5.4 Einschalten von Ortungsdiensten

Auf rein technischer Ebene dienen Ortungsdienste zur Lokalisierung eines Smartphones. Dazu wird z.B. über einen eingebauten GPS-Empfänger der Standort bestimmt. Viele Apps verwenden Standortdaten dazu, dem Nutzer ortsabhängig Informationen zur Verfügung zu stellen. Navigations-Apps ermöglichen es mit Standortdaten, dem Nutzer nicht nur den Weg zu zeigen, sondern ihn per Turn- by-Turn-Navigation schrittweise zum Ziel zu führen. Andere Apps zeigen dem Nutzer z.B. an, welche seiner Freunde gerade in der Nähe sind.

Bei der Nutzung von Ortungsdiensten wird die Standortbestimmung lokal, d.h. auf dem Endgerät, ausgeführt. Diese Daten werden sodann zu einem Server geschickt, damit dieser die für diesen Standort relevanten Daten zurücksenden kann. So kann ein Bewegungsprofil des Nutzers erstellt werden. Aus einem solchen Profil lässt sich beispielsweise herauslesen, wo der Nutzer arbeitet oder wo er wohnt und welche Orte er regelmäßig besucht.

Alle Betriebssysteme bieten die Möglichkeit an, Ortungsdienste generell zu deaktivieren. Dies hat allerdings zur Folge, dass etwa Turn-by-Turn-Navigations-Apps nicht mehr funktionieren. Die Unterschiede im Umgang mit Ortungsdiensten bei den verschiedenen Betriebssystemen werden im Folgenden vorgestellt.

Android

POTENZIELL BETROFFENE DATEN: Standortdaten, Bewegungssensor, IP-Adresse
Google unterscheidet zwischen drei Arten von Standortdaten, die zur Bereitstellung weiterer Dienste erfasst, verarbeitet sowie gespeichert werden. Im Folgenden werden diese Standortdaten näher beschrieben.

  1. Gerätebasierte Informationen wie GPS, WLAN-Zugangspunkte sowie Mobilfunkmast-ID ermöglichen in der Regel eine sehr genaue Standortbestimmung eines Gerätes. Darüber hinaus kann auch andere Sensorik wie Beschleunigungsmesser, Kompass, Gyroskop und Barometer genutzt werden, um die Genauigkeit der Standortbestimmung zu erhöhen. Der Nutzer kann die Erfassung gerätebasierter Standortinformationen einschränken (siehe hierzu Kapitel 7.3 für weitere Informationen).
  2. Daten des Internetverkehrs wie z.B. IP-Adresse können in der Regel bestimmten geografischen Regionen zugewiesen werden und so als Information zur Näherung des Standortes eines Gerätes dienen. Um die Erfassung dieser Standortinformationen einzuschränken, sind fortgeschrittene Anwendungen wie z.B. VPN-Dienste, Anonymisierungs-Proxies, notwendig. Diese werden nicht durch Android bereitgestellt und müssen daher durch den Nutzer installiert bzw. konfiguriert werden.
  3. Implizite Standortinformationen verraten nicht den Standort des Gerätes, sondern erlauben eine Annahme zum Aufenthaltsort. So kann eine Suchanfrage, etwa nach einem Restaurant in einer bestimmten Stadt, einen Anhaltspunkt über den Standort des Endgerätes liefern. Nutzer können die Erfassung solcher Standortinformationen sehr wenig beschränken.

Um die so erfassten Standortinformationen weiterzuverarbeiten, bietet Google Nutzern die Möglichkeit, aktuelle Standortdaten eines Endgerätes regelmäßig mit einem verknüpften Google-Konto über sogenannte Standortberichte zu synchronisieren.

Davon ausgehend verknüpft die Anwendung Standortverlauf die Daten des Standortberichtes und stellt diese Daten wiederum anderen Anwendungen zur Verfügung (z.B. Google Now). Die Daten des Standortverlaufs werden laut Google nicht ohne die Zustimmung des Nutzers weitergegeben. Zur Bestimmung der Standortinformationen eines mobilen Endgerätes ist keine SIM-Karte, d.h. keine Verbindung mit einem Mobilfunknetz, notwendig.

Weiterhin ist es dem Nutzer möglich, im Nachhinein in den Systemeinstellungen nachzuvollziehen, welche Apps und Systemdienste zuletzt Ortungsdienste genutzt haben.

BlackBerry OS

POTENZIELL BETROFFENE DATEN: Standortdaten
Sobald der Nutzer Datendienste in BlackBerry OS aktiviert und standortbezogene Dienste auf dem Gerät verwendet, werden Daten an BlackBerry übertragen. Diese umfassen „anonyme Crowdsourcing-Informationen über Wi-Fi-Hotspots und Sendemasten für eine bessere und schnellere Standort- erkennung”. BlackBerry weist darauf hin, dass die Speicherung dieser Daten in einer Form erfolgt, „die keine persönliche Zuordnung erlaubt” [8, Abschnitt 4g].

Die Einstellung lässt sich global deaktivieren, sodass keine App Standortdaten verwenden kann. Weiterhin bietet das BlackBerry-Smartphone die Möglichkeit, den Zugriff auf Standortdaten für einzelne Apps zu (de)aktivieren.

Bei der Nutzung der Karten-App von BlackBerry OS, die standardmäßig auf den Geräten installiert ist, werden (anonymisierte) Standortdaten des Telefons an BlackBerry übertragen, um Verkehrsstaus anzuzeigen. Diese Daten werden auch dafür verwendet, um die Routenplanung für den Anwender zu verbessern. Die Einstellung ist deaktivierbar.

Für die Nutzung von standortbezogener Werbung wird der Standort des Telefons ebenfalls an BlackBerry übertragen. BlackBerry versichert, dass „keinerlei Daten an dritte Werbeanbieter weitergegeben [werden], anhand derer [der Anwender] persönlich identifizierbar” ist. Standortbezogene Werbung kann in den Systemeinstellungen des Smartphones deaktiviert werden.

iOS

POTENZIELL BETROFFENE DATEN: Standortdaten
Aktiviert der Nutzer auf dem Smartphone die Ortungsdienste, stimmt er damit zu, dass Apple und andere die auf dem Smartphone erhobenen Standortdaten übertragen, speichern, verwalten, verarbeiten und verwenden dürfen, um auf Standortdaten basierende Dienste bereitzustellen und verbessern zu können. Wird es Drittanbieter-Apps erlaubt, auf Ortungsdienste zuzugreifen, unterliegen die der App bereitgestellten Standortdaten nur der Datenschutzrichtlinie des App-Anbieters.

Unter diese Daten fallen laut Nutzungsbedingungen:

  • Standortdaten einschließlich der geografischen Echtzeitposition des iPhones
  • Informationen zur Fahrgeschwindigkeit auf Straßen
  • Ortssuchanfragen (z.B. in der Karten-App)
  • Orte, an denen Programme gestartet werden
  • Orte, an denen Programme gekauft werden

Um den Standort möglichst genau bestimmen zu können, setzt Apple nicht nur GPS ein, sondern verwendet auch eine durch Crowdsourcing erstellte Datenbank mit WLAN-Hotspots sowie eine durch Crowdsourcing erstellte Datenbank mit Mobilfunkmasten. Bei der Aktivierung der Ortungsdienste auf dem Smartphone werden auch in regelmäßigen Abständen die per Geotagging markierten Positionen von nahe gelegenen WLAN-Hotspots und Mobilfunkmasten in anonymisierter Form an Apple geschickt. Dies lässt sich auf dem Smartphone einzeln deaktivieren, ohne Ortungsdienste komplett auszuschalten.

Stellt das Smartphone fest, dass es unterwegs ist, sendet es bei aktivierten Ortungsdiensten in regelmäßigen Abständen die GPS-Position und Informationen zur Fahrgeschwindigkeit in anonymisierter Form an Apple zum Aufbau einer Crowdsourcing-Datenbank für den Straßenverkehr.1) Auch dies lässt sich auf dem Smartphone einzeln abschalten, ohne Ortungsdienste komplett zu deaktivieren.

In regelmäßigen Abständen werden Informationen über Orte an Apple gesendet, an denen Apps gekauft oder gestartet wurden. Die Übertragung geschieht verschlüsselt und laut Apple anonymisiert. Dies lässt sich auf dem Smartphone einzeln deaktivieren, ohne Ortungsdienste komplett zu deaktivieren.

Im Smartphone werden auch Orte gespeichert, die kürzlich besucht wurden, sowie wann und wie oft. Diese Daten bleiben laut Apple nur auf dem Smartphone gespeichert.

An Apple werden auch Standortdaten gesendet, damit geografisch relevante Werbung angezeigt werden kann. Dies lässt sich auf dem Smartphone einzeln deaktivieren, ohne Ortungsdienste komplett zu deaktivieren. Eine Deaktivierung hat nur zur Folge, dass die Werbung nicht mehr „geografisch relevant” ist, es wird jedoch weiterhin Werbung angezeigt.

Für Notrufe sind die Ortungsdienste stets aktiviert, selbst wenn Ortungsdienste vom Benutzer generell abgestellt worden sind.

Damit ein Nutzer erkennen kann, wann Ortungsdienste bzw. Standortdaten verwendet werden, bietet iOS die Möglichkeit, in der Statusleiste des Smartphones ein Symbol anzuzeigen, welches immer beim Zugriff auf Ortungsdienste sichtbar ist. Weiterhin ist es dem Nutzer möglich, im Nachhinein in den Systemeinstellungen nachzuvollziehen, welche Apps und Systemdienste innerhalb der letzten 24 Stunden Ortungsdienste genutzt haben.

Windows Phone

POTENZIELL BETROFFENE DATEN: Standortdaten
Ortungsdienste sind bei Windows Phone standardmäßig aktiviert. Sie können global deaktiviert
werden. In diesem Fall hat keine App Zugriff auf Informationen, um Ortungsdienste auszuführen. Nutzer von Windows Phone können den Zugriff auf Standortdaten zudem einzelnen Apps des Telefons gewähren, wenn diese selbst eine Auswahlmöglichkeit anbieten.2

Die Grundlage für Ortungsdienste bildet die Positionsdatenbank, welche die Daten zur Bestimmung des ungefähren Standortes des Handys auf dem Gerät speichert und anderen Anwendungen des Gerätes bereitstellt. Bei Zustimmung des Nutzers werden hier WLAN-Zugangspunkte, GPS-Koordinaten sowie Informationen der Mobilfunkzelle gespeichert. Diensten des Gerätes werden laut Microsoft allerdings nur Daten bereitgestellt, die keine Identifizierung des Nutzers zulassen. Diese können umfassen: Breitengrad, Längengrad, Geschwindigkeit, Richtung sowie Höhe des Telefons.

Microsoft empfiehlt die einmalige Übermittlung von Standortdaten bei Aktivierung des Gerätes. Der Nutzer muss der Ausführung dieses Dienstes zustimmen.

  1. http://support.apple.com/kb/HT5594?viewlocale=de_DE (Letzter Zugriff 29.07.2014 [↩︎]
  2. Inwieweit die in einer App ausgewählte Option vom Betriebssystem durchgesetzt wird, wurde nicht geprüft. [↩︎]