3.3.6.1. Internetferne Verunsicherte

Vertreter der Gruppe der Internetfernen Verunsicherten sind mit einem Anteil von sieben Prozent nur selten in der deutschen Entscheider-Landschaft zu finden. In der deutschen Bevölkerung hingegen sind 27 Prozent diesem Internet-Milieu zuzuordnen, das sich vor allem durch eine erhöhte Risikowahrnehmung im Internet und damit verbundene Schutz- und Kontrollforderungen charakterisieren lässt.

Internetferne Verunsicherte (sieben Prozent): Soziodemografie

Geschlecht und Alter
  • Ältere Entscheider, Ø 51 Jahre
  • Männer überrepräsentiert (80%, gesamt 70%)
Bildung
  • Mittlere Bildungsabschlüsse:
    Größter Anteil mittlerer Schulabschlüsse (20%, gesamt 12%) Fachhochschulreife (11%, gesamt 5%)
Ausbildungsgebiet/Berufe
  • Verteilung der Berufe überwiegend wie in der Grundgesamtheit
  • Größter Anteil geisteswissenschaftlicher und medizinischer/ pharmazeutischer Ausbildungen im Typenvergleich (10%, gesamt 5%) sowie handwerklicher Berufe (6%, gesamt 3%)
Berufsgruppe
  • Hoher Anteil Freier Berufe (22%, gesamt 17%)
  • Leitende Angestellte leicht unterdurchschnittlich
Entscheidungskompetenz
  • Im Milieuvergleich höchster Anteil von Geschäftsführern
    (35%, gesamt 15%)
Unternehmensgrößen
  • Überdurchschnittlich beschäftigt in kleineren und Kleinstbetrieben bis 20 Mitarbeiter (62%, gesamt 42%)
Einkommen
  • Niedrige bis mittlere Einkommensklassen innerhalb der Entscheider-Gesamtheit:
    20% haben ein jährliches Bruttoeinkommen unter 40.000 Euro (gesamt 12%), 33% machten keine Angaben zur Einkommens- frage (gesamt 22%)

Lebenswelt

Internetferne Verunsicherte unter den Entscheidern sind überwiegend dem traditionellen Segment der Gesellschaft zuzuordnen. Häufig arbeiten diese Entscheider als Geschäftsführer in kleinen Betrieben mit weniger als 20 Mitarbeitern. Sie gehören einer Generation an, in der es nicht ungewöhnlich ist, auch ohne Hochschulabschluss als erfolgreicher Unternehmer tätig zu sein oder in eine Führungsposition zu gelangen. Diese Entscheider sind häufig über 60 Jahre alt und bereiten sich zum Teil schon auf den Lebensabschnitt nach der beruflichen Karriere vor. Im Alltag suchen sie selten Berührungspunkte mit dem Internet, sondern schätzen den direkten Austausch von Mensch zu Mensch. Die rasante Digitalisierung und Modernisierung verunsichern sie nicht nur, sondern befremden sie – viele angebliche „Notwendigkeiten“ sehen sie als überflüssig an und fühlen sich angesichts der Fülle von Informations- und Kommunikationstechnologien zum Teil in einer Arbeitswelt, die nicht mehr ihre ist.

Internet-Nutzung

Im Vergleich zu den anderen Entscheider-Gruppen zeigen die Internetfernen Verunsicherten die größte Distanz zum Internet, obwohl selbst in diesem Milieu noch 80 Prozent das Netz täglich nutzen (gesamt 95 Prozent). Das Internet sehen sie stärker als andere Entscheider als Risiko (Mittelwert von 6,5, gesamt 8,2 auf einer Skala von 0 bis 10; 10 = „bietet vor allem Chancen“). Lediglich acht Prozent von ihnen können sich ein Leben ohne das Internet nicht mehr vorstellen, während es unter den Entscheidern insgesamt gut die Hälfte ist (53 Prozent). Auch nur acht Prozent möchten an dem teilhaben, was im Internet passiert (gesamt 57 Prozent). Daher überrascht es nicht, dass diese Entscheider sich überwiegend als Anfänger im Internet sehen.

Auffälligstes Charakteristikum der Internetfernen Verunsicherten ist die Überforderung durch das Internet (62 Prozent, gesamt elf Prozent). Die Vorstellung, dass vieles in Zukunft nur noch über das Netz erledigt werden kann, beunruhigt sie in ungewöhnlich hohem Ausmaß (98 Prozent, gesamt 34 Prozent). Sehr viel stärker als andere Entscheider sehen die Internetfernen Verunsicherten das demokratische System bedroht, wenn jeder im Internet machen kann, was er möchte (83 Prozent, gesamt 48 Prozent).

Internetferne Verunsicherte nutzen Aktivitäten im Internet deutlich seltener als andere Entscheider-Gruppen. Nur 59 Prozent machen Online-Banking (gesamt 81 Prozent), lediglich 21 Prozent nutzen soziale Netzwerke (gesamt 47 Prozent) und nur 58 Prozent kaufen auf deutschen Webseiten ein (gesamt 83 Prozent). Insgesamt bevorzugen die Internetfernen Verunsicherten bekannte Webseiten oder Plattformen, die ihnen von guten Bekannten empfohlen wurden (57 Prozent, gesamt 34 Prozent). Ziellos im Internet zu surfen, ist ihnen fremd.

Internetferne Verunsicherte: Typische Aussagen

Einstellungen zu Datensicherheit und Datenschutz

Internetferne Verunsicherte fühlen sich nicht in der Lage, Gefahren im Internet einzuschätzen und adäquat zu reagieren. Diese Gruppe hat die größten Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Aktivitäten im Netz im Vergleich zwischen den Entscheider-Gruppen. Beispielsweise schätzen 73 Prozent Online-Banking als gefährlich ein (gesamt 56 Prozent) und 90 Prozent finden es bedenklich, Versicherungen online abzuschließen (gesamt 73 Prozent). Die Verantwortung für die Datensicherheit delegiert dieses Internet-Milieu lieber an andere (61 Prozent, gesamt 36 Prozent).

Da sie sich selbst die digitale Kompetenz absprechen, befürworten sie auch weniger die Haftung des Nutzers, sondern erwarten, dass sich der Staat aktiv um die Sicherheit im Internet bemüht (86 Prozent, gesamt 71 Prozent). Diese Entscheider haben ein sehr großes Bedürfnis, vom Staat geschützt zu werden, weil sie das Netz nicht überblicken (74 Prozent, gesamt 54 Prozent). Lediglich 27 Prozent der Internetfernen Verunsicherten sehen das Internet als freies Medium, welches unter keinen Umständen reglementiert werden sollte (gesamt 39 Prozent). Regeln und Gesetze sind aus ihrer Sicht eine Grundvoraussetzung, damit das Internet überhaupt funktionieren kann (93 Prozent, gesamt 79 Prozent).

Auf die freie Wirtschaft ist in punkto Internet-Sicherheit aus Sicht dieser Gruppe kaum Verlass. So sind nur 14 Prozent davon überzeugt, dass große bekannte Marken mit persönlichen Daten sorgfältig umgehen (gesamt 38 Prozent). Entsprechend glauben diese Entscheider deutlich weniger, dass Selbstregulierung der Wirtschaft besser sei als Regulierung durch den Staat (52 Prozent, gesamt 60 Prozent).