3.5 Steigende Alltagsrelevanz des Internets − aber nur gering sinkender Offliner-Anteil

Die vorausgehenden Teilkapitel machen deutlich, dass die Dynamik der Digitalisierung nicht nur das Online-Verhalten selbst verändert, sondern auch die entsprechenden Einstellungen und Zugehörigkeitsmuster. Die aktuelle technische Entwicklung bedingt somit auch gesellschaftlichen Wandel. Dabei können zwei grundlegende Trends formuliert werden, die die Struktur der digitalen Lebenswelten formen:

  • Die Onliner sind immer mehr mit dem Internet zusammengewachsen und können sich ein Leben „ohne“ kaum mehr vorstellen; dabei hat sich die Art der Aktivitäten deutlich erweitert. Diese Entwicklung führt zur Ausdifferenzierung von „Online-Stilen“, die sich in sehr unterschiedlichen digitalen Lebenswelten ausprägen.
  • Auch die Unterscheidung zwischen Onlinern und Offlinern ist weiterhin relevant, denn der Anteil der Bevölkerung, der nie aktiv das Internet nutzt, ist nicht marginal. Abgesehen von der Frage, warum das so ist, ist bedeutsam, welche Konsequenzen ein Offline-Sein heute hat und ob es eventuell weitere Gruppen der Gesellschaft gibt, die – obwohl sie regelmäßig online sind – nicht gleichberechtigt an den Chancen der Digitalisierung teilhaben können oder wollen (vgl. hierzu Kapitel 5).

Es geht somit immer noch um das „Ob“ (Internet ja/nein), aber noch mehr als vor vier Jahren um das „Wie“, wenn man ein differenziertes Bild der Gesellschaft mit Blick auf ihr Online-Verhalten zeichnen möchte. Was die wesentlichen Barrieren sind, nicht online zu sein, wurde im vorherigen Teilkapitel erläutert. Worin liegen aber die Gründe, dass die Menschen nicht nur deutlich mehr Zeit online verbringen, sondern auch eine engere – geradezu emotionale – Verbindung zum Internet aufgebaut haben? Insbesondere im Rahmen der qualitativen Teilstudie der vorliegenden Untersuchung wurde deutlich, dass es sich um ein Konglomerat aus zumeist konkret erlebten und sichtbaren Veränderungen handelt, das sich für die Befragten aus folgenden Komponenten zusammensetzt:

  1. Die Infrastruktur des Netzes wird unsichtbar und allgegenwärtig:
    Bedurfte es für den Internetzugang vor zehn Jahren für die breite Masse noch eines stationären Gerätes mit Router und Kabel, reicht heute ein Smartphone und eine drahtlose Breitbandverfügbarkeit, die Stand Mitte 2015 für 98 Prozent aller Haushalte gegeben ist.1)
  2. Zugänge und Anwendungen kosten immer weniger Geld:
    Die Geräte, die man für den Internetzugang benötigt, werden leistungsstärker und teilweise kostengünstiger, viele Anwendungen werden unentgeltlich angeboten. Zudem sind Mobilfunk-Internetzugänge günstiger geworden oder über WLAN mancherorts kostenlos.
  3. Technisches Know-how wird überflüssig:
    Die Nutzung der Geräte und deren Anwendungen wird „intuitiver“. Man braucht nicht mehr zu verstehen, wie etwas funktioniert, sondern kann gewünschte Abläufe per Knopfdruck bzw. Display-Berührung aktivieren.
  4. Convenience durch Vernetzung der Anwendungen:
    Viele Online-Dienste sind miteinander vernetzt, und es reicht ein einziges Zugangskonto für die Nutzung dieser Dienste. Besitzt man beispielsweise eine Online-ID bei einem bestimmten Anbieter, hat man unter anderem Zugriff auf den dazugehörigen App Store zum Download von Apps, den Speicher-Dienst zum Speichern und Synchronisieren von Daten und den Messenger-Dienst zum Verschicken von Nachrichten oder Dateien. Ebenso genügt z.B. ein Facebook-Profil für die Nutzung verschiedener Online-Dienste.

Das folgende Kapitel zeigt auf, was diese übergeordneten Veränderungen im Verhalten und Denken der Menschen für die Landkarte der digitalen Lebenswelten bedeuten und wie sie sich im Zuge dieser Entwicklungen verändern.

  1. http://www.zukunft-breitband.de/SharedDocs/DE/Anlage/Digitales/bericht-zum-breitbandatlas-mitte-2015-ergebnisse.pdf?__blob=publicationFile (Zugriff: 23.03.2016 []