Wie verbreitet ist Online-Beteiligung in der Bildung?

Die Stufen der „Beteiligungsleiter“ finden sich auch im Bereich der Bildung wieder. Die erste, grundlegende Stufe der Information erweist sich einmal mehr als die breiteste: Eine britische Studie ergab, dass 90% aller Schüler zwischen 9 und 19 Jahren das Internet verwenden, um Informationen in einem Lernkontext zu suchen (Livingstone & Bober, 2004). Damit ist die Internetnutzung für Bildungszwecke unter Schülern deutlich weiter verbreitet als unter den Lehrenden. Eine amerikanische Erhebung ergab, dass 76% der Lehrer neue Medien für Lehrzwecke einsetzen, jedoch überwiegend, um die Aktivitäten der Schüler nachzuvollziehen und Informationen zu sammeln (Asselin & Moayeri, 2011). Schüler nutzen das Internet nicht nur aktiver, sondern auch vielfältiger als ihre Lehrer (Erstad, 2006).

Insgesamt erweist es sich als schwierig, die Internet-Nutzungserfahrungen des Alltags auf den Bildungskontext zu übertragen. Kompetenzasymmetrien zwischen Lehrenden und Lernenden stellen hier eine Herausforderung dar. Immer wieder kommt es zu Widerständen auf Seiten der Lehrenden (Erstad, 2006). Gerade Schulen als Teil staatlicher Bildungssysteme gehören zu den relativ unflexiblen sozialen Institutionen – Lernformen, pädagogische Konzepte, Lehrpläne und Prüfungsformen verändern sich nur langsam, Innovationen werden immer wieder in komplexen politischen Entscheidungsprozessen ausgebremst (Livingstone, 2010).

Online Angebote bereichern den Bildungbereich: Virtuelle Begehung des „Smithsonian National Museum of Natural History“

Beispiel 24: Das „Smithsonian National Museum of Natural History“ kann virtuell bis in die abgelegensten Winkel durchstöbert werden.

Häufig handelt es sich hier auch um kulturelle Hürden: Institutionen der Wissensvermittlung – seien dies Schulen, Universitäten oder auch Museen – gehen typischerweise von Wissenshierarchien aus. Die Betreiber besitzen das Wissen, die Kunden möchten es erhalten. „Empowerment“ und Beteiligung entsprechen nicht unbedingt dem Operationssystem der Bildungsinstitutionen (Kidd, 2011; Mayrberger, 2012). Manchmal sind die Hemmnisse einer Verbreitung der Online-Beteiligung in der Bildung aber auch ganz profaner Natur: Lernen über das Internet erfordert eine entsprechende technologische Infrastruktur und setzt vor allem bei etablierten Anbietern Investitionen und Prozessveränderungen voraus.

All dies führt dazu, dass die Bildungsbeteiligung auf höheren Stufen der Beteiligungsleiter eher noch eine Ausnahmeerscheinung ist. Eine weitere britische Studie zeigt, dass nur 20% der Bevölkerung das Internet aktiv für Aus- oder Weiterbildungszwecke nutzen. Damit gehört die Bildung zu den weniger verbreiteten Nutzungszwecken des Internets (White & Selwyn, 2012).