Vorwort DIVSI Direktor Matthias Kammer

Die Entscheider und das Internet

Motivationen und Einstellungen der Deutschen in ihrem Verhältnis zum Internet sind seit der „DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ bekannt. Ausgeführt ist dort auch, welche Erwartungen die Menschen hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz haben.Wie fast alle Untersuchungen zu diesem Thema fokussierte sich die Arbeit zunächst auf die Nutzer-Perspektive. In den Diskussionen über diese Studie tauchte immer wieder die Frage nach der Verantwortung für das Internet auf, nach dem Gestaltungsmandat. Wir stellten fest, dass wenig bekannt ist über jene, die das Internet machen. Deshalb haben wir einen Untersuchungsauftrag entwickelt mit der Fragestellung: Wer sind die Entscheider und Macher in Sachen Internet?

Matthias Kammer, Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI)

Matthias Kammer, Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI)

Die hier vorgelegte DIVSI Entscheider-Studie, erneut durch das renommierte SINUS-Institut durchgeführt, füllt ab sofort diese Lücke. Sie baut unsere im November 2012 vorgelegte qualitative Untersuchung „DIVSI Meinungsführer-Studie – Wer gestaltet das Internet?“ zur bundesweit repräsentativen Studie aus.

Wer steckt hinter dem Internet? Welche Einflussmöglichkeiten haben diese Akteure, wie schätzen sie die Nutzer ein, was sagen sie zu Sicherheits- und Freiheitsbedürfnissen? Alle Fragen werden beantwortet.

Aus den Ergebnissen lassen sich vier wesentliche Aussagen ableiten:

  • Privatwirtschaftliche Unternehmen sind Treiber aktueller Entwicklungen im Internet. Unternehmen sind damit nicht nur Akteure, die Angebote bereitstellen. Sie bestimmen auch die Regeln und verändern sie kontinuierlich.
  • Keiner ist mehr offline. Das Internet gewinnt in immer mehr Lebensbereichen an Bedeutung. Online- und Offline-Sphären durchdringen sich zunehmend.
  • Eine Gesamtverantwortung für „das Internet“ wird von den Entscheidern strukturell weder als möglich erachtet noch gewollt. Ihre Lösung besteht darin, die Verantwortung zu großen Teilen an den Nutzer weiter zu reichen.
  • Es wird immer schwieriger, für den Verhandlungsraum Internet generell gültige Regelungen und gegenseitige Vereinbarungen zu treffen. Der Diskurs bewegt sich von einer rein technologischen Perspektive zunehmend zu einer Frage nach der „digitalen Kultur“.

Neben den faktischen Erkenntnissen gibt die Entscheider- Studie Hinweise darauf, dass ein größerer gesellschaftlicher Umbruch im Gange ist. Im Vergleich zu allen anderen Entscheidern bekunden die Digital Souveränen das geringste Vertrauen in das politische System und unseren Rechtsstaat.

Kennern unserer ersten Studie wird auffallen, dass sich die Ansichten der Entscheider teils deutlich von den im letzten Jahr ermittelten Einstellungen und Handlungsweisen der Bevölkerung unterscheiden. 39 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen sind demnach Digital Outsiders. Für die Entscheider spielt das keine Rolle. Denn aus ihrer Sicht leben auch die Digital Outsiders in einer Umgebung, die fortwährend stärker von der Online-Welt geprägt wird.

Sicherlich werden die Erkenntnisse und Schlussfolgerun- gen der vorliegenden Studie keinen ungeteilten Beifall finden. Das aber kann und darf uns nicht daran hindern, auch unwillkommene Fakten zur Diskussion zu stellen. Denn wir müssen wissen, wie die Lage ist, wenn Engagement greifen soll, das unsere vernetzte Welt vertrauenswürdiger und sicherer machen will.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen informative und spannende Stunden mit der DIVSI Entscheider-Studie.

Matthias Kammer Direktor DIVSI