Eine ungerade Leiter

Ein wichtiger Schritt in der Analyse der Beteiligung im Netz ist die Differenzierung des Beteiligungsbegriffs. Die Beteiligungsleiter ist hier ein hilfreicher Ansatz, denn sie zeigt, dass schon die Information eine erste Form der Beteiligung sein kann. Dass eine große Stärke des Internets in seinem breiten Informationszugang liegt, dürfte unbestritten sein. Ein breiter Beteiligungsbegriff wird daher zweifellos spürbare Auswirkungen des Internets auf die Beteiligung vorfinden lassen.

Deutlich wird jedoch auch: Die folgenden Stufen der Beteiligungsleiter werden enger und enger. Die am weitesten verbreitete Form der Beteiligung ist in allen Bereichen die Information. Sie entwickelt sich praktisch im Gleichschritt mit der Internetnutzung in der Bevölkerung. Doch machen die Bürger auch den nächsten Schritt hin zur Konsultation oder gar aktiven Beteiligung? Bisherige Studien deuten an: eher nicht.

Die aktive Beteiligung im Netz scheint weitgehend noch ein Minderheitenphänomen zu sein. Ein enger Beteiligungsbegriff wird daher dazu führen, dass man nur schwache Auswirkungen des Internets auf die Beteiligung findet. Dies gilt vor allem, wenn unter Beteiligung die Beteiligung an den Offline-Entscheidungsprozessen etablierter Institutionen verstanden wird. Internetnutzung steigert beispielsweise nicht unmittelbar die Wahlbeteiligung.

Sicher sagen lässt sich somit, dass die Beteiligungsleiter eine schräge ist. In einigen Forschungsbereichen deutet sich eine „Power-Law“-Verteilung der Beteiligung an: Wenige sehr aktive beteiligen sich sehr stark, einige weniger aktive ein bisschen und viele, viele inaktive sind eher passiv dabei. Ist diese Verteilung im Netz anders als in der Offline-Welt? Ist sie problematisch? Was sind die Folgen der „Beteiligungslücke“ (engl. „participation divide“) zwischen den Hyperaktiven und den Mitläufern? Wie beeinflusst sie die Qualität von Beteiligungsprozessen?

Auch hier bleiben viele Fragen noch offen. Deutlich ist aber schon jetzt, dass Nutzer im Netz unterschiedliche Rollen einnehmen, die nicht nur mit unterschiedlichen Graden, sondern auch Arten der Beteiligung verbunden sind. Gut möglich, dass keine dieser Rollen anderen grundsätzlich überlegen ist – vielleicht kommt es gerade auf die richtige Mischung an, damit Beteiligung funktioniert.