Formen der Beteiligung

Was bedeutet „Beteiligung im Internet“? Der vorliegende Bericht dokumentiert die Vielfalt der Bereiche und Formen der Beteiligung im Netz. Er spannt damit ein Feld auf, beginnt mit dessen Strukturierung und schafft so eine erste Auslegeordnung. Eine abschliessende Begriffsdefinition kann jedoch hier noch nicht geboten werden. Zu vielfältig sind die in der Forschung betrachteten Formen der Beteiligung. Weitere konzeptionelle Arbeit ist notwendig, um „die“ Beteiligung im Netz abzugrenzen und ihre Formen zu definieren.

Deutlich wird, dass in Deutschland tatsächlich von einem breiten Zugang zum Internet ausgegangen werden kann. Laut EU nutzen 84% der deutschen Bevölkerung das Internet, 65% nutzen es täglich (EUROSTAT, 2013). Laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2013 sind die Deutschen im Schnitt an fünf Tagen die Woche im Internet unterwegs. Die durchschnittliche tägliche Internetnutzungsdauer beträgt 169 Minuten – in der Gruppe der unter 30jährigen ist das Internet bereits das am intensivsten genutzte Medium, vor TV, Radio und Printmedien.

Laut BITKOM (2012) verbringen die Nutzer den größten Teil der Online-Zeit (31%) in Sozialen Medien und auf Multimedia-Plattformen. Eine Analyse des Internet-Nutzungsverhaltens durch den US-Anbieter Forrester Research (2012) unterscheidet die Internet-Nutzung nach dem Grad ihrer Aktivität. Demnach nutzen 69% der Internetnutzer in den EU-7-Staaten Soziale Medien um sich zu informieren, 50% unterhalten eine Präsenz in Sozialen Netzwerken. Etwa ein Drittel der Nutzer veröffentlicht Kommentare, gibt Ratings oder ähnliche Urteile und Feedbacks ab. Immerhin ein Viertel der Nutzer veröffentlicht gar selbst aktiv Inhalte im Netz, seien es Texte, Fotos, Musik oder Videos.

Stufen der "Beteiligungsleiter"

Abbildung 2: Die Stufen der „Beteiligungsleiter“

Diese Unterscheidung entspricht der Idee einer Aktivitäts- oder „Beteiligungsleiter“ (s. Abb. 2). Danach können Formen der Beteiligung nach ihrem Aktivierungsgrad unterschieden werden. Auf der untersten Stufe steht eine informative Beteiligung, also die Sammlung und Aufnahme von Informationen. Die zweite Stufe umfasst verschiedene Formen der Kommentierung oder Rückmeldung – hierzu können Ratings, Feedbacks, Kommentare, auch „Likes“ gezählt werden. Die dritte und oberste Stufe umfasst eine aktive Beteiligung im Sinne der Einbringung eigener Ideen, Beiträge oder Vorschläge.

Die so beschriebenen Formen der Beteiligung entsprechen verschiedenen Formen der Internetnutzung (Haller et al., 2011). Regelmäßig werden Nutzungsmotive wie Information, Unterhaltung/Spaß und Mitteilung/aktive Kommunikation unterschieden, wobei diese Nutzungsformen durchaus zusammenhängen: Eine informative Internetnutzung steht in einem positiven Zusammenhang zu aktiveren Nutzungsformen, sie ist eine Art Grundlage oder Voraussetzung der aktiven Beteiligung (Haller et al., 2011; Hwang et al., 2006; Wang, 2007). Auch in der entgegengesetzten Richtung können jedoch Wirkungen festgestellt werden: Die aktive Beteiligung fördert die Aufnahme und Verarbeitung sowie Interpretation von Informationen.

Immer wieder zeigt sich, dass die verschiedenen Formen der Beteiligung und Nutzung ungleich verteilt sind: Während die Information und auch Unterhaltung sehr weit verbreitete Nutzungsformen darstellen, ist die aktive Nutzung zwar ein durchaus verbreitetes, aber doch noch ein Minderheitenphänomen (Albrecht, 2006).

Strategien der Beteiligungsförderung

Abbildung 3: Strategien der Beteiligungsförderung

Aus diesem Grund werden Strategien der Beteiligungsförderung vorgeschlagen (s. Abb. 3): „Ermöglichen“ bezeichnet die Bereitstellung von Zugang zu Informationen, „Einbinden“ bezeichnet die Schaffung von Interaktionsmöglichkeiten und dialogischen Formen des Austausches, und „Ermächtigen“ bezeichnet schließlich die Bereitstellung von kooperativen Interaktionsformen, wie etwa die Einbindung in Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse.

Gerade weil die aktive Beteiligung (noch?) keine Selbstverständlichkeit darstellt, ist es notwendig, nicht nur über die technologischen, sondern vor allem auch gesellschaftlichen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen der Beteiligung nachzudenken. Wie beschrieben, schaffen neue Medien auch neue Möglichkeitsräume für Beteiligungsprozesse. Doch inwiefern werden diese für eine aktive Beteiligung genutzt? Zu welchem Zweck und von wem? Die Debatte um die Beteiligung im Netz beruht häufig auf einer impliziten normativen Grundlage, welche eine möglichst breite Beteiligung der Menschen an sozialen Interaktions- und Entscheidungsprozessen positiv bewertet. Es soll zumindest darauf hingewiesen werden, dass dies keineswegs selbstverständlich, sondern ein Ergebnis politisch-philosophischer und kultureller Einflüsse ist, die mit einem bestimmten Verständnis der (Netz-)Bürgerschaft einhergehen (Bennett et al., 2011).

Vor dem Hintergrund dieser normativ positiven Beurteilung der gesellschaftlichen Beteiligung, und damit verbunden der Einschätzung medientechnologischer Innovationen als Chancen für eine vertiefte und/oder erweiterte Beteiligung, ist es notwendig zu verstehen, welche Bereiche und Formen der Beteiligung existieren und bereits heute genutzt werden. Der folgende Abschnitt stellt die in der Literaturanalyse identifizierten Bereiche der Beteiligung vor. Die folgenden Kapitel werden diese dann vertieft beleuchten und die jeweils betrachteten Formen der Beteiligung, Voraussetzungen und Auswirkungen analysieren.