Zusammenfassung

Viele Hoffnungen verbinden sich mit den Beteiligungschancen des Internets. Führen die Mitmach-Medien zu einer Mitmach-Gesellschaft? Erkenntnisse zu dieser Frage beruhen bisher allzu oft auf Einzelbeispielen, viele Prognosen sind spekulativer Natur. Die vorliegende Studie präsentiert eine Auslegeordnung der Beteiligung im Internet. Sie zeigt, mit welchen Formen und Bereichen der Beteiligung sich die Forschung bisher auseinandersetzt.

Auffällig ist dabei erstens, dass das Thema der Beteiligung im Internet deutlich an Fahrt gewinnt – die Anzahl der veröffentlichten Studien nahm zuletzt exponentiell zu. Zweitens wird deutlich, dass die Frage der Beteiligung im Internet dominiert wird von der politischen Beteiligung. In der Anzahl der Publikationen gemessen, ist dieser Bereich größer als alle anderen Beteiligungsbereiche zusammen.

Deutlich wird schließlich auch: Die Frage der Beteiligung im Internet ist heute noch wenig zugänglich. Es fehlt eine gemeinsame Begrifflichkeit. Was bedeutet „Beteiligung“ genau? Wo fängt sie an und wo hört sie auf? Wo sind die Grenzen zwischen „Schein-“ und „echter“ Beteiligung zu ziehen? Und was heißt eigentlich genau „im Internet“? Wo verlaufen die Grenzen der digitalen Lebenswelt – und was sind ihre Auswirkungen auf das analoge Zusammenleben?

Selbst im gut etablierten Forschungsbereich der politischen Beteiligung bestehen noch viele blinde Flecken. Auch hier gehen die Verständnisse der Beteiligung innerhalb und außerhalb des Internets zum Teil weit auseinander. Die Treiber und Hürden der Beteiligung sind ausgesprochen schwierig auszumachen, weil sich hier zwei Phänomene vermischen: die gekonnte Nutzung eines Mediums (Internet) mit verschiedenen Formen der Beteiligung. So sind etwa junge Menschen eher im Internet unterwegs, ältere dagegen politisch interessierter. Was heißt das nun für die Beteiligung im Internet? Auch überlagern sich gewisse Phänomene, wie etwa das Selbstbewusstsein und tatsächliche Fähigkeiten – all dies macht ein umsichtiges, theoretisch wie konzeptionell fundiertes empirisches Vorgehen in der Forschung notwendig.

Ein Vorteil des hier gewählten Vorgehens ist es, einen breiten Überblick über den wissenschaftlichen Diskurs zur Beteiligung im Netz zu erhalten. So zeigt sich, dass Beteiligung eben nicht nur politische Partizipation ist – sie findet in unterschiedlichen Lebensbereichen statt. Und in diesen unterschiedlichen Bereichen hat sie manchmal auch unterschiedliche Treiber und Wirkungen.

Es tut sich also etwas im Netz und das Verhalten der Nutzer verändert sich. Die neuen Medien hinterlassen Spuren an unserer Gesellschaft – wie das Medien immer tun. Einige dieser Spuren werden durch den hier vorgenommenen Überblick sichtbar: