Wie verbreitet ist Online-Beteiligung in der Politik?

Wie beschrieben ist der Forschungsbereich der Beteiligung im Bereich der Politik deutlich der größte der fünf identifizierten Bereiche. Häufig wird Beteiligung im Internet gar mit einer politischen Partizipation gleichgesetzt. Auffällig ist, dass starke regionale Differenzierungen der Publikationslandschaft festzustellen sind. So befassen sich englischsprachige Studien tatsächlich weit überwiegend mit Untersuchungen im englischen Sprachraum, deutschsprachige Publikationen sind entsprechend auf diesen Sprachraum konzentriert. Nur selten schaffen es Untersuchungen des deutschen Sprachraums, in englischsprachigen Publikationen Beachtung zu finden.

Die meisten empirischen Untersuchungen deuten an, dass politische und zivilgesellschaftliche Beteiligung im Internet nicht sehr weit verbreitet ist (di Gennaro & Dutton, 2006). Allerdings variiert die Beteiligung je nach Form und Intensität der untersuchten Aktivitäten – und nach Land. In den USA haben laut einer aktuellen Studie 16% der Bevölkerung in den letzten zwölf Monaten Bilder oder Videos zu politischen oder zivilgesellschaftlichen Themen im Netz veröffentlicht. 34% der US-amerikanischen Bevölkerung haben zudem in den letzten zwölf Monaten mindestens eine dieser vier Aktivitäten im Netz ausgeführt: eine Petition unterzeichnet, einen Parlamentarier kontaktiert, einen Leserbrief geschrieben oder einen Kommentar zu einer Nachricht oder einem Blog-Post abgegeben (Smith, 2013). Ein Fünftel der Bevölkerung hat sich in den vergangenen zwölf Monaten in all diesen Formen engagiert.

In Deutschland fehlen ähnlich aktuelle Zahlen. Die vorhandene empirische Evidenz deutet aber darauf hin, dass die Online-Beteiligung in der Politik insgesamt etwas tiefer liegen dürfte als in den Vereinigten Staaten: Eine Studie von Emmer et al. (2012) basierend auf einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe aus dem Jahr 2010 zeigt, dass sich die deutschen Bürger stärker außerhalb des Netzes engagieren als innerhalb. Die Autoren unterscheiden zwischen politischer Information, politischer Diskussion und politischer Partizipation (oder Beteiligungskommunikation). Tiefe Durchschnittswerte für Aktivitäten wie Diskussion und Partizipation deuten an, dass sich die meisten Bürger im Internet kaum politisch beteiligen. Allerdings fand von 2002 bis 2010 bei vielen betrachteten Aktivitäten ein deutlicher Anstieg statt. Einzig bei der politischen Partizipation im engeren Sinne, welche die Handlungen „Online-Petitionen unterschreiben“ und „Leserbriefe schreiben“ umfasst, stagnierten die Werte.

Eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2011 kam zu dem Ergebnis, dass sich 70% der Bevölkerung nicht politisch im Internet engagieren. Etwa 20% sind begrenzt politisch aktiv – d.h. für ausgewählte Themen aktivierbar. Lediglich 10 % wurden den „Political Net Activists“ zugeordnet (Köcher & Bruttel, 2011). Die Verbreitung der untersuchten spezifischen Aktivitäten bewegt sich meist im einstelligen Prozentbereich. Nur 7 % der Bevölkerung haben z. B. schon einmal eine E-Mail an einen Abgeordneten geschrieben, und gerade einmal 2 % haben sich auf dem eigenen Blog oder der eigenen Homepage politisch geäußert. Die am weitesten verbreiteten Formen politischer Beteiligung im Netz sind laut der Studie „Teilnahme an einer Online-Unterschriftenaktion“ (15%) und „Teilnahme an einer Abstimmung, z. B. auf einer Nachrichtenseite“ (14%). Auch die Teilnahmebereitschaft ist nicht sehr stark ausgeprägt. Lediglich 20% der Befragten könnten sich demnach vorstellen, in Sozialen Netzwerken über politische Themen zu kommunizieren, und 18% dort in einer politischen Gruppe Mitglied zu sein (Köcher & Bruttel, 2011).