Was sind Voraussetzungen der Online-Beteiligung in der Kultur?

Da die Online-Beteiligung in der Kultur nur einen kleinen Forschungsbereich darstellt, liegen nur wenige Studien zu den Voraussetzungen dieser Beteiligung vor. Wie auch in anderen Bereichen konnte ein negativer Zusammenhang zwischen dem Alter der Nutzer und ihrem Online-Engagement festgestellt werden. Anders gesagt: Je jünger die Nutzer, desto wahrscheinlicher sind sie kulturell im Netz engagiert (Grace-Farfaglia et al., 2006; Ho et al., 2008). Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass jüngere Nutzer ein höheres Erfahrungsniveau und subjektives Kompetenzempfinden aufweisen (Ryu et al., 2009).

Häufig ist die Beteiligung im Bereich der Kultur mit einer hohen Komplexität verbunden. Das Veröffentlichen eines Videos beinhaltet etwa Schritte wie Aufnahme, Schneiden, Kodieren, Speichern, Teilen (Ryu et al., 2009). Die damit verbundenen Anforderungen lassen vermuten, dass in diesem Bereich eine besonders ausgeprägte „Beteiligungsspaltung“ (engl. „participation divide“) vorliegt (Ho et al., 2008; Götzenbrucker & Franz, 2010). Wie bereits erwähnt, weist die Frequenz der Beteiligung eine Verteilung nach dem Potenzgesetz auf: Wenige sehr aktive Nutzer prägen das Bild.

Ein wichtiger Treiber der kulturellen Beteiligung findet sich in den sozialen Motiven der Nutzung. Je stärker Nutzer beispielsweise in Online-Communities eingebunden sind, desto aktiver beteiligen sie sich. Dies ist möglicherweise auf Ermunterungen im Austausch mit anderen Nutzern oder sozialen Druck zurückzuführen (Ryu et al., 2009). Möglicherweise besteht hier auch ein Zusammenhang zum Einfluss des Alters auf die Beteiligung: Ältere Nutzer zeigen sich weniger involviert und online sozial eingebunden, was die Motivation zur kreativen Mitteilung reduziert (Ryu et al., 2009).

Darüber hinaus wurden auch kulturelle Treiber der Online-Beteiligung in der Kultur identifiziert: So zeigen sich unterschiedliche nationale Kulturen unterschiedlich offen für diverse Formen der Beteiligung (Grace-Farfaglia et al., 2006). Die besonders hohe Aktivität von Minderheiten-Gruppen wird zum Teil ebenfalls auf kulturelle Motive zurückgeführt: Eine gesellschaftliche Marginalisierung erhöht demnach so etwas wie die ideologische Aufladung einer Gruppe. Entsprechend werden verstärkt Mitteilungs- und Mobilisierungsbemühungen unternommen (Farrell, 2011). Dies setzt allerdings die notwendigen Nutzungskompetenzen voraus (Götzenbrucker & Franz, 2010).