1.2 Forschungsdesign: Methode und Stichprobe

Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurde ein mehrstufiges Studien-Design gewählt. Im ersten Schritt wurde ein Desk-Research zum Thema „Vertrauen in Online-Kommunikation“ durchgeführt, dessen Ergebnisse Grundlage für die Hypothesenbildung für die weiteren Forschungsschritte waren. Im zweiten Schritt wurden in qualitativen Online-Communitys die Kriterien sicherer Kommunikation in Form von simultanen Gruppenchats, individuellen Aufgaben (z.B. Führen eines Kommunikationstagebuchs) und Forendiskussionen gesammelt und erörtert. Diese Phase lieferte weitere Erkenntnisse zur Hypothesenbildung und inhaltlichen Ausgestaltung von Schritt drei – einer standardisierten Online- Repräsentativbefragung. In dieser Projektstufe wurden die Erkenntnisse der qualitativen Erhebung operationalisiert und quantifiziert. Die Fragen der Repräsentativstudie wurden nach soziodemografischen Merkmalen wie auch nach DIVSI Internet-Milieus ausgewertet.1

Die Online-Befragung ist repräsentativ für die Internetnutzer in Deutschland zwischen 18 und 69 Jahren.2 Mit Blick auf das im Fokus stehende privat-geschäftliche Kommunikationsfeld wurde festgelegt, ausschließlich Personen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr zu befragen, die als unbeschränkt geschäftsfähig gelten.

Die Studie wurde bewusst ausschließlich mittels online erhobener Daten durchgeführt, d.h., Personen, die nie das Internet nutzen, waren nicht Teil der Grundgesamtheit. Diese Vorgehensweise ist insofern sinnvoll, als in einer Untersuchung zur Relevanz von Online-Kommunikation nur Menschen befragt werden können, die überhaupt einen Online-Zugang haben.

Methodisches Vorgehen im Überblick

Die 2012 entwickelten und in regelmäßigen Abständen aktualisierten DIVSI Internet-Milieus bilden die digitale Alltagswirklichkeit in unserer Gesellschaft mit besonderem Fokus auf die Zusammenhänge „Vertrauen und Sicherheit im Internet“ ab. Diese lebensweltliche Perspektive auf Einstellungen zum Internet ist nicht nur hilfreich, sondern notwendig. Sie liefern ein empirisches Fundament, mit dessen Hilfe zielgruppenspezifisch auf die Befindlichkeiten innerhalb der Gesellschaft reagiert werden kann, wenn es um das weite Handlungsfeld der Digitalisierung geht.3

Die Darstellung der DIVSI Internet-Milieus spannt sich anhand zweier Achsen auf; der sozialen Lage auf der vertikalen und der Einstellung zum Internet sowie der grundlegenden Werthaltung auf der horizontalen Achse. Je höher eine Gruppe in dieser Grafik angesiedelt ist, desto gehobener sind Bildung und Einkommen. Je weiter rechts ein Internet-Milieu angesiedelt ist, desto wichtiger und selbstverständlicher ist das Online-Sein – zumeist verbunden mit der Tatsache, dass diese Personen auch mehr Zeit online verbringen als diejenigen, die in der Grafik weiter links zu finden sind. Die Farbgebung der einzelnen Internet-Milieus verdeutlicht damit auch die Nähe zum und die Offenheit für das Internet: Die in Blautönen gehaltenen Internet-Milieus zeichnen sich durch eine gewisse Internetferne und die in Rottönen gehaltenen durch eine mehr oder weniger ausgeprägte Internetnähe aus.

DIVSI Internet-Milieus 2016

Um die Zugehörigkeit der Befragten zu einem DIVSI Internet-Milieu zu bestimmen, wurde der DIVSI Internet-Milieu-Indikator in den Fragebogen der Repräsentativbefragung integriert, der aus aktuell zwölf Statements besteht. D.h., jeder Befragte bekommt im Datensatz eine Milieukennung zugewiesen, sodass die Ergebnisse vor dem Hintergrund der jeweiligen digitalen Lebenswelt interpretiert werden können.

Für die qualitative Vorstudie wurden die Teilnehmenden nach den DIVSI Internet-Milieus rekrutiert, um zu gewährleisten, dass mögliche milieuspezifische Herangehensweisen und Verständnisse bezüglich der elektronischen Kommunikation im Netz erhoben werden. Die Studienteilnehmer wurden auf drei Segmente, basierend auf den DIVSI Internet-Milieus, verteilt:

  • Internetferne Verunsicherte und Vorsichtige Skeptiker – Gruppe 1 (n = 18)
    Geringste Nutzungsintensität, Überforderung und Hilflosigkeit, wenig souveräner Umgang mit dem Netz. Hohe Gefahrensensibilisierung, die in Vermeidungsverhalten und geringer eigenaktiver Teilhabe resultiert.
  • Verantwortungsbedachte Etablierte, Effizienzorientierte Performer und Souveräne Realisten – Gruppe 2 (n = 20)
    Zwischen pragmatischer Selektiv- und unaufgeregter Intensivnutzung. Starke Nutzenorientierung. Sicherheitsverantwortung im Spannungsfeld zwischen Eigeninitiative des Individuums und staatlicher Verantwortung.
  • Unbekümmerte Hedonisten und Netz-Enthusiasten – Gruppe 3 (n = 22)
    Online-Partizipation zwischen Unbedarftheit und Begeisterung. Vielfältige Nutzung von Online-Möglichkeiten. Souveräner, bisweilen sorgloser Umgang mit Sicherheitsfragen, aus Unsicherheit und Fatalismus (Unbekümmerte Hedonisten) und aus Befürwortung von Eigenverantwortung (Netz-Enthusiasten).
  1. Für die Auswertung werden die Milieus der Internetfernen Verunsicherten und Vorsichtigen Skeptiker zusammengefasst. Die Internetfernen Verunsicherten sind gemäß ihrer eher distanzierten Haltung gegenüber dem Internet in Online-Panels unterrepräsentiert. Sie machen deshalb in der Online-Stichprobe mit 2 Prozent einen deutlichen geringeren Anteil aus als in der Gesamtbevölkerung. []
  2. Da der Anteil der über 70-Jährigen in Online-Panels, die die Grundlage für Online-Stichproben bilden, deutlich geringer ist als der Anteil der über 70-Jährigen in der Gesamtbevölkerung, können reine Online-Stichproben diese Alterskohorte nicht repräsentativ abbilden. []
  3. Siehe DIVSI (2012): DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet. Hamburg. Eine Aktualisierung der identifizierten Internet-Milieus wurde in 2013 vorgenommen. Eine Neuvermessung fand 2016 statt. Siehe DIVSI 2012: DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet. Hamburg. Aktualisierung 2013: http://46.30.3.106//wp-content/uploads/2013/12/DIVSI_Milieu-Studie_Aktualisierung_2013.pdf sowie DIVSI (2016): DIVSI Internet-Milieus 2016 – Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung. http://46.30.3.106//wp-content/uploads/2016/06/DIVSI-Internet-Milieus-2016.pdf []