4.3 Die Privatwirtschaft macht das Netz

Machtkonzentrationen der großen internationalen Player

Nach Ansicht der Entscheider wird das Internet vor allem durch die Privatwirtschaft dominiert. Insbesondere die großen, global agierenden Internet-Dienstanbieter wie Google, Apple, Facebook, eBay und Amazon gelten als Hauptakteure, die Basis-Anwendungen in erheblichem Maße bestimmen.

70 Prozent der Entscheider sehen Machtkonzentrationen der globalen Player überdies als Risiken im Netz. Viele Entscheider bekunden, dass ihnen die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen Sorge bereitet, da es kaum alternative Angebote gibt, im Internet zu suchen, zu kaufen oder sich zu vernetzen. Mit der zunehmenden Verbreitung und Vernetzung einzelner Dienste haben sich Monopole ausgebildet, die marktbestimmend sind – auch für das eigene Arbeitsfeld.

 „Viele Programmierer bei einem großen Unternehmen treffen heute viel, viel mehr Entscheidungen über das, was Sie als Information erreicht, als Sie denken, indem sie gewisse Algorithmen einprogrammieren, die Ihnen dann halt wirklich Teile des Denkens, des Suchens, der Orientierung abnehmen.“

„Wenn Deutschland sagt, wir machen Google zu, dann sind viele Businesses in Deutschland nicht mehr da. Wir haben insgesamt vier Suchmaschinen betreut, die nacheinander kamen. Aber mit der letzten, das ist so vier, fünf Jahre her, war klar, die Google-Allmacht ist in keiner Weise mehr aufzuhalten.“

Als weitere dominierende Akteure sehen Entscheider die Nutzer und die Medien. Sie prägen offenkundig das öffentliche Bild des Internets. Mit deutlichem Abstand sieht gut ein Drittel die Zivilgesellschaft als Gestalter des Internets an, während 18 Prozent die Wissenschaft hinzuzählen.

Der Staat wird kaum als dominanter Akteur im Internet wahrgenommen. Nur 15 Prozent sprechen der Politik und nur elf Prozent der öffentlichen Verwaltung einen großen Einfluss im Internet zu.

Privatwirtschaft, Internet-Nutzer und Medien sind die dominanten Akteure im Internet

Dominanz im Netz = Digitale Kompetenz? Das digitale Selbstbild der Entscheider

Ob sich Entscheider als einflussreiche Akteure im Internet sehen bzw. als solche gesehen werden, ist auch zum Teil eine Frage der zugeschriebenen Kompetenz. Fühlen sich die dominanten Akteure im Netz auch digital kompetenter? Und sind sie es tatsächlich?

46 Prozent der Entscheider schätzen sich selbst als sehr kompetent im Umgang mit dem Internet ein. Vor allem Vertreter der Zivilgesellschaft, der Medien sowie der Wissenschaft und Forschung zeigen großes Selbstbewusstsein. Die politischen Entscheider sind hier deutlich zurückhaltender; nur jeder Dritte sieht sich als Experte. Die Selbsteinschätzung der Politiker deckt sich also durchaus mit den ihnen von anderen Akteuren zugeschriebenen digitalen Kompetenzdefiziten.1

Fast die Hälfte der Entscheider sieht sich im Umgang mit dem Internet als Experte

 Analog hierzu fühlen sich 68 Prozent der Wirtschaftsvertreter in der Lage, Sicherheitsrisiken im Internet richtig einzuordnen und entsprechend zu reagieren, aber nur 59 Prozent der politischen Entscheider.

Der Blick auf die Internet-Segmente zeigt innerhalb der einzelnen Entscheider-Gruppen, dass sich die Selbsteinschätzung nicht unbedingt mit der tatsächlichen Verteilung über die Segmente deckt. Innerhalb der Gruppe der politischen Entscheider sind die Digital Outsiders etwas stärker vertreten als in der Gesamtheit der Entscheider. Ordnungsfordernde Laien und Internetferne Verunsicherte machen hier zusammen einen Anteil von 23 Prozent aus, im Durchschnitt stellen sie lediglich 17 Prozent. Jedoch ist der Anteil der Digital Natives größer als bei der Wirtschaft: Knapp jeder Zweite gehört dieser Gruppe an. Während sich bei Wissenschaft und Forschung, Medien und Zivilgesellschaft die Selbstwahrnehmung erhöhter Kompetenz auch in der empirischen Zuordnung zu den Internet-Segmenten bestätigt, zeigt sich, dass die Wirtschaft online offenbar nicht wesentlich versierter ist als die Politik, jedoch über ein größeres Selbstbewusstsein verfügt.

In allen Entscheider-Gruppen gibt es einen hohen Anteil an Digital Natives

 

  1. Dass andere Akteure – insbesondere die Vertreter der Wirtschaft – Politikern mangelndes Know-How in punkto Internet-Kompetenz unterstellen, ist eine zentrale Erkenntnis der qualitativen Vorstudie. []