9.2 Die Bedeutung des Bildungsniveaus

Ob geschrieben oder gesprochen wird, ist eine Frage des Bildungshintergrunds

Je höher die Bildung, desto eher wird über alle verfügbaren Kanäle hinweg kommuniziert. Ob bzw. wie häufig man bei der privat-geschäftlichen Kommunikation zum Telefon greift oder im persönlichen Gespräch in Austausch tritt, ist dabei keine Frage des Bildungsstands. Man kann also sagen: Alle telefonieren. Ob jedoch auch ein Kanal gewählt wird, bei dem das Anliegen schriftlich verfasst werden muss, hängt durchaus vom Bildungshintergrund ab. Für Höhergebildete haben Kommunikationskanäle, die einen schriftsprachlichen Austausch beinhalten, größere Relevanz. So zeigt sich bei der E-Mail-Kommunikation, dass 71 Prozent der Hochgebildeten, aber nur 50 Prozent der Niedriggebildeten diesen Kanal nutzen. Über Kundenportale kommunizieren 42 respektive 25 Prozent.

Wer höher gebildet ist, schreibt häufiger einen Brief

Personen mit einer formal höheren Bildung wählen als Kommunikationskanal für Unternehmen oder Ärzte/Beratungsstellen eher den Brief als formal Niedriggebildete.

  • Mit Unternehmen kommunizieren 44 Prozent der Hochgebildeten, aber nur 30 Prozent der formal Niedriggebildeten per Brief.
  • Mit Ärzten, Therapeuten und Beratungsstellen tun dies 36 respektive 27 Prozent, mit Banken und Versicherungen 46 im Vergleich zu 26 Prozent.

Nur bei der Kommunikation mit Ämtern und Behörden zeigen sich keine signifikanten Bildungsunterschiede hinsichtlich der Nutzung des Briefs. Dies mag im Wesentlichen daran liegen, dass Verwaltungsverfahren in ihren Abläufen eher vorgegeben sind, z.B. in Form von Formularen, die unterschrieben zurückgeschickt werden müssen.

Auch bei der Kommunikation in der Familie, mit Freunden und Bekannten greifen formal Hochgebildete deutlich häufiger auf den Brief zurück als Personen mit niedriger formaler Bildung: 36 Prozent respektive 26 Prozent schreiben zumindest gelegentlich einen Brief. Noch deutlicher fallen die Unterschiede bei der Postkarte aus, zu der 44 Prozent unter den formal hoch Gebildeten, aber nur 23 Prozent der Niedriggebildeten greifen. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch beim Blick auf die berufliche Kommunikation: Nicht nur der Brief kommt bei den formal Höhergebildeten deutlich häufiger zum Einsatz (37 vs. 17 Prozent); sie nutzen alle Kommunikationskanäle (mit Ausnahme von Instant-Messaging) signifikant häufiger als die Gesamtbevölkerung und als die Niedriggebildeten.

Dass Menschen mit niedriger und teilweise auch mittlerer Bildung geschriebene Kommunikation eher vermeiden, umgehen oder nicht benötigen (z.B. Briefe im privaten oder beruflichen Kontext), zeigt sich somit auch im privat-geschäftlichen Bereich deutlich. Dies erklärt auch, warum der Bedarf nach einem persönlichen Ansprechpartner gerade bei diesen Bevölkerungsgruppen besonders hoch ist: 48 Prozent der Personen mit niedriger Bildung äußern diesen Bedarf, 37 Prozent der Befragten mit mittlerer Bildung, aber nur 28 Prozent der Befragten mit hoher Bildung.