Beteiligung ist nicht Teilhabe

Wie schon durch das Bild der schrägen Beteiligungsleiter angedeutet, zeigt die Forschung, dass durchaus nicht alle Nutzer dasselbe Maß der Beteiligung im Internet aufweisen. Lange befassten sich Studien mit der „digitalen Spaltung“ (engl. „digital divide“) der Gesellschaft: Wer ist „drin“ und wer nicht? Im Mittelpunkt stand also der Zugang zum Internet. Auch heute lassen sich noch immer soziodemographische Unterschiede in der Nutzung des Internets feststellen, zunehmend ist dabei jedoch nicht mehr die Frage, wer „drin“ ist, sondern was die Nutzer dort tun.

Der Überblick über die Bereiche der Beteiligung im Netz zeigt, dass sozioökonomische Eigenschaften Auswirkungen auf die Online-Beteiligung haben. Wie ein roter Faden zieht sich dabei das Alterskriterium durch alle Bereiche: Junge Nutzer erweisen sich als aktiver als ältere. Dies geht meist einher mit einer höheren Nutzungserfahrung und einer höheren subjektiven Kompetenzeinschätzung. Entsprechend sind junge Nutzer auch komplexeren Nutzungs- oder Beteiligungsformen, wie sie die Mitmach-Medien eben ermöglichen, eher zugeneigt als ältere. Dennoch lässt sich nicht pauschal sagen, dass Jugend mit Beteiligung einhergeht. Hinzu kommen eine Reihe weiterer Einflussfaktoren – im Bereich der politischen Beteiligung etwa das politische Interesse, das mit zunehmendem Alter eher zunimmt.

Andere Faktoren, wie etwa Geschlecht und Bildung zeigen unterschiedliche Wirkungen: Im Bereich der Bildungsbeteiligung ist offensichtlich Bildung häufig kein geeignetes Unterscheidungsmerkmal, da ähnliche Ausgangsbedingungen vorliegen. Ganz anders im Bereich der Gesundheits- oder politischen Beteiligung, wo das Engagement mit höheren Bildungsgraden zunimmt. Im Bereich der kulturellen Beteiligung ist dieser Einfluss noch unklar, da eine unterhaltungsorientierte Beteiligung offenbar nicht durch Bildung getrieben wird.

Das Geschlecht hat je nach Bereich einen positiven oder negativen Einfluss auf die Beteiligung. So scheint die politische Beteiligung eher eine Männerdomäne zu sein, die Bildungsbeteiligung dagegen eher eine Frauenhochburg. Es zeigt sich, dass weitere Studien und Differenzierungen notwendig sind, um die Treiber und Hürden der Beteiligung im Internet ausfindig zu machen. Die hier vorgenommene Differenzierung ist ein erster Schritt hin zu einem vertieften Verständnis. Weitere werden folgen.