4.4 Risiken im Netz: Wo sie sind und wer sie verursacht

Die Entscheider sind hoch sensibilisiert für Risiken im Internet. Aber wo bzw. wobei fühlen sie sich sicher und wer sind aus ihrer Sicht die Akteure, von denen die größten Risiken ausgehen? Betrachten wir zunächst die Online-Aktivitäten der Entscheider im Verhältnis zu den jeweiligen Bedenken.

Überwiegend werden die Dinge online erledigt, die mit eher geringen Sicherheitsbedenken verbunden sind. Private und berufliche E-Mails sind dabei offenbar eine Basis-Anwendung, die sehr selbstverständlich und gleichzeitig besonders unbedenklich ist. Die größten Bedenken haben Entscheider in Bezug auf soziale Netzwerke, dennoch nutzt sie fast jeder Zweite. Gerade soziale Netzwerke sind daher selbst bei Entscheidern eine besonders wichtige Anwendung, die trotz erhöhter Vorbehalte aus dem (Arbeits-)Alltag nicht mehr wegzudenken ist.

Vorwiegend werden Online-Anwendungen mit eher geringeren Sicherheitsbedenken genutzt

 Risiken am Arbeitsplatz werden geringer eingeschätzt

Für neun von zehn Entscheidern sind die größten Risiken im Internet die Infizierung der EDV mit Schadprogrammen, die unerwünschte Weitergabe von Daten an Dritte, die Belästigung durch unerwünschte Mails sowie die Ausspähung und illegale Nutzung fremder Daten. Ferner werden auch der Betrug beim Online-Shopping, die Gefahr totaler Transparenz, das Versenden unerwünschter E-Mails in fremdem Namen und Betrug beim Online-Banking von mindestens vier von fünf Entscheidern als generelle Risikofaktoren im Internet wahrgenommen.

Am Arbeitsplatz sind die Entscheider deutlich weniger besorgt. Zu den größten Risiken zählen sie allerdings auch hier die Infizierung der EDV mit Schadprogrammen (64 Prozent) sowie Massenmails, die den Server lahmlegen (63 Prozent) und Belästigung durch unerwünschte Mails (61 Prozent).

Das Risiko der Internet-Nutzung wird am Arbeitsplatz als deutlich geringer eingeschätzt als die generelle Nutzung

Daten sind am Arbeitsplatz sicherer als zuhause

Am Arbeitsplatz wird die Sicherheit deutlich höher eingestuft als im privaten Bereich. Mit 57 Prozent sieht die Mehrheit der Entscheider ihre Daten am Arbeitsplatz eher als sicher an, 30 Prozent sogar als sehr sicher. Der Firmenrechner ist somit eine Insel der Sicherheit in einem Meer aus digitalen Unwägbarkeiten – auch wenn man sich bewusst ist, dass letztlich alles angreifbar ist. Die vermutete erhöhte Datensicherheit am Arbeitsplatz ist schon aufgrund der Tatsache plausibel, dass „Internet-Sicherheit“ am Arbeitsplatz ein Thema ist (z. B. als Teil der Hausordnung, des Arbeitsvertrags oder in Form von Fortbildungen), wodurch ein gewisses Bewusstsein geschaffen wird.

Die Datensicherheit am Arbeitsplatz wird als wesentlich höher eingeschätzt als die persönliche Datensicherheit

 Je größer das Unternehmen, desto sicherer die Daten

Die Sicherheit der Daten am Arbeitsplatz wird tendenziell höher eingeschätzt, wenn mehr Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt sind. Dieser Befund basiert nicht unbedingt auf tatsächlich höheren Sicherheitsstandards. Häufig wird lediglich angenommen, dass größere Unternehmen über eine bessere digitale Infrastruktur verfügen, wie sich dies bereits durch höheren Personalaufwand manifestiert („Datenschutzbeauftragte in Vollzeit“). Dies etabliert eine Delegationskultur, denn es muss sich nicht jeder selbst beispielsweise um den aktuellen Virenschutz kümmern. Zudem wird vermutet, dass es sich ein größeres Unternehmen weniger leisten kann, sich solcher Art von Risiken auszusetzen.

Daten bei großen Unternehmen werden tendenziell als sicherer eingestuft

„Für Unternehmen ist es immer ganz wichtig, dass die Netze und ihre Zugänge abgesichert sind. Da sehe ich einen hohen Bedarf, dass Unternehmen sich entsprechend vor solchen Hackerangriffen oder Eindringen in ihre Netzwerke schützen, wie es beispielsweise bei Sony geschehen ist.“

„Die ganzen Hackerangriffe oder Stuxnet, Flame, diese Virenkonstrukte, bis hin zu Cyberkriegsführung, das sind ja ganz, ganz viele Dinge, die erhebliche wirtschaftliche Schäden, die möglicherweise richtige Auseinandersetzungen zwischen Staaten oder Regionen mit sich bringen können. Sie bringen auch unheimliche Sicherheitslücken für terroristische Attacken usw. mit sich. Das ist noch relativ neu, aber inzwischen auch auf vielen Unternehmensveranstaltungen ein absolutes Top-Thema.“

Potenzielle Risikoverursacher im Internet: Hacker, globale Internet-Dienstleister und unbedachte Nutzer

Die Entscheider sind sich einig, dass Hackerangriffe das größte Risiko im Internet darstellen. Allein das Wort „Hacker“ löst vielfältige Erzählungen über mutmaßlich gesicherte Systeme aus, die dennoch geknackt werden können; Hackern wird alles zugetraut, vor ihnen ist nichts sicher. Eine Garantie, vor Hackerangriffen geschützt zu sein, wird als vollkommen unmöglich betrachtet. Strategien, die einen (maximal temporären) Schutz gewährleisten, müssen regelmäßig überprüft und ständig aktualisiert werden.

„Sie sind nie dagegen gefeit, dass irgendwas passiert, was noch nie passiert ist, auf das noch nie jemand gekommen ist. Sie sind auch letztlich nicht gegen einen Hackerangriff gegen ihr System gefeit, welcher in einer Art und Weise durchgeführt wird, wie er noch nie durchgeführt worden ist.“

„Hacker-Geschichten sind, wenn es hier um Cyber Wars geht, sozusagen die höchste Form der Unsicherheit im Netz. Die Königsdisziplin der Kriminalität.“

Doch auch großen globalen Internet-Dienstanbietern wird von 73 Prozent der Entscheider ein großes Risikopotenzial zugesprochen. Interessant ist, dass ein gleich hohes Risiko auch bei unbedachten Nutzern gesehen wird, welche ohne Absicht Datensicherheit und Datenschutz gefährden bzw. auf Angebote hereinfallen, weil sie (noch) nicht gelernt haben, diese zu durchschauen.

Hier gilt für Entscheider der Leitsatz: Erst die Anwendung durch unerfahrene Nutzer macht eine Infrastruktur gefährlich.

„Von solchen Sachen angefangen über gut gemachte Fake-Seiten, wo Sie denken, dass Sie eben seriös irgendwas kaufen. Denn so eine Webseite können Sie ja heute schnell bauen. Sie bauen ein Portal www.kaffee-gibts-hier-billiger.de und sagen, wenn Sie für 100 Euro Kaffee bestellen, kriegen Sie noch mal 5 kg Kaffee umsonst. Vielleicht ist es nur die Webseite, aber die Leute über- weisen das Geld und kriegen nie eine Lieferung. Also es gibt ja die bekannten, verschiedensten Muster, ganz raffinierte Sachen.“

„Erst die Nutzung von irgendetwas birgt ja Risiken und Chancen. Genauso, wie eine Stromleitung Ihnen Risiken birgt, wenn Sie oder ein Kind in die Steckdose reinpacken. Auch eine Wasserleitung birgt Risiken, wenn Sie die nicht abdrehen, haben Sie eine Überschwemmung. Das ist dann willentlicher oder unwillentlicher Missbrauch, und genauso ist das mit dem Internet. Also das heißt, der Missbrauch kommt durch die Menschen, die Infrastruktur nutzen.“

Vom Staat geht im Internet kein Risiko aus

Geringe Risiken im Internet gehen den Entscheidern zufolge vom Staat aus: Lediglich neun Prozent sehen ein großes Risikopotenzial bei der Bundesregierung, 18 Prozent bei staatlichen Verwaltungsorganen und 21 Prozent bei politischen Akteuren. 20 Prozent konstatieren ein Risiko im Internet durch staatliche Sicherheitsbehörden.

Die Relevanz der einzelnen sicherheitsgefährdenden Akteure spiegelt teilweise die Rangfolge der dominanten Akteure wider: So gelten Privatunternehmen und Nutzer sowohl als einflussreich als auch „gefährlich“. Die Medien sind demnach zwar einflussreich, von ihnen geht aber kaum ein Risiko aus. Der Staat schließlich wird weder als einflussreich noch als gefährlich betrachtet.

 „Ich habe das Gefühl, man begegnet dem Staat zunehmend mit Misstrauen – insbesondere, wenn es um solche Belange wie Freiheit des Internets geht. Dabei missachtet man aber die Erkenntnis, dass die Bedrohung des Bürgers nicht vom Staat ausgeht, sondern von dubiosen Geschäftemachern und Straftätern.“

Hackerangriffe sind aus Sicht der Entscheider das größte Risiko im Internet