6. Gefahreneinschätzung und Negativerfahrungen bei der privat-geschäftlichen Online-Kommunikation

Breite Mehrheit ist für Gefahren der Online-Kommunikation sensibilisiert

Die breite Mehrheit geht von einer prinzipiellen (wenn auch nicht per se „großen“) Sicherheitsgefährdung aus: Die möglichen Risiken werden jeweils von etwa 60 bis 80 Prozent als Gefahr betrachtet. Gleichzeitig gibt es keine konkrete Gefährdung, die für über die Hälfte der Befragten eine besonders große Gefahr darstellen würde.

Gefahren-Einschätzung von Online-Kommunikation 1

Die Belästigung durch Spam-Mails wird von fast der Hälfte als große Gefahr gesehen (48 Prozent). Beim Zugriff auf die eigenen Daten behindert zu werden, bewerten die Befragten im Vergleich zwar als geringstes Risiko, aber auch dieses sehen immerhin 19 Prozent als große Gefahr.

Gefahren-Einschätzung von Online-Kommunikation 2

Spam-Mails und Virenbefall sind die häufigsten Negativerfahrungen

Alle abgefragten Gefahren der Online-Kommunikation werden mehrheitlich als prinzipiell vorhanden eingestuft, allerdings ist sich nur bei Spam-Mails eine Mehrheit auch wirklich sicher, bereits negative Erfahrungen damit gemacht zu haben (70 Prozent).

Neben Spam-Mails ist der Virenbefall des Rechners (41 Prozent) die einzige weitere Negativerfahrung, die einer größeren Gruppe bewusst widerfahren ist. Bei allen anderen möglichen Gefahren sagen nur zwischen 5 und 19 Prozent, dass sie davon schon betroffen waren.

Am wenigsten betroffen sind die Befragten nach eigener Auskunft von finanziellem Schaden durch Schadprogramme oder Daten- bzw. Dokumentendiebstahl sowie von Erpresser-Viren. Jeweils ca. 80 Prozent sagen hier: „Das ist mir noch nie passiert.“

Online-Kommunikation: Negativerfahrungen 1

Die Gefahrensensibilität ist hoch, die persönliche Betroffenheit wird jedoch geringer eingeschätzt

Der Abgleich zwischen der Risikowahrnehmung und persönlichen Negativerfahrungen zeigt: Die Menschen sind sensibilisiert für viele Gefahren der Online-Kommunikation, sehen sich aber selbst eher selten davon betroffen. Einige Beispiele:

  • 78 Prozent nehmen die Gefahr wahr, Opfer von Online-Betrug zu werden (z.B. falsche Webseiten, Phishing), aber nur 15 Prozent sind sich sicher, dass ihnen das auch schon widerfahren ist.
  • 72 Prozent sehen eine Gefahr, dass Informationen und Dokumente verloren gehen, 18 Prozent sind sich nicht sicher, ob dies bereits der Fall war. Bei immerhin 13 Prozent der Befragten ist das jedoch bereits vorgekommen.

Diese Datenlage lässt verschiedene Interpretationen zu: Einerseits könnte die geringe Betroffenheit auf das ausgeprägte Gefahrenbewusstsein zurückgeführt werden. Die Menschen sorgen für ihren Schutz, weil sie um die Gefahren wissen. Es ist aber eher zu vermuten, dass hier ein Aufklärungsbedarf bzw. eine nötige Sensibilisierung für das tatsächliche Eintreten von Gefahren besteht. Die wahrgenommenen Gefahren sind in ihren tatsächlichen Konsequenzen für viele Menschen zudem nicht vorstellbar – insbesondere mit Blick auf Datenausspähung und Tracking; sie fragen sich schlicht, was andere denn mit ihren Daten überhaupt anfangen könnten und inwiefern sie dadurch negativ tangiert würden. Gerade mit Blick auf letztgenannte Aspekte ist zudem auffallend, dass 38 Prozent nicht wissen, ob sie getrackt wurden (19 Prozent sind sich hingegen sicher). Es ist anzunehmen, dass hier der Anteil der Betroffenen faktisch höher ausfällt, denn grundsätzlich wird jeder Internetnutzer getrackt, solange er sich nicht aktiv dagegen zur Wehr setzt.1 Während Online-Tracking als eine der vier größten Gefahren eingeschätzt wird, wissen viele Internetnutzer offenbar kaum über die gängigen Tracking-Verfahren Bescheid.

Online-Kommunikation: Negativerfahrungen 2

Auch im Rahmen der qualitativen Interviews wurden verschiedene Online-Gefahren und Negativerfahrungen thematisiert:

Ja, ich habe negative Erfahrungen gemacht. Ich wollte mir in Holland im Internet live ein Deutschlandspiel Fußball im Live-Ticker anschauen. Das musste mit 2,95 Euro mit Kreditkarte bezahlt werden. Bei meiner Kreditkartenabrechnung wurden mir auf einmal dann 98,- abgerechnet. (52 Jahre, weiblich, Gruppe 1)

Eigene Erfahrungen im Direkten habe ich noch nicht gemacht, braucht es auch nicht. Doch im Zeitalter der Geheimdienste und Überwachung sollte jeder vorsichtig sein. Die Medien sind voll von Berichten. (57 Jahre, männlich, Gruppe 1)

Ich bekomme viele ungewünschte Mails, obwohl ich mich für diese nicht angemeldet habe. (23 Jahre, weiblich, Gruppe 3)

Meine E-Mail-Accounts wurden mehrmals gehackt (Yahoo und Outlook), und es wurden Zahlungsaufforderungen in meinem Namen an meine Kontakte versendet. (34 Jahre, weiblich, Gruppe 3)

  1. „Das Verhalten von Nutzerinnen und Nutzern wird im Netz und in Smartphone-Apps gleichsam ununterbrochen verfolgt.“ (Schallaböck, 2014) „Trackingdaten, welche die Abrufe eines einzelnen Nutzers wiedergeben, bezeichnet man als Nutzungsprofil. (…) Erlaubt ist lediglich die Erstellung eines HYPERLINK, https://www.datenschutzbeauftragter-info.de/datenschutz-durch-pseudonyme-so-tracken-sie-ihre-nutzer-richtig/“ \t „_blank“-Profils unter Verwendung von Pseudonymen. Zudem ist der Nutzer über die Erstellung seines Nutzerprofils sowie über sein Recht zum Widerspruch hiergegen zu unterrichten.“ (Mertin, 2017) Ergänzend zu den rechtlichen Grundlagen der Analyse des Nutzungsverhaltens: Schallaböck, Jan, 2016. Zur Frage der Erreichbarkeit von Datensicherheit: Spielkamp/Pachali, 2015. []