Was sind Voraussetzungen der Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen?

Einmal mehr ist das Alter ein Treiber der Beteiligung im Netz: Junge Nutzer engagieren sich eher zu gesundheitlichen Fragestellungen. Ähnlich sieht es mit der Nutzungserfahrung aus: Je erfahrener, desto aktiver ist hier die Devise (Steinmark et al., 2006; Han et al., 2012; Rodgers & Chen, 2005). Das Geschlecht scheint im Falle der Gesundheitsbeteiligung einen umgekehrten Einfluss auszuüben als etwa im Bereich der politischen Beteiligung: Frauen neigen eher dazu, sich online zu engagieren, als Männer (van Uden-Kraan et al., 2011).

Junge Nutzer engagieren sich eher zu gesundheitlichen Fragestellungen im Internet

Beispiel 20: „Youthhealthtalk.com“ ist eine Plattform für die Adressierung von jugendspezifischen Gesundheitsfragen basierend auf den Erfahrungen der Betroffenen.

Es lohnt sich, den Einfluss des sozioökonomischen Status der Nutzer auf ihre Online-Beteiligung differenziert zu betrachten. Bekannt ist, dass dieser die Heilungsaussichten von Patienten beeinflusst – unabhängig von der Internetnutzung. Ein höherer sozioökonomischer Status erhöht demnach die Heilungsaussichten (Hoybye et al., 2010). Patienten mit einem tieferen sozioökonomischen Status empfinden weniger Wohlsein und stehen unter stärkerem Stress angesichts ihrer Erkrankung (Epstein et al., 2002). Im Allgemeinen geht man davon aus, dass der sozioökonomische Status auch die Online-Beteiligung fördert – damit würden also vor allem jene von den Möglichkeiten des Internets profitieren, die ohnehin bessere Ausgangsbedingungen aufweisen (Hiller, 2012). Umgekehrt profitieren Internet-Nutzer mit einem tieferen sozioökonomischen Status subjektiv mehr von der Beteiligung: Vor allem schätzen sie die Informations- und Kompetenzzunahmen, die das Internet ermöglicht (van Uden-Kraan et al., 2009).

Die große Verbreitung des Internets senkt generell die Zugangshürden zu Gesundheitsinformationen und Austauschmöglichkeiten. Logistisch wie auch psychologisch ist es einfacher, durch das Internet Hilfe und Unterstützung im Falle von Gesundheitssorgen zu finden (Tanis et al., 2011). Je größer das Informationsbedürfnis und der wahrgenommene Kompetenzmangel, desto aktiver sind Nutzer im Netz (Han et al., 2012). Daher sollte das Internet auch für Nutzer mit einem tieferen sozioökonomischen Status eine Chance darstellen.

Der Einfluss der Haushaltsgröße auf die Online-Beteiligung ist, wie beschrieben, unklar. Junge Nutzer aus Single-Haushalten weisen eine besonders hohe Aktivität auf (Han et al., 2012). Umgekehrt sind Nutzer jedoch auch dann besonders engagiert, wenn sie aus ihrem sozialen Umfeld dazu ermuntert werden, wozu auch der eigene Haushalt gehören kann (van Uden-Kraan et al., 2011).

Die Einstellung der Nutzer gegenüber dem Internet beeinflusst schliesslich auch ihr Online-Engagement. Zwar senkt das Internet auf den ersten Blick die Zugangshürden zu Hilfsangeboten – die Anonymität macht das Aufsuchen solcher Angebote auch im Falle sozial stigmatisierter Krankheiten einfacher. Das setzt jedoch voraus, dass die Nutzer dem Internet vertrauen: Je größer die Sorgen um Sicherheit und Privatsphäre im Netz, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Beteiligung in Gesundheitsfragen (Han et al., 2012).