Was sind Voraussetzungen der Online-Beteiligung in der Wirtschaft?

Studien zur Online-Beteiligung in der Wirtschaft befassen sich nur selten mit den soziodemographischen Voraussetzungen einer Beteiligung. Dies ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass in diesem Bereich kein einheitlicher Beteiligungsbegriff besteht. Interaktion in der Kundenbeziehung, Beteiligung an Co-Kreation und Open Innovation oder die selbständige Erstellung und Verbreitung von Kreativerzeugnissen setzen unterschiedliche Interessen, Motivationen und Fähigkeiten voraus. Solange diese Unterscheidungen und ihre Zusammenhänge aber nicht geklärt sind, lassen sich kaum Aussagen über die Voraussetzungen der Beteiligung treffen.

Umgekehrt wird hier jedoch deutlich, dass Motive und damit auch psychologische Treiber eine wichtige Rolle in der Bereitschaft zur Beteiligung spielen. Studien der Wirtschaftsinformatik haben gezeigt, dass die wahrgenommene Nützlichkeit sowie die Nutzerfreundlichkeit wesentlich die Nutzungsbereitschaft beeinflussen (Davis, 1989; Venkatesh et al., 2000; 2003). Die Bereitschaft zur Beteiligung wird darüber hinaus von den Einstellungen der Nutzer beeinflusst: Nutzer mit einer großen Offenheit für neue Technologien, mit einer spielerischen Einstellung gegenüber Internet-Angeboten werden eher bereit sein, online mit Unternehmen zu interagieren, als solche mit großen Sorgen und Ängsten, etwa hinsichtlich ihrer Privatsphäre und Sicherheit im Netz.

Sozial-kognitive Studien zeigen darüber hinaus, dass subjektive Kompetenzwahrnehmungen (engl. „self-efficacy“) das Online-Engagement der Nutzer fördern oder behindern können (Compeau et al., 1999). Umwelteinflüsse und vor allem Nutzungserfahrungen können dazu beitragen, dass Nutzer sich bestimmte Aktivitäten im Netz zutrauen – oder eben nicht. Je förderlicher diese Einflüsse und entsprechend höher die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, desto eher erfolgt tatsächlich eine Nutzung.

Im Falle der Kooperation mit Unternehmen interessiert nicht zuletzt auch die Motivation der Nutzer. Häufig wird zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation unterschieden. Oftmals sind Nutzer extrinsisch motiviert, versprechen sich also einen greifbaren Nutzen, wenn sie sich in die Gestaltungs- und Produktionsprozesse von Unternehmen einbringen. Andererseits kann ein zu offensichtlicher extrinsischer Anreiz, wie etwa Geldzahlungen, die Motivation senken (Shirky, 2008). Denn nicht selten ist es vor allem ein intrinsischer Anreiz, etwa die Freude an der Herausforderung und die Anerkennung durch andere, die zu einer Beteiligung anregt. Die Betrachtungen dieser Zusammenhänge stellen eine Stärke der Erforschung der Online-Beteiligung in der Wirtschaft dar, die auch für andere Bereiche von Interesse sein sollten.