3.3.5 Ordnungsfordernde Internet-Laien

Jeder zehnte Entscheider ist dem Internet-Milieu der Ordnungsfordernden Internet-Laien zuzuordnen. Diese Gruppe hat eine große Distanz zum Internet und bewegt sich online eher defensiv – vor allem solange man sich bei vielen Anwendungen nicht sicher sein kann, ob ein möglicher Schaden droht.

Ordnungsfordernde Internet-Laien (zehn Prozent): Soziodemografie

Geschlecht und Alter
  • Ältere Entscheider, Ø 51 Jahre
  • Höchster Anteil von über 60-Jährigen im Typenvergleich
  • Verteilung von Männern und Frauen wie in der Grundgesamtheit
Bildung
  • Verteilung der Bildungsabschlüsse wie in der Grundgesamtheit
  • Im Typenvergleich größter Anteil niedriger Schulbildungsabschlüsse (7%, gesamt 2%)
Ausbildungsgebiet/Berufe
  • Verteilung der Ausbildungsgebiete und Berufe überwiegend wie in der Grundgesamtheit
  • Wirtschaftswissenschaftliche Abschlüsse (20%, gesamt 17%) sowie kaufmännische Ausbildungen (19%, gesamt 16%) leicht überrepräsentiert
Berufsgruppe
  • Größter Anteil von Selbstständigen (30%, gesamt 19%) und
    Beamten (11%, gesamt 8%) im Typenvergleich
Entscheidungskompetenz
  • Inhaber/Vorstände überrepräsentiert (11%, gesamt 5%)
    Geschäftsführer und Sachgebietsleiter/Referenten unterrepräsentiert (21%, gesamt 29%)
Unternehmensgrößen
  • Überwiegend beschäftigt in kleinen und mittelständischen
    Betrieben:
    10 – 19 Beschäftigte überrepräsentiert (21%, gesamt 13%)
    50 – 99 Beschäftigte überrepräsentiert (15%, gesamt 12%)
Einkommen
  • Mittlere Einkommensklassen innerhalb der Entscheider- Gesamtheit:
    23% haben ein jährliches Bruttoeinkommen zwischen
    80.000 und 100.000 Euro (gesamt 16%)

Lebenswelt

Die Ordnungsfordernden Internet-Laien unter den Entscheidern sind in ihrer Grundhaltung bürgerlichen Werten verpflichtet. Viele arbeiten in kleinen und mittelständischen Betrieben in den Orten, in denen sie auch ihr Haus gebaut haben und die Kinder groß geworden sind. Sie streben nach Harmonie und Geborgenheit und wünschen sich auch im Internet Ordnung und Verlässlichkeit.

Umgang mit dem Internet

Ordnungsfordernde Internet-Laien haben keine enge emotionale Verbindung zum Internet, sie haben die rasante Online-Entwicklung nicht aktiv unterstützt, das Internet hat sich vielmehr in ihren Arbeitsalltag eingeschlichen – erst unmerklich, dann unübersehbar. Sie verhalten sich distanziert, gleichzeitig wissen sie, dass dem Internet die Zukunft gehört und sie sich – schon aus ökonomischen Gründen – dieser Entwicklung nicht verschließen sollten. „Mithalten wollen“ ist ihr zentraler Treiber und sie bemühen sich, das Internet Stück für Stück besser nutzen zu können, auch wenn es für sie „kein Mai-Spaziergang ist“ und nur wenigen Vergnügen bereitet.

Sitzen die Ordnungsfordernden Internet-Laien am Computer, nutzen sie diesen eher vorsichtig, damit sie nicht unnötig Fehler provozieren. Sie sehen sich eher als Anfänger im Internet und weisen nach den Internetfernen Verunsicherten die geringste Internet-Expertise im Milieu-Vergleich auf (Mittelwert 3,8, gesamt 4,3 auf einer Skala von 1 bis 6; 6 = Experte). Fast ein Viertel von ihnen fühlt sich mit dem Internet überfordert (23 Prozent, gesamt elf Prozent).

Dieses Internet-Milieu ist aufgrund mangelnder Grundlagenkenntnisse im Umgang mit dem Computer verunsichert. Vor allem die Tatsache, dass sich alles ständig ändert, wird als nervenaufreibend empfunden. Kaum hat man sich – wiederholt – die Basis-Funktionen der aktuellen Word-Version angeeignet, kommt schon die E-Mail vom Administrator, dass das nächste Update in Kürze auf den Rechner geladen wird, und das ganze mühsame Suchen geht von vorn los. Bevor diese Entscheider eine neue Funktion anwenden oder eine als innovativ geltende Software ausprobieren, möchten sie erfahren, wie sie funktioniert und was man beachten muss – in ihrem Telefonverzeichnis steht die Durchwahl des IT-Beauftragten der Firma meist ganz oben. Diesem wird dann auch die volle Verantwortung übertragen, sollte die Technik nicht einwandfrei funktionieren.

Ordnungsfordernde Internet-Laien verwenden überwiegend Basis-Funktionen. Beispielsweise telefonieren lediglich 35 Prozent via Internet (gesamt 43 Prozent). Aufgrund ihres geringen Bedürfnisses nach Selbstinszenierung verfügen auch nur 28 Prozent über ein Profil in sozialen Netzwerken (gesamt 47 Prozent). Überdurchschnittlich häufig halten sie allerdings Kontakt mit Ämtern und Behörden online (80 Prozent, gesamt 73 Prozent), da sie diesen Anbietern am ehesten vertrauen. Immerhin 44 Prozent – jedoch deutlich weniger als die Entscheider insgesamt (60 Prozent) – nutzen auch mobil das Internet. Sechs von zehn halten sich vorzugsweise auf Webseiten auf, welche ihnen von anderen empfohlen wurden (59 Prozent, gesamt 34 Prozent).

Einstellungen zu Datensicherheit und Datenschutz

Nur knapp die Hälfte dieser Entscheider fühlt sich in der Lage, Risiken bezüglich der Sicherheit im Internet richtig einzuschätzen und darauf adäquat zu reagieren (48 Prozent, gesamt 68 Prozent). Aufgrund ihrer begrenzten Internet-Expertise beauftragen sie vorzugsweise andere, sich um die Datensicherheit zu kümmern (62 Prozent, gesamt 36 Prozent). Fast ausnahmslos vertrauen die Ordnungsfordernden Internet-Laien auf die üblichen Schutzprogramme, wenn es um die Datensicherheit und den Datenschutz geht (93 Prozent, gesamt 59 Prozent). Beim Surfen ist aufgrund geringer Selbstsicherheit Vorsicht und Zurückhaltung ihr erstes Gebot, weshalb sie auch große Vorbehalte haben, private Daten ins Web zu stellen (94 Prozent, gesamt 81 Prozent).

Drei von vier Ordnungsfordernden Internet-Laien – und damit ein sehr großer Anteil im Vergleich zu den anderen Entscheidern – sehen das demokratische System bedroht, wenn im Internet jeder machen kann, was er will (76 Prozent, gesamt 48 Prozent). Umso stärker ist ihr Bedürfnis nach Sicherheit ausgeprägt. Vehement fordern diese Entscheider die Verantwortung von Staat und Unternehmen ein: Fast alle aus dieser Gruppe erwarten vom Staat den Schutz der Internet-Nutzer (91 Prozent, gesamt 71 Prozent). Damit das Internet funktionieren kann, sehen sie Regeln und Gesetze klar als Voraussetzung an (93 Prozent, gesamt 79 Prozent). Anbieter und Dienstleister sollten ihrer Ansicht nach in die Pflicht genommen werden, für verursachte Schäden die Haftung zu übernehmen (90 Prozent, gesamt 78 Prozent).

Sie sind dabei nicht fatalistisch, sondern haben überdurchschnittlich großes Vertrauen in die Meinung von Experten (84 Prozent vs. 70 Prozent), in staatliche Institutionen (56 Prozent vs. 44 Prozent) und das deutsche Rechtssystem (52 Prozent vs. 39 Prozent).