befürchten, dass Briefe nicht beim gewünschten Empfänger ankommen, sehen also ähnlich wie bei der E-Mail eine zentrale Anforderung an privat-geschäftliche Kommunikationsmittel nicht voll erfüllt. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass 85 Prozent die Möglichkeit von Einschreiben für wichtige Briefe nutzen. Die Hälfte der Befragten bringt wichtige Briefe auch persönlich zum Empfänger, um sicherzugehen, dass sie wirklich ankommen. Immerhin 47 Prozent der Befragten sehen die große Gefahr, dass Briefe auf dem Postweg von Unbefugten geöffnet werden, befürchten also, dass das Briefgeheimnis verletzt wird.

Briefkommunikation: Vorbehalte und Gefahren