2. Forschungsfragen und Vorgehensweise

Ziel der Untersuchung ist die Beschreibung zentraler Einstellungsmuster der deutschen Entscheider hinsichtlich unterschiedlicher Themenkomplexe rund um Vertrauen und Sicherheit im Internet. Dabei werden Entscheider nicht nur in ihrer Gesamtheit betrachtet, sondern auch in ihren jeweiligen Konfliktfeldern (z. B. Wirtschaft vs. Politik) und auf der Basis ihrer Zugehörigkeit zu unterschiedlichen digitalen Lebenswelten. Die Forschungsfragen gliedern sich in die Bereiche Datensicherheit/Datenschutz, Verantwortung und Vertrauen:

Datensicherheit/Datenschutz

  • Was muss getan werden, damit das Internet sicherer wird (im Sinne von Datenschutz, technischer Sicherheit, ggf. Verfügbarkeit)?
  • Ist der bestehende regulatorische Rahmen ausreichend?
  • Ist der öffentliche Diskurs (getrieben durch Politik, Medien, Zivilgesellschaft) zu den Themen Datensicherheit, Datenschutz und Teilhabe ausreichend?
  • Sind Internet-Nutzer ausreichend gut über Datensicherheit/Datenschutz informiert?

Verantwortung

  • Wer ist für Datensicherheit und Datenschutz im Internet verantwortlich – der Staat, die Wirtschaft, der Internet-Nutzer?
  • Wie wird sich das Spannungsfeld zwischen Eigen- und Fremdverantwortung in Zukunft entwickeln? Reicht die Eigenverantwortung der Nutzer aus, oder wird es für Sicherheit im Internet auf Seiten der Nutzer eine größere Verbindlichkeit geben?
  • Wer soll die Haftung für Datensicherheits- und Datenschutzpannen übernehmen?
  • Unterscheiden sich die Einstellungen bei Entscheidern aus den Akteursgruppen (z. B. Wirtschaft, Politik, Öffentlicher Dienst)?

Vertrauen

  • Was schafft Vertrauen in Internet-Infrastrukturen, -Produkte und -Dienste?
  • Wem kann man vertrauen? Welche Maßnahmen stiften Vertrauen?
  • Fördert ein klares Rechtsregime (bzgl. Haftung und Ansprüchen) Vertrauen in das Internet bei den Akteuren?

Um die Forschungsfragen zu beantworten, wurde ein zweistufiges Vorgehen gewählt, das in der folgenden Grafik dargestellt ist:

Vorgehensweise

Das Modul 1 umfasst über 60 Experten-Interviews mit Meinungsführern, Entscheidern und Multiplikatoren.1 In einem zweiten Schritt wurde eine quantitative Repräsentativ-Erhebung konzipiert. Auf der Basis der Befunde aus Modul 1 wurden Hypothesen generiert und operationalisiert. Im Zeitraum vom 10. September bis 2. November 2012 wurden 1.221 Entscheider aus Wirtschaft, Politik, Öffentlichem Dienst, Zivilgesellschaft, Medien sowie Wissenschaft und Forschung interviewt (entspricht 1.220 gewichteten Fällen).

Die Datenerhebung erfolgte in Kooperation mit der teleResearch GmbH aus Mannheim. Die durchschnittliche Interviewdauer betrug 25 Minuten. Details zum Zuschnitt der Stichprobe befinden sich im Anhang.

Als Erhebungsmethode wurde die computerunterstützte Telefonbefragung gewählt (CATI: Computer Assisted Telephone Interview). Die Interviewer führten die Interviews telefonisch und gaben die Antworten der Befragten direkt in einen programmierten Fragebogen auf dem PC ein. Auf Wunsch einzelner Befragter in der Zielgruppe „Bundestags- und Landtagsabgeordnete“ wurde in Ausnahmefällen, z. B. aufgrund von Schwierigkeiten bei der Terminierung von Telefon-Interviews, ein Online- Interview zum Selbstausfüllen angeboten. Der Ablauf dieses Online-Fragebogens war identisch zum Telefon-Fragebogen. 24 Fragebögen wurden online ausgefüllt, 1.197 Befragungen wurden telefonisch durchgeführt.

Auf der Basis der vorausgegangenen Bevölkerungsstudie (DIVSI Milieu-Studie) konnte ein Indikator-Instrument entwickelt werden, das die Zuordnung der Entscheider zu den verschiedenen Internet-Milieus ermöglicht. Entsprechend der Antwortmuster der Entscheider ergab sich eine Verteilung über die sieben Internet-Milieus, die ebenso wie in der Bevölkerungsstudie in Form einer Landkarte dargestellt wird. Zur Beschreibung der Internet-Milieus wurde entsprechend auch auf Befunde der Bevölkerungsstudie zurückgegriffen, da diese die Basis für die Entwicklung der digitalen Lebenswelten in Deutschland ist.

Die in dieser Broschüre angeführten Zitate sind der qualitativen Vorstudie entnommen.

  1. Im November 2012 wurde dieser erste Teil unter dem Titel „DIVSI Meinungsführer-Studie – Wer gestaltet das Internet?“ veröffentlicht. []