3.4 Bei aller Euphorie: Wer sind eigentlich die Offliner?

Umso selbstverständlicher und unabdingbarer die Internetnutzung für das Gros unserer Gesellschaft geworden ist, desto erstaunlicher scheint es, dass im Jahre 2016 in Deutschland noch immer jeder Sechste das Internet überhaupt nicht nutzt. Damit bleibt relevant, genau zu beschreiben, aus welchen Teilen der Gesellschaft die Offliner überwiegend stammen und warum sie auf das Internet verzichten.

Offliner sind in mehrfacher Hinsicht gesellschaftlich benachteiligt

Im Vergleich zu 2012 sind die Offliner 2016 deutlich gealtert. Heute besteht diese Gruppe zu 84 Prozent aus Menschen, die 65 Jahre und älter sind. Vor vier Jahren machte diese Alterskohorte 69 Prozent der Offliner aus. Hintergrund dieser Alterung ist neben der demografischen Entwicklung der Wohnbevölkerung in Deutschland die Tatsache, dass inzwischen vor allem jüngere (ehemalige) Offliner Zugang zum Internet gefunden haben.

Neben dem klaren Altersschwerpunkt gibt es einen Bildungsschwerpunkt: 78 Prozent haben nur einen niedrigen formalen Bildungsgrad, was sich auch in der sozioökonomischen Situation niederschlägt: 67 Prozent der Offliner verfügen nur über ein geringes Einkommen. Dies hängt aber auch mit der Lebenssituation der Offliner zusammen: Entsprechend der Altersstruktur ist ein Großteil nicht mehr berufstätig. 85 Prozent der Offliner sind Rentner und lediglich 9 Prozent dieser Gruppe sind erwerbstätig.

Demografisches Profil – Offliner

Gestiegene Wertschätzung für das Internet selbst bei den Offlinern

Fragt man die Offliner, aus welchen Gründen sie das Internet nicht nutzen, wird am häufigsten gesagt, dass man es im Alltag nicht benötige (56 Prozent). Trotzdem ist die Wertschätzung für die Möglichkeiten des Internets selbst in dieser Gruppe seit 2012 gestiegen. So sagten damals 55 Prozent, dass sie nicht online seien, weil sie darin keinen Nutzen für sich erkennen. 2016 nennen dies noch 46 Prozent als Barriere. Auch wenn die Offliner nicht selbst im Internet aktiv sind, wissen sie um die Vorzüge des Internets, z.B. dass dadurch vieles bequem von zu Haus zu erledigen ist oder „dass bestimmte Dinge nur online zu bekommen sind“. Die qualitativen Interviews zeigen, dass viele Offliner auf Verwandte und Bekannte zurückgreifen, die ihnen bei Bedarf beispielsweise Informationen zu einem bestimmten Thema recherchieren und ausdrucken oder gewünschte Produkte im Netz bestellen.

„Da habe ich sicherlich den größten Fehler begangen, als ich damals gesagt habe: ‚Ich will nicht.’“ (weiblich, 70 Jahre)

„Ich bin da extrem vorsichtig und frage lieber meinen Sohn, der sich gut auskennt.“ (männlich, 60 Jahre)

„Der Jüngste, das ist so ein IT-Spezialist, und bevor ich dann da was mache, da sage ich Uwe, wie sieht’s denn aus? Oder wenn er da ist, dann sagt er, das kannst du machen, das kannst du machen.“ (männlich, 73 Jahre)

Die Ergebnisse der repräsentativen Befragung bestätigen diesen Eindruck: 83 Prozent der Offliner sagen, dass andere Dinge für sie online erledigen, wenn sie etwas brauchen; 66 Prozent meinen zudem, dass sie ohne die Hilfe von Freunden und Bekannten im Internet verloren wären. Somit ist ein erheblicher Teil der Offliner zumindest phasenweise „passiv online“.

Bedeutung eines Unterstützernetzwerkes für Offliner

Antizipierte Überforderung als große Barriere für die Internetnutzung

Eine zentrale Zugangsbarriere bei den Offlinern ist die antizipierte Überforderung im Umgang mit dem Netz: 55 Prozent sagen, dass sie nicht online sind, weil es ihnen zu kompliziert erscheint, und 27 Prozent haben Angst, im Internet etwas falsch zu machen.

Ein beachtlicher Teil der Offliner (44 Prozent) ist der Auffassung, man habe nicht das richtige Alter für die Internetnutzung. Je älter die Offliner sind, desto häufiger wird dieser Grund angeführt. Die Ergebnisse der qualitativen Studie legen nahe, dass diese Auffassung nicht auf Eigenschaften des Internets beruht, sondern der mangelnden Bereitschaft oder fehlendem Bedarf, sich im Alter noch weiteren „neuen“ Technologien zu öffnen.

„Ich meine, es ist ja gut, dass es so ist. Die wachsen damit auf. Und für die ist das bestimmt, auch für die Schule und für alles, denke ich mal, schon sehr, sehr schön. Aber, wie gesagt, für die älteren, ob man das noch unbedingt sich alles in den Kopf knallen muss, weiß ich nicht.“ (weiblich, 70 Jahre)

„Meine Tochter sagt dann: „Aber du kannst es doch.“ Ich sage: „Das kann ja schon sein. Aber ich will es ja auch gar nicht.“ Ich könnte das mit Sicherheit, aber ich will es ja auch gar nicht.“ (männlich, 63 Jahre)

Sicherheitsbedenken haben bei den Offlinern zugenommen

Auch wenn die Offliner sich generell den Möglichkeiten des Internets stärker öffnen, wird heute häufiger als vor vier Jahren das mangelnde Vertrauen in die Sicherheit im Internet als Grund für die Nicht-Nutzung genannt (2012: 18 Prozent; 2016: 28 Prozent). Negativnachrichten wie die Snowden-Enthüllungen oder Berichte über Datendiebstahl können die Treiber dieser veränderten Sicherheitswahrnehmung sein (siehe hierzu auch Kapitel 6: „Vertrauen und Verantwortung: Was verschafft Sicherheit im Online-Alltag?“). Gerade wenn die Vorbehalte groß und der antizipierte Nutzen (noch) gering sind, wirken solche „Skandale“ besonders abschreckend.