3.3.4 Verantwortungsbedachte Etablierte

16 Prozent der Entscheider sind dem Einstellungstyp der Verantwortungsbedachten Etablierten
zuzuordnen. In der Gesamtbevölkerung gehören zehn Prozent zu diesem Milieu.

 Verantwortungsbedachte Etablierte (16 Prozent): Soziodemografie

Geschlecht und Alter
  • Ältere Altersgruppen, Ø 50 Jahre.
  • Männer leicht überrepräsentiert (84%, gesamt 80%)
Bildung
  • Verteilung der Bildungsabschlüsse wie in der Grundgesamtheit
  • 9% haben einen Doktortitel
Ausbildungsgebiet/Berufe
  • Verteilung der Berufe überwiegend wie in der Grundgesamtheit
  • Leicht überrepräsentiert sind Bauingenieure (6%), Rechtswissenschaftler (8%) sowie Ärzte/Pharmazeuten (8%)
Berufsgruppe
  • Freie Berufe überrepräsentiert (20%, gesamt 17%)
  • Geringer Anteil Selbstständiger (13%, gesamt 19%)
Entscheidungskompetenz
  • Vorstände überrepräsentiert (8%, gesamt 5%) ebenso wie
    Sachgebietsleiter/Referenten (35%, gesamt 29%)
Unternehmensgrößen
  • Überwiegend in größeren Betrieben beschäftigt
  • Im Typenvergleich höchster Anteil von Beschäftigten in Konzernen mit über 1.000 Mitarbeitern (18%, gesamt 9%)
  • Geringer Anteil von Beschäftigten in Kleinbetrieben mit 20 – 49 Mitarbeitern (19%, gesamt 12%)
Einkommen
  • Hohe Einkommensklassen:
    24% haben ein jährliches Bruttoeinkommen zwischen
    100.000 und 200.000 Euro (gesamt 16%)

Lebenswelt

Verantwortungsbedachte Etablierte sind das aufgeklärte Establishment mit Führungsbewusstsein. Sie haben häufig Leitungsfunktionen in größeren Unternehmen oder sind erfolgreich in freien Berufen tätig, z. B. als Ärzte oder Rechtsanwälte. Sie können oft schon auf eine längere Karriere zurückblicken und haben sich in der eigenen Position – auch gesellschaftlich – eingerichtet.

Technik ist für sie Mittel zum Zweck: Etwas wird online erledigt, wenn es einen konkreten Mehrwert bietet. Gegenüber dem digitalen Fortschritt zeigen sie eine offene, aber gleichsam bewusste Grundhaltung. Digitalisierung ist aus ihrer Sicht kein Selbstzweck, sondern bedarf der Prüfung von Kosten und Nutzen für unterschiedliche Aufgaben. Sie bewegen sich selektiv im Internet und lassen sich dabei von Pragmatismus und Nützlichkeitsdenken leiten. Wenn gute Argumente dafür sprechen, ist man bereit, bestimmte Handlungen auch online zu erledigen.

Internet-Nutzung

Die Verantwortungsbedachten Etablierten unter den Entscheidern sind keine Technik-Fanatiker. Im Vordergrund steht bei ihnen das Bedürfnis nach Arbeitserleichterungen, denn durch das Internet lassen sich viele Organisations- und Kommunikationsprozesse effizienter, übersichtlicher und flexibler gestalten. Informationen suchen sie zielgerichtet und achten dabei besonders auf die Seriosität der Quellen.

Sie sehen sich im Vergleich zu den anderen Entscheidern als durchschnittlich erfahren mit dem Internet. Sie wissen, dass sie keine „Nerds“ sind, fühlen sich aber deshalb nicht überfordert oder sind gar ängstlich angesichts der Tatsache, dass vieles in Zukunft nur noch online zu erledigen sein könnte. Das Internet ist für diese Entscheider weniger emotional behaftet, sie betrachten es nüchtern und rational. Insofern lehnen sie sowohl übermäßige Euphorie („Das Internet macht alles besser“) wie auch Katastrophen-Szenarien ab. Nur 22 Prozent der Verantwortungsbedachten Etablierten sehen beispielsweise das demokratische System bedroht, wenn im Internet jeder machen kann, was er will (gesamt 48 Prozent).

Die Bedeutung des Internets wird von dieser Gruppe nicht überbewertet, denn man hat schon einige Phasen seines Berufslebens erfolgreich hinter sich gebracht, ohne täglich 50 E-Mails zu beantworten; andererseits haben ihre Vertreter erkannt, dass (ökonomischer) Erfolg ohne digitale Infrastrukturen und entsprechende Kompetenzen der Mitarbeiter immer schwieriger wird. Sie fordern daher einen professionellen Umgang mit den Online-Medien und akzeptieren, dass die eigene Internet-Präsenz für Partner, Kunden etc. Relevanz hat, auch wenn sie die entsprechenden Qualitätskriterien unter Umständen weniger gut einschätzen können als die jüngeren Kollegen. Damit haben sie kein Problem – im Gegenteil: Sie freuen sich, von anderen lernen zu können und fühlen sich souverän in der Delegation von Dingen, die andere einfach besser beherrschen. „Kennen“ und „nutzen“ sind für sie zwei Paar Schuhe: Man muss nicht selbst einen Blog schreiben, sollte aber wissen, wovon die Rede ist, wenn andere darüber erzählen – oder eine Idee haben, was man zu erzählen hätte, wenn man mit einem Blog online geht. Schließlich geht es um die Inhalte und nicht um das Format. Als Problem sehen sie daher vor allem, dass sich im Internet zu viele Menschen inszenieren, die nichts Substanzielles zu berichten haben.

Verantwortungsbedachte Etablierte bewegen sich sehr vorsichtig im Internet (94 Prozent, gesamt 81 Prozent). Das Netz ist für sie klar ein Arbeitsmedium, weshalb sie auch seltener einen Social-Media-Account einrichten (40 Prozent, gesamt 47 Prozent), Dateien teilen (13 Prozent, gesamt 19 Prozent) oder Musik, Filme und Spiele herunterladen (24 Prozent, gesamt 32 Prozent). Nur gut die Hälfte verfügt über ein internetfähiges Smartphone (52 Prozent, gesamt 60 Prozent). Dennoch sind sie technologischen Innovationen gegenüber aufgeschlossen und prüfen ihre Vor- und Nachteile. Neues müssen sie nicht immer gleich ausprobieren, sondern warten ab, bis sich etwas etabliert hat und nutzen es, wenn sie es persönlich für attraktiv halten – oder bestellen Smartphones für die Mitarbeiter, wenn diese der Ansicht sind, ohne mobiles Internet nicht arbeitsfähig zu sein.

Verantwortungsbedachte Etablierte: Typische Aussagen

Einstellungen zu Datensicherheit und Datenschutz

Verantwortungsbedachte Etablierte nutzen das Internet gezielt und verantwortungsbewusst. 73 Prozent von ihnen fühlen sich in der Lage, Sicherheitsrisiken im Internet richtig einzuschätzen und angemessen darauf zu reagieren (gesamt 68 Prozent). Vorzugsweise delegieren sie jedoch die Verantwortung für Sicherheit im Internet, z. B. an Experten im Kollegenkreis, die ihr größtes Vertrauen genießen. Anderen Personen vertrauen zu können, ist den Verantwortungsbedachten Etablierten sehr wichtig. Sie haben in ihrem Berufsleben gelernt, dass man nicht alle Entscheidungen selbst treffen kann, sondern vor allem wissen muss, wer sich auskennt.

Entsprechend fühlen sie sich an ihrem Arbeitsplatz kompetent unterstützt und sicher: 34 Prozent gehen davon aus, dass die Daten auf dem Firmenserver sicher sind (gesamt 30 Prozent). 73 Prozent fühlen sich mit gängiger Sicherheitssoftware ausreichend geschützt (gesamt 59 Prozent).

Sie vertrauen in die Prinzipien des Marktes und befürworten deswegen eher die Selbstregulierung der Wirtschaft vor dem Eingreifen des Staates (66 Prozent, gesamt 60 Prozent). Doch Anbieter und Dienstleister sollen für Schäden haften, für die sie verantwortlich sind (84 Prozent, gesamt 78 Prozent). Ihr Vertrauen in große Marken mit einem guten Image ist vergleichsweise groß (49 Prozent, gesamt 38 Prozent), ebenso wie ihr Vertrauen in Internet-Angebote von staatlichen Einrichtungen (87 Prozent, gesamt 76 Prozent).

Verantwortungsbedachte Etablierte wünschen sich einen geregelten Rahmen, innerhalb dessen man sich sicher im Internet bewegen kann. Man kann längst nicht alles dem Nutzer selbst überlassen, dafür sind die Themen zu komplex. Auch wenn sie ihm einen großen Teil Eigenverantwortung zuschreiben, stimmen sie deutlich weniger als andere Entscheider der Aussage zu, dass jeder selbst beispielsweise für den Datenschutz verantwortlich ist (66 Prozent, gesamt 73 Prozent). Ihnen ist die Tragweite der notwendigen (rechtlichen) Entscheidungen bewusst und sie sehen noch eine lange Strecke auf dem Weg zu mehr Sicherheit im Internet.