3.3.6.2. Hedonisten

Der Einstellungstyp der Hedonisten ist nur sehr selten unter den Entscheidern vorzufinden. Lediglich vier Prozent sind dieser Gruppe zuzuordnen. Entsprechend ist die Fallzahl mit N = 48 Fällen in der Stichprobe als Basis für die Auswertung sehr gering.

Hedonisten (vier Prozent): Soziodemografie

Geschlecht und Alter
  • Ältere Entscheider, Ø 50 Jahre
  • Männer leicht überrepräsentiert
Bildung
  • Vergleichsweise niedrige Bildungsabschlüsse
  • 25% haben einen Haupt- oder Realschulabschluss (gesamt 13%)
Ausbildungsgebiet/Berufe
  • Kaufmännische (22%, gesamt 16%) und wirtschaftswissenschaftliche Ausbildungen (21%, gesamt 17%) bzw. Wirtschafts- ingenieurwesen (7%, gesamt 2%) überrepräsentiert
Berufsgruppe
  • Selbstständige überrepräsentiert (24%, gesamt 19%)
    Freie Berufe (14%, gesamt 17%) und Beamte (5%, gesamt 8%) leicht unterrepräsentiert
Entscheidungskompetenz
  • 52% arbeiten in der Funktion Abteilungsleiter oder Prokurist
    (gesamt 36%)
  • 27% arbeiten in der Funktion Geschäftsführer/Vorstands- mitglied ohne Geschäftsanteile (gesamt 15%)
Unternehmensgrößen
  • Überdurchschnittlich beschäftigt in mittelständischen Betrieben:
    100 – 249 Beschäftigte (21%, gesamt 13%)
Einkommen
  • Mittlere und gehobene Einkommensklassen innerhalb der Entscheider-Gesamtheit:
    47% haben ein jährliches Bruttoeinkommen zwischen
    60.000 und 100.000 Euro (gesamt 40%)

Lebenswelt

Hedonisten unter den Entscheidern möchten vieles einfach erst einmal ausprobieren, bevor sie sich ein Urteil bilden. Für sie bietet das Internet die Möglichkeit, auf Entdeckungsreise zu gehen, ohne sich große Sorgen zu machen, was passieren könnte. Für die Themen Datensicherheit und Datenschutz sind sie kaum sensibilisiert. Sie vertreten eher die fatalistische Grundhaltung, dass Datenmissbrauch ohnehin nicht verhindert werden könne.

Umgang mit dem Internet

Diese Entscheider schätzen die Bequemlichkeit, die das Netz ihnen bietet. Sie möchten keinen zusätzlichen Aufwand durch unnötige Probleme. Bei den Hedonisten unter den Entscheidern verbindet sich im Online-Verhalten eine geringe Internet-Expertise mit noch geringeren Sicherheitsbedenken.

So fühlen sich vier von zehn Hedonisten mit dem Internet überfordert (gesamt elf Prozent). Im Vergleich zu den anderen Entscheidern sehen sie sich eher als Anfänger denn Experten, wenn es um ihre Internet-Expertise geht (Mittelwert 4,1, gesamt 4,3 auf einer sechsstufigen Antwortskala; 6 = Experte). Dennoch haben sie wenige Berührungsängste und verfolgen mit entspannter Grundhaltung ein Trial-and-Error-Prinzip. Gern probieren sie neue Angebote und Entwicklungen im Internet sofort aus (42 Prozent, gesamt 17 Prozent).

Hedonisten nutzen die verschiedenen Möglichkeiten im Internet insgesamt durchschnittlich bis leicht unterdurchschnittlich. Häufiger als andere Entscheider haben sie allerdings bereits Filme, Spiele etc. heruntergeladen (38 Prozent, gesamt 32 Prozent) oder auch selbst Bilder oder Filme ins Netz gestellt (42 Prozent, gesamt 25 Prozent).

Hedonisten: Typische Aussagen

Einstellungen zu Datensicherheit und Datenschutz

Auffälligstes Charakteristikum der Hedonisten ist, dass sich über die Hälfte von ihnen keine Gedanken über die Sicherheit im Internet macht, nach dem Motto „Was soll mir schon passieren?“ (54 Prozent, gesamt acht Prozent). Ihr sehr gering ausgeprägtes Gefahrenbewusstsein führt dazu, dass Sicherheitsbedenken direkt ausgeblendet werden. Entsprechend ist es 37 Prozent egal, was mit ihren Daten im Internet geschieht (gesamt sechs Prozent). Hedonisten halten das Internet ohnehin für unkontrollierbar; deswegen machen sie sich auch keine Sorgen, da dies sowieso nichts nützen würde. Groß ist ihre Zuversicht, Daten wieder zu bekommen, wenn sie im Internet verloren gehen (46 Prozent, gesamt neun Prozent). 79 Prozent der Hedonisten verlassen sich auf die gängigen Schutzprogramme und fühlen sich damit sicher (gesamt 59 Prozent).

59 Prozent der Hedonisten unter den Entscheidern sehen das Internet als freies Medium an, welches unter keinen Umständen reglementiert werden sollte (gesamt 39 Prozent). Lediglich die Hälfte erwartet vom Staat, dass dieser aktiv für die Sicherheit im Internet sorgen soll (51 Prozent, gesamt 71 Prozent). Seltener als andere Entscheider sind sie der Meinung, dass es nur durch die Einhaltung rechtsstaatlicher Regeln im Internet Sicherheit geben kann (58 Prozent, gesamt 73 Prozent). Deutlich weniger als andere Entscheider sehen sie Anbieter und Dienstleister in der Verantwortung, die Haftung für Schäden zu übernehmen (59 Prozent, gesamt 78 Prozent) und setzen deutlich stärker auf Prinzipien der Selbstregulierung.

Die Einstellungsmuster dieser Entscheider lassen weniger vermuten, dass diese Gruppe tatsächlich anarchische Freiheitsprinzipien im Internet fordert, sondern dass sie sich über dieses Thema einfach noch keine Gedanken gemacht hat.