Was heißt Online-Beteiligung in der Bildung?

„Das Internet bietet Lernen jederzeit, überall und für jeden“, so eine optimistische Einschätzung von Robinson und Hullinger (2008, Übersetzung d. Verf.). Große Namen der digitalen Welt wie Google und Wikipedia stehen für den Zugang zu zahllosen Quellen und dem geballten Wissen der Online-Gemeinschaft. Das Internet ist ein Instrument der Kommunikation und Informationsvermittlung. Es kann daher nicht überraschen, dass die Auswirkungen des Internets auf Lernen und Bildung das Interesse zahlreicher Wissenschaftler geweckt haben. Der Forschungsbereich der Bildungsbeteiligung ist der zweitgrößte nach dem der politischen Beteiligung – wenn auch mit deutlichem Abstand. Zahlreiche Studien untersuchen spezifische Plattformen oder Instrumente des Online-Lernens, und die damit verbundenen Lernerfolge. Für diese Studie war jedoch von besonderem Interesse, inwiefern das Internet im Bereich der Bildung die Beteiligung der Nutzer fördert.

Zweifellos senkt das Internet die Zugangsbarrieren zu Information und Wissen. Damit steigt potenziell auch die Beteiligung an Bildung (Rambe, 2012; Davies & Graff, 2005). Neue Lernformen entstehen, die sich differenzierter an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lernenden anpassen. So können Computer-vermittelte Lernformen Nachteile des Präsenzlernens, wie sozialen Druck, Einschüchterung o.ä. vermeiden. Zugleich verschwimmt im Internet der Lehr- und Lernbegriff: Autodidaktisches Lernen ist hier an der Tagesordnung, etwa wenn ein Begriff nachgeschlagen oder ein Fachtext gesucht wird. Klassische Lehrformen finden sich dagegen deutlich seltener. Online-Lernen hat möglicherweise nur noch wenig mit dem konzentrierten Schul-Lernen zu tun.

Der partizipative Effekt des Internets liegt somit in der Stärkung der Lernenden und einer relativen Schwächung klassischer Lehrstrukturen – erneut eine Form des „Empowerment“ (Kidd, 2011; Erstad, 2006). Die „Kunden“ des Bildungssektors entwickeln eine größere Unabhängigkeit und Selbständigkeit, der Einfluss der Lehrperson sinkt. Manche Autoren sehen im Lehrenden nur noch eine Art Moderator (engl. „facilitator“), der hier und da lenkend in den weitgehend selbstgesteuerten Lernprozess eingreift (Reimer, 2003; Duncan et al., 2012; Mayrberger, 2012). „Student-centered learning” lautet ein Schlagwort der Pädagogik im Internet-Zeitalter (Arbaugh, 2000; Hratinski, 2008).

Kooperative Lehr- und Lernverfahren durch Online-Beteiligung in der Bildung: Open-Source Lernplattform "Moodle"

Beispiel 21: „Moodle“ ist eine Open Source Lernplattform, die kooperative Lehr- und Lernverfahren ermöglicht.

Besonders wichtig ist dabei die soziale Komponente: Der Austausch zwischen den Lernenden und kollaborative Lernformen werden durch neue Medien unterstützt und erleichtert (McBrien et al., 2009). Es entsteht eine Art Co-Kreation des Wissens und Lernens – ganz im Sinne der Wikipedia-Schwarmintelligenz. Austausch zwischen den Lernenden, das heißt auch Transparenz und Vergleichbarkeit. So wie Lehrende die Leistungen der Lernenden beurteilen, beurteilen diese im Netz ganz offen auch die Leistung ihrer Lehrer (Asselin & Moayeri, 2011). Auch so findet eine Machtverschiebung im Lernbetrieb statt.

Machtverschiebung im Lernbetrieb durch Online-Beteiligung in der Bildung: "Rate My Professors"

Beispiel 22: Auf „Rate My Professors“ können Studierende ihre Professoren und Universitäten bewerten und sich über die Bewertungen Anderer informieren. Aufgrund ihrer hohen Polularität ist die Seite auch als App verfügbar.

Natürlich erfordert die Online-Beteiligung in der Bildung gewisse Nutzungskompetenzen. So stellt sich die interessante Frage, wie diese für das Lernen notwendigen Fähigkeiten gelernt werden können. Und wie erfolgreich der traditionelle Lernbetrieb in der Vermittlung neuer Internet-Kompetenzen ist.

Online-Beteiligung in der Bildung erfordert gewisse Nutzungskompetenzen: "Coursera" bietet Onlinekurse

Beispiel 23: „Coursera“ ist ein noch junges Unternehmen, das Onlinekurse anbietet bzw. Angebote anderer Dienstleister aggregiert. Das Kursangebot ist teilweise gratis und teilweise kostenpflichtig. Eine Reihe führender internationaler Bildungsanbieter kooperiert derzeit mit der Plattform.