Vorgehen

Die hier vorgestellten Erkenntnisse beruhen auf einer systematischen deutsch- und englischsprachigen Literaturanalyse. Das Vorgehen bei der Analyse hat Auswirkungen auf die Selektion der betrachteten Studien und somit die Erkenntnisse der Untersuchung – es soll daher hier kurz beschrieben werden.

Eine systematische Literaturanalyse eignet sich besonders, um einen umfassenden Überblick über den Stand eines Forschungsgebiets zu gewinnen. „Die Literatur“ bezeichnet in diesem Fall die Summe der veröffentlichen wissenschaftlichen Studien (auch: „Publikationen“). Im Gegensatz zu einer konventionellen Literaturanalyse werden die berücksichtigten Studien nicht primär durch die Vorkenntnisse oder Präferenzen der Autoren bestimmt, sondern sind weitgehend durch die gewählte Methode determiniert (Denyer & Teranfield, 2009; Jesson, Matheson, & Lacey, 2011; Webster & Watson, 2002). In diesem Fall wurde eine Schlagwortsuche in einer Reihe von elektronischen Datenbanken vorgenommen, welche den Zugang zu einer äusserst breiten Auswahl internationaler Studien unterschiedlicher Disziplinen ermöglichen. Die folgenden vier Datenbanken wurden in diesem Fall berücksichtigt:

  • ISI Web of Knowledge
  • ProQuest
  • EBSCO
  • Mendeley

In diesen Datenbanken wurden Studien berücksichtigt, die in anerkannten Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, die ein Peer-Review im Doppelblindverfahren anwenden. Dabei beurteilen Wissenschaftler als Gutachter die Qualität einer eingereichten Studie ohne deren Verfasser zu kennen. Diese wiederum erfahren nicht, welche ihrer Kollegen als Gutachter für die Beurteilung der Studie ausgewählt wurden. Auf diese Weise soll die Unabhängigkeit der Gutachten gesichert werden, welche letztlich über die Annahme und Veröffentlichung (oder Ablehnung) einer Studie entscheiden. Die vierte genannte Datenbank, Mendeley, stellt insofern eine Ausnahme dar, als dass sie keine umfassende Sammlung der in bestimmten Publikationen erschienenen Studien beinhaltet, sie bietet vielmehr eine Sammlung und Selektion von Studien durch die Plattform-Nutzer – in aller Regel Wissenschaftler. Sie wurde trotz dieser Abweichungen berücksichtigt, weil sie eine Art Soziale Online-Plattform darstellt und von der Beteiligung der Nutzer lebt.

Im Falle der englischsprachigen Literatur wurde in den Titeln der Publikationen nach den folgenden Schlagworten gesucht: (Online OR Internet OR Digital OR Social Media) AND (Participation OR Engagement). Die entsprechende Suche führte zu 1.806 Treffern. Um darunter die Studien mit einer besonderen Relevanz für die Forschungsfrage zu identifizieren, wurde ein mehrstufiges Selektionsverfahren angewandt: In einem ersten Schritt wurden 840 Doppeleinträge bereinigt. In einem zweiten Schritt wurden 295 Studien entfernt, welche sich als nicht themenrelevant erwiesen, also trotz eines Erscheinens der Schlagwörter im Titel nicht Fragen der Beteiligung im Internet adressieren. Die verbleibenden Studien wurden nach Forschungsgebieten kategorisiert. In einer dritten Selektion wurden die Zusammenfassungen der Studien ausgewertet und solche Studien entfernt, welche sich entweder mit der Nutzung einer sehr spezifischen Online-Plattform befassen (zu enges Verständnis der Beteiligung als Nutzung einer Plattform) oder aber allgemein den Zugang zum Internet untersuchen (zu breites Verständnis der Beteiligung als Internetnutzung). Die verbleibenden 190 Studien wurden vollständig ausgewertet.

Vorgehen der Analyse

Abbildung 1: Vorgehen der Analyse

Die Analyse der deutschsprachigen Literatur verlief analog. Die hier gewählten Schlagworte lauteten: (Online ODER Internet ODER Digital ODER Social Media ODER Soziale Medien) UND (Partizipation ODER Beteiligung). Die Suche ergab in diesem Fall 566 Treffer, die 45 Doppelungen und 341 offensichtlich irrelevante bzw. zu breit oder eng angelegte Studien beinhalteten. Auch hier wurden die Studien nach Forschungsgebieten kategorisiert, 180 Studien wurden schließlich ausgewertet. Die beiden systematischen Erhebungen wurden durch eine offene Internet-Suche ergänzt, um aktuelle Erkenntnisse und angelagerte Untersuchungen zu berücksichtigen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit können nicht alle ausgewerteten Studien in diesen Bericht einfließen. Die hier vorgestellten Ergebnisse präsentieren also einen Auszug der berücksichtigten Literatur und fassen deren zentrale Erkenntnisse zusammen.