5.1 Wer hat den größten Einfluss im Netz? Von wem gehen die größten Risiken aus?

Privatwirtschaftliche Unternehmen und die Internet-Nutzer sind aus Sicht der Entscheider im Netz nicht nur besonders dominant, sondern auch besonders risikobehaftet. Den politischen Entscheidern wird überraschenderweise wenig Einfluss zugeschrieben – offenkundig gehen von ihnen dabei auch weniger Gefahren aus. Aber sehen dies alle Entscheider so? Und warum sind manche Akteure für einzelne Entscheider-Gruppen relevanter bzw. „gefährlicher“?

Der unbedachte Nutzer: Für Wissenschaft und Forschung sowie für die Zivilgesellschaft das Risiko Nr. 1

Vertreter der Zivilgesellschaft bzw. von Wissenschaft und Forschung halten den unbedachten Nutzer für ein größeres Risiko als den professionellen Hacker. Durch unbekümmert-unreflektiertes Shopping und Socializing in der Online-Welt entsteht aus ihrer Sicht großer Schaden im Internet – zumeist für den Nutzer selbst. Wer sich nicht auskennt, gefährdet sich selbst. Diese beiden Entscheider-Gruppen sehen das Internet in hohem Maße als Chance und sind selbst überwiegend versierte Nutzer. Aus ihrer Sicht ist Chancengerechtigkeit im Netz aber nicht gleichmäßig verteilt: Wenige große Player machen und wissen vieles – und viele „kleine Player“ wissen fast nichts.

Auch Medienvertreter haben die Nutzer überdurchschnittlich stark im Fokus – vor allem, wenn diese illegal Content downloaden. Medienvertreter sehen sich also durchaus als Betroffene – geschädigt durch den Nutzer. Entsprechend sind sie weniger überzeugt als andere Akteure, dass Nutzer die Vorgänge im Netz nicht überblicken könnten. Sie vermuten, dass Nutzer sich durchaus bewusst Zugang zu kostenfreien Angeboten verschaffen – wider besseren Wissens. Sie kritisieren den schleichenden Einzug einer Gratis-Mentalität in das Netz und betonen, dass qualitativ hochwertige Beiträge ihren Preis haben.

Privatwirtschaft gegen den Rest der Entscheider

Die Entscheider aus Politik, Öffentlichem Dienst, Zivilgesellschaft, Medien sowie Wissenschaft und Forschung sind sich einig, dass Unternehmen im Internet eine größere Sicherheitsgefährdung darstellen, als dies von Wirtschaftsvertretern selbst wahrgenommen wird.

Entscheider in Politik und Öffentlichem Dienst sehen die privaten Internet-Dienstanbieter im Allgemeinen als sicherheitsgefährdende Gruppe; Wissenschaft und Forschung, Medien und Zivilgesellschaft haben hier vor allem die großen globalen Unternehmen im Blick. 80 Prozent der Entscheider aus Wissenschaft und Forschung sehen diese Unternehmen als Risiko und vertreten zudem überdurchschnittlich häufig die Meinung, dass die zunehmende Marktkonzentration eine wesentliche Herausforderung im Internet darstellt (50 Prozent vs. 36 Prozent).

Das Selbstbild der Wirtschaftsvertreter weicht von diesen Einschätzungen deutlich ab: Nur 46 Prozent betrachten private Internet-Dienstanbieter als Gefahr im Netz. Interessant ist insbesondere der vertiefende Blick auf die einzelnen Segmente innerhalb der Wirtschaftsvertreter: Digital Natives sehen große globale Internet-Dienstanbieter bzw. private Internet-Dienstanbieter im Vergleich zur Gesamtheit der Entscheider in deutlich geringerem Maße als sicherheitsgefährdende Akteure im Internet (65 Prozent vs. 73 Prozent bzw. 44 Prozent vs. 49 Prozent).

Der Staat: Risiko durch Überwachung oder unterlassene Hilfeleistung im Netz?

Dass von staatlichen Institutionen und Akteuren ein Risiko im Netz ausgeht, sehen weniger als 30 Prozent der Entscheider. Wenig überrascht dabei, dass sich vor allem die Entscheider in der Politik und im Öffentlichen Dienst nicht als Risiko im Netz sehen; interessanter erscheint jedoch, dass auch aus Sicht der Wirtschaftsentscheider von dieser Gruppe nur eine geringe Gefahr ausgeht.

Das größte Missverhältnis existiert zwischen Politik/Öffentlichem Dienst und den Vertretern von Medien bzw. Wissenschaft und Forschung. Deutlich kritischer als andere Entscheider sehen Wissenschaft und Forschung sowie Medien die Rolle der politischen Akteure und des Staates: 35 Prozent der Wissenschaftler und Forscher betrachten politische Akteure als Gruppe, von der Risiken ausgehen, gegenüber 21 Prozent im Durchschnitt der Entscheider. Medien sehen hier vor allem eine drohende Überregulierung. Wissenschaft und Forschung sehen in diesem Zusammenhang aber auch eine Sicherheitsgefährdung durch fehlende Einflussmöglichkeiten der Politik; diese Entscheider äußern die Befürchtung, dass die politischen Instrumente mit dem Tempo der Entwicklungen im Netz nicht Schritt halten und staatliche Institutionen Sicherheit damit nicht gewährleisten können.

„Also der Staat ist einfach zu langsam. Also das Modell funktioniert einfach nicht mehr gegen das Internet, weil sich das Internet so schnell entwickelt und so schnell Haken schlägt, dass eben unser langsamer Kasten nicht mehr hinterher kommt. Also der Regierungskasten, der regulieren würde.“

Das Risiko durch Akteure im Internet wird von den Entscheider-Gruppen sehr differenziert eingeschätzt