5.3 Das Briefgeheimnis in der digitalen Welt

E-Mail-Kommunikation ist zwar sehr verbreitet, selbst wenn es um vertrauliche Dokumente und Informationen geht; dennoch erzeugt sie offenbar Unsicherheit, inwiefern man sich hierdurch möglichen Risiken (Ausspähung, Datenweitergabe, Datenverlust etc.) stärker aussetzt als auf dem Postweg. Interessant ist daher zu erfahren, wie die Menschen die Relevanz des Briefgeheimnisses in der digitalen Welt einschätzen und wie wichtig ihnen diese kulturelle Errungenschaft heute noch ist.

Das Briefgeheimnis ist den Menschen wichtig und soll daher auch in der digitalen Welt gelten

Die folgenden Befunde unterstreichen, welch hohe Bedeutung die Bevölkerung dem Briefgeheimnis beimisst:

  • Es besteht breite Einigkeit, dass das Briefgeheimnis in der digitalen Welt gelten sollte. Etwa zwei Drittel sind dieser Überzeugung – weitere 25 Prozent stimmen dem eher zu. Somit gilt für 90 Prozent der Bevölkerung, dass diese Errungenschaft auch für die Online-Kommunikation unantastbar sein sollte. Nur fünf Prozent sind gegenteiliger Meinung.
  • 22 Prozent der Befragten sagen, dass ihnen das Briefgeheimnis nicht so wichtig sei, weil sie nichts geheim zu halten hätten. Dem stehen 74 Prozent gegenüber, denen das Briefgeheimnis wichtig ist.

Über zwei Drittel der Befragten halten das Briefgeheimnis in der digitalen Welt für bedroht

48 Prozent der Bevölkerung gehen zumindest in der Tendenz (stimme eher zu) davon aus, dass das Briefgeheimnis durch die Digitalisierung bedroht ist. Weitere 21 Prozent gehen fest davon aus. Hier legt die prozentuale Verteilung der beiden Zustimmungskategorien die Vermutung nahe, dass darüber in der Bevölkerung eine latente Sorge besteht, die jedoch aktuell nicht konkret greifbar ist. Dieser Befund ist plausibel vor dem Hintergrund, dass 65 Prozent befürchten, E-Mails könnten ausgespäht werden (19 Prozent sind fest überzeugt, 46 Prozent eher; vgl. Kapitel 5.2).

Meinungen zum Briefgeheimnis in der digitalen Welt